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19.3.1928
 
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Nr. 67 Zweites Blatt

Montag, 19 März 1928

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffenl

Verschwörung".

Zur Verhaftung der deutschen Ingenieure int Tonezbecken

Von unserem dl-Berichterstatter.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.

Moskau, Marz 1928.

Moskau ist in Heller Aufregung. Die M.tleiiungen und Kommentare der Zeitungen über die Entdeckung einer neuen gegenrevolutionären Verschwörung und über die Verhaftungen sowohl russischer als auch deutscher Ingenieure im Don-Bassin haben die sonst an so manche Sensation gewohnte Moskauer Be­völkerung verblüfft. Noch zwei Tage vor der Ver­öffentlichung dieser sensationellen Mitteilung, die von dem Staatsanwalt des Obersten Gericht der Union S. S. R. ausgegangen ist, äußerte die Sowjetpresse ihre Entrüstung über dieemporendeBchand- l u n g, die die Zentralbehörden den Ingenieuren zu­teil werden ließe, indem diese von Ort z u Ort geschickt und gezwungen würden, Arbeiten zu leisten, die gar nicht zu ihrem Fach gehörten. Kein Wunder, hieß es in den Zeitungen, daß die Arbeit auf beh Werken nicht vorwärts geht, daß ein Werk nach dem anderen st i l l g e l e g t wer­den muß, daß der Aufbau der Volkswirtschaft außer­ordentlich verlangsamt wird. Die Zeitungen stellten die Forderung einer rationelleren Verwendung der Ingenieure und Techniker und verlangten, daß man ausländische Ingenieure und Fachleute in großer Zahl kommen lasse.

Gleichsam a l s A n t w o r t auf diese Forderungen der Sowjetpresse erfolgte die Mitteilung der Staats­anwaltschaft über die Entdeckung einer gegen­revolutionären Verschwörung. Die Sowjetregierung mußte irgendeine Erklärung für die katastrophale Lage der Industrie und den gänzlichen Zusammenbruch des Wiederaufbaues fin­den, sie brauchte Sünde ndöcke. Ein aus­gezeichneter Ausweg aus der Situation mußte die Entdeckung einer neuen gegenrevolutionären Ver­schwörung sein. Man nahm zur G. P. U. Zuflucht, und diese kam den Wünschen der Negierung natür­lich gern entgegen. Die erforderlicheVerschwörung" wurde umgehend aufgedeckt. Noch am 8. März äußerten die Zeitungen die geschilderte Empörung über die Behandlung der Fachleute und beschrieben die katastrophale Situation der Volkswirtschaft, und schon am 10. März meldete der Staatsanwalt Krassi­kow, daß imnördlichen Kaukasus und im Donez- Bassin die G. P. U. unter direkter Beteiligung der Arbeiter eine gegenrevolutionäre O r - ganisation entdeckt habe, die es sich zur Auf­gabe gemacht habe, die Steinkohlenindustrie dieser Bezirke z u desorganisieren und z u zer - ft ö r e n". Ferner teilte der Staatsanwalt mit, es seien bereits Verhaftungen vorgenommen wor­den, wobei er aber keine Namen nannte. Am Abend desselben Tages hielt der Vorsitzende des Rates der Volkskommissare eine große Rede, die die wirtschaft­liche Lage der Union zum Gegenstand hatte. Zwei Stunden lang sprach er über den vollständigen Z u sammenbruch der Getreidebereitstellungskam­pagne, über die Einstellung der Getreide­ausfuhr, über die Schwierigkeiten bei der Ver­sorgung der Städte mit Getreide und schilderte dann in sehr pessimistischer Färbung den gegenwärtigen Stand der Industrie. Er schloß seine Rede mit dem Hinweis auf die soeben entdeckte Verschwörung, der er alle Schuld an den Schwierig­keiten, die die Sowjetregierung gegenwärtig zu bewältigen hat, in die Schuhe zu schieben suchte, wo- bei er einflocht, daß unter den verhaftetenVer­schwörern" sich aud) ausländische Staats­angehörige befänden. Am nächsten Tage stellte es sich heraus, daß mit diesenfremden Staats­angehörigen" sechs deutsche Ingenieure der Firma AEG. und Köppers gemeint waren.

