Ausgabe 
19.9.1928
 
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Nr. 22t Zweiter Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhesfen)Mittwoch, 19. September 1928

Was ist ein Beamter?

Hur Verschiebung der Veamienrouferenz.

Di« Fragen des Beamtenrechts und der B«- amttnlüufbotm, d. h . auch chr< Vorbildung. sind heule noch größtenteüS ungef.äri. b dah iich bei den Beamtenverbänden aller Rutztungcn allmäh­lich ein« Enttäu'chung bemerkbar macht. die sicher- l»ch dem Funktionieren des Staatsapparates nicht dieräich ist. Die vom Reichsjustizminifter.um Witte August angekündigte und für den l8. Sep­tember emberusene Konferenz der De- amtenverbänbe über die Frage der Be- amtettlauf bahnen usw. ist, wir vir erfahren, wiederum um einen Monat vertagt und auf den 19. Oktober angefetzt worden. Bei dieser Kon­ferenz handelt es s.ch anscheinend um die Klärung all der Fragen, die mit der Beamtenvorbildung und der Beamtenlaufbohn für die unteren und mittleren Stufen zusammcnhängen, doch scheint man sich in den zuständigen Kreisen nicht ganz klar über da» zu erzielende Ergebnis und über die Wege zu sein, die man aus der Konferenz einschlagen will. Dabei handelt es sich auch hier um Probleme, d.e bereit» vor sechs wahren den Reichstag beschäftigten.

Gänzlich unhaltbar sind aber vor allem die Zustände in den Fragen des allgemeinen Be­amten rech!». Dis heute fehlt noch eine klare Definition des Begriff» ..Beamter", der in den verschiedenen Gesetzen mit ganz verschiedenen Avancen verwendet wird. Diese Unklarheit führt z. B. bei Gerichtsverhandlungen zu den gröhten praktischen Schwierigkeiren. Nachdem bisher alle Versuche, ein euchettliche» Beamten recht zu schal- fen, gescheitert sind, versolgt di« Legierung heute die Taktik, in S i n z e l g e s e h e n. wie z. D. mit dem Entwurf einer LeichSdienststrasordnung. die z Zt. dem Leichsrat vorliegt, einzelne Son­dergebiete zu regeln. Licht nur im Inter­esse der deutschen Beamtenschaft, sondern auch de» deutschen Volke» ist es dringend zu wünschen, dah, noch ebe die einzelnen Gesetze verabschiedet sind, die zuständiaen LegierungSsleilen die Ini­tiative zur Schaffung eines einheitlichen LeichsbeamtenrechteS ergreifen. Sind erst al di« Fragen des Beamten rechtes in ver­schiedenen Son der gebieten einzeln geregelt was natürlich nicht auf einmal geschehen kann so ergeben sich neue Unstimmigkeiten, die schwer auszugleichen sind.

Oas Bilanzergebnis der Leichspost.

riettcbührcnerhößung wird als berechtigt angefchen.

Berlin. 18. Sept (WTB.) Sie Deutsche Leichspost teilt u. a. mit:

Die Leichspost hat 1927 einen Gewinn von 253 Millionen Mark erzielt. SS handelt sich um einen Barüberfchuh von 70 Millionen Mark, der an bas Reich abgeführt wurde, und um eine Zuweisung zum Vermögen zur Deckung von AnlageauSgaben in Höhe von 183 Millionen Mark. Dieses Ergeb­nis entspricht durchaus den Angaben, die zur Begründung der DebührenerhöHuna gemacht wurden und dem Voranschlag. Es ist nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten durchaus angemessen: denn ein arbeitendes Vigenkapital von 2,5 Milliarden Mark muh einen Gewinn von rund einer Diertelmtlliarde abwersen. Das wurde seinerzeit auch im HaushaltSauSschuß dcS Reichstage» als richtig anerkannt. Die Berech­nungen zur Gebührenerhöhuna sind auch richtig gewesen, denn die Mehreinnahmen in den letzten Monaten sind ausschliehlich auj die Hochspan­nung der Konjunktur zuruckzusuhren. Die Ein­nahme für August ist 6 ereil» um 2.5 Millionen Mark unter dem Durchschnittssoll geblieben. Sin Anleihebedürfnis der Deutschen Leichspost besteht nach wie vor. Die Gebühren- erhbhung hat den äußerst dringlichen Kapital- bedarf bei weitem nicht etwa gedeckt. Der Der- waltungsrat hat der Deutschen Reichspost nur

Wendepunkt in der Chemie!

