Nr. 14' Zweiter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen)
Montag, ?8. Zuni 1928
Die 3eiqjion#(önn>fc des Mtt Klotter« find zu neuem Leben erwacht. Schon tm Dezember vorigen Jahre« hatte es im englischen Unterhaus einen lebhaften Streit um die Revision b e s Gebetbuches der a n g l i k a n i f ch e n Kirche gegeben, der mit der Riederlage des Erzbischofs von Eanterburv endete; aber es war nur eine verlorene Schlacht, der Krieg um die Ausgestaltung der englischen StaatSk,rche vor dem Parlament nahm seinen Fortgang Michl um Freihandel oder Schutzzoll, um den Tktgatbeiter- streil. die irische Selbstregierung oder die Der- sallung des British Empire ist so heftig. so lerdenschaltlich, so unter Einsatz der ganzen Persönlichkeit gekämpft worden wie um vieles neue Gebetbuch das seit mehr als zwanzig Jahren vorbereitet wirb, von dem nun aber viele Politiker fürchten, dah es die anglilanische Kirche, die zu den protestantischen Bekenntnissen gehört, all- mählrch zum Katholizismus hinüber üh:e und den Anschluß an Dom vordere.te Wil flammenden Worten, eisern und unnachgiebig hat der schol- ttlche Advokat Mitchell im Dezember und jetzt vor der Annäherung an den ’23alilan ge^ warnt und sich damit wohl zum erstenmal den Berlall hochkvnservativer Blatter verdient, die vorher von diesem Sozialisten nichts wissen wollten. ©eine Rede ritz das Parlament fort, be- gelsterte die Abgeordneten und besiegelte im Dezember das Scheitern des Gesetzentwurfes, der die Einführung des neuen ..Prayer Book" bestimmte. Auf den Tribünen und, wie Augenzeugen berichten, sogar im Plenum brachen Freunde der katholischen Richtung in Tränen au-, als das Ergebnis der Abstimmung bekannt wurde, und unter denen, Vic ihre Ordnen nicht zurückhallen konnten, befand sich auch der greife Erzbischof von Eanterbury. der Primas der anglikanischen Kirche, der das Haus als gebrochener Mann, auf zwei Geistliche gestützt, mühsam verliest.
Das neue Gebetbuch ist geschaffen worden, um Vic anglikanische Kirche vor dem Zerfall zu bewahren und die Möglichkeit zu bieten, die verschiedenen Richtungen auf eine einheitliche Liturgie sestzulegen; nun droht der entfachte Kampf der Meinungen zu einem Kulturkampf Z" führen, der im Gegenteil den Zersetzungs- prozest beschleunigen wird. Ursprünglich unterschied sich die anglikanische Kirche, von Heinrich VIII. im Jahre 1533 geschaffen, nur wenig vom römischen Katholizismus. Erst allmählich entwickelte sich die englische StaätSkirche zu einer Lehre, die den reformatorischen Richtungen des Kontinents verwandt ist und auch viele gemeinsam« Füge mit dem deutschen Protestantismus aufweift, aber in der Kirchen Verfassung und dem Ritual zwischen dem Protestantismus und dem Katholizismus steht. 3m Jahre 1549 wurde von einem Komitee von Bischöfen und Theologen da- „Book of Eommon Praher", das ..allgemeine Gebetbuch", geschaffen und zur Agende der anglikanischen Staatskirche erhoben. Drei 3ahre darauf wurde dieses Buch zum erstenmal und im 3ahre 1559 zum zweitenmal im reformistischen Sinne revidiert. Seine heutige Gestalt erhielt dieses Gebetbuch dann im 3ahr« 1662; seitdem ist es nur zweimal, nämlich in den Jahren 1859 und 1872, unwesentlich verändert worden.
