Ausgabe 
18.5.1928
 
Einzelbild herunterladen

Ur. flb Zweiter vlatt Gießener Anzeiger (General-Rnzeiger für Oderhessen) Freitag, 18. Mai (928

Die Hündin des Marschalls.

Anekdote von Ma? Eibow.

Es mag ein 3ufatl fein, daß unsre ficine Ge­schichte in Spanien spielt' doch wie ihr Held em fieringer Aachsahre des großen Don Qu '-'e war, o wirkt auch diese närrische Begebenheit wie ein apokryphes Äbenteuer jene- berühmten AitterS von der traurigen Gestalt.

Don Pedro. ein Edelmann auS der Gegend von BuraoS, war zu Beginn des 18. Jahrhundert- Marschall von Castllien. Wir wissen nicht mehr, wie er zu diesem hohen Stange gekommen ist, d6 durch cigcixt» Derdcenst oder die Gunst seine- König-, jedenfalls steht fest, daß er fich keines- weg- durch besondere Klugheit ausgezeichnet hat, vielmehr abergläubisch und wunderfuchtig war.

Sines Tage- kaufte er von gaukelnden Zigeu­nern eine Hündin, die zufolge einer ausge.zeich- neten Abrichtung vielerlei Kunststücke kannte und willig au-führte. und, da sie von Statut auS erstaunlich gelehrig war, auch mit Leichtigkeit neue hinzulernte. Der Marschall, der sofort eine grenzenlose Zuneigung zu ihr fable, hatte iöd) bei keinem anderen Tier eine ähnliche Klugheit bemerkt, die ihm da- geistige Brrmögen einer unvernünftigen Kreatur bei weitem zu übertreffen schien. Ueberzeugt von der Möglichkeit einer Seelenwanderung, bildete er fich allmählich ein, hab in ihr ein edler Geist gefangen laste und sich feinem mitfühlenden Herren bezeugen wollte Sv oft er sich nämlich mit ihr unterhielt, wobei er zu ihr tote zu einem Menschen sprach, be­gann das kleine T er, dessen Instinkt sich viel­leicht nur eine Belohnung erhoffte, die freund­lichen Worte durch ein Klären zu erwidern. Don Pedro nahm da- für eine Antwort auf seine Sieben und glaubte sogar, darin die Klage über ein hartes Schicksal zu hören. Bald zwei­felte er nicht mcchr baran, daß die vernunft­begabte Seele der Hündin sch nur deshalb durch ein heiseres Dellen zu verständigen suchte, weil sie der spanischen Drache nicht mächtig wäre.

3n der Meinung, dast es ihrer Stiugfeit leicht sein würde, auch die menschlichen Laute zu er­lernen, übergab er* die Hündin einem allen Diener, mit dem Auftrag, sie im Gebrauch der Sprache zu unterrichten. Der Lehrmeister, weise genug, um der Starrheit nicht offen zu wider­stehn. gehorchte. Aber obtoohl et fich nun tag­

Die Zapaner in Schantung.

S3on Or. Pool Rohrbach.

Die Japan er operieren in Schantung in gro­bem etil. Natürlich versichern sie dabei, nichts zu wollen, auster dem Schutz für Leben und Eigentum ihrer Staatsangehöriger Allerdings sind zwei Armeekorps dazu etwaS zuviel. Auch England versprach, als es nach Aegypten ging, fo bestimmt wie möglich, dast es fich wieder zurückziehen werde, sobald Leben und Eigentum der Europäer inicht nur der Eng­länder!) wieder sicher fein würden. ES be- kxrrfcht aber noch heute Aegypten, und es hat wiederholt mitgetellt, dast es nicht daran denke, auf seine Stellung zu verzichten. Dies englische Aegypten mag den Japanern im stillen vorschweben. wenn sie sich in Schantung feh­le 6 e n

Schantung ist einer der wichtigsten Teile von China. Nach der chinesischen Statistik ist es die am dichtesten bevölkerte Provinz, denn uuf einem Staum. nur etwa halb so grob wir Preußen. werden 40 Millionen Einwohner gezählt. Austerdem ist es für da« Empfinden jedes Chinesen die vornehmste aller Pro­vinzen, denn es ist die Heimat deS Meisters Kung. den die Europäer Eonfuciu - nennen. 3n Küfu ist der Sih des .heiligen Herzog-", des Hauptes der noch bis heute blühenden Nachkommenschaft des ConsuciuS. Sein Ahnen- realster reicht lückenlos und beglaubigt durch mehr als 2500 Iahte.

