Hr.247 Zweites Blatt
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Zreltag, (9. ©Hoher (928
Erinnerungen an Rasputin
Rasputins politische Feinde sammeln sich
Man beschließt die gewaltsame Beseitigung des Wundermannes
Nachdruck,
nach Paris zurückgekehrt,
Freund kalten Blutes sich Selbstmord und Wahnsinn
Mit der Nordarmee
erschütterten kranken selbst, treibt ihn dem in die Arme.
Heber Le Pouldu
auch mit Quellenangabe, verboten! Tientsin, Oktober 1928.
Vernichtung der letzten Neste der
einzufügen, schweift unstät zwischen Paris und der Bretagne, wo er in La Pouldu einen Kreis gleichgesinnter Künstler beherrschend, immer bewußter den Kampf gegen die Impressionisten aufnimmt. In Gauguins asozialer Natur ist es nicht minder als in Van Gogh beginnender geistiger Umnachtung begründet, daß die ersehnte Arbeitsgemeinschaft in Arles 1888 Vincents hingebende Freundschaft in tödlichen Haß wandelt und seine liebende Seele zu einem irren Anschlag auf Gauguins Leben reizt. Selbstsüchtig und feige überläßt Gauguin den von Reue
zum Tier hinabsiickt", flieht er noch einmal in das durch die Ferne vettlärte Paradies von Tahiti. Durch Hausbau verschuldet, in ohnmächtigem Kampf gegen die Mißgriffe selbstherrlicher Kolonialbeamter muß Gauguin auf der Höhr seiner Kunst sich zu monatelanger Fronarbeit in den öffentlichen Schreibstuben bequemen. Auf der ständigen Flucht vor staatlichem Zwang und europäischer Hnsitte zieht er sich grollend immer weiter nach Osten auf die verlorene Marquesa- Insel La Dominique zurück. 3m Grunde apolitisch und anarchistisch wirft er sich in sinnloser Streitsucht zum Hüter der von bestechlichen Beamten vernachlässigten Zollgesetze und gleichzeitig zum romantischen Verteidiger der Wilden gegen die Zivilisation Europas auf, verrennt sich tiefer und tiefer in den hoffnungslosen Krieg gegen die Behörden und stirbt einsam inmitten von Plänen zu erneuter Rückkehr nach Europa ...
ßen Mauer, die hier bis in das Meer hineinreicht, ist der Feldzug des chinesischen Südens zum Abschluß gekommen. Die Kuominpartei herrscht nunmehr uneingeschränkt in ganz China, da sie jetzt nur noch von der Feindschaft bedroht ist, die sich aus inneren Streitigkeiten der Partei ergibt. Die Konstituierung einer neuen Verfassung, die an die Stelle des unhandlichen und regierungsunfähigen Rates der 120 obersten Parteidelegierten fünf Ausschüsse setzt, von denen der sog. „Verwaltungsausschuß" die Stelle der Regierung entnimmt und als solcher die Leitung der gesamten inneren und äußeren Verwaltung des Landes innehat, bedeutet daher in der Tat den Anfang einer neuen Zeit für das vom Bürgerkriege z. T. hart mitgenommene Land, wenn auch nicht verkannt werden darf, daß die größten und schwierigsten Fragen noch der Lösung harren. Denn das Ergebnis der Revolution in China hat bisher in der Hauptsache nur in der Abschaffung vieler alter Dinge bestanden, ohne daß man Neues an ihre Stelle gesetzt hätte, ja ohne daß man auch nur wüßte, was an ihre Stelle treten soll.
Das ist — wie im Gegensatz zu den z. T. immer noch recht übelwollenden Berichten englischer Korrespondenten festgestellt werden muh — aber durchaus kein Zeichen für die Unfähigkeit der Kuomintang und ihrer Führer, sondern nur eine Folge eines Zustandes, in dem das Zuwarten zweifellos richtiger ist, als die vorschnelle, an europäischem Tempo gemessene
.,3rena Alexandrowna? Ist sie denn in der Stadt? Ich glaubte, sie sei in der Krim," bemerkte Anna Wirubowa dazu.
