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Nr. 13 Zweites Blatt
Siebener Anzeiger tGeneral-Anzeiger für Gberheffen)
Montag, |6. Januar 1928
Ein Gespräch mitTrohki
Bon unserem ni-KortdDonDenten.
Kod)Dnuf, auch mit Quellenangabe, verboten. Moskau. Januar 1927.
Sin Gewährsmann un'eres Korrespon« denten hatte (belegen bett, mit Dem rer der russischen Opposition einen Unterhaltung äu haben, die auch heute noch der Verbannung des ge'ürchteten Mannes das höchste Interesse beansprucht. Trotzki ist gegen toärttg die intere santeste Figur in Moskau die das allgemeine Augenmerk aus sich sieht. Sin jeder beurteilt ihn vom eigenen Standpunkt aus und lucht in ihm die Lösung des Rätfel» der nächsten 3uhin1t »u finden. Es ist indessen auherordentlich schwierig, zu dem Früheren HöchstkommandierenDen der Voten Armee vorzudringen Seit 3uli vorigen Jahres, als die Gegensätze zwischen den Anhängern Stalins und der Oppofotivn sich bi» auf« äuherFte zu» spitzten, als Trotzki ein«ehen muhte daß lein Leben in Gefahr ist, hat er den Entfchluft gefaxt. sich ganz von der Oberfläche zurückzuziehen und seine Tätigkeit lediglich unterirdisch zu betreiben. Menn er unter Menschcn erscheint, so geschieht dies gewiffermahen blitzartig. stets unerwartet: 3m geschlossenen Auto kommt er zu den Meetings aus den Fabriken angesahren. verblüfft die Anwesenden durch sein plötzliches Erscheinen und verschwindet dann ebenso plötzlich und spurlos. 8r verbringt seine 3clt in geheimen Zusammenkünften und wechselt stän- dia seinen Wohnung-ausenthalt. weil et über zahllose Absteigequartiere verfügt.
3hr Berichterstatter hatte nun eine Zusammenkunft mit einem Manne, dem es gelungen war. neulich Tra^h ausfindig zu machen, ihn zu stellen und ausführlich mit ihm zu sprechen.
Nachdem mein Gewährsmann lange vergeblich versucht hatte, mit Trotzki zusammenzukommen, ist es ihm letzten Endes doch gelungen, ihn in einem seiner Verstecke anzutreffen Der erste Eindruck war der folgende Trotzki hat start gealtert, lein Gesicht ist von liefen Furchen durchzogen er ist stark ergraut und nur der stechende VNck der unbarmherzigen Augen und die temperamentvolle Stimmt sind die alten geblieben
.Das Petersburger Proletariat ". — sagt dieser in Ungnade gefallene Sowjetführer, — .hat im Oktober 1917 im Namen de» Kommuni«mu« die Macht an sich gerissen. Die Vernichtung des kapitalistischen Snste-ns, die Schaffung eines fozialistifchen Staates durch die Diktatur des Proletariats — das waren die Hauptziele unserer Aevoluüon. Sind diese Ziele erreicht worden? Rein! . . . . Zehn Jahre nach der "Revolution ist in den ten und auf dem Lande e i N e N e u e B o u r- gevifie entstanden. Die öntftcbung und die Kräftigung dieser neuen Bourgeoisie ist das erste Ergebnis der .REP" sReue Oekonomische Politik.) din weiteres Ergebnis ist in der tiefgehenden wirtschaftlichen Krise und der Verarmung der Arbeiterklasse zu sehen. Ferner ist die Diktatur des Proletariats in die persönliche M ach tha bers ch af t der regierenden Llique ausgeartet, die der Ar- beilerklasfe die Freiheit der Meinungsäußerung, der Versammlungen und des beruflichen Scheues ihrer Klasseninteressen genommen hat. Die russischen Arbeiter, die die Revolution auf den Barrikaden geschaffen und verteidigt haben, müssen heule gegen einen erbärmlichen Lohn 9—10 Stunden täglich arbeiten. Das gebt nicht mehr so weiter. Und deslxllb fordert »die Opposition nor allen Dingen die Demokratisierung der kommunistischen Partei und die Lösung der Fesseln, in die die Arbeiterklasse geschlagen ist. Lediglich darum sorgen wir uns. und solange die persönliche Diktatur Stalin» und seine« Gefolge» nicht aus der Welt geschafft ist, werden wir den Kamps nicht auf- geben
Die Politik Stalin» hat da» Land einer wirtschaftlichen Katastrophe entgegen-
Notiz vom Montag.