Schantung hat aber auch eine geographisch, politisch und militärisch besonder- wichtige Lage. Es wird eingeschloflen von den beiden Betten, die der Hwangho. der gelbe Fluh, ab­wechselnd im Laus der Iahrhunderte einzu- schlagen pflegt. jedeSmal unter furchtbaren Ver­wüstungen. wenn er fich herüber oder hinüber wirft. Die alte Mündung, durch die fich der Strom bi« 1852 in- Meer ergoß. liegt in der Nähe de« unteren Iangtse: die jehige in dem Golf von Tfchili oder das innere Gelbe Meer liegt vier Breitengrade nördlicher, waS eine Distanz tote der von Bremen nach Stettin ent­spricht. Der Hwangho ist da- größte Hindernis für einen Vormarsch von Süd- nach '.'lorbchino und umgekehrt. Beide Verkehrslinien von Nanking, der südlichen BafiS der chine­sischen Nastonalparlei, nach Peking führen durch Schantung und kreuzen den Hwangho. Die «tue ist der zwar verfallene, aber teilweise noch benutzbare Kaisetkanal, der die große chinesische Ebene durchzieht: die andere ist die sog. Tientsin Pukau-Dahn. deren nördlicher Teil ebenso wie die Schantungbahn unter deutscher Leitung erbaut wurde. Ihr wich­tigster Punkt ist der Slfenbahnübergang über den Hwangho dicht nördlich von Tfinansu. Wer die große Brücke, die hier in einer Länge von 1,5 Kilometer den Strom überspannt, in seinem 'Sesitz bat. ist Herr der HauptverbindungSstrecke zwischen Nanking und Peking.

Iapan mutz damit rechnen, daß. toerm die Südtruppen Tfinansu und die Drücke in ihrer Gewalt haben, auch ihrem Vormarsch bis Peking nichts mehr im Wege steht. Peking selbst ist schwer zu verteidigen, denn eJ liegt ohne natür­liche Anlehnung in der Ebene. Die ungeheuren OKauem find für moderne Zerstörungsmittel kein Hindernis. Die Nachrichten darüber, ob die Brücke über den Gelben Fluh gesprengt ist oder nicht, widersprechen sich, ebenso darüber, ob die Südtruppen im Vvrrücken gegen Peking sind. Tschangtsolin. der Herr deS Nordens, der außer der Mandschurei bisher auch noch die Provinzen Tschili (die Provinz, in der Peking und Tientsin liegen) und Schantung beherr'cht bat. ist kürzlich mit dem merkwürdigen Manifest über den Zusammenschluß von ganz China gegen die fremde Invasion hervorgc- t re ton. Chinesische politische Taktik ist mitunter seht undurchsichtig und geyl verschlungene Wege. Immerhin wäre eS daS Nächstliegende. Tfchangt- folins Schritte so zu verstehen, daß er sich von der tatsächlichen Ueberlcgcnhcit der nationalen

Bewegung des Südens überzeugt hat und den Anschluß, statt wie bisher an Iapan. nunmehr an den Süden sucht. Ist diese Annahme richtig, so könnte man auch die Energie und den starken Kräfteaufwand des japanischen Einbruchs in Schantung erklären.

