Ausgabe 
18.5.1928
 
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(Hn zahlreichemal, zuletzt auch schwer vorbestraf­ter Gewohnheitsdieb und sein Genosse, ein ebenfalls wegen Diebstahls vorbestrafter Arbeiter, haben geKeinschaftlich mittels Einbruchs einem Schuhmacher in Grünberg Schuhwaren im Werte von etwa 300 Mk. gestohlen. Strafe: gegen Näh 3 Jahre, gegen den Mitangeklagten 2 Jahre Gefängnis.

Freigesprochen von der Anklage der fahrlässigen Tötung wurde ein Fuhrmann von hier, (fr war mit einem Kohlenfuhrwerk aus der Wilhelmstratze in die Liebigstratze eingebogen, wobei ein schiller, der sich dort, den Rücken gegen die Fahrtrichtung gewandt, aufhielt, vom Wagen erfaßt und überfahren wurde. Im Verlaus der Heilung, die zunächst gut verlief, trat eine Sepsis ein, an der der Verletzt« starb. Das Gericht ver­mochte sich nach eingehender Beweisaufnahme von der Schuld des Angeklagten nicht zu überzeugen.

Meine Strafkammer Gießen.

* Dießen, 15. Mai. Der Geschäftsführer einer jetzt liquidierten Gießener Firma war be­schuldigt worden, Dampfkessel dieser Firma nicht zur behördlichen Revision bereitgestellt zu haben. Das Gericht erster Instanz kam aus rechtlichen Gründen zu einer Freisprechung. Die Strafkammer, die sich auf die Berufung der Staatsanwaltschaft mit der Sache befaßte, bestätigte das Urteil des Dorderrichters, da sie ein Verschulden des Angeklagten nicht fett- stellen konnte.

Recht aufregend gestaltete sich die Verhandlung gegen einen Schreiner aus Gießen der vom Gericht erster Instanz wegen Betrug- zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden war. Gr be­nahm sich derart ungebührlich, daß ihm da- Gericht au- diesem Grunde eine Ordnungs­strafe von 20 Marl zudiktierte und, als er später sein Verhalten nicht änderte, ihn mit drei Tagen Hakt bestrafte, ihn sofort ab­führen ließ und die Verhandlung in dieser Sache vertagte.

Eine Hausbesitzerin aus Friedberg hatte im Laufe einer Unterredung einen Beamten des Wohnungsamtes mit dem Ausdruckgemeiner Mensch" beleidigt. Das Amtsgericht Friedberg hatte sie deshalb mit einer Geldstrafe von 100 Mark belegt und dem Beamten Publikations- bcfugnis zugebilligt. Auf die Berufung der Staatsanwalt hin erhöhte die Strafkammer die Ge l d st r a f e auf 200 Mark evtl. 20 Tage Gefängnis, und hielt im übrigen das Urteil erster Instanz aufrecht.

Oberheffen.

Landkreis Giefien.

00 Klein-Linden, 17. Mai. Der in der Mitt, wochnummer unseres Blattes von Klein-Linden ge­brachte Bericht über die kirchliche S t a t i st i k gilt für die Gemeinde Klein-Linden, und nicht, wie irrtümlich berichtet worden war, für die Ge­meinde Allendorf (Lahn). Klein-Linden sowohl wie Allendorf (Lahn) sind Filialdörfer der Pfarrei Großen-Linden, nur mit dem Unterschied, daß Allen­dorf von dem zweiten Geistlichen von Großen-Linden mitversehen wird, während in Klein-Linden ein Pfarrassistent wohnt.

u. Klein-Linden, 17. Mai. Die in diesen Tagen in unserem 2000 Deelen zählenden Dorfe durch die Konfirmanden vorgenommene Samm­lung für die Geisteskranken Hessens ergab den stattlichen Betrag von 100 Mk.

' Leihgestern, 18. Mai. Am morgigen t SamStag, 19. Mai, kann unser Poiizcidiener i. R. und langjähriger Kirchendiener, KasparVath, f in voller geistiger und körperlicher Frische seinen 8 0. Geburtstag begehen. Bath ist Veteran * von 1870/71.

