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gibt, die ihren Vorzügen gemäß längst nicht hinreichend besucht wird. Don Frankfurt a. M. geht es über Dilbel, Stockheim nach Dad Selters, Ortenberg, Lißberg, Hirzenhain und schließlich nach Ged e r n. Und von dort zu den vielen Ortschaften und Sehenswürdigkei en, die der Vogelsberg zu bieten hat. Oltan lieht die Winterbräuche der zum Teil weltabgeschiedenen Gegenden, sicht die Baum- fäller, die Korbmacher. Nagelschmiede, sieht das Sp.nnen und Weben auf uralten Handmasch-incn, sieht aber auch alte Sommerbrüuche^ wie den Wettbewerb der Hirten usw. Kceisschullat Lo­rentz, der die zahlreichen Bilder oft mit gutem Humor erläuterte, erntete lebhaften Beifall für seine Dor.ührung und herzlichen Dank dafür, daß er den wer vollen Vogelsberger Heimat­film schafft.

Der Sonntag brachte zwei beachtenswerte Licht­bildervorträge. Der bekannte Pilzforscher Lehrer Kallendorf (Darmstadt) sprach überNa- turschuh und Schule". An trefflichen Na­turaufnahmen aus der näheren und weiteren Umgebung Darmstadts zeigte er, wie die Jugend zur lNaturliebe erzogen werden kann. Rektor Dr. Klippel (Mainz) behandelteBoden und Landschaft in Rheinhessen". Seine fein gewählten Landschaftsaufnahmen führten deutlich vor Äugen, daß auch eine ausgesprochene Kultur­landschaft wie Rheinhessen schön sein kann.

Am Montag führte Studienrat Schmidt (Mainz) mit seinenBildern aus der hei­mischen Tierwelt" in die Technik der noch wenig gepflegten schwierigen Tierphotographie vortrefflich ein, und Direktor Dr. S ch m i o t g e n (Mainz) gab aus eigner Erfahrung heraus wert­volle Änregungen für die naturkundliche Hei­matforschung. Der Redner hält biolo­gische Fragebogen für die heimatkund­lichen Arbeitsgemeinschaften nicht für nötig, will ober in ein Heimatbuch besondere Beobachtungen von lokalem Interesse eingetragen haben. Prof. Dr. Spilger (Darmstadt), der sich um die Ausstellung und die Leitung des Kursus ganz besonders verdient gemacht hat, sprach im be­sonderen überBotanische Heimatfor­sch u n g. Sehr beachtenswert ist seine An­regung, von der Volksbotanik auszugehen. Eine gründliche floristische Erforschung Hessens soll einsetzen, und der Redner erbat am Schlüsse seines mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vor­trags die Mitarbeit aller Freunde und Kenner der heimischen Pflanzenwelt. Die beiden folgen­den Referate dieses Tages befaßten sich speziell mit Oberhessen, weshalb auf sie an dieser Stelle etwas näher eingegangen werden soll. Für den Schuh der

oberhessischen Salzpflanzenstellen

trat Lehrer Oßwald (Dad-Rauheim) über­zeugend ein. Er führt etwa aus: Das eigentliche Verbreitungsgebiet der Salzpflanzen sind die Küsten der Meere. 3m Binnenlande, wo sie zu den seltensten und interessantesten Vertretern des Pflanzenreichs gehören, ist ihr Vorkommen an geologische Bedingungen geknüpft: sie sind ein besonders lehrreiches Beispiel für die Abhängig­keit der Pflanzendecke von der Bodenzusammen- sehung. Die an Salzquellen reiche Wetterau weist mehrere Salzbezirke mit Ealzpflanzenvege- tation auf. An keiner der Stellen zeigt sich aber noch das ursprüngliche Florenbild. Durch die Ein­griffe der Kultur (besonders durch die Ent­wässerungsgräben) wurden selbst aus den noch verhältnismäßig arten- und individuenreichen Be- ständen bei Wisselsheim und Ober-Hör- gern Münzenberg die seltensten Salz­pflanzen (wie Salzaster und Queller) verdrängt. An anderen Salzorlen, so bei Bad Salz­hausen, ist die Verarmung der Salzflora noch weiter fortgeschritten, während an wieder an­deren Stellen (Trais-Horloff, Büdin­gen) die Salzpflanzen völlig oder bis auf ganz spärliche Reste ausgestorben sind. Was heute in Oberhessen noch an Salzpflanzen erhalten ist, sind einzigartig seltene Raturdenkmäler, die stark gefährdet sind und daher durch weit­gehenden Schuh im Interesse der Wissenschaft vor dem völligen Untergang gerettet werden müssen. Der Redner gab noch wertvolle An­regungen für die unterrichtliche Behandlung der Salzpflanzen und forderte die völlige Erhaltung mindestens eines der Wetterauer Salzgebiete für die Landesuniversität in Gießen.

