Nr. H5 Drittes Blatt Lietzener Anzeiger (General Anzeiger für Gberhefieu)Montag, U. Mai 1928
Oberbeffen.
La»r7 Is Gictzcn.
z *x ö bg en, 14 Mai Die strengen ‘Beiler- Herren freiten am Sonntag gegen Wittag ihr scharfe« ‘Xegüpent schon so wett gemildert, baß bie Mitglieberoereine b c« Ober- Hess ischen Sängerbunbe« bet freunb- lt4>em Sonnenschein unter ben Klängen einer Musikkapelle in unser Dors zu ihrem V u n b e S - fingen n Baller« Saalbau einziehen konnten. «Degen 2 llfrr eröffnete her Männergesangverein „^ormmue** Rödgen ba« Dunde-singen ml zwei prächtigen, ffalt oot getragen en Chören. Q« fotflien nun bie Druderveretne von Kirch-Gon«, , Oermanla" Öang-Oön«, ..Lieberkranz " Pohl- ®im«, „•btfraÄr Leihgestern. „(tintratfrt" Steinbach. ..Harmonie" Grohen-Linben. imb nach einer Pause ..SÜngerkranz'" Watzenborn unb „Lieber- kränz" Leihgestern. Die Vereine, bie durchweg gute Leistungen boten, fangen zuerst einen Kunstchor unb bann in der Regel ein einfaches Lieb. Seine«, zartes Piano wurde gebracht: mächtige« Sorte klang durch den Saal: köstliche Fülle und Rundung sprach einen an; bei einzelnen Vereinen fiel die gute Sprachfchulung angenehm auf. Auftreten und Haltung der Sänger war so, haft man merkte, wie he in unbegrenzter Hingabe zu ihrer Sache stehen, daß iynen der ®e- ieng ein Feld froher, erquldenöer. edler De- tätigung ist. Deshalb fand auch daö Hoch deö Vundespräsidenten auf da« deutsche Lieb. daS er am Schluß der Vorträge auSovachte, frohe und begeisterte Zustimmung.
ibt Keff «Ibach, 13. Mai. 2hnHimmelfahrt- lag werden hier die unter der Leitung de« Musiker« Schvmber von Deuern stehenden Vereine einen Lieber tag veranstalten. Der hiesige Verein hat bie Vorbereitung für diese Veranstaltung übernommen.
* Aus dem Lumdatal, 13. Mai. Mit Beginn de« neuen Fahrplans der Reichsbahn am 15i Mai treten auf der Streike Diesten — Lollar — Londorf — Drünberg bedeut- lamc Zugpermehrungen in Straft G« wird durch diese Verbesserung deS Fahrplan« die bisherige neun- bzv. siebenstündige Zugpaufe durch Einlegen neuer Züge wesentlich verringert und der Vevölkerung die Möglichkeit geboten, weit besser al« bisher nach Diesten und zurück fahren zu können. Mm diese Verbesserung deS Fahrplan« für die Dauer sicherzustellen, ist eS allerdings erforderlich, dast die Züge die entsprechende Denutzung finben.
«. AuS dem mittleren Horloff t a l. 13. Mai. Da die Witterung seither sehr günstig war. abgesehen von den letzten Tagen, in denen sich anscheinend die DiSheiligen auswirkten, geht bati Setzen der Spätkartoffeln bereit« feinem Ende entgegen, zumal bie Landwirte durch öfters drohende trübe Wolken zur Hile angefpornt wurden. Zur Aussaat kommen in un'crer Degend hauptsächlich .Haffia" und „Siegerin" zu Futter- zwecken. von denen besonder« letztere Sorte sehr ertragreich ist. Al« Speifekartofieln behält nach wie vor die .Industrie" den Vorrang, obwohl im letzten Winter vielfach über Xrodenfäule derselben im Keller geklagt wurde. Für die Frucht, die allgemein sehr gut steht, ist die Abkühlung nur von Vorteil, da sie zu rasch in die Höhe schvst. Da e« zu ausgesprochenen Maifrvften infolge bedeckten Himmel« nicht kam, haben auch in den Därten die jungen Aussaaten diese gefährlichen Tage gut überstanden. Der Klee war im Wachstum so rasch vorangekommen, dast er 6<er and da bereit« zum erstenmal gemäht wird.