Die Nachricht über die Verhaftung nicht nur russi­scher, sondern auch deutscher Ingenieure verbreitete sich rasch in der ganzen Stadt und verursachte all­gemeine Verblüffung, nicht nur bei der Bevölkerung, sondern auch bei der Mehrzahl der Sowjetbeamten, die sich klar darüber waren, daß eine solche Maß­nahme nicht anders als wahnsinnig zu nennen war. Man zerbricht fick) allgemein den Kopf über die Motive dieser Maßnahme. Man neigt nun immer mehr der Annahme zu, daß die Entdeckung dieser Verschwörung" nicht nur dem Bestreben zuzuschrei­ben sei, die wirtschaftlichen Mißerfolge zu recht-

Goethe-Bund.

Alte Meister in Wort und Ton".

Die letzte Veranstaltung des Goethe-Bundes in diesem Winter bot einer erfreulich zahlreichen Zuhörerschaft in der Neuen Aula ein ebenso eigen­artiges wie künstlerisch wertvolles Programm musi­kalisch-literarischen Inhalts.

Den musikalischen Teil der Folge bestritt die Kon­zertmeisterin Frau Alice Ehlers, Berlin, mit ausgewählten Stücken alter Musik für Clavicembalo. Das merkwürdige Instrument der Bach und Händel und ihrer Zeitgenossen wird vielen, ja den meisten Besuchern überhaupt neu oder zuvor allenfalls ein Gegenstand der Musikhistorie und Jnstrumentalge- schichte von mehr oder minder museumswürdigem Belang gewesen sein.

Der Abend bot Gelegenheit, weit über solch histo­risches Interesse hinaus den ganz eigenartigen musi­kalischen Reiz des Cembalo, seine melodisch-rhythmi­schen, konzertalen und technischen Ausdruckclemente praktisch kennen zu lernen und sich dabei durch die trotz dem manchmal ein wenig spieluhrmäßigen und Miniaturhaften Charakter des zweimanualigen In­strumentes oft überraschende Klangschönheit und tonale Farbigkeit des Cembalo überraschen zu lassen; die sehr geschickte Zusammenstellung des Programms bot dem Hörer außerdem die selten er­fahrene Möglichkeit, die alten Meister auf ihrem eigensten Felde, in der Begrenzung ihrer technischen Mittel, gewissermaßen in zeitgenössischer Echtheit musikalisch auf sich wirken zu lassen.

Frau Ehlers zeigte sich als eine außergewöhnlich begabte, mit ihrem Instrument (einer stilgetreuen Pariser Nachbildung) gleichsam verwachsene Mu­sikerin van erstaunlicher technischer Sicherheit, fern« nervigem Stilempfinden und bedeutender Einfüh­lungsgabe. Die glänzende Beherrschung ihres In­strumentes erwies die Vortragende gleich zu Anfang mit einem dreisätzigen Konzert für valdi-Bach), das ebenso wie die Händelschen Grob- schmidt-Variationen und eine Sonate von Scarlatti vor allem in der ungemein komplizierten technischen Durchbildung virtuos wiedergegeben wurde. Auch eine Fuge von Pachelbel und die Toccata von Bach waren dem Charakter des Cembalo überaus ange-

fertigen, sondern auch den dauernden innerpar­teilichen Zwistigkeiten zwischen den An­hängern Stalins und der Opposition. Man sagt, die Spitzen hätten sich insofern geeinigt, als der Be schluß gefaßt worden sei, im Innern einen auege prägten Linkskurs, nach außen hin indessen rechtsgehende Tendenzen zu verfolgen, wodurch aus dem Auslande Kredite beschafft werden könnten, die dann zur Durchführung des innerpolitischen Linkskurses verwendet werden sollten.