Don Anton Gchnack.
Ich empfinde den Montag als den geheim- nisvollsten Tag. weil er beschattet ist von dem langen und doch so kurzen Schicksal-Weg der Woche Wa» wird sie bringen? Mehr Erkenntnis? Mehr Betrübnis? Werden die Stunden der Freude die Stunden der Trauer überwiegen ?
Wie ein Gong rollt sein Raine, schwertönend. ein Klang voll Hoffnuna-froheit und Schrecken Iugleich. in einen dunklen unbekannten Gang Inein. der sich Woche nennt. 3n ihm sind wie Gelichter, schweigend, unerbittlich, stumm und ungerührt di/ Tage ausgestellt: Dienstag . . der Mittwoch . . der Donnerstag . . . Sphinr- gesichter. Rätselaugen. Unerbittliche und zuge- schlosfene Fratzen.
Von der feierlichen Ruhe und breiten Behäbigkeit de» Sonntag- liegt er weltenweit entfernt. Beide haben, obwohl sie so nahe beiein- anderstehen. keine Aehnlichkeit miteinander. Der Montag scheint un» der unruhigste der lär- nendste und der lauteste lag zu fein. Auch die anderen Werktage der Woche find lärmend. unruhig und laut, aber wenn wir die Montag-frühe beginnen, haben wir noch die e.i.l . i. ei eH.tr eit. die u geh inde Fr - beit und da- lüfte Richt-tun des Sonntags im Blute
AuS den Hoffenstern der Häuser, auf den kalten grauen ÖHcnaltanen. wo die zerschlissenen und zerbrochenen Körbe trauern, die leeren gesprungenen Blumentöpfe von Spinngeweb überzogen sind, und wo die blaue und verschossene Küchenwäsche flattert, hängen die Kleiber des Sonntags.
Da hängt der schwarze Rock eines Wan- res. hin und hergewebt vom leisen Windzug, eine leere bedeutungslose Attrappe, die nicht erraten läßt, welche Brust sie umfchloft. ob Eitelkeit ober Demut. Fröhlichkeit oder Reid, bie keinen Auffchluft gibt, ob sie die Brust eines wichtigen Beamten oder eines enckchlof- fmen Bankdirektors verhüllte Dies ist vielleicht ein Rock, der von seinem Herrn am Sonntagnachmittag oder am Abend in einem Raum getragen wurde, der nach Bier roch und
geführt, die Außenpolitik de« .Herrn" (nicht mehr .Genossen"! d Red ) Tschitscherin hat sich als vollständig haltlos erwiesen. Er hat es nicht verstanden, das Vertrauen der Kapitalisten zu gewinnen und von ihnen Kredite herauszuho'.en. während doch die ganze .REP"- Politik auf dem Beistand des ausländischen Kapitals begründet war. Aber die Kapitalisten haben sich al» weniger einfältig erwiefen. al» unsere Diplomaten Sie haben den angekündigten .Waffenstillstand" benutzt, um ihre Stellung immer mehr zu festigen, indem fie durch ständige
. ? t* un - n n “ cu K. b tg ö l;ru ge immer wieder Zeit zu gewinnen suchten. Letzten Ende» belinden die Sowjet» sich in einer vollständig isolierten Stellung und wiederum ist das alte Dilemma entstanden entweder ein sozialistisches "Bündnis oder ein kapitalistisches Europa — das erwartete Rebeneinander- bestehen .st nicht erreicht."