Professor Waldens Dortrag auf dem Naturforschertag.

Don unserem Sonderberichterstatter

Or. Siegfried Kurth.

Hamburg. 17. September.

.Man muh jung fein, um große Dinge zu tun". Dieser Satz Goethes wurde von dem geistvoll en Rostocker Professor Walden am Montagnach» mittag aus der Hamburger Raturfor- fchcrlagung zitiert, um die seltsame Tatsache zu beleuchten, dah fast alle Forscher, die neue chemisch« Synthesen entdeckten, die chemische Theorie weitercntwickelten. das in verhältnis- mähig jungen Jahren taten. Wöhler gelang feine Harnstoffsynthese mit 28 Jahren. Liebig. Kolbe. Berthelot. KekulS. Graebe. Liebermann. Adolf Strecker zeichneten sich als Meister der Synthese im Alter von 25 bis 29 Jahren aus. In dem bescheidenen Laborato­rium der damaligen Berliner Gewerbeschule hatte bex junge Chemiker Wöhler, al6 er zyansaures Ammoniak Herstellen wollte, einen Äortxr er­halten. der sich in Harnstoff umwandelte, und zwar durch eine unvorhergesehene, w.e man heute sagt: intramolekulare Umlagerung. Dah dieser Vorgang in seinen Auswirkungen fre Welt- anschauung und die "Wirtschaft des letzten Jahr­hunderts wesentlich beeinlluht hat. zeigte Pros. Dr. Walden der am Montag auf dem Ratur- forschertaa über die Bedeutung der Woblerschen Harnstofssynthese sprach. Der achtundzwanzig. jährige Friedrich Wöhler kannte die Bedeutung seiner zufälligen Entdeckung. Schrieb er doch feinem Lehrer und Meister B e r z e l i u S. der von Stockholm au» damals die ganze chemische Welt beherrscht«: »Ich kann Harnstoff machen, ohne dazu liieren oder überhaupt ein Tier, fei es Mensch oder Hund, nötig zu haben." Aus an» organischen Salden war ein organisches Produkt entstanden Der grobe Leipziger Ehemiker Her' mann Kolb« hat von dirfer Zusallsenldeckung später in seiner spöttischen Art gemeint. »Wöh­ler ging au», ein Eselein zu suchen, und fand ein Königreich."

Aber die Eroberung dieses Königreiches ging nur langsam vor sich. 9te Vorstellung, dah es

soviel an Gebühren zugestanden. wie sie. roraus» geletzt, hab daneben Anleihen in anaemessener Höhe ausgenommen werden können, unbedingt braucht

Oie Entschädigung deutscher Reedereien.

Verßandluugcn in Uafhinglun

Washington, 18. Sept. <WB Schieds­richter Parker begann heute i>tc Verhand­lungen über die Entschädigung der Haindurg- Amerika-Linie. des Norddeutschen Lloyds und anderer deutscher Reedereien für die wäh end de» Weltkrieges von den Vereinigten Staaten be­schlagnahmten Echisf e. Zur Z it w > dar­über Debattiert welche Schisse al» Handels­schiffe im Sinne des Freigabegesetz.» anzu» sehen sind. Rach Ansicht der amerikanischen Re­gierung kommen zur Entschädigung nur reine Handelsschiffe in Frage. die Waren. Post und Pafsagierc al» Handelsunternehmen beförderten während Schiffe die z B. Kohlen für die Krieg»slotte transportierten und unter Besehlsg walt der Murineleitung stanken, als Hilsskriegsschisfe von der Entschä­digung auszuschlieyen seien. (Sin weiterer Streitpunkt ist der Berechnungsmaßstab iür den Wert der Schiffe zur Zeit der Beschlagnahme. Die deutschen Reederei.» haben umfangreiche Gegenschriltsätze eingereicht die Verhandlungen dürften daher lange Zeit in Anspruch nehmen. Die von den deuttchen früheren Eigentümern angemeldeten Ansprüche belaufen sich auf ins­gesamt etwa 230 Millionen Dollar, die natürlich schon deswegen nicht in dieser Höhe anerkannt werden können, weil daS Freigabegesetz für Schiffe, Patente und Radiostattonen nur 10 0 Millionen Dollar al» Höchstgrenze vvrsieht.

