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Nr. 221 Erster Blatt

178. Jahrgang

Mittwoch, 19. September 1928

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Anschrift für Drohrnach' richten Nizeiyer Gieße«. poRlchecktoito:

8ranftnrl am maIn 1168t.

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhefsen

ünd» Dfrlog: vrühl'sche U»wersi1ät5-V«ch. nnö Slehtörnderet 8. Lange in Gieren. Sdjrtftleitimg und Keschästrstelle: Schulftraße 7.

.'ianahme oo, luiciätu für btt Tagesnnmmer Dt»

Nachmittag vorher, prell für | oe Höhe tii Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auewürt« 10 Betchepfennig- für Re» klamean-.eigen von 70 n m Breite 35 Neichepfennia, Piatzvorschttft 20'. mehr, ffbefrebaktcer

Dr. <)nebt. Wich. Lange. Veeannvonlich fir Tolttik Dr Fr Wich Lange für Feuilleton Dr H Lhyrrot, für den übrigen Teil Ernst Biumschein; für den An» zeigenteil flurt Hillmann, sämtlich in (Biehen

Gelungene Probefahrt desGrafen Zeppelin".

Vorbereitungen zum (Start.

Eine riesige Menschenmenge in atemloser Spannung.

Friedrichshafen. 18 Sept (WB) 3n Er» Wartung des Aufstieges des Luftschiffes drängt sich heute Domritlag eine große Menschen­menge vor dem Außentor der Zeppclinwerft. Gtnheimische unb louriftcn, de die kleine Stadt feit Tagen überfüllen, richten ihre Blicke unver­wandt nach der großen Halle. Aber noch ist es nicht so weit. Die Wetterleute sind zufrieden, doch es wird noch eine Weile dauern, bis der Bodenwind sich mehr gelegt hat. Heute mor­gen war er sechs Sekundenmeter stark, jetzt hat er noch drei bis vier Meter. @r hat sich etwas gedreht, so daß er jetzt seitwärts aus die Halle steht. Das ist nicht schön, hat aber immerhin einen Vorteil. 'Aus dem kleinen Platz läßt sich das Schiff nämlich nur schwer um seine Spitze drehen, ohne gegen einige Baracken gegenüber der Halle anzustohen. GS muß deshalb um einen Punkt bewegt werden, der etwa in seiner Witte liegt. Dieses Manöver wird durch den jetzigen Wind unterstützt, nur darf er nicht zu stark sein. Deshalb wartet man.

Inzwischen stattete man demGraf Zeppelin" noch einen letzten Besuch in der Halle ab. Unter dem Schiff jtchcn einige Herren der Be­satzung. Man freut sich, daß es nun doch losgehen soll. Oben auf hohen Leitern malen Anstreicher in großen Strichen noch d>e amtlichen Zulassungszeichen auf den Rumpf:Ö. Z. 127. Währenddessen hängt derGros Zeppelin" mit majestätischer Ruhe m den Drähten und Laufkatzen. Auf der Werft find alle Vorbereitungen getroffen, so daß derGraf Zeppe­lin" jeden Augenblick ins Freie geführt werden kann. Das Riescntor der Halle steht offen. Die Motoren haben noch einen kurzen Probelauf gemacht. Die Haltemannschasten sind zur stelle. Die Mannschaft wartet auf den Befehl zum Aufsteigen. Dieser Befehl ztzgert sich aber immer weiter hinaus, da die Füh­rung angefichts des großen Risikos immer noch eine Verminderung desWindes abwartet. Don Zeit zu Zeit werden neue Windmefsunaen vorgenom­men, und Dr. Eckener berät mit seinen beiden Mit­arbeitern Lehmann und Flemming, den stellver­tretenden Kommandanten des Schisses.

Der (Start.

Xaö Schiff wird nutz der Halle gebracht.

Um 3 Uhr hoi sich der wind soweit gelegt, daß man weiß, jetzt wird derGras Zepeptin" auf- steigen. Dr. Eckener gibt Beseht, da» lot ganz auf* zudrehen und den Zaun vor der Holle umzulegen. Hunderte von Händen greifen zu, die Holle weitet sich, so daß man, da do» volle Licht eindringt, jetzt die gigantische Größe de» Schiffe» er­kennt. Die Schienen, auf denen die Laufkatzen den Zeppelin hatten, werden durch Einlegung von Ver­bindungsstücken bl» auf den Platz hinaus verlän­gert. Heue Kolonnen Arbeiter treten an; die Fäuste, die diese» Werk mitgefchoffen, ergreifen die halte- feite, die fich von der Gondel und den Selten au» fächerförmig nach allen Richtungen straffen. Dian kann alle diese Vorbereitungen, die außergewöhn­lich sieberhast vor sich gehen und doch vorher genau festgelegt waren, nicht ohne innere Erregung beob­achten. Rur Dr. Eckener gehl mit der gewohnten, unbewegten Ruhe umher, gibt hier ein Kommando, nimmt dort eine Meldung entgegen; dann vor dem Schiff noch eine kurze F ührerbe- s p r e ch u n g. Dr. Eckener hat seine Mitarbeiter um sich gesammelt und entwickelt ihnen in großen Zügen seinen Marschplan.

