Ein innerpolilisches Programm Ter ehemalige Reichskanzler Luther spricht in Wien.
Wien, 15. März. (WTB.) Als Gast der Deutschen Handelskammer in Wien hielt der ehemalige Reichskanzler Dr. Luther gestern abend einen Dortrag über die deutsche Volkswirtschaft. Dem Dortrag wohnten u. a. Bundespräsident Hainisch, Bundeskanzler Seipel mit den Ministern Schurs f und Kienböck, sowie der deutsche Gesandte, Graf Lerchenfeld, und zahlreiche namhafte Persönlichkeiten von Industrie und Handel bei. Dr. Luther berechnete den Fehlbetrag der deutschen Außenwirtschaft auf 3,5 Milliarden, der durch Steigerung dec Aus'uhr und durch Derminderung der Einfuhr ausgeglichen werden müsse. Die beutfcbe Wirtschaft müsse durch fortschreitende Rat o lisieru -g die P r o - duktionskosten senken. Die Auslandanleihen mühten unbedingt nur produktiven Zwecken zuge^ührt werden. Rotwendig sei eine Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion. Dr. Luther unterstrich, wie wichtig es sei, wenn wenigsten- die nötige Ernährung der Bevölkerung auf eigenem Boden gesichert sei. Außer der Ausfuhrsteige' rung und der Einfuhrverminderung komme für Deutschland die baldmögliche Festsetzung der Reparationsschulden aus eine tragbare Endsumme in Betracht, was ja überhaupt die wichtigste Doraussehung für eine befriedigende Entwicklung der gesamten Weltwirtschaft sei.
Dr. Luther kam dann auf die in Deutschland so lebendigen Bestrebungen für einen 11 m b audes Reiches zu sprechen und erwähnte die deutsche Desonderh?it, welche in dem Problem Preußen liegt. Es sei weder auf die Dauer möglich, ein Land, das drei Fünftel des Reiches umfasse, als dem Reich untergeordnet in völliger Selbständigkeit zu erhalten, noch sei es auch nur denkbar, den großen Staatszusammenhalt, den Preußen zwischen Ost und West geschaffen habe, zu lösen. Gleichwohl müsse im Interesse deS ganzen Deutschen Reiches die Staatsgewalt so stark werden als irgend möglich. Das bedeute aber keine Gleichmacherei, welche dem deutschen Wesen völlig zuwider fei, wohl aber sei es wichtig, ein gegenseitiges Verstehen im ganzen deutschen Volke aus freiem Entschluß aller Beteiligten Hervorzurusen. Darum seien alle Bestrebungen auf Rechtsangleichund und andere Formen der Kickturannäherung zwischen dem Deutschen Reich und Oesterreich sehr zu begrüßen. Es sei charakteristisch, daß diese Bestrebungen in beiden Staaten von Persönlichkeiten mit starken inncrpolitifchen Gegensätzen betrieben würden. Wirtschaftliche Zusammenhänge und K ckturge- meinschaft, so schloß Dr. Luther, stellen im Gesamtbild das dar, was in Wirklichkeit Oesterreich und das Deutsche Reich verbindet, die in der ganzen Weltgeschichte ihren Ausdruck findende deutsche Schicksalsgemein schäft.
Lebhafter Beifall wurde den Ausführungen des früheren Reichskanzlers zuteil, der vom Bundespräsidenten und Bundeskanzler und den Ministern herzlich begrüßt wurde.
Evangelische Kirche und Veichsschuigeseh.
Hin Beschluß des deutschen Evangelischen Kirchcnausschusses.