M cis Friedberg.
WSR. Friedberg, 13. Mai. Rach einer Meldung des .Oberhesstschen Anz." hat m diesen Tagen zwischen Vad-Rauheim und den Vereinigten Staaten ein Ferngespräch ftattgefunßen. bei dem eine sehr gute Verständigung erzielt wurde. 6« handelte sich um einen Anruf von Amerika au« nach dem Drand-Hotel.
2L Vad-Rauheim. 13. Mai. Die Freiwillige SanitätSkolvnne vom Roten Kreuz hat für die Sonn- und Fe ertage während der Saison eine ständige Sanität«- wache eingerichtet, um vor allem bei DerlehrS- unfällen immer tn Bereitschaft zu sein. Der
DieM mit Den rieben. SüjlöOetn.
Vornan von Sdqar Wallace.
Copyright by Wilhelm Gokdmann, Verlag, Leipzig.
7. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Der Zug lief in die Halle des Bahnhofs Waterloo ein. Sie war gekränkt, als Dick von ihr nur ober- fladjlid) 2lb|d)ico nahm unb im Vxuiuhi der 9i.;icn- ben verschwand, ohne sich ihrer weiter anzunehmen.
E» dauerte eine ganze Weile, dis sie zu ihrem we- pack kam. Ein Dienstmann besorgte ihr ein Auto. Sie hatte eben die Börse gezogen, um ihn zu bezah. len, al» ein Mann sie streifte, wahrend zu gleicher Zeit ein zweiter sie anrannte. Im doppelten Anprall verlor sie die Handtasche. Noch bevor |ie sich danach bücken konnte, hatte ein Dritter sie blitzschnell ausgehoben und einem Kumpan zugeworfen, der hinter ihm stand. Der Dieb wandte sich zur Flucht, aber eine Hand packte ihn am Rragen und schleuderte ibn herum. Und als seine Hände zur Verteidigung hochswgen, fuhr ihm eine stählerne Faust unter die Kinnlade und warf ihn zu Boden.
..Warte, Bürschchen, ich werde dich lehren, lange Fmger zu machen , sagte Dick Mattin.
7.
ic^n Ubr und ein tlarer Aprilmorgen, als Dick Martin in Havelocks Privatbureau eintrat. Der Newtsauwalt beendete gerade ein Diktat. (Er begrüßte feinen Tast mit einem Lächeln und wies ihm mit einem Kopfnicken einen Stuhl an.
Als die Stenotypistin das Zimmer verlassen hatte, erhob er sich und stöpsle seine Pfeife.
„Sie haben ihn also nicht zu Gesicht bekommen?' fragte er.
,L<ider nicht! Ich saß zwar dauernd auf der Lahn ober hn Auto, aber er muß auf einer Lichtwelle gereift sein. Ich kam zum Beispiel am Nachmittag m Rw an, er hatte es am Morgen oerlafien. In Kapstadt hatte er einen Vorsprung von drei Tagen. Vielleicht hätte ich ihn in Beira gefaxt. Da kam Ihr Telegramm und rief mich nach Hause.-
Havelock nickte bedächtig. Dann drückte er auf eine Klingel, und feine Sekretärin erschien fragend an der Tur.
Wachdienst wird efrrenamtl.ch von der. Kolonnen- mitgliebcrn getan. — Da« Gedächtnis Albrecht Durer« wurde in den fragen Schulen durch würdige 6 ch u I f e 1 c r n geehrt. 3n allen Schulen hielt Club cnral Waldt die Festrede mit Benutzung der von der hessischen L.chtbild- Helle zur Verfügung gestellten Lichtbilder. 3m Kurhaus hielt der bekannte Frankfurter Kunsthistoriker Pros. Hülsen einen bedeutsamen Dürer-Vortraa Eine be'ondere Durer-Feier wirb auch noch der Bildung «verein veranstalten. — Die hiesigen Ortsgruppen der Deutschen Kolonialgesellschaft unb deS Verein« für bat Deutschtum im 2luSlanbc haben eine geßfren Vüchersammlun g veranstaltet. bie ein äusserst günstiges Ergebnis zeigte. Die Sammlung, die nur au« bestem deutschen Schrifttum besteht, ist an di« Deutsch-Ostasrila- Linie abgegangen, die den kostenlosen Trcm«port an bie Deutsche Privatschule in Lüder itz- bucht lvübweflafrtka) übernommen hat
Kreis Büdingen.
