Nr. 297 Drittes Statt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhessen)Dienstag, 18. Dezember (928
Oberheffen.
LanDkreis Gießen.
00 M l e t n ß i n b e n , 17. Dez. Im Anschluß an den Nachmittagsgottesdienst fand gestern die 'tseih - nochtsseier oerKleinkinderschulc statt. f)elle Freude strahlte aus den Augen der Stiemen, uls sie in die mit brennendem Cl)ristvaum geschmückte 'virche eintraten, und die Erwachsenen hotten eine besondere Freude, als sie aus dem Munde der Kleinsten die Wcihnachtsgeschichte vernahmen. Die Feier, mit viel Liebe und großer Mühe von Schwester Lydia Altdorfer vorbereitet, sand allseitige Anerkennung. Infolge einer Sammlung im Dorfe und der eingegangenen Stolletten, zusammen rund 200 Mark, war es möglich, auch dieses Jahr wieder jedem Kind mit einem Weihnachtsgeschenk eine besondere Freude zu bereiten.
• Holzheim, 17. Dez. Bei der dieser Tage abgcixiltenen Treibjagd in unserer Gemarkung, 'Le^irk I Wald und Feld, Jagdbesitzer Christ (Griedel) wurden 31 Hasen zur Strecke gebracht.
D Lich, 17.Dez. Auf der Eisenbahnfahrt nach Hungen erlitt am Sonntagmorgen der weithin be- kannte Wachtmeister i. R. Heinrich Meyer einen Schlagansoll, an dessen Folaen er kurze Zell später in der- Wohnung seines Sohnes, des Lehrers Albert Meyer in Hungen, verstarb. Der Heimgegangene war lange Jahre hindurch Polizeidiener und später Schutzmann bzw. Wachtmeister unserer Stadt. Er war infolge seiner Leutseligkeit, seines offenen Charakters und seiner gewissenhaften und treuen Pflichterfüllung eine beliebte Persönlichkeit bei jung und oll. Er stand im 69. Lebensjahre und war vor einigen Jahren in den Ruhestand getreten. Der Kriegerverein Lich verliert in dem Entschlafenen ein treues Mitglied.
) Lich, 17. Dez. Infolge des zur Zett herrschen- den kallen Wellers und des Einsetzens oem Sftnee- treiben war der heutige Schweinemarkt nur schlecht befahren, Käufer dagegen recht zahlreich er- schienen. Durch starke Nachfrage war der geringe Auftrieb in kurzer Zeit verkauft. Es wurden bezahlt für Ferkel bis zu sechs Warben alt etwa 22 Mark, non sechs bis acht Wochen 23 bis 26 Mark, für acht bis zehn Wochen 26 bis 28 Mark, über zehn Wochen alle Tiere etwa 30 Mark.
# Langd. 17. Dez. Cs wurde hier seither als großer Hebelstand empfunden, daß von hier noch dem benachbarten Alfa keine direkte Straßenverbindung bestand und dieses etwa 1000 Einwohner zählende Dorf nur auf großem Umwege zu erreichen war. Nachdem nach Durchführung der hiesigen und der Ulfaer Feld- bereinigung die Schwierigkeiten des Geländeerwerbs aus dem Wege geräumt worden sind, soll nun dem Ausbau der Straße näher- getreten werden. Die hiesige Gemeinde läßt in Kürze die Planierung der vorgesehenen Krcis- ftrafic ausführen. Die Arbeiter sind bereits ausgeschrieben und umfassen eine Erdbewegung von säst 5000 Kubikmeter.
Kreis Friedberg.
