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verwiesen.

(Schluß folgt)

6 Uhr Pause,

Viehhaltung unterwiesen. Mele haben aus dem Hause in Hubertushöhe bei Storkow i. Mark sofort Stellung bekommen. Unser Erfolg beruht auf der Diplomatie selbstloser Liebe, denn sie ist das Universal-Heilmittel für die ganze Mensch­heit.

Raden im See, Rudern, Lektüre ufw. ausfullen können, 7 Uhr Abendessen und darnach Musik­übungen, Handarbeiten usw. Um 10 Uhr Schlafen­gehen. 3m Winter wird erst um 7 Uhr auf- gestanden, wodurch sich die ganze Tagesord­nung etwas verschiebt Kleine Wochenzensuren geben Bericht über den Fortschritt der einzelnen Insassinnen. Sie werden in Stenographie, Schreibmaschine, Buchführung, Handelsbriefver­kehr, kaufmännisch Rechnen, Deutsch-Grammatik, Rahen und Wäsche flicken, Schneiderei, Frisieren und Maniküren, sowie in Gartenarbeit und Kleine

Oie Diplomatie der Liebe

Lon Hedwig Mangel.

stochen, alsdann hat er feine Fetten (4. Fall de* Einzahl) halt bekommen." Wenn die s e s Fett nun also auch nach allgemeiner Annahme dem Romanischen angehöri. das deS Fettnäpfchens ist zweifellos germanisch. muh schon darum ger­manisch sein, weil keine andere Sprache da- Mld vom Fettnäpfchentreten hat. In keiner an­deren Sprache sagt man von dem. der unacht­samer- oder tappischrrwei'e in einen fettge.ull- ten Tppf trat und sich dadurch den Groll deS Besitzers zuzog: er hat bei ihm ins Fettnäpfchen getreten. ES find bedeutungsglciche Bilder, dio alle einem tatsächlichen Dorgange ihr Dasein danken, wenn der Schweizer von einem, der durch unachtsames Tun die Gunst des anderen ver­wirkt. sagt:er hat bei ihm den Kübel um- gestoßen", wenn d.r Elsässer in gleicher Wci - das Oel bei jemand verschüttet" (sonst ein­fach:es bei jemand verschüttet"), wenn bei uns zu Lande einerins Fettnäpfchen getreten hat". s-

hämmer schlugen, spritzten Fladen von Flammen­sud. sprühten Lavafetzen, grell wie speiende Harpyen.

Metallisches Glitzern stieg im Feuerstamm, aus den Adern der Unterwelt ging flüssige- Erz in die Atmosphäre und verdampfte. Der Bauch der Erde entleerte sich. Die Schmelzflüsse brodelten aus dem alchemist schen Steinkessel. Immerzu schwemmten und rollten die Lavamassen über dte Flanke des Kegels. Sie fraßen in die düster überlohten Felb.r des Berges ihre brennenden Rinnen. Und es war ein Lärmen und Gespenster­toben wie Sirenengeheul einer satanischen Fabrik. Die rote, schreckliche Gewalt der Flcom- menorgle und lyr drohender 2lnblick erfüllten mein Herz mit Furcht und Bewunderung.

Mein Auge war gebannt von der Feuevmagie und Flammenphantastck der zerrissenen Mitter­nacht

Der Berg schrie tut Flammenschmerz. Seine Brust röstete, seine Lenden zernagte und verkohlte die wilde Lava. In seinen Eingeweide« wühlten die Donner. Er dröhnte, hämmerte, schoß und krachte. Strahlende Lichteffekte zerstäubten m 2stchenaluten. Weche Projektile trafen den Rächt- Himmel.

So ging es lang.

Dann senkte sich rostbrauner, dichter Aschenregen über die Schlünde und dir zerstörte Landschaft verzückte in fahler, geisterhafter Feuerdämme- rung...

das Laufen, Radfahren usw. ousgedrängt tohA. Also größeres Geschäft mit kleine­ren Ausgaben beim Ausbau der Straßenbahn.