Unglücklicherweise maß keiner von uns dieser Bemerkung irgendwelche Bedeutung bei. Erst nach dem Verbrechen erinnerten Anna Wirubowa und ich uns daran. Damit wurde auch der Verdacht der Zarin bestärkt, und das trug wiederum dazu bei, daß sich die polizeilichen Untersuchungen auf das Palais an der Moika und den Fürsten Iussn- pow konzentrierten.
Um unbemerkt in unser Haus zu gelangen und den Pförtner nicht zu so später Stunde zu wecken, war Iussupow über die Hintertreppe zu uns gekommen und hatte an der Küchentür geklopft. Mein Vater, der ihn erwartet hatte, machte keinen Hehl aus seiner Ueberraschung darüber, daß Iussupow solche Vorsichtsmaßnahmen an- wandte. Er führte ihn in sein Schlafzimmer, wo er mit ihm einige Augenblicke plauderte, während er seinen Pelz anzog. Dann gingen sie die dunkle Treppe hinab und stiegen in das Autc- mobil. Auf Anweisung Jussupows machte der Chauffeur einige Umwege, um für jeden Fall die Polizei irrezuführen. Der Wagen hielt schließlich vor dem kleinen Portal des Palastes an der Moika. Den Pelz über die Schultern zurückgeworfen, stieg mein Vater vergnügt und arglos die Treppe empor und überschritt die Schwelle seines Gastgebers. Es muh ungefähr um halb ein Uhr nachts gewesen sein. (Fortsetzung folgt.)
Roman eines Malers.
Gauguins Weg von Paris nach den Tropen.
Don Dr. Ida Ledermann.
Fünfundzwanzig Jahre nach Gauguins Tode hat man seine Gemälde aus allen Kulturstaaten zu einer repräsentativen Schau vereint, die jetzt in Berlin gezeigt wird und den Kampf des Meisters gegen den Naturalisnrus der Im- prefsionisten und ihre zarten, eintönigen, durch Farbenzerlegung gewonnenen Harmonien erhellt. Erst im Expressionismus unserer Tage hat sich sein hier offenbarendes Wirken erfüllt, „aus der Malerei zu machen, was Berlioz und Wagner aus der Musik gemacht, eine Kunst für die zerrissenen Herzen, eine Kunst, der die Modelle, d. h. die natürlichen Gegebenheiten, nur Lettern sind, die den Künstlern dienen, sich selbst auszu- drücken, eine Kunst endlich, in der die Farbe nicht zeichnerisch angewandt wird, sondern um die musikalischen Empfindungen zu wecken, die aus ihr selbst entspringen, aus chver eigenen Natur, ihrer inneren mystischen Kraft."
Die 55 Lebensjahre, die dieser elementaren und doch in den besten Iahven durch Not und Krankheit elend gehemmten Kraftnatur vergönnt waren, gleichen einem abenteuerlichen Roman. Gauguin selbst hat ihn geschrieben, in „Noa Noa", dem Tagebuch seines ersten Tahiti-Aufenthaltes, in „Vorher und Nachher" und in den Briefen an seine Freunde. Die Bemerkungen zur Kunst und die beißenden Glossen über die Zustande der menschlichen Gesellschaft, die diese autobiographischen Werke durchsetzen, spiegeln lebendig des Mannes widerspruchsvolles Wesen, das triebhaft und hemmungslos, brutal und zynisch, dennoch der zarten und edeln Züge nicht entbehrte und einer aufopfernden Freundschaft, wie sie ihm Daniel de Montfreid über das Grab hinaus bewahrt, nicht unwürdig gewesen sein kann.
Der Vater, ein unbedeutender Publizist, stirbt früh. Die vier Iahre, die der Knabe alsdann mit der Mutter bei der spanisch-südamerikanischen Familie in Peru verbringt, entfesseln die Widersprüche seines Mischblutes, machen ihn lebenslang
Oie Doppelrolle des Fürsten Felix Jussupow. - Rasputin geht in die Falle.
Don Maria Grigonewna Rasputin.
Nanking oder Peking?
Oer Kampf um Chinas Hauptstadt.
Von unserem c-Berichterstattcr.
bei Peitaiho, zwischen dem Lwang flusse und dem äußersten Nordostzipfel der Gro
Ltrausführuug in Mainz.