o Friedberg. 17. Dez. Die geschichtlich-volkskundliche Arbeitsgemeinschaft unseres Kreises, der Lehrer aller Schulgattungen angehören, hielt unter dem Vorsitz von Pros. Dr. Blecher eine stark besuchte Sitzung ab. der auch Schulrat Haflinger vom hessischen Kultusministerium und Oberstudiendirektor Dr. Faber von der hiesigen Aufbauschule, der Dor.itzenbe der amtlichen Arbeiis- gcn.e'.nschaften des Kreises Friedberg, beiwohnten. Dankbar nahm d e Versammlung einen Vortrag von Schulrat H a s s i n g e r über „Volk und Heimat" als Problem unserer Zeit auf. Die tiefschürfenden Ausführungen waren dazu angetan, das In'.eresfe und die Freude an der heimatkundlichen Arbeit stark zu beleben. Das Thema verdient als Einführung in die praktische Arbeit in allen Arbeitsgemeinschaften des Landes Behandlung. Anschließend beschäftigte sich die Versammlung mit der „Vorgeschichte im Unterricht“. Lehrer Berntheusel, Assenheim, bot das einführende Referat dazu. Vr führte aus. daß der heimatlich orientierte Geschichtsunterricht an der Vorgeschichte nicht vorübergehen fami. forderte die Schaffung eines die hessischen Verhältnisse berücksichtigenden Lehrbuchs für den Schulgebrauch und zeigte an Beispielen aus der Praxis, wie die Urgeschichte
Lache Vajazzo!
Roman von 3- Schneider-Foerfil.
Urheberrechtsschutz Oskar Meister, Werdau i. Sa.
24 Fortsetzung Nachdruck verboten
Die schöne Frau fühlte, wie ihr der Bruder die Qlägcl seiner Hand in den Rücken bohrte. Ihr Körper schmiegte sich noch dichter an ihn.
„Mein G-vurtsscheiu lau et aus Pa.is. Es wird schon -stimmen! Dein Vater sagt, er wäre in der schweren Stunde meiner Mutter bei ihr gewesen. Mtt Kosten Hütt- sie ihn überschüttet und mich auch Vier Lage später hat er ihr die Augen zugedrückt.“ r. , .
„Isabella!--“ Beide Arme um Itc legend,
preßte er sie an sich „Lind dich überließ er deinem Schicksal. Dich — dich —"
Mit einer raschen Gebärde verschloß ihm ihre kleine Hand den Mund. „Richt verdammen, eh du alles weißt, Joachim! Daß et mich nicht zu sich ins Haus genommen hat, wie er deine Mutter lieben tarnte, das ist jq selbstverständlich. Wir siitd doch alle beide keine Kinder mehr, daß wir das nicht begreifen können. — Ael wahr? — And sonst? — Sonst, mein lieber Bub, hat er seine Vaterpssicht an mir bis zum letzten Rest erfüllt. Ich bin in einer erstrangigen Pension ausgewachsen, im Jahr viermal hat er mich in (Senf, besucht. Mit vierzehn Sommern hat er mich einmal nach Mailand mitgnommen. Da hab ich m der Scala die erst« Oper gfjört Von dort ab hab ich dann nimmer nachgebn, bis ich zu einem Professor hab in den Gesangunterricht gehn dürfen. Der hat mir nix als Lorbeer und Riesengagen prophezeit. 'Dann ist mein erstes Debüt komman, mein erster Erfolg und mein erstes Engagement an die Wiener Bühne. Ich hab in der Rahe von meinem Vater sein dürsn und in sein Haus kommen können — mein Glück war voll!"
„Du hast es verdient, Isabella!--“
Sie ließ die Stirne gegen seine unruhige Hand fallen. „Schämst dich meiner, Joachim? Ist dir <38 arg, daß ich am Leben Bin?"
im Lehrplan der Volksschule einzuglledern ist. Der Redner hat die Erzählung von Gg. Blecher „Walo der Pfahlbauer", deren Schauplatz die Wetterau ist, in den Mittelpunkt interessanter vorgeschichtlicher und allgemein kulturgeschichtlicher Betrachtungen gestellt, er hat ferner mit der Klasse die Ausgrabungen in der „alten Burg" bei Assenheim regelmäßig verfolgt und damit Begeisterung für die Vergangenheit der Heimat bei allen Schülern erweckt. Lehrer Oswald. Dad-Ranheim, der in der vorigen Versammlung die Einführung „heimatkundlicher Lesebogen", die als Ergänzung zum Lesestoff des Lesebuchs für die Klassenlektüre bestimmt sind, angeregt hatte, konnte die erfreu» liche Mitteilung machen, daß der erste Lesebogen bereits vorliegt. Prof. Dr. Blecher läßt darin die alte Weinstraße, die Dorgesckich e der engeren Heimat, in ansprechender Darstellung erzählen. Es wurde beschlossen, die Schriftenreihe zur Heimatkunde fortzusetzen. — Die hiesige Herberge zur Heimat, eine der ersten Wohl- fahrtseinrichtungen des Oberhessischen Qkreinä für Innere Mission, war der Kriegs- und Inflationszeit zum Opfer gefallen. Am 1. Januar 1929 kann sie nun wieder in Betrieb genommen werden, nachdem der Oberhessische Verein für Innere Mission in Gießen ein Haus an der allen Bahnhofstraße von der evangelischen Kirchengemeinde käuflich erworben hat. Bisher haben zährlich durchschnittlich 6000 Obdachlose in unserer Stadt die Wandererfürsorge in Anspruch genommen.
