posten da vorn verliehen. Schliehlich sah von jeder Partei nur noch der Hocchpoften da vorn und hörte mit einem Ohr auf di« Wiedergabe des kommunistischen Katechismus durch den Ab- grordneten Höllein. Der Präsib-mt deS Hauses wehrte sich gegen die ihi überfallende Müdigkeit dadurch, daß er sich schliehlich au, raffte, die Glocke schwang und den Redner mit den Worten unterbrach: „Herr Abgeordneter Höllein, durch die Besprechung der Kartoffelpreise und die ausführliche Behandlung des Zuckersteuergesetzes entfernen Vie sich aber immer weiter vom Ree- dereiabfindunasvertrag." Woraus ihm der Ab- arordnete Höllein ebenso aussührlich antwortete, daß das alles ja nur notwendige Begründungen für seine besondere und eigenartige Stellungnahme zur Sache sei. Müller hatte an b eiern Tage auS irgendwelchen Gründen noch nicht zu Mittag gegessen und muhte, nachdem Höllein schon über zwei Stunden bar» auslos redete, seine eiserne Ration, die berühmte Tafel Schokolade, die ein vorsichtiger Abgeordneter für solche Fälle in seiner Schublade liegen hat, angreifen. Damals hit er also zu feinem Schmerze erfahren, wie lange ber Abgeordnete Höllein reden kann. Er (Höllein) hat schliehlich ausgehört, — so gegen das Ende der dritten Stunde und sich dann stolz auf seinen Platz gesetzt. Die Abstimmung ergab die schon vorher bekannte Mehrheit für das Gesetz, und die Horchposten der bürgerlichen Parteien konnten ihre Vortragsmanuskripte $u dem vielen übrigen beschriebenen und bekritzelten Papier legen, das sich bei einem Abgeordneten ansammelt. Aber Herr Müller freute sich doch, einmal gezwungen gewesen zu fein, eine ganze Rede bed Abgeordneten Höllein vom ersten bis xum letzten Wort anhören zu müssen. Es geht doch nicht- über seine bilderreiche Sprache. Als er einmal einen Zwischenruf von den Mehrheitssozialdemokraten be'am. da schrie er sie an:
Unter den Fittigen diese« Schlagworts sind Sie doch in den Wahlkampf gezogen!" Und als er sich mit getäuschten Hoffnungen in der Mitte des Hauses auseinandersetzte. fand er dafür das schöne Bild, das man sich mit allen Einzelheiten auSmalen muh: „Diese anfteigenbe Welle hat sich als ein Strohfeuer entpuppt."---
Aus 6er Provinzialhauptstadt.
(Sieben, den 14. Mai 1928.
Wenn die Weiden Säst haben!
Drüben am Bachrand stehen sie Reih in Reih, alte, ergraute Veteranen, die unfern Jungen jährlich ihre Zweige liefern. Es kommt wohl von Zeit zu Zeit einmal ein Korbmacher und „köpft" sie ein bißchen, im übrigen besorgen das aber die Jungen.
Solche Weidenbäume haben eigentlich den größten Lebenswillen. Wenn man ihnen auch nur den Stumps läßt, wenn man ihnen alles nimmt, was an Aeste ober Zweige erinnert, sie kommen doch wiederl Schon auS dem Grunde, um unsere Jungen nicht zu enttäuschen.
So ist also der Bach, eben an den Sonntagen — ob warm, ob kalt — das Ziel vieler, vieler Knaben. Fast auf jedem Daum sitzt einer und schneidet. Die Taschenmesser (und MutterS Küchenmesser!), die sie haben, sind aber oft so, daß man von „Säbeln" sprechen kann. Die glattesten Gerten werden ausgesucht, davon daS schönste Stück (ohne Warze, ohne Aestchen!) herausgeschnitten. Schon sitzen einige am Bach- rand oder auf dem Steg und klopfen, die Messerklinge in her Hand, mit dem Messergriff schlagend, aus die Rinde. Gin eintöniges Geschäft. Aber es wird vom Gesang munter unterbrochen. Sie fingen noch, was auch wir einst fangen: „Saft, Haft, Seire . . .
Wenn die Weiden recht im Saft stehen, dann wird nach dem Absingen des Liedes einmal versuchsweise gedreht, und siehe da! die Rinde gibt nach. Der Zweig wird von den gesunden Zähnen gehalten, mit beiden Händen wird gedreht, die Augen rollen, endlich knackt'S!