Oberheffen.

Landkreis (Bietzen.

00 Klein-Linden, 18.6epL Nun bekommt auch unser Dorf wieder den Pfarrer mangel zu spüren. Da für den nach Engelstadt in Rhein Hessen versetzten Pfarrer Göbel ein Psarrassistent noch nicht ernannt ist, so hat vorerst Pfarrer Schultheiß von Großen Linden die Vertretung übernommen.

al. Allendorf (Lahn). 18. Sept. Unsere Störche sind vor einigen Tagen wi der von hier weggezogen. Diesmal waren es sechs Stück, vier junge und zwei alte. Die Jungen hatten sich gut entwickelt. Der diesmal den Ab­zug der Schwalben au» unserem Orte be­obachtet hat. muhte staunen. Am Donnerstag- Vormittag gegen 7 Uhr bot sich im mittleren Dors und in der Obergasse ein Schauspiel seltener Art. ®» sammelten sich nämlich Taufende von Schwalben, als wenn es zum Sammeln ge­blasen hätte. Gegen Mittag war dann feine Schwalbe mehr zu sehen. Am Frettag. 21. Sep­tember. farm der älteste hiesige Orts- b Ü r g « r seinen 8 6. Geburtstag feiern. Es ist der ® emeinbef i 2»g rubenöertoaf ter Johann Kaspar Diehmann, geboren am 21.Septemoer 1842 zu Allendorf (Lahn). Viehmann ist körper­lich und geistig noch sehr rüsttg und noch jeden Tag in der GemeindekieSgrube tätig, die er wäh­rend seiner Verwaltung als eine Mustergrube hingeftellt hat.

is. Steinbach, 18. Sept. Die 91 e u p f I a ft e rungderProvinzial st raste GießenStein- hach vom Waldausgang dis Steinbach schreitet rüstig vorwärts, so dast die Straße im Laufe des nächsten Monats jedenfalls dem Verkehr wieder übergeben wird. Durch die Umleitung des Verkehrs, der zum größten Teile die Straße GießenAnnerodStein- bad) belastet, ist hier bei der Einmündung dieser Straße auf die Straße GießenLich, der sog. Kirche gaffe, ein gefährlicher Winkel entftanben. Am Sonn­tag ereignete sich hier der erste Unfall, indem ein Auto mit einem Motorrad zusammen- stieß. Das Motorrad wurde stark beschädigt, die beiden Passagiere kamen mit leichten Verletzungen

davon. Ware das äuto nicht schnell zum Stehen ge­kommen, so halte der Zulammenftoh e:n tragudn» Ende genommen. Die Äcrtoffeltrnic bat hier ihren Anfang genommen. Der Ertrag ist für den trockenen Sommer verhältnismäßig gut, so dast mit einer M < 11eternte gerechnet werben kann Der Behang ist sehr gut, nur sind die Knollen in der Ent- mufiung kleiner, aber durchweg gesund Zu den '.Ra- tursiltenheiten gehör! e», dast manche startosielfelder noch in voller Vlüte stehen, hier dürste jedenfalls der (Ertrag schlecht werden, da die Trockenheit auf die Entwicklung der Knollen starken Einfluß hat.

ch Lich, 18. Sept. Einen in allen Teilen u>ohl- gelungenen und schön verlaufenen Familien- abend gab am Samstag in der hiesigen Turnhalle der GesangvereinCacilia" seinen aktiven und passiven Mitgliedern Gut vorgetragene öhare, zum Teil recht schwieriger Art, geleitet von Chor- meister Karl Stein, verschonten die Feier. Flotter Tanz bei guter Musik hielt die Teilnehmer bi» zum frühen Sonntagmoraen zusammen.