Lehrer M ö n n i g (Grebenhain) machte sehr interessante Mitteilungen über

Lebensweise und Schuh des Apollo, eines der seltensten deutschen Schmetterlinge, dem im hohen Vogelsberg die Händler stark nachstellen, weshalb der Vogelsberger Höhen­club den Schutz dieses seltenen und einzig schönen Falters beantragt hat. Von den 30 Arten des Apollo kommen nut 3 in Europa vor, von diesen wieder eine Art in einigen deutschen Mittelgebirgen, darunter auch im Vogels­berg. und zwar außerordentlich lokal und selten. Die Futterpflanze des Apollo ist der Lerchen- sporn, der im Vogelsberg teilweise in großen Beständen wächst. Dem Aufkommen dieses Schmetterlings bereiten in manchen Jahren die klimatischen Verhältnisse des Vogelsbergs (Spät­fröste) große Schwierigkeiten. Ein Hauptfeind ist dann der wilde Handel. Das Fangen des Apol- sofalters muh daher gesetzlich verboten werden.

Die Verhandlungen dieses Tages hat Mini­sterialrat Hofmann vom Kultusministerium, der Leiter der hessischen heimatkundlichen Arbeits­gemeinschaften, mit herzlicher Begrüßung und grundlegenden Ausführungen über den Wert der heimatkundlichen Forschung für die Schule ein­geleitet. Beschlossen wurden sie mit einer Ge­neralaussprache, an der sich außer dem Leiter der Verhandlungen, Prof. Dr. Spilger, u. a. Landtagsabgeordneter Dr. Maurer (Lauter­bach) und Lehrer Keller (Lollar) besonders beteiligten und die vielseitige, wertvolle Anregun­gen für die Weiterarbeit auf dem Gebiete des Naturschutzes bot. In Entschließungen wurde einstimmig die Reform der hessi­schen Bildstelle und die Einführung des monatlichen Pflichtwandertages auch für die Volksschule gefordert. Prof. Dr. Spil- g e r , der einstimmig vom Kursus mit der Weiter­führung der begonnenen biologischen Arbeiten betraut wurde, konnte mit Befriedigung über den wohlgelungenen Verlauf mit Worten des Dankes an alle Redner und Mitarbeiter die ar- beitsreiche Tagung beschließen, von der ohne Uebertreibung gesagt werden darf, daß sie den Teilnehmern wertvolle Anregungen für eine et- solgreiche Heimatforschung vermittelt und der Naturschuhbewegung in Hessen starke Antriebe gegeben hat.

Deutschttaiionale Frauentagung in Gießen.

Am Samstag fand, wie man uns berichtet, in Gießen eine Sitzung des deutschnationalen Landes - Frauen - Ausschusses statt. Vertreterinnen der Frauengruppen aus ganz Hessen kamen im Hotel Hopfeld zusammen, um über Fragen der Reichsparteileitung und über wichtige Angelegenheiten des hessischen Partei- vorstandes zu beraten. Der Entwurf zum Haus- ange stellten - und Hausgehilfen-Ge- setz wurde durchgesprochen und nach lebhafter Aussprache Ergänzungen und Aenderungen ver­schiedener Paragraphen vorgeschlagen.

