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Aus der provinzialhaupisiadi.
Gießen, den 18. Oftobcr 1923.
, 'Grippekrank.
Früher sagte man Influenza; heute ist Grippe gebräuchlicher als Vam« für ein« immer noch rätselhafte Ertränkung, die mit Vorliebe im Herbst, zu Ausgang des Winters und im rauhen Vorfrühling gHäust aufzutreten pflegt. Schon allein fie gen»innten Jahreszeiten lagen dem GedanTkn nahe, daß die Grippe zu den Erkältungskrankheiten zu rechnen ist, jener Gruppe f>>n Krankheiten, die man als Folgeerscheinungen plötzlicher Abkühlungen auffaßt. Anderseits ist auch nicht zu bezweifeln, daß der A n st« ck u n g s f a k t o r beim Zustandekommen von Grippeerkrankungen, oder gar von Grippeepidemien vielfach eine bedeutungsvolle Dolle spielt.
Ebensowenig wie die Frage: Ansteckung oder Erkältung, oder beides entschieden ist. hat man bisher die Vatur des Grippeerregers oder viellHcht der Grippeerreger einwandfrei feststellen Lönnen. Man findet wohl in einem gewissen Prozentsatz der Fälle den sogenannten Pfeifferschen Influenzabazillus; aber andererseits gelingt es bei zahlreichen Grippeepidemien nicht, diesen Erreger zu ermitteln.
Unö so wenig faßbar die Entstehungsursa-chen der Grippe sind, so fließend sind auch die Erscheinungen, die Symptome der Krankheit selbst. Während bei fast allen anderen Erkältungskrankheiten — vom Schnupfen bis zur Lungenentzündung — ein oder mehrere Organe „greifbar" befallen sind, fehlen bei der Grippe häufig örtliche Krankheit«- zeichen; lediglich sogenannte Allgemeinerscheinungen, Vie Kopf- und Rückenschmerzen, 2lb- geschlagenheit und Appetitlosigkeit, Krankheitsgefühle, Fieber von wechselnder Höhe usw. zeigen das Vorliegen einer Allgemeininfektion an. Damit kann in leichten Fällen na-d) wenigen Tagen die ganze Erkrankung abgeklungen sein. Iedoch tritt bei zahlreichen Grippeerkrankungen wohl auch noch ein Schnupfen, ein Rachen- und Kehlkopfkatarrh, eine Luftröhrenentzündung hinzu. Disweilen ist auch der Magen- und Darmkanal in Mitleidenschaft gezogen, so daß man dann von einer Bauch grippe sprechen kann.
In schwereren Fällen sehen sich die Ent- zündungserscheinungen auch auf die tieferen Luftwege fort. Es kommt zu Lungen- und Rippenfellentzündungen; jedoch, bei den gefährlichen Formen der Grippe wird der Körper geradezu von den Krankheitskeimen überrannt; binnen weniger Tage ist der Organismus vergiftet, das Herz versagt, und der tückischen Krankheit fällt ein blühendes Menschenleben zum Opfer.
Es ist darum unbedingt erforderlich, daß sich auch der anscheinend an leichter Grippe Erkrankte größter Schonung befleißigt, vor allem — der ärztlichen Anordnung fragend — für einig« Tag« das D e t t h ü t« t, um Ver- schlinnnerungen vorzubeugen. Denn gerade bei den vernachlässigten Fällen sind schwer« Komplikation«n feine Seltenheit.
Der persönlich« Schutz vor Ansteckung besteht zu Grippezeiten im „Distanzhalten" ge- genüber seinen Mitmenschen, die — sofern sie erkältet oder gar grippekrank sind — mehr noch als in gesunden Tagen die Pflicht haben, durch Vorhalten der Hand oder des Taschentuches ein Verstreuen der Krankheitskeime beim Sprechen. Husten, Viesen zu verhüten. Vor allem dürfen kleine Kinder in Grippezeiten nicht geküßt werden. Dr. M.
Daten für Freitag. 19. Oktober 1928.
Sonnenaufgang 6.30 Uhr, Sonnenuntergang 17 Uhr. — Mondaufgang 12.37 Uhr, Monduntergang 19.49 Uhr.
1693: Gründung der Universität Halle; — 1812: Napoleon tritt den Rückzug aus Rußland an; — 1924: der Militärschriftsteller General Hugo von Freytag-Loringhoven in Weimar gestorben (geboren 1855).