D Lich, 17. Mai. Am nächsten Dienstag, nachmittags 5.15 Uhr wird der xum Bür­germeister der Staat Lich gewählte Referen­dar a.D. Hans Geil aus Oberstein a. d. Nahe in einer öffentlichen Sitzung des Stadt­vorstandes durch das Kreisamt Gießen e i d- l.ich verpflichtet. Die Neubautätig­keit in unserer Stadt ist gegenüber dem Vor­jahre kaum merklich zurückgegangen. Neben der von der Stadtverwaltung geplanten Errich­tung eines Po st Neubaues werden noch etwa zehn Privatpersonen Wohnhäuser errichten. Unter diesen befinden sich sechs, die Dank der

Oie Reise nach Tripolis.

Gustav W. Eberlein, Lfiom.

Die Reis« nach Tripstrtll ja, so schien das früher. So sagenhaft und abenteuerlich, es ist noch gar nicht lange her. Bor fünfzehn, sech­zehn Jahren zum 'Beispiel fühlte ich den un­bezähmbaren Ehrgeiz, mir die Sporen eine- Kriegskorrespondcnten zu verdienen, und da ich noch jung und unbefangen war, im Orient aber immerhin schon al- ein Sidi betrachtet werden mußte, überdies die Freiheitsliteratur auf mei­nem Bücherbrett in vorderster Linie stand, an der Universität Ferien und Ebbe in meinem Beutel waren, gehörte meine Sympathie natürlich den stolzen Wüstensöhnen, die ihr Vaterland gegen die eroberungssüchtigen Italiener verteidigten.

Aber die Franzosen ließen mich nicht durch. Ich muh ihnen schon verdächtig erschienen sein, weil ich auf der ..Manouba" dahergeschwommen kam. die wegen Konterbande von den Italienern ausgegrifsen wurde. Ein kleiner Zwischenfall, der heute noch seine Schatten in die lateinischen Schwesterbeziehungen wirft, besonders in der Mittelmeergegend. Kurz, obwohl ich hoch und heilig versicherte, da- Flugzeug nicht heimlicher­weise in daS Schiff geschmuggelt oder eS den Italienern verraten zu haben, meinten sie schnip­pisch, hinter Tunis sei die Grenze und über­schreiten dürfe ich sie nicht. Woraus ich mich wütend und seitlich In die Büsche schlug, m die Richtung nach Marokko zu, und radelnderweite das afrikanische Zürich entdeckte.

Richt« ^u drehn und zu deuteln, der Ort heißt Zürcch und liefert mit Vorliebe ..Malta­kartoffeln". Ja. so abenteuerlich ging es da­mals in Rordafrlla zu.

Jetzt kann man nicht mir eine Fahrkarte nach Mgicr. sondern auch ein biglietto nach Tripolis lösen. ES wird dort unten zwar immer noch gelegentlich geschossen und aufgehängt, die un- gepärdigen Eingeborenen haben, wie erinnerlich, vor einigen Jahren die Italiener fast ins Wasser gedrängt, so daß sie froh waren, wenigstens die Küstenoase in Händen zu halten, den Mustcr- knopf sozusagen an der teeren Schachtel, das kann aber selbstverständlich die Touristenauto- buffe nicht daran hindern, so weit ins Land

seit IV- Jahren eingerichteten Dausparfysteme bei der'Dezirkssvarkasse Gießen Wohnhäuser er­rieten. Die Bauspartätigkcit bei dieser Kasse hat bisher den besten Erfolg gehabt, und es steht zu hoffen, daß durch weiteren Zugang von Mitgliedern die Leistungsfähigkeit der Bausparer sich noch erhöht und bis zum Herbst Mittel für weitere Bauten verfügbar sind. Gin beson­dere- Verdienst für den Bausparaedanken hat sich hier der leider so früh verstorbene Bürger­meister Völker erworben. Die Firma Magirus, Feuerwehcgeräte in Ulm, führt am kommenden Samstagnachmittag hier an der Wetterbrücke in der Bahnhofstraße zwei Mo­torspritzen prakttsch vor. Es handelt sich um eine Zweirad-Motorspritze mit 800 Liter minütlicher Leistung und um eine trag- und fahrbare Kleinmotorspritze mit 400 Liter Leistung.