C Friedberg, 17. Dez. Eine gut besuchte Kreislehrerversammlung fand hier unter dem Vorsitz von Lehrer G. I a k o b i (Friedberg-Fauerbach) statt. Als Gäste waren auch Vertreter anderer- Beamtengruppen anwesend. Oberzollinspektor Lange (Darmstadt) hielt zunächst einen Vortrag über „Das neue Beamtenheimstättengesetz. Er ze g e Wege, wie der Beamte zu einem eigenen Heim kommen kann und behandelte eingehend vor allem die Finanzierung des Eigenheims. In der Aussprache forderte Lehrer P o r t h (Dad-Rauheim) die restlose Verwendung der Erträgnisse der Haustzins- fteuer für den sozialen Wohnungsbau, lieber „Die hessische Beamtenkrankenkasse" referierte Rektor Listmann (Kelsterbach). Er wies zahlenmäßig nach, wie sich die Kasse nach der durchgemachten Krise wieder stetig emporgearbeitet habe, so daß sie heute schuldenlos dastehe und mit einem llleberschuß von nahezu 100 000 Mk. ins neue Geschäftsjahr treten könne. Die Kasse zählt etwa 8500 Mitglieder und hat einen Jahresumsatz von rund 1,5 Mill. Mk. — Einer außerordentlich starken Beteiligung tonnte sich die staatsbürgerliche Bildungstagung erfreuen, die die Landesabteilung Hessen der Reichszentrale für Heimat- dienst für den Kreis Friedberg hier veranstaltete. Rund 400 Personen füllten den großen Hörsaal des Polytechnikums. Die zwei Referate, die starken Anllang fanden, behandelten das Problem des Retchsresorm. Prof. Dr. Körber (Frankfurt a. M.) behandelte den deutschen Reichsgedanken In Vergangenheit und Gegenwart, Dr. Kl einst ück (Frankfurt a. M) sprach über „Staat und Selbstverwaltung". Staat und Selbstverwaltung seien Seine Gegensätze, sondern eine gegenseitige Ergänzung. Der VolkSstaal fordere nicht Abbau, sondern Ausbau der Selbstverwaltung.
Sf. Friedberg, 17. Dez. In der jüngsten Stadtverordnetensitzung unter dem Vorsitz des Beigeordneten Langsdorf wurde zunächst über einen Vorschlag der Verwaltung in Verbindung mit Anträgen der Kommunistischen und Sozialdemokratischen Partei betr. Gewährung einer Winterbeihilfe an Erwerbslose usw. verhandelt. Beigeordneter Dr. Leuchtgens referierte eingehend über die Materie und empfahl der Versammlung die Annahme des Vorschlags der Verwaltung im Rahmen des Landtagsbeschlusses und der Regierungsverfügung. Danach stellt die Verwaltung den Erwerbslosen noch vor Weihnachten, vorbehaltlich der definitiven Regelung durch Verfügung des Kreisfürsorgeverbandes, den ‘Sctrag von 10 Mark für verheiratete Erwerbslose zur Verfügung (2 Mark für jedes unterstützungsberechtigte Kind und 10 bzw. 5 Mark für ledige Erwerbslose). Rach langer Debatte wurde der Vorschlag mit allen gegen die Stimmen des
„So sollst du nicht sprechen, Isal — Ich habe Gott nur zu danken, daß sich noch jemaird der 6Lern annimmt, toenn ich die Augen zuge.an habe. Sage ihnen, daß ich dich schicke, daß — — —"
„Also dann gibt's kein Zurück mehr, mein Bub? Alles schon fest beschlossen."
