Ausgabe 
16.1.1928
 
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Aus der Provinzialhauptfiadt.

Dießen, den 16. Januar 1928

Dozenten Jubiläum

-es Seheimerats Prof. Dr Behaghel.

Deheimerat ®rofr<for Dr. phü. Dr. jur. h. c. Ctio Behaghel blickt am heutigen 16. Januar auf eint 50jährige Dozententäligkeit zu­rück P'.rffi lettene Jubiläum erhält einen befan­deren Glan- dadurch daß zugleich die 40jLH- rtge Zugehörigkeit des Jubilars -um Lehrkörper der Landesuntver- 1 i t d t gefeiert wird Otto Beha gbel al# hervorragenden Gelehrten, als bedeutendes Mit­glied unterer Universität deren Geschicke er nicht weniger als dreimal als JUftor lenkte, als tä­tigen Förderer des wtstenjchastlichcn Lebens un­serer Stadt und Hellens überhaupt zu würdigen, wurde vor nicht langer Zeit hier Gelegengei» genommen. Der besonderen Bed.u'una de« heu­tigen Taget entbrechend fei mit wenig Worten feiner Wirkung als Dozent, als Lehrer der akademischen Jugend gedacht

40 Jahre Profettor der Germanistik in Gießen, man vergegenwärtige sich was das betagte nicht weniger, als daß so gut wie alle Lehrer, die heute an bettiicheü ßohev v Lehranstalten den Deutschunterricht erteilen durch Otto Behaghels Schule gegangen hnb; daß sic von ihm das wissen Ichaf Nicht Rüstzeug c-mpfanaen haben, danken ihm aber über Hellen«. ie über Deutsch­lands und Europas Grenzen hinaus zahlreiche Schüler, die mit Bewunderung und Ergebenheit an die reichen Stunden -uvackdenken. in denen s»c au Otto vehaahels Mützen gesessen. Le­bendigkeit und Frische sind die hervorraaenden Etgenschaften des Lehrers 7)ehaghe!. die sich ganz besonders In leinen Oeminantbur.gen gel­tend machen, in denen ?r frei von Konzept und Buch auf immer neuen, reizvollen Degen seine Zuhörer mit sich zieht, die .Borlesung- selbst wird oft genug zum Kolloquium, zur .Hebung Behagyel gehört nicht zu denen, die das Lehren als lästige Zugabe, als Störung ihrer stillen Forscherlaligleit entpsinden. 8r. der wahrlich ein großer und nie rastender Forscher bat er doch im legten Jahre drei um­fangreiche Werke vollendet oder bis zum nahen Abschluß gefördert bekennt oft und mit be­sonderem Rachdruck. daß er ohne Lehrtätig- kett nicht sein möchte. Sie befruchtet ihm seine Forschertätigkeit und fährt ihn an neue Fragen und Ausgaben heran. 11 nb umgekehrt spürt man in jeder Stunde des Lehrers den uncnnüb- ttchen Forscher, der sich nie als Fertiger suhlt, immer weiter strebt, stets in eigenen Arbeiten steckt und andere an ihren Fruchten und Freuden teilnehmen läßt. 11 r > obwohl zu allen Zeiten mit eigener Arbeit mehr als genug belastet, ist er doch stets bereit, sich In die Probleme an­derer zu vertie'en, ihren Gedankengängen nach- iusolgen. zu raten und zu Hellen. Wer je an einem Seminar teilnehmen durfte, dem wird in leier Erinnerung sein, wie er an manchem Samstagvormittag Arbeit um Arbeit der 9ra- menskanoidaten - und viele hundert solcher Arbetten müssen In den 40 Jahren Otto Behaghel zur Beurteilung vorgelcaen haben besprach, würdigte, aburtcllle. veroelserle. und mit immer neuer Bewunderung erlebte man. wie er auch dem trostlofrsten StofswuTl Gesichtspunkte ab» zugewinnen, der verfahrensten Leistung noch 8r- gct'Nisse abzurmgen wußte. Im persönlichen Der- kehr unbefangen und ronirteilÄfrci, jeder Frage zugänglich, ist er stets jung mit den Jungen aewesen und bis heute jung geblieben, Woge Der Gelehrte und Forscher, der Lehrer und warmherzige Mensch noch viele Jahre der Gießener akademischen Jugend erhalten bleiben. Die Verkehrsregelung im Gelterstveg war am Samütagabend Gegenstand einer er­neuten eingehenden Beratung der Selters- weaer-Vereinigung die sich Im Hotel .Prinz Earl" versammelt hatte. Don den Herren Der Sechs er-Deputation, die