Run aber Vorsicht, daß es nicht doch noch einen Riß gibt Der „Stöpsel" wird zurecht- geschnitten und eingesetzt, das Mundstück wird besonders behandelt, und fertig ist die Pfeife. Ist der 3a>eig nur dünn, bann gibt es eine „F a r z e."
Die größeren Jungen dagegen wagen sich mit ihrem „Käsmesser" an die Aeste, die die Starke einer Bohnenstange haben, und schneiden aus der Rinde lange Streifen, machen ein Horn daraus, befestigen daS Ende mit einem Schwarz- dom und setzen al« Mundstück eine „Farze" ein. Das ist dann eine „Schalme i". DaS können aber nur die „Großen". Die Kleinen dagegen begnügen sich mit den Pfeifen und den Etn- zelfarzen. —
ilnfere Jungen haben doch viel zu tun. Sogar am Sonntag schaffen sie. Abe.r wer sie fo sitzen sieht, der freut sich. Er hält sich auch nicht die Ohren zu, wenn nun Überall „Musik" gemacht wird. Er läßt sich die Pfeifen und Schalmeien zeigen, probiert auch einmal, ob er noch „pfeifen" kann, und vergißt vielleicht im Eifer, daß er längst etwas grau hinter den Ohren ist.
Aber beim Pfeifenschneiden zieht einem der Mai fo recht ins Herz hinein. M.
Schnup en im Mai.
Maiensonne und Maienblüte locken mit Recht jung und alt hinaus ins Freie, um Körper und Seele in Licht und Luft und Sonne zu baden. Das letzte, was noch an den Winter erinnert, Pelz und Winterkleider, werden in die Schranke gesperrt, und selbst der Sommermantel wird meist zu Hause gelassen. Allein die Maiensonne hat ihre Tücken und auch der Sonnenschein trügt. Während mittags die Temperaturen leichte Sommerkleidung durchaus gestatten, pflegen im Ma, die Morgen- und Abendstunden oft noch recht kühl zu sein, und die Folge allzu leichter Beklci- düng ist gewöhnlich ein Schnupfen. Nicht selten läßt sich auch der Maiwanderer verlocken, kurze Rast auf einem Feldstein, ober einer grünen Wiese zu machen. Diese Heine Sünde muß man meist mit einem Schnupfen ober Rheumatismus büßen, denn die Sonne hat die Steine sowohl wie auch das Erdreich noch nicht genüaenb durchwärmt Nun ist ja ein Schnupfen glücklicherweise kein ernstes Leiden, aber er trübt uns doch die rechte Maienfreude, beeinträchtigt unsere Lelstungsfähig. feit und wächst sich nicht selten zu einem sch wc ren Erkältungskatarrh aus. Darum ist Vorsicht geboten.
Aber auch die Maienblüte kann unter Umftän. den unserer Gesundheit gefährlich werden Manche Menschen werden, wenn sie den feinen Blutenstaub bestimmter Gräser ober Getreidearien einatmen.
oom Heuschnupfen befallen. Dabei handelt es | sich stets um Personen, die gegen Blüten staub eine besondere Ueberempfindlichkeit besitzen. Diese äußert sich im Auftreten von entzündlichen Krankheiten, besonders der Schleimhaut des Auges, der Nase und der Luftröhre, und führt zu 'Lindehautkatarrh, Schnupfen und Luftröhrcnkatarrh, resp. .zu asthmatischen Zuständen. Nicht selten tritt auch Fieber, bas sog. J)eufieber" auf. Die ärztliche Wissenschaft bat sich seit Jahrzehnten darum bemüht, diesen Menschen, denen ihr Leiden die Freude an der schönsten Jahreszeit vergällt, zu helfen. Das sicherste Mittel ist und bleibt dabei wohl der Aufenthalt an der See, oder zum mindesten in einer Gegend, wo es keinen Blutenstaub und keine Pollen gibt. Da aber bei weitem nicht jeder in der Lage ist, eine solche Reise zu machen, hat man versucht, durch Behandlung mit bestimmten Pollenextrakten, sowie durch verschiedene Medikamente dieser Art Kranken zu Helsen. Ist das Leiden bereits ausgebrochen, dann vermag ärztliche Kunst es zu mindest zu mildern. Ein voller Erfolg ist indessen nur bann zu erwarten, wenn der Kranke schon mehrere Wochen vor Eintritt der Blütezeit sich in sachgemäße ärztliche Behandlung begibt und diese bis über die Blütezeit hinaus durchführt. Es brauchen also heutzutage auch die Heuschnupfen- kranken sich nicht mehr die Freude am Frühling trüben zu lasten, und alle anderen Maiousflügler werden gut tun, es, wenn auch in abgeschwächter Form, mit dem alten deutschen Spruch zu halten: „Ein deutscher Mann von deutscher Art, trägt seinen Pelz bis Himmelfahrt".