Run werden die Sandsäcke abgehängt; bk Mo- torengondeln sind schon besetzt. Dann besteigt auch öle Besatzung da» Schiff al» letz­ter Dr. Eckener. Lin Pfiff. Kommando.Alles los- lasicn an der Gondel! Festhalten!" Die Holzböcke, auf denen die Gondel ruhte, fallen: Das Schift schwebt nun frei über dem Erdboden. Der Ballast wird ausprobiert. Aus ein neue» Kommando hebt sich der Bug de» Schifte»; von achtern wird Zu­fluß von IDafferballaff verlangt, dann liegt da» Schift wieder ruhig, c» ist auebalanriert. Liner der hinteren Motoren springt an, dann wieder Stille. Da. Schiss ist klar.

Um 325 Uhr kommt der Marschbefehl. Die Ar­beiter sehen sich in Bewegung und ziehen den rie­sigen Leib langsam au» der Holle heraus. Wieder springt ein Propeller an und drückt noch. (Einige Minuten später hat sich do» Schift im Freien schon nadj Unk» gedreht. Dos Manöver geht vollkommen glatt- Da» Schift lägt wosierballast ob, die Ma- schlnentclegraphen beginnen zu arbeiten und geben ba» Zeichen zum Anlauf. Kommando: Los! Alle vropel^er springen au, und das Schift hebt sich unter brausenden Hochrufen einer unüber­sehbaren Menschenmenge in langsamer Fahrt nach Westen. Einige Land- und wosierslugzeuge geben öem großen Kameraden das Geleit. lieber dem See wird Kurs noch Lindau eingeschlogen. wenige Mi­nuten später ist dos Lustschiss den Blicken der zahl­

reichen Zuschauer enftchwunden. Da» große Werk ist gelungen. Da» deutsche Volk hat wieder seinen Zeppelin!

Gras Zeppelin" über dem Bodensee.

Prüfungsarbeit an Bord.

Bregenz, 18. Sept. (WB.) .Graf Zeppe­lin" erschien um 4 Uhr nachmittags von Lin­dau kommend in ruhigem Fluge über der Bregenzer Bucht und fuhr in der Rich­tung gegen die Schweizer Grenze weiter. Bier Flugzeuge begleiteten den .Graf Zeppelin" auf dem ersten Flug. In den Straßen der Stadt sammelten sich hie Leute, um das Luftschiff zu bewundern. Das Luftschift fährt weiter.

3m fahrenden Luftschiff sind offenbar alle Arbeiten, die sich auf Dermeffungen und Proben erstrecken, in vollem Gange. Schon bald nach dem Aufstieg nahm die Funkstation des Schiffes die Verbindung mit der Srde auf. Sie teilte mit daß das Luftschiff um 4,45 Uhr über Konstanz war. Schon wenige Minuten später aber erscheint der .Graf Zeppelin" erneut über Friedrichshafen. Gr zieht über dem Zluggelände große Kreise und entjernt sich dann wieder in der Richtung zum Bodensee.

Rach 6 Uhr abends ist derGraf Zeppelin" noch immer in der Luft. Die Funkstation der Werft hat jetzt keine Verbindung mehr mit ihm: er erscheint aber verschiedentlich über dem Werftgelände, so zuletzt noch um 6 Uhr. Man kann vorn Lande aus deutlich beobachten, wie das Luftschiff die vorgesehenen Prüfungen vor­nimmt wie es von langsamer Fahrt auf Marsch geht und umgekehrt (durch Schleifen, Höher- unb Riedergehen der Steuerung, die durchgeprobt wird). Um 6.15 Uhr erscheint derGras Zeppelin" wieder über dem Werstgelände. ®r zeigt d l e Landungsflagge, torrb also in den nächsten Minuten nieder gehen.

Glückliche Landung.

Eckener stürmisch begrüßt.