in einer früheren Dersammlung der Vereinigung bestimmt worden war, mit der Stadtverwaltung und dem Polizei- amt über eine Abänderung der jetzigen Verkehrsregelung zu verhandeln, wurde zunächst Bericht erstattet Man konnte daraus entnehmen, daß die Deputation von beiden Amts­stellen zwar in sreundlicher Weise empfangen worden ist ihr auch eine wohlwollende Gr- waguirg der vorgebrachten Wünsche zugesagt wurde, bis heute aber alles noch unverändert in der allen Weise fortdesteht. Dieses Sraebnis wurde von der Dersammlung mit starkem Unmut sestgestellt Wan erblickt darin eine Dernach- lättigung der berechtigten Interessen und Der- kehrswünsche der Anwohner, insbesondere der Geschäftswelt des vetter?w:ges. von denen aber dennoch die Steuern unbeschadet geschäftlicher Rachteile in voller Höhe erhoben würden Die Aussprache über den Bericht der Deputation und über die weiterhin au unternehmenben Schritte sand ihren Riederschlag in dem Be­schluß. die Bemühungen um eine Abänderung der jetzigen VerdebrSvorfchristen unter keinen Umständen einzustellen. Ss soll vielmehr m Eingaben an die Stadtverwaltung, sämtliche Mitglieder des Stadtparlamen- t c S und an das Polizeiamt die Forderung erhoben werden nicht nur die jetzige Sinbahn- rege l u n g schleunigst Au beseitigen, sondern von einem Ginbahnverkehr im Selter » weg überhaupt abzufeßen. da bei einer solchen Regelung schon gegenwärtig die größten MißheNigkeiten im 3u&rto:t!2rerfahr der Selterswegxschälte unter sich zutage treten wofür man in der Aussprache geradezu gro» teske Beispiele anführte, die von den Anwohn:rn als schikanös empfunden werden. diese in Zukunft bei einer anderen Einbahnregelung aber auch bestehen bleiben. Man steh: auf dem Stand­punkte. baß die beste BerkehrSrcgelung darin au erblicken sei, den Kraftfahrzeng- und FuhrwerkSverkehr für einige Stunden deS Tages, etwa von 11 bi# 1 Uhr mittags und von 4.30 bi« 6.30 Uhr abends, auf dem Sel tersveg über­haupt zu sperren, in den übrigen !aaesst unden aber den Berkebr bzr Autos. KroTtfahrrSder. Fuhrwerke ulw in beiden Dichtungen sich völlig srei abfpielcn *u lassen. Durch eine solche Regelung werde >i« erforderliche Rücksichtnahme auf dir Fuh- Jänger in der Zeit des stärk'ten Verkehrs grübt. M übrigen aber auch den Interessen der Ge- 'chäftSweli in einer Weife Rechnung getragen, nit der sich die Ladeninhaber zufrieden geben Süthen. Diese Regelung sollte Don den Behörden fv rasch wie möglich an die S elle der I

jetzigen nachteiligen und unhaltbaren Verkehrs- g gefetzt werden, dann werd« dieser 3toit zwilchen Den Behörden und den Anwohnern des Seltcrsweges aus der Welt geschallt sein.

Diese Stellungnahme der Selterswegrr^Bereini- gung zugunsten einer täglichen stunden­weisen Sperre fftr den Fährverkehr im Seltersweg unter Ablehnung aller Ginbahnregelungen deckt sich 66111a mit dem Standpunkt, den wir in bieer Angelegen­heit von Ansang an als den richtigen und für ' naren vertreten haben Wir

i daher auch unsererseits den beteiligten- behördlichen Stellen und dem Stabtparlament empfehlen, ungesäumt die feinerzeit nur in einer enhett befehle lene Ginbahn- urbnung auszubeben und an deren Stelle d i e Regelung zu fetzen, die jetzt auch von den SelterSweganwchncm als die beste Lösung des Problems angesehen wird Die Zeit zu einer Revision des damaligen Beschlusses erscheint uns gekommen, da ma:-. -

stellen müssen, daß die Klage i der Sellersweg- Geschästsleute und der übrigen Anwohner diefer Straße über die Ginbahnregelung sehr begründet sind. Je rascher hier eine durchgreifende Aenderung erfolgt, desto bester wird es sür das Einvernehmen Kwischcn Behörden und Bür­gerschaft und für die ungestörte Aufwärfsent- wickfung der Geschäfte am Seltersweg sein.