Es ist in England fast stets so gewesen, dast die lebendigen Institutionen sich den veränderten Zeitverhältnissen anpastten und die Gesetze diesen Zustand dann später sanktionierten, während in kontinentalen Ländern die Gesetzgebung voran- zugehen pflegt, ihre Ausführung, die Umgestal- lang der Einrichtungen, aber nachhinlt. Das Gebetbuch ist im wesentlichen unverändert geblieben; aber es gibt längst Strömungen in der anglikanischen Kirche, die sich um die Vorschriften dieses Gebetbuches nicht mehr kümmern und ihre eigene Liturgie eingerichtet haben. D.e High Ehurch Party, zu der der gröstte Teil dec britischen Aristokratie gehört, und deren Vertreter zuweilen auch Anglo-Katholiken und R i t u a l i st e n genannt werden, hat den Gottes
dienst mit der Zeit so auSgestaltet. dast ein unbefangener Beobachler. der während der Zeremonien in der Kirche weilt, glauben kann, einer katholischen Wesse beizuwohnen. Die Ritualisten sind für die Einführung von Bildern und Kruzi- fissen. benutzen Weihwasser, haben Mehgewänder und Mestglocken nach römischem Muster eingeführt. 'ind sogar Freude der Ohrenbe.chte und fordern, wenigstens zum Teil. Zölibat und OrdenSwesen. 3m 3uh 1899 etlichen die angli- konischen Erzbischöfe ein Verbot. Weihrauch und Prozession« lichter au benutzen, und ein 3ahr darauf erklärten sie eS auch für unzulässig, die Elemente deS Abendmahls in der Kirche aufzubewahren. D.e'c Mastnahmen tiefen den scharfen Widerspruch der Ritualisten hervor, fanden aber den Beifall der niederkirchlichen Partei, deren Anhänger auch Svan- geliker genannt werden, und der Broad Sh u rch Party, die in ihrer Weltanschauung dem deut'chen Protestantismus am nächsten steht. Run binden die Anordnungen der anglikanischen Erzbischöfe von Eanterbury und von V^rk tue Geistlichen und Gläubigen nicht" fo sehr, wie etwa eine päpstliche Entscheidung alle Katholiken verpflichtet. ES bildete sich also, entsprechend den verschiedenen religiösen Srrömun- gen, sine groste Mannigsaltigkeit von gottesdienstlichen Ritualen heraus, bei denen alle Spielarten von Zeremonien in bunter Abwechslung vertreten sind. Formell gilt nun für jede Richtung daS Prayer Book, und dadurch war bisher eine 5 über liehe Einheit gewahrt. Aber man erkannte, dast die Gefahr einer Zersplitterung der anglikanischen Kirche tatsächlich besteht, und setzte deshalb eine Kommission ein, die die kirchlichen Zustände prüfen und Abänderungsvorschläge auSarbeiten sollte.
Das Oberhaupt der anglikanischen Kirche ist der König von England, und deshalb erhielt die im 3ahre 1904 eingesetzte Studienkommission den Ramen ..Royal Eommission". Die Mitglieder dieser Studiengesellschast fahlen chre Arbeiten im 3ahre 1906 dahin zusammen, dah eine Umgestaltung des veralteten Gebetbuches von 1662 unvermeidlich sei. Seit dieser Zeit arbeitet man in England an der Revision des Buches. 3m 3ahre 1919 wurde dann durch den Church Assembly Act festgesetzt, dast die Kirchenversammlung das neue Gebetbuch auszuarbciten habe; da es sich aber um das Ritual der Staatskirche handelt, deren Oberhaupt der konstitutionelle König ist, bedarf das Gebetbuch der Genehmigung des Oberhauses und des Unterhauses. Es war nicht leicht, eine Einigung der Erzbischöfe und Bischöfe über daS neue Gebetbuch herbeizuführen. Der englische Premierminister Baldwin hat später einmal die anglikanische Kirche eine „Oase der Kompromisse" genannt und damit treffend zum Ausdruck gebracht, dast die Einigung der Kirchenfürsten nur möglich war. weil jeöcr der hohen Geistlichen auf einige seiner Wünsche verzichtete und zahlreiche Äompromiffe abgeschlossen wurden.