Berlin, 15. März. (WTD.) Der heute zu feiner Frühjahrssitzung in Berlin zusa-mengetre- tene Deutsche Evangelische Kirchen- a u s s ch u h, das ver as ung imäßi e Bert e un .s- organ des Bundes der deutschen evan elischen Landeskirchen, hat nach eingeh.: den ($r:itecungen zu der durch das Scheitern des R i r u gesetzes geschoßenen Lage die folgende @ n ' L-< ' ießung gefaßt: Der Deutsche Evangelisch? K rchenausschuh ist von dem Scheitern der Verhau ^ugen über das Reichsfchulgeseh schmerzlich enttäuscht. Der Deutsche Evang: l sche Kirchenausschuß erwartet, daß alles versucht wird, sobald als möglich ein Reichsschulgeseh zustande zu bringen, das dem Schulprogramm des Deutschen Evangelischen Kirchentages in Stuttgart vom Jahre 1921 Rechnung trägt und unter voller Wahrung der Staatshoheit Gewisseus'reihcit,evangelische Erziehung und Elternrecht gewährleistet.
Preußen und der Landbund.
Minifte.rPrasidcnlBraun lehnt den Empfang einer Landbundaborvnung ab.
Berlin, 16. März. (Priv.) Der Reichslandbund hatte an den preußischen Ministerpräsidenten Braun die Bitte gerichtet, eine Abordnung des Pommerschen Landbundes, die im Anschluß an die letzten Notkundgebungen der Landwirtschaft nach Berlin kommen sollte, zu empfangen. Auf diese Bitte hat der Ministerpräsident dem Reichslandbund eine Antwort zugehen lassen, in der es heißt:
Auf Ihre Zuschrift erwidere ich Ihnen, daß ich im Hinblick auf die mit unwahren Behauptungen gegen die preußische Regierung inszenierte demagogische Hetze des Canbbun- des es ablehnen muß, die Deputation zu empfangen. Uebrigens sind die Schwierigkeiten, unter denen die Landwirtschaft zur Zeil leidet, der preußischen Staatsregierung hinreichend bekannt. 3m Rahmen ihrer Zuständigkeit und nach Maßgabe der Finanzkraft des Staates tut die Staatsregierung alles, was geeignet ist, diese Schwierigkeiten zu beheben.
Der pommersche Oberpräsident Lipp mann erklärte bei Eröffnung des Provinziallandtages, bei weitgehender Rachsicht gegen Form und halt der Reden und Entschlüsse, die bei den Landbundkundgebungen Dorgetragen werden müsse es zurückgewiesen werden, daß systematisch gegen die preußische Regierung der Vorwurf erhoben werde, als ob sie Maßregeln, die die Rot der Landwirtschaft beheben sollen, verweigere und sabotiere. Ebenso unzulässig sei es, daß in solchen Versammlungen mehr oder minder verhüllte Drohungen ausgesprochen und zur Steuerverweigerung aufgefordert werde. Gerade die Landwirte sollten wissen, wie wichtig Ordnung und Gesetzmäßig- leit für die Erhaltung der Kraft des Staates, auch feiner wirtschaftlichen Kraft, sind. Sie sollten auch nicht vergessen, daß ihre Unter- stühungswünfche durch die Gesamtheit ihrer Mitbürger befriedigt werden sollen, von denen viele durch den Krieg und feine Folgen selber auf I
Annahme des Wehretats
Berlin, 15. März. (VDZ.) Der Reichstag setzte die zweite Lesung des Reichswehretats fort Abg. Dr. B red t (2B. Vgg.) führte aus: Die gestern vom Minister für den Panzerkreuzer gegebene Begründung sei ganz anders gewesen, als die erste im Ausschuß. Der Pazifismus, von dem geftern soviel gesprochen wurde, könne unmöglich die Grund- läge einer Armee sein: Pazifismus und Heermacht feien Gegensätze. In einem künftigen Krieg werden ganz andere Waffen verwandt werden als im Weltkrieg, ganz andere Waffen auch, als sie unsere kleine Reichswehr hat. Deutschland wird von anderen Mächten als Bundesgenosse nicht gesucht werden wegen seiner militärischen Kräfte, sondern nur, wenn es seine inneren wirtschaftlichenKräste entwickelt. Selbst die alte deutsche Armee, die die beste der Welt war, konnte niemals den Weltkrieg gegen eine solche Uebermacht gewinnen. Der Weltkrieg war schon verloren unter der Reichskanzlerschaft Bülows, als sich das Netz der internationalen Bündnisse um Deutschland zusammenzog. Ebenso wie die alte Armee unbedingt zur Monarchie stand, muß die Reichswehr der Republik unbedingt zur Republik stehen.
