Ausgabe 
14.11.1928
 
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Aus der provinzialhaupiffadi.

Gießen, den 14. November 1928.

Nervenkrast.

Meine Nerven!" DaS ist so der gemeine Ruf und die übliche Entschuldigung. Sicherlich ist er oft am Platze, denn unser au reibendes, von vielen Pflichten belastetes und von mancherlei nicht immer nötigen Aufregungen gepeitschtes Dasein zerrt an den Nerven und verbraucht Nervenkraft. Trotzdem bleibt die Frage offen: Ist die Klage über die Nerven immer gerecht- fertigt und sind wir immer so schuldlos, wenn wir uns über versagende Nerven beklagen?

Schauen wir uns ein wenig um. Wir finden Menschen, Arbeitstiere, die sich keinen Augenblick Nutze gönnen, sich das Unmöglichste zumuten, immer im Trab sind, früh die ersten, abends die letzten, bis spät in der Nacht in den Sielen. Selbst wenn wir ihnen einmal bei Vergnügungen begegnen, plagen sie sich mit Problemen ab, immer haben sie Fragen vorliegen, die beant­wortet fein wollen, immer gibt es etwas zu tun, zu erledigen, zu ordnen, Und wenn das nicht, so tragen sie sich mit neuen Plänen, großen Ent­würfen, vielleicht auch mit kleinen Sorgen. Denn ihnen etwas danebengerret, so werfen sie nicht die Flinte inS Korn, sondern packen die Sache wie den Stier bei den Hörnern, und es dauert nicht lange, so haben sie aus einem Mißerfolg doch einen Erfolg gemacht. Es scheint, als ob diese Menschen keine Nerven hätten oder Nerven wie Drahtseile.

Und dann ftnl> die anderen, die sich das Leben verhältnismäßig leicht machen oder denen daS Leben nur geringe Schwierigkeiten bereitet. Sie sitzen tn geordneten Verhältnissen, haben keine hohen, besondere Kräfte fordernden Ziele, neh­men den Tag, wie er ist, genießen, was er gibt, und waS er ihnen vorenthält, macht chnen keine Schmerzen. Immer find sie aufgeschlossen, auf­geräumt, unbeschwert. Sie sind treffliche iln- terHalter, quälen sich nicht mit Problemen ab und werden auch mit den kleinen Widerhaken deS 2eben8 fertig. Gerade sie klagen aber meist über Nerven, sie haben angeblich allerlei Teu­feleien ihrer Nerven auszustehen. Keinen Be­griff machen sich die anderen, wie ihnen die Nerven zusehen I

Die Veranlagung mag eine Rolle mit spielen. Der eine stammt aus einem alt en Bauerngeschlecht, bringt noch eine nicht umzubringende Körper­verfassung mit. Der andere sucht seine Vor­fahren in Generationen, di« sich der Natur ziem­lich entfremdet hatten. Auch die Erziehung, Er­ziehungsfehler und dergleichen sind in dieser Hinsicht nicht unbedeutend. Sogar sehr viel hängt davon ab. Die Nerven find nicht selten ein kleines älmtzängemäntelchen, das gestattet, sich weniger bedenkenvoll gehen zu lassen. An all den kleinen Entgleisungen, die zu vermeiden man vielfach zu bequem ist, sind dann eben die kleinen Teufel- chen von Nerven schuld. Man mag noch soviel reden vom Rhythmus unserer Zeit, darüber kommt man doch nicht hinweg, daß die Menschen selbst sich den Rhythmus geben, nicht die Zeit gibt ihn. -Und wenn wir klagen, daß wir wenig Zeit haben, so sagt uns schon Seneca: .Es rft

kriegszeit machen sich die völlig unzurei­chenden Sammelgleis« im hiesigen Güterbahnhof sehr unangenehm und ver- kehrshemmend bemerkbar. Vor dem Kriege betrug der tägliche Wagenausgang des Güterbahnhofs etwa 1000 bis 1200 Wagen, in diesem Jahre ist er auf durchschnittlich 1800 Wagen, ja sogar in einzelnen Monaten auf über 2000 Wagen pro Tag ongewachsen. Die Sammelgleife sind teilweise so kurz, das sie nur 20 bis 25 Wagen fassen können, wodurch ständig Ablenkungen erforderlich werden, die dos Ablaufgeschäft des Rangierbergs sehr be­hindern. Die sechs Ablaufgleise reichen ebenfalls schon lange nicht mehr aus. Die Dieh-Entlade- und Verladerainpen find von jeher ein Schmerzenskind des hiesigen Bahnhofs. Da an Diehmarkttagen stets über 2<j0 Wagen zur Ent- und Beladung mit etwa 1200 Stück Vieh kommen, aber immer nur 25 Wagen bereitgestellt werden können, so entstehen an diesen Tagen in allen Bezirken des Güterbahn- Hoss Rückstände und Verstopfungen. Die bei dem vorletzten Viehmarkt entstandenen Zwischenfälle gib nicht zuletzt auf die unzureichenden Ent- und erladeoerhältnisse zurückzuführen. Ebenfalls auf die Dauer unhaltbar sind die Verhältnisse an der Umladchalle. Hier hemmen die unzulänglichen Gleisanlagen und Verladebühnen den gesteigerten Stückgut-Umladeoerkebr und behindern durch das schwierige Heranschaffen und Abholen der Wagen das gesamte Abwicklungsgeschäft im Bahnhof.