<36 verdient Beachtung, baft Trotzki die Möglichkeit eine» bewaffneten Zufamrnen- ftofte» zwilchen der Union der fozialistifchen Sowjetrepubliken und dem kapitalistilchen Europa absolut nicht in Abrede stellt, wenn er auch
der Ansicht ist. baft Stalin sein .Knegsgefchrei nur zu dem Zwecke erhoben habe, um die Aufmerksamkeit der Unzufriedenen von den inneren und äufteren 3DVerfölgen abzulenken um den Terror gegen alle zu verstärken und um da» ganze Land durch militärische Disziplin im Zaume zu halten.
Sv spricht Trotzki Wenn Stalin» Rame genannt wird, prägt sich in feinem Gesicht unverkennbare Wut au». Wein Gewährsmann hat den Eindruck gewonnen, baft die Gerüchte über die Möglichkeit einer Einigung zwischen den gegenwärtig Regierenden und der £>t>?o<ttion durchaus unbegründet sind und ein Frieden»schluft ganz ausgeschlossen ist. Der Kampf hat bereit» allzu scharfe Formen angenommen. Wenn Ka- meneff und Sinowjew mürbe geworden find und sich dem heute allmächtigen Georgier auögelte- fert haben. Io wird Troyki auf derartige» nie eingehen Die Würfel find gefallen: der Kampf, der eingesetzt hat. kann nur mit dem Sieg der einen ober der anderen Seite enden, oder aber — wa» wahrscheinlicher ist - mit dem Untergang beider kämpfenden Parteien.
Im Reiche des Scherifen.
die elektri chen Anlagen. Telegraphen und Telephone einen Rückwärtssprung in« tiefste Mittelalter gemacht hätten. Vor der Eisenbahnstation grohlen fchwerbeladcne Kamele, die in endlosen Tagesreisen, ebenso wie vor zehn Jahrhunderten.
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.
Tanger, Januar 1927.
Marokko hat einen neuen Kaiser. Die Wahl der Ulema war auf den dritten Sohn de» kürzlich verstorbenen Sultans Mulai Busses, auf den 17jährigen Mulai Mohammed gefallen, der sich auf den 3a&rtauknb allen Thron der Omajaben 'etzen durfte 3m Scherifenreiche gilt nicht das Recht der Erstgeburt. Thronerbe ist der direkte Rächkomme beS Propheten, dem der sterbende Sultan feinen mystifchen Segen, die Barala, zur Rachfolge gegeben und den die Bevölkerung von Fez. Rabat und Marrakesch zu huldigen bereit ist. Wenn der Sultan den von ihm erwählten Rach'olger öffentlich segnet, so ist natürlich jeder Streit ausgeschlossen, da aber die Daraka, um gefährliche Hofintrigen zu vermeiden, die in früheren Jahrzehnten mit Dolch und Gift endeten, im geheimen erteilt zu werden pflegt, so ist es Pflicht der Schrist- gelehrten Ulema» zu entscheiden, wer unter den Söhnen des Sultans den Segen zur Rach- folge bcfitzt.
Diesmal traf die Wahl den jungen Mulai Mohammed, der sich durch sein freundlich sanftes Wesen viele Freunde erworben und der den französischen Machthabern in Marokko am gefügigsten erschien. Den Mauren alten Schlages, die sich mit der Fremdherrschaft nicht abfinden, die noch immer den Traum vergangener Jahrhundert träumen, und die die Schlüssel ihrer einstigen Paläste in Sevilla und Cordoba als Heiligtum vom Vater zum Sohne verwahren, galt bis zum letzten Augenblick der älteste Sohn des verstorbenen Sultans, Mulai 3dris, als Thronerbe. Ein stolzer 3üngling von 21 Jahren, der sich alS Maurenfürst fühlte und der den Franzosen mehr Duldung als Ergebenheit zeigte. Sr erinnerte in seinem Wesen an feinen Onkel, den Sultan Mulai H a f i b, den letzten Sultan, der es 1912 wagte, sich gegen die französischen Unterdrücker auszulehnen. Fez geriet in wilde Erregung, die Mauren schlissen ihre Dolche und krummen Säbel und unter den jubelnden Bu-Bu-Rusen Der Frauen, die sich aus den flachen Dächern anqcfammelt hatten, wurden die Franzosen durch die Straften der Hauptstadt gehetzt und viele n'edergemetzelt. Mulai Hasib wurde besiegt und in bie Verbannung geschickt, nachdem Dio französischen Sieger ihn gezwungen, feinem gehorsamen Bruder, dem Vater des lehigen Sultans, die Daraka zu erteilen und ihm den Thron abzutreten. —