Die Verwirklichung dieses Kompromisses wurde ohne weiteres begonnen. Man wartete aber nicht auf die Erteilung ausländischer Kredite, sondern begann mit Verhaftungen von Vertretern derjenigenkapi­talistischen Großmacht", mit der gerade jetzt Ver­handlungen über neue Kredite geführt werden. Wäh­rend sich in Berlin 6oro'etabgcorbncte aufhalten, um Kredite zu erlangen, werden in der Union der S. S. R. deutsche Ingenieure verhaftet, die fick) dort­hin begeben haben, um Maschinen aufzustellen, die wiederum für Rechnung des von Deutschland bereit- gestellten Kredits von 200 Millionen geliefert wor­den sind!

Erne Rücksichtslosigkeit, eine Unverfroren­heit, die alles bisher Dagewesene übertrifft!

Es ist ganz klar, daß kein einziger der ver­hafteten deutschen Ingenieure an einer gegenrevolu­tionärenVerschwörung" beteiligt ist. Rykosf mag behaupten, soviel er will, einer der Verhafteten habe seine Schuld bereits zugegeben, die betreffende Gruppe habe cs sich zur Aufgabe gemacht, die So- rwctregierung zu stürzen, usw. usw. kein Mensch schenkt diesen Erklärungen Glauben, denn man weiß nur zu gut, a u f w e l ch e W e i s e die G. P. U. Ver­höre unternimmt und roteG e st ä n d n i s s e" er­preßt werden. Man braucht nur an den berüchtigten Prozeß der drei deutschen Studenten zu denken, von denen der eine einfach gezwungen wurde, eine Aus­sage zu unterschreiben, die er nicht einmal gelesen hatte.

Sogenannte Geständnisse scheiden zur Begründung der Verhaftung also von vornherein aus. Jene inner- politische Notwendigkeit, Schuldige für das tläg liche Ergebnis des industriellen Aufbaues zu finden, erklärt die Verhaftung gerade deutscher Ingenieure aber ebenfalls nicht bis zum letzten. Man hätte den gleichen Zweck mit der Verhaftung von Russen zum höheren Wohle des Sowjetstaates erreicht, ohne eine wichtige fremde Macht, zu der freundschaftlich. Beziehungen bestehen, zu kränken. Warum also, warum denn diese, wie jedes Kind spürt, planmäßig durchgeführte Verhaftung von Deutschen. Eine unter geordnete Stelle kann rocht übereilt gehandelt haben, denn in Sowjetrußland deckt man keine untergeorb- nete Stelle. Man läßt sie fallen. Und wenn Moskau die Verhaftung nicht gewollt hätte, wären die deut schen Ingenieure mindestens schon wieder frei, wenn sie überhaupt je das Gefängnis betrete i hätten.

Es bleibt die Vermutung außenpolitischer Gründe. W ll man Austauschobjeüe für die Belebung der stockenden russisch-deutschen Wutschaftsverhand- lungen? Wünscht man sie etwa für eine gewisse Zeit abgebrochen zu sehen, um von lästig werdenden Ver­pflichtungen freizukommen oder um die eng­lischen Beziehungen wieder einmal bevorzugt zu pflegen? Alles vage Vermutungen. Fest steht nur die Tatsache, daß sich Sowjctrußland wieder emmal in eine Sackgasse verrannt hat, denn das Reich kann sich jene Uebergriffe nicht gefallen lassen Die immer deutlicher werdende deutsche Enttäuschung über das Russengeschäft kann zu dessen vollständiger Liquidation führen. Denkt man hier aber an einen Ersatz des deutschen Lieferanten durch England, Frankreich ober Amerika, bann vergißt man die Tatsache, daß diese drei nach eigenen trüben Erfah­rungen und nach dem jetzigen bösen Erlebnis der Deutschen sicher nicht allzu große Lust verspüren, Sorosetrußland in seinen Nöten zu sanieren, um Un­dank zu ernten.

Der Postetat vor dem Reichstag.

Berlin, 16. März. Ohne Aussprache wird in allen drei Lesungen eine Vorlage angenom­men, durch die die Geltungsdauer des Gesetzes zur Regelung des Verkehrs mit Milch bis zum 31. März 1929 verlängert wird. Es folgt die zweite Beratung des Haushaltes des Reichs­postministeriums.

