Ausgabe 
16.11.1928
 
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ten für lebenSnvtwsnvig. GS ist kennzeichnend für das deutsche Doll, daß kluge, gebi-ldete Einzel­wesen zu Kindern werden, sobald parteipolitische Weltanschauung sich verbreitet. Ich kann mir eine deutsche Politik nicht vorstellen, die nicht in aller­erster Linie die Sicherung Deutschlands erstrebt, -lieber die uralte Schicksalsfrage: Was gilt die Nation? kam die Sozialdemokratie in der Vorkriegszeit leicht hinweg. Nach dem Um­sturz hat Ebert kurzerhand die Entscheidung f ü r die Weyrmacht in Weimar erzwungen. Zur Ent­scheidung steht jetzt die Frage, ob der Wehr- gedanle begraben werden soll. Gegenüber der Mitteilung, daß die sozialdemokratischen Mini­ster mit der Fraktion stimmen würden, verweist der Redner auf ein Dibelwort:Der Führer, der nicht den Mut hat, gegen den Willen der Massen seine eigene lieber - zeugung zu vertreten weil er sie für die Sache dienlich hält, der ist in meinen Augen ein elender Kerl." Der Panzerkreuzer sei der erste Prüfstein für den Wert der Agitationsmethoden der Linken. Wir hätten, so schließt der Redner, die Möglichkeit, die Unehrlichkeit anzuprangern: aber t*r Wehrgedanke und die Sorge um den Osten sind zu groß, als daß wir sie zu taktischen Maßnahmen mißbrauchen. W.r selbst werden den Zeitpunkt wählen, an dem wir dem Volke Ge­legenheit geben über die Doppelzüngigkeit der Sozialisten zu Gericht zu sitzen. (Lebhafter Bei­fall bei den Demschnationalen.) Der Redner er­klärt zum Schluß, daß seine Freunde gegen den sozialdeinvkratischen und kommunistischen Antrag stimmen werden.

Reichskanzler Müller

erklärt: Wir haben ganz loyal im Kabinett dem Reichswehrminister Gelegenheit gegeben, seine Stel­lung über die Notwendigkeit des Baues des Pan­zerkreuzers bekanntzugeben. Ich gebe offen zu, daß Gründe dafür sprechen, daß ich mich als Reichs­kanzler von der Meinung meiner Partei trenne. Aber es handelt sich hier um eine ganz besondere Lage. Das Abstimmungsergebnis wird möglicherweise um eine oder zwei Stimmen nach dieser oder jener Richtung fallen. Da ist es selbst­verständlich, daß die Fraktion keine Stimme entbehren will. Es kann einer Partei nicht zu- aemutet werden, daß sie möglicherweise in e i n en W a h l k a m p f hineingeht, nachdem ein Mitglied der Abstimmung ferngeblieben ist. Nachher würde mir der Vorwurf gemacht werden können, wie es in der demokratischen Presse schon angedeutet wurde: Das ist der Mann, der an seinem Amte klebt. (Lebhafte Zurufe des Grafen Westarp.) Ich glaube, daß eine Partei, die selbst ihre Abstimmung über die Dawes-Gesetze zu verteidigen hat, nicht be­rechtigt ist, mir Unehrlichkeit vorzuwerfen. Ich kann mir den Vorwurf der Unehrlichkeit verbitten. (Händeklatschen bei den Regierungsparteien.) Es kann feine Rede davon sein, daß die Sozialdemo­kratische Partei den Wehrgedanken an sich ablehnt oder daß sie für einen Frieden um jeden Preis ein­getreten wäre. Es kann jederzeit ein Mißtrauens­votum gegen die Regierung cingebracht werden. Wer aber dafür stimmt, hat gemäß dem parlamen- tarischen System dafür zu sorgen, daß eine neue Regierung zustande kommt. (Beifall bei den Sozial­demokraten.)

Von den Kommunisten ist ein Mißtrauensantrag gegen den Reichskanzler und ein zweiter gegen den Neichswehrmtnister eingegangen.

Nach einer kurzen Erklärung des Abg. Leicht (Bayer. Vp.) wird die Weiterberatung auf Freitag vertagt.

Oer Reichspräsident empfängt Hugenberg.

Die Haltung der Deutschnationalen.