S. Berstadt. 13. Mai. 3» dielen Tagen wird mit der Kleinpflasterung der P r v- vinzial st iahen von hier nachGrunb- fchwalheim bi« zur Abzweigung nach Echzell begonnen. DaS Material ist bereits im Winter angefahrcn worden unb hat manchem ZuhrwerkSb^fitzer lohnenden Verdienst gebracht. Die Umleitung de« Verkehr« erfolgt über Echzell unb Unter-Widdersheim. Degen Ende de« Monats soll ferner da« Stück von hier nach Atphe mit Kleinps läster vcriehen werden. baS sich ebenfalls In sehr schlechtem Zustand befindet. Da im vergangenen Sommer auch der im Straßenzug Lltph« - 3nHeiden noch fehlende Dell gepflastert und vor zwei 3ahren die Verbindung von Zn- Heiden nach Hungen neu gedeckt unb geteert wurde, wird alSbann em wesentliche« Stück der groben DurchgangSstrah« Hungen - Friedberg, die für den Wetterauer Verkehr hauptsächlich in Betracht kommt, in tadellosem Zustand fein.
4t Echzell, 13. Mai. Auf dem letzten Schweinemarkt waren nut 127 Tiere aufgetrieben. Auch die Rachfrage war aufocrotbcni- lich gering, so dast bei der geringen Zufuhr noch grober lleberftani» verblieb. Es kosteten 7 bi« 8 Wochen alte fiarlc Jungtiere je Stück 10 bi« 15 Mark, ältere Ferkel 12 bi« 18 Mark, geringere Qualitäten wurden nicht gefragt. — Während in den vergangenen 3afrrcn hier eine rege Bautätigkeit feiten« Gemeinde unb Vrivaten herrschte, ruht sie in diesem 3ahre völlig. E« kommen nur einzelne notwendig gewordene Reparaturen unb Anbauten an landwirtschaftlichen Gebäuden zur Ausführung. Hohe Löhne unb Waterialpreife halten bie Baulustigen von ihrem Vorhaben ab. dazu kommt noch, dast das staatliche verbilligte Baudarlchen von 4000 auf 3000 Mk. im Höchstsatz herabgesetzt wurde.
'Bingenheim, 13. Mai. Pfarrer Bühler dahier ist die Pfarrstelle au Londorf übertragen worden, »r ist in diesen Tagen dorthin übergesiedelt. Obgleich er nur einige 3ahre hier wirkte, hat er sich durch sein ft et« freundliches, leutselige« Wesen die Zuneigung seiner Gemeind« Dingenheim und der Flliale Bisse« erworben. Wo Rol zu lindern, wo soziale Einrichtungen zu gründen und zu pflegen waren, fand man seine Tatkraft. Die beiden Gemeinden verlieren den tüchtigen Pfarrer nur sehr ungern. Gute Wünsche begleiten ihn unb feine Angehörigen inS Lumdatal.
Kreis Schotten.
Schotten, 12. Mai. Lehrer L R. Karl Linck (Rudingshain) darf in aller Kürze das seltene Jubiläum begehen, 30 Jahre Bor- sitzender des hiesigen Bezirkslehrerverein» zu sein. In verhällnismöbig jungen Jahren mit dem Vorsitz betraut, war er dem Verein ein entschlossener, pflichtbewußter und begeifterung». fähiger Führer, der bie Interessen feines Standes und der Schule mit Nachdruck zu vertreten wußte. Für welche Sache er sich auch einfetzte, fein Wort erhallte nicht ungehört. Noch heute ist er der unentwegte Kämpfer, der in entsagungsvoller und opferbereiter arbeit dem Dcürksoerem, wie dem Lehrerstand zu dienen sucht. Möge er als Vorsitzen, der noch lange seine bewährte Arbeitskraft in den Dienst des Vereins stellen! Zu Ehren des Jubilars wird der Hessische Lanbeslehrerverein
„Geben Sie mir die Handakten .Seiford' — die lausenden, bitte', sagte er und wartete schweigend, bi» sie zurückkehrte und ihm eine blaue Aktenmappe gab. Er schlug sie auf unb reichte sie feinem Besucher. Dick sand an der geöffneten Stelle eine Kabeldepesche aus Kapstadt. Er las:
Havelock London. Verbiete weitere Verfolgung durch Detektiv. Vollmacht bereit» unterwegs. Elntrcffe London August. Pierce.