Gietzener Wochcnnrarktpreife
Es kosteten auf dem heutigen Wochen markt: Dutter 190 bis 200, Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 140, Wirsing 20. Weißkraut 12, Rotkraut 15 bis 20, gelbe Rüben 20, rot« Kuben 10 bis 15, Spinat 25 bis 40, Römischkohl 10, Dohnen, grüne 30 bis 35, gelbe 30 bis 35, Llnter-Kohlrabi 8 bis 10. Grünkohl 20 bis 25, Rosenkohl 50 bis 60. Feldsalat 100 bis 120, Tomaten 30 bis 40. Zwiebeln 12 bis 18, Meerrettich 50 bis 150, Schwarzwurzeln 50 bis 70, Kürbis 10 bis 20, Kartoffeln 51/, bis 51/,. Fall- äpfel 10 bis 12, Aepfel 20 bis 35, Birnen 10 bis 30, Zwetschen 12 bis 15, Preißelbeeren 50 bis 60, Gänse 100 bis 120, Russe 60 bis 100 Pf. das Pfund; Eier 16 bis 17, Blumenkohl 50 bis 1.50, Salat. 15 bis 20, Endivien 10 bis 35, Obrr- Kohlrabi 5 bis 15, Lauch 10 bis 15, Rettich 10 bis £0, Sellerie 20 bis 50 Pf. das Stück; Radieschen Bd. 10 bis 15 Pf.; der Zentner Wirsing 12 Ml., Weißkraut 8. Rotkraut 15. Aepfel 20 bis 32, Dirnen 10 bis 15 Mk.
Bornotizen.
— Tageskalender für Donnerstag. Bezirksverein Nord-Ost Gießen: Oeffentliche 23er- sammlung, 8.30 Uhr, im Coss Leib. — Spielvereini- gung 1900 e. V.: Generalversammlung, 9 Uhr, bei Boller, Bahnhofstraße. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Pat und Patachon". — Astoria-Lichtspiele: „Der Wolkenreiter".
— Stadttheater Gießen. Morgen, Freitag, findet die erste Wiederholung von Arnolds und Bachs Schwank „Unter Geschäftsaufsicht" statt. Spielleitung hat Rudolf Goll, der auch die Rolle des Haselhuhn spielt. — Am Sonntag, 21. Oktober, findet die letzte Aufführung von Klabunds,Lirschblütenfest" statt'
** Aufgehobene Straßensperrungen. Vom Oberhcssischen Automobil-Club E. 23. (A. v. D.), Gießen, werden uns folgende aufgehobene Straßensperrungen mitgeteilt: Neue Kasseler Straße in der Gemarkung M a r b u r a von km 87 bis 87,7 seit Montag, 15. Oktober; Gießen — Klein-Linden im Zuge der Straße Gießen—Friedberg— Frankfurt a. M. ab 18. Oktober.
** Siedlung der Gagfah (Gemeinnützige Mttengesellschast für AngestslÜen-Heimstätten). Aach langen und schwierigen Verhandlungen gelang es jetzt, den Dau von 20 Eigenheimen sicherzustellen, so daß sofort mit den Arbeiten begonnen werden kann, sobald die baupolizeiliche
Genehmigung dorllegk. Di« Siedlung wird auf dem von Iul. Wellhöfer erworbenen Gelände zwischen Wiesecker Weg und Marburger Straße (Am Wingert) errichtet, und zwar werden vier Doppelhäuser in die vom Wiesecker Weg abgehende projettlerte Straße zu stehen kommen, während weitere drei Doppelhäuser und zwei Drillinghäuser an eine dem Wiesecker Weg parallel laufente neue Straße gebaut werden. Hiermit werden insgesamt vorläufig neun Wohnhausgruppen mit 20 EinsamilienhäÄern erstellt. Achtzehn von diesen Heimstätten werden aus fünf Zünmern, Küche, Bad und Bodenraum bestehen, während zwei, oie mitten in die Drillinghäuser eingebaut werden, nur drei Zimmer, Küche, Bad, Dachkammer und Bodenräume enthalten. Alle Häuser werden vollständig unterkellert, die Wohnräume liegen im Erd- und Obergeschoß. Die älmfangswände werden massiv in Ziegelsteinen ausgeführt. Die ganze Bauart ist gut bürgerlich gedacht und wird sich nett in den Rahmen einer Gartenvorstadt einfügen. Die Erstellung sämtlicher Heimstätten wurde der hiesigen Baufirma M. Abermann schlüsselfertig übertragen.
** Kommunale Forde rungen des Vordostviertels werden das Thema einer Versammlung sein, die auf Einladung des Dezi rksvere ins Vordost heute, Donnerstag, abend im Saal« des Casä Leib stattfindet. Die Stadtverwaltung und die Stadtverordnetenversammlung werden bei dieser Zusammenkunft vertreten sein und die Wünsche und Vöt« der Dewohner des Vordostviertels gerne zur Kenntnis nehmen. Cs darf wohl angenommen werden, daß die Versammlung einen zahlreichen Besuch finden wird. '
**UnterschlagungenbeiderKliniks- verwaltung. Am Dienstagabend stellte sich der Oberkasseninspektor von der Verwaltung der Medi- zinischen, Frauen- und Hautklinik bei der Behörde mit der Selbstbezichtiguna, aus der Kasse der Kliniks- verwaltung einen größeren Betrag widerrechtlich entnommen zu haben. Wie die bisherige Untersuchung ergeben hat, sind von dem Beamten annähernd 14 000 Mark unterschlagen worden. Bemerkenswert ist, daß der Mann das Geld nicht für sich verbrauchte, sondern es einem Bekannten, unter dessen Einfluß er offenbar stark gestanden haben muß, nach und nach gegeben hat. Der Beamte wäre demnach als ein Opfer seiner eigenen Willensschwäche anzusehen. Er wurde gestern vormittag dem Gericht vorgeführt und befindet sich seitdem in Untersuchungshaft.