3m House of Lords fand das neue Prayer Book, das die Kommissionen auSgearbeitet hatten und daS von der Kirchenversammlung genehmigt worden war, ohne lange Dispute Billigung ; aber im Unterhaus begann ein heftiger Kampf der Meinungen, der jetzt mit der Ablehnung deS neuen Gebetbuches sein Ende gefunden hat; dort fürchteten zahlreiche Ab^ geordnete ohne Unterschied der Partei, dast das neue Gebetbuch die Reformation in England allmählich cufheben und den Anschlust an die römische Kirche herbeiführen würde. Das Parlament wurde im Dezember vorigen 3ahres ebenso wie jetzt plötzlich zu einer Art Kirchenlonzil; Parlamentarier, die sonst über den Staatshaushalt. über die Verwaltung der Kolonien, die Berechtigung deS Freihandels oder die Beziehungen zur Sowjetunion zu beraten pflegen, stritten sich über die Auffassung des Abendmahls und wünschten darüber zu entscheiden, ob die katholische Lehre von der Transsubstantiation anzunehmen fei im neuen Prayer Book wird nämlich auch diese Anschauung ausdrücklich zuge-
Englands Kampf nm das prayer Vook
Don George (Kroppen.
Oberhessischer Kunstverein.
Albrcchk-Dürcr ^cdächkniv Auöstcllung
Die gestern eröffnete neue Ausstellung am Brandplatz, die vom Oberheffifchen Kunstverein gemeinfam mit dem Kunstwissenschaftlichen 3n- ftitut der Universität und der Gesellschaft der Giehener Kunstfreunde veranstaltet wurde, ist dem LebenSwerke Albrecht Dürers gewidmet, dem Meister zum Gedächtnis im 3 ah re der 400. Wiederkehr seines Todestage« (6. April 1928).
Die Kollektion ist unter fachkundiger Leitung von Dr. 3ungjohann. Assistenten am Kunstwissenschaftlichen 3nfHtut, aus Beständen des Institute« sowie einiger angesehener Kunstverlage sehr übersichtlich zusammengestellt. Die Anordnung ist im wesentlichen nach chronologischen und genetischen Gesichtspunkten getroffen worden und entspricht etwa in ihrer Gruppierung und Unterteilung dem ganz knappen Datenabriv auS Dürers Leben, den man der Ausstellung zur Erläuterung als biographischen Wegweiser bei gegeben hat; es werden hier fünf Lebens- und Schaffensperioden abgegremt: die Lehrjahre unter Wohlgemut, die oberdeutschen Wan- derjahre. erste und zweite italienische Reife und die Reise nach den Riederlanden.
ES kann natürliche rtpeife aus mancherlei ®rün- ben nicht Sinn und Aufgabe dieser Zeilen fein, im einzelnen oder auch nur in großen Zügen auf die künstlerische Bedeutung und auf die Entwicklungslinien der hier (in meist guten Reproduktionen 1 ausgestellten Arbeiten einzugehcn. Das ist nicht Sache eines Referates, dazu ist hier bei weitem nicht der Raum, und überdies ist anderwärts vielerlei Gelegenheit geboten, fich über die ästhetischen und entwicklungsgeschich:- liehen Probleme — wie sie sich in der Ausstellung überreichlich barbieten - ein- gohend und zuverlässig zu unterrichten. Hier kommt es vielmehr darauf an. im kleinen Ausschnitt und Ueberblick das Bild vom vielfältigen Reichtum künstlerischen Wesens und künstlerischer Ausdruckskraft in Dürer, wie es durch die Aus- stellung auf engem Raume vermittelt wird, an- deutend nachzuzeichnen, die groben Stationen
und die wichtigsten Hauptwerke, welche gleich Meilensteinen den Schaffensweg des Nürnberger Meisters bezeichnen und abgrenzen. herauSzu- heben und zugleich sinnvoll in den gehörigen Zusammenhang einzuordnen.