Das Telegramm war drei Tage vor Dicks Ankunft in Kapstadt aufgegeben worden.
„Sie sehen, es blieb mir nichts anderes übrig, als Sic zurückzurufen', sagte Havelock achselzuckend. „j)abtn Sie sonst irgend etwas über Ihn in Ersatz rung gebracht?'
Dick lachte in sich hinein.
„Dazu hielt er sich nirgends lange genug auf. Ich habe mit Hotelporkiers und Oberkellnern ge- sprachen, aber keinem war er besonders aufgefallen. (Fr erreichte Kapstadt an dem Tage, als der neue englische Regierungskommissar seinen Einzug hielt.'
„Nun,' sagte Havelock nach einer Pau je, „und weiter?'
„Nichts weiter,' erwiderte Dick, „es fiel mir nur eben fo «in.'
Eine neue Paufc entstand.
„Was öermuten Sie hinter dieser ganzen Geheimniskrämerei?' fragte Dick endlich den Anwalt.
Havelock zog die Lippen zusammen.
„Rnhts Bestimmtes', gestand er. „3m schlimmsten Fall «ine Ehefrau, mit der er sich in England nicht zeigen kann.'
Dick strich gedankenvoll über sein Kinn.
„Haben Sie Briefe von ihm?^
Havelock nickte.
„Darf ich sie sehen?'
„Ditte', erwiderte Havelock unb deutete mit einer Kopfbewegung auf die Mappe, bie Dick noch immer in der Hand hielt.
Dick begann in der Aktenmappe zu blättern.
Da waren Kabeldepeschen aus allen Tellen der Welt, hingeworfene Anweisungen, lange und kurze Briefe, handgeschrieben und in M< Maschine diktiert.
„Es ist die Korrespondenz des letzten Jahres. Der gesamte Briefwechsel füllt allein zwei Fächer meines Aktenschrankes aus!'
eine feiner nächsten Dorstandssitzunaen nach Schot- t e n verlegen.
-*■ Schotten. 13. Mai. Der Niddatal- Sängerbund wird zum beginnenben 3ult eint Bunbe«fahrt an ben Rhein unternehmen, an btr sich etwa 400 Perionen beteiligen. Insbesondere au« den Bundesvcreinen von Eichel«borf. Ober-Schmitten unb 11 n- ter-Schmitten liegt eine groß« Zahl von Anmeldungen vor. bie zusammen 300 übersteigen. Für bad Her» des Sänger# ist bet Rhein noch stet« bie ucodc Sehnsucht, der 3nbcgriff einet reichen, fröhlichen Licderwelt.
- - Ober-Schmitten. 13. Mai. Don einem tragischen Tobe warb« bie Frau eine« hiesigen Lanbwirts «teilt. Beim Reiferwellen im Walde zwischen Qtalnvob unb Schal- t c n würbe sie von einem plötzlichen Unwohlsein befallen 3hr Mann brachte bie Bewusitlofe auf dem Wagen nach Haufe, wo sie bald darauf verstarb. Ein Gehrrnfchlag halte ba« arbeitsreiche Leben der Fünfzigerin geendet. Der schwergeprüften Familie wird aüleiT« herzlichste Teilnahme cntgegcngebracht.