Wichtige Erweiterung des Zwischen- handelsprivilegs bei der Umsatzsteuer.

Rach der bisherigen Rcchtivrechung wurde die Befreiung des reinen Handel# nach r; 7 des Urnsatzsteuergefetzes nicht anerkannt, wenn der Zwischenhändler die Ware selbst oder durch eigene Angestellte dem Kunden zuführte. Run- rnehr hat. wie der Hansa-Bund sür Handel. Gewerbe und Industrie mitteilt, der große Se­nat des Relchsfinan^hos.s m einer Entscheidung vom 17 Dezember 1927 einen vollständigen neuen Rechtsfatz ausgestellt. Bei der Wwicllung meh­rerer von verschiedenen Unternehmern über die­selben Gegenstänhe gleicher Art abgeschlostener Umsatzsteuergeschäsle werden die Lieferungen eines Unternehmers nicht schon dadurch um- satzfteuerpslichtig. daß er ausschließlich zum Zwecke der Beförderung den unmntelbarrn Be- fitz an den Gegenständen erwirbt und überträgt. Auf Grund dieser wichtigen Entscheidung find alle Gros Handelsumsätze umsatzsteuerlrei, wenn die Ware, ohne auf daS Lager genommen zu Werben, jedoch mit eigenen Angestellten und eigenen Transportmitteln dem Kunden zugeführt wirb. Der Hansa-Bund macht darauf aufmerk­sam. daß diese neueste hur Steuerpflichtigen flünftige Rechtsprechung insoweit rückwirkende Krast Hal. als noch keine endgültige T>« ran- zur Umsatzsteuer rechtskräftig erfolgt ist. Da die Veranlagung bis für 1926 einschließlich durchweg erfolgt ist. gewinnt die Qicuerung eril- malifl Bedeutung für die bis ;inn 15. Februar 1923 abzugebende Umsatzsteuer-Erklärung für 1927. für die also fchon die Umsatzsteuerfreiheit für die Umsätze ün obigen 6inne verlangt werden kann. DaS Reichsfinanzmintsterium wird die Finanzämter baldigst durch einen Erlaß auf die veränderte Rechtslage und deren rückwirkende Bedeutung auf noch nicht rechtskräftig veran- tagte Umsätze Hinweisen.

toten für Dienstag, den 17. Januar

Sonnenaufgang 7.58 Uhr, Sonnenuntergang 16.22 Uhr. IRonboufgang 2.49 Uhr, Monduntergang 12.1« Uhr. 1708: Der Staatsmann und SdjriitfteUer Benjamin Franklin In Boston geboren (gestorben 1790); 1749: der italienische Dichter Graf Bittorio Alfieri in Asli geboren (gehören 1803); I V2: her Politiker Ludwig Windhorst in Osterkoppeln geboren (gestorben 1891).

Bornotizen.

TageSka lender für Montag. Lichtspielhaus Bahnhofstraße: ..Ein Heidenschick, sal Debdigen". -- Astoria-Lichtspiele: ..Drei mal Dreizehn".

Aus dem Sladttheaterbureau wird uns geschrieben: Die morgige Abonnement­vorstellung bringt in GogoiS. .Revisor" eine# der dramatischen Standardwerke der Weltlitera­tur. Auf diese Dorstellung sei au# verschiedenen Gründen besonders hingewiesen. Einmal darf die köstliche Geschichte von dem falschen Revisor, so wie sie Gogol gestaltet hat. den Anfpruch erheben, stets und überall aktuell zu fein. Sodann hat sich eine sehr günstige Besetzung ermöglichen lassen, da auch in den Episodenrollen erste Kräfte mitwirken. Weiter war Gelegenheit, die Aus- führung auf daS sorgfältigste vorzubereiten. so baß eine in jeder Beziehung abgerundete und interessante Vorstellung in Aussicht steht. Die Spielleitung liegt in den Händen des Herrn Karl V o l ck.