Iapans Politik ist feit dem Beginn der Wirren in China daraus ausgegangen. Zwietracht und Teilung des ungeheuren Landes unter mehrere streitenden Gewalten zu fördern. Die innere Kraft des Südens beruht nicht auf seiner größeren militärischen Stärke, sondern auf der größeren Werbe kraft deS nationalen Gedanken-, ben er gegenüber der militärischen Diktatur ..n« im ?;orje vertritt. Auch das Nordchinefentum sympathisiert mit dem (üblichen Nationali-mus. CS kann also fein, daß Tschangt- folin die Notwendigkeit begriffen Hot. um ftch überhaupt zu behaupten, mit dem Süden zu paktieren und bicfem Schantung und Tschili zu überlassen. Hm diese entscheidende Krästever- mehrung der nationalen Bewegung, die einen entscheidenden Schritt zur Einigung von Gesamt­china bedeuten Ginnte, zu unterbrechen, wäre es von feiten Iapans strategisch richtig ge­handelt. die Linie der Schantungbahn mit dem Anfangspunkt in dem einstmals deutschen Hafen Tsingtau und dem Endpunkt in Tfinansu zu besetzen. Unzweifelhaft war T s i n a n f u . bevor die Iapaner hingelangten, in der Hand der südlichen Truppen. Iapaner und Chinesen haben tagelang blutig um den Besitz der Stadt gekämpft. Sie besteht auS einem alten, von mächtigen Mauern umgebenen Hauptteil und modernen Vorstädten, die erst entstanden sind, seitdem Tfinansu ein wichtiger Eisenbahnknoten­punkt wurde und eine starke Fremdenbevölke- rung, Europäer, Amerikaner und Iapaner. sich

dort niederlietz. Di« japanischen Sin greifet haben mit schwerer Artillerie und Minen zwei Breschen in die viele Meter dicke, zinnengekrönte Siegel- mauer geschlagen die die Altstadt einfchlietzt. E« ist also klar, daß sie Tfinansu fest in der Hand behalten und keine Südtruppen dort dulden wollen. Unflat ist vorläufig, ob sie beab­sichtigen. mit der Besetzung von Tfinansu auch das weitere Dor rücken der füdlichen Arme« in der Dichtung auf Peking zu unterbinden.

Wenn di« japanische Politik sehr kühn ist. das heißt, wenn fie glaubt, die dauernde Festhaltung der Linie TsingtauTfinansu gegen den chinesi­schen Widerstand, gegen ben sicher zu erwarten­den Einspruch Amerikas und gegen den zu vermutenden englischen Protest sest-u- halten. so wird sie vielleicht sogar die Einnahme von Peking durch die Südtruppen geschehen lassen: in dem Gefühl, durch die Beherrschung von Tfinansu und der Brücke über den Gelben Fluh auf alle Fälle eingreifen zu können, sobald die Lage im japanischen Sinn g jährlich wird. AUetding« gibt es auch noch eine zweite Eisenbahnverbindung zwischen Peking auf der einen. Zentral- und Südchina aus der anderen Seite, nämlich die Linie von Peking nach H a n - kau. dem Endpunkt der Großschissahrt auf dem Iangtse. Hankau aber behauptet noch eine gewisse Selbständigkeit gegenüber der National- regierung in Nanking. Die Bahn von dort nach Peking verläuft auch bedeutend weilet westlich, d. h. tiefer im Innern, als di« von Nanking über Tfinansu nach Peking.

Uebcr diese Andeutungen hinaus dürfte es votläufig nicht ratsam fein, Vermutungen über die nugenblicflidxm Zusammenhänge in China zu äußern, da die Unbestimmtheit und Lücken­haftigkeit der Unterlagen zur Vorsicht einlädt.

Am Ewigen Licht.

Eine Auqenbl'cksausnahme vom Empfang berBremen"«Z1iegef in Nenyot-k.

Von unserem A. O. A.-Berichterstatter.

Hund oder Seu1 t, um b:

Sprache zu verstehn!"

kch mehrere Stunden mit feiner seltsamen Schü­lerin beschäftigte, zeigte das Tier, bei aller Ge­lehrigkeit. keine Begabung Jür die spanische Sprache. 2llS nach einigen Monaten der Mar- fd^n einen Erfolg dieser Bemühungen noch immer nicht «ah oder vielmehr hörte, beschuldigte er den Dienet der Lässigkeit und Unkenntnis. Der aber verteidigte sich damit, daß er sagte es läge weniger am Unterricht, wenn die Hündin nicht menschlich $u reden lernte, als vielmehr daran, daß ihr viel zu großes Maul fie an der Aussprache des Spanischen hinderte. Don Pedro, unzugänglich für vernünftige Ueberlegungcn, rief ergrimmt:Um spanisch zu reden ist kein Maul groß genug!" Und er verschwor sich schließlich, den unfähigen Lehrmeister einkerketn zu lassen, wenn dieser nicht innerhalb einer bestimmten Frist seinem Zögling die menschliche Sprache der gebracht haben würde.