„Ja!"
„In Gottes Ramen macheit wir halt den Sprung, wir zwei."
„Rur ich allein! — Du mußt dem Vater fteibn!"
Sie sah ihn an und strich gedankenverloren über seine Finger. „Geh einstweilen nüber in das Eßzimmer, Joachim. — Ich komme gleich."
„Was willst du---T
„RichLl Gar nichts! Warum schaust mich denn so erschrocken an — ?"
Etwas in ihrem Gesichte machte ihn angstvoll, mißtrauisch „Isa — du willst vor mir gehen!"
Mit einem Sprung war er an ihrer Seite, riß sie an sich und bedeckte ihr Gesicht mit Küssen. Als er sie wieder freigab, taumelte er gleich einem Trunkenen gegen die Wand. Sie schob den. Ann unter den seinen und ging mit ihm nach dein anstoßenden Raum, in dem die große seiden- beschirmte Lampe friedlich zwei Gedecke beleuchtete, die auf dem weißen blumengeschmückten Damast standen.
„Jetzt wolln wir noch einmal in aller Ruhe nachtmahln, Joachim! Das darfst mir nicht ab« schlagn. ilnb dann, wenn du auf deinem Vorhaben bestehen bleibst, fahr ich mit dir in die Cottage hinaus oder nunter an den Kai oder, wo du es hrll besser sindst. Revolver hab ich keinen. Aber Gift hall ich drübn im Schrank liegn. Ein Gläser! Opium. Das reicht für fünf zum Ein- schlasn, wann dir das recht ist."
Wortlos trat er mit ihr in das Eßzimmer und setzte sich ihr gegenüber. Mit mütterlichem Besorgtsein legte fte ihm vor und goß schweren dunklen Wern in fein Glas.
Er nippte mir. „Maria Rich Hofen hat die Verlobung mit mir gelöst!" sagte er und mied dabei den Dllck ihrer Augen.
Mitleidig sah sie nach ihm hinüber. .Das geht alles vorüber, Joachim?"
Kommunisten angenommen. Ein weiterer Antrag des Stadiv. B e u t t e l (Komm.) betr. Gewährung eines Beitrags an die Internationale Arbeiterhilfe für ihre Hilfsaktion im Ruhrgebiet wurde auf Vorschlag des Vorsitzenden zur 'Verhandlung im Finanzausschuß verwiesen und infolgedessen von dem Antragsteller zurückgezogen. Don besonderer Bedeutung war ferner iu>ch ein Antrag der Ortsgruppe Friedberg des Bundes der Kolonial- freunde auf Gewährung eines jährlichen Zuschusses der Stadt von 20 Mark. Dieser Antrag wurde nach lebhafter Debatte mit 12 gegen 7 Stimmen abgelehnt.
— Aus der mittleren Wetterau, 17. Dez. Zur Zeit finden allenthalben die großen Treibjagden auf Hasen statt. Sie zeigen im allgemeinen, daß wir ein verhältnismäßig gutes Hasenjahr batten. So wurden dieser Tage in der Gemarkung Oft beim 153 Hasen zur Strecke gebracht. Roch besser war das Ergebnis in Gettenau, wo am Samstag nicht weniger als 300 Hasen eine Deute der Jäger wurden.
Kreis Büdingen.
