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Nr. 42 Drittes Blatt

Samstag, (8. Februar (928

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheben)

Das neue physiologische Institut in Gießen.

Ehrenpromotion des Kinanzministers Henrich.

Am heutigen Samstag, 18. Februar, vormittag ist das neue Physiologische Institut der L a n d e s u n i v e r s i t ä t (Liehen, das dem Direktor Pro es or Dr. Bürker untersteht, in feierlicher Wei e eingeweiht worden. Lieber die Einweihungs e er werden wir in un erer Aus­gabe von kommendem Montag berichten, für heute fei nur einiges über das neue Institutsgebäude selbst mitgeteilt.

Wer die ganz unzulänglichen Verhältnisse ge­kannt hat, unter denen das Physiologische Insti­tut bis vor wenigen Moncllen in dem staatlichen Gebäude in der Senclenbergstrahe arbeiten muhte, wird der Institutsleitung, allen ihren Mitarbei- lern und auch der Llniversität selbst beste Glück­wünsche zu dem schönen neuen Heim aussprechen. In unmittelbarer Äachbar^cha't der Kliniken, an der Friedrichstrahe, erhebt sich der imponie­rende Bau, der dort unter der Leitung des Hessischen Hochbauamtes, vertreten durch Re- gierungsbaurat Kuhlmann, und in engstem Zusammenwirken mit dem Institutsdirektor Pros. Dr. Bürker entstanden ist. Nahezu fünf Ialxre gingen ins Land, bis der Dau zur Verfügung der Jnstitutsleitung ge teilt werden kann e. Am 28.-.z 1922 fa d dec Neubau die Ge ehmigung des Landtages. Der er, e Spatenstich wurde am 18. September 1922 getan, in rascher Folge schrit­ten dann die Arbeiten fort, bis sie durch die Llngunst der Zeitverhältnisse am 4. Dezember 1928 stillgclegt werden muhten. Erst am 8. Juli 1924 kam die Weiterarbeit wieder in Gang, und in nunmehr ununterbrochenem Scha fen gelang es, das Gebäude mit seiner Inneneinrichtung bis zu Anfang 1927 zu vollenden. Am 26. April 1927 konnte die erste Borlesung in dem neuen Heim stattsinden: am 7. Mai 1927 war der Llmzug des gesamten Instituts aus der Scnckenbergstrahe nach dem Neubau beendet. Sowohl in der bau­lichen Gestaltung wie auch in der Inneneinrich­tung ist dieses Bauwerk als vorbildlich zu be­zeichnen, jedenfalls bildet es eine Zierde unseres Klinikviertels und eine Augenweide jür jeden, der die wunderbaren Räume durchschreitet.

Den Grundstock des gesamten Gebäudes bildet de fen Mittelteil, in dem sich der For- schungstrakt besindet. Daran reiht sich nach rechts hin der Rundbau mit der Llnterrichts- abteilung, auf der linken Seite befindet sich die Derwalkungsabteilung. Im Erdgeschoß ist die operativ-chirurgische Abteilung un­tergebracht, außerdem sind hier u. a. die erforder­lichen Werkstätten. Im ersten Obergeschoß befindet sich die physikalische Abteilung, im zweiten Obergeschoß die chemische und ferner noch die anatomisch-histologische Abteilung. Das Dachgeschoß eirdlich be­herbergt zwei dem physiologischen Insti­tut verwandte Institute, und zwar das 2 n - stitut für experimentelle Pshcholo- g i e und das Institut für Körperkultur. Auf dem Dache befindet sich eine Plattform zum Studium der physiologischen Wirkung des Sonnenlichtes und anderer meteorologischer Fak­toren: nebenbei bemerkt ist diese Plattform der höchste Punkt im Bereiche der Stadt Gießen, von dein aus man einen wunderbaren Rundblick über die Stadt und weithin in die Llmgegend genießt. In dem Gebäude ist auch zweier bedeutender Wissenschaftler in feiner Weife gedacht wordein im Treppenhaus vor dem Eingang zur physi­kalischen Abteilung im ersten Obergeschoß befindet sich nämlich eine Düste von Helmholz, im zweiten Obergeschoß am Eingang zur chemischen Abteilung eine Düste von Liebig. Ferner ist in diesem Zusammenhänge zu erwähnen, daß in dem Praktikumsraume für Biophysik und Bio­chemie im ersten Obergeschoß Bilder aller be­deutenden Männer der physiologischen Wissen­schaft angebracht sind, um auch hier den Iün- gern dieser Wissenschaft als Mahner und An­sporn zum Nacheisern zu dienen. Sämtliche Räume zeichnen sich durch sehr gediegene raum- künstlerische, aber doch schlichte und darum beson­ders eindrucksvolle Gestaltung aus. Bei der Farbengebung wurden die Erfahrungen der phh-

