Ausgabe 
15.9.1928
 
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Nr. 218 .Zweite? Blatt Gießener Anzeiger iAeneral-Anzeiger für (Dberlitfien) Samstag, 15. September 1928

i r*Aaati -ww »Makawu k" t -r >«. m> .».

Vie französischen Pläne im Gaargebiei.

Der tfmtolpunfl in brr englischen Politik, d r Fronteei-ch Dir unbestrittene Nühru-g n her europäischen Politik gegeben oct biticrt. wie heute leststeht. leit den März diele» Jahres Unb von vielem Zeitpunkt an 'ähren lid) die Militär» am Rhein wieder mehr als die Herren auf, auch die sranzöft' che Saarvollttl wurde wieder lebend.g Sine neue franzöfiiche Organisation trat aul ben Plan, die ,A » »oci a- t i o n francane de la Sarfc. Sie erliest eine gro^;e Kundgebung, die aber weniger für die Deutschen im Saargrbiet bestimmt ist. als für Frankreich. Die Ho lnung. im Saargebiet An­hänger Frankreich» zu finden, haben die Fran- zoien osfenftchtlich au g geben. Das der sranzv- fische Laaroeretn will, in eine Art Volk» b e- wegung in Frankreich aul die Beine zu bringen, mit der Parol» Rettung des Laurgcbietes vor dem Rucksal 1 an D c u t i ch l a n d und Verteidigung der mate­riellen und moralifchen Interessen Frankreichs im Saargebiet.

Dieser nantfWHdK Saarverein will Frankreich mit dem Retz einer Organisation überziehen. 3n grdsie.en und mittleren Städten will man Ort#- gruppen gründen, die das französische Doll für die Saarpläne g.winnen lallen. Die materiellen Interessen Franiieichs werden darum sehr doch beziffert, der Umsatz mit über zwei Milliarden Franken jährlich angegeben. Das Wesentliche aber ist. vast die Afcsoaation fordert, unter allen älmständen auch wenn da» Saargcbiet ganz oder geteilt an Deutfchlano zurückfaUcn sollte, mühten dc Kohlengruben in f ran- »östschem Belih bleiben. Dabei wird auf die .Desahp' für Slsast-Lotbringen hinge- vxiesen. dic dadurch entstünde, wenn feine tsisen- tndustrie in .Abhäng-gleit" non der deutschen Daartodle kommen wurde

Darauf hin, auf den dauernden Besitz der Laar- Aruhen, gchen alle sranzosischen Bemühungen, das »st da» 21 und D der französischen Saarpolitik. An­dere Bestrebungen, wie die des Comitt Du pleir, das nicht mehr und nicht weniger al» eine einfache Annektion propagiert, sind nicht ernst zu nehmen. Frankreich will die Saargruben behalten und damit da» gefamte Wirtschaftsleben des Saar- gebiete» weiter beherrschen. Eben hat der General, birehor de» französischen Kohlenrnognaien, D e Wendel, einen neuen Plan der französischen Re. gierung vorgelegt. Rach diesem Plan soll die ge­samte lothringische Montanindustrie eine Gesellschaft gründen zur lieber- nähme der gelernten cflürgrubcn, ur. ter Beteiligung he» französischen Staate» natürlich Ti an hat also offenbar den früher gehegten Plan, die Kohlengruben in eine inlernationole Gesellschaft zu überführen, ausaegeben. Die französische Politik beabsichtigt also aus diese Weise, da» o e r t r a g l ich festaelegte deutsche Recht auf Rück- kauf der Saargruben nach der Ab st im» m u n fl z u umgehen.