Errichtung privaierpostannahmestellen
Der Reichspostminister hat eine Verfügung erlassen, nach bet im gesamten Deutschen Reiche in Zukunft eine große Anzahl von P o st - annahme stellen bei privaten Kauf- leuten errichtet werden sollen. R'cht nur alle größeren Betriebe, fonbam auch kleinere Gäben, Die an verkehrsreichen Punkten liegen, können in Zukunst auf ihren Antrag eine eigene Post- annahmestelle erhalten. Soweit die Post in diesen Fällen anerkennen wird, daß ein öffentliches Bedürfnis für eine derartige Stelle vorliegt, wird sie evtl, einen Zuschuß zu der Betriebsführung der Annahmestelle leisten, wie es bei den Postagenturen auf dem Lande geschieht. Die großen Firmen müssen ebenso wie die kleinen, wenn ein Bedürfnis für das Publikum nicht vorliegt, ihre Poststelle auf ihre Kosten betreiben. 3n diesen neu einzurichtenden Postzweigstellen sollen Briefe und Pakete aufgeliefert werden können, hr.ar Geld fo l einge;ahlt werken können: in welchem Umfange, ist jedoch noch nicht festgesetzt.
Einweihung der Liebig-Gedenktafel in Bad Salzhausen.
g. Am Samstag, am 125. Geburtstage des in der ganzen Welt bekannt gewordenen großen Gelehrten und hessischen Landsmannes Professor Justus von Liebig in Gießen, versammelten sich in Bad Salzhausen nachmittags 4 11 br auf Einladung des Kur- und Verkehrs- Vereins Bad Salzhausen-Ridda und der Gesellschaft Liebig-Museum Gießen zahlreiche Freunde und Verehrer Liebigs, um für ihn eine Gedenktafel am Laboratorium anzubringen und einzuweihen. Diese Tasel trägt die Aufschris t: „Zur Erinnerung an Justus von Liebig, der 1823 und 1814 hier an der Analyse der Salzhüuser Quellen gearbeitet hat. Bad Salzhausen, im Sommer 1928. Gesellschaft Liebig- Museum in Gießen. Kur- und Derkehrsverein Bad Salzhausen-Ridda."
Eingeleitet wurde die schlichte Feier durch eine herzliche Begrüßungsansprache des Geh. Justizrats R ö m h e l d - Ridda, der im Auftrage des Kur- und Derkehrsdereins die Gäste, insbesondere den Vertreter der Regierung, Staatsrat Balser- Darmstadt, sowie die Vertreter der Kreis», Bade- und Gemeindeverwaltung begrüßte. Er gab die Gründe an, warum man jetzt noch Liebig, einen der Größten unter den Großen, durch die Gedenktafel, die mit Hilfe deS Verein- Liebig-Museum gestiftet wurde, ehre. Liebig hat als erster die Salzhäuser Mineralquellen mehrmals analytisch untersucht und dazu wesentlich beigetragen, baß bie Quellen, die bis dahin nur dem Salinenbetcieb dienten, auch zu Bädern ausgenützt wurden, deren Heilkräfte er wissenschaftlich nachgewiesen hat. Zum Bade stand Liebig in regen Beziehungen, und er war mit dem Damaligen Salinendirektor Reuß befreundet. Bei mehrmaligem Aufenthalt in Bad Salzhausen hat der große Chemiker im Laboratorium gearbeitet. Roch jetzt ist fein Arbeitszimmer vorhanden, allerdings leer. Auch versuchte er, bie Quelle zur Fabrikation von Bittersalz, das vor 100 Jahren als wichtiges Heilmittel galt, zu verwenden, fand aber bei der damaligen hessischen Regierung keine wesentliche Unter» stützung und Förderung. Deshalb ging bie von ihm gegründete Bittersalzfabrik bald wieder ein. Trotzdem bewahrte Liebig Salzhausen, wie seiner engeren Heimat, zeitlebens seine Liebe und Treue, woran bie neue Gedenktafel die Gegenwart und Rachwelt stets erinnern soll.