r. Lich. 17. Mai. Dieser Tage fand hier im Holländischen Hof" ein Bezirkstag de- Hassia"-Bezirk- Lich unter Leitung deS Vorsitzenden. Tierarzt Dr. Walther von hier, statt. Sämtliche Vereine des Bezirks hatten Verttetec entsandt. Die Kameraden Roth lMuschenheim) und Loy (Rieder-Bessingen) wurden für langjährige treue Mitarbeit und für besondere Verdienste um ihre Vereine vom Präsi­dium mit demHassia"-Ehrenkreuz ausgezeichnet. Zum Vertreter des Bezirks auf dem Berbandstag in Wimpfen wurde Roth lMuschenheim) bestimmt. ES wurde weiter be­schlossen, das diesjährige Bezirksschießen am 5. und 12. August in Ober-Bessingen abzu­halten: bis dahin sollen die Vereine mit ihren Schießen fertig fein. Die Abrechnung über das DezirkSkonzcrt, die vom Kam. Häuher (Lich) vorgelegt wurde, ergab einen kleinen Lleberschuh, der für die Unterstühuna bedürftiger Kame­raden verwandt werden soll. Dom Bezirk wurde jedem Verein eine Sammelbüchse zum eifrigen Gebrauch übersandt. Der nächste Bezirkstag fin­det in Hattenrod statt.

i. Lauter, 17. Mai. Am nächsten Samstag begehen die Wagnerseheleute Karl R e i d t das Fest der goldenen Hochzeit. Mit de-n Eltern feiern die Familien der vier Kinder des Jubelpaares den Festtag. Das betagte Paar erfreut sich in der ganzen Gemeinde großer Be- liebcheit. Reibt, der früher lange Jahre hin­durch Mitglied des Gemeinderates war, ist in seinem hohen Alter noch Kirchenvorsteher und OrtSgerichtsmann.

* Beltershain. 17. Mai. Der älteste Einwohner unseres Dorfes, Landwirt Jo­hannes Schmitt V.. kann am kommenden Samstag, 19. Mai, seinen 9 4. Geburtstag begehen. Der alte Herr ist geistig und körper­lich noch recht rüftig.

Kreis Friedberg

WSR. Friedberg, 18. Mai. Der heutige Schweinemarkt war gut beschickt. Bei flottem Geschäft wurden bezahlt für sechs Wochen alte Ferkel 12 bis 15 Mark, für sechs bis acht Wochen alte 15 bis 20 Mark, für acht bis zwölf Wochen alte 20 bis 30 Mark.

WSR. Wölfersheim, 16. Mai. Am Diens- tagvormittag explodierte bei der He frag ein Schwei ßapparat. Ein sechzehnjähriger Junge erlitt hierbei eine schwere Schädel­verletzung und mußte ins Friedberger Kran­kenhaus gebracht werden.

SU:;- Büdingen.

Nidda, 17. Mai. Gestern feierten hier Oberzollinspektor l.R. Adolf Ealmann und Ehefrau Emilie geb. Merz das Fest der golde­nen Hochzeit. Das Jubelpaar ist noch sehr rüstig und erfreut sich allgemeiner Hochachtung, daher wurden ihm an feinem Iubeltage viele Glückwünsche und Ehrungen zuteil. Der Jubilar war lange Zeit an der schlesischen Grenze im Zolldienst tätig, verlegte aber vor etwa 15 Jahren seinen Wohnsitz hierher, In die Ge­burtsstadt seiner Frau, wo auch zwei seiner Kinder verheiratet sind. Am Montag wurde hier in der Gewerbeschule ein sechswöchentlicher foftenlofer Koch- und Handarbeitskur- s u s durch den Leiter der Pflichtfortbildungs- fchule, Rektor G a h e r t, mit beherzigenswerter Ansprache eröffnet. Kreisfchulrat Gockel aus Büdingen wohnte der Eröffnrmg bei und richtete wichtige und wohlgemeinte Worte an die Leite­rin und die Teilnehmerinnen des Kursus. Zum Besuch des älnterrichts sind die Schülerinnen des letzten Jahrganges der Pflichtfortbildungsschule

hineinzustoßen, wie es eben geht. Wo es nicht mehr geht, steht ebn Zaun mit einem Pfahl da­hinter:Betteten verboten!"