Berlin. 15. Nov. (V.D.Z.) 3n den Mit­tagsstunden stattete der deutschnationale Partei­vorsitzende Hugenberg dem Reichsprä­sidenten einen Besuch ab. Darauf-kehrte Hugenberg svfort zur Berichterstattung in die Sitzung seiner Reichstagsfraktion zurück. In par­lamentarischen Kreisen verlautet, daß Hinden­burg dem deutschnationalen Parteiführer noch­mals dringend nahegelegt habe, er möge dafür sorgen, dah seine Fraktion nicht etwa aus taktischen Gründen dem sozialdemo­kratischen Antrag auf Aussetzung des Panzer­schiffbaues durch Stimmenthaltung zur Annahme verhelfe. Die deutschnationale Reichstagsfraltion hat einen Antrag eingebixrcht, der die Reichsregierung ersucht, durch entspre­chende Erklärungen, gegebenenfalls durch Ge­setzesvorlage, dem deutschen Volk die Gewähr zu geben, daß zum Schuhe der Lebensgrundlagen des deutschen Staates und der deutschen Arbeit, insbesondere zur Sicherung der bedrohten Ost­mark alle Rüstungsmöglichkeiten aus­genutzt werden, die das FriekmSdiktat dem Deutschen Reiche übriggelassen hat.

Oer Panzerkreuzer gesichert.

Sozialdemokratie und Wehrgedanke.

Berlin. 15. Nov. (Privatinformation.) Nach dem Abschluß des ersten Tages der Aussprache über den Panzerkreuzer wird in parlamentarischen Krei­sen nunmehr die Ablehnung des sozial­demokratischen Antrages auf Einstellung des Baues als Gewißheit betrachtet, zumal sich infolge des demokratischen Beschlusses, unter Fraktionszwang gegen den Antrag zu stimmen, die Mehrheit auf schätzungsweise 250 bis 260 Stim­men gegen etroa 210 Stimmen, die für den Antrag zu erwarten sind, erhöht hat. Ebenso sicher wird auch damit gerechnet, dah der kommunistische Miß- lrauensantrog abgelehnt wird. Allerdings hat nicht nur in Kreisen des Zentrums, sondern auch bei der Deutschen Volkspartei dle Form der Ausführungen des sozialdemokratischen Redners. Abg. Mels, er­hebliche Bedenken ausgelöst. Deshalb wird morgen vormittag das Kabinett mit den Fraktionsführern zu einer Besprechung zusammentreten, in der diese Verstimmung aus der Welt geräumt werden soll. Dabei wird wahrscheinlich gefordert werden, dah die Sozialdemokratie in einer Erklärung den Wehrmachtgedanken anerkennt und Sicherheit dafür gibt, dah die Frage des Weiter- baues des Panzerkreuzers durch dle morgige Ab­stimmung endgültig bereinigt ist und sich derartige Episoden, wie die jetzige, nicht bei jeder weiteren Rate wiederholen. In parlamentarischen Kreisen rechnet man damit, dah sich hierüber eine Einigung erzielen läßt, zumal der Kanzler heule vor dem Plenum ja bereits erklärt hat, dah die Sozialdemokratie keineswegs gegen

Großfeuer im Mannheimer Hafen.

Ein Oellager in Klammen. Ein Feuerwehrmann umgekommen.

WSN. Mannheim. 15. Nov. 3m Mannheimer Industriegebiet beim Verein Deutscher Oelsabriken ist ein Grohfeuer ausgebrochen. Da eine Löschung des Brandes aussichtslos erscheint, obwohl sämtliche Mannheimer Feuerwehren bei der Bekämpfung des Feuers beteiligt sind, beschränkt man sich auf die Sicherung der anliegenden Gebäude. An dem Brandort haben sich eine grohe Menschenmenge, viele Autos, Motorräder und Radfahrer angesam­melt. Ein großes Lagerhaus mit Kopra (Oelfaaten) gefüllt steht in Hellen Flammen. Der Betrieb hat bis jetzt keine Unterbrechung erfahren. Wenn die Oelfruchtoorräte, die in der Fabrik zu Del gepreht werden, schnell wieder herbelgeschafft werden können, droht auch weiterhin keine Be­triebsunterbrechung. Da aber der neue Kran, der die auf dem Wasserwege herbelgeschafslen La­dungen in das Lagergebäude übernahm, ebenfalls von dem Brande zerstört wurde, wird allerdings eine Verzögerung in dem Betriebe nicht zu umgehen sein. Als Brandursache wird Selbst­entzündung von Kopra angenommen. Das niedergebrannte Gebäude war vierstöckig. Dle Feuer­wehr und die Polizei wird noch an der Brandstelle bleiben müssen, da das Feuer wahrscheinlich erst in einigen Tagen vollkommen gelöscht sein wird. Die Hauptgefahr scheint jedoch jetzt beseitigt zu sein. Nur eine Dindveränderung kann die Maschinen- und Fabrikationsräume, in denen jetzt die Arbeiter noch

