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Nr 2C5 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)Samstag, 15. Dezember 1928

3m fernen und nahen Offen.

Außenpolitische Umschau.

Don Or. OttoLoehfch, o.profeffor der Geschichte an der Universität Äerlin, TR. d. 5t

Heber bas Ergebnis bet Besprechungen in Lugano kann nichts Abschielendes gesagt wer­ben. Aber niemand glaubt, day sie etwas Ent­scheidendes bringen können. Chamberlain und Brtand haben ja mit den beiden Rheinland» e.kLrungen eine Barriere ausgerichtet, über die da- freundlichste Gespräch nicht hinausführt Auch die Abmachung über die Reparation s- srage liegt amtlich noch nicht vor. Hat die französische Presse recht, so sollen die Sach­verständigen der alliierten Regierungen von der Reparations - Kvmmision ernannt werden, während Deutschland seine Beauftragten selbst ernennt. Das wäre ja nur das Selbst­verständliche. Sonderbar aber wäre die Form, bah auch die Sachverständigen Rord- a m e r i k a S von der RLparatwnskommission ernannt" werden sollen. Bestätigt sich das _ nur scheinbar ist eS eine Kleinigkttt, so wäre uns das wieder ein Beweis, wie verhältnismäßig unsicher Rordamer.h auf diesem Gebiete diplo- mallsch vorgeht, auf dem eS doch politisch und finanziell absolut entscheidend ist.

Wir wenden einmal unseren Blick nach dem Fernen Osten. Die Borgänge in E h i n a berühren unmittelbar Europa zunächst noch gar nicht, aber wichtig sind sie gleichwohl. Es ist doch kein Zweifel, daß sich nach der Eroberung von Peking die Rankingregierung oder die Regierung des Südens, oder wie man sie nennen will, immer mehr konsolidiert. Sie hat die Ver­fassung für ganz China geschaffen, die am 15. Ok­tober m Ära,t trat Sie ist ferner in lebhaften Verhandlungen mit den anderen Regierungen über die bekannten Punkte: Zollhoheit, Beseiti­gung der sogenanntenungleichen Verträge" und bamtt endgültige Durchsetzung eines freien und unabhängigen Chinas. Mit den Vereinigten Staa­ten war ja am frühesten schon abgeschlossen worden, am 25. Juli. Seitdem lesen wir aber ziemlich häufig, wie China mit diesem oder jenen S.aate verhandelt und vorwärts kommt. Auch Deutschland hat dem schon bestehenden Han­delsvertrag mit China eine Ergänzung ange­schlossen. Hebrigens wurde bei der Beratung im Auswärtigen Ausschuß dabei mitgeteilt, daß der deutsch-chinesische Handel sich erfreulich entwickelt habe, aber dah die Zunahme fast ganz auf die chinesische Ausfuhr nach Deutschland käme. Das ist nun gerade nicht das Ideal eines Handelsaustausches zwischen zwei Ländern!

Auch die ch i nes i sch-j apa nis^che Span­nung hat sich gemildert. Jedenfalls ist es zu ernsten Konflikten nicht mehr gekommen. Auch da geben die Fäden hin und her. Dah im Der- fplg der Entfremdung zwischen England und Amerika japanisch-englische Fühlungnahmen statt- SInden, gehört unmittelbar nicht in daS fern- stllche Kapitel. Hier sehen wir aber jedenfalls, das; die vom nationalen Gedanken, von der Idee der Freiheit und uneingeschränkten Gleich­berechtigung getragene Bewegung nach und nach zu Erfolgen tommt. das Deich jedenfalls vor dem Auseinanderlallen bewahrt, und allmählich offen­bar doch auch vermag, die ewigen MorschallS- kämpse zu ersticken und schrittweise aus dem Wege zur nationalen Hnabhängigkeit weiter- zukommen. Hnd das alles ohne Bundes­genossen und Unter ft Übung von außen! Die bereitwillig dargebotene Unter* stützung von Rußland hat die chinesische Ratio- nalbetregung aus guten Gründen ja abgewiesen. Von den großen und mittleren Mächten, die in China interessiert find, ist irgendwie eine Hilfe nicht zu erwarten. Die Vereinigten Staaten sehen in einer merkwürdigen Passivität der Entwick­lung <t. und Japan mil Mißtrauen, Argwohn und Feindschaft.