Der Alte, erbittert durch diese Drohung und zugleich auch durch den Spott feiner Kameraden, an dem es natürlich nicht fehlte, beschloß, sich mit Gewalt von dem verhaßten Zwange zu be­freien. EirteS Morgens, in Abwesenheit des Marschalls, packte er die Hündin und warf sie aus einem hochgelegenen Fenster in den gekla­fterten Hof hinab, wo sie mit gebrochenem Ge­nick verendete. Dem gegen Mittag heimkehrenden Marschall, den der Tod des geliebten Tieres erzürnte und betrübte, tischte er ein klug erfun­dene- Märchen auf.

Aach fo vielen vergeblichen Versuchen, be­richtete der Alte, wäre es ihm an diesem Mor­gen endlich gelungen, die Hündin zum Stehen zu bringen. Aber anstatt spanischer Worte hätte er zu feinem Entsetzen gar fürchterliche Laute tote au5 einer höllischen Sprache hören müssen! Da­bei wäre die Hündin, als hetze sie ein Teufel, durchs Zimmer gerast und plötzlich, ohne daß er es hätte voraus'ehn oder verhindern fonnen, durchs offene Fenster in den Tod gesprungen.

Don Pedro, dessen Slberglaube nur zu leicht den SBorten des Alten glaubte, war zutiefst be­troffen und sah lange regungslos und traurig auf die Leiche feiner klugen Hündin. Endlich rief er seufzend: ..SBarum war ich nicht hier, um ihre ersten ach. ihre letzten Worie zu hören!"

Dor Diener, den die Klage des alten Tarten verdroß, erwiderte:Ohne Zweifel, Ew. Gnaden, Ihr als Marschall von Eastilien, würdet di« Hündin r-e-Jtasben haben! Ich freilich hätte

Drahtseilbahn fahrende Fische

Von JRoff Braun.

Die Nutzbarmachung der Wasserkräfte fisch­reicher Flüsse hat vielerorts eine heftige Fehde zwischen den Fischercibrrechtigren und den Aus­nutzern der Wasserkräfte entstehen lassen. Be­sonders in den nordamerikanischen Stromläufen sahen sich die Nutznießer der neu errichteten Wasferkraitwerle vor eine schwierige Aufgabe gestellt. Diese Ströme werden vom Lach- mit Vorliebe zur Laichzeit besucht. Der im Frühjahr aus dem aufsteigende Lachs ist von alters- her gewöhnt, weite Steeden stromaufwärts jurüd- zulegen. um in den klaren Seen der Oberläufe feinen Laich abzusehen. Ds ist bekannt, daß der Lachs nicht nur ein guter Schwimmer ist. der faft mühelos bedeutende Steomfchncllen überwindet, sondern auch vorzüglich springen kann und dabei Wasserfälle von zwei, ja sogar drei Meter Höhe übertoinbet

Schon früher hat man fich nach anfänglichen Fehlschlägen diese- Epringverrnögen des Lächle- bei der Anlage von Wehren. Schleusen ufto. funutze gemacht, indem man seitlich das Wehres »genannte Lachsleitern baute. Eine solche Lachs- Ictier stellt eine Reihe von kleineren Wasserfällen dar. zwischen die stufenförmig (leine Beden ge­schaltet find, die den aufsteigenden Fifchrn zum AuSruhen dienen. Allerdings konnte man damit keine viel größeren Höhen als etwa 15 Meter in einem Zuge überwinden. Die hohen Staumauern jedoch, die zur Erreichung eines genügenden Ge­fälles für die neuerlichen Was'erkraltanlagen errichtet werden, bilden für die Fische ein unüber- windbares Hindernis, und man müßte schon eine ganze Anzahl von Lachsleitern mit längeren dazwischen liegenden gefällarmcn Strecken bauen, um Len Fischen das Aufsteigen zu ermöglichen. SZbgefchcn davon, daß das Qteläntte häufig solche weitläufigen Anlagen gar nicht zuläht, würden diese auch verhältnismäßig teuer werden.