F Obbornhofen 18 Sept. Der Turn­verein .Gut Heil" (A. D. >. 2Hit glich he» Gaue» Wetterau bv» Allgemeinen Deutschen Tuc- nerbunhe», hielt am Sonntag unter Leitung feines ersten Vorsitzenden, Wilhelm Zulauf, fein diesjährige» Abturnen ab. In der Oberstufe traten die Detturner in zwei Riegen an. wooon die einen im volkstümlichen W ttkampf« (Sechs­kampf: Kugelstoßen. Deutscher Dreisprung, Weit- Iptingen. Freihoch, Freiweithoch und 103-Meter- ßauf), die anderen im Geräteturnen (Darren, Reck. Pserd) um den Sieg rangen. Im Sechs­kamps erhielt Willi Hensel d:n 1. Preis, dem damit auch der vom Verein gestiftete Wander­preis zufällt, bestehend in einer Standuhr. 2 Pr. Heinrich BouimerSheim, 3. Pr. Otto Schneider. In der Geräteriege wurde Reinhold Kammer 1. Sieger Rudolf Leschhorn 2. Sieger. In der Mittelstufe wurde im Zwölfkampf geturnt, außer Pflichtübungen an den Geräten und Kugelstoßen, 10i0-Vleter-Laus. und Frciweuhochspringen war noch eine Freiübung vorgeschri ben. Hier erhielt Otto BvmmerSheim den 1. Preis. Karl Leschhorn den 2. Preis. In der Zöglingsriege errang den 1 Preis Otto Zimmer, den 2. Preis Otto Groß. Die Preisverteilung wurde durch den 1. Turnwarl Albert Leschhorn vorgenommen

Hungen, 18. Sept. Wie wir kürUich be­richteten. hat der Vergwerksdirektor i. R. S ch t f f- tn a n n von hier im Austrag des Denkmal- Pflegers im Heckenwald ein Hügelgrab öff­nen lassen. Der Inhalt wurde von dem Denk­malpfleger. Professor Helmke (Sieben), be­stimmt und das Alter des Grabes darnach sest- gelegt. Das Grab rührt von den ll r n e n sel­be r l« u t« n her. die als Ackerbauer die srucht- baren Landstriche Mitteldeutschlands besiedelten und in dorsähnlichen Anlagen beieinander wohn­ten. An einzelnen Stellen, wie bei der vorliegen­den Grabstätte, nahmen sie auch vom lieber» gangsgelände zum Gebirge Besitz. Wie die Fund­stücke beweisen, war eS ein Brand grab, in dem sich die Knochenreste ohne Asche vereinzelt befanden, ganz zum Unterschied von dem vor mehreren Jahren in denPsasfenwiefen" auf- gedeckten Grab, das eine größere Brandstätte mit einer teilweise bis zu 20 Zentimeter hohen Aschendecke aufwies. Das Alter des Grabes läßt sich durch die aufgefundene kleine Urne und deren Form und Verzierung, letztere bestehend aus einem eingeritzten, dreilinigen, etwas welli­gen Band, genau bestimmen. ES stammt aus der Zeit von 1200 bis 1000 vor Christ! Ge­burt, der letzten der fünf Bronzestusen. DaS Charakteristische an ihr ist das fast vollständige Fehlen von Metallbeigaben, besonders von Was- sen. Die Grabstätte hat also ein Alter von rund drei Jahrtausenden.

() Lang-GönS. 19. Sept. Vor einigen Jahren sind die Gemeinden Dornholzhau- s e n und Lang-GönS übereingekommen, den Verbindungsweg (Mandlerweg) zwischen beiden Orten al» Straße auszubauen. Der Teil, der auf Dornholzhausen entfällt und bis in die Mitte des Waldes reicht, ist bereits fertig. Von unserer Gemeinde wird die Strohe in einzelnen Abschnitten gebaut. Run geht wieder ein länge­re» Stück der Vollendung entgegen, und e» sind

