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egistei Abteilung B 1928 bezüglich der unjj Gebr. Lchwan, Gießen, folgende» finann Hon- Jlirdi >th geborene -i'rch, aus dem Borüonb asmam Emst 1 allemverkekmyp nttzlieh brsteüt wor» i Emst bemann in

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Nr. 167 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffeu)

Mittwoch, 18. Juli 1928

Wandern und weisen Bäder und Sommerfrischen.

Portugal.

Don Alberi Shrenfiein.

Un b#n Schulen hört man wenig von Portugal, beftält vielleicht die Nam« von Heinrich dem Seefahrer und Basco« da ®ama. Unglücklichere (toie ich) versuchten während der grvhen Zerren sich durch da« langweilige Derk des groD^i .Samve«- hindurchquarbeiten, durch den aus- gebreitrten Archipel der -Lu'iad« btn Deut- »utaae selten ein Mensch gesund und wohlbehalten durchquert hat . _ , ..

Dir lesen von Srdbeden und «ev^utton«. wir wissen, daß das dnft mächtige Äet* späterhin saft herabgesunken e nem Haar- wasser - im Drunde genommen seit Aapol«ns Tagen nur ein schwacher Schutzstaat Englands tft, mit schlechtverwaltet« Kolonien schlechter bestellten Finanzen. Di« oftindischen Träume sind auSaeträum). bas kleine Land, dem der holländische feb^. lst b-mahc zurück- gefclfcn in das arvßc Reich oder Weltmeer de« Serge,,en«, au, dem obenauf nur noch ein paar ruhmvoll. Deinfäfser treiben: gefüllt mit Port­wein und Madeira. '

Durch die Vermischung mit indischen, sud- amer'kan,schen. afrikanischen Ureinwohnern ist nud) vitl'ach ein Nkilcbllngsttun emporgekomineii. ousgestiegen. ein Menschen typ. der während einer frühen Jugend vielderfprech«d schemt. aber rasch au« einer anfänglichen Gewecktheit in eine defi- nitive Schläfrigkeit verfällt. Ich wage einen durch­aus nicht bösgemeinten Vergleich (denn ich freue mich gern an Allen), wenn ich behaupte, in bk lern Lande de« Talmi, der modern sein wollen­den Nachahmung habe die darwinisti'chc- Theorie vielleicht mehr für sich als anderwärts.

Uebrigen.,: es ist. als wollte die Menschheit, die diesem Lande sür auherordentliche Sntdecker- unb Seesabrerleislungcn viel schuldet, dem ver­fallenen Nest: also den Oertlichkeiten danken, indem fie sic ein wenig vergöttlicht, schöner sieht, al« sie gefärbt sind.

TDer Neapel oder auch nur Genua kennt, wird in Qilfabon nicht gerade staunen: eine an­mutige Lage, vielfach terrassenförmig aufsteigende Häuserblocks lhie und da durch neuartige von Straste zu Strafte führende Lllts verbunden), breite Strasten und Plätze heben den Ort wohl über einen so öden Hafen wie etwa Livorno, aber die innere Aermlichkeit, daS Provinzlertum der Auslagen und Gedcnkmale wirft die Stadt sozu­sagen wieder einige Zeitstufen in die Vergangen- Helt zurück. Manchmal belebt durch die durstige Trunkenheit der Än,allen amerikanischer Wein- wandererschisse. Die Einwohner beteiligen sich teil« mit Inbrunst an den im Süden usuellen, orientalischen Neppversuch«. teils sind fie netter: ein sanfte« Minderwertigkeitsgefühl läftt fie sich über jeden Fremden bescheiden freuen wie etwa Kinder, wenn sich ein erwachsener Onkel herbeilästt, ihre farbigen Spiele zu teilen.