Als Vorsitzender des Vereins Liebig-Museum gab Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Sommer- G-eßen feiner Freude und den Gefühlen des Dankes darüber Ausdruck, daß diese Feier stattfinden konnte. Er überbrachte als wichtige Urkunde für den Badeort bie erste Arbeit v. Liebigs über bie Salzhäuser Quellen.
Im Auftrage deS Finanzministeriums dankte Staatsrat Balser den beiden Vereinen, bie die Gedenktafel für Liebig gestiftet haben, schilderte in längeren Ausführungen bie Verdienste deS Gelehrten für Salzhausen und bie gesamte chemische Wissenschaft und nahm bie Tafel in den Besitz des Staates, der sie durch die Babeverwaltung in sorgsamer Obhut halten werde.
Rachdem noch Der Verein Deutscher Chemiker, B e z i r k S v e r b a n b Oberste ssen, durch seinen Vorsitzenden einen prachtvollen Kranz mit entsprechenden Worten ehrenden Gedenkens an der Gedenktafel hatte n eder- legen lassen, begab sich die Versammlung in den neuen Kursaal im KurhauS. Hier hielt Prof. Dr. Brand- Gießen einen Vortrag über den Gelehrten und unermüdlichen Forscher Justus v. Liebig. Der Redner erntete* großen Beifall, und Geheimrat Prof. Dr. Sommer- Giehen sprach ihm herzli-sten Dank auS. In anregender Unterhaltung kli b?n bie an der Feier Beteiligten noch einige Zeit Im Kursaal bereinigt.
Taten für Dienstag, 15 Mai.
Sonnenaufgang 4.09 Uhr, Sonnenuntergang 19.44 Uhr — Mondaufgang 2 49 Uhr, Monduntergang
• 14.05 Uhr.
1525: Sieq der Fürsten von Sachsen, Braunschweig und Hessen über Thomas Münzer bei Frontenhausen ^Bauernkrieg); — 1773: der österreichische Staats- mann Fürst von Metternich in Koblenz geboren (ge- slorben 1859); — 1816: der Maler Alfred Relhel in Haus Diepenbenb bei Aachen geboren (gestorben 1859); — 1862: der Dichter Artur Schnitzler in Wien geboren; — 1926: das Luftschiff ./Borge“ landet in Alaska nach Ueberfliegen des Nordpols.
Bornotizen.
— TageskalenderfürMontag: Wahlversammlung brr Drutschen Demokratischen Partei 81', Uhr im CafL Leib. Rebner: Lanbtags- abgrordnetrr Oberamtsrichter Schreiber unb Univettitäts-Professor Dr. Deutschbein. — Jubiläumsfeier bes Frauenvereins vorn Roten Kreuz für Drut'che über See. 8 Uhr. Große Aula ber Universität, Lichtbildervortrag: Dr. B r e n n e r - Winshuk über: Die Lage des Deut'chtums in Sübwestasrika. — Lichtspielhaus. Bahnhofstraße: König der Könige. — Astoria- Licht'ptete: Brillanten. Hutsch im Kamps auf hoher See.
— D i e Deutsche Demokratische Partei macht noch einmal auf die heute, Montag, abend 8.15 Uhr, im Eass Leib stattfindende Wähleroersammlung aufmerksam, in der Landtagsabgeordneter Oberamtsrichter Schreiber und Universitätsprofessor Dr. Deutschbein sprechen werden. (Siehe Anzeige.)
— Deutsche Volkspartei. Für die Deutsche Volksvartei spricht am Dienstag, 15. b. M.. abends 8.30 Uhr im Safe Leib der bekannte hessische Parteiführer Dingeldey. Bei dieser Gelegenheit wird der Vortragende, wie man uns schreibt, au$ auf die verschiedensten Vorwürfe eingehen, die im Wahlkampf gegen die Führung der Reichsaußenpolitik erhoben worden sind. (Siehe heutige Anzeige.)