# Ridda. 17. Dez. Am Sonntagnachmittag sand hier eine ordentliche Vorstandssitzung des Sängerbundes „M ittleres Ridda- t a l" statt, zu der sämtliche 10 Bundesvereine ihren Vorsitzenden und Dirigenten ent andt hatten. Die Verhandlungen unter Leitung des Bundes - Vorsitzenden, Lehrer Lentz von Gmh-Ridda, trugen vorberellenden Charakter. Der ordentlichen Bundesversammlung, die am bril.en Feiertag in Ober-Widdersheim abgehalten wird, werden nachstehende Beschlüsse zur Annahme empfohlen: Bezüglich des Dellritts zum Hessischen und 'Seid- schen Sängerbund soll wegen der hohen Kosten für unsere finanziell schwachen Landoer eine weiterhin eine abwartende Stellung eingenommen werden. Das Dundesfest, verbunden mit der Feier des 20jährigen 'Bestehens, soll am 26. Mai entweder in Dauernheim oder Wallernhausen abgehalten werden und we^en der Jubiläumsfeier gletc^ellig ein Werbungssingen ftattfinben. Eine Ehrung langjähriger aktiver Sänger und verdienter Mitgl.eier ist re> a:it. Als Bundesbsllrag wird ein Betrag von 30 Pfennig je Vereinssänger vorgeschlagen. Die Frage, ob ein oder zwei Wertungsrichter zum Dundessingen Hinzuge-,ogen werden sollen, ist in den einzelnen Dundesvereinen zu besprechen, damit dieser Punkt bei der Vertret erver sammlung im Sinne der Mllglieder gc« klärt wird.
# Ober-Widdersheim, 17. Dez. Die im Jahre 1881 gegrüiibeten Hartbasaltwerke Johannes Rickel verfrachteten in diesen Tagen von der Erzeugung des laufenden Geschäftsjahres den 10 000. Bahnwagen, womit im Betriebe zu Oberwiddersheim eine Iahres- produltion in 1928 von etwa 200 000 Tonnen erreicht wurde. Das hiesige Werk ist in den letzten Jahren umgebaut worden und entspricht »den Anforderungen des neuzelllichen Stra-
auS. Auch daS der Firma gehörende Hartbasaltwerk au Dreihaufen, Kreis Marburg, ist im Laufe deS IahreS entsprechend erweitert und mit den neuzcitllchsten maschinellen Anlagen eingerichtet worden, wodurch die Firma 3. Mickel mit zu den führenden und bestein- gerichteten Werken der deutschen Dasaltindustrie gehört. Gelegentlich der Vorführung deS Lehrfilms deS KreiSschulamtS Büdingen dahier im Saale von Ferdinand Weis wurde erstmals der Werbefilm der Firma Rickel vor die Oeffentlich- kell gebracht. Er legte in anschaulicher Weise von der Leistungsfähigkeit und wirtschaftlichen Arbeitsweise des hiesigen Hartbasaltwerke« Zeugnis ab.
Kreis Schotten.
□ Laubach, 17. Dezember. In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats wurde der Züsch l a g des Submiisionsholzverkaufs aus den Gemeindewaldungen am 4, Dezember denen, die eingercicht haben, erteilt. Weiter wurde die Geschwindigkeit in der Ortsdurchfahrt von Laubach Beraten; es wurde jedoch be- schlo sen, t.ine Geschwindk' iista. ein anzubringen. Sodann wurde die Anschaffung von 150 Meter Schläuchen beschlo sen, zum Prelle von 2,25 Mk. für den Meter. Hierauf wurde die Frace des Ortsbauplans erör.ert, insbesondere das Gelände an b?r Provinzialstrahe Lau
Don draußen kam die Stimme ih.-er Zofe, die einem Herrn der sich scheinbar nicht abweisen ließ, llarzumachrn suchte, daß die gnädige Frau für niemand zu sprechen sei. „Darf ich den Richthosen bereinbittn lassn, oder soll ich ihn abweisn, Achim?"
„Er ist ohne jede Schuld an unserem Zerwürfnis, Isabella. Für seine Schwester ist er nicht verantwortlich"
„Dann laß ich ihn hereinkommen", und ohne auf eine Erwiderung zu warten, öffnete sie eigenhändig die Türe und ließ sie zur Hälfte offen stehn. „Herr Leopold, für Sie bin ich schon z' Haus, wann auch für sonst niemand. Kommen S' nur rein zu unS, der Herr Baron Hettingen hat mir die Ehre gebn und nacht - mahlt mit mir. — Sopherl, leg noch ein Gedeck auf für den Herrn Rich hofn," gebot sie dem Zimmermädchen, das eine zweite Flasche Wein in den Eislühler stellte.