Auch Italien betreibt diese Verhandlungen ntü China wie es andererseits einen Schieds- Vertrag mit der Türkei in diesem Mo- nqt ratifiziert hat. Mussolini wird sich indes nicht im unklaren fein, dah dergleichen für die schwierige Position Italiens so gut wie

Lach« Vaia»»t

Roman von 3- Schneider.Koerstl.

llrbeberrechtsfchutz Oskar Meister, Werdau i. Sa.

22 Fortsetzung Nachdruck verboten.

Sie legte ohne weiteres ihre kleine Ledertaschr mit der goldenen Spinne in der linken Ecke auf den Mahagonitisch in der Halle, lieh sich er­schöpft in einen b.~z liefen Stühle finken und be­gann. die Gew.ihe an den Wänden zu studieren.

Als sie sich nach einer Welle wie zufällig um» sah war der Alte verschwunden. Das Gesicht zu 'Boden gcfcnkt studierte sie das Muster des riesigen Teppichs, der bis an die Treppe lief. Wie weit toürd.' ihr Vermögen reichen, um ihm wenigstens einiges dieser kostbaren Herr.rchkeiten erhallen zu können? Ob Christoph ihr ein bihchen zu Hilfe kam wenn sie dies oder das aus der Konkursmasse erstehen wollte? Es waren lauter wertvolle Stücke, die das Haus Hettingen fern eigen nannte.

Und wenn alle sie im Stiche llehen, konnte sie ja den Rus an die Metropolitan-Oper in Reu- tzork annehmen, den sie bisher ihren Wienern zuliebe abgelehnt hatte. Diese Summe rechte Dann sicher aus, Joachim vor dem Schlimmsten zu bewahren.

Der D euer schien eine Ewigkeit brauchen zu müssen, bis er feinen Herrn verständigt hatte. Vernähe nach einer Viertelstunde erst hörte sie hinter sich eine Tür gehen.

Der Herr Baron bedauern, die gnädige Frau heule nicht empfangen zu können. Der Herr Baron sind etwas leidend."

'.Fragen Sie chn, ob ich ihn morgen sprechen kann," gebot Isabella gleichmütig. Rur jetzt die Ruhe nicht verlieren. Wer die stärkeren Derven und die gröbere Ausdauer besah, würde unbedingt Sieger bleiben.

Oskar hatte sich kaum entfernt, kam er schon wieder zurück.Der Herr Bacon stehen der gnädigen Frau sonst zu jeder Stunde zur Ver­fügung."

nichts bedeutet. Die französisch-englische En­tente richtet nicht nur ihre Spitze gegen Deutsch- land und Rußland und im großen weltpoliti­schen Zusammenhang auch gegen Nordamerika, sondern sie hat daneben und dieses daneben ist für Italien daS Wesentliche! die oolge, dah sie Italien matt setzt und lähmt. Es ist ein alter Satz der italienischen Politik, dah sie gegen England in Europa nichts durchzu- setzen vermag. Sie hat in den letzten Jahren die Hoffnung haben können, dah sie in ihren be­kannten Gegensätzen gegen Frankreich auf Eng­lands Unterstützung zählen könnte. Chamberlain

hat auch dergleichen Hoffnungen erweckt und bestärkt. Mil dem englifch-französischen Flotten- kompromih und der daraus folgenden Reu­gruppierung al"er sind diese Hoffnungen völlig verflogen. Italien dürfte an sich schon rein militärisch Frankreich unterlegen sein. Heute aber kann es. bei dieser Verbindung Englands und Frankreichs, sticht einmal moralisch auf Eng­lands Unterstützung zählen. Damit ist es matt- gesetzt! Fühler mit der Türkei. Verbindungen mit Ungarn oder Vulgär en, all das be­deutet nichts. Denn unmittelbar neben Italien steht, gefährlich und bedrohlich, doppelt bedroh­

