Ausgabe 
14.11.1928
 
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Mittwoch, U- November 1928

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Ur.269 Zweites Blatt

Deutsch-Ostafrikas Ende.

Jur Srmnermig an den 14. November 1918 Don $. von Unger.

2lm 18. August 1914 dampften englische Kreu- bot dem Hafen Dort Daressalam und et* * öffnet^ das Feuer aus ihren Schiffsgeschützen. Sn der Kolonie hatte es niemand für möglich gehalten, daß die Feinde den Krieg auch auf den schwarzen Erdteil übertragen wurden. Das w i der sprach allen früheren Verein­barungen: setzt« es doch die Herrschaft der Weihen über di« Schwarten auf das Spiel, wenn diese gewahr wurden, daß di« Europäer sich untereinander befehdeten. So waren auch teiner- lei Befestigungen in den deutschen Kolonien Afrikas geschaffen, keinerlei Vorräte an Waffen, Munition oder Lebensmitteln au'gestapelt wor­den. Di« Schutztrupp« Deutsch-Ostafrikas war nicht größer, als di« Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung in einem Lande erforderte, das an Ausdehnung doppelt so groß war als Deutsch­land. ,

Als die Engländer sich Anfang November an­schickten. in Tanga zu landen, um di« dort en­dende deutsche Aordbahn zu besetzen, zog der Kommandeur der Schutztruppe Oberst von Lettow-Dorbeck, in gröhter Eile einig« der im ganzen Land verteilten Kompagnien zu­sammen. Schon waren 6000 Mann englischer und indischer Regimenter gelandet, als Settoto mit 1000 Gewehren über sie hersiel. Vach har­tem Kampf, in dem die deutsche Schuhtruppe, die weihen Soldaten und die schwanen Afrikas da­neben aber auch die aus den deutschen Pflan­zern zusammengestellten Kompagnien ihr Bestes hergaoen, wandte sich der an Zahl sechsfach über­legene Feind zur Flucht: er erreicht« nur mit RUihe seine Schiffe und verlieh das Land. Ungeheuer war die Deute an Kriegsmaterial und Lebensrnitteln: wichtiger noch war der Ein­druck von dem Sieg von Tanga, von dem die Kunde wie ein Lauffeuer durch das ganze Land ging, und die Zuversicht für die weiteren Kärnpfe stählte. r r.

Aehnlich erging eS den Buren, als sie An­fang 1915 beutegierig unter General SmutS in das Kilimandscharo-Gebiet entfielen. Ende 1916 kamen portugiesisch« Truppen über die Düdgrenze: ihnen wurde in kürzester Frist der Aufenthalt auf deutschem Gebiet verleidet.

Die Mitte des Jahres 1917 bracht« neue Er­folge über die Engländer. Öltet allmählich wurde auch die Munition knapp. Ende 1917 schlug Lettoto noch einmal di« Gegner, dann zog er sich mit den besten Teilen seiner Schuh­truppe in di« Steppe zurück. Dies veranlaßte die Engländer, triumphierend den Sieg zu ver­künden, und leider kehrte daraufhin auch irrtüm­lich ein Zeppelin kurz vor dem Ziel wieder um, der der kleinen Schar wertvollste Hilfsmittel T ingen sollte. Lettoto ater fiel unterdessen in Portugiesisch-Ostafrika «in. Seine per­sönliche Spannkraft und seinen unbeugsamen Wil­len übertrug er auf jeden seiner Truppe. Aller Gefahren spottend, führte er hier einen kühnen Feldzug. Er spürte den Feind auf, schlug ihn und nahm ihm alle seine Vorräte ab. Der Hm- zingelung durch seine Gegner entzog er sich immer wieder, so ost sie ihn auch gestellt hatten. Roch im Juli 1918 erfocht er einen Sieg über Engländer und Portugiesen. Dann kehrte Lettow in die deutsch« Kolonie zurück, und brach nach mehreren Streifzügen in Rhodesien ein. Hier ereilt« ihn die Kunde vom Waffenstill­stand in Europa. Äntesiegt streckten «r und sein« tapfere Schar am 14. Vovember die Waf­fen. Gouverneur Dr. Schnee, der sich Lettoto angeschlossen hatte, sagt über die Lage am Schluß des Krieges:Was uns anging, so hatten wir auch noch weiter marschieren können, ohne daß di« Engländer die geringste Aussicht hatten, uns zu fangen. Viemals war bei unserer prächtigen Truppe das Gefühl stärker, unbesiegt zu sein, als zu dieser Zeit!"