Da aber ist nicht die einzige Gefahr, die dem Saargebiel droht. Die fronzosilche Saarpolitik will nicht nur die Gruben und damit die Kontrolle über die Saarwirtlchast behalten, sie will ein Stück de« Saaraebietee lo » reisten und an Frankreich angliedern. Und zwar da» Warndtgebiet. In ihm liegen noch gewallige Kohlenschatze unberührt; Flöze bi» sieden Meter Mächtigkeit! Schon saft seit einem Jahre sind die lothringischen Grubenbesitzer daran gegangen, u n ter der Grenze her Stollen in da» Warndtgebiet hineinzutreiben An- lagen von größten Ausmosten begann man anzu- legen. Ganze Siedlungen, geradezu vorbildlich in ihrer Art entstanden, mit Schulen, Rathäusern, Kirchen, Bädern und Sportplätzen. Die französisch, Spekulation ist nun folgende da» Warndtgebiet ift ein arme» Waldland mit einer wenig zahlreichen armen Bevölkerung, die ein karges Leben fuhrt. Die Manner fahren auf die Saargruben und auf die Hüttenwerke zur Arbeit. Die schlechte Wirtschaftslage ün Saargebiet aber bringt es mit sich, da st ein gro- ster Teil dieser Arbeiter arbeitslos oder dauernd durch Arbeitslosigkeit bedroht ist Ihnen werden nun von den Gruben jenseits der Grenze Arbeit auf lange Dauer, guter Lohn und vorbild­liche Wohnungen geboten. Die Franzosen hoffen auf diese Weise wenigstens einen Teil der Warndt, bevolkerung zu gewinnen, da» heistt. ihre Slim« men für d i e Abstimmung 1 935 z u ge­rn l n n e n. Da gemeindeweise Abstimmmung wie in

Oversthleften vorgesehen ist. h- ballen *» die Fran zosen auf diese Weise für nicht schwierig, nach oder- schlesischem Muster eine Abtrennung de» Warndt- gebiete» begründen zu können

Für mir sichcr sie ihre Aussichten halten, da» er­hellt die folgende Tatsache Im Amtsblatt Nr 19 der Regierung-komnüssion veröffentlicht da» französische Dberbergami die (Einteilung der Berge«, .re im Saargebiet Dann ift nun fine Grube(Br et roh de" al» Pachtfeld der lothringischen Firma De Wen­de! bezeichnet Da» ift die eine Seite be» Warndt- Gebiete». auf der anderen Seite aber liegt ein

gleiche. Pachtfeld, GrubeÄaiisbrunnrn", da» der franzosi cheneaar- und Mosel-Bergwerk» G< sellschaff gehört. Da» Warndtgebiet ift also bereit» von zwei Seiten i n d, e ^angecenrmmen. Leider gibt da» Amtsblatt r icht die rauer de» Pachtverträge, an, e» wird aber die übliche, auf sehr lange S.cht Irin. Hier also ist bereit* von Der Regirrungekommi-fion. die al» Treu händer de» Dölkerbundes d.e Interessen de* Saar- gebiete» und nicht bi> Frankre chs wahrnehmen soll, ein Teil der 5aergruben an französische ®e- sellschasten verpachtet!

ist !lar, dast . eutfch.and al» Mitglied be»

Uvrtutib*. diel' > 'am,Teeuhuuderpolittk" der Regierung kommi de» Saargebiete» nicht hin- nrbiTi-n t'.nn. ?t.. .7 and kann Nicht zugeben, dost

. r r e,e Iv . a.7 .n s. - hassen werden. Und e» dreü sich hier nicht um tragen die zwischen Frankreich und Deutichlai.t vesonder», sozusagen privatim, geregelt iverden tannen, «onbern e» e.;e;:heii, i .e den Völ­kerbund al» d< Treuhänder de» Saar-

Das Gießener Gtudentenhauö.

Seil Iah-ren entfaltet dre Diestcner S t u- dentenhilfe unter der Leitung ihres Dor- fitzenden Pro' Dr. Eger eine fegeasrcich.' Tä­tigkeit zum Selten brr wiistchaftlich 'dwachen Lludierendei- unserer VanbeBuniDerhläL Dci diefer Arbeit wurde der Ltudcntenhil'e b\c tal- bereite und opferfreudig: Unterstützung weiter Kreise unserer RNtbürg-r in Stadt und Land, in Diesten und Cberb-lfcn. wie auch darüber hinaus 8ut.iL Finarz l e Deih l en, Lieseru ge non 21a- turalien ufw.. sowie wertvolle Ratichlögr zur UebetWinbung der mannigfaltigen Sd-nerig- keiien, die sich gerade in f*n Inflation»,ähren und der nach! o'.gm den lieberganoftyil g nz be­sonders diesem schonen Hktte der-ritenliebe und der Studenteniv fern a entgegenficLten. wa­ren die eindrucksvoll n I ..indungen der warm- beryflen Lympathie |ür alles bas. wa» der Ltudentenvater Öger zum Ruhen ferner Schütz­linge in Angriff nahm Sv erfreulich die bis­herige Ausgestaltung der Ctubentcnbilfe nach den oerlchiebensten Richtungen bin in den letzten Jahren war. fo blieb doch immer noch ein Hauptprogi ammpunkt zu erfüllen übrig, nämlich die Schaffung eines Studentenhauses als Zentralstelle des gesamten Hil'SwerleS. Die (Jr- rtchlung eines solchen Hauses in Diesen muh cl» dringende Rotwendigkeit bezeichnet werden, damit unsere llnitxrfllät auf dem Gebiete der wirtschaftlichen Fürio gr für die Studenten nicht hinter den Rachvaruniversitäten zurückbleibt.