Die Gruppe „Der junge Dürer" wird ringe- leitet durch das berühmte erste Selbstbildnis des Dreizehnjährigen von 1484. bringt ferner jenes andere von 1493 und. neben etlichen Architekturstücken die Skizze der Agnes Dürer und ein (mutmaßliches) Porträt des Baiers. Aus der Zeit der ersten 3talienfaprt (1494 95- findet man eine Gruppe minder bekannter mythologischer und figürlicher Kompositionen. Das Dezennium zwilchen der ersten und zweiten italienischen Reise (1495 bis 1505) ist durch eine gröbere Reihe glänzender und großenteils sehr berühmter Stücke aus dem malerischen und graphischen Werk Dürers illustriert. Hierher gehört zum Beispiel das Selbstbildnis von 1498 (im Prado', das bekannteste große cn-face-Q3ruftbiIb. der Baumgärtner Altar (um 1500). Pirkheimers Bildnis von 1503. aus den Raturftudien der tausendfältig verbreiteten Feldhase, weiterhin die sehr liebliche »Madonna mit den Tieren und der . Gewappnete". neben vielem anderen
Es folgen die Jahre 1505 bis 1507 der zweiten Gtalienreife; aus dieser Periode sind vor allem der prachtvolle .Kopf einer jugendlichen Frau". das .Rosenkranzfest" «Rudolphinum in Prag- von 1506 und die von Engeln betränktc .Madonna mit dem Zeisig" hervorzuheben. Die Zeit von der zweiten 3talienrcifc bis zur Tätigkeit für Kaiser Maximilian umspannt die 3ahre 1507 bis 1515. Hier sei insbesondere auf die (teilweise sehr bekannt gewordenen' sechs Studienblätter zum Helleraltar. 1508. hingewicsen 1515 bis 1520 währt öte Tätigkeit Dürers für den Kaiser Max. Reben allerlei oekorativen Studien fällt aus dieser Periode daS Blldnis des Michael Wohlgemut (1516) ins Auge, und jenes der Frau Agnes als St. Anna.
3n die 3ahre 152021 ist die Reife nach den Riederlanden zu verlegen: eine Reche hervorra- gender Bildnisköpse bezeichnet diefe Periode tm Schaffen Dürers Aus dem letzten Lebensjahre bis zum Tode. 1528. sind 3atob Muffels Porträt (1526). das letzte Abendmahl und die be
lassen Gerade die Lehre vom Wefen des Abendmahls bildet noch heule ebenfo wie vor 3ahr- hunderten, als die Reformation begann, den eigentlichen Kernpunkt bei religiösen Streites. ES gebt nicht nur um 3euhcrlid)leucn. um Formalitäten bei der Ausübung deS Gottesdienstes, sondern tatfächttch um wichtige Dogmen des Katholizismus. die von der Rriormation verworfen worden waren Bisher bestanden hierüber innerhalb der Staatskirche die verschiedenartigsten
Meinungen; das Prayer Book unternahm es nun. die An'chauungen und die dadurch bedingte Ittur- gllche Praris der Anglo-Katholiken auch für die AUgemeinheit gültig zu machen Dieser Versuch hat zu einer ungeheuren Erregung in der getarnten englischen Bevölkerung geführt. Dast mit der Einführung deS neuen Gebetbuches an di« Wurzel der Staatslirchc die Afft gelegt wäre, bedarf keines Beweises.
Geschichten aus aller Welt.
Achmcd ^oflu auf Zrcicrofüßcn
(s) Belgrad.
Dah die Bäume auch in Albanien nicht in den Himmel wachsen — und sei es in den Ehehimmel hinein — beweist die .Liebes geschichte des alba- ntfchen Diktators Achmed Zogu Auch Diktatoren haben bekanntlich ihren Punkt, wo sie durchaus keine Uebermenschen, sondern sterblich sind — nämlich wenn es sich um daS weibliche Geschlecht und die Eitelkeit Hand.'It. Das war schon bei Rapoleon fo. der eine Kaisertochter zur Frau verlangte.