Friedrichshafen, 18. Sept (WB.) Um 6.20 Uhr zogGraf Zeppelin" noch einmal eine große Schleife über Friedrichshafen und den Bodensee. Als die Landungsflagge unter der Gondel sichtbar wurde, nahmen bie Landungs- mannschasten auf dem Gelände Aufstellung, um das Luftschiff zu erwarten. 3n der Mitte des Feldes ist ein großes weiheS Tuch mit rotem üuerft reifen aus gespannt. Der rote Streifen wird entfernt zum Zeichen, daß das LandungS- si a n a I ve r st a n d e n ist. 3n langsamem Fluge nähert sich das Luftschiff dem Landungsplatz. 3n etwa 100 Meter Höhe setzen die Propeller aus biS auf einen. Langsam neigt sich die Spitze, so daß man jetzt deutlich in die erleuchtete Gondel hineinschauon kann. Ganz plötzlich setzen die Mo­toren erneut ein und das Schiff fliegt noch einmal über die Werst hinweg. Offen­bar ist das Schiff noch zu leicht und muh des­halb erst Gas ablasten. Um 6.48 Uhr erfolgte dann die glatte Landung. Das Schiff ging bis auf 200 Meter herunter und warf bann aus der Bugluke Ankerfesteln, an denen es bann lang­sam zur Grde gezogen wurde. Es wird nun vor­sichtig zur Halle hinübergeführt. Dr. Eckener und die Besatzung des Luftschiffes wurden bei der Landung lebhaft begrüßt. namentlich Graf Brandenstein und feine Gattin, die Tochter deS Grafen Zeppelin, sprachen dem Führer des Luftschiffes ihre herzlichsten Glückwünsche aus. Um 19 50 Uhr war daS Schiss sicher in der Hall« geborgen, und zwar wurde es mit dem Bug zuerst hineingeführt. so daß es also dieselbe Lage hat wie vorher. Der Grund liegt darin, daß man mit westlichen Winden rech­net. 2n den Abendstunden bot das erleuchtete Luftschiff in feinem riesigen Ausmaße gegen den Himmel einen phantastischen Anblick. biS es langsam in der Halle verschwand.

Glänzendes Ergebnis.

Tr. Eckcaer findet feine Erwartungen übertroffen.

Friedrichshafen, 18. Sept. (Dom Sonder­berichterstatter de» WTB.) Gleich nach der Landung erklärte Dr. Lckener dem Sonderberichterstatter des WIB. in einer Unterredung, daß d i e Fahrt ausgezeichnet verlaufen und er mit dem Jing sehr zufrieden sei. DerGras Zeppelin" habe alle« gehalten, was er versprochen und wa» man von ihm erwartet habe. 3n mancher Beziehung habe er die Erwartungen sogar übertroffen. So hat die heutige jahtt schon gezeigt, daß das Schift ohne Anstrengung aus eine jluggeschwlndig- keit von 12 0 Kilometer zu bringen ist. Jedenfalls ist c» noch schneller al» der Z R II. Die Geschwindigkeit wurde auf der üblichen Wehstrecke JrledrichshalenKehlen bei Ravensburg erprobt Diese Strecke, die 5700 Dieter lang ist, wurde zweimal durchfahren. Dabei hat sich auch die Manövrierfähigkeit de» Schifte» gtän-

zend gezeigt. Höhen- und Seilensteuer funktionierten hervorragend, namentlich haben aber auch d i e Maschinen tadellos gearbeitet. Dabei hob Dr. Lckener besonders hervor, dah sie bei der Umstellung aus Rückwärtsfahrt seine Erwartungen gircd)lfcrligt hätten.

Besondere Ausmerksamkeil wurde natürlich der Durchlüstung de» Schisse» zugewandt, da ja schon bei der Versuchsanstalt für Luftfahrt Beden­ken wegen de» Iricbgase» bcstonden. Dr. Lckener erklärt, daß die Lüftung allen Ansprüchen in vollem Maße genüge, so dah er hoffe, daß diese Bedenken fich durch prakftsche Erprobung überwinden lassen. Die Ventile haben so gut funktioniert, sagte Dr. Lckener scherzend, daß ich beschlossen habe, im Schift einen Luftkurort einzurichten. Zum Schluß betonte Dr. Lckener noch, die Landung sei dadurch verzögert worden, daß die Jangldnen zu kurz gewesen seien und daß er gerade beim ersten Mate eine schöne Landung hätte zeigen wollen.

Am Donnerstag ein zweiter Aufstieg.