Die italienische Regierung war so freundlich, üher meine seinerzeitiger Arabersyrnpathien hin- lpegzusehrn und mich einzuladen, das Land meiner Sehnsucht jetzt einmal mit europäischen Augen zu betrachten. Ich werde den schwarzen Erdteil, so versicherte sie, weiß finden.

Solche sprichwörtlichen Hyperbeln soll man losten, sowie sie aufgetischt sind. Ich fuhr also nach Tripolis. Schlaswagen RomSyrakus, es lut gar nicht weh. Wenn man durch das herein- blinzelnde Meer aufwacht und dann zur anderen Seite hinausschaut, merkt man, daß der Zug gerade in den Stiesclrist hineinfährt. Hier be­ginnt der Orient. Kubische Häuser, eingemummelte Frauen, vereinzelte Palmen. Bor der Stiefel- spitze liegt bann bekanntlich wie ein Fußball die Insel Sizilien, und damit die Reisenden Erster und Zweiter ja keine Unbequemlichkeiten haben, ist man hier wieder ganz modern, schiebt die Wagen auf eine Fähre und hängt sie drüben in Messina wieder so fix und unmerklich an, daß ein Mensch mit Halbweg- gesundem Schlaf auch bis Syrakus durch dösen kann, ohne die schauerliche Durchfahrt zwischen Szhlla und Cha- rybdi- zu spüren.

Daß man in Sizilien durch lauter Orangen fährt, ist bekannt. Der Zug glitscht manchmal darauf aus. Durch die rot wie wilde Liebe wuchernden Geranien und Rosen haut er sich durch wie Old Shatterhand durch die Lianen der Tropenwälder. Was die berühmten Pinien- schirme anbclangt, so wimmelt es davon wie bei einem verregneten Fuhballmatch, und baß die Palmen wie Unkraut wachsen, versteht sich von selbst. Lleppig. üppig, ich habe noch kein Feuille- ton über Sizilien gelesen, in dem nicht erregend schwül von Der üppigen Flora der vulkanischen Insel die Rede gewesen wäre.

In Wirklichkeit ist eS leichter, einem Fabrik- fchlot zu begegnen, als der mit Recht so be­liebten Palme Verkneifen wir unS also die Datteln bi- Tripolis. Eifrig nach den Pinien auSspähenb, entdeckt man da und dort eine wie einen Bädckerstern. Dagegen bluten die Geranien wirklich in- Fenster herein, wenn es nicht roter Klee war. und minutenlang, halbe Stunden lang

von hier verpflichtet, werden aber dafür für da- ganze Jahr vom weiteren Besuch der Fort­bildungsschule befreit. Im ganzen sind es 19 Schülerinnen, darunter vier ältere freiwillige. Die Unterrichtszeit dauert täglich sechs Stun­den, nur Samstags ist ganz frei.

S. Berstadt. 17. Jllai In unserem Ort ist ein Todesfall infolge schwerer Genick­starre zu verzeichnen. Die Frau de- Land­wirtes Karl Rau war an einer Art Kopf­grippe erkrankt. Als sich aber Anzeichen von Genickstarre einstellten, wurde sie am Freitag mittel- Auto in die Klinik nach Gießen ver­bracht, wo sie jedoch schon am Sonntag verstarb. Man fühlt hier allgemein um so mehr mit der bartbeteoffenen Familie, da die Frau in dem blühenden Alter von 25 Jahren stand.

Kreis Alsfeld.

H Alsfeld. 16. Mai. In der gestrigen nichtöffentlichen Sitzung des Stadtvorstan- d e S wurde der Architekt Hugo Maurer au- Draun schweig, der als HilfSgewertelehrer an der Gewerbeschule Alsfeld tätig ist, unter drei Bewerbern in der engsten Wahl einstimmig zum Stadtbaumeister gewählt. Der Anstellung geht zunächst eine einjährige Probezeit voraus. Im ganzen waren 33 'Bewerbungsge- suche eingegangen. Der neue Dtadtbaumeister wird seinen Dienst sogleich an treten, da verschiedene größere Bauten, m-besondere der Posthausneu­bau, der Erledigung harren und nicht länger zurückgestellt werden können.

Preußen.

Oberwesterwaldkreis.