Es zogen drei Burschen wohl über den Mein ....

Roman von Erica Grupe»Lörcher.

47. Fortsetzung. Nachdruck verboten

Der Zug war nicht gerade überfüllt. Das Reisen war auch jetzt noch überaus erschwert, hatten die Elsässer die Vorsichtsmaßregeln der deutschen Behör­den während des Krieges hier im Kriegsgebiet mit Empörung und Verdruß und Zorn überdiesen preußischen Drill und Bevormundung" empfunden, so sahen sie jetzt, daß es unter dem neuen französi­schen Regime nicht viel besser war. Nach der auf das genaueste durchgeführten Aufstellung vom zwölften Dezember über die Nationalität jedes im Gebiet des Elsaß sich aufhaltenden Bewohners war alles in drei Kategorien eingeteilt. Zn Altelfässcr, deren Groß­eltern schon yachweislich vor eintausendachthundert­undsiebzig hier im Lande gesessen, in Jungelsässer und solche, die man kurzweg alsBoche" bezeich­nete, weil sie nach eintausendachthundertundsiebzig über den Rhein herübergekommen waren, und die man in absehbarer Zeit samt und sonders wieder hinüberschob.

Jede der drei Kategorien erhielt als Paß eine an­ders gefärbte Karte zum Ausweis, so daß jeder französische Beamte sofort darüber orientiert war, ob er eine Persönlichkeit erster, zweiter oder gar dritter Dualität vor sich hatte. Da den Boches das Reisen im Elsaß, selbst wenn es sich nur um eine Fahrt von einer Stadt zur andern handelte, sehr er­schwert und möglichst verweigert wurde, und auch die Einwohner zweiter Klasse sehr genau hinsichtlich ihrer Reisen im Lande kontrolliert wurden, mären es eigentlich fast nur Inhaber der erstklassigen Kar­ten, die die Eisenbahnzüge füllten. Ohne daß somit ein irgendwie begreiflicher Grund vorhanden ge­wesen wäre, und keinerlei Massenandrang die Ab­fertigung der Züge erschwerte, wurde die Zugoer- fpätung allmählich chronisch. Auch Raymond traf mit einer über halbstündigen Verspätung ein.

Wenger erwartete ihn auf dem stillen, fast ländlich anmutenden Bahnhofe. Raymond entschuldigte fein verspätetes Eintreffen. Aber Wenger wehrte eine Entschuldigung lächelnd ab.O, bei den Herren

siologischen Wissenschaft angewandt, so daß man überall ein recht harmonisches und sein gestimm­tes Bild vor sich hat. Der große Hörsaal ist gleichfalls nach neuzeitlichsten Gesichtspunkten ge- schafien worden und bietet in seiner Aufmachung einen außerordentlich erfreulichen Eindruck. Be­sonders hervorzuheben ist schließlich noch die Tatsache, daß die Institutsleitung in anerkennens­werter Weise Wert darauf legt, mit der Bürgerschaft in lebendigster Füh­lungnahme zu stehen und zu diesem Zwecke im Erdgeschoß einen Ausstellungsraum geschaffen hat, ter aus dem Gebiete der Physio­logie recht viel Interessantes und Belehrendes aufnehmen und dem Publikum an bestimmten Tagen stundenweise zur Besichtigung zugänglich sein soll. Auch unsere Stadt hat sich bei dieser Gelegenheit wiederum für die Einrichtungen der Llniversität sehr inte c f c . t gezeigt und ihre enge Derbundenheit mit der Universität durch eine Spende an das Physiologische Institut bei. ndet, die zur Apparat-Bereicherung des Instituts Der- wendung gesunder hat.