Eine bemerkenswerte Anlage ist nun vor einiger Zeit im Bvtkerfluß im Staate Washing­ton dem Betrieb übergeben worden, die eine hübsche Lösung der Aufgabe darstellt. Etwa 300 Meter unterhalb der 75 Meter hohen Staumauer

Iimmie". Mayor Walker mit. Cs war da- erste Mal. daß der Bürgermeister von Siem)ort Gäste der Stadt also ehrte. Dem Erscheinen der SlutomobUc war voin Süden her daS Branden und Brausen von hunderttausend Stimmen voran­gegangen. das zum Orkan anschwoll, als das funkelnde, mit Flaggen und Bändern geschmückte MayorSauto" vorrollte.

Die drei Flieger saßen erhöht auf dem zurück- geschlagenen Dach deS Wagens. die Fräße auf dem Sitz. Dem dicken Köhl toar daS krebsrote Gesicht vor Freude total auS dem Leim ge­gangen. Fitzmaurice in der Mitte grinste biS an die Ohren und v. H ü n e f e l d schwenkte seine Kieler Pachtklub-Mütze nach rechts und nach links mit einer Skroe. daß daS Publikum auS bewunderndem Staunen gar nicht mehr herauSkam. wie er eS bloß fertig kriege, sein Monokel nicht bei jeder Bewegung, jeder SJer- beugung zu verlieren. Den Skeuyorkern wird, solange die Erde die Sonne umkreist, ein Mann, der ein CinglaS auch unter den schwierigsten Verhältnissen im Auge festzuhalten vermag, immer wie eine Art Zauberkünstler und Hexen­meister Vorkommen, bei dem man sich eigentlich nicht sonderlich zu wundern braucht, wenn ihm Dinge glücken, die anderen unmöglich sind.

Bürgermeister Walrer und Grover Wahlen, der Dorsitzer des ständigen Ausschüsse- zur Sk- grühuna distinguierter Gäste, stiegen zuerst aus. Dann Köhl, lächelnd und mit beiden Händen die am Seidenband um seinen Hal- hängende goldene Tapserleit-medaille sesthaltenö. die ihm und seinen Fluggefährten im Auftrage des Gou­verneurs des Staates Reuyork überreicht worden war. Ihm folgte Fitzmaurice, fesch und adrett in seiner frisch ausgebügelten irischen Flieger­uniform. und dann der Freiherr mit dem Eyllopenauge. Mehrere Personen durchbrachen den Polizeikordon, um auf Hünefeld znzueilcn und seine Hand zu erhaschen.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.

Sleuyork. Mai 1928.

Wenn all der 3übel verrauscht, die Begei­sterung zerronnen sein wird, wenn die tausend überwältigenden Eindrücke längst ineinander zer­flossen. verwischt, verweht fein werden ein Bild von dem tosenden Empfang, den Sleu- yorkS Millionen den drei Musketieren der Luft Koehl. von Hünefeld und Fitzmaurice bereiteten, wird sich im Kaleidoskop unsere- Erinnerns im­mer wieder zusammenfinden und in stiller Stunde in all seinem Glanz und Schimmer und seiner atemlosen Feierlichkeit vor unS hintreten al- daS größte, das Erlebnis großer Tage . . .

Am Madison Square, dort wo der neuen Welt berühmteste Straßen, Droadway und 5. Avenue, sich kreuzen, ist den im Weltkriege ge­fallenen Söhnen Sleuyorks ein anspruchsloses Denkmal errichtet worden. Eine nie ver­löschende Flamme brennt vor einem Flag­genmast. und der Granitsockel trägt die Inschrift (Sin ewiges Licht und eine Ver­heißung dauernden Friedens." Hier hatte die Stadtverwaltung eine riesige Tribüne erbauen lassen, von der auS die Flieger der Bremen" die Parade über die zehntausend Mann amerikanischer Soldaten und Seeleute ab­nehmen konnten, die ihnen zu Ehren von der Südspitze der Manhattan-Insel hcrausmarschiert waren, drei Meilen weit in Schritt und Tritt, zu Trommelgerafsel und Pfeifen ton und den Marsch- weisen etlicher zehn Musikkapellen.