** Landwirtschaftswissenschaftliche Tagung in Gießen. Am 11. und 12. Juni wird die Gesellschaft zur Förderung deutscher Pflanzenzucht ihre diesjährige Wanderoersammlung und Jubiläumstagung anläßlich des 20jährigen Be- flehens in Gießen abhalten. Am Montag, 11. Juni, ftndet am Vormittag die ordentliche Hauptversammlung statt, nachmittags soll die Er- Öffnung der wissenschaftlichen und Jubiläumstagung im Umoersitätsgebäude erfolgen. Anschließend wird Pros. Dr. Sessous, Direktor des Instituts für Pflanzenbau und Pflanzenzucht der Universität Gießen, einen Vortrag halten über das Thema „Der Wert des deutschen Ausleseoerfahrens". Sodann findet unter Führung von Prof Dr. Küster, Direktor des Botanischen Instituts der Landesuniversität Gießen, ein Rundgang durch den Botanischen Garten statt. Für Dienstag, 12. Juni, sind folgende Vorträge vorgesehen: Geh. Reg.-Rot Prof. Dr. Appel, Direktor der Biologischen Reichsanstalt für Land- und Forstwirtschaft, Berlin, über „Die Schaffung von Sortenreg.stern und ihre Bedeutung für die Pflanzenzüchter"; Hofrat Prof. Dr. v. Tschermack, Wien, „lieber seltene Weizen» unb Haferbastarde und Versuche ihrer praktischen Verwertung"; Prof. Dr. Äracmer, Direktor des Tierzuchtinstituts der Landesunioersttät Gießen, über das Thema „Zur Frage der Entwicklung der Arten"; nachmittags werden die Universitätsoer- suchsgüter Unterer und Oberer Hardthof besichtigt, abends findet auf Einladung der Stadt Gießen der Besuch einer Vorstellung im Stadttheater statt. Am Mittwoch, 13. Juni, wird das Versuchsgut der Hessischen Landwirtschaftskammer S e l g e n ■ h o f im Vogelsberg besichtigt, von dort aus erfolgt die Autofahrt nach Bad-Nauheim zur Besich- tigung der Kuranlagen mit anschließendem geselligen Beisammensein, wobei der hessische Staat Gastgeber ist.
** (Ein Verkehrsunfall ereignete sich am Samstagnachmittag am Lindenplatz zwischen dem Einhorn und dem Musikhaus Busch. Dort kamen ein Pferdefuhrwerk und ein Motorradfahrer ein» ander entgegen, die bei der (Enge der Straße nicht mehr ausweichen konnten und deshalb, um einen Zusammenstoß zu vermeiden, ihre Fahrzeuge rasch zum Stehen brachten. Dabei ereignete sich in der Maschine des Motorrads eine Nachexplosion, durch deren lauten Knall die Pferde des gegenüberstehenden Fuhrwerks scheu wurden und beim Wegsprin» gen mit Heftigkeit den Wagen zurückdrückten. Hierbei wurde ein sechs Jahre altes Bübchen aus der Walltorstraße von dem Wagen erfaßt und unter seine Hinterräder geschleudert, die. ihm über ein Bein gingen. Das bedauernswerte Kind wurde von der Fieiw. Sanitätskolonne vom Roten Kreuz nach der Chirurgischen Klinik verbracht, wo es anschei nend mit einem Unterschenkelbruch darnieberlicgt.
WER. Vorbeugung gegen Ruhr. Erkrankung an Ruhr entsteht, wenn bie unsichtbaren Ruhverroger mit verunreinigten Lebensrnitteln in den Mund gelangen, und wenn Wagen und Darm durch Erkältungen ober durch andere Ursachen schon in Unordnung sind. Darum achtet bei roher Rahrung (Obst!) auf besondere Sauberkeit (Fliegen!!). Schützt Magen und Darm gegen Erkältung und sonstige Schädlichkeiten? Beachtet die geringste Darmstörung!