Michspostmmister Or. Schätze!

erklärt, die Finanzlage gestatte es nicht, bei den Reubauten und den Reuanlagen von Fernsprech­ämtern im bisherigen Tempo fortzufahren. Für das Jahr 1928 müsse sich die Post auf sine Anleihe von 50 Millionen beschränken. Sollten sich die Einnahmen günstiger gestalten als der Voranschlag, so werde das Ministerium weitere M.ttel für Fernsprech- und Bauwesen ansordern. Eine Erhöhung der Fernsprechgebüh­ren wird so lange nicht in Frage kommen, wie der jetzige Preisstand der Wirtschaft bestehen bleibt. 3m Gegenteil halte ich im Fernsprech­wesen Tariferleichterungen für notwen­dig, sobald die Finanzlage dies ohne Beeinträch­tigung der allgemeinen Verkehrsinteressen zuläht.

Abg. Seppel (Soz.) bedauert, daß die an sich begrüßenswerte Rationalisierung des Post- betriebes auf Kosten der Beamten durchgeführt worden sei. Er wendet sich gegen die Auslegung einer Ministerialveriügung, die zur Entlassung von Heisern geführt habe. Dieselben Wirtschafts­kreise, die ständig den Abbau der Behörden fordern, protestieren immer, wenn gerade in ihrem Orte die Forderung verwirklicht wird.

Abg. Bruhn (Sn.) begrüßt die Verbesserun­gen des Post- und Fernsprechbetriebes auf dem flachen Lande. Auf diesem Gebiete müsse noch mehr geleistet werden, besonders im Ausbau des Kraftpostwesens. Hier dürfe nicht die Renta­bilität einer Linie maßgebend sein, wenn es sich um die Erschließung schwach bevölkerter Ge­biete handelt. Sie Entwicklung des Rundfunks sei erfreulich.

Der Redner verlangt stärkere Heranziehung von Handwerk und Gewerbe bei der Vergebung von iwi im...........ii ii niiii »h-tt-ht-ti irm

Aufträgen und Lieferungen seitens der Deutschen Rcichsposi.

Abg. Allekotte (Zentr.) weist die Meinung zurück, daß bei der Post noch zu viele Beamte beschäftigt seien. Don der Post dürfe nicht eine Verzinsung des vom Reich gelieferten Kapitals nach rein kaufmännischen Grundsätzen gefordert werden. Sie Post er.ülle doch neben ihrem eigentlichen Betriebszweck eine ganze Reihe von Ausgaben im Interesse der Allgemeinheit. Sie Post sei nicht nur ein Verkehrs-, sondern auch ein Wirtschafts- und Kulturfaktor. Sie Postbeamtenschast müsse so geschult und so besoldet werden, daß sie ihren schweren Sienst nicht nur gewissenhaft, sondern auch freudig ver­richten kann.

Abg. Sr. Cremer (S. Vp.) betont, im ab­gelaufenen Jahre habe der Postbetrieb sich manchen Bedürfnissen und Wünschen des Publi­kums besser angepaht und auch einen besse­ren finanziellen Ertrag gebracht als früher. Be­denklich sei die Verzögerung der Durchführung des Fernsprechbauprogramms, vor allem auf dem flachen Lande. Sie Derkraftung des Land­bestelldienstes dürfe nicht etwa zu einer Auf­hebung der Postagenturen und dadurch zu einer Gefährdung des Briefgeheimnisses führen. Ser Telegrammbestelldienst müsse moderni­siert werden. 3m Zeichen des Motorrades müsse hier eine Beschleunigung möglich sein.

Die Besserung der Poslsinanzen sei leider erkauft worden durch eine verkehrsfteuer in Form von Portoerhöhungen. Für ihre werbenden Anlagen Halle die Post mehr den Anleihemarkt in An­spruch nehmen sollen.