AIS die Spitze des Zuges das .Ewige Licht" erreicht hatte, machte das Ganze halt. t)ie Trup­pe nkolonne teilte sich in der Mitte und durch di« ©affe kamen die Kraftwagen mit den drei Ehrengästen, mit Frau Köhl. Frau Fitzmaurtee und Herta Iunkers. den QEitgliebem deS städ­tischen SmpfangSauschusseS und den schreibenden und photographierenden Pressevertretern ange­fahren. Im Wagen der Flieger fuhr auchunser

Haube rodtc Pollttsten öffneten den Fliegern ein« Gast« zu dem kleinen vergitterten Aa'cnpiatz am Fuß des Denkmals. Man reichte ihnen Kränze Fitzmaurice Lorbeer mit roten und welften .Rofen. Äöbl Lorbeer mit roten Sielten und Mar­al öckchcn und Hünefeld Lorbeer mit blutroten dunklen Roten. Sie traten zusammen vor. legten die Kränze nieder und verharrten in strammer Haltung, während ein TrompetenquartettLight- out" den Zapfenstreich blies. Wie drei in Erz gegoltene Statuen standen fie. bis der letzte Trvmpetenton verklungen war. Und der war kaum verhallt als die Kapelle eines der para- bierenben amer kanischen RegimenterDeutsch­land. Deutschland über alles" anftimmie. Von den Kopsen b:r Zivilisten flogen die Hüte und Kappen, der Soldaten, Offiziere und Pvllzei- beamten Rechte hob fich zum militärischen Grpft an die Mützen, und tautenb und aber Taufend Augen wandten fich den beiden Deutschen zu...

Wer uns vor zehn, vor acht, vor fünf Iahten gejagt hätte, daß hier tm Herzen von Reunork. ar. einem Denkmal, das dem etolg*n Gedächtnis der im Westkriege gefallenen Sleunorter IungenS gewidmet ist. zehn oder acht ober fünf Iahre später zwei deutsche Flieger. Kampf­flieger. umringt von zehntausend amerik.inllchen Soldaten und Seeleuten, unter den Klängen dec deutschen Rationalhymne Kränze nicbcrlcgcn würden, daß zehntausend Zivilisten da- deutsch« Lied barhäuptig mit anhören würden, daß die Spitzen der Stadtverwaltung nicht- ungetan lallen würden, um hier durch beispiellose Ehrung zweier deutscher Männer zu zeigen, daß sie die Inschrift auf dem Denkmalsocket nicht als leere Phrase betrachten wer uns getagt hätte, daß tote da- noch einmal erleben wurden, den hätte ein jeder von uns Deutschen In Amerika ohne Ausnahme als reif fürs TollhauS angesehen. . . Tautenb und aber Tausend Augen wandten sich den beiden Deutschen zu. Köbl. der zuvor mit gefalteten Händen und gesenktem Kops sinnend dagestanden, riß sich mit einem Ruck zusammen, und der Freiherr, vorher der elegante, liebens­würdige. ritterliche Gentleman, war mit einem- mal wieder ganz Soldat Wie versteinert blieben sie stehen, den Blick auf die Inschrift am Denk­mal gebannt, und in der Lust sogen Flieger­geschwader ratternd und rollend iyre Kreise über fie hin. Hünefeli? ist ein Dichter Wenn je die Saiten feiner Seele geklungen haben, muß es in diesem feierlichen Augenblick gewesen sein.