Ein Zwischenfall.
Abg. Strasser (Ral.-Soz.) erklärt: Die Deutschnationalen seien jetzt schon mit den Sozialdemokraten in einer pazi iftischen Einhettsfront. Die Rationalsozialisten dagegen seien bewußte Militaristen, weil sie Rationalisten und Sozialisten seien. Der Versailler und der Dawes- Vertrag verhindern den Befreiungskampf des deutschen Proletariats. Wer in Deutschland Kriegsdienstverweigerung predigt, ist ein Schall! ein Lump! ein Achtgroschenjunge der Dawesparteien. (Präsident Loebe ersucht den Redner, sich zu mäßigen.) Die Reichswehr müsse die Grundlage des kommenden deutschen Dolksheeres sein. Geßler und v. Seeckt seien auf Wunsch von Driand verabschiedet worden. Der Reichsaußenminister Dr. Stresemann habe bei seiner Zusammenarbeit mit Briand bewußten Landesverrat getrieben.
Bei diesen Worten entsteht große Unruhe im Hause. Ein Herr auf der Publikumstribüne klatscht Beifall. Präsident Loebe erteilt dem Abg. Strasser einen Ordnungsruf und ersucht den Beifallrufer, die Publikumstribüne zu verlassen. Als dieser der Aufforderung nicht folgt, wird er von einem Diener entfernt. Abg Strasser übt an dem Verhalten des Präsi
denten Kritik, die sich Präsident Loebe verbittet. Der Redner wendet sich dann in heftigen Ausdrücken gegen den Minister Groener. Die Ra- tionalsozialisten würden mit den Kommunisten gegen das Ministergehalt und für den Mih- trauensantrag stimmen. Der Minister habe nur die Bedeutung der 30 Silberlinge, die Judas für seinen Verrat erhielt. Der Präsident Loebe schwingt nach diesen Worten dauernd die Glocke. Von den Sitzen der Mehrheit kommen stürmische Pfui-Ruse, von den Rationalsozialisten Heil-Rufe. In diesem Lärm gehen die letzten Worte des Abg. Strasser verloren.
Reichswehrminifler Groener:
Die Worte des Abg. v. Schulenburg waren mir aus dem Herzen gesprochen. In der Frage des Osfizierersahes stehe ich gairz auf dem Boden Scharnhorsts. Scharnhorst schaffte die Privilegien ab und ließ die Vorbildung entscheidend für die Beförderung zum Offizier. Ich muh daran festhalten, daß nur nach dem erfolgreichen Besuch einer Wasfenschule jemand zum Offizier gemacht werden kann. Die Vorbildung muh entscheidend fein, nicht die gesellschaftliche Stellung. Ich lege Wert auf eine einheitliche Auffassung der Offiziere, nicht aber ihrer Väter, Onkels und Tanten. tSehr gut.) Als Hauptucsache der zahlreichen S e l b st in o r d e in der Reichswehr bezeichnet der Minister den Zwang zur zwölfjährigen Dienstzeit. Dieses uns durch den Versailler Vertrag ausgezwungene menschenunwürdige S)stem trage die Schuld an der Zerstörung manchen jungen Menschenlebens.
Abg. Lucke (W Vg.) stimmt im wesentlichen den Ausführungen des Abg. v. Schulenburg zu: in erster Linie gebühre den alten Unteroffizieren der Dant für die gute Ausbildung der Reichswehr. Die Versorgung der auLscheidenden Reichswehrangehörigen müsse verbessert werden.
Der kommunistische Antrag auf Streichung des Ministergehaltes und der kommunistische Mih- trauensantrag werden gegen die Antragsteller und die völtischen Gruppen abgelehnt. Die Ausschußentschließungen werden angenommen. Die sozialdemokratischen Streichungsanträge werden gegen Sozialdemokraten und Kommunisten abgelehnt. Der Etat des Landheeres wird bewilligt. — Freitag: neben kleineren Vorlagen der Etat der Reichspost.
das allerschwerste geschädigt, ja vollkommen verarmt sind.