Damit hatte der deutsche Besitz in einer Ko­lonie fein Ende gefunden, die sich in den letzten Sagten vor dem Weltkriege blühend entwickelt hatte. 3n knapp 30 Jahren wurde aus einem

Oer oberhessische Arbeitsmarkt vom 1. April bis 31. Oktober.

Im Bereich des Arbeitsamtes Gießen, über dessen nunmehrigen Bezirk wir bereits früher

berichtet haben, betrug die Zahl der Haupt- unter st ützungs- sowie der Zuschlags­empfänger in den Monaten

Hauptunterstützungs- Zuschlags-

empsanger Arbeitslos.- Krisen- Unterft. Unterst. April 3300 373

Mai 1792 222

Juni 1206 149

Juli 1082 68

August 960 56

September 1013 55

Oktober 1174 65

Arbeitslos.- Krisen- Unterst. Unterst. 4719 541

2208 356

1438 269

1291 117

1063 83

1268 74

1226 99

Zus. 10427

988

13213

1539

umfaßt. Demgegenüber ist die Spanne von 18 bis 21 Jahren relativ klein gewählt. Erfahrungs­gemäß ist auch hier d'.e Arbeitslosigkeit groß. Auch die Spanne von 45 bis 60 Iah en weist noch eine verhältnismäßig beacht iche Zahl von Unter» stühungsempfängern auf.

An Arbeitsuchenden wurden in der Be­richtszeit gezählt: April 6033, Mai 4460, Juni 3974, Juli 3225, August 3218, September 2594, Oktober 2447, zusammen 25 951.

Die Zahl der Vermittlungen im Ar­beitsamtsbezirk betrug in den Monaten April 1020, Mai 1121, Juni 1123, Juli 1268, August 1448, September 947, Oktober 1008, zusammen 7935.

Die folgende Darstellung zeigt die Gliederung nach Unterstühungsklas en der Hn'.erstützungsemp- sänger im Monat Oktober 1928. (Darstellung 2.)

bol8] 18 21 2H5 4-5-60 ObtrtiO Jahre

8

31

21

52 109 540 170 52*

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SSO 300 252

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Darstellung 1.

Obwohl die Lage des allgemeinen Arbeits- Marktes zur Zeit noch nicht als schlecht zu be­zeichnen ist, so wird jedoch, wie alljäh.lich, auch jetzt wieder mit einem leichten Ansteigen der Artettslosenzif em zu rechnen fein.

Es dürste die Oeffentlichkeit auch interessieren, näheres über die Altersgliederung, sowie die Gliederung nach Lohnllas.en zu erfahren. Hier­über gibt am testen die Zahl der Unter» stühungsernpfänger am 15. Oktober 1928 Ausschluß. Die Zahl der Hauptunter- stühungsempsänger betrug in ter Arbeits­lose n u n te t st ü tz u ng 903, in der Krisen­unterstützung 63.

Die folgende Darstellung zeigt di« Alters­gliederung. Die------ Linie zeigt hiertei die Ar-

teitSlosenunterstützungsempsanger. während die ...... Linie die Krisenurtterstützungsempfänger angibt. (Darstellung 1.)

Di« weitaus größere Zahl ter Unterstützungs­empfänger in der Altersspanne von 21 bis 45 Jah«n ist daraus zurück; usühren, daß diese Spanne di« absolut größte ist, und daß sie andererseits gerate die vollkräftigen Arbeiter

Darstellung 2.