•• Allgem. Deutscher Frauenverein. Man berichtet unS: Ueber Heim-Vollshoch- schulbewegung in Dänemark, Schweden und Deutschland sprach in ber Maftitzung bes Allgemeinen Deutschen FrauenvereinS Fräulein Irmgard Günther und gab in sehr bankenswerter und anregenbet Weife Einblick in ein den meisten noch unbekanntes Gebiet der sozialen Arbeit. Die Vortragende berichtete xuerft von den Anfängen der Bewegung, deren kulturelle Bedeutung weit größer ist, alS die der allgemein üblichen Abendkurse. Schon in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrbun- dertS tourüe in Dänemark bie erste Anstalt dieser Art gegründet. Unweit der dänischen Grenze bestand auch schon vor dem Weltkriege ein deutsches Vollst)ochschulheim, doch erst von 1918 ab entstand bei uns eine größere Anzahl derartiger Schulheime. Sie sind untereinander sehr verschieben, je nach den Bedürs- nissen der Gegend, in ber sie liegen. So befassen sich bie Heime ber Grenzgebiete in erster Linie mit politischen Abwehrbestrebungen, es gibt Anstalten für die bäuerliche und solche für die städtische Jugend, ebenso ausgesprochen christlich gerichtete. Es liegt diesen FortbildungSanstalten sine starke innere Rotwendigkeit zugrunde In unserer heutigen Gesellschaft ist für den Jugendlichen eigentlich fein Platz, sein Streben nach höheren Werten findet in feiner Umwelt keine Befriedigung, feste lle5erfiefcrungen fehlen. So enksteht ein Mißverhältnis zwischen den Bestrebungen des jungen Menschen und den an ihn berantreten^en Forderungen. An I dieser Stelle sucht bie Bewegung für Volks- I Hochschulheime einzugreifen. Sie gibt den jungen 1
Leuten Gelegenheit, im Rahmen deS Gemettr- schuf lslebens ihre Fragen in einer Weife beantwortet ju sehen, wie sie die unpersönliche Art ber Vortragslurse nicht kennt. Die Vortragende erörterte weiterhin Die Einrichtung bet schwedischen Anstalten Sie hat selbst einen Sommer in Sigluna verbracht, in dieser vorbildlich geleiteten Anstalt sind junge Menschen aller Richtungen und aller Stände vereint. Dieser schwedische Geist, für den es keine politischen und Standesuntersch ob« gibt, herrscht bei unS noch nicht, bie Besucher ber deutschen Heime gehören meist einer bestimmten politischen Richtung an. Die Anstalt, an der Frl. Günther lehrt — Achelwiede bei Osnabrück — wirb von jungen Handwerkern oder Söhnen un* Töchtern des dortigen gehobenen Bauernstandes besucht. Dir meisten haben Volksschulbildung. In den Som- merkursen der Mädchen bildet Erziebungsledrr das wichtigste Fach, in den Dinterkursen bet Burschen Staatsbürgerkunde. Die Plleae des Volksliedes wird besonders betont, gerade als Abwehr gegen den wachsenden Einfluß städtischer Jazzkultur. Auch einfache Theaterstücke werben den Schülern eingeübt und an AlfSchülertagen, sowie im den Dörfern ber Umgebung aut geführt. Wanderungen, Besichtigungen und kleine Reisen m billigster Form werden unternommen. Eine kleine aber anregende Aussprache schloß sich an den schönen Vortrag, ber durch seine interessanten Ausführungen den lebhaften Verfall der Zuhörerinnen sand. R. M.
•• Der Verband reisender Kaufleute Deutschlands hält vorn 16. bis 20. Mai feine 42. Generalversammlung in Dresden ab. Jrn Mittel- rnntt ber Veranstaltungen steht eine öffentliche Kundgebung im Dresdner Rathaus mit einem Dortraae des Derbandsdirektors A. Günther über „Grundsätzliches zur Stellung der Berufsvertretunaen in der Gesetzgebung". Daneben werden besondere Tagungen der angcstellten Reisenden, der Handelsvertreter und der Obmänner der Derkehrskominisstonen ftattfinben, gleichzeitig halten einzelne Fachverbände und Fach- gruppen Sondersitzungen ab.
•• Austrieb zum heutigen Frankfur- terSchlachtviebmarkt: 268 Ochsen, 60 Bullen, 566 Kühe, 320 Färsen, 789 Kälber, 46 Schafe. 6225 Schweine.
Oie Dolksrecki-pariei zum 20. Mai.
Die VolkSrecht-Partei (Reichspariei für Volksrecht und Auswertung) hatte für SamStagabend zu einer öffentlichen Wählerversammlung In das Eafe Leib eingeladen.
Der Versammlungsleiter. Rentner Reiber, betonte in 'einer Eröffnungsansprache, am 20. Mai müsse sich zeigen, ob die beraubten und entrechteten Jnslationsgeschädigten endlich mit der Parteimißwirtschaft und Parteibiktatur ein ®nbc machen wollten. Es sei notwendig, baß am 20. Mai die Volksrecht-Partei gewählt werde, die Front mache gegen das ungeheure Unrecht an den Sparern und Kapitalrentnern und die fiir die Wiederherstellung des Rechts kämpfe.