Schont die Zugtiere!

Diese an verschiedenen Straßen angebrachte Er­mahnung wird leider, immer noch von Fuhrleuten tn den Wind geschlagen. Nicht nur an den Straßensteigungen, sondern vielfach auf den Zu­fahrten zu Dcmplätzen, Sandgruben und Stein» b rächen kann man beobachten, tn welch unbarm­herziger Weis« die Peitsche gebraucht bzw. von besonders rohen Händen mit dem Peitschenstiel

gearbeitet wird. So ist beispielsweise die Zufuhr zu den staatlichen Neubauten an der Marburger Straße m einem Zustand, daß die Näder der schwer mit Ziegeln beladenen Wagen so tief sinter», daß die Kraft auch der willigsten Pferde versagt. Mit großem HntoiUen wird von vielen die Behandlung der Zugtiere an dieser schwieri­gen Arbeitsstätte vermerkt. Es sollte nicht nur die Ausgabe der Polizei sein, die nicht überall sein kann, den Quälereien entgegenzutreten, son­dern auch die Bauleiter usw. sollten sich dies zur Aufgabe machen. Dem Publikum sei empfohlen, sich der mißhandelten Tiere anzunehmen und nötigenfalls Anzeige gegen die rotzen Menschen zu erstatten, denn hier ist jede Rücksichtnahme unangebracht. Wenn man allerdings Worte hörte wie:Däi Gäul sein des gewinnt , so wird man versucht, den Peitschenstiel auf dem Rücken der­jenigen tanzen zu lassen, die solche Quälereien mit einer gewissen Wollust begehen bzw. ihnen zuschauen.

Mandolinen- und Giiarrenverein rTleapotita'.

Zu seinem diesjährigen Herbstkonzert hatte sich der Verein »Neapolcta" mit sicheren Vereinen aus Frankfurt, Hanau und Wieseck zusammen- getan und stellt« sich mit einem großen Or­chester vor. Unter Leitung von HanS Sonntag wurde mit hingebendem Eifer musiziert. Die Pro- grammzusammenstellung war nicht immer sehr glücklich. Cs soll nicht verkannt werden, daß es den Mandolinenvereinen, bei fast jeglichem Man­gel guter Originalkompositionen, recht schwer ge­macht ist, eine gute, einigermaßen stilreine und gleichzeitig ansprechende Vortragsfolge aufzu- stellen: aber einen schmachtenden Konzert Walzer dünnen Gehalts an eine recht glückliche Bearbei­tung des Menuetts aus der lls-Dur-Sinfonie Mozarts anzuschließen, geht wirllich nicht. Der Walzer war überhaupt etwas t>lcL und nicht immer in seinen besten Vertretern, berücksichtigt. Die Risorgimento-Sinfonie von Anelli an Stelle des Konzertwalzer Fior Tventino ^tte sich der übrigen Vvrtragsfvlge besser angechaht.

Die Ausführung der einzelnen Stücke durch das spielfreudige Orch.ster, dem sich die Gäste sehr gut anpaßten, war durchweg gut und hielt sich technisch auf der Höhe. Die hie und da etwas in^yrä$'kn Einsätze und die häufigen Figurativ en der 1. Stimme, dl« ab und zu noch größerer Genauigkeit im Zusammenspiel bedürfen, konnten den Gescunteindruck nicht beeinträchtigen. Das sonst dynamisch sicher differenzierte Klangbild wird durch weitere Hebung noch größere Ge­schlossenheit erhalten. Dem Mozart-Menuett fehlte noch das Leichtbeschwingte und Duftige, das diesem anmutigen Stückchm innewohnt. Die In­tonation ließ hier, wie bei allen anderen Stücken, nichts zu wünschen übrig. Als beste Leistung des Orchesters muh die Wiedergabe der Risorgi­mento-Sinfonie von Anelli bezeichnet werden, die ausdrucksvoll, mit Feuer und Schwung zu Gehör kam.