In der Lohnklasse I werden solche Arbeitslose unterstützt, die einen Wochcnverdienst bis zu 10 RM. hatten. Lohnklasse II umfaßt die Unterstützungsemp­fänger mit einem Wochenverdienst von 1014 RM. Lohnklasse III .. 1418

IV 1824

" V 24-30

VI 3036

" VII 36-42

VIII '248

IX 48-54

X 54-60

XI über 60

Durch die bei dem Arbeitsamt Gießen geplante Umorganisation dürfte sich die Zahl der Vermittlungen künftig wesentlich erhöhen, ins­besondere dürfte dies der Fall sein, wenn alle Arbeitgeber ihren gesamten Bedarf an Per­sonal beim Arbeitsamt anfordern. Das Arbeits­amt vermittelt unparteiisch und kostenlos männ­lich« und weibliche Arbeitskräfte jeglicher Art.

ganz unerschlossenen Lande, in dem sich die Ein­geborenenstämme auf das heftigste befehdeten, feit 1906 war im Gegensatz zu den umliegenden Gebieten völliger Friede einewohlgeord- n« t« Kolonie gemacht. Für die Eingeborenen waren zahlreiche Schulen, auch Ackerbau- und Handwerkerschulen, sowie Missionsschulen er­richtet. Die Schlafkrankheit wurde von einem großen State von Aerzten mit Erfolg bekämpft, die Pockenseuche eingedämmt: die Kranken fanden Aufnahme in Hospitälern. Die Eingeborenen fan­den gute Verdienste durch Absatz ihrer eigenen Erzeugnisse oder durch Annahme von Arbeit auf den deutschen Plantagen. Di« Rechtspflege war mustergültig. Di« Schwarzen haben das alles dankbar anerkannt.

Versailles hat diese Blüte völlig vernich- t e L Das Diktat zwang Deutschland den Verzicht auf alle Kolonien auf. Die Mächte, die die Ge- biete besetzt hatten, teilten sie untereinander auf; das heißt sie wurden ihnen zur M a ndats - Verwaltung unter Aufsicht des Völkerbundes übertragen. Die Mitwirkung des Völkerbundes blieb dann allerdings eine rein formale Ange­legenheit. Roch im Dorfriedensvertrag hieß es anders, als die 14 Puntte Wilsons die Grund­lage bildeten. Damals sollteeine freie, weit­herzige und unbedingt unparteiisch« Schlichtung aller kolonialen Ansprüche stattfinten, die auf einer genauen Beobachtung des Grundsatzes fußt«, daß bei ter Entscheidung aller derartigen Souveränitätssragen die Interessen der betreffen­

Gießener Giadttheater.

Tanzabend Gret Palucca.

Man müßte, um diese Tänzerin und alles, was sie an ihrem Abend gezeigt hat, einigermaßen zu würdigen, ziemlich weit ausholen.

Es mühte eigentlich eine kleine Broschüre ge­schrieben werden, über den modernen Tanz, über den Tanz als Kunstwerk, über seine Herkunft, seine Entwicklung, seine Stilwanblungen und seine Ziel«. Hier gibt es viele Dinge, die noch ganz ungeklärt sind, Probleme, ästhetische Fragestellun­gen, über die unseres Wissens noch keineswegs eine ungefähre Einigung erzielt ist, wie sie zur Betrachtung eines solchen Tanzabends voraus­zufetzen wäre. .

Da dies aus begreiflichen Grünten m ter Geschwindigkeit nicht zu bewerkstelligen ist, muh man sich darauf beschränken, einiges herauszu- flteifen und festzulegen, was uns vor allem wesentlich erscheint.

Die Palucca ist eine Schülerin der Wigman, ihre berühmteste Schülerin. Jetzt längst schon nicht Schülerin mehr, sondern Meisterin auf neuen, eigenen Wegen und mit einem eigenen Schüler­kreis. Diele halten sie für di« bedeutendste Tänzerin, die wir gegenwärttg besitzen.

Der tiefste, unmittelbarste und bleibende Ein­druck: ihr künstlerischer Ernst, ihre unbedingte Ehrlichkeit. Verzicht auf jedes Mätzchen, all« Spielerei, jeglichen Effekt und Publikumsfang.