Geschichten aus tausend und einer Rächt sind heute in Marokko mit dem Zauber moderner Technik burchslochlen^ 3n den großen Städten, wie Fez und Rabat, scheint es. als ob
bte Karatranenftraf en in die Wüfte Durchqueren werden. Hinter Tälern. Die von Giftfchlangcn unD Skorpionen bevölkert werden, und durch die die Sonne mit Feuerriegeln den Durchgang sperrt, hausen in Räuberburgen :eubale Scheck». Die in herrlichen Rosen- und Rarzissengärten bald hem Lautenspiel von schonen Sklavinnen lau'chen, den Koran lesen und fich an den zarten Liedern persischer und arabischer Dichter erfreuen, bald ihre Vollblutpferde besteigen und gefolgt von ihrem bewaffneten Tefinbe Karawanen überfallen oder Reckende zu Geiseln machen, um für sie ein hohe» Lösegeld zu fordern. Dort stehen Marabu», Gräber von Heiligen, an denen Wunder geschehen, und vorüber an den Rieder- lassungen der Europäer zieht der wilde Orden Der Aissauas, dessen Mitglieder ihren Hals mit Gi tschlangen umwinden, Die sich von Skorpionen stechen lassen unD Die wie Raubtier«, beut' Rainen sie angenommen haben. Lämmer zerrciften und da» noch zuckende Fleisch verschlingen. Aus weihen Maultieren, ernst und seierl ch. reiten vornehme Mauren durch die Menge, sie sehen über Die Menschen hinweg mit einem Blick, al« ob nur sie allein auf der Welt wären unD über ihnen nur Allah bet Allmächtige, der Allbarmherzige. Trotz der Franzosen, trotz der modernen Anlagen her Reuzeit umgibt uns überall bin Märchenpracht des OmajadenreicheS. Europa erscheint so fern, man wanbert in einem Traum- lanbe von Pracht und Blut, da» voll von- QBunZem ist.
Mulai Mohammed hat das Erbe feiner Vorfahren übernommen. Seine Herrschergewalt ist durch keine Vollsvertretung beengt. Er hat. in der Theorie wenigstens, unbeschränkte Gewalt über Leben und Tod seiner Untertanen, er kann die Zinnen des Alkazar, wie das früher in Fez und Marakesch Sitte war. mit Den ab- gdhauencn Kopsen von Rebellen schmücken la’fcn. Seine prächtige Leibgarde in ihren Scharlach- mänteln Darf ungestraft Unbotmäßige Hetzen ... aber dennoch ist der Sultan nur ein Schattenkaiser, die wirklichen Herrscher m Marokko sind Die französischen Generäle unD Der Generalresident. Aber bie Form wird gewahrt. Die. Thronbesteigung des Sultan» wurde von oriental:sch-prächtiaen Festlichkeiten begleitet Leibgarde und Kavallerie bilden Spalier. Trompeten schmettern und zahlloses Volk sammelt sich am Wegrand«. Die grüne Standarte des Propheten weht, und über dem Kopf
von blauen Zigarrenwolken geschwängert war. .Meine Herren wir sind hier versammelt, um Die Interessen der Eisenindustrie zu wahr n. . ." so sprach vielleicht der Kops, und eine fleischige Hand, au» der Rücksichtslosigkeit und Lust zur Rechthaberei blitzten, schlug auf den Tisch.
Hoch über diesem schwarzen Rock, auf einem andern Balkon hängt das Kleid eines jungen Mädchens, das zarte leuchtende Hüllchen einer Puppe, die vielleicht schon längst die grauen und kühlen Morgentreppen hinuntergehüpft ist. Wo war sie gestern? Auf einer kleinen Lustbarkeit. wo ein junger Herr mit schwarzer Brille und einer frischen blauen Krawatte mit ihr lächelte und fich kühn und eroberungsbegierig vor ihr verbeugte, wobei er sie mit weicher Stimme .Mein schönes Fräulein" nannte.