lich, wenn Italien gegen Frankreich angehen wollte, der jugoslawische Rivale auf d.r anderen Seite brr Adria. Und nun rächt sich für Italien, dah es Jahre nach dem Kriegsende hat verstreichen lassen. o.;ne die sichere Position in den internationalen Tezichun^en zu finden, die es wohl hätte finden können und ohne die es seine bekannten großen außenpolitischen Siele nicht zu erre chen vermag. Jetzt bleibt ihm nichts anderes übrig, als beifeitcgeschoben in der großen Politik im wesentlichen ^uzu- sehen, wie die Dinge sich weiter entwickeln!

Hessen und -ie Neugliederung

Versafflnigsrechiliche Gedanken zur Reichsresvnn.

Von Or. Hans Gmelin, o. ö. profeflor des öffentlichen Rechts an der Landesuniversität Gießen.

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Kritik einzelner Vorschläge.*)

1. Der bayrische Vorschlag einerUm- kehr zum Föderalismus. Die Forderungen Bayerns find zwar weniger grundftürzend als das einheitsstaatliche Programm, aber sie haben nur in geringem Maße Aussicht auf Verwirtlichung, weil die Entwicklung des Reiches schon feit Bismarck, erst recht aber feit der Weimarer Verfassung in uni- tarischer Richtung sich vollzieht. Aber als Rückschlag gegen unitarische Uebettreibunaen find die bayri­schen Wünsche wohl verstänolich und einzelne Punkte verdienen gewiß Berücksichtigung. Abzuleh­nen ist allerdings die von Bayern beantragte Ein. schränkung der Gesetzgebungskompetenz des Reiches im Bereich der Polizei, der Wohlfahrtspflege, des Kultus und Unterrichts, denn es handelt sich hier um Gebiete, die Interessen des gesamten deutschen Volkes berühren. Abzulehnen ist auch die Forde­rung, eine Verfassungsänderung, die Rechte der Länder berührt, von einer Dreioiertel-Mehrheit im Reichsrat abhängig zu machen, denn allzu große Erschwerungen der Verfassungsänderung haben sich in der Geschichte nie bewährt. Auch mit dem Wunsche der Erhebung des Reichsrats zu einem dem Reichstag gleichberechtigten Faktor der Gesetz­gebung wird Bayern kaum durchdringen: die Aen- derung erscheint übrigens als überflüssig, da der Einspruch des Reichsrats gegen einen vom Reichs­tag angenommenen Gesetzentwurf häufig die Wir­kung eines unbedingten Vetos haben kann, weil in dem in sich stark zerspaltenen Reichstag eine den Einspruch entkräftende Zweidrittei-Mehrheit nur selten aufgebracht werden kann. Dagegen find fol­gende Punkte aus dem bayrischen Programm be­achtenswert. erstens das Verlangen nach Derfaf- sungsautonomie der Länder: zweitens die gefor­derte Sicherung der Gebietshoheit der Länder gegen Wirkungen des Artikels 18, zumal sich der Artikel eigentlich nur gegen den Gebietsbestand Preußens richtet; drittens die Forderung einer größeren finanziellen Selbständigkeit der Länder, vor allem Zuweisung eigener ©teuerqueUen an die Länder, denn ohne sie ist Eigenstaatlichkeit der Länder wie Selbstverwaltung der Gemeinden undenkbar.

2. Der Einheitsstaat. Er empfiehlt sich durch seine Einfachheit, die zum Teil lebensunfähi­gen Lander gehen im Reiche auf, die Ueberorgani» fation der vielen Landtage, Landesminifterien und sonstigen Landeszentralbehörden verschwindet, die Verwaltung nimmt man an wird darum um vieles billiger, der Dualismus Reich-Preußen ist