Rach jahrelangen 'Bemühungen um die ®r- fullung dieser Rotwendigkeit gelang eS im Jahve 1925, durch die schnellentfchlossene Ausarbeitung eines Daurntwur eS f .-itens deö Hesfifche i Hoch- bauamteS die Unterstützung der Wirtscha'tShilfe der Deutschen Studentenschuft für dieses Vor­haben zu g -winnen. Dann trat aber leider ein Stillstand b i der Defchaffung der erforderlichen Mittel ein. bi« schiiestlich im vorigen Jahre Reich und Staat für daS Bauvorhaben g.-Wonnen wer­den konnten und sich zur He^gave von Geld­mitteln bercitertlärten. Mllllerweile war auch der ursprüngliche Bauen twurs verschiedei.en 2lb» änberungen unterzog eii worden, und erst in die­sem Jahre erhielt er nun seine endgültige Ge­stalt. Jetzt ist daS Werk so weit gediehen, dah in den nächsten Wochen auf dem von der Stadt Gießen zum grßbten Teile kostenlos zur Ver­fügung gestellten Baugelände zwischen Leihge- ftemer Weg und verlängerter Friedrichs!rahe mit den Ausschachtungsarbeiten begonnen werden kann.

Das Studentenhaus der Gießener Vtudentenhilse, von dem wir hier eine Skizze abdrucken, bei der die rückwärtige Haus­front durch die überragenden Linien dar ge­stellt ist, wird feine Siont nach dem Leih- gesterner Weg zu haben. Der Entwurf zu iefem Gebäude wurde Im Auftrage deS Hessi­schen HochbauamteS von RegierungSbaurat v. der Lehen gefertigt. Die weitere Planbe­arbeitung und örtliche Bauleitung wurde durch einen besonderen Dau ausschuß der Stubcnlcnbllfc dem Architef ten Ernst S ch m i d t - Giehen über­tragen.

Dic Raumeinteilung in dem Gebäude ift folgende:

3m Kellergeschoß sind Räume für die Hei­zung, für ÄartoffelaufbcrDahrung, für Fahrräder und für eine Werkstältc. ferner noch ein besonderer Keller für den Hausmeister vorgesehen, wobei die WirtfchaftskcUer von dem Heizungsraum vollständig getrennt sind.

lieber eine breite Freitreppe gelangt man im Erdgeschoß durch einen Windfangroum in eine lichte Dorhalle Auf der rechten Seite des (Frbae- schosse» (vom Eingang her gesehen) sind Räume für

die Drucker« der Studentenhilfe, für Garderoben und Toiletten und für einen Unterstell raum für (Bartenmobei vorgesehen. Lus der linken Seite be­finden sich die Flickstube, die Bügelswbe. der Raum für Wäscheannahme und -ausgave. die Waschküche mit allem Zubehör, em Faßkeller. ein Raum für Kuchenvorrate und in der Mitte der rückwärtigen .<)au»front (die in diesem Teile de» Hause» in das hoher gelegene Gelände der verlängerten Friedrich ftrafu hineingebaut werden must! ein ObftfeDer.

von der Dorhalle im Erdgeschoß aus gelangt man über eine monumentale Freitreppe in bas erste Obergeschoß, wo man zunächst eine gro^c Halle betritt, die sich nach der Südseite hin in einer Terrasse fortsetzt, von der au» man Zugang zu dem (Barten nach der verlängerten Friedrich strotze hin hat Diese Halle wird als Aufenthalts- und Gesellschaftsraum für die Studierenden bienen;

Ucgen Wohnrauine für Studierende, und zwar elf .»immer tum Alleinbewohnen und drei Zimmer für je zwei Studenten Ferner sind in diesem Geschoß, über dem Küchentrati gelegen, die Wohnräume be» Hausmeister», be» Xrasnvagenführer» und be» ))au»bur|chen vorgesehen. diese Raume sinh durch ein besondere» Treppenhaus zu erreichen Bade- raume. Duschen und Walchraume vervollständigen die Einrichtung dieses Geschosse», da» austerdem noch einen Dachganen im Mittelpunkt be» Baue» auf- weisen wird