Aber jetzt fitzt fie schon vom frühen Morgen an hinter einer raffelnden Schreibmaschine, und ein mürrischer Mann mit grauem Kragen, faltiger Stirn und verrauchten Zähnen zischt ihr heisere Worte beim Diktieren zu: .Zufolge Ihre» Geehrten vom . . . teilen wir Ihnen mit. baft Die Sendung Drahtstifte . . . aber Da lieht er plötzlich, über fie gebeugt, baft fie einen kleinen unbebeutenben Fehler gemacht hat Idas Komma vor .haft" hat sie »ergehen . und er schreit fie an. .Sie Gans, wo haben Sie Ihre Gedanken wieder, he? Sie find noch ganz duselig, he. von gestern wohl? ..."
_ Vor einem offenen Küchenfenster steht eine Frau in einer Schürze und mit hochgekrempelten Aermeln. Sie fegt mit einer harten Bürste Schuhe ab. ein Paar nach dem anderen. Schuh« aus dickem Leder. Schuhe mit festen Sohlen. Wanderfchuhe. durch Fett wasferdicht gemacht und mit runden graften Hageln beleyt. Der Staub, der unter den Dorsten der harten Dürfte davonsliegt, ist gestern noch Du'tenDc kühle Erde gewesen, auf einem stillen und abseitigen Waldweg gelegen, über Den das traumtiefe und grofte "Brauten der Wipfel hinwegzog. —
Klirrend schlieftt fie bas Fenster: Die Welt des Sonntags ist verweht, b c Streifereien durch die Geholze find verklungen, das Waldwirtshaus am Wege ist in Die Unwirklichkeit Der Erinnerung versunken. Das Reh, das durch bas Dickicht brach, ist in den tiefen Gründen fort- gezogen und verschwunden, der füfte Dogeipfiff
im Daum erklingt im Ohr nicht mehr, die braune und dunkeläugige Tochter deS Hirten werden fie nicht mehr wiederfehen. . . .
Der graue und schwere Schatten des Montag- hat alles zugedeckt.
Fahrt in Die Klamme.
Don Max Zungnickel.
ES war nicht mehr besonder- viel von feiner Fröhlichkeit übrig, als er fich von seiner Frau trennte. Ra ja, er war ein Maler mit allerhand feinen Ideen, mit einer Farbenbeseffenheit und Derranntheit; aber er blieb erfolglos Manchmal hier und Dort ein Tröpfchen Anerkennung: aber davon wird man nicht satt. UnD schlieftlich gehört schon eine starke Frauennatur Dazu, um Dielen ewigen Wettlauf mit dem Groschen mitzu- machen. Und sie war wirklich kein harter, unerbittlicher Charakter. Sie hatte soviel Schmetter- lingshaftes und glaubte zum Schluft nicht mehr an seine Kunst. Zugeständnisse machte er nicht. Und dann trennten sie sich.
Cie nahm das K.nd, das Mädchen die gesamte Wohnungseinrichtung, und gab fleiftig Musikunterricht. Er nahm seine paar Sachen und zog in ein billiges Loch, irgendwo brauften. vor Der CtaDt. Und nun fing er an wie ein Wütender zu schaffen. Er zersetzte sich vor lauter Arbeit. Die Arbeit, Die ganze Derserkerei mit Der Farbe, hielt ihn aufrecht. Als ich ihn vor zwei Jahren besuchte, in seinem durcheinandrrgeworfenen Atelier. kam er mir wie ein Irrer entgegen. Er wühlte in feinen Zeichnungen und "Bilberbergen wie ein Geiziger in feinem Gold. Zuletzt erfuhr ich. baft feine Frau das K.nd von ihm fernhalte. Er muhte fortgeletzt einen Rechtsanwalt in Bewegung setzen. Wenn Dann feine Tochter zu ihm komme. Dann sänge fie ihm vor ftunbenlang immer Dasselbe Lied Ein kleines, einfältige« Lied Wer bei ihrem Singen kämen ihm die schönsten Ideen. Immer da« eine schlichte Lied. Man könne nicht begreifen, was so ein Lied für Kräfte habe. Und Dann sprach er über hie Menschen, als lehe er sie durch einen krummen Spiegel. Schlieftlich hatte ich bie Empfindung, daft er mich loswerben wollte Ich ging bann bald und horte jahrelang nichts mehr von ihm.