Friedrichshafen, 18. Sept (WB.) Dr. Eckener teilte den, Sonderberichterstatter deS WTB. mit daß der .Graf Zeppelin" morgen nicht wieder aufsteigen werde. Auf Grund der Erfahrungen, die sich bei der heuttgen Fahrt

ergeben haben, find noch kleine Sinzel- verbesferungen notwendig, so an der Durchlus rungsanlage. die etwa» reichlich stark ist. Es ft! daher damit zu rechnen, daß diese 2lrbciten fv schnell beendet werden. daß voraussichtlich am Donnerstag die zweite Fahrt ongetroten werden kann. Bei Der heutigen Fahrt war übrigens die größte Höhe, die daS Luftschiff erreichte, 1400 Meter.

Schuh im Luftkrieg.

VernebclunghvtrsuchcübtrZndustriewtrltn

Stuttgart, 19. Sept (WIB Funkspruch 1 Aus dem Flugplatz Böblingen bei eliittgort wurden gestern Mittag interessante Groß-Bernebe» lungsveriuche industrieller Werke unternommen, denen iniofern eine große Bedeutung zukommt, al» damit erstmal» in Deutschland die langjährigen 'Be­strebungen um einen Schutz i n b u ft r i e 11 e r Anlagen, Dörfer und Städte bei Flie­gerangriffen im großen in die Tat umgesetzt wurde und die Verwendbarkeit der 'Jlebclfaure ge­prüft wurden. Ls wurden eine Anzahl Flieger mit Beobachtern entsandt, die über ihre Feststellungen genau Bericht erstatteten. Es stellte sich heraus, daß bie Nebelwolken nicht nur die eigentlichen Gebäude, sondern auch die ganze Umgegend der­artig verhüllt hatten, daß nicht einmal die Umrisse der Gebäude mehr c r - könnt werden konnten. Die Versuche sind daher unbedingt al» völlig gelungen zu bezeichnen.

9er Reichskanzler spricht über feine Senser Reise.

Enttäuschte Erwartungen aber keine deutschen Zugeständnisse.

Berlin, 18. Sept. (WTB) Reichskan-ler Hermann Müller hatte bie Freundlichkeit, heute nach seiner Rückkehr dem E-hesredakteur im WTB. eine Unterredung zu gewähren, in der er sich über Verlauf und (Srgebnifte der Genfer Ver­handlungen auSlieh. Auf bie Frage nach Zweck unb Ziel der von ihm mit den Besayungsl- mächten geführten Verhandlungen erklärte der Kanzler:

Ster Zweck dieser Verhandlungen war bie Geltendmachung unsereSRechtes auf eine sofortige Räumung der besetz­ten rheinifchcnGebiete und derSaar. Ueber die Grundlage und Derechttgung dieser These brauche ich mich nicht zu äußern: denn das ganze deutsche Volk ist bann einig, daß wir nach jeder Hinsicht bie Verpflichtungen erfüllt haben, die bie Doraussetzung dafür bilden. Juristisch: die deutsche Entwaffnung nach dem Dersalller Vertrag ist längst durchgeluhrt und festgestellt, die Leistungen der Verpflichtungen ans dem Dawesplan find regelmäßig erfolgt und be­stätigt worben, das Recht aus Art. 431 also un­zweifelhaft. Politisch: der Patt von Locarno, der formulierte Bestimmungen in dieser Hinsicht enthält, fordert feinem Geiste nach die Her­stellung eines Vertrauensverhältnisses, daS mit der Besetzung des Gebietes des einen Vertrags­partners durch die Truppen der anderen un­vereinbar ist. und moralisch: die Besatzung bildet den Anlaß dauernder Schwierig­keiten und Zwischenfälle, die den guten Beziehungen zwischen den Völkern Abbruch tun."

Aus bie Frage, inwieweit bie stattgehabten Besprechungen den oben gekennzeichneten Zweck erfüllt haben, erwiderte der Reichskanzler:

Da» gesamte deutsche Volk ist sich darüber einig, unb mir gestehen e» offen ein, daß bei ! diesen Verhandlungen das Ziel, die Befreiung des Rheinlande», nicht erreicht wurde. Die Reich»regierung teilt daher die schwere Lnttäuschung des deutschen Volke» über diese Ablehnung seine» Anspruch» in Genf in voll­stem Maße. Immerhin ist doch insofern ein Fortschritt erreicht worden, als unsere Forde­rung im ersten der drei Dunkle, über die bis­her Einverständnis herrscht, r e g l ft r i e r t wurde. 3m Gegensatz zu früheren, nur ganj unverbindlichen Besprechungen, wird hier zum ersten Blate offiziell von den Vertretern der Besatzungsmächte sowie 3apans dieEröff­nung einer offiziellen Verhand­lung" über untere Forderung zugestan - den; von dem Augenblick aber, wo das Räu­mung sproblem erst offiziell auf der Tagesord­nung steht, wird es nicht mehr von ihr ver­schwinden."