Sie verschmäht die Ausmachung, die billigen Hilfen ter Ausstattung, des Kostüms, des Schein­werfers. Sie will kein ablenkendes, schönfärbendes Beiwerk, sie will den Tanz an sich, bedingungslos, fell>ständig ... den Tanz als Kunstwerk vom gleichen Rang wie etwa die Plastik oder die Ar­chitektur. Sie ist eine ungeheuer sachliche Tän­zerin. Ihre Hingegetenheit an die Sache, die rhr am Herzen liegt, hat etwas Fanatisches. Das ist großarttg und muh von jeder Krittk anerkannt werten.

Ferner: sie hat es nicht leicht. Sie hat eS unendlich schwer. Don Ralur aus. Genau toi« die Wigman. Sie hat - außer ter Technik und dem seelischen Antrieb in ihrer Gestaltung

nichts, oder so gut wie nichts, worauf sie sich verlassen fönnte.

Man denkt an Tänzerinnen, die auch nicht schlecht, auch künstlerisch ernst zu nehmen waren, und die es doch sehr viel leichter hatten: die Impekoven etwa oder die Kieselhausen (die eines so schrecklichen Todes starb), da war Lieb­lichkeit und Kindlichkeit, ter Charme ter Er­scheinung, der Zauber des Kostüms, ter Reiz im thematischen Vorwurf, in der Fabel des Tanzes, die Anmut und ohne weiteres bestrickende Voll- kommenheit eines tänzerischen Körpers.

Auf all dies kann sich die Palucca nicht ver­lassen. Weder auf ihr Gesicht an sich, noch auf den Körper an sich, noch auf ihr Kostüm oder die Anziehungskraft dessen, was sie tanzt; man denke an Prizzelpuppen oder Rokokokostüme. Sie kann sich nur auf ihren Tanz verlassen.

Ihr ist ter Tanz so etwas wie einDing an sich". Man kann nicht sagen: sie tanzt nach ter Musik. (Cs gäbe ein schiefes Bild und eine falsche Vorstellung.) Man kann vielleicht sagen: sie tanzt auf ter Musik. . . oder: sie tanat im Rhythmus. Man hat nie das Gefühl, bah die Musik hier eine Voraussetzung sei, daß der Tanz aufhörte, wenn die Musik abbräche. Der Tanz ist hier immer das Erste, das Herrschende, ja das Alleinige. Musik ist mir Hilfe, Akzent, Linienblatt ter Choreographie. Immer wird diese Tänzerinweiter" wissen, wenn ihr Begleiter sie einmal im Stich läßt. (Im Unterschied zu so vielen, die auch tanzen, und denen das Dein in der Lust hängen bliebe, toerm die Musik schwiege.) *

Die Palucca tanzt nicht Mozart, nicht Beet­hoven. nicht Chopin. Sie unterlegt einige Stücke tron kaum bekannten Komponisten (Dvorak etwa ausgenommen) und tanzt ihre eigene Idee. Sie tanzt so abstrakt wie möglich, sie gestaltet Be­griffe. die zum Teil schon außerhalb des Tänze­rischen liegen. Auch hierin offenbart sich die Sachlichkeit, ter künstlerische Ernst und die geistige Linie ihrer Gestaltung.

Sie begann mit einerEinleitung", deren jchwingenter Rhythmus bestechend ist, in der sie

beweisen konnte, wie ihr ter Körper gehorcht: sie spielt mit ihren Gliedern (die auf den ersten Blick gar nichts Tänzerisches an sich haben) toi« auf einem Instrument.

Sie tanzt einen Tanz, ter heißt einfach Leicht", und es gelingt ihr, einen toten Begriff, den man gar nicht körperlich wahrnehmen kann, in eine vollendet sinnfällig« Gestaltung aufzulösen: der eine Höhepunkt des Abends.

Sie tanzt einen zweiten Begriffgern, für sie nochlebloser" als jener, und wieder hat man ein« körperliche, greifbare Dvrstellung im sinnlichen Bild.

Aber hier beginnt auch das Problem, das Pro­blem des Linstlerischen Tanzes als solchen und das ter Palucca im besonderen: hier ist ihr« Ge­staltung nicht mehr absolut, der Tanz nicht mehr Ding an sich", sondernAusdruck', Vermitt­lung und Zweck. (Es würde zu weit führen, das in Einzelheiten zu verfolgen.) Schon werten Stilmittel einbezogen, etwa schauspielerischer Art. die, streng genommen, zum reinen Tanz nicht mehr gehören.