Als Mandolinen-Solisten horten wir Herrn Rapp, begleitet von Herrn Lehmann (Gi­tarre). Herr Rapp zeigte flüssige Technik und spielte bei stets reiner Intonation recht aus­drucksvoll. Sie Zugabe, die durch den starken Beifall veranlaßt wurde, lag ihm am besten. Der Begleiter verstand es sehr gut, fich dem Solo- Part unaufdringl'ch anzupassen. Den Beschluß mochte ein Festmarsch von HSonntag. Reicher Beifall lohnte die Leistungen des Orchesters, dem Herr Sonntag ein gewissenhafter, gewandter und sicherer Leiter ist. Der Verein kann der Lleberzeuguna fein, daß er mit feinem Konzert bei den Zuhörern dankbare Anerkennung ge­funden hat.

Die Schülerabteilung des Vereins ließ fich mit dem Walzer von Ritter,Aus fünften Wogen", hören und zeigte damit, daß sie ernstlich bestrebt ist, dem Orchester neue Kräfte zuzuführen, r.

Daten für Donnerstag, 15. November.

Sonnenaufgang: 7.17 Uhr, Sonnenuntergang: 16.11 Uhr. Mondaufgang: 10.28 llhr, Mond­untergang: 17.46 illjr.

1630: der Astronom Johannes Kepler in Regensburg gestorben. 1708: der englisch« Staatsmann Pitt d. Ae. in Bonconnock geboren. 1787: der Komponist Christoph W. Ritter v. Gluck in Wien gestorben. 1862: der Dichter Gerhart Hauptmann in Salzbrunn geboren. 1910: der Dichter Wilhelm Raabe in Braun­schweig gestorben.

Bornotizen.

Tageskalender für Mittwoch. Stadttheater: Don Carlos, Beginn 19.15 Uhr. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Rasputins Liebes­abenteuer. Astoria-Lichtspi:le: Rintinlins To­desruf in der Nacht.

Stadttheater Gießen. Aus dem Stadt- theaterbureau wird uns geschrieben: Die Intendanz weist noch einmal darauf hin, daß die heutige Dor- stelluna von SchillersDon Carlos^ nicht um 19.30 Uhr, sondern bereits um 19.15 llhr beginnt. Am Freitag, 16. November, ebenfalls 19.15 Uhr, findet die letzte Aufführung der OperetteGräfin Eva" statt. Sonntag, 18. November, zweiter Tag des Kammerspielzyklus. Zn Szene geht vormittags 11.15 UhrDer Ackermann aus Böhmen" (Der Ackermann und der Tod) non Johannes von Saaz aus dem Jahre 1400. Es kommt der Intendanz bei diesem Kammerspielzyklus darauf an, daß nicht blut­

lose literarische Experimente Aur Aufführung gelan­gen, sondern wirklich wettvolle künstlerische Werke. Der Ackermann aus Böhmen" ist neben der Luther­bibel eines der größten deutschen Sprachdokumcnte. Gedanklich steht diese Dichtung schon im Humanis­mus, hat aber sprachlich die elementare Wucht echter Gotik. Die Spielleitung hat wiederum Intendant Dr. Rolf Prasch, der vor der Aufführung eine kurze Einführung geben wird.

Oberhessischer Geschichtsverein. Am ersten Vortragsabend dieses Winters Don­nerstag, 15. November wird Prof. Dr. August R o e s ch e n aus Laubach in seinem Vortrag Neues zum Treffen vom 21. März 1761 bei Grün­berg und Laubach" über di« Ergebnisse seiner letz- ten Forschungen berichten. Der Vortragende, den der Oberhessische Geschichtsverein gelegentlich seiner 50-Jahrfeier in Anbetracht seiner Verdienste um die oberhessische Heimatgeschichte zum Ehrenmitglied ernannt hat, ist durch seine vielfachen geschichtlichen Mrbelten so bekannt, daß hier nicht weiter auf ihn eingegangen zu werden braucht. Es sei nur be­merkt, daß er sich bereits vor vielen Jahren mit bet obcrhessischen Kriegsgeschichte beschäftigt hat. (Vergleiche die Anzeige imGießener Anzeiger" vorn 10. November.)