Wenn mit Rücksicht darauf, daß dieser wichtig« Faden nicht ge.ponnen wurde (er hatte ein­fach gesponnen werden müssenil), rund 300 000 Mark in Form von Mehr­abnutzung der Au oJ, Gummi, Be riebsstofs. Stra­ßen usw. schl eßlich auf Kosten decGießen- Diesecker Bürger vergeudet werden. so muß unbedingt eine Prüfung der Schuld» frage bezüglich des Scheitern- der Der- handlungen mit Gießen in den Bordergrund rücken, anstatt freie auf den schwachen Füßen allgemeiner Bemerkungen und Gerüchte umher- schleichen au la,«en. Es sollte nicht heißen: .Hier Wieseckl Dort Gießen!"Gießen so! Wicseck Io!" es ist außerordentlich bedauerlich, daß dieser Standpunkt in der Bür. eroersammlung am 30. Rovembec vorherrschend war sondern:Wer trägt die Schuld, daß die Eießen-Wiesecker freie Llnanneh.nlichleiten und Berluste einfach erleiden müssen!?" Man kann den Zweckverband von seinem Standpunkte aus beglückwünschen, daß wie Herr Benner richtig sagte ein gütiges Ee'chick kam und diesen erlöste. Wenn nun aber der verhältnismäßig günstige Derkauf der Autobuslinie für 100 000 Mk. getätigt ist, so ist damit auch die Konzession ver­kauft. Das ist gleichladeutend damit, daß die Möglichkeit einer Erweiterung der Elektrischen für die nächsten fünf Iahre überhaupt genom­men ist D.e vielen Unannchmlichleitcn im Der- band mit dem unzulänglichen Berkehrsmittel dauert also entgegen dem allgemeinen Wunsche nach der Schienenverbindung mit der Stabt, fort Also große Enttäuschung, und so kommt eS. daß der Rus laut wird:Wen trifft die Schuld an dem Scheitern dieser Kern­frage?"

Wenn seinerzeit Gießen dm Dvrauäsetzun- gen und günstigen Umständen Halver unter allen Umständen kluge Polllö bzw. selbst­verständliche Poli ic treiben und mit allen Mitteln auf den Ausbau hatte hinaus arbeiten müssen, anstatt die Verhandlungen zu ver­schleppen, bann mußte Wieseck meiner !3n* sicht nach die Frage ml mehr Ruhe, Ueber- legung und Anhörung fachmännischem RatS prü­fen, ob es nicht doch leich er tragbar und vor allen Dingm der Zweckmäßiglci halber und mit Rücksicht auf die Steuerkrajt oeider Gemeinden unbedingt geboener erscheine, eine gewisse in Anbetracht des Unuanged des Verkehrs doch risilolose Gnran i: zu übernehmen, anstatt sich ungewöhnlich große.« Verpflichtungen auf- zuerlcgen durch Anschnf ung dieses, den Untftäiy* frm nach einfach zu ko'tspieligen Autobusse mit seinen unangenehmen Deglci erschttnungeaa. d rcn es eine große Anzahl si:d wie: Uazulänglichkeit, Unsicherhri, u gewöhnlichem S raße tverschl i), Fußgängcroelästigung. logische.w ise bri derar t- ger 'Bet riechsein ilellung auf tretende MNtrauens- aeruchte gegen die Lei ung und bamit verbundene Unzufriedenheit der Bürger usw. Autobus-Ab- nühung. Betriebsstoff, Gummi. Sttaßenverschl t- ßung usw stehen im Vergleich zum Aufwaich bei Erschließung des De.kehr-S durch dir Elek­trische im Deryäl ni; von 3 zu 1, wogegen die Einnahmen für letz.ere bestimmt weit höher wer­den. Der Wert der Anlage (Bahn! au) stellt ein bleibendes Vermögen für die Gern:irden dar.

Was die Bürgerversammlung an 33. Rooem- der anbetrifst, so erübrigt sich jede Diskussion, aus dem einfachen Grunde, daß es sich |a um weiter nichts handelte, als um die freudestrah­lende Mit eilung vollendeter Tatsachen des Zweckverbandes im Verein mit dem Orts- Vorstand, daß das gütige Geschick (der gu e Ver­kauf an den Kraftverkehr Hessen), die Gemeinde Wieseck von ihrem Soraenlito befreit hat An­gelegenheiten, wie dir hier vorliegenden, sollten Prinzip teil unter Anhörung der Bür­ger in Bürgerverfammlungen geregelt werden, welche durch den starken Besuch dieser Versamm­lung ihre Interessen an derar igen Aussprachen: gewiß bewiesen haben,- jedoch dürfen N:se nicht drei Iahre zu spät einberufen werden»

Gießen und Wieseck.'