Das Ganze technisch sehr gut, auSgereift, durchgebiltet. (Rur eine einzige Bewegung ha­ben wir gesehen, die tänzerisch nicht gelöst war und stecken blieb.)

Dann ein TanzIn leichter Bewegung". Dies war ein zweiter Höhepunkt. Ein paar Erinnerun­gen an diealte Schule" stören nicht den Ein­druck: sie geht, sie dreht sich (die nachbiltenden Worte sind ganz unzulänglich) und gibt im ein­fachen Gehen, im schlichten Drehen ein vollkon^ menes tänzerisches Gebilde. Weder ein Vergleich noch eine Steigerung ist denkbar. Man muh es gesehen haben.

Unmittelbar danach: der dritte Höhepunkt, für uns der stärkste Eindruck des Abends. Der Tanz heißtTechnische Jnprovisationen". In ihm ist alles enthalten: die ganze hohe Schule einer mo­dernen Tänzerin, die dürftigen, auf ewige Wiederholung angewiesenen Glanzleistungen des alten Balletts spielerisch einbegriffen, Akrobatik, Solorevue, Atelierstudie, tänzerisches Aquarell, primitivster und unmittelbarster Ausdruck des ganzen Menschen mit Kopf, Rumpf, Arm, Bein,

den Bevölkerung ein ebensolches Gewicht haben müssen wie die berechtigten Forderungen ter Regierungen". Richts von alledem trat ein. Di« Fortnahme sämtlicher Ko'onien erfolgte mit einem Federstrich, ohne daß überhaupt die Aw« hörung deutscher Vertteter ftattgefunten hätte.

Wie wir neuerdings aus den Aufzeichnungen von Wilsons Pressechef Baker festste lm können, ist das auch nie anders beabsichtigt ge­wesen: bereits im Frühjahr 1915 tourten die ersten Geheimverträge über die restlose Auf­teilung ter Beute zwischen Großbritannien, Frankreich und Italien avgeschlo sei. In einet Rote vom 16. Juni 1919 behaupteten die Alliier­ten, die Eingeborenen hätten starten Widerspruch gegen die deutsche Oberherrschaft erhoben. Deutsch­land habe üble Derwattungsmethoden an'ewandt und auf dem Gebiet der kolonialen Zivilisation versagt: es sei iin militärischen Imperialismus nur darauf ausgegangen, sich Stützpunkte zu schassen. Dem allen widersprechen öie Zei­chen r ührendster Anhänglichkeit der Schwarzen, wo immer Deutsche ich wieder sehen lassen, und ihre Sehnsucht nach den guten Zeiten ter deutschen Regierung. Schon 1911 schrieb ein Afrikareisenter, der Amerikaner Fortes:Don allen Schutzherren in Afrika haben die Deut­schen die reinsten Hände und die testen Aussichten."

Zehn Jahre sind verflossen, seit die Deutschen in Ostafrika ihre Fahne streichen mußten. Die Engländer, denen die Koloniezufiel', hatten während dieser Zeit Gelegenheit, ihrehöhere" Derwaltungskunst zu zeigen. Sie haben bewiesen, daß sie nicht in der Lag« sind, es der deut­schen Kolonialarteit gleichzutun. Der Wert ter Kolonie sinkt von Jahr zu Jahr; wo teste Ent­wicklung zu hohen Frietenswerten war, trat Stillstand, teilweise Rückgang «in. Deutsch-Ost­afrika im besonderen verwahrlost, weil man die deutschen Kaufleute und Pllanzer nicht wieder hereinließ. Ein großer Teil der Plantagen ver­fällt. Aus die Wünsche ter Eingeborenen toi-b feine Rücksicht genommen. Die Seuchen breiten sich wieder aus. Schon beschuldigen sich Eng­länder und Franzosen gegenseitig der Unfähig­keit, die Gebiete zu verwalten.

Die Deutschen und der Regierungswechsel in Rumänien.

