Zum Gallusmarkt
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findet Mittwoch, den 1Z. und Donnerstag, den 18. Oktober d. Z. in bedeutend erweitertem Umfange auf dem stark vergrößerten Marktplatz statt, und laden wir zu zahlreichem Äesuche ein. » Pferde-, MAdVteh- Und SchWeMemavkt findet Mittwoch, den 17. Oktober statt. Der Austrieb beginnt morgens S Uhr und endig« 9V, Uhr. Nachmittags Volksbelustigung. • Donnerstag, den IS. Oktober- MvümesmaE, «Sevlosuns mrd volksbetustiguns
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Gallusmarkt Grimberg LIL Hotel zum Hirsch la Weine, Münchner Biere bekannt gute Küche Mittagessen im Saal mit Konzert 13iaUhr Am 17. Oktober 1928, abends 8 Uhr:
3n einer Menge die einen Tanzbären von allen Leiten umgab, hielt seit geraumer Zeit eine Chaise, denn es war nicht möglich, auch nur einen Lchritt weit vorwärts zu kommen. Der Kutscher war abgestiegen und stand vor den Pferden, hielt ihnen die Augen zu, strich ihnen den Hals, und gab ihnen Schmeichelnamen aller Art, denn den Pferden war's bange vor dem Raubthier, und wollten nicht standhalten. Ein Bedienter in Jäger uniform hatte d.rweil seinen Rath mit Einem aus der Bürgerschaft, der zur Marktwache gehörte, und auf seinen Spieß gestützt. das einzige Zeichen seiner Würde, in das Treiben hinein! ah und behaglich sein kurzes Pfeifchen rauchte. Der Rath zwischen dem Jäger und dem Spießmann schien nicht sehr freundlich zu sein: denn der Jäger hatte ein zornrotes Gesicht und rief in einem fort: „Macht Platz, oder ich ziehe vom Lederl" Der Spießmann blickte lächelnd auf die halb gezögerte Waffe und sagte gelassen: „Stecket Euer Schwert an seinen Ort, mein Freund: nach gutem altem Marktrecht spielt der zuerst, dec zuerst kommt, und da der Polack mit seinem Petz zuerst auf dem Fleck war, so spielt der zuerst, dann kommt dir Reihe auch an Euch Was Ihr nun in Eurem Kasten hort habt — es will mich bedünken, als wären auch fremde Tiere drinnen —, das laßt später sehen. Eile mit Weile." — „Aber seht Ihr d:nn nicht, Mann", rief der Jäger noch ungeduldiger, indem er den Hirschfänger völlig aus der scheide zog, daß der Kutscher die Pferde nicht halten kann, die Bestie dort bringt meine Herrschaft ins Unglück!" — „Das ist ein Anderes, Freund", sagte der Spießmann, „das hättet Ihr gleich sagen können, daß Ihr Reisende führt. Ich will gleich Platz machen: nur sag' ich rroch einmal: Steckt Euer Schwert an seinen Ort; nach gutem Grunberger Marltrecht kommt jeder dort in den Turm, der sich erdreistet, wider hochlöb ichr Bürgerschaft, zumal in Marktdienst, das Gewehr zu ziehen« So sagend schwank er seine Waffe und gebot in gebrochenem Deutsch, daß sie selber redeten, den Rärführern zur Seite zu gehen.