Im Anschluß an unsere Artikel über die Straßenbahnfrage GießenW ie se ck erhalten wir von einem Wiesecker Einwohner die nachstehende Zuschrift:

Es liegt klar auf der Hand, daß das gegebene Verkehrsmittel für Gieße nW iefeck die elektrische Straßenbahn ist: eine Frage, die Schulkinder in diesem Sinne gelöst hätten. Einmal: den Umständen nach (kurze Strecke), laufendes Fahrbedürfnis, zweitens weil die Straßenbahnwagen sowieso längere Wartezeit am Wieecker Weg haben, innerhalb welcher bei­nahe nach Wieseck gefahren toerben könnte. Durch weiche Umstände verhältnismäßig geringe Mehr­ausgaben für den Betrieb dieser rund 100 000 Mark jährlich einbringenden Strecke notwendig sind: schätzungsweise höchstens die Hälfte der Einnahmen! Während die Elektrische den Der- kehrsbedürfnissen wirklich voll entsprechen und Infolgedessen auch im ganzen Umfange das Ge­schäft genießen kann, ist der AutobuS durch seine Ungeeignethett für diese kurze Strecke zur Unwirtschaftlichkeit bzw. Unren- Labilität von vornherein verurteilt. Mit einer Straßenbahn, die in kurzen Zeitabständen tags­über und mordens, mittags und abends mit Anhängewagen fahren und allen Ansprüchen gerecht werden kann, verwächst das. Publikum systematisch, während durch die UnauDerläf,Ig« feit, notgedrungene große Pausen (viS zu l1/« Stunden), zu wenig zur Verfügung stehende Wagen in Konjunkturstunden oder -tagen bei den Autobussen dem Publikum mehr oder weniger

manche den durch die Haft gefieigerten Frei­heitsdrang nicht verwinden können und liefen fort; aber die meisten kamen wieder, ihre Tor­heit einsehend.Das Tor der Hoffnung" bahnt in der Strafentlassungspflege neue Wege an. Die Aufenthaltsdauer der Schülerinnen ist un all­gemeinen auf 6 Monate berechnet.

In einem Fall gelang es, einem jungen in­telligenten Mädchen nach neunjähriger Gefäng- niSstrafe innerhalb einer Unterrichtszeit von nur zehn Wochen eine solche Förderung angedeihen zu lassen, daß sie eine Bureaustellung annehmen konnte. Dreiunbzwanzig meiner Schülerinnen sind in Stellungen gegangen. Zwei von ihnen zahlen jetzt Iahresmitgliedsbeiträge für die Hedwig. Wangel-Hilfe. Die Tagesordnung tmTor der Hoffnung" ist aufs genaueste eingeteilt und ganz der körperlichen und seelischen Ertüchtigung ge- widmet. Bor '/,7 Uhr früh heißt es aufftefjen, daran schließt sich eine halbe Stunde Freiübungen. Um 7 Uhr Frühstück, dann ordnen die Schülerin­nen ihre Zimmer, die HauSämter wechseln alle zehn Tage, von 8 bis 12 Uhr Unterricht mit Frühstückspause, 12 Uhr Mittagessen, von 1 bis 2 Uhr stille Stunde im Liegestuhl oder Spazier­gänge in der schönen Umgebung, von 2 biS * Unterricht. Schularbeit, um 4 Uhr Kaffee- von 6 bis 7 Uhr Freizeit, die sie mit im See, Rudern, Lektüre usw. ausfüllen

Trotz feiner scherzhaften Reden war mir un­heimlich zu Mute. Doch nie hatte ich einen Vulkanausbruch gesehen,

Hören Sie nur." rief der Pflanzer,toie die Affen plärrenI" Der Urwald schrillte und schallte. Die Affen schrien wie Babys. Auch Vogelstimmen lärmten, dazwischen Menschenrufe und Kinder - krähen.

Wir keuchten den Abhang empor, stolperten über Wurzeln und Steine die das Fackellicht beleuchtete. Da. mit einem Schlag, warf sich Fin­sternis auf uns, das vulkanische Feuer war in fein Höllenloch zurückgefallm. Die RaHtschwärze narrte die Augen. Wir tasteten- uns durch die Büsche. Ich stürzte über die Fallstricke der WurzelwUdnts und schlug mir das Knie blutig. Am Himmel hing der verachtete Mond mit bleichem Angstgef;cht.