- Straßensperre. Das Polizeiamt teilt mit: Wegen Vornahme von Hausanschlußarbeiten wirb bie Brandgasse zwischen Walltorstraße und Landgraf-Philipp-Platz und der Leihgesterner Weg zwischen 'Rodhohl und An der Warle auf die Dauer von etwa 14 lagen gesperrt.

Dieder ange langt. Der vor einigen Tagen von der Polizei als vermißt gemalbete QMdcT Friedrich Kohl, llcuentoeq wohnhaft, ist jetzt wieder hier eingetragen, ör hat s.ch nach feinen Angaben in der Zwischenzeit in Fravck- Uirt a. M carsgehatt^r.

- ©auiutnlag. Die vir hören, findet der Gautumtag unseres Heimatgaues Hessen der Deutschen Tumerschaft am 11. März im Katho- liechen Vereinshau# dahier statt Rach den Er­fahrungen der letzten Jahre ist anzunehmen, daß an diesem läge wieder nahezu 200 Turner­vertreter aus Obcrhellen und den zum Gau zählenden vreußttchen Gebietsteilen sich in un­serer Stadt ein Stelldichein geben werden Die Teilnehmcrzahl an dem Deutschen Turnfest in Köln aus den Vereinen des Turngaurs Hessen beträgt nach den jetzt aus 21 Vereinen vor­liegenden Meldungen schon etwa 500. so daß ziemlich bestimmt mit einem Sonderzug von Gießen aus gerechnet werden kann.

A u s falschem Wege. Eine denkwürdige eonntagsüberraidiung hätte gestern eine Äeakr-tSe- scllfchatt au» tbiefeef, die sich mit einem Autobus bet Wiejeck AUen-Buiecker Zwetfr'crbandes zu einem Delegiertentag nach Wißmar begehen hatte, bei­nah. auf ber abendlichen Heimsohn erlebt Der Muiolenfer war jeber.foü» in ber dlurgeograpbie ber Launsbacyer (Bemarfung nidit ganz lapüdjeft und fienet auf ber Fahri nach Wieieck mit k-nem volld ctztcn Geführt coin rechten Wege ab in einen int- warls führenden Feldweg, ber tur Lahn führt Etwa 40 bis 50 Meter vom Lahnufer entfernt

wurde NeTerirrvng bemerkt, der Wogen lofnrt gestoppt, und nunmehr hieß e». rückwärts marsch. Dieter Kückzug non dem nassen Feind war aber nicht gerade leicht; et gelang aber boch mit Hilfe eines oorgesvannirn Butdogg, der den Autobus liebevoll in c<4lepriau nahm, mohrrnb ein herbei geholter anderer Dlesecker Autobus seinen oerimen Kollegen imb dessen nefer Cfcht (pendele Al» man glücklich wieder aus dem rechten Dege mar und hier leiten JSuh gesoßt hatte ging die Heimiahn ber beiben Die«ecker Auto» nun auf Um­wegen ohne wertere..Seittnlprungt" vor sich.

Gine größere Feuerwehrübung fand gestern mittag Im Rahmen des liier statt- gehabten Feuerwehrkommondantenkur uS' an dem Gebäude der Schillerfchule statt. Die Uebung

in vlanmäß.oer Weile Zu dem interdlanten Vorgang batte sich na­türlich wieder eine ziemlich große Zuschauer- menge eingesunden.