) Dgl. die Aufsätze Stute : Geographische Vor­aussetzungen in Nr. 283 und 284 des G. A. vorn L und 3. Dezember: Aubin. Geschichtliche Betrach­tungen in Rr. 287 und 289 des G. A. vom 6. und 8. Dezember: Mombert: Die Revolution in ihrer volkswirtschaftlichen Bedeutung in Rr. 290 des G. 21. vom 10. Dezember und Gmelin: Verfassungs­rechtliche Gedanken zur Reichsresorm I in Nr. 293 vorn 13. Dezember.

mit einem Schlage beseitigt. Lauter Vorteile, über denen man die Nachteile gern übersieht. Und doch gibt es deren genug; man vergleich die aus der übertriebenen politischen Zusammenfassung Frank­reichs erwachsene Zentralisierung des französischen Kulturlebens in Paris mit der zweifellos mit der Vielftaaterei in Zusammenhang stehenden Mannig­faltigkeit der deutschen und schweizerischen Kultur. Auch die aus der Lage der Reiche Hauptstadt sich ergebende Gefahr verdient Beachtung, daß nämlich die jetzt schon einfeljende, nach der Bildung des Einheitsstaats aber sicher rapid zunehmende Kon­zentration des gesamten deutschen Kultur- und Wirt­schaftslebens in Berlin sich unter den polnischen Kanonen und Flugzeugen abfpiell, die mit einem Schlage den ganzen deutschen Organismus zum Stillstand bringen könnten. Endlich darf nicht über­sehen werden, daß im Einheitsstaat die nun einmal chronische Unzufriedenheit des deutschen Bürgers mit dem Staate sich nur gegen das Reich kehrt, während sie bisher doch wenigstens zum TeU auf den Einzelstaat abgelenkt wird.

Man mag einwenden: solche Nachteile können sich nur im zentralisierten Einheitsstaat ein- stellen. Angestrebt werde aber ein dezentrali­sierter Einheitsstaat. Bei diesem entfallen aller­dings die oben gerügten Mängel, wenigstens teil­weise, aber dafür tauchen andere auf: wenn der Einheitsstaat etwa nach dem früheren Plane des jetzigen Reichsjustizministers Koch-Weser (Einheits­staat und Selbstverwaltung, Berlin-Zehlendorf), in lauter Reichsprovinzen mit weitgehendster Selbst- Verwaltung zerlegt würde, hätten wir statt der jetzi­gen 18 (und wohl bald nur 10 Länder) deren etwa 22. Und die finanziellen Ersparnisse, die man als besondern Vorzug des Einheitsstaates anpreist, schrumpfen bann auf ein bescheidenes Maß zusam­men, da die Selbstverwaltungsprooinzen eigene Be­hörden und eigene Kontrollorgane (Volksvertretun­gen) besitzen müßten. Gegen einen dezentralisierten Einheitsstaat sprechen auch die Bedenken, die gegen die von Staatssekretär Preuß im Jahre 1919 ge­plante Zerlegung Preußens in einzelne Länder gel­tend gemacht wurden, nämlich, daß das feste Gefüge des einzigen deutschen Großstaates zerschlagen werbe, ohne daß man etwas Gleichwertiges an seine Stelle setze (vgl. z. B. Richard Schmidt, Der preu° bische Einheitsstaat und der deutsche Bundesstaat in Zeitschrift für Politik, Band 16, Seite 201, und L. Walbecker, Das preußisch-deutsche Problem und die preußische Verfassung, Berlin 1922). Neusten» hat wiederum der bisherige badische Staatspräsident Remmeie auf die Gefahr hingewiefen, daß ohne hinreichende Sicherung de» Uebergangs bisheriger preußischer Staatsgewalt auf bte Reichsgewalt Preußen, bas Bollwerk der deutschen Republik, in­nerer Zersetzung verfalle.

Noch ein letztes Moment fällt gegen den Ein­heitsstaat ins Gewicht: Verfassungsänderungen sind immer eine ernste Sache, namentlich bann, wenn eine grundstürzende Aenberung, wie ber Uebergang vorn Bundesstaat zum Einheitsstaat, vollzogen werden soll. Noch mehr Vorsicht ist geboten bei einer Verfassung, die eben erst aus einer Revolution hervorgegangen ist; wir sollten von Glück sagen, baß nach ber schweren Erschütterung unsres Rechts­gebäudes im Jahre 1918 wieder ein gewisser Be- yarrungszustand eingetreten ist. Nun soll ber kaum zur Ruhe gekommene Rechtsboben einer neuen Be­lastungsprobe ausgesetzt werden. Da könnte nur zu leicht der ganze Bau brüchig werden.