Als Anziehungspunkt. Fremden fuhrerzentrcn fungieren neben den Kirchen hier auch Palmen­versammlungen, .Gewächshäuser im Freien" botanische Gärten, die in Lissabon sowohl als in dem Ausflugsort Monserrate, den Laien durch die subtropische Fülle dellen verblüffen, was er an Bäumen und Pflanzen. Blüten und Früchten in Schule und Gürten nicht kennengelernt Hai. lIm Gymnasium hals sich meine botanische Un­wissenheit gegen die Ueberlegenheit de« Pro­fessors von 3ett zu Zeil dadurch, daft ich ihm aus dem erotischen Park einer Sternwarte Ge­wächse mitbrachte, an denen seine Klassifikations- sucht scheiternd die Lückenhaftigkeit feine« Wissens erkennen muftte.i

Tropischer Stil ist höchst schätzenswert in einem botanischen Garten, minder erfreulich find der­artige Wucherungen bei Baulichkeiten, wo der­artige Mischungen in der dufteren und inneren Ausstattung alten Burgen leicht jenen renovierten Charakter verleihen, deren von allen Jahrhun­derten gespeiste Geschmacklosigkeit an Romsch- ausverkäuse erinnert. Dies fiel mir bei der Be­sichtigung von Cintra ein, das halb Wauren- schloft. halb Xr6belieben Liebhabern maurisch- gotischer Stilkreuzunaen drastische Ueberraschun- gen bieten mag, während der einfacher Oraani- nerte kaum darüber nachffnnen dürste, ob in einem Teichlein die chinesischen Doldsische das

Wonne -es Reisens.

Don Hans Bethqc.

Reifen? Himmlisch,

Reisen ist eines der leuchtenden Blumenbeete in 6em verwilderten Garten unseres Dasein«. Ich meine das Reif« um de« Aeisen« willen, ohne Zweck, oder doch nur mit dem einen Zweck: sich in der Welt zu tummeln, anmutige Gegen­den keimen zu lernen. Abenteuer zu bestehen, sich vom Strom des Lateins tragen zu lallen. Immer auf dem gleichen Fleck dieser Grdscholle fitzen: bas ist auf die Dauer unmöglich. Mai, würde verdumpfen, man würde geistig verküm­mern. Man must zuweilen zum Morgenkaffee HamburgerRundstücke" essen, statt der Berliner . Knüppel". Man muh zuweilen de« Aachts Schakale heulen hören, statt der Hupen der Auto«, in denen die Nach Schwärmer heimwärts fahren. Man m u ft zuweilen in Kajüten schlafen, statt in dem eigenen Bett, von dem aus man fortwährend auf das gleiche Tapetenmuster starrt, bis man es nicht mehr aushätt. Kurz, man m u ft ab und zu reifen. Unerträglich wäre sonst das Dasein.

Der fein Verlangen in die Weit Hal. ist ein geborener Knecht Tiere haben kein Verfangen in die Welt. Reisen macht frei, Reisen bildet. Aeisen erquickt, Reisen verleiht Flügel.

. Natürlich muft man zu reifen verstehen. Wer Jjtoü zu reifen weift, verspürt den herrlichsten Rhythmus des Wechsels, und was ist schöner Wechsel. Veränderung, freiwilliges Preis- fl<ben des Erschöpften, hoffnungsvolles Suchen be« llvbefannten?

Welch herrliches Gefühl, wenn man seinen lK**n alten Äoffer hervorholt, den Staub her- unterwisch!, dann liebkosend über das Leder fahrt «rzupack«. Dieser alle Gen olle pat schon manches cdebi und vieler Herren Sanber gckehen. damals, als das noch möglich

Waffenvandern auf der Lahn.

Keiner Art zu reifen sollen ihre Reize ab- aefprochln werden. Ader gerade in einer so be­kannten Gegend wie im Lahntal zwischen Marburg und Gieften empfindet der Flust- vanderer doppelt, wie sich von der Waffer- perfpektive aus taufend heimliche Schönheiten einer Landschaft enthüllen, die dem verborgen bleiben, der im Auto, auf dem Rad. zu Fuß oder mit der Dahn durchs Land zieht.