Achmed Zogu. Ministerpräsident und Diktator von Albanien, hatte schon vor langem die lobenswerte Absicht, zu heiraten. Als er noch nicht Diktator war. da war er mit einer der reichsten Erbinnen Albaniens verlobt, mit der Tochter des früheren Ministerprä i enten Schefket Her- lac i. Aber diefe Lieae. die sich wohl hauptsächlich aus materielle und politische 3nterefien gründete, war verlloaen. alS Achmed Beziehungen zu 3talien □ngcfriüpfi hatte und als er sich mit der Freundschaft Mussolinis ei: e. wenn auch bescheidene, weltpolitische Rolle erobert hatte. Da meinte Herr Achmed, dah er nun wohl auf eine etwas vornehmere Heirat Anspruch machen dürfe — ja man sagt, sein Ehrgeiz sei sogar so weit gegangen, eine der italienischen königlichen Prinzessinnen zu ehelichen. Und Mussolini soll ihm auch ruhig eine Zeitlang bden stolzen Wahn gelassen haben, bis der zweite Tirana-Vertrag abgeschlossen war und Achmed Zogu zu einer Figur zweiten Grades auf dem mittelmeerischen Schachbrett Mussolinis herabgesunleit war. Da bat der grobe italienische Bruder dem Beinen Albanier freundschaftlich, aber deutlich zu verstehen gegeben, dah er doch wohl zu hoch hinaus wolle. Um den bitter Enttäuschten sich nicht zum Feinde zu machen, hat Mussolini die Pille etwas versüht und sich bereit erklärt, aus anderen Kö- nigsthronen Umschau nach einer passenden Gemahlin für den Beherrscher Albaniens zu halten. Deispiclswci c hat er sich bereit erklärt, bei König Fuad von Aegypten alS Freiwerber aufzutreten - und Herr Achmed bat mit Freuden zugestimmt. Run würde also doch eine richtige Königstochter von Geblüt den PräfidentenstuHl von Albanien teilen, und Achmeds stolze Träume wären immerhin in Erfüllung gegangen. Leider fehlt bisher immer noch die Zustimmung König Fuads, und da inzwischen schon ein halbes 3ahr vergangen ist. hat man in Albanien nur noch geringe Hoffnung auf das Zustandekommen der Heirat.
3a, ja — ob eS nicht doch besser ist. unter den Töchtern des Lande« Ausschau zu halten, die es sich noch zur Ehre anrechnen —7
Herr Rod la Rocque durch Krankheit verhindert.
(v) Budapest.
Die bekannte Hollywooder Filmprimadonna Dllma Banky beehrte kürzllch das alle Europa mit ihrem Besuch, wurde auf der Reise von ihrem nicht minder berühmten Gatten, dem Filmschauspieler Rod la Rocque begleitet, und das Ehepaar versäumte es nicht, unter anderem auch die Heimat der schönen Bilma, Ungarn. aufzusuchen. Selbstverständlich wurden die amerckanischen FUmsürsUichkeiten in Budapest mit Ehrungen verschiedenster Art überhäuft und sogar vom Staatsoberhaupt empfangen.
Der geschäftstüchtige Inhaber eines Budapester Lichtspieltheaters dritten Ranges wollte feinerfeit« die Danky-la Rocque-Konjunktur ebenfalls nicht unausgenutzt lassen. Er lieh also
in seinem lleinen „StunRinüituT einen uralten Banky-Film rollen Da er aber nur zu gut teuf'te. da^ der Banky zuliebe vermutlich nur Bonky-Schwärmer männlichen Geschlecht« da« Kino besuchen würden, zeigte er ohne Bedenken .in den beiden Hauptrollen Vilma Banky und ihr charmanter Gatte Rod la Rocque" an. um auf diese Weise auch die dem schneidigen Amerikaner gewogene Damenwelt in seine Bude zu locken. Der [leine Geschäststrick zeitigte dann auch ein auSrerkauste« Hau^ Leider war aber der Partner Banky« nicht ihr ONann, sondern Ronald E o l 1 m a n n, das Publikum fühlte sich betrogen und verlangte stürmisch nach dem an- gdürwigten Helden. Da« ungarische Temperam.nt drohte einen enden Strich durch die Rechnung des Herrn Direktor« zu machen; ein Skandal schien unvermeidlich zu sein. Da wurde es plötzlich hc'.l im Theater, am Kapellmeisterpult erschien ein eleganter Herr und hielt folgende Ansprache: .Romens der Direktion bitte ich um 3hre Rach- sicht. Herr Rod la Rocque war Iciaer durch Krankheit verhindert, und fo muhte im letzten Augenblick Herr Ronald ffpllmann seine Rolle übernehmen!" — Die Gemüter beruhigten sich, und der wackere .Sinfpringer" wurde lebhaft gefeiert
Tas Haus ohne Haustür.