In der vergangenen Woche erhielt ich eine gewöhnliche Postkarte mit einer zarten, überlangen Kinderhandschrist: Er war tot Ganz sachlich
de« Sultan«. Der auf wetstem 'JMcrbe reitet wird ein herrl cher Schirm da» Zeichen feiner Würde, getragen Dir Groftvesir und alle die Würdenträger bei Hose» nehmen im Thronlaal Aufstellung, und schlieftlich .rlcheinen auch der französische Genera Ire '■ ibent und Die Generäle, sowie Die fremden Diplomaten um den Beherrscher Der Gläubigen zu beglückwünschen Ter junge Kacker bedankt sich be. Frankreich für den Schutz und bekräftigt dadurch auch für die Zeit feiner Regierung da» Va'a.len.'erhältni».
G» ist noch gar nicht lange her da erhoben sich gegen einen Den Europäern ge'üg.gen Sultan heilige Rvghi«. die da» Land durchzogen unD im Rainen Allah» die Absetzung de» Herrschers forderten. 1933 predigte ein Roghi, der fich ..Baier der Eselin" nannte, den heiligen Krieg gegen Add el ,Az>». dessen Thron in Fez fehr in« Wanken geriet und der wohl auch gestürzt worden wäre, wenn der Roahi n cht die Unvorsichtigkeit begangen hätte, f ch aus französische» Gebiet zu wagen. Der R-ghi Du Ha rna ra. Vater Der Eselin, wurde fplieftl ch gefangen und in enem eisernen Käfig nach Fez gebracht AI« abschreckende» Beispiel für zukünftige Rebellen lieft man Den Käfig an Den Stadtmauern au'hängen und Der Roghi muftte langsam in Der Sonnenglut verhungern Seit Der militärischen Besetzung durch Frankreich s.nd int Bled Machten ib. h. im Teile de» Sultanat«. Der unter Der direkten Herrschaft des Sultan» steht) keine Aufstände gegen Den Sultan möglich, aber im Bled el S' ba d h in Den Gegenden wo Die Herrschaft des Sultan» nur eine nominelle, wi« z. B im Rif, in Den Aus- läufetn Der S.ibara unD des Allas. Dort wo Die Stammeshäuptling« noch nach Gutdünken schalten und walten, und wohin Die Hand Der Franzosen nicht reicht. Da herrfchen noch dieselben Sitten und Gebräuche, wie vor 100 Jahren. In Marokko eröffnet fich Dem Fremden eine Welt von Blut und Pracht, von Poesie und Wirklichkeit, eine Welt, die ganz ander» ist al» das überzivtlisierte Europa, und Die trotz Der ZeitwenDe Da» alte Wunderland der Omajaben geblieben ist.
Oberheffen.
Landkreis 6#icf$cn.