"Straßen-Wiederherstellungs-Ar- beiten werden zur Zeit in der Durchführung des Bauprogramms der Postbaubehörde ausgeführt. Es handelt sich dabei um die Beseitigung der Straßen- aufbruchsschäden, die vor einigen Tagen Gegenstand einer Erörterung in unseren Spalten waren. Nach- dem an einigen anderen Stellen der Stadt die not­wendigen Wiederherstellu ''en vorgenommen wur­den, sind zur Zeit die Bürgersteigreparaturen in der Steinstraße im Gange.

** Neue Bestimm langen über Grab­denkmäler. Grabeinfassungen und -einfriedigun- gen auf den städtischen Friedhöfen sind jetzt erlassen worden. Näheres ist aus der heutigen Bekannt­machung der Stadtverwaltung ersichtlich.

* Eine Gegenerklärung zu dem Gießener Ausruf »Für die Ruhr- Au sges per r ten", der im Anzeigenteil un­serer SamStagnummer von einer Anzahl ilnl* versitätsprosessoren usw. veröftentlicht wurde, er­lassen der Arbeitgeberverband für Lahn­gau und Oberhessen und die Hessische Indu­strie- und Handelskammer Gießen im Anzeigenteil unseres heutigen Blattes. Unsere Leser seien auf diese Kundgebung hingewiesen.

** Goldene Hochzeit. Am moraigen Don­nerstag feiern der Rangiermeister i. R. Albert Rau und Ehefrau geb. Fuchs, Hillebrandstraße 8, das Fest der goldenen Hochzeit in bester geistiger und körperlicher Frische. Der alte Herr steht im Alter von 76 Jahren, seine Ehefrau im 70. Lebensjahr.

Nur Im Rauche rabteil darf ge­raucht werden! Bei dem reisenden Publi­kum bestehst vielfach noch die Ansicht, daß auch in den Nichtraucherabteilen und Frauenabteilen das Rauchen zulässig sei, wenn alle Mitreisenden im gleichen Abteil dazu ihre Zustimmung geben. Diese Meinung ist jedoch irrig. Nach den gel­tenden Bestimmungen rst das Rauchen aus­schließlich in den Raucherabteilen gestattet. Die Beamten sind angewiesen, auf strenge Durchfüh­rung des Rauchverbotes tn den anderen Abtei­len zu achten und bei Lieber tretungen des Ver­botes eine Rauchbuße von 2 Mk. ohne vorherige Verwarnung zu erheben. Sowohl bei der Holz- wie bei der Polsterklasse wird die Hälfte aller Wagen oder Abteile ungerechnet die Frauen- abteile den Nichtrauchern Vorbehalten: der übrige Teil steht den Rauchern zur Verfügung. In den Nichtraucher-Wagen, die durch Schilder gekennzeichnet sind, ist das Rauchen auch in den Aborten und auf den Plattformen nicht erlaubt. Auch in den Gängen, In denen durch Anschlag auf das Rauchverbot hingewiesen wird, ebenso wie in den Triebwagen ohne Raucherabteil ist das Rauchen nicht gestattet.

Der Frauenverein der Lukas- gemeinde traf sich am Sonntag mit dem Frauenverein von Wieseck im Hindenburg zu einem gemütlichen Zusammensein, baä den Zweck hatte, ein schon früher ins Auge gefaßtes freundnachbarliches Arbeiten am gleichen Ziel und gegenseitiges Befruchten von Stadt und Vorort einzuleiten. Die Vorsitzende des Gießener Vereins, Frau Professor Z ö p p r i tz, begrüßte die zahlreich aus beiden Vereinen Erschienenen herzlich: im Namen der Wiesecker sprach Pfar­rer Sattler und gab einen, mitunter durch Humor gewürzten Rückblick und Ausblick über die Beziehungen beider Gemeinden und Vereine. Freudige Aufnahme fanden Reigen, Vorträge und Lieder der Mädchenvereinigung der Lukas- gemeinbe, in schöner Weise zu Gehör gebracht von Frau Heß und Klaviervorträge von Frau Ludwig. Mit ihnen flogen unter gemeinsamen Liedern und in regem Gedankenaustausch die schönen Stunden sehr schnell dahin.

MeMdareguÜcrungimÄreiseIricdberg.

* Friedberg, 13. Noo. Dieser Tage fand auf Anregung des Kreisamts Friedberg eine eingehende Besichtigung der N i d d a r e g u l i e r u n g im Kreise Friedberg statt. Erschienen waren die Vettreter der Regierung, und zwar des Mini­sters für Arbeit und Wirtschaft und des Finanz­ministers unter Führung des Staatsrats Karcher (Darmstadt) sowie der Kreisausschuß des Kreises Friedberg. Außerdem waren mehrere Landtags- abgeordnete gekommen, die gemeinsam mit den Be-

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Wenn Hre Gmpfehlungsanzeige in derSamstagsnummer desGießenerAnzeigers durch sorgfältige und wirksame Sahausstattung töteten fM dann geben Sie sie bitte spätestens im Laufe des Donnerstag in der Geschästsstelle auf!