Die Tagung fand ihre Fortsetzung am Sonntag­nachmittag im ..Schützenhaus" in einer deutsch- nationalen Frauen-Versammlung. Die Vorsitzende d.s Landes-Frauen-Ausschusses, Frau Reinhart, hielt einen Vortrag über die politische Lage. Zur Außenpolitik sprach die Rednerin in scharfen Worten gegen die Erfül- lungspolittk, die durch die zynische Rede Briands in Genf nun endgültig als eine Politik der Illu­sion und der leeren Versprechungen im Locamo- schen Geiste gebranbmarft sei. Sie wandte sich gegen den Kellogg-Patt, der neue Knechtschaft und Schmach für Deutschland bedeute, während der Feindbund hohnlachend wettet rüste. Die drückende Last der B.sahung Haden jetzt wieder die Bewohner der E.sel erfahren, wo ein Heer von 45 000 Mann zu den französischen Manövem zusammengezogen tourb:. Während die Bevölke­rung für die Unterbringung und Verpflegung dieser Menschenmassen mit einem lächerlichen Ent­gelt abgesunden wurde, entstanden noch unserer Regierung Unkosten von Hund:rttausenden von Mark durch Verwüstung im Gelände. Bei der Innenpolittt streifte die Rednerin den Streit um den Panzerkreuzer, die Konkotdatsfrage und sprach sich besonders gegen die Zerstückelung Preußens in 13 Provinzen au8, denn nur ein starkes Preußen könne ein neues, starkes Deutsch­land gewährleisten. 5>te Rednerin schloß ihre Aus­führungen mit einem Aufruf an die Frauen, mitzuwirken und nicht zu rasten, bis der deutsche Aar wieder ferne Schwingen breite über ein freies, großes, geachtetes Vaterland. Emgerahntt war der Vortrag von Gedenkworten an die ver­storbene frühere Kaiserin und von zwei Ge­dichten auf den einstigen Führer Helfferrch. Fräu­lein v. d. Heydt erfreute durch ihren schönen Gesang. Nachdem Dr. Lenz, als Vertreter der Ortsgruppe, die Hauptpunkte des Vortrags noch­mals unterstrichen hatte, schloß die Vorsitzende die sehr stark besuchte Deisiammlung.

Orchesterkonzerte des Konzertvereins.

Man schreibt uns: Die Verhandlungen über die großen Orchesterkonzerte und die Auf­führung von Beethovens Missa solem- n i s haben noch im letzten Augenblick zu einem vollen Erfolge geführt. Es finden nunmehr die in dem Konzertentwurf vorläufig eingestellten drei Orchesterkonzerte endgültig und wiederum unter der Leitung unseres Universitäts-Musik­direktors Dr. Temesvarh, sogar mit einer Bereicherung insofern statt, als in jedem ein­zelnen ein namhafter Künstler als Solist mit­wirkt. Aufführungstage sind der 2 2. Novem­ber und der 17. und 31. Januar. Konzert- raum: Das Stadttheater, und zwar stets Don­nerstags, als dem für seine Abomrenten freien und somit geeignetsten Abend. Zeit: Don 7.15 Uhr abends bis gegen 9 Uhr. Das erste Konzert bringt klassische Musik: Mozarts Q-Moll-, Beethovens 8. Symphonie und HaydnS Cellolonzert, vorgetragen von denr holländischen, in letzter Zeit oft genannten Künstler Orobio de Castro, der es übrigens zwei Tage später auch in Frankfurt spielen wird. Auf dem Pro­gramm des zweiten stehen die Romantiker: Mende ss hn mit der Hebr denouvertüre, D a ms mit seiner 2. Symphonie und Goldmark mit dem bekannten Violinkonzert, für das Martha Linz, die bei ihrem ersten hiesigen Auftreten von allen Seiten so beifällig aufgenommene sym­pathische ungarische Geigerin, in Aussicht ge­nommen ist. Das letzte ist moderner Musik ge­widmet: Tschaikowskys Symphonie pathetique, Strawinsky-Pergoleses Pulcinella-Suite und Liszts Totentanz. Wegen der Uebernahme des Klavierparts dieses gigantischen Tonstückes steht die Konzertleitung mit dem für diese Aufgabe berufensten Künstler Prof. Pembaur in Unter­handlung. Die Aufführung der Beethoven- schen Missa solemms erfolgt natürlich in der Stadtkirche am 28. Februar, ebenfalls einem Donnerstag. Auch hierfür ist ein vorzügliches Soloquartett bereits ver­pflichtet. Die Soliftenkonzerte finden, wie üblich, in der Neuen Aula der Universität statt, und zwar in der hergebrachten Zeit von 5 bis 6.45 Uhr abends. Mehrfache Nachfragen veran­lassen zu der Bemerkung, daß Nachabonnements bis auf weiteres noch angenommen und mit ent­sprechendem Abzug für das bereits stattgefundene Konzert in der Musikalienhandlung von Challier verausgabt werden.