arbeiten, in Gefahr bringen. Der wind trieb die Flammen einem 100 Meter breiten Verbin­dungskanal zu, Är den Neckar mit dem 3n- dustrlehafen verbindet, und auf dessen rechter Seite ein grohes Lagerhaus der Rhenania mit Früchten gefüllt liegt. Das Lagerhaus der Rhe- nania ist von dem Qualm vollkommen einge­hüllt und wird von der Feuerwehr aus mehreren Leitungen mit Wasser überschüttet, um ein eventuelles Aebergreifen des Brandes zu ver­hindern. Eine unmittelbare Gefahr für die um­liegenden Gebäude besteht augenblicklich nicht.

Leider sind bei dem Brande auch mehrere Un- gl ü ck s f ä l l e vorgekommen. So wird jetzt be­kannt, daß außer zwei wegen Rauchvergiftung ins Krankenhaus gebrachten Feuerwehrleuten ein weiterer Feuerwehrmann unter den Trümmern des niedergebrannlen Lagerhauses aufgesunden wurde. Er wurde ins Krankenhaus gebracht, wo er kurz nach seiner Einlieferung st a r b. 3m Zusammenhang mit dem Feuer ereignete s..) auf dem Fernamt ein tragischer Zwischenfall. Als die Pressemel­dungen über das Grohfeuer im Mannheimer 3n- duslriehofen noch auswärts verbreitet wurden, mußte die Fernsprechbeamtin Geifert beim Kontrollieren ihrer Gespräche zu ihrem Schrecken hören, daß der bei dem Brande ums Leben gekommene Feuerwehrmann ihr Bräuti­gam war. Beide wollten zu Weihnachten heiraten.

Die ilniersuchmg derLeßns"-Katastrophe.

Schwere Anklagen der paffagiere.

Neuhvrk, 15. Nov. (WTD.) 3n der vom Bundesdistriktsanwalt Tuttle eingeleiteten amt­lichen Untersuchung derDestris"-Kata­strophe haben heute die ersten Verneh­mungen stattgefunden. Der Passagier Fred Puppe, dessen Frau und Kind der Katastrophe zum Opfer gefallen sind, machte Aussagen, die die Disziplin an Dvrd zu beleuchten ge­eignet sind. Er fand, als er sich am Samstag an Bord begab, nur den kleinsten Teil seines Gepäcks in der Kabine vor. Den Rest entdeckte er später im Schiffsraum unter dem schweren Gepäck. Als er sich in dieser Angelegenheit mit einem Steward in Verbindung setzte und sich bei ihm über die Bedienung an Bord erkundigte, wurde ihm geantwortet: Der eigentlich? Kabi­nensteward könne ihn nicht bedienen, weil er betrunken in seiner Koje liege. Als Puppe am Sonntagmorgen um 6 Uhr erwachte, war die Neigung des Schiffes bereits derart, dah es unmöglich war, sich in der Kabine ungehindert zu bewegen. Als er dem Steward gegenüber bemerkte, anscheinend sei etwas nicht in Ordnung, erhielt et zur Antwort: Wir wissen nichts. Die Ladung hatsichverschoben. Die Mannschaft arbeitet jetzt daran. Innerhalb einer Stunde ist alles in Ordnung. Der deutsche Passagier Rückert, der noch nicht vernommen worden ist, äußerte in einer Unterredung mit Pressevertretern, daß er bereits am Vor t a ge der Katastrophe in­folge des Heber Hegend des Schiffes dreimal die Kabine habe wechseln müssen.