Das dritte Obergeschoß enthalt an her Sudiront nach der verlängerten Friedrichslraste zck dic 3immcr für die w>rtschast»suhrenden Schwestern, die Wohnung be» Geschäftsführer» ber etubenten- hilft unb brei weitere Einzelzimmer Ferner ffnb in bieirm Geschost an den brei übrigen Houssronten Wohnräume für weitere M Studierende, teil» al»

sie wirb mit Lese- und Spielecke aurgestallet sein und außerdem eine erhöhte Bühne aufweisen, welche tagsüber al» Kaffeestube benutzt werden kann und, falls die große Halle al» Vortragssaal oder dgl. Benutzung ftndet, auch al» Bühne dienen wird. Ein ,-jwischensaal von ber Halle au» bildet ble Serbin- bung noch bem geräumigen, in ber Hausfront nach bem ßeihgefterner Weg zu unterqebragten, unter- aefeiltcn Speisesool, an besten Breitseite beim Licht­hof sich bie Ausgabestelle fiür ba» Esten ber in bem House speisenben Studenten befinbet. Anschließend an den Roum für ble Essenausgabe wird die Küche untergebracht, daneben wird die Spülküche ihren Platz haben. Seitlich des Speisesaales wird noch ein besondere» Zimmer geschaffen werden, das gelegent­lichen kleinen Geselligkeiten dienen soll. Hinter der Koffeestube und Buhne sind Umkleide- und- räume für dos Personal voraesehen. Die AnloAe der großen Halle, des Zwischensooles und des Speise­saale» wird so erfolgen, daß alle drei Räume zu­sammen auch für größere Gesellschaften bienen können.

Im zweiten Obergeschoß befinben sich noch einige Arbeit», unb Gcsellschostsräume für bie Studierenden, darunter auch ein Musikzimmer, fer­ner da» Geschäftszimmer Der Studentenhilfe, ein Zimmer für deren Geschäftsführer, ein Zimmer für den Vorsitzenden, ein größeres Konferenzzimmer, ein Zimmer für den afta, ein Schreibmaschinen­zimmer, ein Zimmer für die Housaufsicht unb ein Schrank jimni,, Diese Räume werden, abgesehen von bem Musikzimrmr, in ber Hausfront nach ber verlängerten Friebrichftraße zu erftelU werben. Im gleichen Geschoß noch bem Veibgeftcmer Weg zu

Zimmer zum Alleinbewohnen, teil» al» Zimmer für zwei Studenten zur Erstellung geplant Bader, Duschen und Waschräume bilden auch hier di» not­wendige Vervollkommnung der Wohnräume.

Im Dachgeschoß werden fl<h die Zimmer für die Köchin und die 'Mädchen, Baderaum für diese, Aktenzimmer und der Dachboden befinden.

In dem Haule können insgesamt 4 5 Studie­rende eine sttzvne Unterkunft In guter Lage der Stadt unb auf ber Höhe mit genußreichem Fernblick auf ble fchöne Umgebung Gießen» flnben Der Hau»- bau muß natürlich bem stark anfteigenben Gelände angepaßl werden, fo daß er am Cfibflrftcrnrr Weg im Erdgeschoß völlig frei steht, während er im gleichen (Itichoß an der verlängerten Friedrichstraße noch den Charakter al» Kellerroum hat. Für spätere Zeit ist im Gorlen an der verlängerten Friedrich­straße di« Schaffung eine» Kafseepavillon» in An­sicht genommen, durch den bas Gesicht be» Garten» eine wesentliche Verschönerung erfahren wirb.

In ber oußenarchilektonischen Gestaltung kommt der Unler'chicd in der Zweckbestimmung ber Räume dieses Haust» in glücklicher Weise klar unb harmo­nisch zum Ausbruck Ter Schöpser be» Entwürfe», Rcgierungsbaurot v bertienen, hat mit sei­nem Werke unserer Gießener Sludentenhilse einen guten Dienst ermielen und wird ihr mit der Ver­wirklichung dieser Plänc rin Heim schasffn, ba» sich in praktisch.-r und künstlerischer Hinsicht ben auch in anbercn Unioersilotsstädten im Entstehen begrif­fenen Stubentenhausern würdig zur Seite stellen kann.

Verhängnisse.

Vornan von LiesLet Dill.