Sie Ablieferung der 100 Millionen an das Reich sei nicht übermäßig, sondern durch­aus angemessen. Es mühte geprüft werden, ob es berechtigt ist, daß die Poü für gewisse Dienste, die sie der Allgemeinheit leistet, eine zu geringe oder gar keine Vergütung erhebt, und woher es kommt, daß bei der Post die 3 nvalidität der Beamten viel früher eintritt als in allen anderen Verwaltungen und Wirtschastsbetrieben. Sie außerordentlich starke Steigerung der

s messen und kamen ausgeglichen und stilrein zur | Geltung. Drei kleine Stücke von Saquin, Rameau und Couperin erwiesen sich von so verschnörkelter, rokokohafter Grazie und spielerisch-lautmalendem Humor, wie dergleichen auf modernen Instrumen­ten kaum ebenbürtig vermittelt werden kann.

Das Publikum war entzückt, feierte die Künst­lerin mit verdientem Beifall und erklatschte zwei sehr hübsche Beigaben von Mozart (Türkischer Marsch) und Rameau (Tombourin).

Sie musikalischen Darbietungen wurden durch­brochen und ergänzt mit Rezitationen von Sr. Heinrich Michaelis. SaS einzige, was an seiner Folge auszusehen wäre, ist äußerlicher Art: daß nämlich die Sichtungen, die er sprach, weder an sich noch in der Rebenordnung zu den Musikern des Abends als Schöpfungenalter Meister" zu bezeichnen sind. Michaelis begann mit zwei (den meisten Zuhörem wohl minder bekannten) Stücken aus den Kinder- und Haus­märchen der Brüder Grimm, von den ungleichen Kindern Evae und von der Lebenszeit; beide mehr eigentlich für Erwachsene als für Kinder, weltweise, nachdenklich und von sanftem Humor. Sann eine Rovelle von Theodor Storm,3m Saal", zuletzt zwei Gedichte von Matthias Clau­dius,Abenblied" undRheinweinlied", als Zu­gabe endlich von Mörike dieErbauliche Be­trachtung" undLose Ware".

Michaelis ist ein Schüler des hervorragendsten deutschen Vortraasmcisters, den wir besessen ha­ben von Emil Milan. Seine Rezitation war des großen und verpflichtenden Ramens durch­aus würdig. Wärme, Wohllaut und Wandelbar­keit des Tons; mühelos beherrschte Technik; liebe­volle Hingabe an den sprachlichen Stoff, Surch- geistigung und gestenlose Beseelung des dichte­rischen Gutes. Dies olles macht in seiner Ver­einigung den edlen Dienst am Wort aus, wie der verstorbene Meister des Vortragenden ihn verstanden wissen wollte. Die reifste, schlechthin vorbildliche Leistung in diesem Sinn war die Rachgestaltung der Stormschen Rovelle, die in be­zaubernder Wärme der Stimmung und mit einer bis ins Letzte ausgefeilten Stufung und inneren Rundung gesprochen wurde. Dem Vortragenden dankte man ebenfalls mit verständnisvollem Bei­fall, -

Es war ein wertvoller und anregender Abend, mit dem sich der Goethe-Bund für diesen Winter einen sehr guten Abgang gesichert hot.

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Max Reger und der Geist seiner Musik.

Von Kurt VargeS, Leipzig.

Mar Reger wäre am 19. März fünfundfünszig geworden; ein tragischer Loo rief den Dreiund­vierzigjährigen aus einem köstlichen Leben und nahm ihm Griffel uni> Rotenblatt aus der Hand. So sollte das Ringen des von Musik durchzitter­ten Geistes und der von Klang erfüllten Seele allzufrüh beendet sein. Sie Persönlichkeit dieser genialen Rotur wurzelte in der Liese seines Geistes, und dieser schöpferische Geist ist es eben, der den Meister in jene eigenartige Stellung ge­trieben hat, die ihn nicht etwa berühmt, aner­kannt oder gar volkstümlich machte, sondern den Klang des inneren, großen Menschen in Roten» bildem ausdrücken lieh. Sie Verfeinerung des Stils, durch das Mystische geboren, der Bach- schen Chromatik entwachsen, hat seine innerste ilrfadje in der ileberbetonung der geistvollen Ader, die das Schaffen dieser Ratur befruchtete. Seine Musikalität, die das gesamte Musikleben seiner Zeit durchströmte, war in der Einheitlich­keit von Kunst und Leben begründet., Regers Stil, von einem souveränen Geiste gezügelt, ist mit der Orgel aufs engste verwachsen gewesen; von tiefem Glauben an die ilnioerfalität und Bedeutsamkeit dieses Instrumentes hat er feine reifsten und bedeutendsten Werke für die Orgel geschrieben. Sehen wir gerade in feinen Orgel­werken Bach-Fantasie, Sonaten. D», Eis-Moll und den Choralfantaften nicht nur die geist­volle Art feinet Gestaltung, der Symbolik des Kontrapunktes und die melodische Erfindung, sondern die geniale Verbindung des mensch­lichen Fühlens mit den Harmonien der göttlichen Sprache Cancone, ChoralfantasieStraf mich nicht in deinem Zorn", Toccata und Fuge O-Moll (op. 129). fo werden wir erkennen, daß das