Der Zug 8.22 Uhr vormittags ab Gieften bringt uns mit samt unserem Faltboot nach Marburg-Süd für 90 Pfennig. DaS sind die ge­samten GLtra-Ausgaben des Tages Zahlreiche Boote junger Gieftene. Paddler sind schon vor uns gefahren. Aber nicht nur jugendliche Sport- leutc. auch altere Kajakfahrer wollen ihren Sonn­tag im Boot auf der Lahn verbringen Ehepaare. Vater und Sohn, sogar eine Familie mit zwei Kindern ziehen vom Bahnhof Marburg-Süd zur nahen Lahnbrücke, neben der die Boote auf- gefchlagcn werden Man halte da« Mitnehmen von Kindern nicht für 'Frivolität. Fahrten auf Wildwasfer und auf Fküfftn mit Schiffahrt haben nichts zu tun mit einer gefahrlosen Paddeltour von Marburg bis Diesten.

Bald liegen die Boote auf dem Wasser. Zur Frühstückspause schiebt man sie eng aneinander und treibt als geruhsames .Paket" dahin. 6m fröhliches Lied erklingt. Einigen Motorradfah­rern, die auf der nahen Strafte vorbeijagen, ruft man aus besserer Luft ein übermütige« Staub heil!" zu. Dann werden toieöcr die Paddel ergriffen. SS ist ein strahlender Sommer« sonntag. Die Sonne ruht auf den zartgrünen Buchenwäldern, deren Laub gegen das Blau des Himmel- und neben dem Dunkel der Sannen- Waldungen um so Heller schimmert. Die Wal­dungen treten bis Gisselberg rechts, von da ab biS Wolfshagen links nahe an die Lahn heran. Aber immer bleibt der freie Blick lohn abwärts hinüber zu den weiterabliegenden Höhen. Der Dünsberg hebt sich empor über dem Krofdorf er Forst. BiS unterhalb Roths taucht bei einem Blick nach rückwärts immer wieder dcks einzig schöne Bild Marburgs mit seinem Schloft auf. Dör­fer und Fluren liegen im Zauber der Lkuli- fonne. Bussarde ziehen ihre Kreise über den Waldern. Mehrfach beobachten wir. wie einzelne Raben einen Bufsard attackieren, was diesen jedoch wenig zu berühren scheint. Heber Mittag wird an einer geeigneten Hferstelle ein kleine« Strandleben eröffnet. Den Bäuchen der Boote werden Decken und Luftkissen zum behaglich«

Lagern entnommen, sowie Speise und Trank. Die jüngste Jugend verlustiert sich mit Steinen und Dellen. Man ruht, plaudert, schläft, habet, liest.

Freilich sind bis nach Diesten lech» Wehre (ohne Schleusen) zu überwinden Man trägt um. Die Dorljugend, der die Paddlär schon vertraut sind, folgt den Vorgängen mit Interelle und hilft bisweilen mit. Unterhalb des Dorfes Roth ist mehrfach auf flache Stellen acht zu geben, vor allem im Hochsommer bei schlechtem Wasser- stand. Bei Biegungen halle man im allgemeinen die äuftcre Kurve eia Die seichteste Stelle ist unmittelbar bei Roth unterhalb de« Wehrs. 6# empfiehlt sich, am Hauptwehr übeczutragen, nicht am rechten Seitenarm bet der Mühle, und bann möglichst der Strömung auf der linken Seite des Fluftbettes zu folgen. Sine zahlreiche Zu- schauermenge auf der Rother Lahnbrücke pflegt die Paddler durch geeignete Zurufe zu unter­stützen. Sin Zunge hatte sogar, inmitten der Strömung stehend, da« Amt eines Verkehrsfchutz- marnr« übernommen. Sine flache Stelle kommt dann noch vor der Wiftmarer Brücke. Man muft sich hier mehr nach linkS hatten und Strömung nebst Untiefen genau beobachten Ein gelegent­liche« Auffahren ist übrigen« nicht weiter schlimm. Die Bootshaut hält schon manches aus. Wan | stellt sich rittlings über daS Boot in« Wasser, hebt da« 'Boot leicht an und hat es bald wieder flott.