O Laubach. 13. Mai. Die Apfelblüte hat in diesem 3ahre in unterer Gemarkung g u t a n g c f c 0 t. besonder« bei den rauheren Sorten, weniger gut bei den feineren Xafclforlcn. toi« bei Reinetten und Goldparmänen, di« für unser Klima sich weniger eignen. Für die Birnen sind ebenfalls gute Aussichten, ebenso für Kirschen. Schlecht haben dagegen die Z w e t s ch e n ongesetzt. wie auch im vorigen 3ahre. Die Ursache dürste teiltoeik im rücksichtslosen, geradezu brutalen Abmachen dieser Früchte zu suchen fein. Anstatt die Baume nur zu schütteln, wird vielfach in die Tragäste und Zweige mit Stangen geschlagen. Man sieht leider gar zu ost nach der Zwetschenernte den Boden unterhalb der Zwct- schenbäum« dicht mit Reisig bestreut. Dies rächt sich bitter. Die Eisheiligen, die sich in biescm Jahre früher eingestellt haben, sind bis jetzt nicht ungnädig gewesen. Die A p f e l b l ü t e ist bis jetzt, vock einzelnen Strichen abgesehen, verschont geblieben. Dagegen sind die Nußbäume durch den Nachtsrost etwas geschädigt. Die Birnen sind gerettet. — Die Rchbvck«. besonders die älteren, haben in diesem 3ahre recht gut .aufgesetzt". Bei Gablern unb Sp iehböcken sieht man dagegen öfter schlechte Dehörnbildung. Durch die immer intensiver betriebene Forstwirtschaft wird bie Qlcfung (Brombeeren. Haib« uftn.) mehr unb mehr beschränkt. Auch gab ei im vorigen Jahre wenig Kastanien, fo baß bie Winterfütterung sehr knapp war. 3unghasen sieht man reichlich. — Das von Bildhauer Arnold in Beuern angefertigte Denkmal für bie Gefallenen be« Weltkriege« (an ber Unterpsorte) ist in dieser Woche ausgestellt worden. Die Einhüllung erfolgt am zweiten Pfingsttag.
Preußen.
Kreis Wetzlar.
J W e tz l a r, 13. Mai. Seit einiger Zeit sind Handwerker damit beschäftigt, dem Geläute unlrte« Dome« elektrischen Antrieb zu geben. So werden numnehr auch die Glocken der neuen Kraftquelle au«geütfert, die unsere Vorfahren nicht Spanten. Ein Stück neuer Kirchengeschichte nimmt damit hier seinen Anfang. Vier Glocken sind ei, bie in harmonischem Mollllang oft mehrmals am Tage ihre Stimme ertönen lassen, besonders auch in herkömmlicher Weise bei fast allen Qkerbigungcn. Die größt« ber Glocken, ber Dammerich, mußte bisher von zwei Männern geläutet werden. Gr war in> früherer Zeit bk Feuerglocke für die Stadt und wurde 1846 bei Rinker In Leun gegossen. Da er jüngeren Datums war. so mußte er während des Weltkrieges geopfert werden. Sein heutiger Erfatz stammt von den Buderusschen Eifen- werken. die ihn nach dem Weltkriege in ihrem Wetzlarer Werk in Gußstahl goffen unb ben beiden Kirchengemeinden zum Geschenk machten. Die zweitgrößte ist bie Daterunser^locke, so genannt, weil sie beim evangelischen Gottesdienst beim Vaterunser-Gebet geläutet wirb. AlSdann kommt bie Elfuhrglocke, bie von ber evangelifchen Gemeinbe täglich um elf Uhr geläutet wirb. Sie war früher auch bie Sturmglocke bei Brän- den außerhalb ber Stadt. Die kleinste der
„Und Sie erkennen bestimmt m jedem Brief seine Handschrift wieder?"
„Selbstverständlich ... ein Zweifel dieser Art ist mir nie gekommen. Es ist ganz auogeschlosfen, daß die Briefe gefälscht flnb!'
Dick reichte ihm die Mappe zurück.
„Es tut mir leid, Mr. Havelock, daß ich fo wenig Erfolg hatte. Aber ich glaube, man fängt eine Schwalbe eher, als diesen jungen Lord, lieber einen Punkt glaube ich Sie inbeflen beruhigen zu können. Eine Frau steckt diesmal beftimmt nicht dahinter. Er war allein in Ncuyork und allein in San Francisco. Er landete in Sl»anghai ohne werblichen Anhang, unb in ganz Indien gesellte sich niemals eine Frau zu ihm. Wenn es sich irgend möglich machen läßt, bringen Sie mich bitte mit ihm im August zusammen."
..Gern,' lächelte Havelock grimmig, „bas heißt, wenn ich ihn lange genug feil halten kann!'
Dick verabschiedete sich und schlug gedankenvoll den Heimweg ein. In feiner Taichc trug er einen Scheck über einen sehr ansehnlichen Betrag als Honorar für feine Dienste, in feinem Kopf wälzte er ein Problem, das ihm zu schaffen machte. JKbngetommen. fetzte er sich an feinen Schreibtisch, starrte auf bie Platte, als stände dort eine mathematische Aufgabe, und zerkömmtc sich das Haar mit den Fingern. Nach einer halben Stunde eifrigen Grübelns glich feine Frisur dem Schopf eines Papuanegers, aber ber Lösung feines Problems war er nicht um einen Schritt nähergekommen.