Copyright by Martin Feuchttoanger, Halle (Saale) 27 Fortsetzung. Nachdruck verboten

Bauern kamen in Gruppen an ihm vorbei. Die dourgognischen weißen Dauben ber Bäuerinnen flalierti-n zwischen bem (Brun, Äinber ineben Reisen durch den Park, auf ben weißen Bänken sahen Paare, Segel pickten auf bem englischen Rasen nach Würmern, irgenbwoher tönte gedämpfte Musik, unb aus einem Lass, besten luren weit offenstanden, hörte man einen Lautsprecher etwa» vortragen, worüber die Männer im Chor lachten. In einer Kegelbahn schoben einige Männer in Aembämicln Kegel. Charles blieb stehen unb sah au. al» ihn ein Roilftuhl streifte. Ein lunger Diener schob einen Fahrstuhl an ihm vorüber, in bem ein schlanker Herr in hellgrauem, mobernem. leichtem Hommcrjackctl unb hellgrauem Filzhut mit schwar­zem Band saß, vornehm, elegant unb lehr abge­zehrt. sicher ein Schwerkranker, ein Paralytiker vielleicht ...

Wahrhaftig, dachte Charte« der gleicht bem allen Tupon ...

Diele lonbcrbare Sehnlichkeit fiel ihm auf. unb er folgte dem Rollstub!.

Der Diener fchob ben Stuhl durch bie Menge der aus einem Cafe strömenden Fremden und fugt an dem Musikpavillon vorbei durch die Anlagen, in denen unter schattigen Bäumen einige Damen faßen, die Handarbeiten machten. An der Quelle, die ihr Mineralwaster sprudelnd in die glasierten Decken ergoß, standen Bauern, die sich ihre Dafier- siaschen von der Quellennymphe füllen ließen. Auch der Fahrstuhl hielt unb bas Fräulein reichte bem Diener das gefüllte Dias.

Charles hatte den Fremden im Rollstuhl er- könnt. Er trat an ihn heran.

RenS!?-

Dcr Herr im Rollstuhl tat. als ob er nicht» ge­hört habe. Er roanble mit Ungedulb den schmalen Kopf unb befahl bem Diener, rasch weitcrzufahren. Aber Charlcs der jetzt feiner Sache sicher war, hielt ben Rollstuhl fest.

.Hallo, aller Freunb. kennen wir uns benn nicht mehr? Ich bin'», (Tharles!"

Unb er stellte sich dem Freund in den Weg.

Der fab auf und erkannte Eharle», ber ihm beide Hände enigegenstrcckle. Lin nervöse» Zucken ver­zerrte seine abgezehrten Züge.

Nun ja. Niemand entgeht seinem Schicksal, ich wollte hgen, seiner Vergangenheit." Und er lüftete feierlich seinen Hut.Willkom.nen, Kamerad meiner Jugend. Ich bin ftoU darauf, baß bu mich wenig­sten» wiebercrkannt hast."

Tu hofstefi wohl, fo oorbeizukommen?" rief Charles, dein Freund d,e Hände schüttelnb ..Aber ich habe dich sofort erkannt, obwohl bu jetzt stark beinern Vater gleichst." Er hotte sagen wollen sehr schlecht aussichft", aber er wollte RenS nicht tränken.

Der Freunb halte sich allerdings nirchtbar ver- änbert. Er erschrak, als er sein Gesicht jetzt in der Nähe sah. Renö glich einem Greis, ber sich mit Mühe aufrecht hält unb beffen Diener jebtn Mor­gen mehrere Stunben braucht, um ihn fo heraus- zubringen, wie er ba im Rollnuhl faß, foigniert. elegant, gepflegt unb nach neuester Mode gekleidet, eine ftache weiße Kamelie ün Knopfloch feiner knapr'itzenden hellgrauen Jacke, weih« Wildleder- bandschuhe, weih« Schuhe, aseige Beinfieiber. Nau- ieibene Strümpfe. Gan; ber alte RenS.

Erlaube, daß ich dich fahre, unb fchicke deinen Diener heim", bat Charles indem er ben Rollstuhl weiterschob.

Nein, banke, bu würdest mich beim erfreu Ab- fatz auf das Pflaster setzen, bas kenne ich. Aber komm mit. ich fahre in mein Hotel."

..Was fehlt bir benn Das Bein gebrochen, beim Hurbeniprung gestürzt", fragte Charles anf ben Rvll'tubl deutend.