der besonderen Lebenskrast bedürfe, um die Stoffe, die man im tierischen oder pflanzlichen Körper findet, zu erhalten, ließ sich nicht so leicht er­schüttern. War Wöhler der En.d:ckcr. so war vor allem Liebig der Träger der Idee, der die chemische Cnntix'c organischer Raturstoffe ohne Lebenskraft weiter entwickelte. Schon hatte Kolle aus anorganischen Stossen, au» Schweselkohlen- stosf. Chlor und Wasser, die Essigsäure gewonnen. Der Franzose Bcrthelot gelangte von den ein- sachsten anorganischen Stoffen stufenweile zu kom­plizierten typisch oraanischen Verbindungen. A. W. Hosmann und seine Schüler erschlossen das Reich der Teersarbstosse. und was das be­deutet hat. lehren einige 3afclen. Schon vor dem Krieg hatten allein die Höchster Farbwerke über 11000 Farbstosstypen svnthett'ch heraestelll. Da- nials wurden In Deutschland jährlich 135 Will. Kilogramm Farbstolse erzeugt, darunter 22 Mill. Kilogramm künstlicher Indigo: heute beträgt d:e deutsihe Farbstosierzeugung etwa 80 Mill Kilo­gramm. Kolbe und Saute mann eröffneten auch die künstliche Gewinnung von Arzntistof en mit der Synthese der Salizylsäure im Jahre 1860. Schon vor dem Krieg gab e» rund 5000 künst­lich« Htilstoffe. Wer kennt nicht daS Antipyrin, Veronal. Sulfonal. Coffein. Kokain. Adrenalin, Salvarsan. Germanin und viele andere synthetische Meisterltistungen. Geschenke an die leidende Menschheit. Schon im Jahre 1863 stellte der junge Ferkin das Cumarin de» Waldmeisters syn- thettsch her. 1875 gewannen Tiemann und H a a r m a nn das Vanillin. Auch der Veilchen» duft (Ionon) wurde durch chemische Künste ge­wonnen. Fast legionsweise wurden neue orga­nische Verbindungen nach ganz bestimmten Me­thoden entdeckt. Heute fermen wir rund eine Diertelmillion solcher synthettsch gewonnenen und genau analvsicrten Verbindungen. Gewiße Vor­stellungen über die Deröindungsmözlich'titen de» Kohlcnstosss und über d:e Lage und Atome im Raum hallen zur Entdeckung neuer Verbindungen, deren Eigenschaft man ziemlich genau Voraus­sagen konnte bevor die Verbindungen selbst bekannt waren.

Die Deuttchen haben den Löwenantell an diesen Stiftungen; namentlich die großen technischen Synthesen sind auf ihr Konto zu schrtibrn. Auch bei der beginnendenUmorientierung der mo­dernen chemischen Synthese", das heißt der Ab­

kehr von den Rohstoslen (ober Halbprodukten) der lebenden Ratur und der künstlichen Ausbau- arbeit organischer Stosse aus Kohle. Wasser und Sust stehen die Deuttchen an erster Stelle. Wir getobmen den Hol-weist (Methanol), ja Aethylalkvhol. Essigsäure. Aceton und eine kaum übersehbare Zahl weiterer Abkömmlinge fluffi­ger Oelc im Grunde genommen au» Kohle und Was er oder aus Kohle und Wasserstoff (Dergin- verf ähren). Die künstliche Methanolproduktton wird mit 20 000 Tonnen (im Jahre 1927) be­ziffert. während in diesem Jahre die I.-G.- Farben-Fabriken an künstlichem Venzin etwa 100 000 Tonnen erzeugen wollen Synthetisch gc- bundenen St ckßofs erzeugen wir bis zu 700 003 Tonnen gegen 13000 Tonnen vor dem Krieg.

Sowohl bei dem synthett^chen Ammoniak-Ver­fahren (nach Haber. Vosch. Mittasch« als auch bei den oraanischen Synthesen aus Kohle wirft neben hohen Druden und hohen Tempera­turen - - noch ein Agens mit. das an Stelle der einstigen .Lebenskraft' in d:r ganzen Ratur geheimnisvoll die chemischen Umsetzungen be­schleunigt oder .belehr; der Katalysator oder die Kontakttubstanz. Wilhelm Ostwald war wohl der Mann, der vor allem den Begriff und die Bedeutung der Katalyse neu erfaßte. Seit­dem man sich mit der Xatalnfe mehr beschäftigt, fühlt man. daß der bisher üblich: Weg. die fo» genannten organischen Verbindungen herzustellen, nicht der allein richtige sein kmm. Man ging bisher trtd zu drastisch vor. Außerordenvich hohe Temperaturen und Drucke wurden ange­wandt. Wie sticht das gegen die zarten Methed:" der lebenden Zelle ab. die aus Kohlensäure. Waf'er usw. ihwr Synthe'en vollzieht Die syn­thetische Wi scn'chast der Zukuirft muß diese Me­thoden des lebenden Organismus erforschen und damit auch die Lebensvorgänge selbst durch die Synthese cnträHcln. Das werden die ttächsten Ziel« der organischen Synthtie sein. Vor allem muß sie sich ben amorphen Kolloiden (leimartigen Stossen) zuwenden. Die lebende Zelle wird immer mehr als ein System von Kolloiden erkannt und unter diesen Zellkolloiden nehmen die Enzyme (oder Fermente) eine bevorzugte Stellung ein.