Uebrigens ist kaum anzunehmen, daß sich ber Einheitsstaat durchsetzen wirb. Wenn auch maß-

Der er noch lebt," ergänzte sie für sich. Laut sagte sie ohne jede Spur von Erregtheit:Es hätte sich nur um eine Geldsache gehandelt. Ich habe einen Schuldschein in der Hand, der auf den Ramen fernes Vaters lautet nicht auf di« Dank ich hätte nun gerne gewußt, ob der Herr Davon Joachim gewillt ist, denfelben einzulösen aber es kann ja auch morgen feinl Ich werde wieder nachiragen."

Die Diva hatte vollkommen richtig kalkuliert- der mächtige Spiegel an der Schmalwand zeigte im selben Augenblick Joachims Bild, der hinter chvem Rücken eingetreten war.

In dem schmerzverzerrten Gesicht standen zwei tieiumrandete Augen, die nach ihr hinsahen.

Isabella erhob sich und streckte ihm die Rechte entgegen.Grüß Sie Gott, lieber Daran! Ich habe mic's ja gedacht, daß Sie mich nicht so ohne weiteres wegchickn werdn! Aber wann ich gwuht hätt, daß Sie nicht ganz gut bei­einander sind, wär ich halt ein andermal kommen!"

6r hob die Achsel etwas hoch und strich die Haare zurück. Seine Lippen zuckten ohne Unter­brechung. Die Brust weit zurückgedrückt, heiser und abgehackt kam feine Stimme zu ihr herüber. ..Gnädigste sprachen von einem Schuldschein!" ... Er zeigt« wortlos auf den Stuhl, aus dem sie sich erhoben hatte.

Ohne Zögern nahm sie Platz. Jetzt hieß es. die Worte wägen. Eines zuviel oder eines au- wenig, konnte alles verderben.Es ist bloß eine Kleinigkeit, Baron! Ein paar taufend Schil­ling. Ss ist eigentlich gar nicht der Rede wert."

Sie sah, wie fein Gesicht sich verschob. Riß- weise fühlte sie das Mitleid mit ihm an ihrem Herzen zerren. Aber nur um Gottes tollen nicht weich werden jetzt. Sie war der (Staubiger! Er der Schuldner, der ihr für den Vater Bürgschaft leisten mußte. Erst wenn sie ihn vollständig in der Hand hatte, durste sie die Arme um ihn legen.

Wenn ich Sie um den Schuldschein bitten dürfte," hörte sie Um lagen.

Sie stand aus und umfing ihn mit einem ein­zigen Blick des Erbarmens.Ich hab nicht gwußt, dah ich Sie antreff, Baron, sonst hätt

ich ihn gleich mitbracht! Aber wenn Sie soviel ßeit sindn können, daß sie für ein paar Minutn in meine Wohnung kommen, wär mir das schon recht angenehm."

Er wird dochja" sagen, schrie die Angst in ihr. Wenn es ihr nicht glückte, ihn mitzunehmen, machte er vielleicht schon in der nächsten Minute Schluß. Ein eisiges Rieseln glitt ihren Körper hinunter. Ihr Blut jagte wie toll durch das Gewebe ihrer Adern.He.rgott, hilf mir doch", schrie es in ihrem Innern.

Ist es in einer halben Stunde noch früh ge­nug, Gnädigste?" Joachim sah mil einem ab­wesenden Blick über sie hinweg.

Sie horchte auf. Run ging's auf das Letzte. Ka.tes Dlat, mahnte der Verstand in ihr. Die hcube Stunde buerte sie ihm nicht geben!