In Karlsbiese (Königsberg-Reumark) be° schädigte sich die Gemeindcve Sammlung mit dem Steuerdruck. Einstimntig wurde beschlossen, alle Zahlungen einzu st eilen und diesen Beschluß den zustöndigett Behörden mitzulei.en. — In G ü st e b i e s e, ebenfalls im Kreise Königsberg, wurde in einer Protestversammlung der Landwirte einstimmig beschlossen, alle 6.euer- Zahlungen mit Ausnahme der Gemeindesteuern wegen Zahlungsunfähigkeit ein-ustellen.
Ein Wirtschafisvorschlag.
Seydoux befürwortet ein Zusammengehen Englands, Frankreichs und Deutschlands. Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers".
Berlin, 16. März. In den Londoner „Times" versucht der bekannte französische Finanzsachverständige Seydoux England zu bewegen, sich mit dem Gedanken des Abschlusses einer französischen g li sch - deutschen Wirtschaftsentente zu beschäftigen. Er geht dabei von der beutfd^fran- zösischen Zusammenarbeit aus, an der sich auch Großbritannien beteiligen solle. Bisher hat er mit dieser Anregung an der Themse kein Echo, weder in zustimmendem, noch in ablehnendem Sinne, auszulösen vermocht. Die Engländer werden ihm aber noch antworten, wenn sie sich den Fall erst einmal gründlich überlegt haben. Da sie recht gut darüber orientiert sind, wer bisher aus der deutsch-französischen Zusammenarbeit die größten Vorteile ge- zogen hat und wie das Wirtschaftsverhältnis dieser beiden Staaten zueinander tatsächlich aussieht, werden sie sich wahrscheinlich n i ch t für die Seydouxschen Gedankengänge begeistern. Sie wissen genau,' daß man in Paris ehrgeizig genug ist, um sich nicht mit der militärischen Vorherrschaft in Europa zu begnügen. Frankreich möchte zu gern auch d i e wirtschaftlicheFührung ergreifen und England in eine ähnliche Lage hineindrücken, wie ihm das mit uns gelungen ist. Eifenpakt und Wirtschaftsvertrag sind gewiß anerkennenswerte Vereinbarungen, es kommt aber nicht nur darauf an. daß man derartige Verträge abschließt, sondern ihnen auch eine Form gibt, diederwirtschastlichschwä- cheren Nation ausreichenden Spielraum gewähren. Frankreich hat aber nicht im geringsten auf unsere besondere Situation Rücksicht genommen, so daß wir Zugeständnisse der Gegenseite noch extra teuer erkaufen mußten. Trotzdem befriedigt uns die Zusammenarbeit mit Frankreich, so wie sie sich uns heute darstellt, nicht. Infolgedessen ist die deutsch-französische Zusammenarbeit keineswegs so gefestigt, daß man anderen Staaten Aufforderungen im Sinne Seydoux zugehen lassen könnte. Aus diesem Grunde allein wird sich England vermutlich aus ernsthafte Debatten gar nicht ein lassen.
Kinanzaueschuß des Hessischen Landtags.
Darmstadt, 15. März. Die heutigen Verhandlungen wurden mit einer längeren Geschäftsordnungsdebatte eingeleitet über die Ankündigung eines Gesetzentwurfs durch denReichs- ernährungsminister Schiele zur Herabsetzung des zollfreien Gesrierfleischkontin- g e n t s und dessen Reuverteilung, wobei nur Gebiete berücksichtiat werden sollen, die schon bisher Bedarf gezeigt haben. Es wurde der Befürchtung Ausdruck gegeben, daß Offenbach, wo viel Gefrierfleisch gebraucht wird, nicht mehr berücksichtigt werde. Von der Regierung wurde erklärt, es sei nicht anzunehmen, daß der Offenbacher Bezirk nicht mehr beliefert werde. Die Beratungen über den Staatsvoranschlag wurden dann bei Kapitel 82 (Landwirtschaftliches Unterrichtswesen usw.) fortgesetzt. Es lag ein Antrag Glaser-Dr. Leuchtgens vor, einen Titel neu einzusetzen, in dem für landwirtschaftliche Haushaltungsschulen 3000 Mart in Ausgabe einzustellen sind. Rach einem Zusah-
antrag der Abgeordneten Weckler, Heinstadt und Blank soll die Verteilung an die in Frage kommenden Schulen allein durch das Ministerium für Arbeit und Wirtschaft erfolgen. Beide Anträge wurden mit 7 gegen 6 Summen angenommen. Ein Antrag Weckler Blank, worin die Regierung ersucht wird, die Landwirtschaftsschule Butzbach im Herbst 1928 zu einer V o l l a n st a l t auszubauen, wurde mit 8 genen 4 Stimmen angenommen und dann das Kapitel genehmigt.