Zweihundert Jahre nach der Wöhlerschen Ent­deckung wird die Menschheit ettoa auf fünf Milliarden Seelen angewachsen fein. Wie wird für deren Rotdutit gesorgt werden? Die minerall-

nur noch ein i je hunXrt Meter herzu stellen. Die Fertig stelsimg w rd von beiden Gemeinden au': lebhafteste begrüßt werden. Im Gegen­satz zu anderen Gemeinden und zu Inibercn

Wahlvorschläge zur Kirchengcmein- devertrelung emgereicht ororben Die Wahl findet nächüen Sonntag statt Man tft auf den Ausgang allgemein gespannt. Ein Auto- Unfall, bet toch z si ch gnäbtg ablief, er­eignete sich gestern aus ber Hauptstraße un'eres Dorfe». t.einer Hanomag, der b ntcr einem

Wagen herfuhr, und einem entgegen omwenden Wagen anvwe.chen wollte, kam habet zu dicht an die Pferde, daß diese hochgmgen un> über da» Auto wegsetzten. Da» Auto mürbe ziemsich stark beschädig', lohnte aber nach längerer Pause feine Fahrt sortsetzen

> Aus der nördliche» Wetterau.

Woche» m:t nur wenige» Unterbrechungen vor­herrsch: wirkt sich allmählich verheerend aus und gibt hem Landwirt zu ernsten Sorgen Anlaß. So z. K ItefM e» mr ber Futierknapphkit sehr schlünni Wa» seit Jahrzehnten noch nicht cingctretcn. ist j tz? W.rklichkei geworden. Schon jetzt muß der Landwirt xum Dörrsu11er grei­sen. das aber krnrch reichliche Grünsütterung von Grummetgra» nicht allzu große Vorräte aufweist. Wo bem Landmann in früheren Jahren gerade in dieser Jahreszeit Erbsen. Wicken, S.oppelllee und der dritte Schnitt de» Rotklee» al» Vieh- nahrung in Menge zur Verfügung standen, steht er beute mitunter vor kahle» Flächen, di« viel­fach ganz verkümmerte Pflänzchen zeigen. "lUit der dritte Schnitt der tief wurzelnden Luzern« und ber Mai» konnten hier und da wtilerhelsen. jedoch warfen auch ftc gegemlber Vorjahren wesentlich geringere Erträge ab. 9er Latidwirt ist deshalb jetzt schon gezwungen, seinen Vieh­bestand .zu verringern Auch mit tvr Kartoffelernte steht e» nicht zum besten. E» wird aus gute», tiefgründigen Böden nur mit einer mittleren Ernte, auf geringeren Böden sogar mit einer schlechten Ernte gerechnet werben, können. Auch die Dickwurz find stellen­weise in trockenen Sagen im Wachstum stark Aurückgeblicben und liescrn im Berg!eich zu Vor­jahren nur geringe Ertrage. Mil berechtigter Sorge sieht der Landmann dem 'Winter entgegen. Glücklicherweise ist die di sjähriae Strohernte reichlich und gut auSg-!allen, so daß Stroh in großer Menge zu Fütterung»zwecken her» wendet werden kamt.

Mrcie Aricddcrg.