Es wurden insgesamt sechs Personen vernom­men. Den Blättern zufolge, haben ihre Aus­

sagen folgende Feststellungen ergeben: dah bereits am Sonntagfrüh der Dampfer nicht seetüchtig war, daß der drahtlose Hil­feruf viel zu spät erfolgt, dah beim Aus­setzen der Boote große Verwirrung herrschte und dah die für das Aussetzen ge­brauchte Zeit ungeheuer lang war, Safi einige Boote ungenügend ausgerüstet und nicht seetüchtig waren, dah keines von ihnen imstande war, die 60 Personen auf- zunehmen, für die es bestimmt war, und dah einige sogar undicht waren. Alle Zeugen er­klärten übereinft;inmcnb, dah von Sonntagabend ab keine Disziplin mehr an Bord ge­herrscht habe. Während die amtliche Hnter- suchung im Gange ist, hat Senator Fletcher in Washington angekündigt, «daß er beabsichtige, dem Kongreß bei dessen Zusammentrittim In­teresse der Sicherheit von Menschenleben auf See" eine Hntersuchung durch den Kongreß zu beantragen. Unter den ge­borgenen Toten wurde auf Grund seines Passes der aus Dessau stammende Carlos Stande Leiter der Niederlassung von Gebt. Körting A.-G. Hannover in Mexiko identifi­ziert, der sich mit Frau und zwei Kin­dern nach Buenos Aires eingeschifft hatte. Der erwähnte Hermann Rückert und der gleich­falls gerettete Walter Spitz aus Berlin er­klärten beide, das drohende Urcheil sei bereits am Sonntag offenbar gewesen. Spitz fiel bereits am Nerchoicker Pier auf, daß die Ladung schlecht verstaut war.

den Wehrmachlgedanken eingestellk sei. Offenbar Hal heule abend auch bereits eine erste Fühlung­nahme zwischen führenden persönlichkeilen der hin­ter der Regierung stehenden Parteien eingesetzt. Wahrscheinlich wird die Sozialdemokralie durch einen zweiten Redner die Mißverständnisse klar- slellen, damit dann nach der morgigen Abstimmung der Weg für die außenpolitische Aussprache und die Tätigkeit des Kabinetts frei ist.

Die Düsseldorfer Verhandlungen.

Ein Vorschlag der Arbeitgeber.

Düsseldorf, 15. Nov. (WTD.) Die Be­sprechungen beim Regierungspräsidenten Berge- mann in Düffeldors haben gleich nach dem Ein­treffen des Reichsarbeitsministers W i s s e l l ein­gesetzt. Zur Besprechung waren noch Oberlandes­gerichtsrat Sötten und Oberregierungsvat Driesch, der amtliche Schlichter für Dortmund, hinzugezogen. Auch Regierungspräsident- n i g, Arnsberg, war heute morgen in Düsseldorf erschienen. Die Besprechungen zogen sich über den ganzen Vormittag hin und wurden gegen 14 Uhr durch eine Mittagspause unterbrochen. Gewerkschaftsführer und auch die Arbeitgeber haben bisher noch nicht wieder an den Verhand­lungen teilgenommen. Von Arbeitgeberfeite ist ein Vorschlag auf Abänderung des Lohnschieds- spruches gemacht worden, wonach die Stunden­lohnerhöhung von sechs Pfennig nicht allge­mein gewährt werden soll, sondern nur einem gewissen Teil der Arbeiterschaft. Die­jenigen Facharbeiter, die bisher bereits einen Stundenlohn von 86 Pf. hatten, sollen danach einen Lohnzuschlag von nur 3 Pf. erhalten. Die Gewerkschaften haben diesen Vorschlag abge- lehnt und halten an dem Lohnschiedsspruch in unveränderter Form fest, sollen aber bereit sein, in der A r b e i t s z e i t f r a ge Zugeständnisse zu machen.

Gütliche Beilegung des Chorzow- Streits?