Hürdenfprung?" Ren< lachte kur; auf.Das ist etwa», was auch zu meiner Vergangenheit gehört, leider, denn was ich am meisten vermisse, ist das Pferd."

Du reitest nicht mehr."

Renö machte eine Handbewegung,vorbei ... Aber davon später. In dieser Straße ift mein Hotel. Ich hosse, daß bu mir diesen Abend schenkst. E» ist mein letzter Tag hier, morgen früh fahre ich nach Pari» zurück. Meine Kur ist bcenbct. Die kommst du eigentlich hierher' In Gefchöften>"

Dir haben eine Reise an dir Loire gemacht."

Eine Reise'' Eharle- reif Ohne deine Frau?" Nein, sie ift natürlich a^ch hier "

Und wo ist fie?" 2)upon iah sich mit einem Ruck um.

,Lm Theater Man gab .Carmen', ihre Lieb- lingsoper."

Carmen? Ohl Di« rot« Nelke im Munde und bas Messer im Gürtel, bas bem wirklichen Halben immer so lose sitzt" Rens fab Charles anWie breit unb gefunb du ausfiehst? Tu bih noch gr- wachfcn. Du erinnerst mich an bie allen Bäume im Park, bie immer breiter werben, je älter sie sind. Bei mir ift es umgekehrt. Ich bin eingefd)rümpft. (Fine Mumie. Man kann mich ausstellen im ägpr tischen Museum. Nächstes Jahr seht ihr mich bnn."

Charles, ber neben bem Sagen herging, hielt Renes Hanb. Er war ro glücklich über biefes Sie- de riehen. Und fo erichüttert über Renss verän­dern; Aussehen, dah er keine Sorte fand. Was würde Obelle sagen, bachte er. Nun habe ich ihn boch gesunden.

..Was für eine Riefenklaue bu hast, Charles. Und was für Kräfte.' Der Händedruck vorhin ..."

Nun. der war so immer fo. Wohin fahren wir berm?"

Ln bas Aotri be E*xngn*. Selbstverständlich bist du mein Gast heute abend. Ich speiie zwar auf meinem Zimmer, aber es ist groß und luftig, mit Baffem Du host doch nichts ander« vor?"

Wenn ich mit dir zusammen bin, nein. Aber weshalb -willst bu denn schon morgen fort, barm siehst bu |a nicht einmal meine Frau?"

3d> bin hier fertig", sagte RenLDa« panw Bad Ist mir zu weich, ble warmen Quellen, diese gedämpfte Almofphäre. Es ist ein Treibhaus. Unb überall Gelichter. Männer mit Bäuchen, biefe ewi­gen Amerikan. r unb bi« H«rben vertrockneter, an- geputzter (Enplänberinnen unb bicke Kaufleute au» bem Mibi, bie au»sehen, wie Zauberkünstler ober ctf icnpenbänbiqer ober Geigerkönige, eine Corte, die ich schon auf Postkarten nicht vertrage. Und im Hotel be Sevign^ werben jeben Tag dreimal Aeflheten serviert ... ich verziehe mich ..."

Aber deine Kur?" meint« Chart«».

Kur Ach. das ist eine Redensart. Mich kuriert man nicht mehr, nachdem mich bn« Leben so zu- gerichtet hat. In bieler Equipage kutschiere ich^nun durch dic Wclt. 3d) habe ramlid) feine Berne mehr, verstehfl bu Man sieht sie noch, aber sie taugen nicht» mehr."

.Weshalb hast bu benn nie mehr etwa» von bir hören lasten, alu-r Freunb?"

lieber Dupon» obgemagerte» Gesicht lief ein Zucken .,3a, man gehl fori, man ift au» ber Welt, man wird verpesten Lo ift ba» Leben. Wozu schreibe n?"

Du bist verheiratet, nicht wahr''"

..3d) war verheiratet", sagte 3len#.

Ach. und jetzt?"

bin ick-, wieder 3unggtwUe. Meine Fra» Hai mich verlassen. Früher, weißt bu, verließ man die Frauen. Ient stt's umgekehrt, sie rächen sich." Unb wo wohnst bu?"

.Jyier gleich um bie Ecke, ein stilles Haus, retir ron Amerikanern."

Der Wagen bog um bie Ecke in eine Allee non hohen Kastanien. Rechts bog sich der Park an ben Ufern der All'cr vorbei, Imf» lagen Holel» tn Gärten. Das .Hotel be Sevign^" lag etwas zurück

.Ater sind wir."

(Fortsetzung Wat)