Im Mainzer Stadttheater gelangte am Mittwoch die dreiaktige Tragikomödie „D e r große Wurf" von I. O. Günther zur Uraufführung. Der Autor ist bisher schon verschiedentlich mit Preisen ausgezeichnet worden, erschien jedoch zum erstenmal auf der Bühne. Das Stück ist eine mit jugendlichem Dekennermut vorgetragene PHUippika gegen die herrschenden sozialen Zustände und verteidigt in bühnenwirksamer Gegenüberstellung die Freiheit des Individuums gegen schematische Gesellschaftsmoral und Staatsjustiz. Der Handlung liegt eine Kriminalgeschichte zugrunde, in der ein junger Musiker des Mordes an seiner Geliebten verdächtigt und zum Tode verurteilt wird. Im Augenblick der Hrteilsfällung erscheint die Totgeglaubte im Gerichtssaal und bringt seine Unschuld an den Tag. Dank der Aktualität des behandelten Problems erzielen besonders die beiden ersten Akte gespannte Anteilnahme. Für die geschickte Inszenierung zeichnete Oberspielleiter Th. B ö g e l verantwortlich. In der Hauptrolle stellte H. B u ck w i tz eine lebensechte, blutwarme Gestalt auf die Bühne. Das Publikum dankte dem anwesenden Autor und den Hauptdarstellern für den anregenden Abend mit lebhaftem Beifall.
über einer Samthose und dazu leichte Lackstiefel. Sein großer Nerzpelz lag auf dem Sofa im Speisezimmer bereit.
„Willst du heute abend wieder ausgehen?" fragte ich. Er schien mnerlich erregt zu fein; jedoch blieb er von Zeit zu Zeit minutenlang wie geistesabwesend stehen. Auf meine Frage antwortete er nicht sogleich. Dann aber zuckte er leicht zusammen sah mir gerade ins Gesicht und sagte, während er die Stirn Warias streichelte: „3a, aber ihr braucht euch nicht zu beunruhigen. 3ch binbeidem FürstenIussu- pow eingeladen, der mich gegen Mitternacht abholen wird."
3ch weiß nicht, wie es kam. daß mir in diesem Augenblicke die Mahnungen zur Vorsicht einfielen, die der Minister Protopopow und Anna Wirubowa meinem Vater hatten zukommen lassen. Aber ich unterdrückte sogleich bei dem Gedanken, daß er sich ja in Gesellschaft seines Freundes, des Fürsten 3ussupow befinden würde, jede Unruhe. Gegen seine Gewohnheit brachte uns der Vater an diesem 2lbend ins Schlafzimmer. Als er uns verließ, schlug er noch über uns beide das Zeichen des Kreuzes.
Die Einzelheiten über die Vorgänge in dieser tragischen Nacht habe ich nicht nur durch die Untersuchung erfahren, die auf Befehl der Zarin sogleich eingeleitet wurde, sondern auch durch gewisse vertrauliche Mittcllungen, die die Mörder später ihren Bekannten gemacht haben, und die mir in der Folge wortgetreu hinterbracht wurden. Es versteht sich von selbst, daß sie erheblich von der offiziellen Version ab Weichen, die die Mörder später ihrem Verbrechen gegeben haben.
Ich bin fest überzeugt, daß Purischkewitsch die Seele der Verschwörung gewesen ist. In den Händen dieses ehrgeizigen Politikers, der sich zur Lenkung der Geschicke Rußlands berufen fühlte, und der durch eine Aussehen erregende Tat gleichzeitig die Volksgunsl erobern und sich die Dankbarkeit eines Aristokralenklüngels erkaufen wollte, war der elegante Müßiggänger Fürst Iussupow, der sich zwischen zwei Aulo- mobilparlien oder zwei Bummelabenden nachlässig auf fein Examen im Pagenkorps vorbereitete, nur ein Werkzeug. Purischkewitsch war es ferner gelungen, den Großfürsten Dimitri Pawlowitsch, den Vetter des Kaisers und den Freund Jussupows, für den Plan zu gewinnen. Seine Mitwirkung sollte dazu dienen, den verdacht abzulenken und die Täter vor jeder Indiskretion der Polizei zu behüten.