Perfonalkosten bei der Post bedürfe der Aufklärung.

Abg. Schuldt - Steglitz (Dem.) bemängelt, daß sich eine unmittelbare Wirkung der Rationalisie­rung auf Wirtschaft und Allgemeinheit nicht gezeigt habe. Vielmehr habe man im Oktober eine Portoerhöhung vorgenommen. Sie Preis­politik der P o st habe sich in keiner Weise von der schädlichen Steuer" und Zollpolitik der Rcichsregierung unterschieden. Ange ichts der Finanzlage dec Reichspost mißbilligt der Redner die Erhöhung der Ablieferung an das Reich auf 100 Millionen. Ec setzt sich weiter für Ver­minderung der Postgebühren und eine Reihe von Verbesserungen im Zusteli­ve r k e h r ein. Auch eine Senkung der Rund­funkgebühren und die Schaffung eines Reichs- anteilncnrechtes sei erforderlich.

Abg. Ser gier «Komm.» beantragt die Auf­hebung des P o st f i n a n z g e s e h e s, das nur die Verschleierung der Transaktionen der Post erleichtere. Bei vernün tiger Finanzwirtschaft wäre die Portoerhöhung unn ?tig gewesen. Der Fernsprecher sei zu einer Luruseinrich- tung für Begüterte geworden. Der Redner kriti- fiert dann die Verfügung des Ministers gegen die kniefreien Röcke der Beamtinnen. Die Kölner Oberpostdirektion kontrolliert sogar, ob die Wohnungen der Samen nicht an demselben Korridor liegen, wie Wohnungen einzelner ' erren. Bei den Rundfunkgefel schäften herrscht Korruption und Vetternwirtschaft. Die Rund­funkgebühr muß ermäßigt oder nach dem Einkommen gestaffelt werden.

2lbg. Mollath (W. V.' erklärt: Die Reichs­post habe jährlich als unmittelbare Reparations­last an d i e Reichsbahn 127 Millionen ab- zuftihren für die Beförderung von Postsachen. Daraus ergebe sich die große Gefahr, daß schon die kleinste Tariferhöhung der Reichsbahn zu weiteren Gebührenerhöhungen bei der Post führt. Darum sei es auch falsch, schon eine Ablieferung von 100 Millionen an das Reich in den Etat einzustellen. Angesichts der schnellen Entwicklung der drahtlosen Telephonie müsse er­wogen werden, ob jetzt so große Summen für die Reueinrichtung automatischer Fern- sprechbetriebe ausgegeben werden sollen. Die Fernsprechgebühren müßten zugunsten der Wenigsprecher ermäßigt werden. Aus den sich dauernd steigernden Einnahmen der Rund- funkgesellschaf ten könnte mehr für die allgemeinen Kosten des Postbetriebes herausgeholt werden.