Er hatte alle Koffer ausgepackt bis auf einen, unb dessen Inhalt horte er jetzt auf den Schreibtisch- Eine Flut von Papieren ergoß sich. Da waren Nottzblötter. Quittungen, Hotelrechnungea, Zei- tungsadschnitte, unb da mar auch ein Bogen Lösch- parier, den er mü beiden Händen aus hob unb gegen das Licht hielt. Deutsch war jetzt der Ab- druck einer Adresse darauf zu erkennen: Mr. Bertram Eody. Deald House, South Weald, Susiex. Er hatte dieses Löschblatt auf dem Schreibtisch des Prioatt'alons gefunden, den der rastlose junge Lord achtundvier^ig Stunden vor seiner Ankunft in Buenos Aires bewohnt hatte. Nach seiner Abreise batte der Roum unbenutzt gestanden, bis Dick ihn sich vom Geschäftsführer des Hotels zeigen Neß.
Dick schloß das Löschblatt sorgfältig ein. Dann
Glocken, aber immerhin nach Exil einen respektablen Gewicht, ist d.c Apvstelglvckc. benannt nach bei vier Aposteln. Es bad gehofft werben, baß mit E n üfrrung der elektrischen Kraft auch eine Terbtflerunp in ber Harmvme be« Geläute« ein treten wirb, be bish r hier unb ba wobt unter dem Mangel geüv.cr Ä.äftt. nicht immer gaiujiur schönen Snlfakung kam
WSR. Wetzlar, 13. Mai. Durch ben heimischen Forscher Karl Metz wurde an ber südöstlichen Peripher e bcc Siebt, aus ber Stoppelberger Hohl, wo schon vor 3a&ttn ein römische« Laaer au!gedeckt war, dn neuer römischer Groben fest «stellt. Der Graben hat die normale Br« tc von 10 römischen Fuß, ist spitz, hat steil« Bös^un^en unb ist auf eine Läng« von 34 Meter verfolgen. Man fand in .hm Kohlen- unb Eiscn'puven. dn größere«, formlose« Stück Öden unb ein Schcröchen von lichter Oderfarbe mit feiner Strichelung, ba« ber archäologischen Forschung bedeutsame Aufschlüsse zu geben vermag. Der neu gefunden« Graden läßt auf ein bedeutenbe« römische« Lager schließen.
- - Au« dem Kreis« Wetzlar, 13. Wai. Der Lanbrat hat bie Schulferien für 1928,29 l ni Krei « Wetzlar trie folgt festgesetzt: Weihnacht«ferien 12 Tag« (23.12. bi« 3.1): öflerlcricn 16 Tage (vom Palmsonntag bi» Montag nach bem Weinen Sonntag): Pfxngst- Pferien 8 Tug« (vom Samstag vor Pfingsten): Sommerserien 28 Tage (rom 27.6. bi« zum 27.7.); Herdsticrien 21 Tage (12.9. bi« 4. 10.). Den Bürgermeistern ist im Debürfnisfall« unb aus rechtzeitigen Antrag de« Schulvorstande« ohne weitere« aeRartet die Sommer- oder Herbstscrien «in« ober zwei volle Wochen früher oder später beginnen zu lassen
Tilltrei».
WSA. Dillenburg. 13 2!ax. 3m benachbarten RitterShausen wurden durch ein Großseuer zwei Wohnhäuser elnae- äschert. Fast nicht« konnte gerettet wcroen. Die Eiitstehungsursache ist imbdannt — Auf den Hirzcnyainer Höhen werben augenblicklich von dem bekannten Segelflieger Keg ex aus Kassel Flugversuche ausgeführt, bie zu überraschenb guten Erfolgen geführt haben. Kegel «rrdchte letzthin eine Flugdauer von einer Slunb« in 400 Mcfer Höhe. Auf Grund ber erfolgreichen Versuche soll nunmehr ber Plan verwirklicht werben, auf bem Fluggelänb« eine Flugfchule für Segelflieger zu eröffnen, ähnlich wie in ber Rhön.