Dann stob das Dunkel vor dem wiederauf­wogenden Feuerglanz weg, der düsterer aufflog. Heulendes Röhren rollte. Urtiere schienen zu brüllen. Tausendfaches Knattern knallte und zer­riß die Lüfte.

Die Hexenglut bespülte die Kuppe unseres Ber­ges. Auf herumliegenden Felsen ragten ein paar menschliche Gestalten empor, die lodernden Ge­sichts herausstarrten in die ungeheure wüste Esse. Ihr Anblick überfiel mich mit der Gewalt einer Vision. Sie standen wie unwirklich und verzaubert da. Das UrwcltgeheinrniS hatte ihre Stirnen mit Feuer bespien.

Ergriffen, beklommen, schwer atmend sah uh über das weite, tiefe Tal. in das sich der Wider­schein des Flammen! preis hineinwälzte. Der scharf geschnittene, em wenig abgefressene Kegel des Vulkans glühte. Er halte sich einen brodeln­den Feuermantel umgetan, der nach unten grelle Bäche triefen und rauchen ließ. Es war, als überrönne die Schründe flüssiges Eisen.

Oben wuchs und brauste der aufschießende Feuerstamm. Aus seinem Pinienhaften Rauch- Wipfel schmetterte roter Wind. Die Glutwvlke wogte. Aus dem Kralermund. den Heulen und Schäumen zersetzte, schossen rasselnde Geschosse, die raketengletch ihre Feuerbahn nahmen und sternenhaft zerplatzten. Schweres Pollern krachte Aus der Qualmwolke stachen Blitze, weih, rot, flink wie Lanzen und Bajonette. Ein dämonischer Schwerterlanz elektrischer Entladungen.

Der Zxuerbrunncn kochte und stürmte, eine siedende TeufeIStüche.

.Ein schönes Feuerwerk!" applaudierte der Pflanzer aus Holland. Es war ein Feuerwerk, eine pyrotechnische Lustbarkeit der Urwelt. Aus der gigantischen Schmiede, in der die Dampf­

Hochschulnachn'chien.

Der ordentliche Professor der systematischen Theologie an der Marburger Universität. D. Dr. Rudolf Otto, ist zum 1. April 1929 von den amtlichen Verpflichtungen entbunden toorben. Der durch die Emeritierung des Geh. Rats H. Finke an der Universität Freiburg L B. erledigte Lehrstuhl der Geschichte ist dem ordentliche Professor Du Philipp Funk an bet ©taatfleben Akademie zu Braunsberg angeboten worden.

Prof. Dr. Hans Meerwein in Königs­berg hat den Ruf an die Universität Leipzig aboc lehnt, dagegen die Berufung auf den Lehr­stuhl der Chemie an der Universität Marburg als Rachfolger deS emerit. Geh. Regierungsrates K. von Auwers angenonrm:n. Der durch ti: Eme­ritierung des G.heimrateS Prof. Reinhold 6et< berg an der Universität Berlin erledigte Lehr­stuhl der systematischen Theologie ist dem ordent­lichen Professor. G.h. Konsistorialrctt D. Ml- helm Cütgert In Halle angeboten worden. Der Lehrstuhl für Strafrecht und Strafprozeß an der Universität Kiel ist an Stelle von Prof. G. Radbruch dem a. o. Professor Dr. Herman» Kantorowicz in Freiburg t B. ange­boten worden. Ernannt wurde Prof. Dr. med. Wilhelm Weibel von der Universität Wien zum ordentlichen Professor für Geburtshilfe und Gynäkologie an der deutschen Untoerfität in Prag als Rachfolger des nach Berlin ftberge- fiebelten Prof. G. A. Wagner.