Gegen vier llfcr nachmittags treffen wir am Wehr bei der Badenburg ein. Gerade am Sonn- tagnachanittag kann man hier und lohnobwärts biS Gieften beobachten, wie der Faltbootsport von Jahr zu Jahr in unserer Heimat zunimmt. Oft sind mehrere Dutzend schmuckr Faltboote zu zählen. Am rechten trockenen Teil des Baden - burg-Wehrs werden die Boote übergehoben. Die Kajakfahrer rasten auf dem Wehr in der Sonne. Einige Boote fahren spielerisch gegen die Well« des linken Wehrteils an. um sich dann im Strudel zurüttstreiben zu lass« und das Spiel von neuem zu beginnen. Von der Badenburg aus schauen zahlreiche SonntagsauSflügler dem mun­ter« Treiben zu.

Am Spätnachmittag treff« wir wieder in Gieften ein. Wer fein Boot bei einem der hie­sig« Wassersportvereine untersteh« hat, bringt es an feine Lagerstelle. Die ander« schlag« ab und zieh« mit dem kleinen Bvotswagen der Wohnung zu. wo da« Doot in der Kammer ruht bis zur nächsten Fahrt. Dr.W.

Recht haben, durch ihre Konfiguration maurische Ornamente zu bild«.

Da« Kloster (und Waisenhaus) von Beiern bewies ein Gegenteil: bereits vor 400 Fahr« könnt« hier grofte Architekt« zeig«, daft es möglich ist. indische und Renaissance-Elemente, gotische und Moriskenkunst zu einem glücklich«, einheitlich«, überwältigend schön« Ganzen zu- sammenkling« zu lassen. Unweit von den Grä­bern der Oroften de« Lande« tummelt sich in 6700 blaugekleidet« Waisenknaben ein Stück Zukunft, sie sprech« ein wenig deutsch, englisch, französisch, wollen ins Ausland. Denn da« Leb« in einer sonst wahrscheinlich ander« Uniform, das Leben in der hier recht häufig« grauen Zwilch­oder Leinenuniform des Soldat«, der mit auf- gepflanztem Bajonett durch die Straften schwitzt, ist nicht allzu verlockend. 3n den Gräbern liegen Vasco da Gama, Camoes und Wagalhaens und warten auf den Waisenknaben oder Lindbergh, der Portugal, daS nun auch schon industriali­sierte. straftenwalzendurchzogene, sizilisch staubige Portugal wieder genannt, berühmt, reich und glücklich mach« wird.

Von deutschen Bädern.

Lommer in Borkum

Seit einigen Tag« lacht der Sommer über Borkum. Blau leuchtet der Himmel, blau das Meer. Die wonnige Wärme genieftt man doppelt froh nach d« Kälteschauern der letzten Zeit. Sonne ist Leb« und Gesundheit und Kraft. Wer einige Wochen am Strande im Sande sich ihren

Strahl«, die bekanntlich besonders im Seesand voll zur Wirkung komm«. auSsetz« konnte, er­fährt das am besten, wenn er gebräunt und er­holt nach Hause zurückkehr« kann. Der kühlende Seewind läftt es nie zu helft werd«, leise weht er immer die notwendige Erquickung zu. Jetzt lebt man auf Borkum, das am weitest« von all« vstsriesifchen Inseln in« Meer hinauS- geschob« liegt, wie in einem riesengroft«. ganz nahrrftaft« Änhalatvrium. Daher kommen immer wieder so viele nach hier, die an hartnäckig« katarrhalisch« Erkrankung« der ober« Luftwege leib«. Sin ganz neues Inhalatorium entspricht den modernst« Anforderung«. Wer Heilung, Erholung, Ausspannung sucht, verlebe fein« Sommeraus«thalt auf Borkum.

Bad Leiters in Lberhessen.