LPD Herborn, 13. Mai. Di« Stabtver- orduetenversammlung bat beschlossen, blc Regulierung der Dill, sowie die Kanalisation eine« Teile« der Stabt burchzusühren. Die Ausgaben für bie Dillregulierung belaufen sich nach bem Voranschlag auf 400 000 Mark, die der Äanalifation auf 326 000 Mark. Zu diesen umfangreichen Bauvorhaben stehen Zuschüsse unb Darlehen be« Staate« in Aussicht, für den Rest beabsichtigt bk Stabt eine Anleihe auszunehmen. Zu gleicher Zeit tourbe bem Bau von 10 bi« 15 Wohnhäusern zuge- stimmk.
Lberwestcrwaldkrcis.
WSR. Hachenburg. 12. Mai. 3m Kloster ber Zister-ienferabtei Marienstatt rutschte ein ScjtQner ba« Treppen geländer herunter. Plötzlich verlor der 3ungt das Gleichgewicht unb stürzte in da« Hefe, hohle Innere be« riesigen Treppenbause«. Er konnte nur noch aul Leiche aufgehoben werden.
Amisqerichi Gießen.
Dießen, 11. Mat Zwei Einwohner des Viertel« an ber Margarethenhürtc waren in Streit geraten, hierbei sollen beleibigenbe Wort« gefallen sein. Der Angeklagte 2L, ber in ber i>!äh« stand, schlug hieraus mit einem Knüppel den Hund eines der Streitenden. Der Hund knickte unter der Wucht de« Schlage« zusammen unb heulte auf. Da bie Tierquälerei in roher Weise unb öffentlich erfolgt war, auch einige Anwohner Aegerni« baten genommen hatten, da zu der Mißhandlung kein Grund vorlag, wurde der Angeklagte zu einer Geldstrafe von 20 Mk, Hilfsweife 5 Tage Haft und zu den Kosten verurteilt.
ging er in fein Schlafzimmer unb stellte sich vor den Spiegel.
„Und du willst Detektiv jein. Dick Martin?' fragte er fein Splegeldllb. unb seine Lippen kauften sich spöttisch. „Ein Hammel bist du, mein Lieber!"
Er verbrachte den Rest des Tages mit dem (Ein- studieren eines Kartentricks, den er unterwegs gelernt hatte. Man mußte cs beim Geben der Karten fo einrichten, daß die Deckkarte von oben verschwand und die neunte Im Spiele mürbe. Mit einer Stoppuhr übte er den Trick, bis die Unter- schlebung in einer fünfzehntel Sekunde gelang. Er erhob sich befriedigt, um fein Auto aus der Garage zu holen.
8.
„Fuhre ihn herein', sagte Bertram Eody.
Er mar ein kleiner glatzköpfiger Herr mit einer fanften Stimme.
Umständlich schob er die goldene Brille auf bie Nase unb buchstabierte die Visitenkarte:
Mr. John Rendle
194, Collin» Street, Melbourne.
Der Name faatc ihm nichts. Er hatte einen Rendle in den achtziger Jahren gekannt, einen sehr achtbaren Teehändler, aber die Bekanntschaft war eine so flüchtige gewesen, baß es sich um diesen Herrn kaum handeln fonnte.
Er blätterte in einem kleinen Notizbuch, als der Besuch gemeldet wurde. Das Buch war in rotes Saffianleber gebunden und enthielt außer dem Schreibpapier ein Fach für Briefmarken unb ein Zweites größeres für Banknoten. Als der Fremde über die Schwelle schritt, schob er das Buch unter einen Haufen Papiere.
,.Mr. Rendle', meldete bi« rauhe Stimme einer ürau, und aus bem Dunkel bes in tiefe Schatten getauchten Raums kam ein hochgemachsener junger Rkmn, der nicht die geringste Aehnlichkeit mU dem Tee Händler hatte.
„Rehmen Sie bitte Platz', sagte Bertram Toby freundlich. „Unb entschuldigen Sie bas Halbdunkel, in dem ich lebe. Jedes hellere Licht tut meinen auoen meh. Dies? Tischlampe, die ich sogar nvch verhängt habe, erfüllt ihren Zweck In angemessener Weise, wenn sie auch meinen Besuchern zuweilen nicht genügt.'
(Fortsetzung folgt)