LandtagSabg Dr. Wolf, Mainz
legte hierauf in etwa «inständiger Rede den Standpunkt bet VolkSrecht-Partei im Hinblick auf ben 20. Mai bar. Er erklärte einleitend, daß alle Versprechungen, die man vor der ReichS- tagswahl von 1924 von Sparern und Kapitalrentnern gemacht habe, nicht gehalten worden seien. Wenn sich die alten Parteien heute mit aller Macht gegen d.« Splitterpartei VolkSrecht- Partei wendeten, so geschehe daS nur. weil jene Parteien Angst hätten vor dem Tag deS Gerichts. ber am 20. Mai für sie anbreche Die VolkSrecht-Partei sei heute gar keine Splitterpartei mehr, zum mindesten sei sie doch schon — was dir eroberten Parlamentssitz« in Hessen und in Sachsen bewiesen — eine Spä.nevartei und sie hoffe, recht bald ein« Baltenpartei zu werden. Bei einem Rückblick auf die Tätigkeit bar anbeten Parteien in den letzten Jahren kam der Redner zu dem Ergebnis, daß die VolkS- recht-Partei ein Gebot der Stunde feu Er wies dann sein« Zuhörer auf die schlimmen Erfahrungen in den JnflationSjahren hin. di« zu dem furchtbarsten Unglück für d'e Kapitalrentner geworden seien, während da- Großkapital sich immer mehr bereichert habe, fritifiertc bann eingehend di« Geldpolitik Dr. Schachts und bie Finanzgekrnrung des Reiches, wobei er schwer« Vorwürfe gegen d.« Reichsregierungen und gegen die Rcichsbankleitung erhob. Sr kam bei dieser Betrachtung zu dem Schluß, daß die deutsch« Finanäpolitik der letzten Iahte, di« so unge- heures Unrecht auf der einen Seit« (Spater und Kleinrentner) und so viel Begünstigung auf bet andern Seite (Hochfinanz und Schwerindustrie) zeitigte, nicht zum Guten für Deutschland gewesen sei. Hinzu komme bei dieser Sachlage noch, daß wir bi- heute immer noch nicht wüßten, was wir eigentlich insgesamt an unsere ehemaligen Kriegsgegner zu zahlen hätten. Wir befänden unS heute wieder auf dem absteigende« Ast. Die Rot gucke dem deutschen Bolte aus allen Knopflöchern. Beweis Dafür fei die Lag« ber früheren Kapitalrentner, die Rot der Landwirtschaft und des Handwerks. Einst tei ein großer, mächtiger und leistuna-kähiger M.ttel- ftanb bagetoefen, der die beste Stütze des Staates gewesen lei. ES fei geradezu schamlos, wie man heute ben Mittelstand in Deutschland behandle, wie man ihn maträtiere und ihn vernichten wolle. Der Staat hab« den Mittelstand nicht geschützt, alS Barmat, KutiSker. StinneS usw. ihm da» Geld au« den Taschen herauSgehokt hätten, ber Staat habe den Mittelstand als Freiwild Den volkswirtschaftlich dgrch und durch geschulten Krei en überlassen; eS sei schamlos, daß damals kein Einhalt geboten worden sei. Ob ein solcher Staat der Recht- und Schutzlosigkeit der Schwachen vor den Stärkeren überhaupt cristenzberechtigt sei. müsse man bei einer solchen Erinnerung doch fragen. Wir seien heute in Deutschland auf dem besten Weg«, ein AuSbeu- tungSobjekt der internationalen Hochfinanz zu werden 3m Mittelalter hätten die Menschen unter den Raubrittern geseufzt; heute hätten wir in Deutschland auch noch Raubritter, die mit einem goldenen Panzer in großen und herrlichen Palästen wohnten und ihre schwächeren Mitmenschen auSpowerten Man sprech« heut« vielfach davon, daß Deutschland dem End« zu- fteuere, wenn es nicht gelinge, billiger zu produzieren. billige- Geld zu bekommen. Wenn das Unheil zu feiner Bekämpfung an der Wurzel angcpackt werden solle, bann müsse die Auß- wcrtungSfrage wirklich gelöst werden. Man werde nicht darum herumkommcn. bie AufwertungSfrage in ganz kurzer Zeit aufzurvllen; tue man daS