<55 Höhn, 17. Mai. In der hiesigen Grube Alexandria" sind in der jüngsten Zeit in ver­schiedenen Revieren Grubenbrände entstan­den, die auf Selbstentzündung de» Koh. lenstaubes zurückzuführen sind. Die Dermal, tung sucht die Brandstätten durch Abmauern der Zugangsstrecken abzudammen. Durch die bei den Bränden entstehenden Koblengase wurde ein Bergarbeiter aus Wahlmühlen betäubt. Der Bewußtlose wurde sofort über Tag gebracht. Da gleich Atemübungen angestellt wurden und ein Arzt rasch zur Stelle war, konnte der Verunglückte ge rettet werden.

Medi-inalraMr.DogisSO.GeburtStag pb. Butzbach, 17. Mai. Am gestrigen 80. G e - burtstag des Medizinolrats Dr. Vogt erschien als erste der Gratulanten eine Abordnung der Stadtverwaltung, bestehend aus Bürgermeister Dr. Jansen, Beigeordneten Ploch und den Stadtv. Dittgen, Eimbrodt, Link mann und Frau W i e ß l e r, um ihrem (Ehrenbürger unter Ueberreichung eir.ee mit Widmung versehe- neu Bildes des neuhergerichteten Rathaus? und eines Blumenkorbs die Glückwünsche der Stadt zu überbringen. Seitens der Weidig - Oberrealschule und des Vereins für das Deutschtum im Ausland überreichte Oberstudiendirektor Dr. Dingel zwei Glückwunsch-Adressen. Die sreiwilliae Sanitäts- kolonne vom Roten Kreuz ernannte ihren Gründer zum Ehrenvorsitzenden und ließ durch eine Abord­nung, bestehend aus dem eckten und zweiten Vor- sitzenden PI och und Woyfarth, sowie dem Kasienführer M a t h ü u s die Glückwünsche der Kolonne übermitteln und eine von Frl. Margret Kranz ausgeiertigte Ehrenurkunde überreichen. Seitens des Aufsichtsrats der Butzbach-Licher Bahn übermittelte Betriebsleiter JB a n bl o m Glück­wünsche. Seitens des Alice - Frauenoereins wurde eine ebenfalls von Fck. Margret Kranz ausge­fertigte feinsinnige Glückwunschadresse überreicht, und es wirkte rührend auf alle Anwesenden, als die 84jährige Vorsitzende des Vereins, Frau Weick- Hardt Wwe., die Glückwünsche aussprach. Abord­nung auf Abordnung erschien, so - die des Stlrdjen- Vorstandes unter Führung von Pfarrer Schnei­der, des Kriegeroereins unter Führung des Vor­sitzenden Unverzagt, des Vereins vom Roten Kreuz u. o. a. Seitens der Regierung erschien Kreis- direktor Gebbardt und übermittelte deren Glück­wünsche, ebenso waren seitens verschiedener aus- wärtiger Korporationen, denen Med.-Rat Dr. Vogt als Mitglied angehört, Abordnungen erschienen. Dr. Vogt dankte allen herzlid)st und versprach, in seitheriger Weise weiterzuwirken, so lange ihm Gott Die Kräfte hierzu verleihe. Möge ihm dies noch lange Jahre vergönnt sein. Das Rathaus war zu Ehren des Jubilars und Ehrenbürgers beflaggt.

Turnen, Sport und Spiel. Eröffnung der 9. Olympiade.

Amsterdam, 17. Mai. (WTB.) Die 9.Olympiade wurde heute mittag im neuen Stadion mit dem Olympischen Hockey- turnicr eröffnet Auf der Ehrentribüne hatten Prinz Heinrich der Riederlande und die offiziellen Qkrtretet der teilnehmenden Staaten, darunter fi'rr Deutschland der Präsident de» Deutschen Reichsausschusses für Leibesübungen, Staatsselrrtär a. D Dr. Lewald, und Dr. Diem Platz genommen.

3m ersten der vier heute ausgettagenen Spiele siegte Holland gegen Frankreich mit 5; 0, im zwecken Spiel errang Dänemark über die Schweiz einen Stea 2:1. Der Favorit de- Lumiers. Indien, siegte über Oe st erreich mit 6:0. Im letzten Spiel Hieb Deutsch­land gegen Spanien mit 5:1 siegreich.

Oie süddeutschen Huhbattspiele.

Trostrunde. Gruppe Südost.