Jubiläumsfeier be# Gießener Schachklubs Ostern blefc# Jahres begeb« der Derein. der einer der ältesten in Deutsch- land ist. das Fest seines tOjü^ngen Bestehens. Gs ist. wie uns mitgeteNi wird, geplant, bi« Feier dieses seltenen Festes über den Rahmen der üblichen Festlichkeiten hinaus so zu gestalten, baß sie die Aufmerksamkeit der breitesten Oe'- sentlichkeit auf sich lenkt Reben der Austragung der Meisterschaft für Hefsen soll daher mit dem Fest ein M e l st e t t u r n i e r verbunden werden, pu dem fcchs der bedeutendsten Schach­meister cingeladen werden sollen. Da ein solches Turnier in allen größeren Zeitungen des In- unb Auslandes angekünd.gt w.rd und tue Gr- gebniP« eines jeden Spieltage# unter der Heber» schritt ..Meifterlcha tZtumier in Gießen" in den Zeitunaen verössentlichr werden, so wird da­durch der HarneGießen' in alle Welt ge­tragen und bekannt gemacht. Auch in anderen Städten find deshalb schon 'olche Turnier« mit Erfolg veranstaltet worden. DaS Gelingen des Planes liegt daher auch im Interesse der Stabt selbst? In Würdigung dieses Umstan­des haben ueshalv die Stadtverwaltung und der D rkehrsverein ihre Unterstützung zugelagt. Weitere Brihille zu den bedeutenden Kosten «hohe Preise) erhosst man aus den Ärei­fen der Bürgerschaft, di« mit Rücksicht aus die dem öemelxttoefrx erwach'enden Vor­teile auch Ln diesem Falle nicht ver'agen möge. Rähere Mitteilungen ivlgen In nächster Zett.

Helst Bethel! Unserer heutigen Nummer liegt em Aufruf br» Pastor» o. Bobel'chwingh, des Leiter» der bekannten Anstatt in Bethel bei Bielefeld, bet. Seit den Zeilen de» alten Cater» v. Bodelschwingh hat die Anstatt sich nicht nur her Epileptischen angenommen, sondern auch der Not der Brüder von der Landstraße. Don Bethel ging der Anstoß zur Gründung von Arbetterkolanien aus, in denen im Lause der Jahre Aunbertlaufenbe Unter- tunst gefunden haben. Aus Der Wüste, in ber oor drei Jahrzehnten die Arbcitcrkolonie Wilhelmsdorf bei Bethel, die erste ihrer Art, angelegt wurde, ist heute ein. blühender ©arten geworden. Die Anstatt hat jetzt eine neue große Fläche von Oedlanb ge­kauft, um auch diese mit Hilfe ber Obbachlosen unb Erwerbslosen in Äulturlonb umzuwanbeln. Eine be- sonbere Note erhält diese neue Arbeit dadurch, daß man jugendliche Erwerbslose zu diesen Arbeiten mit heran lieben will, um solchen, bie etwa später He­beln wollen, eine Schulung bazu zu vermitteln. Der größte Teil des zu kultivierenden Landes soll nach ber Urbarmachung zu Bauern- ober Kleinsiedlungen verwandt werben. Nähere» darüber ist au» dem bei- gefügten Ausrus zu ersehen, ben wir unseren Lesern Drmgenb empfehlen.

Auftrieb auf dem heutigen Frankfurter S ch l a ch t o t eh m a r k t: 315 Och'en, 64 Dullen, 724 Kühe. 375 Färsen. 543 Kälber. 156 Schale. 6290 Schweine.

Amtsgericht Gießen.

* Gießen. 10. Ion. Gin Raturheilkundiger hatte sich des Titels .Homöopath" bedient. Rach der geltenden Rcchtlprechung ist die# ein arztähnlicher Titel, durch den der Glauben er­weckt wird, der Inhaber sei eine geprüfte Medi­zinalperson. Gegen einen Strafbefehl hatte der Angeklagte Einspruch eingelegt und bestritten, daß der Titel .Homöopath" diefe VorauSfeyun- gen erfülle! Der Richter verurteilte jedoch insoweit zu einer Geldstrafe von 2 5 W L, alS der Angeklagte ben Titel ohne jeden weiteren Zusatz gebraucht hat, der erkennen läßt, daß cS sich nicht um eine geprüfte Medizlnalprrson handelt. Für nichtstrafbar wurde c# angesehen, wenn der Angeklagte sich .Homöopath und Raturhcilkun- diger" nannte, oder wenn seine Rezepte den Der- merk trugen: .Praxis für Homöopathie und Raturheilkunde'V Tie Frage wird endgültig vor­aussichtlich von höheren Instanzen zu entscheiden sein.

Eine Geldstrafe von 20 M k. erhielt ein wegen ähnlicher Delikte bereit# bestrafter Ange­klagter. der auf der Straße in betrunkenem Zu­stand Pasfanten belästigt hatte.