antworillchkett der Reichsoegieruna (gegenüber dem ] ganzen und gegenüber dem Teilreichstag) wieder I auftauchen. Die andre Lösung ober hätte einen für das Reichs land (d. h. Preußen) demütigenden Bei- geschmack, daß nämlich über die Gesetze des Reichs­landes die süddeutschen Abgeordneten mit beschlössen, daß aber umgekehrt die Abgeordneten des Reichs« landes bei bayrischen und würllembergischen Ge- setzen nichts mitzureden hätten, weil diese ja in den Landtagen des betr. Landes beschlossen würden. Den Urhebern des Lutherschen Programms, die das Be- lchluhsassungsrecht über Gesetze des Reichslandes hem ganzen Reichstag zuwenden wollen, ist dieser schwache Punkt nicht entgangen: wohl deswegen raumen sie dem preußischen Vtaatsrat, den sie trotz Aufhebung Preußens fortbestehen lasten wollen, ein Einspruchsrecht gegenüber den das Reichsland an­gehenden Gesetzen ein. Sie sind sich aber dann nicht darüber schlüssig, ob das Recht, einen Einspruch des Staatsrats zu entkräften, nur den Abgeordneten des Reichslandes oder dem Gesamtreichstag anoertraut werden soll. Daneben soll nun aber nicht etwa dem gesamten deutschen Dolle, sondern nur dem Dolk des Reichslandes die Möglichkeit der Entkräftung eines Einspruchs des Staatsrats austehen. Daraus ergibt sich eine seltsame Zickzacklinie: Gesamtreichs, tag preußischer Staatsrat Gejamtreichstag (ober Teilreichslag) Doll des Reichslandes (fr h. Preußens) für den Gang eines das Reichsland be­treffenden Gesetzes. Der Leitgedanke derVerein­fachung" ist fürwahr In diesem Verfahren nicht leicht zu erkennen!

Aber die Reform oerfolat ja hauptsächlich den Zweck, die Unvollkommenheiten im Zusammen­arbeiten von Reichs- und preußischen Behörden durch Verschmelzung Preußens mit dem Reiche zu beseitigen. Mir scheint, daß sich der Erneuerungs. bunb zu großen Hoffnungen hingibt: Mißgriffe von Beamten, mangelhaftes Jneinandergreifen der Be- Hörden, Restortpartikularismus, Verschleppung von Verwaltungsangelegenheiten gibt es auch im Ein- heitsstaat. Warum witzeln denn die Franzosen, die doch einen zentralisierten Einheitsstaat besitzen, immer über les lenteurs de Fadministration (den schleppenden Gang der Verwaltung)? Anderseits können bei gutem Willen Behörden des Reichs und der Länder trefflich zusammenwirken, namentlich wenn die geplante Auftragsverwaltung in ausrei­chendem Maße Eingang findet.

Der Lutherfche Plan hat Übrigens ebensowenig Aussicht auf Verwirklichung wie der Einheitsstaat, obwohl sich eine große Zahl namhafter Männer, namentlich aus den Kreisen der Wirtschaft, dem Er­neuerungsbund angeschlossen hat. Die Unltariftcn weisen ihn zurück, weil er die Mainlinie bestehen läßt und sogar noch vertieft, die Föderalisten verwerfen Um, weil er doch nur einen verhüllten, hinaus- geschobenen Einheitsstaat bedeutet. Auch auf der Länderkonferenz ist der Plan von verschiedenen Seiten abgelehnt worden, z. D. von den Vertretern von Hessen und Baden.

b) Ueberf übrung einzelne rVerwal- tungseinrichtungen der Länder in Reichsoerwaltun g. Hier ist zu unterscheiden zwischen der Uebernahme eines Derwaltunaszweiges durch das Reich in allen Ländern und der Uebernahme im einen ober andern Land. Erstreckt sich der lieber- gang eine» Derwaltungsgebiets an das Reich auf olle Länder, so wird die Resorm, mag sie an sich noch so gerechtfertigt sein, wie etwa der Uebergang der Justizverwaltung an das Reich, ähnliche Wider- stände auslösen wie der Einheitsstaat oder die Ver- reichlichung Preußens. Daher ist die Ueberleitung einzelner Verwaltungszweige an das Reich m einzelnen Ländern politisch wohl das prak- tifchste Mittel, weil sie die Reichsgewalt stärkt, ohne daß durch große Schlagworte Unruhe erzeugt wird, und meW r» den Bedürfnissen einzelner Staaten gerecht zu werden vermag. Diese Form hat übri­gens auch schon Anwendung gesunden: wie z. B. Thüringen die Verwaltung einiger Landessteuern dem Reiche übertragen hat (Februar 1928). Auch die Länderkonferenz hat in ihrem Schlußprotokoll (Punkt II, 1) aäf diesen zweifellos gangbaren Weg

Vulkanausbruch.