Warschau, 15. Nov. (W.B.) Wie die Pol­nische Agenturpresse von gut unterrichteter Seite erfährt, find in den letzten Tagen in Warschau Verhandlungen über die gütliche Beile­gung des Chorzow-Streits geführt worden. Als Vertreter der beteiligten deutschen Gesellschaften, und zwar der Bayerischen Stickst off werke und der Oberschlesischen Stickstoffwerie führte der Prä­sident des Aufsichtsrates der beiden Gesellschaf­ten, Geheimrat Professor Caro, in Warschau die Verhandlungen mit den zuständigen Stellen der polnischen Regierung. Diese Hnterhandlun- gen dauerte einige Tage und ergaben ein

Kompromiß. Die erzielte Verständigung be­darf der Zustimmung der deutschen und der polnischen Regierung. Es wurde vereinbart, daß beide Regierungen in dieser Angelegenheit sich bis zum 28. November schlüssig werden sollen. Im Falle der Zustimmung zu dem erreichten Kompromiß durch die beiden Regierungen würde der Streitfall vom Haager Gerichtshof zurück­gezogen werden. Professor Caro ist nach Ber­lin zurückgekehrt, um dort die Zustimmung der Reichsregierung zu diesem Kompro­miß zu erreichen.

Die Reparationskonserenz gesichert. Die Antworten der Westmächte in Berlin cingetroffen

Berlin, 16. Nov. (WTB. Funkspruch.) Die deutsche Regierung ist im Besitze der wichtigsten Antworten auf ihr?n Vorschlag, zu einem möglichst nahen Zeitpunkte die in Genf vereinbarte Kommission unabhängiger Finanz­sachverständiger zur endgültigen Regelung des Reparatlonsproblems zusammentreten zu lassen. Wie dieVoss. Zlg." meldet, habe jede der Regie­rungen durch die deutschen diplomatischen Vertreter gesonderte Antworten übermittelt. Aller­dings liehen die Antworten erkennen, daß über den 3nhalt vorher eine Verständigung zwi­schen den Westmächten erfolgt ist. Aus der eng­lischen und französischen Antwortnote gehe hervor, daß von den Reparationsmüchten der deutsche Standpunkt, daß die zweite Dawes-Kommission aus unabhängigen Sachoer ständigen zusammengesetzt sein soll, die nicht an be­stimmte Instruktionen ihrer Regie­rungen gebenden sind, grundsätzlich ange­nommen worden ist. Sowohl die französische wie die englische Regierung hätten e» sich aber nicht nehmen lassen, in der Antwort an die deutsche Re­gierung nochmals ihren Standpunkt in der Repa- rationsfrage darznlegen. Sowohl die ftanzösische und die englische Regierung, und daraus dürfe man auf die Haltung der Regierungen von Belgien, 3ta- lien und 3apan schließen, verzichten aus eine vorherige Bindung und 3nstruktion ihrer Experten, halten es aber für gegeben, daß die Sachverständigen in Fühlung mit ihren Regierungen bleiben.

Da der deutsche Standpunkt im Prinzip durchge­drungen ist, dürfe man nach dem genannten Blatt annehmen, daß nach dem Eintreffen sämtlicher Ant­wortnoten die deutsche Regierung formell Vor­schlägen werde,unabhängige an 3nstruktionen ihrer Regierungen nicht gebundene Sachverstän­dige- nunmehr zu ernennen.

Winierbeihitfen in Hessen.

Beschlüsse des Finanzausschusses.

Darmstadt, 15. Nov. fWHP.) Zu bet Frage der Winterbeihilfen für Er­werbs- und Arbeitslose lagen dem Fi­nanzausschuß in seiner heutigen Sitzung zwei Anträge, und zwar je einer von der kommunisti­schen und der sozialdemokratischen Fraktion, vor. Naich Ablehnung des kommunistischen Antrages erklärte die Regierung, dah sie sich mit bem sozialdemokratischen Anträge befreunden könne, wenn verschiedene von ihr vorgefchlagene Aen- b e r u n g e n berücksichtigt würden. Außerdem tonne sie die Beträge nur als Kredit und nicht a!ls verlorenen Zuschuß geben. Der Antrag wird mit zehn gegen drei Stimmen in folgender Süssung angenommen:

Die Regierung wird ersucht, auf die Für- sorgeverbande und Gemeinden ein­wirken zu wollen, an alle Personen, die von den Dezrrksfürforgeverbänden ober öffentlichen Arbeitsnachweisen unterstützt werden und deren Einkommen (abgesehen von dem bei Fest­setzung bet Unterstützung nicht in Ansatz ge­brachten) d:e Richtsätze der gehobenen Fürsorge zuzüglich des Wertes der Winterbeihilfe nicht übersteigt, eine Winterbeihilfe von im Durchschnitt 40 Mark zu gewähren. Die Auszahlung der Beihilfen erfolgt unter Berück­sichtigung der Kopfzahl der Familien und soll nach Möglichkeit in Form von Lebens­rnitteln oder Brennmaterialien ge­währt werden. Die Beihilfe kann auch auf die Monatsunterstühung vom 1. Dezember 1928 bis 30. April 1929 umgerechnet werden. Die Regie­rung wird ermächtigt, den Dezirksfütsorgeverbän- den d i e H ä l f t e der hierdurch entstehenden Auf­wendungen aus Landesmitteln zu er- s e tz e n."

Der Ausschuß beginnt bann, da auf eine Gene­raldebatte verzichtet wurde, mit der Einzelberatung des Gebäudesonoersteuergesetzes 1929, von dem die Artikel 1 bis 6 heute erledigt werden.

Bei Artikel 5, der die Bewertung der Neubauten oder der durch Um. oder Einbauten neugeschaffenen Gebäudeteile festsetzt, die erst nach dem l.Zuli 1918 bezugsfertig und mit öffentlichen Beihilfen ausge­führt worden sind, wird ein Antrag Niepoth (DDP.) durch die Annahme eines sinngemäßen An­trages Kaul (Soz.) für erledigt erklärt, der besagt: Die Steuer wird nicht erhoben, wenn die Beihilfe gemäß § 29 der dritten Steuernotverordnung bzw. nach Artikel 2 Ziffer 6 des Finanzausgleichsgesetzes vom 10. August 1925 auiaewertet, zurückbezahlt oder in Form einer Grunojchuld eingetragen sind. Die Rückzahlung der Beihilfen sowie die Eintra­gung einer Grundschuld kann jederzeit auf Antrag des Steuerpflichtigen in Goldmark erfolgen. Durch diesen Passus werden namentlich die Besitzer klei­ner Neubauten, wie Arbeiter und Landwirte, ent- lastet. In dieser Fassung wird dann Artikel 5 an­genommen.

Bei Beratung von Artikel 6 wird ein Antrag Wechsler (Z.) angenommen, wonach die bisher ge­währten Steuerermäßigungen auch weiter bestehen und von Amts wegen berücksichtigt werden sollen.

Tragischer Tod zweier Kinder.

Die beiden 9 und 10 Jahre alten Töchter eines Lokomotivführers in Völpke in der Pro­vinz Sachsen erstickten im Keller an Oxydgasen, die einer Räucherkammer entströmt waren.

Die Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Obwohl noch dem Vorüberzug des Regen­gebietes. das in ganz Deutschland während der vergangenen Nacht zum Teil recht ergiebige Niederschläge gebracht hat, in den heutigen Mor­genstunden die Bewölkung etwas abgenommen hat, so steht keineswegs eine Besserung der Wetterlage in Aussicht Eine weitere Störung über Irland wird bei reitweiser lebhafter Luft­bewegung erneute Niederschläge bringen. Der Witterungscharakter bleibt immer noch unbe­stätig.

Wettervoraussage für Samstag: Fortdauer des unbeständigen wechselnd wolkigen Wetters mit erneuten Niedrrsch'.ägen, zeitweise lebhafte Lustiewegung.

Wjtterungsaussichten für Sonntag: Unter wechselnder Bewölkung mit vorübergehen­der Aufheiterung noch vereinzelt Regenschauer, etwas kühler.

Lufttemperaturen am 15. November: mittags 9,1 Grad Celsius, abends 8,6 Grad Celsius; am 16. No­vember: 8,9 Grad Celsius. Maximum 9,2 Grad Cel­sius, Minimum 8,2 Grad Celsius. Erdtempera- turen in 10 Zentimeter Tiefe am 15. November: abends 7,8 Grad Celsius; am 16. November: morgens 7,8 Grad Celsius. Niederschlag 8,7 Millimeter. Sonnenscheindauer 1% Stunde.