Lieber die technischen und maschinel­len Einrichtungen und Anlagen wäre im einzelnen folgendes zu sagen: Das Gebäude wird durch eine Warmwasserheizung erwärmt, deren steigende Rohrstränge in einem unter dem Erdgeschoß hinführenden Längskanal einzeln ab­stellbar sind. Der Hörsaaltrakt kann aus dem Betrieb für sich ausgeschaltet werden.

Sämtliche Rohrleitungen, die Heizungszu- und »rüdlaufleitungen sowie die Rohre der eleitrischen Licht-, Stark- und Schwachstromanlagen, Gas­leitungen, Was erzu- und -ableitungen, Telephon- und Klingelanlage wurden grundsätzlich auf Puh, d. h. sichtbar verlegt: ausgenommen hiervon sind die Wasserableitungen zweier Räume, wo be­sonders empfindliche, wissenschaftliche Llnter- suchungcn Störungen durch das Rieseln abflie- ßenden Wassers nicht vertragen, der Ausstel­lungsraum und das physikalische Praktikum.

Für Gas, Wasser und Elektrizität ist eine Hauptzentrale geschaffen, in welcher die Llhrcn, Me fer, Zähler und Schalttafeln Aufstellung ge­funden haben.

Ein Auszug verbindet die vier Geschosse mit­einander: Durch ihn werden Modelle, Apparate u. dgl. m. nach ihren Destimmungsräumen bzw. aus diesen heraus in die im Erdgeschoß liegen­den Werkstätten befördert. Der Aufzug hat elek­trischen Antrieb, Beleuchtung, Druckknopfsteue­rung und Fahrtanzeiger. Seine Kabine bietet Platz für zwei Personen.

Wie die vorgenannte Zentrale, so sind auch die Gasabzugsrohre aus den Abzugsschränken und Gashauben der Laboratorien des For­schungstraktes in vier Gruppen möglichst zentral zusammengelegt, sie führen in breiten geschiefer- ten Kaminen über Dach.

Das Erdgeschoß enthält im mittleren Teil, dein Forschungstrakt, u. a. die Werkstätten, ein­gerichtet mit allen für Feinmechanik und Schrei­nerei erforderlichen Werkzeugen, Drehbänken mit elektrischem Antrieb, Werkbänken, Schmiede usw., einen Raum mit erschütterungsfreien Funda­menten für die Aufstellung der zu Feinmessungen aufzustellenden Galvanometer und einer einge­bauten Dunkelkammer, einen in üblicher Art ausgeführten und entsprechend eingerichteten Operations- und Dorbereitungsraum, den Zen- trifugenraum und die vorerwähnte Zentrale.

Der Kleiderablageraum im Hörsaaltrakt ent­hält Schränke für das Arbeitsgerät der Stu­dierenden und Loiletteräume. Im Erdgeschoß des Hörsaaltraktes sind untergebracht der Aus­stellungsraum, ein Assistentenzimmer. ein Heizer­bad und Klosette. Reben der Kleiderablage führt eine Treppe hinunter zum Kessel- und Kols raum. Dabei befindet sich em eingebauter Aufbewah­rungsraum für Materialien aus den technischen (Betrieben.

Etwas erhöht über dem Erdgeschoß des Hör- saal- und Forschungstraktes liegt im Verwal- tungstrakt die Werrmeisterwohnung.

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Franzosen kann man nicht auf Pünktlichkeit in der Abfertigung rechnen!"

Und dann diese Saloppheit in der Abfertigung! Diese Unsauberkeit in den Kupees!" pflichtete Ray­mond bei.

Er deutete auf einen der Eisenbahnwagen:Da steht es! Ueberall haben sie bereits auf jede Wagen­tür ihrA. L." hingeteert. Alsace-Lorraine soll es heißen. Hier sagt der Volksmund bereits bissigAlles lottert!" Alles wackelt, alles ist Los und wird nicht wiedr festgemacht, noch repariert. Alles geht taput!"