Der Name weist schon auf die hier befindlich« Mineralquellen hin. der« bedeutendste der ra­dioaktive Denediktus-Sprudel ift Sei­ner hervorragenden Heilwirkung, insbesondere bei Leber- und Gallmleiden, Rheumatismus, Gicht und Frauenleiden verdankt das jungauf- strebende Bad feine von zu Jahr sich steigernde Inanspruchnahme. Das neue und ganz modern eingerichtete Kurhaus, inmitten des an­mutig« Niddertales gelegen, von tannen- und lauboewaldet« Höh« umrahmt, bietet den Hei­lung und Erholungsuchenden die Grundlage zu einer erfolgreich« Kur. Gerade die Wettabge­schiedenheit dürfte d« in der heutig« Zeit der Technik uAd des Verkehrs abgekämpften und ent­nervt« Groftstädter nach Bad Setters locken.

war. Er ist an allen Seit« beklebt mit den luftigen Reklamezetteln ferner HotekS. die am Meere liegen, am Wüftenrand. auf Bergen, in der. Restern kleiner entlegener Staat« und in den Städten der groß« Wett.

Da sind noch ein paar andere treue Kumpane, die mich auf all« Reis« begleiten. 3d) bin hn glücklichen Besitz eines köstlichen steirisch« Loden- Hutes, von Pichler in Graz, der die besten fabri­ziert. 3d> besitze ihn seit Jahrzehnt«, er hat die Form einer Pickelhaube, man kann ihn knüllen und knautsch«, er bleibt immer schön, er hat im unxfifeinollen Laufe der Zeiten einen wuicktervoll« Edelrost angesetzt, ähnlich wie Bronze den schillernd« Grünspan ansetzt, und ich glaube nicht, daft mir das Reif« noch Spaft machen würde, wenn ich dies« lieb«, treu« Hut verlöre. Da sind ferner ein Paar gute Rindleder» gamafchcn, schöner als alle modern« Form«, leicht und unverwüstlich, an den Seit« mit Leder­riemen empor zuschnüren, fie stamm« noch aus der schönen Zeit, da ich als junger Kerl auf demselben mitteldeutsch« Gutshof, auf dem mein Da ter in jungen 3ahr« als Verwalter tätig gewesen war, bei einem Moig schimpfenden Trai­ner das Reit« lernte. Diese Gamaschen sind auf Reis« immer bei mir, sie schütz« mich im struppig« Heidekraut, auf umgebrochenen Acker­schollen hinter Hasen und Hühnern her, in rauft« Feisengegenden Afrikas und in dem fettig« Boden der Marsch

Welch ein Genuh schon das Reis« auf der Landkarte! An still« Winterabend« nimmt man begehrlich den Atlas vor. macht Pläne, tastet vertraute Gebiete ab. die mit bunten, geliebt« Erinnerung« verknüpft find, oder man sucht neue Gegend« auf, zu den« uns ein unbändiges Verlangen zieht, und phantasievolle Bilder schweif« durch das sehnsuchtsvolle Hirn.

Die Üetfeyde war« immer der Mode unter» warf«. Vor hundert Fahr« suchte man in der

Postkutsche eine Reche kleiner Bäder auf, die man heute kaum noch dem Nam« nach kennt. Eine Zeitlang war der Rhein in Mode. eS war die Zeit der Romantik. Dann Italien. Die Schweiz. Die See. Aegypten. Norwegen Und die letzte Etappe. Winter im Gebirge, mit dem Ski und Rodel.

Ittwergeftlich die ersten Reisen, die man als junger Bursche unternahm. Es war« die primi­tivst«, aber die eindruckvollsten, das Herz war jung und voller Begeisterung, alleS, waS man iah. war neu und erregend, und in jugendlichem ileberfchwang meinte man triumphierend, man sei der Herr der Wett!