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum geaenüber keinerlei Verantwortung.)

Dauernde Ruhestörung.

Eine unerträgliche Belästigung für die An­wohner der benachbarten Straßen bildet das jämmerliche Heulen eines Hundes in einem An­wesen Franfturter StraßeHofmannftraße. In anderen Städten pflegt die Polizei derartigem Unfug schleunigst zu steuern; vielleicht wäre der hiesigen ein gleiches zu empfehlen? Auch dürfte der schwerlich wegen allzu großen Wohlbefindens heulende Hund vermutlich den Tierschutzverein interessieren. Gin Anwohner.

Aus dem Amtsverkündigungsblatt.

* Da s Amtverkündigungsblatt Nr.82 vom 13. November enthält: Bekämpfung der Tuber­kulose. Beihilfe für die Büchereien des Kreises. Tierschutzkalender 1929. Staatliche Stenographie­lehrerprüfung. Naturschutzausstellung. Orts- bausatzung für die Gemeinde Garbenteich. Die Wasserleitung in Watzenborn-Steinberg. Feld­bereinigung in Heuchelheim. Dienstnachrichten.

Berliner Börse.

Berlin, 14. Noo, (WTB. Funkspruch.) Nachdem schon die gestrige Frankfurter Abendbörse eine etwas schwächere Tendenz erkennen ließ, herrscht im heuti­gen Vormittagsverkehr äußerste Zurückhaltung, da man in der Spekulation, angesichts der innerpoli­tischen Lage, zu Glattstellungen schreiten wird. Kurse sind noch nicht zu hören. Die Frankfurter Abend­börse scheint kaum behauptet zu. sein.--

Nur echt mit dem StUleben im Etikett.

H.C.König, Sieinhagen VWestf.

amten des Kreisamts und Kutturbauamts und den Bürgermeistern der an der Niddaregulierung betei­ligten Gemeinden sich den Stand der Arbeiten und insbesondere die Art der Durchführung der Regulie­rung ansehen wollten. Man traf sich an der Halte­stelle in Berkersheim, wo den Erschienenen durch Kreisdirektor R e ch t h i e n , Regierungsrat Dr. Meyer und Regierungsbaurat Lorenz kurz da» Projekt und der Zweck der Besichtigung erläutert wurden. Man sah sich dann verschiedene Bauab- schnttte in den Gemarkungen Harheim, Vilbel, Dor­telweil und Gronau an. Am Nachmittag, nach einem gemeinsamen Mittagessen im Volkshaus Vilbel, wurde dort eingehend das Gesehene durchgesprochen. In über zweistündiger Sitzung unter Vorsitz des Kreisdirektors R e ch t h i e n wurde hauptsächlich die Finanzierung des großen Projektes erörtert. Die Gemeindevertreter führten einstimmig, insbesondere durch den Mund der Vertreter Dortel­weils, Groh- und Klein-Karbens, Klagen über die durch das Projekt den Gemeinden erwachsende Be­lastung. Die Ausführungen liefen darauf hinaus, daß cs den Gemeinden, trotz der in Aussicht ge­stellten erheblichen Kreisbeihilfe, nicht möglich fei, das Projekt allein zu finanzieren. Man verlangte Staatsbeihilfe, ähnlich wie sie den benach- barten preußischen Gemeinden vom preußischen Staat und dem Landeshauptmann in Wiesbaden ge­währt werden. Demgegenüber führten die Vertreter der Regierung aus, daß eine solche Staatsbeihilse ja bereits in Form der auf 4 v. H. verbilligten Dar­lehen gewährt wurde und daß es dem hessischen Staat leider nicht m "glich sei, weiteren Wünschen entgegenzukommen. Die Sitzung schloß mit dem Re­sultat, daß den an der Nidda gelegenen Gemein- den die Finanzierung überlassen ist. Lediglich der K r e i s F r i e d b e r g hat eine Beteili­gung an dem Zinsendienst in Aussicht genommen. Es soll noch an die P r o v i n z mit dem Antrag auf Beteiligung herangegangen werden, da ja das Wasser, das die unterliegenden Gemeinden abzu­führen Haden, aus einem Niederschlagsgebiet, das fast die ganze Provinz umfaßt, in der Niddanlede- rung zusammenströmt und von wenigen Gemeinden allein nicht weggebracht werden kann.

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Dr. August Oetker, Bielefeld.

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