Und wenn du erst sehen müßtest, wie sie unsere herrliche Universität verkommen lassen! Das ganze neue Viertel von Kliniken, das sich hinter dem eigentlichen Unioersitätsgebäude im Lause der Jahr­zehnte unter den Deutschen auf gebaut hat. O, laß dir von den Portiers der Kliniken und Itermaltern ein Liedchen über die neuen Herren Vorsingen, und wie die wertvollsten Einrichtungen verkommen ...!"

Sie durchschritten das Städtchen, das mit seinen alten Stadttoren, den gewundenen Gassen und male­rischen Häusern, mit den Vorbauten und Erkern und Hausmalereien an die mittelalterlichen Städte Schwabens und Bayerns lebhaft erinnerte. Die Straßen waren still. Der Tag begann sich zu neigen. Drinnen in den Häusern regten sich die Hände, um zum einziehenden Weihnachtsfest zu rüsten.

Dann wurde die Umgebung ländlicher. Scheunen ragten neben spitzgiebeligen Bauernhäusern in male­rischem Fachwerk im Charakter eines unleugbaren Wohlstandes auf. Ab und zu huschte ^in Bauern­mädel in der malerischen Tracht und SctMpfhaube über die verschneite Dorfitraße zum Brunnen hin­aus.

Seit einigen Tagen breitete sich die erste Schnee­decke über das Land. Mit weißem Haupte reckte sich unmittelbar vor den beiden Freunden der Odilien- berg auf. In schmaler dunkler Linie war von unten aus ein Teil des alten Frauenklosters zu St. Odilien sichtbar. Der frühe Wintertag ging zu Ende. Graue zarte Schatten kamen von den Berghohen rings und senkten sich über das Tal. Der Heiligabend flieg auf die Erde herab.

Am Fuße einer Berghöhe gelegen, nahm das Landhaus den Gast auf. Breit und wuchtig und in geraden, schlichten Linien lag es da, mit breiten, hel­len Fenstern, ein Teil des Daches mit Rosengerank

In den Obergeschossen befinden sich u. a. die Laboratorien der Abteilungsvorstänte. an­schließend an die Dorstandszimmer, die Schüler- laboratorien, große Arbeitsräume. Sammlungs- räume, Chemikalienräume, Derbrennungs caum, DibUothek, Afsistentenzimmer, sowie der kleine Hörsaal u. a. m.

Don mehreren Raumverdunlelungsanlagm ist diejenige des großen Hörsaales mit elek­trischem Antrieb versehen. Die Dorhänge der verschieden hohen Fenster werden mittels Druck­knopfsteuerung bewegt, können in jeder beliebigen Lage angehalten werden und ermöglichen die gleichzeitige Derdunlelung von elf Fenstern von einer Stelle am Dorttagsiisch aus. Die Der- dunkelungsanlagen des kleinen Hörsaales und einiger anderer Räume müssen von Hand bedient werden.

Der große, stühenfreie, durch zwei Geschosse hindurchgehende H ö r s a a l hat ein in Halbkreis- grundsorm ansteigen es Holzgeslühl mit 150 Klapp« und Reitsitzen und Schreibpulten Es ruht auf einem Cisenbetonunterbau, welcher seinerseits von zwei durch die Llntergeschosse hindurchgreifende Cisenbetonstühen getragen wird. Die unteren Stuhlreihen sind durch einen Tunnel unterbrochen, durch welchen der Projektionsapparat auf Gleisen durchgesahrcn teer', en kann. Der Rundgang hinter dem Gestühl ist mit einqebaiLe.i Schränken aus- genutzt. Auf die künstlerische Raurnwirlung dieses Saales ist besonderer Wert gelegt: die im Halb­kreis angeordneten Deseuchtungskörper betonen die Halbkreisforrn des Raumes. D e Stirnwand trägt Schiebetafeln und einen mit dem neben« anliegenden Dorbereitungsraum in Derbindung stehenden Gasabzug. Davor steht der mit Gas- und Wasserleitungen versehene, z. T. fahrbare Laboratoriums- bzw. Dortragstisch. Notaus­gänge befinden sich auf den oberen Podesten.