Michspostnimister Or. Schätze!

stellt fest, daß feit dem Bestehen des Postsinanz- gefehes die Reichspost i h r Vermögen um 700 Millionen erhöht habe. Das Gesetz habe sich durchaus bewährt und der Verwaltung die notwendige Beweglichkeit gegeben. Dom Standpunkte des Postministers wäre es bequemer, wenn die Post wieder in den allgemeinen Reichs­haushalt eingefügt würde, aber vom wirtschaft­lichen Gesichtspunkt aus ist das jetzige Verhältnis zweckmäßiger. Als rein kaufmännisches Unter* nehmen ist die Post nicht denkbar, wenn sie nicht große ohne Gewinn arbeitende Betriebszweige ganz au «heben soll. Sie Ablieferung der 100 Mil­lionen an das Reich war notwendig, denn die Post kann bei der «Deckung der großen Reichs­ausgaben nicht abseits stehen. Sie Portoerhö- hung hat zu einer Erhöhung der Lebenshaltungs­kosten nicht geführt. Sie Rationalisierung des Betriebes hat feil 1920 dazu geführt, daß ohne stärkere Anspannung des Leistungsmaßes der Beamten und bei großer Steigerung des Ver­kehrs doch das Personal um 98000 Kräfte vermindert werden konnte. Wir wollen keineswegs das Bernisbeamtentum durch Arbeitereinstellungen zurückdrängen. 3ch lege Wert auf Arbeitsfreude beim Personal und wünsche nicht einen Kasernenton, sondern den Geist der Kameradschaft. 3ch werde mich dafür stark machen, daß der Höflichkeitserlaß meines Amtsvorgängers im Verkehr der Vor­gesetzten mit den Untergebenen durchgesührt wird. (Beifall.) Don einem Beamtenabbau in der Post- verwaltung ist keine Rede. 3ch würde es be­grüßen, wenn die Einstellung von Lehrlingen und Supernumeraren möglich würde. 3ch wünsche

schöpferische Element in diesen Geist verknüpft war. Sie eminente Stilsicherheit Hillervaria- tionen, Streichquartett Es»Sur und die religiöse Inbrunst, fern jeder dogmatischen Degriffsprä- gung, baut uns die Brücke zum Verständnis seines so umfassenden Geistes, der in dieser kurzen Spanne Lebens fast Uebermenschliches leistete. Reger als Virtuose des Klaviers und der Orgel charakterisiert das Instrument aus dem Instru­mente. Obwohl sich die Gröhe seines Werkes auf der Bachgrundlage aufbaut, muß sich der Klang, von orchestraler Sentimentalität und melodischer Süße verdichtet, aus dem Kern lösen, um die neuen, von tiefinnerlichen Ideen getrage nen Ge­danken für unsere Zeit zu nützen. Dringt schon die Kompositionstechnik jedes Jahrzehnt neue Ideen, so steht auch jede Persönlichkeit unter der Wirkung des nachschöpferischen Wertes seines ge­schaffenen Werkes. Das klingende Material, rein technisch, wird Ausdruck des innersten Erlebnisses. Sie Orgel war für Reger das wunderbare Binde­glied zwischen feiner schaffenden Seele und dem Menschen der Gegenwart. Und wir bekennen uns zum Kontrapunkt, zur Kunst der Fuge, wie wir sie feit des großen Thoniaskantors Zeiten nicht mehr erlebten. Bachs Geist, innerlich verarbeitet, ist dadurch in seiner Erhabenheit gepriesen, ilnb wie hebt er den Dariationsstil. Sie Mozartvaria- tionen op. 132 enthüllen Geist und Seele und schaffen gleichsam Wunder. Die melodische Linie bleibt bis auf wenige Variationen gewahrt, die klassische Form wird durch die typisch Regersche Fantasie geweitet, mystische Klänge heben sich aus der zweiten Variation, Fuge türmt sich auf Fuge, und schließlich steht der von moderner Har­monik erfüllte Meister vor unseren Augen. Dom- Hast erscheint die Welt, wenn der Regersche Akkord ertönt. Doch ein rascher Tod rief ihn ab und hinderte ihn an der Vollendung seiner größten Gedanken. In der Frühe eines Maienmorgens fand man in seiner Totenhand die Korrekturen seiner Motette:Der Mensch lebt und besteht nur eine kleine Zeit." In der Todesstunde hat Max Reger ein zartes Gebet zum wunderbaren Gedicht gewandelt; er lebte in einer Musik, die im ewigen Himmel erklingen könnte.