Zahrestagung des Hessischen Handwerks- und Gewerbe-Verbandes.

WSN. Offenbach, 13. Nov. Am 10. und 11. November hielt der Heffifche Hand­werks- und Gewerbeverband in Offen­bach feine Jahrestag nng ab. Am Samstag sand die Sitzung des LandeSausschulles statt, in der insbesondere das ftir die öffentliche Ver­sammlung vorgesehene Programm besprochen wurde. Außerdem wurden die Wahlen deS Vorsitzenden und des stellvertretenden Vorsitzen­den des Hauptausfchusses und der andern Unter» ausschüsse vorgenommen. Der feiüjerige Vor­sitzende Nohl (Darmstadt) wurde wiederaewählt. Um 9 Uhr vereinigte ein von dem Handwerker­kartell Offenbach veranstalteter BegrüßungS- abend die Teilnehmer zu einigen frohen Stun­den. In der am Sonntag vormittag stattgehab- ten öffentlichen Hauptversammlung er­stattete nach Begrüßung durch den Vorsitzenden des Offenbacher Handwerkerkartells der Dor- sitzende Nohl den Verwaltungsbericht. Er gab zunächst bekannt, daß infotze der ver- änderten wirtschaftlichen Verhältnisse der in Bad- Nauheim gefaßte Beschluß auf Veransaltung einer Landes-Gewerbeausstellung unter eigener Trägerschaft des VerbandeS nicht aufrechterhalten werden könne. In feinen weiteren Ausführun­gen schilderte der Vorsitzende die Tättgkeit der zehn Unterausschüsse und erkannte die von diesen geleistete Arbeit an. Zum Schluß sprach er dem Ministerium, insbesondere dem ArbeitS- und

WirtschaftSminister Korell, für die geleistete Unterstützung, den LandtagSabgeordneten, den Vorsitzenden der Ausschüsse und den Referenten den Dank der Versammlung aus. Er richtete an diese den Appell, zusammenzuhalten und nicht durch Sonderbestrebungrn die Einheitsfront zu durchbrechen. Als weiterer Redner sprach Landtagsabgeordneter Schreinermeister Lauter­bacher (Ztr.) überAltersfürsorge und Renten­versicherung für das selbständige Handwerk", ein Problem, das den Handwerkerverband schon seit seinem Bestehen beschäfttge. Er legte dar, daß das Handwerk seiner Eingliederung in die ReichS- versichorung niemals zustimmen dürfe, weil es dadurch einen Teil feiner Selbständigkeit aufgebe. Er schilderte die Dor- und Nachteil einer frei­willigen b;w .einer Zwangsvcrsicherung und emp­fahl, diesen Gedanken in den einzelnen Organi­sationen zu besprechen, damit aus dem so ge­wonnenen Material eine befriedigende Lösung gefunden werden könne. Ueber die die Interessen des Handwerks berührenden Gesetzesvorlagen be­richtete Direktor Schüttler. Er behandelte u. a. die Handwerkemovelle, die nunmehr zur Beschlußfassung in den ReichSrat gelangt sei, das Berussausbildungsgesetz und das Ar- beitsschutzgesetz. Im allgemeinen könne aber gesagt werden, daß einer Reihe von Wün­schen des Handwerks und Gewerbes Rechnung getragen worden sei. Es bleibe jedoch noch Wichtiges zu erfüllen, so z. B. die Hauptfor­derung: die Schwarzarbeit durch gesetzgeberische Maßnahmen zu unterbinden. Nach Erstattung der Rechnungsablage durch den stellvertretenden Vorsitzenden Bildhauer Dieter wurde in die Diskussion eingetreten, in der zu zahlreichen in der Versammlung aufgetretenen Fragen Stel­lung genommen wurde. Als nächster Tagungs­ort wurde Alzey bestimmt. Zum Schluß kam noch ein Vertreter der Opposition, wie er sich selbst nannte, zu Wort, und versuchte in längeren Aus­führungen die Berechtigung zur Gründung eines neuen Landesverbandes nachzuweisen.