Niemals war es so bezaubernd in Italien wie damals, wo man als kecker Student d.iS erste­mal, mit den bescheidensten Mitteln ausgerüstet, aber völlig sorgenlos, biS hinab nach Neapel schwärmte, Gin klein«, verqualmten Trattorias Chianti trank uno in Gasthöfen kampierte, in den« man mancher zweifelhaft« Gestatt vom Rinaldini-Typus begegnen konnte. Niemals habe ich fo genußreich ein Gebirge durchwandert wie damals, als ich. ein schmaler Tertianer, mit einem gleichaltrig« Freunde den Thürinaer Wald durchstreifte, staunend und voll romantischer Träume, das erstemal aus dem elterlichen Hause entlassen. Viele spätere Reisen sind verblaßt. jene erst« find in all« ihr« Einzelheit« wach geblieben.

Wohin wir auch reifen und soviel Ballast wir auch dahenn lassen (man kann gar nicht genug daheim lass«). etwas begleitet uns immer: unser eigenes Ich. 2hm können wir nicht ent­rinnen. 2m letzt« Sinne kommt es deshalb nicht auf die Eindrücke an, welche uns eine Reise «t- geg«bringt. sondern darauf, wie unser (Inneres aus diese cLindrücke reagiert Wir sehen eine holde Landschaft hn letzt« Sinne nicht in uns hinein, sondern wir seh« sie aus uns heraus, aus unserer heiter« oder gequält« Seele,

Veisewinke.

Lichcnmg bco fMcifrgrpädÖ.

Den Reisenden zur Sommerszeit werd« in der Nr. 39 des .Daheim" klare und gute Ratschläge für d e Sicherung ihres Reisegepäcks gegeben, den« wir im Auszug folgendes ent­nehmen Zunächst muft Reisegepäck auch äusserlich als solches kenntlich leim Ein Bündel von Degenstä'chen ist kein Reisege­päck im Sinne des Gesetzes Die Verpackung in Koffer, Körbe Reisetaschen Hutschachteln il 6g(. ist «tfchcldend Die Bahn ist beredKigt. unrerpackw und schlecht verpackte Gegenstände von der Beförderung auSzuschliesten. Nimmt sie solche Stücke dennoch an, so kann sie auf den Ge­päckschein einen entsprechenden Vermerk letz«, helfen Vorhandensein ihre Haftpflicht vermindert oder gar aushebt. Unh mit der Annahme eines Gepäckscheines mit solchem Vermerk gibt der Reifende rechtlich die Anerkennung des mangel­haft« Zustand«, in dem sein Gepäckstück sich befindet. Die Rückgabe eine» Gepäckstücks am Bestimmungsort erfolgt grundsätzlich nur gegen Rückgabe deS Schein». Bei dessen Verlust ist aber die Bahn zur Ausaabe dann verpflichtet, wenn der Besitzer seine iLnpsangs- berechtigung glaubhaft macht. Da» kcnrn z. B. geschehen durch Besitz der Kofferschlüssel. Angabe des ZnftaltS vor Ocffnung usw. Dagegen ist Die Dahn nicht verpflichtet, die GmpsangSderechtigung dessen zu prüfen, der ihr den Gepäckschein zu­rückgibt. Der unehrliche Finder eines verloren« Scheins kann sich also in den Besitz des Gepäcks setz«, ohne hast cs dem Verlierer vwalich ist, die Bahn für den erlitt«« Schad« haftbar §u mach«. Bei all« Depäcka bf er t igungen in Deutschland kann auf gegebenes Reisegepäck und Aufbewahruntzsgepäck gegen Verlust und Beschä­digung versichert werden. Diese Reiseaepäck- rerfleoerungen befreien aber durchaus nicht von der Beachtung der allgemein« gesetzlich« Vorschriften, sie verlang« vielmehr, um wirksam zu werden, der« genaueste Befolguno.