Mit einer unnachahmlichen Grazie warf sie den Kopf zurück.Es ist gar nicht nötig, Herr Baron, dah wir uns so müd redn. Wann ich gwußt hätt, wie die Sache steht, hätte ich den Gang gar nicht gemacht. Die Summe ist wirklich nicht derart, daß ich sie nicht verschmerzen könnte. Entschuldigen Sie die Störung. Wenn es Ihrem Vater besser geht, werde ich die Sache mit ihm persönlich regeln."

Wie gut ich dich kenn«, dachte sie aufatmend, als er nach dem Diener schellte und sich Hut und Mantel bringen liefe.

Ich komme mit Ihnen, gnädige Frau!"

Ein befriedigtes Ricken ihrerseits, als finde sie es ganj in der Ordnung, daß er so und nicht anders handelte.Wein Wagn hab ich so druntenstehn, da sahrn wir dann gleich nach dem Schwarzenberger P.atz, wann's Ihnen recht ist, Baron. In einet Diertelstund ist die ganze Sache erledigt."

Wortlos schritten sie den breiten Parkweg zum Ausgang entlang. Abendlich flimmerte die Sonne über dem weißen Kies. Wie leises Mahnen an kommendes Sterben fiel ab und zu ein Blatt aus den Wip lei krönen herab zum Rasen, zitterte kraftlos noch eine kleine Strecke, blieb reglos liegen und verhauchte zwischen den Dahlien­beeten fein letztes Restchen Leben. Joachim sah nach der Sonne, die sich immer tiefer hinab zur Ruhe senkte und schloß für Sekundendauer die Augen.

des Reiches.

gebende Kreise ber Wirtschaft und einflußreiche Parteien wie die demokratische, die sozialdemokra­tische und mindestens teilweise die Deutsche Volks­partei für ihn eintreten, so widerstreben dem Ein­heitsstaat doch noch starke Kräfte: sie find nicht etwa nur in Bayern und in süddeutschen Zentrums- treifen zu suchen, sie find noch in allen Staaten, so­gar in den ganz kleinen, sogenannten lebensunfähi­gen Ländern anzutressen. Mögen diese, den Ein­heitsstaat bekämpfenden Elemente auch in der Minderheit fein, fo find sie doch wahrscheinlich stark genug, um bas Zustandekommen der erforderlichen Verfassungsänderung zu verhindern. Man stelle sich nur alle Hemmnisse einer Verfassungsänderung vor. die überwunden werden müßten, die erschwerten Mehrheiten im Reichstag, bie Erleichterung des Ein­spruchs des Reichsrats, die Möglichkeit der Herbeifüh­rung eines Volksentscheids durch den Reichsrat usw, Und selbst wenn es gelänge, alle diese Klippen zu umschiffen, wäre es doch politisch kaum ratsam, das Problem durch Mehrheitsbeschlüsse zu lösen und Bayern in einen Konflikt mit dem Reiche zu treiben.

3. Teillösungen. Darunter fallen solche Vorschläge, bie die Uebernahme nur eines Teils ber Länder in Reichsoerwaktung befürworten, wie auch solche, die ben Uebergang nur einzelner Verwob tungszweige, fei es in allen, fei es in einzelnen Ländern, an das Reich vertreten.