1. F. C. Phönix Karlsruhe D. f A TNcktgort 2:3. Freundschaftsspiele.

Bayern München Destham United 3:2 (2:1).

F. L. Saarbrücken Preußen Kreseld 0:5.

F. Sp. V. Frankfurt a. M. Dresdner Spclb. 2:3.

Eintracht Frankfurt F. E. Modena 4:0 (4:0)

Tennis Borussia Gymnastikforening Aarhus 5:2.

Zußball EnglandFrankreich 5:i.

In Paris standen sich England und Frankreich im Fußball-Länderkamps gegenüber. Frankreich. daS dieses Spiel als letzte Probe vor den olynipischen Spielen auStrug. wurde von den englischen Berufsspielern empfindlich mit 5:1 geschlagen. Bereits zur Pause führten die Eng­länder 3:1.

Deutsche Handballmeisterschaft.

In Halte fanden gestern die Endspiele um die Handballmeisterfchaft der Deutschen Sport­behörde statt. Im Spiel der Damen hatte der favorisierte Sportklub Eharlottenburg in seinem Schlußgegner, dem <5. 03.06 Güstrow, nicht viel zu schlagen. Die ®fxirlottenburgerinnen waren den norddeutschen Damen im ganzen Spiel überlegen und holten sich mit einem 6:0 (4:0)-6ieg erneut den Meistertitel.

Im Anschluß daran traten die Herrenmann­schaften de- Deutschen HandoallklubS Berlin und des P o lizeispvrtverein- Halle zum Endkampf an. Auch frier fielen Sieg uno Titel an Berlins Vertreter. Nach schönem und abwechslungsreichem Kampfe siegte der Deutsche Handballklub mit 9:5. Bis zur Pause lag Halle mit 4:3 in Führung.

Radsport.

Der Radländerkampf Deutschland Dänemark (Amateure) endete mit einem Siege der dänischen Mannschaft mit 104:72 Punkten im Gesamt- klassem ent.

Aus dem Amtsverkündigungsblatt.

*Das2lmtsverkünbigungsblattNr34 vom 15. Mai enthäll: Die (krganzungswahlen zum Gefellenausfchuß der Handwerkskammer. Die Er- gänzungswahlcn zur Handwerkskammer. Die Wahl eines Erfatzmctgliedes in den Provtnzialaus- chug. Reichstagswahl am 20. Mai 1928 @tra- zensperrungen, hier: Str aßen Polizei. Die Ein­en düng von Unfallanzeigen. Belehrung der Pilz- ammler. Reichsjugendwettkämpfe 1928. Dienst­nachrichten.

Briefkasten der Redaktion.

(Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.)

2L v. 100. Wenn der verstorbene Veteran von 1870/71 nachweisbar an den Folgen einer Kriegs­verletzung entschlafen ist, bann besteht für seine Hinterbliebene Witwe Rentenanspruch aus Grund des Altrentnergesetzes. Ist der Veteran aber nicht nachweisbar an einer Kriegssvlge gestorben, so können bei Bedürftigkeit für seine Witwe doch nod) einmalige Beihilfen au- dem sog. Altfonds erwirkt werden. Am besten wenden Sie sich an da- zuständige Deckorgungsamt in Gießen.

sausten link- und rechts unaufhörlich Herden von gelbgestreiften Zebras vorbei. Mäßigte die Lokomotive ihr ilngeftüm, so wurden sie zu braven Orangengärten, sauber gehalten wie unsere Obstgärten und gewiß nicht schöner als der blühende Odenwald. Wir finden ja so vieles bezaubernder al- zu Hause, nur weil es fremd ist.