Zu dem Kapitel 83 (Bodenverbefse- rung und Wasserversorgung) wurde ein Rachtrag der Regierung, daß im Geschäftsbereich des Landesvermessungsamtes die Stelle eines höheren Vermessungsbeamten als Inhaberstelle im Feldbereinigungsdienst zugehen soll, mit allen gegen eine Stimme gutgeheißen. Ferner wurde eine Regierungsvorlage, worin die Regierung ermächtigt wird, Darlehen an Beamte für Kraftfahrzeuge zu Dienstzwecken zu gewähren, genehmigt. Ein Antrag Weckler. Blank, Heinstadt ersucht die Regierung, Vorschläge zur Finanzierung der Feldbereinigungs- und Meliorationsarbeiten durch ein zentrales Geldinstitut (Landesbank. Girozentrale) zu machen: der Antrag wurde einstimmig angenommen. Ein Antrag Angermeier, daß die Kosten für die Feldbereinigungen im Vogelsberg restlos vom Staat getragen werden sollen, wurde der Regierung als Material überwiesen. Ein Antrag Jost und Genossen, daß die Kosten für die Durchführung der Feldbereinigungsarbeiten zu s/s den Grundeigentümern ersetzt werden sollen, wurde mit sechs gegen sechs Stimmen abgelehnt. Ein Antrag Eberle will, daß außerordentliche Zuschüsse an Feldbereinigungsgenossenschaften ärmerer Gemeinden bezahlt werden und daß die Regierung im Bedarfsfall über die angesehte Summe von 10 000 Mavk hinausgehen darf. Rach einem weiteren Antrag Eberle zur Verbesserung der Hutweiden im Vogelsberg soll die Regierung ermächtigt werden, über den Betrag von 20 000 Mark hinauszugehen. Beide Anträge fanden Zustimmung: dagegen wurden Anträge in gleichem Sinn der Abgeordneten Jost und Gen., die für Feldbereinigungen statt 10 000 Mark 30 000 Mark und für die Hutweiden statt 20 000 Mark 40 000 Mark forderten, abgelehnt. Das Kapitel wurde genehmigt.
Aus aller Wett.
Osloer Feier lichkeitcn zu Ehren Ibsens.
Die Feierlichkeiten anläßlich des 100. Geburtstages Henrik Ibsens begannen mit der Eröffnung einer Ibsen-Ausstellung in der Llniversitätsbücherei, zu der der König, der Kronprinz und eine große Anzahl Gäste aus dem Ausland, darunter Vertreter der meisten europäischen Länder und der Vereinigten Staaten, erschienen waren. Am Abend gab das Rationaltheater Ibsens „Brand" als F e st Vorstellung in Anwesenheit des Königs, des Kronprinzen, der Mitglieder des Kabinetts, der Parlamentspräsidenten, des Diplomatischen Korps und der ausländischen Gäste. Daran schloß sich ein vom norwegischen Autorenverband veranstaltetes Festessen. Dr. Fett (Rorweo.en) brachte dabei einen Trinkspruch auf die ausländischen Gäste aus. Ibsen war ein Norweger, so führte er u. a. aus, aber er hatte außerdem ein größeres Vaterland, das sich soweit dehnte, wie seine Träume reichten. Der Redner erwähnte dann die zahlreichen berühmten Persönlichkeiten des Auslandes, insbesondere Deutschlands, die an Ibsens Schaffen Anteil genommen haben, und erinnerte daran, daß Ibsen seine ersten weitreichenden Erfolge deutschen Theatern zu verdanken hatte.