Während die drei Hauptgeschosse ausschließ­lich ter Physiologie, ihrer physikalischen und

chemischen Abteilung dient, hat das ausgebaute Mansarddachgeschoh die Institute für Körper­kultur und für experimentelle Psychologie auf­genommen. Für die Physiologie ist noch ein photographisches Atelier eingebaut, eingerichtet mit Dunkelkammern und Zubehör, Oberlicht und einem balkonarfigen Austritt.

Die Mittellage der Korridore erfortetc in allen Geschossen Glasoberlichter in den Suren. Im Dachgeschoß kommen zur Erhellung noch Oberlichter aus Luxferprismen hinzu, welche, be­gehbar. sich dem zur Feuersicherheit auf das Kahlgebälk aufgebrachten Gipsestrich cinfügcn.

Im Dachraum sind die Motoren für die Der- dunklungsanlage des Hörsaales und für den Auszug aufgestellt.

Die Treppe des Derwaltunastraktes, welche bis zum KahlgeMk durchgesührt ist und eine Nottreppe im ^Ä^^ttrakt stellen die Verbin­dung zwischen diWRußersten Gebäudeflügeln im Innern des GebNwes her. Die Fußböden sind fast durchweg mit Linoleum oder Korklinoleum belegt, das Erdgeschoß hat Plattenbelag, ein Raum Parkett.

AlMzminister öenrlch Ehrendoktor.

Gelegentlich der heutigen Einweihung des neu» erbauten Physiologischen Instituts unserer Unioerfi» tat wurde der Finanzminister Konrad Henrich in Darmstadt,der tatkräftige Förderer der Landes» Universität, der erkannt hat, daß Stillstand in den Wissenschaften Rückschritt bedeutet, und der daher trotz schwerer Bedrängnis des Hessenlandes die Mit­tel zum Neu- und Ausbau von Instituten und Kli­niken der Medizinischen Fakultät bereitgestellt, und sich so auch als ein Freund der leidenden Mensch­heit erwiesen hat" ehrenhalber zum Dok­tor der Medizin ernannt.

Geschichten ans aller Well.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten I)

Fasching in drei Erdteilen.

(h) Konstantinopel.

Zwischen Bagdad in Mesopotamien und Kairo in Aegypten verkehren regelmäßig Riesenflug­zeuge, die nicht nur Post, sondern auch eine stattliche Anzahl von Passagieren zwischen diesen Städten Afrikas und Asiens hin uni) her tragen. Die Flugzeuge nehmen ihren Weg über die nordarabische Wüste, ein riesiges, fast un­bewohntes, von verwitter.en schwarzen Lava- blöcken übersätes und nur an wenigen Stellen von Sandkämmen und Kalkfelsen durchzogenes Gebiet, in dem nur im sogenannten Winter we­nige besonders arme Nomaden ihre kleinen Her­ten das spärliche Gras abweidtzn lassen.

Nun geschah es dieser Tage, daß ein in Bagdad auf gestiegenes Flugzeug in dieser Wüste ver­schwand. Pünktlich war es aufgestiegen, die vorgeschriebene peinliche Kontrolle war richtig durchgesührt, und doch war und blieb das Flug­zeug plötzlich wie vorn Erdboden oder vielmehr aus ter Luft verschwunden. In Kairo, wo man das Flugzeug erwartete, entstanden schlinmste Befürchtungen, und man schickte zwei Flugzeuge aus, um den verlorenen Riesenvogel zu suchen. Erfolglos vergingen Tage, auch von Bagdad sandte man Hilssapparate auf Suche aus, aber der Riese war und blieb verschwunden. Da end­lich sah ein Flugapparat aus Bagdad mitten in der Wüste, abseits vom eigentlichen Flugweg, eine Anzahl schwarzer Nornadenzelte und in ihrer Mitte ein leuchtendes großes Etwas, das sich beim Näherkommen als das verschwundene Riesenflugzeug herausstellte. Flugs landete man und stellte fest, daß ter große Bruder des kleinen Luftjägers nur eine unwesentliche Panne hatte, die ihn zum Niedergehen zwang: der Benzin» behälter war leck geworden. Der Pilot war glatt gelandet und hatte das Glück, in die Nähe von Nomaden zu kommen, die die Passagiere freundlichst aufnahmen und die nicht einmal den Versuch einer Ausplünderung mach en. Letzt wurde das nötige Benzin herbe.geschasst und mit