Eine Hauseigen.ümkrin hatte einen Strafbefehl auf 30 Mk. erhalten weil fie Baufchäden im Hinterhaus nicht beseitigt hatte, obgleich sie von der Daupoltzeibehörde dazu aulgeiorbert war. Ihr Einspruch hatte nur den Orfolg. bah die Strafe auf 10 D k. herunter gefegt wurde Die betreffende Wrbnung ist Dermtelct. Gs müssen zunächst zwei Ztmrnrr geräumt werden. Wegen Der Urte?Teilung der Möbel hatte öie Ange- llagte mit gewissen Schwierigketten zu kämpfen, die jedoch nicht ihren Freispruch begründen konnten.

Gin Landmetzger erhielt eine Gelßst rase von 6 M k. wett er In seinem Lchlachtraum Gegenstände stehen hatte leine Waschbütte unb «inen Korb), die nichts mit dem Schlachtbetrieb zu tun hatten. C# ist die# strafbar.

Zwei Handwerker waren verurteilt worden, weil sie einem Fachgenosscn au# Gelchäft#neib nachts in dessen Hosraum auf gelauert unb ihn verhauen hatten. Der eine ber beiden hatte daraufhin gegen ben Verletzten Anzeige wegen Meineids erstattet. Er behauptete, beide Täter seien überhaupt nicht im Hof gewesen, sie hätten nur davorgestanden. Geschlagen sei überhaupt nicht Vörden. Das MeineidSversahren gegen den Fachgeno'sen wurde eingestellt, hingegen gegen ben Anzeigenbcn ein Verfahren wegen wissentlich falscher Anschulbtgung eingeleitef. Auch in der Hauptverhandlung blieb der Angeklagte bei seiner Behauptung, der Fachgenos'e habe einen Meineid geleistet Es stellt sich jedoch, und zwar nachdenr der Borprvzeß zwei Instanzen befchästigt hatte, »um drittenmal heraus, daß ber Vor?all sich To abge'pielt hatte wie ber Verletzt' ihn schildert. Lediglich mit Rücklicht darauf, daß der Angeklagte

Tonst noch nicht vorbestralt war. wurde davon abgesehen, ihn le «ine Gesänan.Sstraf« zu ver­urteilen. die In Hl he von einem Monat als Mlnbestftrase vorges.-hen Ist. Der Richter erkannte aus etnt ®el hfl rate von 1 50 M k. Im Falle ber Nnelnbr ngttchk'. t 1 Mcnat Gefängnis.

Gin Viehhändler war betchuldigt. einen Bahn­beamten beleidigt zu haben. Gs wurde, vorbe­haltlich ber Einwilligung der Retchsbahnbirektion. ein Vergleich dahin gefchlvTTen. daß ber Ange­klagte die Beleidigungen zurücknimmk, olle Kosten trügt unb an ben Gilenbahntbchterßvrt ein« Buße von 20 Wk. zahlt

* Gießen 10.3an. Gin Eisenbahnbeamler Sch aus Wieseck hat einen M.'.chdänb'.er H von hort wegen Beleidigung <«ln«r Ghelrau verllagt. GS handelt sich wieder einmal um e r.e der lefjt leider so Mutigen Streingkeiten zwischen Mieter und Vermieter. An'Üngl.ch standen die 'Parteien gut miteinander, später gab es Mißhelllakeiten wegen des Gebrauchs der Waschküchr H bauptete. Frau Sch sei zu deren PenutumQ mchl berechtigt unb uiuersagie ihr b «s. Als sie in seiner Ab wes enhett sie trotzdem benutzte, an­geblich mit Zustimmung der Mutter des H. geriet dieser nach seiner Rückkehr tn große dr- regung. belegte sie mit verschiedenen beleidiaen- den Ausdrücken, stieß ihr mit einem St raßen- beten nach kern Kops und riegelte schließlich, all sie bie Waschküche nicht verließ, deren Türe zu und stellte die Wasserleitung ab Au# der Waschküche 'ühn eine zweite Türe nach dem Hvlzstall des PrivatNSgers, die jedoch angebllch verkeilt war. Bald daraus ölsnete H. die Türe wieder, packte die Frau Sch. mit Heiden Händen an der Drust unb wars sie unter beleidigenden Ausdrücken zur Türe hinaus. H. behauptet, es sei n'cht alles wahr, wa# Frau Sch. angegeben hak" feien gegenfclHg beleidigende Aeuße- rungen gefallen, tätlich angegriffen habe er sie nicht. Trotzdem er d e Frau Sch für unglaub­würdig erklärte, schenkte da# Gericht ihren be­eidigten Aussagen vollen Glauben und ver­urteilte ben Angeklagten H. wegen wörtlicher unb tätlicher Beleidigung zu einer Geldstrase von 15 Mark.