Von Friedrich Schnack.

Ihn Mitternacht erwachte ich von einem un­geheueren dumpfen Murren. Wälzte sich bte Dacht ins Tal. brach das Meer auf aus gur- gelnbem Korallenschlund, paukte der schwarze, geheimnisvolle Urwald hinter den Pflanzungen? Ich rieb mir den Schlaf aus den Aug:n, fuhr auf.

Draußen h.nler den Scheiben zuckten violetter Schein und kupsergrüne Gelsterstrahlen durch die flackernde Rachtschwärze. Mllancholischer, un­mutiger Trommeldonner rollle. H-nter Berg- toänfrn entlud sich ein umflortes Gewitter.

Rein! Das war kein Gewitter. Ich schnellte aus dem Bett. Das javanische Pflanzerhaus wurde leben^g. Rmgs um mich, Im kleinen Rachtzimmer, tanzten und schwellen dre Schatten in der fahrenden, scharfen Helligkeit. Die Wipfel im Garten umlief phosphoreszierendes Glimmern Elektrisches Fiaminen warf sich in- Dickicht, die Büsche flackten jäh aus und ab, denn rasend hob unb senkte sich der Schein wie ein sich schnellen­der Feuervorhang.

Man polterte d.e hölzerne Stiege herauf. Ich rille zur Tür. Aus der Schwelle stbeh ich mit meinem Wirt zusammen, der, halb angekleidet ins Zimmer stürzte.

Dieser Pflanzer hatte tollen Humor: ^Ich gra­tuliere! Sie haben Glück Genießen Sie eine Eruptwn. Der Alle dah.nten spell..Gr deutete mit dem Daumen über die Schulter. Im violetten Schein lachte fein Gesicht.

In diesem Augenblick gab es einen StnaU, der die Scheiben erklirren ließ. ,3um Kuckuck!" rief der Pflanzer.Ter w.ckt wahrhaftig die Toten auf." Ich sah ihn fassungslos an. vom Ereignis überrumpelt. Er klopfte mir auf dir Schuller: »Rur keine Aufregung. Der Feuerhund bellt ja bloß! Komoren Sie. kommen Sie schnell."

Ich fuhr in meine Kleider. Die Schuhe hielt ich in der Hand, denn der Pflanzer riß mich schon die hölzerne Stiege hinunter.Wir wollen uns einen guten Platz sich.-rn..."

Im Garten schlüpfte ich in die Schuhr. Der ganze Himmel glofte und lohte. D e Welt schien aus allen vier Ecken m Brand gesteckt. Im Osten Hinterm llrbusch dampften blaue, grüne, rote Feuerbrünste auf. Der speiende Kegel war vom Garten aus jedoch nicht au seh.m.

So jagten wir e.ne Anhöhe hinan, die Hinterm Pflanzerhaus sich aufbuckelte.Die werden ein schönes Schauspiel haben. Ich habe es schon zehnmal erlebt, keuchte der eilende Pflanz«.

Die Verfasserin des nachstchrnden Auf­satzes ist die belangte Schauspielerin Hed- wig Wangel. die sich durch das vva ih: ge- gründete HeimDas Tor der Hoff­nung" in HubertuZhöhe bei Be lin, das sich der Aufnahme entlassener weiblich : r Strafgefangener fr to­ntet, einen Ramen ge.nach: ha..

Die Fr.?g? drr Strafentlasfenen-Für- s org e ist eines der wich igilea Probleme unserer nach Ausgleich uni> Gerech iglet: ringenden Zeit. In den meisten Äulturiänbevn besteh, heute viel­fach ein: schwere Rechisnor, weil das Recht mit dem Cillaus des Lebens nicht Schritt hält, da sowohl Rech.sprrchung wie Rech sgestallung den sich stets verändernden Derh^l.nissen nicht zu folgen vermögen.

Unwissenh it und Mangel an Beran wvriungs- gefühl für die Allgemeinheit bewirken zudem eine trau ige Gleichgüli igkeit drr großen Dvlksmassen einer so wich igen F.age gegenüber, wie sie die lleberfüh.ung der Strasen.lassenen in das Leben ist.