Schließlich wandte sich Wladimir Purischkewitsch noch an einen ihm befreundeten Arzt, Dr. Lasovert, und an einen Offizier, Hauptmann Sukotin, die bei der Fortsch^.ssung der Leiche be- hssflich sein sollten. Der Plan war bis in alle Einzelheiten genau vorbereitet. Unter Ausnutzung der freundschaftlichen Gefühle, die er in meinem Vater zu wecken gewußt hatte, sckllte Fürst Iussu- pow ihn eines Nachts in sein Palais am Moika- Ufer locken. Das mußte im Dezember geschehen, den die Familie Iussupow gewöhnlich in der Krim verbrachte. Man wollte meinen Vater mit Blausäure vergiften, die in einem Glase Madeira enthalten sein sollte. Sobald dieser durch die ersten Auswirkungen des Giftes wehrlos geworden sein würde, sollte er mit Revolverschüssen niedergestreckt werden, um jedem Fluchtversuch zuvorzukommen.
Damit dieses Mordpvogramm ohne Zwischenfälle ausgeführt werden könne, und damit kein Geräusch der Außenwelt die geplante Tat verriete, ließ Fürst Iussupow das Kellergeschoß seines Palastes möblieren und bequem einrichten, in dem er meinen Vater empfangen
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3m Verlaufe des 3ahres 1916 erhielt mein Vater mehrfach den Besuch des Duma-Abgeordneten Wladimir Purischkewitsch, der ein sehr populärer politischer Redner war und zu den Rechtsparteien im Parlament gehörte. Purischkewitsch holte sich Rat bei meinem Vater, der einigermaßen erstaunt über die Besuche des Politikers war. Es hatte den Anschein, als suche Purischkewitsch die Unterstützung meines V a t e r 8 für ein politisches Projekt zu gewinnen, über das er indessen nie offen sprach. Diese Besuche brachen plötzlich ab, als der Zar Protopopow zum Minister des 3nnem ernannt hatte, und kurze Zeit darauf begannen die dröhnenden Angriffe, die Purischkewitsch von der Duma-Tribüne aus gegen meinen Vater richtete.
Etwa um dieselbe Zeit stellte Munia Golowin, eine Bekannte meines Vaters, ihm den Fürsten Felix 3ussupow vor, der den Wunsch geäußert hatte, seine Bekanntschaft zu machen. Ius- supow war ein junger, schlanker und eleganter Offizier mit etwas affektierten Manieren. Er war aber gleichzeitig so aufmerksam und nett, daß wir ihm gegenüber keinerlei Mißtrauen empfanden. Er kam hauptsächlich am Abend zu uns und stets mit einer gewissen Heimlichkeit, weil er sich nicht den Vorwürfen seiner Familie aussetzen wollte, die meinen Vater unter dem Einflüsse der Großfürstin Elisabeth mit ihrem ganz besonderen Hasse beehrte.
Mein Vater wußte, daß er in dem ersten der beiden genannten Männer einen Feind hatte. 3n den zweiten aber setzte er fein ganzes Vertrauen. Er hatte sogar eine ganz besondere Zuneigung z^l dem Fürsten 3ussupow, der recht nett auf der Gitarre spielte, stets em frohes und zufriedenes Wesen an den Tag legte, und der durch die Besuche bei uns, die er gegen den Willen seiner Eltern machte, sogar einen gewissen Mut an den Tag zu legen schien.
In Wirklichkeit steckten diese beiden Männer aber unter einer Decke und bereiteten unter dem Patronat des Großfürsten Dimitri Pawlowitsch und mit Hilfe von zwei anderen weniger hervorragenden Komplizen die Ermordung meines Vaters vor, die ihnen später, am 16. Dezember 1916, in den Kellern des Palastes an der Moika auch gelingen sollte.