(s) Warschau.
Dah der Beste nicht in Frieden leben kann, wenn es dem bösen Rachbarn nicht gefällt, ist eine alte Weisheit, die im täglichen Leben ste;S neu bewahrheitet wird. DaS mußten kürz.ich die Bewohner eine« Warschauer Hause« zu ihrem Leidwesen erfahren, aber die ganze Stadt, besonders die Passanten der Hauptstraben, haben darüber gelacht!
3m Zentrum Warschau«, in einer Haupwer- kehrSstraste. steht ein Hau«, an dem lange Leitern lehnen. Menschen sammeln sich darum, neugierige strömen hinzu — ist ein Unglück geschehen. da« Baugerüst eingestürzt ...?? Rein. Aber ein Anblick bietet sich, der des Staunens und Gaffens wohl wert ist. Man stelle sich vor — bitte, im Zentrum einer Groh- und Hauptstadt!! —: Aus einem Fenster der oberen Stockwerke ist eine Dan« gestiegen und bemüht sich verzweifelt — am hellichten Tage! — eine der am Haus« lehnenden Leitern berunterzukneck-en. Eine Dame — gesetzt an Leben-alter und Leibesumfang, die ebensosehr durch eine mächtige Markttasche behindert ist wie durch ihre Röcke und die Blicke au« der Tiefe ... Sie hätte fast eine Sprosse verfehlt, wäre die Ausmerksam- teit der schauenden Menge nicht auf die anderen Leitern abgelenkt worden, die auch plötzlich von Menschen besetzt waren, die gleichsallS vom Fenster auf die Strahe strebten, und die nun der Menge Aufklärung über die« seltsame Schauspiel gaben.
Ein nachbarlicher Zwist und Prozeh zweier Hausbesitzer lag der Sache zugrunde. Durch Ge- richtSbeschlub war dem Eigentümer des Rachbarhause« daS Recht eingeräumt worden, die Eingänge, die dieses Rachbarhaus führte, zu vermauern. Tatsächlich hatte der Hausherr von diesem Recht Gebrauch gemacht und die Hausbewohner, bic sich eine« schönen Morgens von der Auhenwelt abyeschnitten sahen, waren nun gezwungen, sich diese« ebenso originellen wie Luftigen Weges in« Freie zu bedienen. 3eyt sind die Behörden bemüht, eine Lösung dieses eigentümlichen Streitfalles zu finben.
3a — selbst die Haustür kann einem über Vacht vermauert werden, wenn es dem bösen Rachbarn und — dem Gericht so gefällt.
rühmten Apostelfigurcn. sowie die Blldnisse Hieronymus Holzschuher und Hans 3mhoff zu bezeichnen
3nnerhalb der hier in allergröbsten Linien angedeuteten Entwicklung sind auf der Ausstellung eine Reihe stofflich und stilistisch gehöriger Gruppen angeordnet, die etwa mit den figurenreichen, barock anmuten den und von einer glühenden Phantasie belebten Blättern der Apokalypse von 1498 (1511) zu beginnen wären. Dann die 12 Blätter der „Großen Pasfion" und das .Marien- Icben"; unterbrochen durch das Triptychon des Dresdner Altar« (um 1500). 3n einer Vitrine angeordnet »Die kleine Passion" und die Kupfer - stichpassion. etwa 150812. 3n sehr schönen Reproduktionen endlich die nach dem 3ahrc 1504 ausgeführte sog. grüne Passion aus der Albertina in Wien.
3n einer besonderen Kupferstichfammttmg werden die berühmtesten Stücke gezeigt: man findet hier etwa den „Verlorenen Sohn", das „Meerwunder", „Ritter. Tod und Teufel". „Die große Fortuna", die „Melancholie". .Hieronymus im Gehaus", bas schöne Weihnachtsbild und verschiedene kleine Madonnen. die gekrönte, die „mit der Birne" und jene „an her Stadtmauer".