3m allgemein« haftet die Gisenbahn Dein Reisend« für Verlust und Beschädigung seines Reisegepäcks. Sie ist nicht ersatzpflichtig wenn ein Schad« verursacht wurde 1. durch ent Ver­schulden oder eine Unterlassung des Verfügungs­berechtigt«. 2. durch höhere Gewalt, z. D. durch Naturereignisse: 3. durch äußerlich nicht erkenn­bare Mängel der Verpackung: 4. durch die Be­schaffenheit des Gutes, z.B. bei innerem Ver­derb deS Anhalts. Für den Verlust ober die Be­schädigung von Kostbarkeiten. Kun st gegenständ«. Geld und Wertpapier« haftet die Bahn nur, wenn ihr der Wert solch« Gutes bet der Hebet- gäbe zur Beförderung angegeben Word« ift 3n diesem Falle ist also die Wertan»ibe not­wendig. Bei Verlust eines Gepäckstück» erlischt die Haftpflicht der Eisenbahn, wenn das Ge­päck nicht binnen zwei Wochen nach Ankunft des ZuaeS, zu dem es aufgeliefert war, auf dom Bestimmungsbahnhof zurücft erlangt worb« ist. Wenn sich Reisegepäck nicht innerhalb dreier Tage nach der Ankunft deS VesörderungSzuge« eingefunden hat, gilt es als verlor«.

Reise bequem!

Da sind fie nun bald, die lange ersehnten drei ober vier Wochen Feri«. SS wird herrlich sein in den Berg« oder am Meer. . . Nur vor einem hast du. gesteh« wir» ein. heimliche Angst: vor dem schrecklich« Reifes ieber! .Werde ich auch ein« Platz im Zuge find«, werde ich ben Änschluft nicht verpaffen, werbe ich auch womöglich'. . . und fo fort, unb so fort . . Gine Schlange von Sorg«, die sich um dein Gewissen ringeln will.

Lieber Ferienreisender, wir können dich be­ruhig«. Reisefieber ist eine veraltete Krankheit. 3n der Zeit des Bubikopfes längst überwund«. Du kannst so bequem reif«, wie du nur willst. Rufe einmal in einem groften Reisebüro an. sage ihm wieviel Geld du übrig hast für deine Serienreife, und wohin bu willst. Man schickt dir den ganz« Reise- plan ins Haris, besorgt die Platzkarte, Fahrkarte. Schlafwagenbett lbu kannst eS auch .dritter" haben), hott dein Gepäck ab. Du setzt dich in aller Seelenruhe fünf Minuten vor Abfahrt auf deinen reserviert« Platz ober legst dich

je nachdem. Wer glückloS ist und nun auf Reifen geht, in der Hoffnung, er werde durch den Zauber einer neu« Umgebung daS Glück gewinn«, sieht sich immer getäuscht. Dein, Oer Glückliche selbst soll auf Reis« gehen, er ist der wahrhaft oeineftende und ideale Reisende: ihm liegt die Wett in ihrer heiterst« Schön­heit da.

Glückliche Reise!

Wanderfahrten.

Bieber Dünsberg Waldhaus Schmelz Fronhaul«.

Wir fahr« mit dem ^rühzug nach Bieber und gehen durch da- liebliche Viebertal an vier Mühlen vorbei. Vor der letzt«, der Ober* mühle i Geburtsstätte deS berühmt« Kupfer­stechers Will), schlagen wir den Weg zur Rechten, eine Pappelallee, ein, tomm« am Forst Haus Bieber vorbei und treff« alsbald schwarz Punkte, die uns in mastiger, aber steter Stei­gung auf den Dünsberg führ« !bequemster Auf­stieg). Sonntags ift oben Bewirtung. Nach ge­nügender Raft und Augenweide von dec Platt­form des Turmes erfolgt der etwas stelle Ab­stieg (roten Kell« nach) auf die Trumbacher Strafte, die wir bald wieder verlass«, um durch den groften Krvfdorser Wald, an zahlreich« Grenzstein« Der ehern allo p r e ust isch-hef fisch« Grenze entlang zum gastlich« FvrfthauS Waid­haus zu gelangen. Auf schöner Waldftraste wandern wir weiter zum Salzbödetal, das wir bei der Schmelz erreich« (Die rot« Kelle haben uns unterwegs verlass«). Von hier folg« wir schwarzen Punkt«, die uns über ein« Höften- Rücken mit hübschem Rückblick nach unserem End­ziel Frvnhaus« führ«. Dauer der Wanderung vier Stunden.