umsponnen. An einer Seite von einigen hohen alten Roßkastanien überschattet. Alle die zahlreichen No- senbüsche des Gartens standen geneigt und mit Hül­len umwickelt. Dürr die Zwmge der Büsche und Bäume. Nur in einer Ecke stand eine Tannen gruppe mit ihren charakteristischen Konturen und unverän­derlichem ernsten Grün, und um ein Stückchen alter Mauerreste schlang der immergrüne Efeu seine tausendfältigen feinen Arme.

Niemand begegnete den beiden Freunden, als sie in ter Vorhalle abgelegt und die Flucht von Zim­mern betraten, die ter Vorderseite des Hauses zu­lag. Wenger liebte die Einsamkeit, er schätzte die Menschen im ganzen ziemlich tief ein. Nicht viele aus seinem Straßburger Bekanntenkreise konnten sich rühmen, Gast auf dem Landsitz von Wenger am Fuße des Dbilienberges gewesen zu sein. Die Dienstboten, die er sich mit Sorgfalt wählte, und nach Bewährung lange behielt, waren geschult, ihre Arbeit möglichst geräuschlos und ungesehen zu ver­richten.

Raymond blieb nach einigen Schritten überrascht stehen. Er war oft hier im Hause gewesen. So be­merkte er sofort die mancherlei Veränderungen, die im Laufe der letzten Woche vom Besitzer vorgenom- men waren. Eine ganze Zimmereinrichtung in wert­voller eichener Schnitzerei, aus der Renaissancezeit des Elsaß stammend, war vom Stadthaus aus Straßburg hierher gebracht worden. Ich werde es einrichten, so wenig wie möglich in die Sta-dt hineinzufahren," erklärte Wenger und schritt mit seinen langsamen, großen, starken Schritten über die eichenen Bohlen des Fußbodenses ist mir zu­wider genug, all die französischen Käppis die Stra- ßen überfluten zu sehen, die Marseillaise mir an die Fensterscheiben hämmern zu hören und verfolgen zu müssen, wie der elsässische Geschäftsmann an die Wand gedrückt wird, weil zahlreiche Filialen von Firmen aus Paris mit ihrer Devise:Chic de Paris!" ihre Köder auswerfen! Und bei ter gan­zen lieblichen Anmaßung ter französischen Behörde stehe ich stündlich vor ter Möglichkeit: irgendeinen französischen Offizier mit mehr oder weniger legi­timem Anhang zwangsweise in mein Stadthaus auszunehmen und ihm meine Zimmer zur Verfü­gung stellen zu müssen. Deshalb ziehe ich es vor, das Wertvollste meiner Einrichtung hier heraus zu nehmen, ehe es mir drinnen verdorben wird!"

fast achttägiger Verspätung gelangte der Riesen­vogel mit seinen Passagieren nach Kairo.

Das ist ein gewiß romantisches Erlebnis, das aber heutzutage auch anderswo Vorkommen tonn. Die Geschichte aber hatte eine unerwartete Folge, nämlich den Verlust einer Wette, um deren Preis sich mancher gar nicht so Anspruchslose schon eine Existenz hätte schassen können: Miß T., eine bekannte Dame der Kairoer Gesellschaft, hatte nämlich gewettet, innerhalb von fünf Tagen in drei Erdteilen Fasching zu feiern, und am Abend des sechsten Tages wieder in Kairo auf einer Gesellschaft ihres eigenen Hauses die lie­benswürdige Wirtin zu spielen. Alles war ihr geglückt. Von einem Masken'est in Kairo stieg sie, ohne das Kostüm abzulegen, in das Flug­zeug nach Bagdad und machte eine, wie sie be­hauptete, ganz reizende diplomatische Festlichkeit in der Stadt Harun al Raschids mit. Von dort suchte und sand sie, Aum Teil mit privaten Flug­zeugen, Anschluß über Angora nach Konstanti­nopel, um auf demselben Wege nach Bagdad zu­rückzukehren, von wo sie mit dem erwähnten, für mehrere Sage verschwundenen regelmäßigen Ver­kehrsflugzeug nach Afrika zurückeilte. Da pas­sierte ihr das Mißgeschick ...