Bukarest, 12. Rov. (Eigene Meldung.) Die Deutschen Siebenbürgens waren keine Freunde des zurückgetretenen Kabinetts Bra- tinait Wie sich die neue Regierung der deutschen Minderheit gegenüber verhalten wird, ist zwar noch nicht bekannt, jedoch rechnet man damit daß das Kabinett Maniu den Forderungen ter Deutschen Siebenbürgens mehr Entgegenkommen zeigen wird. Jetzt haben sich verschieden« Führer der Siebenbürger Deut­schen über ihre Wünsche geäußert, die sie ter neuen Regierung vortragen werten. Bemerkens­wert sind die Ausführungen des Obmannes ter Deutsch-Schwäbischen Volksgemeinschaft, des Dr. Kaspar Muth, der u. a. sagt, daß die letzte große innerpolitische Krise, die Aum Rücktritt Bratianus geführt hat, zwei Ursachen habe, und zwar wirtschaftlicher und moralischer Ratur. Das ganze rumänisch« Volk und der Staat lechze nach wirtschaftlicher und moralischer Gesundung, denn so hätte es nicht weiter­gehen können. Di« neue Reaierung werte die Lösung ter wirtschaftlichen Krise in ter Rich­tung ter Stabilisierung der Währung und dem Abschluß einer gesunden Ausland- anleihe suchen müssen. In dieser Beziehung herrsche bei allen maßgebenden polittschen Per­sönlichkeiten völlige Hebereinstimmung. Heber die Lösung ter moralischen Krise, in ter sich die öffentliche Verwaltung befindet, gingen die Meinungen schon auseinander. Der Staat müsse unbedingt zur gefe&mäfoigen Ver­waltung zurückkehren und in allen Zweigen des öffentlichen Lebens müsse wieder Ehrlichkeit und Ordnung herrschen. DaS seien die For­derungen ter nationalzaranistischen Partei den Liberalen gegenüber. Di« Ansichten über die Umgestaltung ter inneren Verwaltung des Lan-

Händen, allen Gelenken. Eine geniale Idee, der dennoch nichts Gedankliches, nichts Gestelltes, nichts Tanzfremdes anhaftet. Hier geschah ter Tanz um des Tanzes willen, aus dem Blut her­aus, als ein Spiel mit tausend Möglichkeiten. Erstaunlich.

Im zweiten Teil brachte sie nichts mehr, was diese Eindrücke hätte wiederholen oder gar über­bieten können. Die beiden ersten Stücke erschienen danach fast matt, allenfalls rhythmisch und um einer gewissen Kontrastwirkung willen bemer­kenswert. , r .

Eine starke Leistung dann noch einmal im Mittelsah der Suite von Dvorak: hier waren die Klangfolgen des Largo bei strengem tänzerischen Aufbau in schwingende Bewegung und stilgemäßen Körperausdruck umgefetzt.

Rur wenig ist noch zu erwähnen. Die mit sicherstem Geschmack, aber ohne alle berechnenden Seitenblicke ins Parkett zusammengestellten Ko­stüme. Die Begleitung am Flügel: Herbert Trantoto (sauber und unaufdringlich); am Schlagzeug: Lotte Goslar (die korrekte Hilfen 9a®er Besuch war mäßig, der Beifall stürmisch. Richt die mindeste Zugabe. Dr. Th.

Hochschulnachnchien.

Der außerordentliche Professor Dr. phil. et med. HanS Lipps in Göttingen ist beauftragt worden, in ter philosophischen Fakultät ter Unix oerfität Marburg im Wintersemester 1928/29 in Vertretung des erkrankten Professors Dr. Diet­rich Mahnke die Philosophie in Vorlesungen und Hebungen zu vertreten. Der Schriftsteller Dr. phil. h. c. Ernst Krieck in Mannheim ist mit Wirkung vom 1. Rovemter 1928 als Nach­folger des verstorbenen Prof. G. Reichwein zum Professor für Pädagogik an ter Pädagogischen Akademie in Frankfurt a. M. ernannt worden.

Der mit dem Titel eines außerordentlichen Professors bekleidete Privatdozent an ter Wie­ner Hniversität Dr. med. Wolfgang Denk ist zum ordentlichen Professor ter Chirurgie an ter Hniversität Graz als Rachfolger d«S Hofrats H. Haderer ernannt worden.