Wenn der erst« Punkt," fo me nte her Frage­steller, .in einem für Deutschland befr-etigenben Sinne aufgelegt werden kann welche Beden» hing hat der folgende zweite, der die R e P a r a - tionssrage betrifft? Der deutsche Stand­punkt ju dieser Frag« ist bekanntlich der. dah die Räumung nicht von der Repara- tionSsrag« abhänig gemacht werben darf. Aber wir haben ein großes Onterefft an der Frage an sich; a^fo an der Festsetzung unserer Schuldsumme und der end­gültigen Regelung unterer Zahlungen, und deshalb bedeutet auch die Eröffnung offizieller Verhandlungen über diese Fragen durch eine Expertenkommission einen großen Fortschritt.

Die folgende Frage lautete: ..Ist dabei aus die 'Besprechungen von T h o i r v zuruckgegan- gen worden?" Der Kanzler antwortete:Was man in 22)oirt) wollte, ist heute nicht mehr durch- zufühven. Wir konnten Vorschläge in dieser Rich­tung nicht mehr machen. (Sine Ttobilifierung größerer Gummen ist nicht möglich, ehe wir die Endsumme kennen, dte wir zu zahlen haben werden. Zu parallelen Verhandlungen über die Reparattonssvage find wir bereit, wie wir dazu immer bereit waven."

Der dritte Punkt des Kommuniques, die Frage der Feftstellungs- und Vergleichs- f o m m i f f i o n steht also mit der Annahme eines SachverständigenausichuffeS für die Reparations­frage nicht im Zusammenhang?

von französischer Seite Ist der Gedanke der Sicherheitsfrage in bie Besprechungen hineingetragen worden, von deutscher Seite sind keine formulierten Vorschläge erfolgt, aber wir hoben un» bereit erklärt, im Prinzip über die Schaffung einer solchen Kommission zu ver­handeln. die nach erfolgter Gefamträu- m u n g und an Stelle einer Besatzung gewisse Funktionen bei etwaigen künftigen Differenzen übernehmen könnte. Zusammensetzung, Funk­tionieren, Arbeitsgebiet und Dauer einer sol­chen Kommission werden im einzelnen Gegen- stand von Verhandlungen sein, jedoch mit der Maßgabe, daß eine Dauer über 1 935, also über den Ablauf der Tnajrimaltermine für die Besetzung hinaus, für Deutschland nicht in Frage kommen kann."

Wie denken Sie sich nun, Herr Reichskanzler, bie weite re (5 ntwicklun g?eDarüber wird erst zu sprechen sein, wenn die gegenwärtigen Genfer Verhandlungen zu Ende find, wenn bei uns der Auswattige Ausschuß Stellung genommen hat usw Aber ich mochte doch zum wchlusfe betonen, dah die Erörterungen, fo schwierig sie im einzelnen waren, den Vorzug hoben, in der Weltöffentlichkeit einen außerordentlich großen Wider­st a 11 zu finden, der uns angesichts der Stärke un­tere» Rechtsstandpunktes nur erwünscht sein kann."

Das Reichskabinett billigt Müllers Politik.

Vorläufig kein Zusammentritt des Auswärtigen Ausschusses

Berlin, 18. Sept. (WB.) Der Reichskanzlei» berichtete am heutigen Dormitlag dem Reichs- fabtneti über die in Genf geführten Verhand­lungen. DaS Reichskabinett billigte ein­stimmig die Haltung des Reichskanzlers und der deutschen Delegation unb dankte dem Reichskanzler für seine geschickte unb tatkräftige Führung der Verhandlungen Heber den Zu­sammentritt des Auswärtigen Aus- I ch u s s e s deS Reichstags zur Besprechung über die Genter Verhandlungen hat der Reichskanzler Müller mit dem Vorsitzenden des Ausschusses, Abg. Scheidemann vereinbart, daß der Aus­schuß erst $ufammentreten soll, wenn die Völ.'er- bunbsVersammlung in Gens vollkommen abge­schlossen ist, da die parlamentarischen Ver­treter noch in Genf anwesend fein sollen. Die Verzögerung für den Auswärtigen Ausschuß ist um fo unbedenklicher, als in den nächsten acht Tagen weder von deutscher Leite noch von der ©egenfette irgendwelche Schritte in den schwebenden Fragen zu erwarten sind.