Dem Deutschland-Lied folgte daS irische Sol­datenliedSolbier- os Srin". bann da-Star Spanaled Banner", und darauf fetzte sich hie Parade wieder in Bewegung.Du. du liegst mir im Herzen', klang es die Fünfte Avenue herab, als die drei Musketiere der Luft, die 0taötbeamten. die Vertreter de- deut­schen GencralkonsulatS, der baumlange Konsul Dr. Eugen Klee an der Spitze, die Flieger­frauen, die couragierte, rasch entschlossene Herta IunkerS und der Troß der Zeitungsschreiber und -lichtbildner und Kurbeldreher wieder in ihre Automobile kletterten...

Hüneseld und Köhl, Köbl und Hünefeld mit einer großen Tat haben sie in der neuen Welt unserer Heimat mehr Ehre errungen als wir auf irgendwelchen anderen Wegen ben Ame­rikanern in einem Vierteijahrhundert hätten ab­nötigen können.

Erweitertes

Schöffengericht Gießen.

' Dießen, 16. Mai. Ein noch junger und un­bestrafter Ingenieur, der sich vom Maschinenhanbel ernährte, fertigte von Wechseln, die er al> Zahlung erhielt, gleichlautende Exemplare an, bi? er mit gefälschten Unterschriften akzep­tierte und diskontierte. Das Geld verwandte er zur Bezahlung von Schulden, sowie zu seinem Unterhalt. JJlii Rücksicht auf feine Unbescholtenheit und lein offenbar reumütiges Geständnis wurden mildernde Umstände angenommen; die Strafe lau­tete auf 6 Monate Gefängnis

Quer durch den Fluß ein Gitter gaogen, das die Fische fcitiich zu einer bekannten Lachö­leiter ablenkt. Diese besteht aus 25 ©tuten von je bO Zentimeter Höhe, die leicht von bei: Lachsen übersprungen werden. Das Söaffer. mit dem die Treppe gespeist wird, entstammt dem Turbinenauslaut. An die oberste Stufe der Treppe schließt sich ein etwa 230 Meter langer Kanal, an dessen Ende fich ein großer eiserner Bottich mit einer Tür befindet Die im Kanal auswärts schwimmenden Fische sammeln sich in diesem Bottich. Wenn genügend Fische darin sind, wird bic Tür geschlossen, und nun wird der Bottich wie der Wagen einer Drahtseil­bahn auf einer 60 Meter langen schiefen Ebene bis zum Oberwasser gehoben. Dort wird der Inhalt in ein Becken entleert, das mit dem Stausee in Verbindung steht. Di? Fische können nun ihre Aufwärtswanderung zu ben Laichplätzen fortsetzen.

Aach bet Laichzeit schwimmen die Fische in ziemlich erschöpftem Zustand wieder stromab. Sie sind bann nicht in der Lage, groß? Sprünge auszusühren. Man läßt sie daher durch einen besonders gebauten Ueberlauf seitlich der Stau­mauer sanft abwärts gleiten. Die aus dem Laich fich entwickelnde junge Brut verbleibt zu­nächst 'm der Släfre ihres Geburtsortes. Erft im zweiten Iahr regt sich in ihnen der Wan- bertricb, und lie streben stromabwärts dem Meere zu. Die verhältnismäßig kleinen Fische nehmen dabei den SDeg über ben Ueberlauf der Stau­mauer und stürzen so etwa 15 Meter tief ab. Merkwürdigerweise bekommt ihnen aber dieser gefährlich aussehende Sturz, dank der besonderen Bauart der Ucberläufe und des anschließenden Beckens ganz gut. Erst im sechsten Iahr ift bet Lachs Io toeit herangewachsen, daß er an ben Wanderfahrten seiner älteren Artgenollen stromauf teifnebmen kann. Genaue Beobachtungen haben ergeben, daß er stet- die gleichen Ge­wässer wieder aufsucht, in denen er geboren wurde.

Der Lachsaufzug mit der Lcrchsleiter als Vor­stufe ist durch die enge Zusammenarbeit zwischen Wasserbauingenieuren und Fischereisachverstän­digen zu einem sinnreichen Wert geworden, da- die Streitigkeiten zwischen der Lachslndustrie, >n der bedeutende Kapitalien festgelegt find, und den Krafterzeugungsgefellschastein aus bet Welt geschafft hat.