Don den Tagen und Wochen, die dem Verbrechen vorausgingen, habe ich kaum etwas in der Erinnerung bebalten. All das ist in meinem Gedächtnis durch die furchtbare Vision der Leiche meines Vaters ausgelöscht worden, zu deren 3dentifizierung wir gezwungen wurden, als man sie aus der Newa Arvorgeholt hatte, durch die enssehliche Unruhe, von der wir am Morgen des 17. Dezember ergriffen waren, und durch die ohnmächttge Verzweiflung, deren Deute wir auch in den folgenden Tagen blieben. Eine einzige Erinnerung ist an den letzten Tag übriggeblieben, den mein Vater in unserer Mitte verbrachte. Ich entsinne mich, daß unsere Freundin Anna Wirubowa gegen Abend bei uns zu Besuch war. Die Zarin war von einer kurzen Reise nach Nowgorod zurückgekehrt und hatte wie stets, Geschenke für ihre Umgebung rnitgebracht. Sie hatte Anna Wirubowa ein kleines Heiligenbild für meinen Vater gegeben, und unsere Freundin hatte an diesem Abend den Auftrag ausgeführt. Als ich mich mit meiner »er Waria gegen zehn Uhr abends zu
-gab, wunderte ich mich, daß mein Vater sich zum Ausgehen angezogen hatte. Er trug wie gewöhnlich, wenn er Besuche machte oder abends ausging, eine Bluse aus Heller Seide
ftndet er in den Symbolisten um 211 a llar m 6 und Verlaine auf literarischem Gebiet Kampfgenossen für seine antinaturalistische Revolution der Kunst. Ader die Leidenschaft zur Ferne, das Heimweh nach den Tropen sind ftärfer als menschliche Bande und beginnender künstlerischer Erfolg. Eine Versteigerung seiner Gemälde gibt ihm die Mittel zur Ueberfahrt nach Tahitt. „Mit der Gewißheit eines Morgen, das frei und schön dem gegentoärtigen Tage gleicht, kommt der Frieden üder mich; die müßigen Sorgen schwinden." Für den Augenblick! In „Roa Roa", der poetischen Schilderung von Land und Leuten, hält er die Illusion erfüllter Sehnsucht aufrecht, gestaltet die Dinge so, wie er sie sehen will. Die Parsser aber lehnen verstandeskühl und konservativ die unverständlichen neuen Bilder mit den polynesischen Titeln gründlich ab.
Auch auf Tahitt braucht man, seit Europäer es betreten, Geld zum Leben. Als die Mittel erschöpft sind, sieht Eauguin in der Rückkehr nach Europa das einzige Heil. Mit vier Franken steht er 1893 in Marseille. Eine Erbschaft ermöglicht ihm kurze Zeit ein leidlich behagliches Dafein in Paris. In der Bretagne wird ihm bei der rttterlichen QJerteidigung seiner schwarzen Geliebten von Rohlingen im Handgemenge der Fußknöchel zerschmettert. Er bleibt für den Rest feines von schwerer Krankheit heimgesuchten Lebens ein Krüppel.
In der bitteren Erkenntnis, „daß der Mensch nur als Individuum Mensch ist, in Gesellschaft
wollte. Bon dort waren die Revolverschüsse nicht einmal im Hose des Palastes zu hören, was übrigens auch nicht viel ausgemacht hätte, da die beiden einzigen im Palais anwesenden Dienstboten in den Plan eingeweiht waren.
Cs waren auch alle Vorkehrungen für die Fortschaffung der Leiche getroffen. Dimitri Pawlowitsch wollte sein Automobil, das mit dem gcohürstlichen Wappen geschmückt war, dazu hergeben. In dieser geschloßenen Limousine, die kein Polizeibeamter anhalten durfte, wollte man die Leiche des Opfers biszueiner einsamen Stelle am Rewa - Hfer, die vorher ausgesucht war, schassen. Dort sollte sie in eine Eisspalte geworfen werden, damit die Strömung sie ins Meer führe.
Abend zur vereinbarten Stunde erschien Fürst Felix Iussupow in seinem Automobil, um meinen Vater abzuholen. Er hatte ihn unter dem Vorwand eingeladen, daß er ihn mit seiner Gattin Irena Alexandrowna bekannt machen wolle, die sich aber tatsächlich mit der gesamten übrigen Familie Iussupow in der Krim befand. An dieser Lüge, mit der Iussupow seine erste Einladung begründete und den Argwohn meines Vcüers ablenken wollte, wäre beinahe das gesamte Komplott gescheitert. Nachmittags hatte mehr Dctter in meiner Anwesenheit Anna Wirubowa von der Einladung gesprochen und dabei auch erwähnt, er werde Irena Alexandrowna kennen lernen.
heimatlos, schwankend zwischen Europa und den Tropen. Die südlichen Wunderlande nehmen seine Phantasie für immer gefangen, verklärt bleibt die bunte, exotische Kinderheimat in sein Gedächtnis gebrannt, und noch der mit Staat und Gesellschaft zerfallene Einsiedler von La Dominique sonnt sich in der geachteten Stellung und feig- neuralen Lebenshaltung des Grotzoheims in Peru, der das patriarchalische Alter von 113 Iahren erreichte. Ein aus dem Gedächtnis gemaltes Bildnis bewahrt die mädchenhaften Züge der Mutter. Stärker als ihr fühlt sich Gauguin der vor seiner Geburt gestorbenen Großmutter Flora Tristan in Lebenskraft und eigenwilligen Freiheitsdrang verwandt; der Schriftstellerin und Künderin der Lehre St. Simons hatten sran- zösische Arbeiter in Bordeaux ein Grabmal errichtet.