In Sizilien ist es, auch das darf als bekannt vorausgesetzt werden, manchrnal warm. Die Tou­risten ächzen, stopfen da- Taschentuch in den molluskenhaft gewordenen Kragen und schmachten mit roten Augen den Aetna an. Der liegt wie ein riesiger Eisbeutel auf Sizilien, dort, wo es am hitzigsten ist. Solange die sünszigprozentige Eiicnbahnermäßigung wegen der primavera siziliana anhält, kann man ihn getrost auch mit der Jungfrau bei Interlaken vergleichen, so schneeweiß steht er da. Hub betrachtet man ihn vom Bädekerdopprlstern aus. dem griechischen Theater in Taormina, wo sie gerade Julius Eäsar aufführen, so glaubt man es ihm einfach nicht, daß er auch anders kann. Bi- man in die Reichweite feines Zorn- gerät, dort bei Raxvs herum, dort, wo der Zyklop dem OdyffeuS voller Wut die Steine nachwarf, die noch jetzt al- historische Felsen am Strand photographiert werden, und zumal bei Catania, wo sich Städte in berghohe Lava cinaenistet haben, die weg­sperrend daliegt, als sei sie eckt dieser Tage erstarrt. Gruselig sieht das aus. älnd unheim­licherweise springt der Aetna bald auf die eine, bald auf die andere Seite der Bahn, a!S sei er nur da- Döcklein Wassen an der Dotthard- linie.

Endlich, eine Tagreise von Rom. sieht man Kriegsschiffe, eS geht um den strategischen Hafen Augusta und um friedliche Meergärten herum, die zur Salzgewinnung trockengelegt teerten. Syraku- ist da, daS Schiff wartet.

Daß man den Seeteufel mit dem Beelzebub deS Aetna, der noch weil feuriger ist al- die »Tränen Ehristi" de- Vesuvs, auStteiten könne, trifft in, sofern da- Meer ruhig ist. Andernfalls hilft er genau so viel wie daS sea-sick, da- man in feiner Angst vor der Abfahrt kauft, oder da- erste Essen an Bord. Man erstattet alles zurück, ohne die Reifrenfolge cituufrdtten. Gegen Morgen ater war e- mir. alS oo der Seeteufel seinen LteblingSsitz, meinen Magen, verlassen und

sich durchs Bullauge davongeschlichen Hte. Ich sah hinaus und gewahrte voll Erstaune- daß der Dampfer in ein Atoll eingelaufen war, nein. daS Rundriff war viel höher: in einen ocker­gelben Krater, ünb die Kraterwände starrten von Zinnen und Schiehlulen und Jtanonen* scharten Malta!

Dieser natürliche Wunderhasen zwischen Eu­ropa und Afrika hält alle Völker an der blauen Tränke in Schach. Man spürt die durch eine solche tröstliche Gewißheit entstandene britische Gelassenheit gleich beim AuSbooten: die Hasi-n- poliaei fragt nicht viel nach Paß und Visum. Rasse und Ration. Stundenlang. biS zur Abfahrt deS Dampfers, fährt man auf der Insel herum. steckt die Rase in alle Kanonenläuse, in jeden Sonder Hafen, wie sie sich sjordarttg auftun. und wird de- Staunens nicht müde. Jede Bastei ist vollgepfropft mit Granaten und Korn, mit sonderbaren Schachtösfnungen schnappen die un­sichtbaren, unendlich weiten Magazine sorttoäb- rend Rahrung. neue, dreißig Meter dicke Wälle werden angelegt ater auf allen darf man spaziercngehen. Wie in Orford oder Liverpool.

Die Stadt. Lavaletta heißt sie. englisch lautet. Niedliche Häu-chen. blitzblanke Messinaschilder. Eine 2ust. da- shopping. Die Zweisprachig­keit herrscht vor. doch will der Douverneuer S t r i ck l a n d jetzt eine Art südtirvler System einführen: Malta ist englisch, solglich sind die Einwohner Engländer und haben englisch zu sprechen Aber da- sei ganz etwa- andere-, sagen die Italiener, die Muttersprache sei ita­lienisch. Fragt man die Malteser, so sagen sie, sie möchten am liebsten sprechen, wie ihnen Der Schnabel gewachsen ist. Sie seien Gckcchen, oder Phömzier. oder Araber. Alle Böllerstürme sind üter die Felseninsel hinweggegangen.

Wie dem auch sei. frier rietfrt d nach ®e- schüven. nicht nach .neuen Kartoffeln". Auch die Mallahündchen bäte ich nicht gesehen

Und wieder ein Tag voll Bläue und wieder eine Rächt voll südlicher Sterne, bann raff der Anker herunter, besetzte und in Säcke gehüllte Menschen schreien, schreien, eine blendendweiße Stadt liegt da, von Minarett- durchstochen. Dalmen säumen den Stranb, die Oase drangt heran: Afrika.