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

6 Wirberg, 14. Nov. In der Nacht zum Moniag wurde tm Pfarrhaus ein Brand entdeckt, der wohl schon einige Tage in einer Wand schwelte. Mit Hilfe ei-.iger Bewohner von Dollnbach und den Bewohnern von Wirberg gelang es nach mehrstündiger Arbeit, die Ge­fahr abzuwenden. Der enistandene Scha­den hielt sich in mäßigen Grenzen, immerhin ist eine größere Reparatur erforderlich. Dank dem rechtzeitigen Entdecken des Brandherdes und dem foforligen tatkräftigen Einarci en b:r Helfer wurde das in großer Ge ahr befindliche Pfarr­haus gerettet. Das Haus ist wohl alt, aber sehr wohnlich, und der Verlust wäre für die Gemein­den des Kirchspiels ein empfindlicher Schaden gewesen, ganz abgesehen von der Gefahr, die Leben und Besitz seiner Bewohner drohte.

< Göbelnrod, 14. Nov. Die günstige Herbstwitterung kommt den Arbeiten des Land­wirtes auf dem Felde sehr zustatten. Leider haben auch die Mäuse Vorteil davon: sie treten stellenweise sehr stark, besonders in den Kleeäckern, auf. Anseve Gemeinde hat zur Bekämpfung dieser Schädlinge einen Ver­gasungsapparat ongeschafst, in dem durch eine Patrone ein Gas entwickelt wird, das schwerer als Luft ist und deshalb in den Gängen der Mäuse bleibt und diese tötet. Mit bem Erfolg der Bekämpfung ist man zufrieden.

Beltershain, 14. Nov. Am Montagnach. mittag gegen 4 Uhr fuhr der von Gießen kommende, in Richtung Grünberg fahrende Personenzug in der Nähe unseres Ortes auf einem Bahnübergang ohne Schrankensicherung in die Schafherde des Landwirtschaftskammerausschus. s e s für Oberhessen. Es herrschte stark nebliges Wetter mit Regen, so daß die Sicht außerordentlich beeinträchtigt war; außerdem hatte der Schäfer den Wind von der entgegengesetzten Seite, wodurch er das Herannahen des Zuges nicht hören konnte. Zehn Schafe wurden durch den auf der Stelle getötet, drei Tiere so schwer verletzt, daß sie abgefchladtet werden mußten, drei weitere trugen derartige Beschädigungen davon, daß sie heute noch in tierärztlicher Behandlung sind. Der Schaden beläuft sich auf etwa 1000 Mark.

Kreis Friedberg.

Friedberg, 13. Nov. In der Monats- Versammlung der Deutschnationalen Volkspartei erstattete der Vorsitzende des Provinzverbandes Oberhes en. Dr. Lenz-Gi:hen, Bericht über d e Arbeit dir Partei in Vergangen­heit und Zukunft. Die Ursache der bekannten Krise der Partei sei darin zu suchen, daß sie in dem Glauben, damit dem deutschen Volke am besten zu dienen, Teile ihrer Grundsätze preis- gegeben habe. Das sei ein verhängnisvoller Fehler gewesen, der sich am 20. Mai gerächt habe. Aus den Erfahrungen dieses Wahlkampfes habe die Partei gelernt. Die Krise dürfe als über­wunden angesehen werden. Mit ungebrochenem Mute gehe die Partei daran, die Scharte vom 20. Mai auszuwetzen. In der äleberzeugung, daß die Zeit für sie sei. und in dem festen Glau­ben, daß das urteilsfähige deutsche Volk sich auf die Dauer nicht im Kreise herumführen lasse, gehe die größte Rechtspartei mit erneuerter K ast an ihre vaterländische Arbeit. In der Aussprache, die sich an diese mit starkem Beifall aufgenom­menen Ausführungen anschloh, wurde als Ku­riosum bekanntgegeben, daß heute noch durch Verfügung der hessischen Regierung die deutschnationalen Iugendgruppen unter einem Ausnahmegesetz stehrn, insofern den hessischen Schülern die Mitgliedschaft verboten fei. Nachdem die Deutschnationalen jahrelang in der Reichsregierung faßen, fei es ein Unding, ihre Iugendgruppen als staatsgefähr ich zu brandmarken. Die Partei erhebe entschiedenen Einspruch gegen dieses durch nichts gerechtferttgte Ausnahmegesetz.