Nüchtern dumpfe Schuljahre im stillen Orleans blieben fruchtlos für den Europas engen Möglichkeiten entwachsenen Wildling. Im Dienst der Handelsflotte kreuzt er erneut den Atlantischen Ozean und betätigt sich, vom Glück begünstigt, seit dem Ende des siebziger Krieges als Agent an der Pariser Börse. Er heiratet. Nicht lange fesseln ihn Wohlstand und Familie. An müßigen Sonntagen beginnt er zu malen. Nach erfolgreicher ^Beteiligung an der fünften und sechsten Ausstellung der Impressionisten widmet er sich mit 35 Iahren ganz der spät erkannten künstlerischen Sendung. Die Aufgabe des bürgerlichen Berufes wird der Anfang einiger Geldnot; auch die Familienbande zerfallen rasch. Heber Rouen und die Normandie geht es nach Dänemark, der Heimat seiner Frau. Allein kehrt Gauguin nach Paris zurück, friftet mit Zettelkleben am Pariser Nordbahichof sein Leben.
Ausgestohen von der Großstadt zieht er sich in die Bretagne zurück, nach Pont Aven, um sich nach einem weiteren Pariser Winter, der ihn mit van Gogh zusammenführt, nach La Martinique einzuschifsen. Farbe, Licht und Heppigkeit der südlichen Natur beschleunigen feine Befreiung von Pissaros Einfluß, doch das mörderische Klima treibt ihn nach einem Iahr krank nach Europa zurück. 2krtoildert und rücksichtslos vermag er nicht mehr, sich in das ifjm gastfreundlich geöffnete Heim des Malers Schuffenecker
Hast, mit der man in Europa organisch notwendigerweise langsame Entwicklungen durch Dekrete und Gesetze überspringen zu können glaubt. China ist eben durchaus nicht so einheitlich, wie man das naiverweise in Europa so oft hört, sondern ein ganzes ©emengfel von Völkern verschiedensten Temperamentes, ja auch verschiedener Sprachen, die erst einer gewissen Zeit bedürfen, um sich nach der jahrelangen Trennung wieder zusammenzufinden. Wenn man jedoch berücksichtigt daß dieses Volk fast zwei Iahrzehnte lang durcheinander geschüttelt wurde, und daß Provinzen von der Gröhe des Deutschen Reiches — man denke an die Mandschurei ober den „Wilden Westen" Chinas, Szetschuan — seit Jahrzehnten selbständig geworden sind, so wird man es verstehen, daß es auch in China eine beinahe europäisch anmutenbe Frage gibt, von ber bas Schicksal der künftigen Entwicklung des Landes abhängt: die Länderfrage, die wieder in das Chinesische überseht, in einer einzigen Frage eingeschlossen liegt, nämlich in ber, welche Stabt Chinas benn nun eigentlich Hauptstabt werden soll?
Diese Frage ist mit ber formellen Verlegung ber Hauptstabt von Peking (jetzt Peiping) nach 21 anfing keineswegs gelöst, wie mau zunächst annehmen möchte. Schon bie Tatsache, daß Nanking, die so lange Zeit hindurch vernachlässigte Provinzstadt, nicht bie ausreichenden Gebäude und Räumlichkeiten besitzt, um bie Regierung Chinas zu beherbergen, schafft Schwierigkeiten, die nicht zu unterschätzen find, ganz abgesehen davon, daß durch diese Hnbequeinlichkeiten der Wunsch mancher Behörden nach Peking zurückzukehren, bestehen bleibt. Ein Wunsch, der dadurch noch verstärkt wird, bah bie relative Armut ber heutigen Finanzen es unwahrscheinlich
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