** Personalien. Ernannt wurde der Gendarmeriemeister Georg Köhler zu Gießen zum Gendarmeriekommissar, mit Wirkung vom 1. Oktober d. I. ab. In den Ruhestand tritt auf Grund des Altersgrenzegssetzes der Amtsobergehilfe Johannes Schließer bei dem Kreisamt Lauterbach.
" Frostwarnungsdienst der Gieße- n«r Wetterdienst st elle. Es sei darauf hingewiesen, daß bei der Hess, öffentlichen Wetterdienststelle in Gießen wieder ein Frostwarnungsdienst eingerichtet ist. Erfreulicherweise wird der Vutzen einer solchen Einrichtung immer mehr erkannt, denn nicht nur die Landwirtschaft, die durch das Auftreten von Frühfrösten beim Kar« tosselversand schon oft im Oktober geschädigt wird, sondern auch andere Zweige der Wirtschaft, besonders das Lebensmittelgewerbe, aber auch das Baugewerbe usw. haben ein großes Interesse daran, über das voraussichtliche Auftreten von Früh- und Spätfrösten, den Eintritt, die Dauer
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und die Stärke von längeren Frostperioden und gleichermaßen über den Wiedereintritt von mildem (Tau) Wetter im voraus unterrichtet zu sein. Wenn auch eine Voraussage aus lange Sicht noch nicht möglich ist. so lassen sich die Frostaussichten auf Grund der zusammengestell- ten Witterungsbeobachtungen weiter Gebiete doch für mehrere Tage erkennen.
** Auch Conrad legt Berufung ein. Nachdem der eine der Steinfurther Autoräuber — Tarrach — vor einigen Tagen schon Berufung gegen das auf vier Jahre Zuchthaus lautende Urteil 1 des Bezirksschöffengerichts Gießen eingelegt hat, ist nunmehr von dem anderen Täter, Conrad, gegen das auch für ihn auf vier Jahre Zuchthaus lautende Urteil ebenfalls Berufung angemeldet worden. Bekanntlich hat die Staatsanwaltschaft vorsorglich den gleichen Schritt getan.
** Auftrieb zum heutigen Frankfur- ter Schlachtviehmarkt: 859 Kälber, 614 Schafe und 473 Schweine.
Schreckenstat einer Mutter.
WSV. W i n d « ck e n , 17. Oft. Freiwillig i n be-n Tod gegangen ist gestern nachmittag di« Ehefrau eines hiesigen Einwohners mit ihren beiden Kindern im Alter von 21/, und 3/< Iahren. Die unglückliche Frau band ihre Kinder an sich und ging unweit der Windecker Gemarkungsgrenze in die Vidda. Die Leichen konnten noch gestern abend gelandet werden. Die unselig« Tat dürste allem Anschein nach in einem Anfall von Schwermut begangen worden sein, denn die häuslichen Verhältnisse der Lebensmüden waren in bester Ordnung.
Berliner Börse.
Berlin, 18. Oft. (WTB. Funkspruch.) Bei sehr ruhigem Geschäft ist eine Tendenz im heutigen Frühverkehr nicht erfennbar. Man taxiert unveränderte Kurse. Am Devisenmarkt nennt man: Paris 124,21, Mailand 92,56, Spanien 30,09, das Pfund 485,0250 und den Dollar 4,199 250.
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leit, die er sich auf einer Reise im Orient zu- n, wieviel die ReemtsmaA- G. diesem bedeu- n zu verdanken hat, denn es waren nicht nur \eemlsma A.-G. die Verarbeitung der wert- sondern vor allen Dingen der seltene Adel , der eine absolute Sicherheit der freund- lit ein wichtiger Eckpfeiler für den Auf- sma A.-G. wurde
Der bedeutendste Orienttabakmann der letzten Dezennien prophezeite uns 1926:
„Die Qualität Ihrer Cigaretten ist so unvergleichlich gut, daß Sie nach meiner Überzeugung in kurzer Zeit große Schwierigkeiten haben werden, den steigenden Bedarf In Ihren
Werken zu bewältigen.“
1926 { £ Halbjahr
1927 {2 Halbjahr■■■■■■■■eeeeHeeee
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Das Zeugnis dieser unvergleichlichen Oualitätsmischung ist die
CIGARETTE RBEMTSMA