Kreis Büdingen.

3 Büdingen, 13. Nov. Gestern abend fand im Saale desFürstenhof" unter zahlreicher Betei­ligung aller Dolkskrelse die 30-Jahrfeier des Vereins für G e m e in de p f l e g e statt. Der verdienstvolle Mitbegründer und Borsitzende, Pfar­rer Göbel, erstattete den Festbericht. 3m Gegen­satz zu vielen anderen Gemeinden konnte die hiesige Schwesternstation, die seit Juli 1914 über ein eige­nes Heim verfügt, auch über die furchtbaren Kriegs- und Jnslationsjahre yinaus gehalten werden. Die musi'alischen Darbietungen von Kreisdirektor Dr. G a ß n e r, Frau Pfarrer Adam, cand. med. Wagner und W. Appel fanden großen Bei­fall, ebenso die Gesangs- und Gedichtsoorträge der

Evangelischen Mädchenvereinigung. In den Begrü­ßungsansprachen der Behörden und Vertreter d?r Religionsgemeinden kamen insbesondere der Dank für die hingehende, selbstlose Arbeit unserer Ge­meindeschwestern und die herzlichsten Wünsche für eine gedeihliche Weiterentwicklung des Vereins zum Ausdruck. Im Mittelpunkt der weiteren Dar­bietungen stand ein Lichtbilderoortrag von Pfarrer Hickel über das Mutterhaus Elisabethenstift zu Darmstadt. Wegen der vorgerückten Stunde konnte das reichhaltige Programm nicht ganz durchgeführt werden. Hoffentlich wird der wohlgelungene Abend dazu beitragen, dem Derein neue Freunde zu ge­winnen, damit er feine wohltätige Arbeit aufrecht» erhalten kann.

Kreis Alsfeld.

fr* AlSfeld, 14. Nov. In den letzten Tagen hielt die Archäologin an der Landesuniversität Gießen, Frau Prof. Dr. Margarete Bieber in bet hiesigen Dürergesellschaft einen Licht­bild erv t>r trag über Aufführung griechischer Tragödien. Die Dorttagende wies auf Grund eigener Forschung nach daß die neueren Ansichten über das Thrctterspiel im Altertum vielfach von den früheren Auftasiun- S abweichen, waS vielfach bivauf zurückzu- ren ist, daß man die Vorstellungen an den mtern der römischen Zeit auf die älteren An­lagen in Griechenland übertrug. Die Hauptstreit- frage für die Wissenschaft drehte sich nun barum, wo im Altertum, insbesondere in der hellenistischen Zeit, die Schauspieler gespielt ha­ben, unten in der Orchestra oder auf der er­höhten Bühne. Die Vortragende lieh in einer 2keihe von Lichtbildern aus mehreren Theatern die Zuhörer sozusagen selbst die neuen Lösungen finden. Eine genauere Betrachtung von Dasen- bildern aus dem 5. Jahrhundert v. Ehr. hat auch hier geholfen, die Entwicklung Elarer zu überblicken. Je mehr die Ehorgesänge durch daS eigene Theaterspielen verdrängt wurden, desto mehr zog sich das Spiel von der Orchestta nach dem Dühnengebäude zurück. Aus dem alten Holzausbau entwickelte sich das steinerne Düh­nengebäude. Zum Schlüsse ihres, durch sehr gute Lichtbilder wirksam unterstützten, interessan­ten Vortrages nahm Frau Prof. Bieber Stel­lung zu der Frage, wie man heute Ausführungen antiker Stücke ausstatten soll. Arn meisten An­klang durfte es finden, wenn sich die Schau­spieler nicht um archäische Genauigkeit bemühen, sondern sich in die Gewänder des täglichen Lebens aus der Zeit der Dichter kleiden, für deren formschöne Gestaltung uns die Werke der großen griechischen Künstler die vollkommensten Muster geben. Die Zuhörer dankten für diese geschickte Einführung in eine wissenschaftliche Son­der frage mit lebhaftem Bei all. Auch dieser Vor­trag hat bewiesen, daß Gegenstände, die für Vorträge anscheinend ferner liegen, bei einer geschickten Ausgestaltung des Themas doch Inter - effe finden und die Zuhörer zu fesseln ver­mögen.