a) Uebergang einzelner Länder in Reichsoerwaltung. Entweder wird nur die Uebernahme ber besonders leistungsschwachen Län­der (der Kleinstaaten und Hessens) in unmittelbare Reichsverwaltung angeregt; ober es wird einstwei­len die Derreichlichung von Norddeutfchlanb ober von Preußen empfohlen. Die erste Lösung ist un­befriedigend, denn bie Gemengelage solcher klei­nen Relchsländer und die Notwendigkeit, besondere Reichszentralbehörben für diese zu schassen, würde neue Komplizierungen Hervorrufen. Sie ist daher mit Recht von der Länderkonferenz abgelehnt wor­den. Dagegen muß die zweite Lösung ernster ge­nommen werden, schon deshalb, weil sie mit der Stellung Preußens im Reiche im engsten Zusam­menhang steht. Der Gedanke ist insbesondere von dem preußischen Minister Höpker-Aschoff (m ber Frankfutter Zeitung^ vom 9. und 10. Dezember 1927 und in einer BroschüreDeutscher Einheits­staat-, Berlin, 1928) entwickelt und später von dem Lutherschen Bund zur Erneuerung des Reiches (Reich und Länder, Bettln, 1928) übernommen morden. Der Vorschlag besticht wie ber Einheitsstaat durch seine Einfachheit: bas dornige Problem de» Verhältnisses zwischen ber preußischen und der Reichsregierung erscheint mit einem Male gelöst: der Einheitsstaat wäre um ein Bedeutendes näher­gerückt, und bie süddeutschen Länder, die für den Einheitsstaat noch nicht reif find, könnten einst­weilen ihr staatliches Eigenleben weiterführen. Aber es spricht doch auch manches dagegen: es würde in gewisser Beziehung die Mainlinie wieder« hergeftellt und dadurch Die Aufsaugung ber süddeut­schen Länder, wo in der Tat ber Widerstand gegen ben Einheitsstaat am lebendigsten ist, erschwert; eine andere Schwierigkeit läge in der Frage, welche Volksvertretung die für das Reichsland bestimmten Gesetze zu beschließen hätte, der Reichstag im ganzen ober nur ein Rumpfreichstag unter Ausschluß der aus ben fottbestehenden Ländern gewählten Abge­ordneten. Die eine Lösung (die nur bie Abgeord­neten aus dem Reichsland bei den Gesetzen Mit­wirken ließe) widerspräche ber Idee eines Reichs- lanbes. Auch würde die Gefahr ber doppelten Der-

Bald! Bald! Dann würde er schlafen gehen wie fiel Sein letzter Gang! Morgen war er nicht mehr! Wie der Gedanke ihn ein lullte. Gar keine Furcht beschlich ihn dabei, gar Line Angst und keinerlei Grauen! Rur ein unsag­bares Geborgensein!

Kinderweich lag fein Gesicht. Schöner noch, als all das Leben gewesen war, würde daS Ende sein. Wenn Oskar ihn morgen weckte, würde er nicht mehr auswachen müssen. Richt mehr aufwachen! Wie wohl das tat!

Wozu ging er eigentlich jetzt noch mit dieser Frau nach deren Heim? Rie und nimmer würde er die Schuld einlösen können, die sie von ihm zu fordern hatte. Morgen war ee ja tot! Cs war ehrloser Betrug, wenn er noch etwas unterschrieb.

Ganz unvermittelt blieb er stehen.Gnädige Frau, würde Ihnen vorläufig mit einem Pfand gedient sein?"

Für einen Augenblick aller Fassung bar, starrte Isabella nach seinen Fingern, die mit hastender Elle den Rock aufzuknöpsen begannen. Er zerrte an der goldenen Kette, deren Haien sich fest in das Tuch seiner Weste eingebohrt hatten, und hielt sie ihr samt der wertvolle» Hhr entgegen, die auf dem Platten Deckel sein Monogramm in Keinen flimmernden Brillanten trug.

E-n lähmendes Entsetzen machte, daß ihr Herz­schlag für eine Sekunde versagte. Mit einer spichen Möglich eit hatte sie nich. gerechnet. Sein Verstand hatte den ihren für einen Moment überho'll, aber nicht geschlagen, denn schon im nächsten Augenblick glitt ein ironisches Lächelt» um ihren Mund.Daran, die Hhr ist ohne 3toei,el ein kostbares Stück. Allenfalls würde sie sogar die Summe zu zwei Dritteln auf* wiegen. Aber Sie werden mit doch nicht zu­muten, daß ich sie jetzt auf offenem Wege ent­gegennehme. Immerhin ist sie mir als Pfand erwünscht, und wenn Sie dieselbe in meiner Wohnung hinlegen, habe ich nicht das gerinafte einzuwenden. QI?er bis dorthin müssen Sie sich schon noch die Mühe nehmen, sie zu tragen."

«Wie Sie befehlen!"

(Fortsetzung folgt)