In Europa ist der entlassene Sttäfling meist geächtet und verfemt. Der Schritt vom Wege der allgemeinen Moral wird ihm lange nach- getragen, ja meist sein Leben lang nicht Der- zieh.m. Das gesamte Verhal en eines Menschen wird durch Zusammcntti.l äußerer und innerer LebenZbedingungen bestimmt. Das gilt sowohl von ferner körperlichen Widerstandscraft gegen Kranchnten wie von seinen Reigungen und geizi­gen Fähigkeiten. Auch sein sozi les Verhalten ist durch die Vo.gänge in fei ter Gedankenwelt sowie derjenigen feiner UntttxL bedingt. Um den asozial getoorfrmen Menschen wieder z u einem brauchbaren Mitglied der mensch­lichen Gesellschaft zu machen, bedarf es innerh lb des individuellen Strafvollzuges der Schnf.unq von Möglichkeiten, dem Ge^angeren schon während der Verbüßung für ein geordne.es Berufsleben vvrzubilden. Ich gliube. kein Mensch hat das Recht, dem für seine Missetat Gestraf­ten den Weg zum Wiederaufstieg abzufchnciden.

Die vielen Aulsehm erregendät Strafbrozesse gegen junge Mädchen und Frauen, die oie Spellen unserer Zei ungen erfüllen, geben Ausschluß, wie leicht Frauen, die auf guter Lebensstuse standen, plötzlich durch die Macht irgendwelcher Umstände in die Tiefe glitten. Viele waren ring H7tll. i t Lurus, verwöhn. ver­zärtel', jagd n Phantomen nach und waren also mit dem Leben unzufriedeni In übermä'ägem Vergnügen such en sie Vergessen, ergaben ich dem Allohol oder Rnuschgif.en und verlachen so in ihrem Persönkichkei.swert immer mehr. So konn­ten sie die Linie, die das har'e Leben dem ein­zelnen Menschen vorschreibt, nicht einhallen. . . ein Schritt . . . und es kam zur Katastrophe, die im Gerichtssaal mit der Verurteilung endete. Und nun beginnen Seelenqualen, die den Rest der Widersllendskrast vermich en. Als Besucherin der Gefangenen in ihren Zellen habe ich Einblicke in die Leiden weiblicher Strafgefangener tun kön­nen. Ich kenne die Stunden, grenzenloser Oed« und Deiltsfenheit innerhalb der Gefängnis­mauern. Quälende Reue und Sorge um die Zukunft zermürben jene Unglückseligen oder ma­chen sie ganz stumpf ... am Leben verzweifelnd oerlaffcn sie meist die Strafanstalt.

Hier soll nunD a S Tor der Hoffnung" einen Durchgang zeigen zu neuem Leben. 2m Iahre 1926 entstanden, trägt es durchaus pri­vaten Charakter. Grundprinzip ist: Das Döfe durch Gutes zu überwinden. Es will den Ent- rechteten nicht nur neuen Glauben an das Leben, körperliche Ertüchtigung, sondern durch Unterricht in kaufmännischer, gewerblicher und häuslicher Arbeit die Möglichkeit zu neuer Existenz geben. Seit der Eröfsnung sanden 172 Frauen und Mädchen völlig kosten­los Aufnahme. Unser Haus ist nid)t verschlossen, übt alfo keinen Zwang aus, dennoch haben

Oaö Fett und sein Tläpschen.

Wenn der Franzose sagen will: er hat ihm fein Tell gegeben, so braucht er dafür die Wendung il lui a donnö son fait, worauf beim gemeiniglich unsere Redensarter hat sein Fett aekrieft, zurückgeführt wird. Auffallend ist, daß bisher niemand an das italienische fetta (= Stückchen, Scheibchen) gedacht hat. das in dem Ausdruck gli ha dato la sua fetta (er hat ihm das ihm zukom- mende Stück gegeben) im Lande des Apennins von jeher landläufta in demselben spöttischen Sinne gebraucht wird wie unser Fett. Was ist begreif lecher, als daß die deutschen Landsknechte diese- fetta in dem eiben Sinne in ihre Sprache übernahmen, es natürlich aber in An ehnung an das heimische Fett in dieses umwandellen?

Was sie mit so vielen anderen fremden Aus­drücken taten, mußte ihnen hier doch besonders nabe liegen. Das unprüng.ich weiblich« Ge­schlecht des Wortes kümmerte sie dabei wenig, während noch Rofegger in feinem Waigewitter sagt:Rachher hat er mii dem Welfer ge-