Sehr charakteristisch für Dürers Arbeitsweise und rein technisch von hohem Interesse sind ferner die verschiedenen Proportionsstudien und anatomischen Skizzen zu „Adam und Eva".
Eine begrüßenswerte und malerisch überaus feine Ergänzung des Gesamteindruckes bildet eine Gruppe von Ändschaftsaraquellen, worunter die ,^)rahtziehmühle". der ..Steinbruch" und einige Nürnberger Motive besonders heroorzuheben sind.
Don den bekannten 9la tu rftücfen findet man ferner die Blaurake, das Käuzchen, das sog. große Rasenstück, den Akeleisiock unb die Eichhörnchen.
Endlich ist einer Reihe kleinerer Driginalfupfer- stiche zu gedenken, die vor allem Passionsszenen darstellen.
Die Ausstellung wurde am gestrigen Sonntagvor- mittag der Oeffenllichkell übergeben. Der erste Vorsitzende des Kunstvereins. Landgerichtsbirektor Bücking, hieß zunächst die erfreulich zahlreich Erschienenen mit kurzen Worten namens der drei veranstaltenden Institute roiüfommen. Hierauf ergriff
der Direktor des Kunstwissenschaftlichen Instituts der CanbesuniDcrfität, Professor Dr. Ehr. Rauch, das Wort zu einem, in bic Ausstellung einführenden Bortrage über Dürers künstlerisches Lebenswerk.
Dreimal in feinem Leben, fo führte der Bor- tragende aus, habe sich Dürer in feinem Schaffen Zu weltkünstlerischer Bedeutung erhoben; drei (Bipfel seien in feinem Werk zu bezeichnen, die feinen Ruhm begründet haben: die sog. Apokalypse von 1498, bann bie großen Kupferstiche ber Jahre 1513 und 1514, schließlich, gegen Enbe seines Lebens, bie Apoftelgemälbe. In der Apokalypse, die in ihrer visionären Gestaltung durchaus als Ausdruck der damaligen Zeit zu verstehen sei, verbinde sich eine hohe spätgotische Ueberliefcrung mit Dürers eigenem, aus neuem Formwillen geborenen Stil. Analyse unb Einzelbetrachtung unterstrichen ben metaphysisch, mystischen Charakter her Bilbersolge; weiterhin ging ber *Rebncr auf die künstlerischen unb menschliche» Entwicklungsstufen ein, bie den Weg zu diesem ersten Gipfelpunkt bezeichnen, wobei bie inneren Voraussetzungen der ersten Wanderjahre und der ersten Italienreife anbeutenb geschildert wurden
Dann die Kupferstiche 1513/14: Im „Ritter trotz Tod und Teufel" fei wiederum der Geist ber Zeit gestattet, für die „Melancholie" wurde bie faustifch-nor- difche Grunbstimmung ber Komposition betont, beim .Hieronymus im Gehaus" bie "nordische Innenraum- ftimmunq unb bic Debeutuna bes Blattes in technischer Hinsicht, als bie enbgültige erfolgreiche Bewältigung der Perspektivengesetze unterstrichen. Als Vorläufer, besonders auch in formaler Hinsicht, wurde auf das „Marienleden" hingewiesen.
Aus der zeitlich anlch!icß>.'ndcn Zwifchenperiode wurden bie technisch außerorbenttich gesteigerten und gereiften Porträizeichnungen, vor allem bas berühmte Bildnis ber allen Mutter Dürers heraus- gehoben. Als letzter Höhepunkt feien bann bie großen Apostelgemälde zu bezeichnen, bie italienifd^ Reminiszenzen mit eigenen, nordischen Elementen in Dürers Stil verbinden: ein Vermächtnis an bic deutsche Ration. —
Gs wäre sehr zu wünschen, daß ber fernere Besuch ber Ausstellung, die, vor allem wissenschaftlich, didaktisch aufgebaut, von besonderem allgemeinbitbenben und volkserzieherischen Wert ist. ber Frequenz des Eröffnungstages einigermaßen entspricht.