Die Hände der beiden Freunde umspannten sich mit festem Druck. Die Diva war ganz sorgend liebenswürdige Hausfrau. „Morgen fahr ich In die Anstalt", sagt esie und neigte sich dabei etwas über ihren Seiler, „und frage, wie es Ihrer Frau Mutter geht, Joachim."
„Das kann ich Ihnen heut schon berichtn, Frau Kammersängerin. Ich war draußn, und der Chefarzt hat mir die Gewißheit geben, daß die Frau Baronin in spätestens drei Wochn wieder entlassn werdn kann. — Was sagst dazu, mein Lieber?"
Joachims Gesicht leuchtete weiß wie der Damast unter feinen Händen. Er würde feine Mutter wieder zurückbekommen. — Seine Mutter! — Ein förmlicher Schwindel ergriff ihn.
„Leopold, wenn das wahr wäre!"
„Is eh wahr, mein Aller!--“
„Wenn ich die Mutter wieder haben Dürfte, Isa!" Er strich die Gegenwart Rich hosenS ganz außer acht lassend, über ihre Finger, hob sie hoch und legte sie an, seine Wange^
Leopolds Aucken verschwommen für einen Moment. Sv rasch hatte Joachim Ersatz für die Schwester gefunden! So rasch! Sin Bovinen ging ihm durch daS Herz. Lind die Mizzl lag daheim
bach—Schotten (Flur VII und VIII der Gemarkung Laubach). Jedoch wurde hierüber kein cnbgüLlger Beschluß gefaßt, sondern die Entscheidung znrück- gestellt. — Gestern führte der Zweigverein Laubach des Vogelsberger Höhen- clubs seine letzte Monatswanderung in diesem Jahre aus. Unter Führung von Prof. Roes- che n durchwanderte man die Gemarkung von Laubach. Ter Führer erklärte zuerst die allmähliche Entwicklung unseres Städtchens aus einem Haufendorf zu einem Reihendorf (vom 8. bis 14. Jahrhundert) und dann zu einer Festung und dem Hauptort einer Reichsgrafschaft (vom 15. bis 16. Jahrhundert). Die 5eftung hatte nur zwei Ausgänge, die Oberpforte und die lllnterpforle. Von der Oberpforte lie'en aus die Straßen Lau- bach—Ridda, Laufach-Sto len, Lau ach—tlll- richstein, von der Unterbiete die Straßen Laubach—Grünberg, Larrbach-Lich, Laulach—Hun- gern Weiter machte Prof. Rocschm noch besonders aufmerlfani auf die alte Laubacher „Landwehr", einen teilweise 3 bis 4 Meter hohen Grenzwall, der die Gemarkung von Laubach umschloß und heute noch an einzelnen Stellen deutlich zu erkennen ist, so am „Alten Gericht", am „Eichberg". am „Gaulslopf" usw. Ebenso zeigte der Führer die Stätte des Galgens im sog. „Galgenwäldchen". 3nt franchsllchen Revolutionskriege, im Jahre 1798. wurde er durch französische Truppen abgerif'cn und das Holz zu einem Biwakseuer verwandt, nach Erwhlmrg des (1890 verstorbenen) Konrektors Schaad.
-j- Groß-Eichen, 17. Dez. Sem Zollsekre- tat i. R. Aug. Hofmann wurde anläßlich feiner 25iähriaen Mitgliedschaft im Verband der Zivildienstberechtigten (Verein Gießen) ein Diplom und eine goldene Vereinsnadel verliehen. Herr Hofmann, ein geborener Groh-Eichener, war lange Jahre Im Elsaß als Zollbeamter tätig. Rach feiner Auswellung durch die Franzosen nahm er mit seiner Gattin! in unserem Orte seinen Wohnsitz.
Klein-Eichen, 17. Dez. Dieser Tage! wurde in unserem kleinen, aber schmucken Kirchlein ein neues Harmonium auf gestellt, da das alte nicht mehr ausgebessert werden konnte. Das Instrument wurde von der Firma R. Schönau in Gießen zum Preise von 485 Mark geliefert. Etwas über 305 Mark sind innerhalb zwei Jahren durch freiwillige Gaben der Gemeindeglieder gesammelt toorben; den Rest stiftete die Gemeindekasse. Am 4. Advent soll das neue Instrument dem gottesdienstlichen Gebrauch übergeben werden.