Sie soll den Verlust der Wette nicht tragisch genommen haben, denn ihr hat die Freude der Nomaden über ihr K o st ü m großen Spaß ge­macht. Die Nomaden meinten, lein europäisches Kleid habe ihnen gefallen, aber das Kostüm der schönen Dame entspreche ihrem Geschmack. Leider hat die Dame nicht angegeben, ob sie als Pierette, als Domino, als modernes Girl oder als Ma­dame Pompadour gekleidet war. Schade, denn sonst hätte mancher tüchtige Kaufmann neue Exportmöglichkeiten für den innerarabischen Markt.

Die Lache mitBor".

(S) Prag.

2n der weiteren Umgebung von Sepl h-Schönau liegt, nur mit einer Lokalbahn zu erre.chen, der idyllische und doch industriell hochwichtige Ort Haida. Für die Glaserzeugung, der dort sogar ein Museum errichtet tour e. ist Haida besonders

Er schritt durch das Zimmer und drehte an ter Wand den dunklen Knopf. Ein gedämpfter, freund­licher Schein fiel plötzlich aus den milchweißen Bir­nen, die das altertümlicheLeuchterweibchen", auf einem Geweih in ter Mitte des Raumes hängend, trug. Nun tauchten auch deutlicher die herrlichen alten Schnitzereien an den alten Möbeln auf, die man eben nur noch in ihren Konturen zu erkennen vermochte. Wenger schritt auf eine massive, vom Alter dunkelgebeizte Eichentruhe zu und schloß sie auf. Er hob einige Kleidungsstücke empor.

Wenn jetzt ter richtige Winter mit seiner Ein­samkeit und Stille kommt, dann hole ich mir all die Trachten heraus, die ich mir im Lause der Jahre in den verschiedenen Dörfern gesammelt und gekauft habe! Jedes Stück ist echt!"

Was alles breitete sich nicht vor Raymond aus! Die Spitzhaube der jungen unverheirateten Bäue­rinnen mit einem pfirfichroten Bandjchlüpfchen, die ersten Hauben der Verheirateten, die unendlich wei­ten, in dichten Falten zusammengehaltenen starren Frauenröcke, die wogenden sußfreien pfirsichroten, mit Samtbändern am Saume geschmückten der Jungen. Die schön mit Füllern und Sammet be­stickten dreieckigenVorstecks" über dem blüten- weißen selbstgesponnenen Blusenhemd. Und von den Männern die hohen engen schwarzen und grauen Zylinterhüte aus Urgroßmutters Zeiten, der lang« jchößige Sonntags-Mutzen mit seinen Reihen golde­ner Knöpfe. Und die flachen Dreimaster, kleidsam an einer Ecke hochgeklappt und mit einem Kokarden­knopf gehallen.

Eine kostbare echte Tracht, deren Schlauftappe in breiter, hellgeblümter Seidenschleife etwas Beson­deres bot, hob Wenger jetzt empor und betrachtete sie stumm.Kennst du das noch?" fragte er »en Freund.Weißt du noch, wie Melusine dieses Kostüm auf dem Ballabend damals trug, als sie mit mir als Meßmaid den Zug eröffnete?"

Er neigte sich zur Truhe herab und legte das Gewand mit der Haube langsam und sorgfältig wieder hinein:Damals ja, an jenem Abend hatte ich fest gehofft, sie würde mir die Möglichkeit zu einer Erklärung geben. Aber immer wieder ent­glitt sie mir."

(Fortsetzung folgt)