Eine Lebensversicherungs-Gesellschasl In Frank- furt a. M. schrieb einem biesipen Kaufmann Z., ihr Agent A habe ihr mltgclcill, Z. habe lernt Prämieiircchnung nicht voll ei..gelost, sondern einen Teil als geschü'tliche Fveberung an A einbehatten. Dies sei nicht angängig. Z. ant­wortete daraus, er habe mit A. ordnungsmäßig abgerechnet. Er werde, salls A. wegen dieser Sache nochmals moniere, die Anaclegenb<it der SlaatSanwallschast übergeben, nachdem sie schon längst dafür reif fei. A. erhob daraufhin Privat- klage gegen Z. wegen Beleidigung. Diese wurde heult dahin verglichen, daß A. an Z ein ihm von diesem semerzeit übergebene# Faß Oel im Original zurückgibt, und daß Z. an 21. als­dann 100 Mk. zahlt. Damit sind alle Ansprüche zwischen den Parteien erledigt. Jeder Teil trägt bie auf seiner Seite erwachsenen Kosten.

60 Jahre Taunusllub.

Lpb. F r a n k s u r t a. M., 15. Jan. In ben seit­lich geschmückten Räumen des Palmengüriens fand am Sonntagvormittag eine akabemtfch« Feier als Ginleitung einer Reihe weiterer 'Festlich­keiten zu dem 60jährigen Bestehen beS TaunuSklubS statt. DaS heutige Jubi­läum ist um so bedeutsamer, als man aus Anlaß des fünszigjährtgen Bestehens vor zehn Jahren von großerccen Feierlichkeiten ber Kriegszeit toeaen Abstand nahm.

Oberbürgermeister Dr. Sandmann begrüßte bei Eröjsnung der Feierstunde die Teilnehmer namens der Stadl Frankfurt. Sr wies auf bie Bedeutung beS Klub- hin. ber feine Aufgabe, die Raturfchönheiten be» Waldes dem Groß- stübter zu erichlietzen. restlos erfüllt habe.

Rach weiteren Begrüßungsansprachen, bie ins­besondere auch den zahlreichen behördlichen Ver­tretern des Taunurgebiete« galten, hielt der Vorsitzende des Launusklubs Zimmermann die. Festrede, wobei er zunächst der im Welt­krieg gefallenen 168 Mitglieder gedachte. Rach einer Skizzierung ber Entwicklung bes Xaunuv- klubs fand bie Ehrung von 368 Mit» gliebern für 25 bis sHührige Zugehörigkeit zum Klub statt.

Hieran schloß sich eine außerordentlich große Zahl von Gratulationen ber Vehörben unb Wan­dervereine, sowie bie Weihe eine# von ben Frauen bes Klub# gestiftrlxn Banner». Musil- vorträge umrahmten die Feier, ber eine groß« Zahl Gäste beiwohnte.

Berliner Börse.

Berlin, 16. 3on. (WIB. Funkspruch.) Ohne neue nennemmertc Anregungen eröffnete die Woche in weiter ziemlich lustloser und wenig oeränberkr Haltung. Die Spekulation bleibt unter sich unb ist ohne einheitliche Tendenz. Eine aewisse Zurückhal­tung geht vom f9elbmarlt au», dessen Writerentwick- lung undurchsichtig ist. Sturle sind vorläufig noch nicht zu gören. Am Devisenmarkt hört man Pari» gegen London 124,02, Mailand 92,25, Madrid 2«,<5, Lon- hon gegen Reichsmark 1,1975.

rpvcchstunden der Redaktion.

12 bi» I Uhr mittag», 5 bi» 7 Uhr nachmittag» Samstag nachmittag geschloßen

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