L Friedberg, 18. Sept. Im Ratskeller hier- felbft sand der Gausängertag de» Gaue» W c 11 e r a u statt, zu dem von den 28 angeboren» den Vereinen 24 ihre Vertreter entsandt baten. Der Vorsitzende. Lehrer Schenk (Melbach), bc» grüßte die 8r|d)icncncn, besonders die Vertreter deS neuen MitgliedesHeiterkeit" Rieder-Erlen­bach, unb erstattete sodann bat Geschäftsbericht. Sine lebhafte Aussprache ent sacht« hierbei der Vertrag mit den Tvnsitzergefellfchasien: Afma und Gema. Sin diesbezüglicher Antrag soll dem 'BundeSsängerlag vorgelegt werden Der Vor­sitzende forderte die Vertin« zur umgehenden Zahlung der hier iwch rückständigen Beträge auf. Im nächsten Jahre soll, genau wie im lausenden, in jedem Bezirk ein WertungSstngen ab» gehalten werden. Von einem gememfamen Gau» Dertungssingen wurde Abstand genommen, da der Gau bei dem VundeSseste tn Darmstadt tin Platzkonzert veranstalten wird. Der Gauchor- meister wurde beauftragt, die Chöre hierfür aus­zuwählen und einen Diriaententag abzuhallen. Der Vorsitzende gab den Termin des Bundes- sestes, die Höhe des Stil bei trage# utrf» verschie­dene Einzelheiten über da» Fest bekannt; ec sorderte die Vereine zu möglichst geschlossener Teilnahme auf. Hieraus wurde ein erweiter­ter Gauvorstand gewählt. Gegen 6 Uhr schloß der Vorsitzende nach Erledigung Otinerer Anfragen die Versammlung.

* Friedberg. 18. Sept. Die Zahl ber UnterstützungSempsänger ist im "Bezirk be» Arbeitsnachweis«« Friedberg- Büdingen in den letzt«,! 14 Tagen um fast

scheu Bodenschätze sind bereit» jetzt fühlbar er» schöpft. Aber in hundert Jahren wird die che­mische Synthe'c welsire Triumphe geie ert haben. Das Geheimnis der Enzym« ist enträtiell. und damit ein neuer Kontinent der Wissenschaft und Technik erschlossen. Zartere Methoden wird die technische Synthese dann anwenden. Ihre physi­kalischen Energien und chemischen Reaktion»- beschleunig ungen werden eine ungewöhnliche Steigerung erfahren haben. Der As imilations- vorgang der Pflanzen wird in wesentlichen Zügen ein lenkbarer geworden sein. Die Erzeugung be­sonder» gewünschter Rutzstoise wirb nach Menge unb Wach»tumszeit dem Willen dos Experimen­tators unlerlati gemacht. Luft Kohlensäure. Wassirbantpf, Wind«, die atntosphäri che Elek­trizität und Sonnenstrahlung werden unmittel­bar in unsere Dienste treten. Stand da» erste Jahrhundert brr vrgan schon Synthe e feil Wöh­ler unter ber Losung: Lo» von ber Lebenskraft, so möge bas zweite Iahrhuitdert unter ber De­vise: xZurück zum Leben' svch »ollenben. Be- sonbers auf dem Gebiet b-r VolkSernäh- r u ng 1 ind noch große Probleme zu lösen, denn die Menschen, die in de» großen Induftnestädten angeflrrngt arbeiten brauchen hochwer.ige Rähr- mittel um den Anforderungen zu genügen, die täglich an si« gestellt werden Roch bilden Ge­treide und Fleifch die Haupt bost and teil c unserer Rahrung. daneben gewinnen aber Rährmittel an Bedcutilng. b c noch vor kurzer Zeit völlig unbekannt toaren. Die Lebensmdg!ichteiten des deutschen Volkes sind abhängig von der rast­losen Arbeit der Forscher und nicht nur in materieller, sondern vielmehr in ideeller Hin­sicht haben die Entdeckungen von Deutschen dazu beige tragen, daß die Welt heute wieder mit Achtung und Bewunderung von unserer Wifsen- scha't spricht. DaS Volk d?r Er inder nennt man heute die Deuttchen denn in deutschen Laborato­rien unb Studierzimmern sind in den letzten Jahren Entdeckungen gemacht worben, ble nicht nur wissenschaftlich« Fow.schri te von großer Trag­weite bedeuteten. 13000 Naturforscher fitzen heute in Hamburg sstisammen. um ihr« Erfahrungen auszutauschen und um neue Anregungen zu emp­fangen. Mögen di« Ergebnisse dieser Tagung dazu dienen, bas Wohlergehen der ganzen Menschheit zu fördern.