ck. Heuchelheim. 15.3an. Am Samstag hielt Der Sportverein 1 920 im Saal« „Zum Treppchen" sein diesjährig«« W i n t e r s c st ab. Bei gut besetztem Saal nahm Di« Vortragsfolge einen flotten Verlauf. E.nige huinoristifche Terzette unD Duette, fowie Die muftkalifchen Tart- bietungen von MitglieDern Der Kapelle K r enge I, Gießen, wurden mit reichem Beifall ausgenommen. Ein flotter Tanz hielt anschlieftend Die Anwesenden noch manche StunDe in srohiicher Stimmung beisammen. — Der Turnverein Heuchelheim e. D. hielt am Samstagabend eine Versammlung derjenigen Mitglieder ab. die sich finanziell durch Zeichnung von Anteilscheinen an der Erbauung der Turnhalle beteiligt haben. Auf Grund eine« früher gelaftten Delchlufse« haben nur diese Mitglieder in der Verwaltung Der Turnhalle mitzubestimmen. 3n Der Versammlung wurden Die neu aufgestellten Statuten beraten unD mit kleinen Aenderun- aen angenommen. Laut dieser Statuten unterliegt Die Verwaltung der Turnhalle einem von Der Versammlung gewählten Verwaltung saus- schuft. Innerhalb Diese- Derwaltungsautschulfe« besteht ein au« Drei Personen zusammengesetzter gefchästSführender Ausschuft Iede^ Jahr wird ein Drittel De« Verwaltungsausschusses neu gewählt. so Daft also jede« Mitglied mindesten« Drei Jahre in seinem Amte bleibt. Der Geschäftsbericht für Die beiden abgelaufenen Geschäftsjahre ergab ein sehr günstiges Bild
• Wieseck, 15. Ian. Die Silvesterfeier De» Turnverein« S.D. Wiefeck hat einen so guten Verlaus genommen, daft den Anregungen verschiedener Mitglieder zufolge in Der Ianuar- versammlung Der Be<ch!uft gefaftt wurde, die Operette .Frühling am Rhein" im Rahmen eines weiteren Programm- noch-
wurde mir Die Zeit Der Einäscherung und Da« zuständige Krematorium bezeichnet Hch wollte sehen, wie er in Die Flamme fuhr, und ging hin. Kam zu früh, sah auS meiner verichatteten Ecke heraus wie eine Frau, unter Blumen, Gelang, Andacht und Tränen, in Die Tiefe fank. Dann leerte sich Die Halle, und ich war allein. Doch ehe ich mich umsah. hob sich plötzlich au» Der Tiefe ein Sarg; schwarz, schmucklos und billig. Der Sarg wirkte erschreckend in seiner Armut und seiner plötzlichen Gegenwart Da hörte ich brauften seinen Hamen rufen unD wartete auf Die LeiD- tragenben. — •*-
Unb nun trat sie herein, feine Tochter. Sin Schulmädchen noch. In einen leichten, schwarzen Sommermantel mit einem Knmmerlragen Daraus. Ja, wa« so ein Krimmerkragen gleich auSmacht! Er kann sogar reich wirken. In Den Händen trug sie. sestgekrampft. einen kleinen Veilchen- ftrauft. Unö merkwürdig: Sie trug keinen Hut. Es sah so au«, als ob fie von daheim, wie gehetzt, hierhergelaufen fei. — —
Sie blieb in Der Mitte Der Halle stehen und lab mit erfchrocken graften Augen, auf den Ar- menfarg hin, dann plötzlich, wie von einem tiefen Mitleid ersaht, ging fie auf den ©arg zu. strich mit Den blaugefrorenen HänDen einmal liebkosend Darüber hin unD legte in Die Sargmitte Den billigen Veilchenftrauft
UnD nun fühlte ich. rein körperlich wie das Mädchen, feine Tochter, nachdachte Sie suchte etwas in ihren Gedanken zusammen. Sie krampfte Die Finger ineinander, strich sich die Haare au« Der Stirn, trat verlegen von einem Fuh auf Den anDern. krampfte Die Finger wieder zusammen und fing an zu fingen, ganz hell, mit bebender Innigkeit. Ein Lied wie Abschied: „2file Tage ist kein Sonntag, alle Tag" gibt » keinen Wein. Tiber Du sollst alle Tage recht lieb mit mir fein. UnD wenn ich mal tot bin, sollst Du Denken an mich Auch am TlbenD eh Du einfchläfst aber weinen Darfst Du nicht."--UnD Dabei lächelte
fie. unD Dabei fielen ihr Die Tränen aus Den Augen.
Sie fang Da» Lied noch einmal, fie fang es ein drittes Mal. und als sie beim vierten Male in Der Mitte Des LiedeS war, senkte sich Der Sarg. Eine zwei SefunDen stutzte fie. Dann fang fie schneller. Dann reDete sie Das LieD zu Ende fiel in Die Knie unD faft Da wie ein erschrockener Vogel. Dem Das LieD genommen tourDe. — — Er aber fuhr stumm in Die grofte Flamme.