• Lardenbach-Klein-Eichen, 17. Dez. Der hiesige Gesangverein „Eintracht" veranstaltete im vorigen Jahre gelegentllch des Weihnachtsfestes einen Familienabend, dessen Darbietungen allgemeinen Anllang sanden, ermutigt durch die günstige Ausnahme dieser Veranstaltung soll am diesjährigen Weihnachtstag wiederum ein Familienabendstattstnden, der Gesangsvorträge des Verein«, Theateraufführungeir, eine Kinderbescherung unb musikalische Darbietungen eines TrioS bringen wird. Das starke Interesse unserer Einwohnerschaft an dem Verein ist in der letzten Zeit durch zahlreiche Reu- anmelbungen von Mitgliedern zum Ausdruck gekommen.
Kreis Alsfeld.
r. Ober-Ohmen, 17. Dez. Ser Gemeinderat beschäftigte sich in feiner jüngsten Sitzung mit den bei Hochwasser der Ohm in unserem Orte eintretenden lleberschwem- mungsschäden. Zur Abstellung der Liebel - stände beschloß er, die Ohm mit der Kanal i- sation zu verbinden und eine dem Abzug des Wassers hinderliche Krümmung im Flußbett zu brechen. Der Don der Bürgerschaft allseitig begrüßte Beschluß ist mit größeren finanziellen Opfern verbunden, da außer den an und für sich teuren Erd arbeiten Geländeankauf notwendig ist. In Anbetracht dessen, daß die Barbestände der Gemeirrdekasse diesen Anforderungen nicht gerecht werden können, beschloß der Gemeinderot weiter, eine außerordentliche Hvlzfällung durch das zustände Forstamt beim Ministerium zu beantragen.
Sprechstunden der Redaktion
12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags Samstag nachmittag geschlossen.
und war halb von Sinnen vor Selbstvorwürfen, und der Ibachim hatte sie längst aus feinem Denken gelöscht. Sv unberechenbar grausam war das Leben. Er Durfte sie das nicht wissen lassen! Es gäbe ein Unglück
Unb den Freund verdammen tonnte er wiederum nicht! Der hatte sich in seiner Verzweiflung in die nächstbesten Arme geworfen, die er offen gefunden hatte, und er selbst trug feinem Teil Schuld daran, denn er hatte die Jesko ja darauf aufmerksam gemacht, wie es am Hettingen ftaird. War alles schon im voraus berechnet, was die Vorsehung brachte.
Aber fein lauterer Charakter stieß sich doch wund an dem, wie es nun einmal war. Als er sich nach einer halben Stunde empfahl, erhob sich auch Joachim. „Ich gehe noch ein Stück mit dir, Poldl."
„Du kommst wieder," entfuhr es der Diva.
„Du darfst ganz ohne Sorge fein, mein Liebes! Ich komme wieder", sagte Ioachin, mit Rachdruck und draußen in der matten Helle der Diele sah Richthofen, wie Hettingen das süße Frauen- gesicht mit den großen angsterfüllten Augen zu sich emporhob unb küßte und die Sängerin ihn an den Händen hielt, bis sie zur Türe tarnen.
»Ich warte am Fenster auf dich Achim!"
„3a, Isa! In einer halben Stunde bin ich wieder bei dir. Ich habe dich noch soviel zu fragen!"
In zartem Rot glühten ihre Wangen auf. „Auf Wiedersehen, Herr Leopold!"
Er neigte seine Lippen über ihre kühlen Finger. „Grüßen S' mir daS Fräulein Schwester!" bat sie freundlich
Einen Augenblick sah er sie völlig abwesend an. »Konnten Frauen wirklich fo grausam gegeneinander fein?“
®r hätte so gerne volle Klarheit gehabt, abeü den Freund, der neben ihm herging, zu fragen, das wäre zum mindesten taktlos gewesen! alnb eil hatte ja auch kein Recht mehr dazu. So untev- | lieh er es. Vielleicht gelang eS, die 2ÜImI für einige Zeit von Wien wegzubringen, eh sie davon
I erfuhr.
1 (Fortsetzung folgt)