Oer Paratyphus im Kreise Lauterbach.

WSN. Lauterbach, 14. Nov. Wie das Kveisgesundheitsamt Lauterbach erilärt, wurden in letzter Zeit in den Orten Lauterbach, Maar, Heblos, Angersbach Landenhausen, Bernshausen, Blitzenrod, Rixfeld und HofmannS'eld vereinzelte Fälle von Paratyphus festgestellt. Im gan­zen sind etwa 20 Fälle zu verzeichnen, die zum Teil leichter, zum geringen Teil auch schwer verlaufen sind. Nur in Stockhausen hatte die Krankh:it seuchenartigen Charakter angenommen. Die meisten Erkrankungen sind in der zweiten Oktober Woche vorgekommen. Her­nach wurden nur noch vereinzelte Fälle bekannt, so daß jetzt zu hoffen ist, daß die Seuche -um Erlöschen kommt.

Starkenburg.

WSN. Darmstadt, 14. Nov. 3n der Nacht zum Mittwoch entstand in der Tempelschen Pappenfabrik zwischen Babenhausen und Sickenhofen Grobfeuer, dem das Wohnhaus und der Mühlenbetrieb zum Opfer fielen. Die Brandurfache soll Kurzschluß sein. Das Feuer griff schnell um sich, jedoch konnten das Vieh und einige Einrichtungsgegenstände gerettet werden. Der Schaden ist bedeutend. Die Fabrikanlagen sind durch Versicherung gedeckt.

Preußen.

Kreis Wetzlar.

cZ Krofdorf, 13. Nov. Bei einer gestern im Walddistrikt .Wettenberg" abgehallenen Treibjagd wurden 58 Hasen, 1 Fuchs und eine Schnepfe zur Strecke gebracht.

-5- Lützellinden, 14. Nov. Dor einigen 'Tagen wurden hier die ilmbauarbeiten am elektrischen Ortsleitungsnetz be­endet. Bei den Arbeiten handelte es sich um die Abnahme von 31OOO Meter Eisenleitungen, die durch solche von Kupfer ersetzt wurden. Die Arbeiten waren den Siemens-Schuckert-Werten in Wetzlar übertragen und erforderten einen Ko­stenaufwand von rund 5000 Mark. Die bis­herigen starken Detriebsmängel, wie zuckendes Licht und beträchtliche Stromverluste, sind durch den Umbau nun endgültig beseitigt.

J Groß.Rechtenbach, 14. Nov. Unserer Polizei ist es gelungen, den Töter zu ermit­teln, der vor einigen Tagen die Hebamme R o m p f von Oberkleen imFinsterloh" zwischen hier und Wetzlar abends mit seinem nichtbeleuch­teten Fahrrad Überfahren und erheblich verletzt hat. Es handett sich um einen in gutem Rufe stehenden Steinbrucharbeiter aus Ebersgöns, Der Mann hat bei dem Unfall selbst erhebliche Ver- letzungen daoongetragen und sich dann jeden­falls aus Furcht vor Strafe und zioilrechtticher Haftung für den von ihm angerichteten Schaden nicht weiter um die Verletzte gekümmert.

5Groß-Rechtenbach,13. Nov. Bei einer im hiesigen Gemeindewald obaehaltenen Treibjagd wurden 25 Hasen und ein Fuchs erlegt.

^Hochelheim, 13. Nov. Bei einer am Sams- tag im hiesigen Jagdbezirk stattgehabten Wald- t r e i b j a g d tarnen sechs Rehe und acht Hasen zur Strecke.

<2> Oberkleen, 13. Nov. Bei einer in dem kleineren Jagdbezirk der hiesigen Gemeinde abge- jaltenen Waldtreibjagd wurden 9 Rehe und 10 Hasen zur Strecke gebracht.

Daten für Freitag, 16. November.

Sonnenaufgang 7.19 Uhr, Sonnenuntergang 16.10 Uhr. Mondaufgang 11.26 Uhr, Monduntergang 18.33 Uhr.

1632: Tod Gustav - d. lis von Schweden, bei Lützen lestorben; 1717: der französische Philosoph Jean ieronb d'Alembert in Paris geboren; 1766: der Komponist Rudolf Kreuzer in Versailles geboren.