Hindenburgs Gruß an die „Emden".
Reichspräsident v. Hindenburg hat den Blättern zufolge an den heimkehrenden Kreuzer ..Emden" folgendes Begrüßungstelegramm geschickt: „Kommandant, Offizieren und Mannschaft des Kreuzers „Emden" rufe ich bei ihrer Rückkehr nach langer Fahrt ein herz
liches Willkommen in der Heimat zu. Zugleich spreche ich der Besatzung meine Anerkennung für ihr musterhaftes Verhalten während der großen Reise aus."
Stapellaus und Taufe von vier Torpedobooten.
In Wittzelinr. Haven fand der Stapeckauf und die Taufe von vier neuen Torpedobooten der Reichsmarine statt, die die Ramen „Tiger", „Lux", „Jaguar" und „Leopard" erhielten.
Die Opfer der Dammbruchkakaskrophe in Kalifornien.
Los Angeles, 16. März. (WTB. Funkspruch.) Die amtliche Liste der Opfer der Dammbruch-Kata- sirophe zählt nunmehr 28 5 Tote. Acht Behörden haben selbständig Untersuchungen über die Ursache des Dammbruches angestellt. Man sieht als wahrscheinlichste Ursache schlechte Fundamentie- r u n g. Die Bundesregierung hat eine Inspektion sämtlicher ihr unterstehenden Dämme angeorbnet. Zusammenstoß zweier Flugzeuge. — Vier Jlieger lot.
San Diego, 16. März. (WTB. Funkspruch.) lieber bem Flugplatz von Mahroney stießen heute nachmittag zwei Reg.erungsflugzeuge zusammen und stürzten ab. Die Insassen, vier Marineflieger, wurden getutet.
Zubkow ausgewiesen.
Der Regierungspräsident von Köln als Landes- Polizeibehörde hat Alexander Zubkow. den Gatten der Priirzessin Villoria von Preußen, der Schwester des ehemaligen Kaisers, nachdem er wegen Paßvergehens rechtskräf- ti. verurteilt worden ist. aus dem deutschen Reichsgebiet ausgewiesen. Zubkow soll bereits das Reichsgebiet verlassen haben und sich aufdemWegenach Afrika befinden, während seine von der Ausweisung nicht betroffene Gattin sich zur Zeit wieder in Bonn befindet.
Warenschwindel en gros.
llnter dem dringenden Ver. acht, K.edllbetl-üge- reien in gro >em Umfange verübt zu haben, wurde tn -öerun ver ö8 Jahre alte Kaufmann Kohlmeir, Lyisenstraße 53, feftgc.Tomme.i. Da» ■Unternehmen befaßte sich mit Ein- und Verlauf von Waren aller Art. Rachdern Kohlmeier zuerst einige Po len bar bezahlt Halle. gaben ihm die Lieferanten später, der WirtschasiS age entsprechend, auf Kredit gegen Wechsel und Schecks, die sich im Verkehr als völlig w e r t - l0 $ erwiesen. Als Kohlmeier feft genommen wurde, fand man in feinen Lagerräumen noch große Mengen Waren der verschiedensten Art. Rach vorsichtiger Schatzung dürften in Deutsch- Iar.J> allein etwa 200 Firmen von Kohlweier geprellt worden sein.
Eine Berliner Schule wegen Masern geschloßen.
Die Volksschule in dem Berliner Vorort Dahlem i‘< wegen Masern geschlossen worden. Wie die Voss. Ztg." erfahren haben will, sollen bere is 30 Schüler er Lauft sein, so daß von einer Epidemie gesprochen werden müsse. D.e Schließung der Schule ist auf Anordnung des Kreisarztes erfolgt.
Ende des Schulstreiks in Berlin N.
Nach der Volksschule in der Sonnenburger Straße, die in eine Sammelschule umgewandelt werden soll, hatte die Elternschaft, die sich f ü r die Erhol- tung de r Schule in der bisherigen Form einsetzt, eine Versammlung einberufen, um gegen den Beschluß der zuständigen Deputation erneut zu p r o t e fl i e r e n und die weitere Stellungnahme in dem Konflikt, der bekanntlich zu einem Schulstreik geführt hat, zu erörtern. Der Leiter der Versammlung teilte mit, daß die Kinder von Montag ab wieder am Unterricht teil- nehmen werden. Sollten unverzügliche Verhandlungen mit den in Betracht kommenden Behörden nicht zu befriedigenden Ergebnissen führen, so würde man zu weiteren Maßnahmen greifen.
Die (Eröffnung des Exzelsior Tunnels in Berlin.
Berlin, 15. März. (WTB) Heute mittag wiu-de ber Ercelsior-Tunnel. der das Hotel Ercelsior mit dem Anhalt-'r Bahnhof verbindet, feierlich dem Verkehr übergeben. Der 100 Meter lange Tunnel, der vom Fernbahnsteig des Anhalter Bahnhofs bis ins Vestibül des Hotels Excelsior führt, enthält mehrere Läden und hat auch zwei öffentliche Ausgange, wodurch er auch zu einem öffentlichen Verkehrsweg gemacht wird.
Todesurteil.
Das Schwurgericht Landshut verurteilte den 20 Jahre alten Dienstknecht Sebastian Faltermeier wegen Mordes zum Tode und zum dauernden Ehrenrechtsverlust. Faltermeier hatte am 20. November 1927 seine frühere Geliebte, eine 24 Jahre alte Dienstmagd, erwürgt und aufgehängt, um sich feiner Vaterstandsverpflichtungen zu entledigen.
Der Schiedssvruch im Buchdruckgewerbe.
Berlin, 16 März. (Priv.-Tel.) Der Schleds- svruch im Lohnstreit des deutschen Buchdruckgewerbes ist von den Vrinzipalen angenommen worden; sie haben Verbindlich keitserkla- r u n g des Spruches beantragt Die Verhandlungen über diesen Antrag finden Anfang der nächsten Woche statt
Bier japanische Schisse gekentert. 85 Mann ertrunken.
Rach einer Meldung aus Tokio sind vrn den an der Chiba-Küste wahrend eines Sturmes gekenterten vier japanischen Schissen 45 Mann von der Besatzung des einen geret- t e t worden, während es unmöglich war. den 85 Mann der drei anderen Schiffe Rettung zu bringen.
Wettervoraussage.
Durch die südöstliche Verlagerung des hohen Druckes hat auch bei uns weiterer Barometeranstieg eingesetzt und die Hochdruckwettertage sich weiter gefestigt. Nächtliche Ausstrahlung führte in der vergangenen Nacht zu starkem Temperaturrückgang (Gießen Minimum — 6 Grad Celsius): tagsüber setzte infolge der ungehinderten «Sonnenstrahlung weitere Erwärmung ein. Da wir zunächst noch hn Bereich der Ho-bdruck Wetterlage verbleiben, so dauert der herrschende Witterungscharakter fort und die ich ostwärts ausbreitenden westlichen Tiefdruck- törungen gewinnen nur langsam Einfluß auf unsre Wetterlage.
Wettervoraussage für SamStag: Weiterhin Nachtfrost, tagsüber fortschreitende Erwärmung. Meist heiter und trocken.
W i 11 e r u n g s a u s s i ch te n für Sonntag: Abschwächung des RachtfrvsteS, zeitweise bewölkt, noch meist trocken.
Lufttemperaturen am 15 März: mittags 5,4 Grad Eelsius, abends —1,3 Grad Celsius: am 16 März: morgens — 4,1 Grad Celsius. Maximum 5,6 Grad Celsius, Minimum — 6 Grad Celsius. — Erdtempe- raturen in 10 Zentimeter Tiefe am 15. März: abends 3,6 Grad Celsius: am 16 März: morgens 0,8 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer: 7H Stunden.