Die Pferde zogen rasch an, mit manchem gefährlichen Sei'ensprung, mit manchem scheuen Blick nach dem Bären hin und nach wenigen Minuten rollte der Wagen durch die Marktaasse hinaus auf den Marktplatz und vor das Gasthaus zum Riesen. Da war ebenfalls ein reges Leben und Treiben. Unter MÜH2 nur konnte der Kutscher eine Anfahr! gewinnen: dmn Fuhrwerke von allen Arten Hutten bereits die Straße beseht. Der Riesenwirth, ein kleines et'es Männlein, mit einem langen steifen Zop*, stund, ein weißes Schürzlein vorgebunden und die weiße Mühe unter dem linken Arme, unter seinem Ho> tore und machte einen Bückling hinter dem andern. Er trat an den Kutschenschlag, um ihn zu öffnen, wurde aber von dem Jäger unsanft zur Seite geschoben. Da öffnete sich von innen die Thüre, und statt eines alten, gebrechlichen Reisenden, den man vermutet hatte, sprang schnell und leicht ein junger Mann, in einen weiten Reisemantel gehüllt, heraus, und half mit der rechten Hand, während er die linke unter dem Mantel verborgen hielt, als trüge er etwas, einem, wie es schien, ebenso jungen Frauenzimmer aus dem Wagen, ließet das Alter seiner Reisegefährtin
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Aus dieser Aufstellung geht erfreulicherweise hervor, daß der Grünberger Gallusmarkt nach den Röten der Kriegs- und Inflationszeit wieder in bemerkenswertem Aufwärtsstreben begriffen ist. Wenn die Ziffern der Vorkriegszeit bis jeht noch nicht wieder erreicht sind, so muh man sich bewußt sein, daß auch auf diesem Gebiete die Wiederaufbauarbeit nach den schweren Erschütterungen unseres ganzen Wirtschaftslebens durch Krieg und Inflation nicht so rasch Früchte bringen kann, wie manche Zeitgenossen es wünschen mögen. Mit Genugtuung bars die Einwohner und Freunde Grünbergs das Bewußtsein erfüllen, daß alle berufenen Stellen der Stadt mit regstem Eifer und in anerkennenswerter Weis« an der erneuten Vor- wärtsentwicklung des Gallusmarktes arbeiten und daß diese Tätigkeit bis jetzt schon befriedigende Resultate gezeitigt hat.
Wie den alten Grünbergern noch erinnerlich ist, wurde der Gallusmarkt vor dem Bau der Okwrhessischen Eisenbahn, im Jahre 1870, aus einem Terrain abgehalten, das von der Gallus-
straße ausging und sich über das heutige Dahn- hofsgelände hinweg bis in das freie Feld hinein erstreckte. Hier war der Markt aber nur im Jahre 1870. Er kam dann in den beiden folgenden Jahren auf die Felder links von der Landstraße Grünberg—Londorf. Diese Felder wurden durch den Dahnbau in zwei Teile getrennt und hierdurch für die Marktzwecke ungeeignet. Seit 1872 bis jeht hatte der Gallusmarkt dann seinen Platz auf der sog. Käswiese. Da deren unterer Teil nunmehr für die bauliche Erweiterung der Stadt in Angriff genommen werden mußte, haben die maßgebenden städtischen Stellen Grünbergs ein fünf Morgen großes, an die Käs - wiese ans chließendes Gelände stück noch mit zu Marktzwecken bestimmt und den ganzen Platz in vorteilhafter Weise sür seine Bestimmung Herrichten lassen. Hier wird sich in der nächsten Woche zum ersten Male der Grünberger Gallusmarkt entfalten, und er wird auf diesem hergerichteten Platze sicherlich die volle Te.riedigung der Marktbesucher auslösen. Reben der Stadtverwaltung hat aber auch die Geschäftswelt Grünbergs, tote bisher schon immer, für die Markttage großzügige Vorbereitungen getroffen, um allen Wünschen der Besucher in vollem Maße entsprechen zu können.
Ist dergestalt von Grünberg alles geschehen, um auch den diesjährigen Gallusmarkt in glücklicher Weise zu gestallen, so bleibt jetzt nur noch zu wünschen übrig, daß der Wettergott em Einsehen hat und den Gründergem und den vielen Freunden des „Gallmarktes" gutes Wetter schenkt, damit alle Wünsche und Hoffnungen weitmöglichst in Erfüllung gehen können.
Cme Galiusmarkt-Episode.
Im „Kalendermonn vom VeitSbevg" von O. Glaubrecht (erschienen 1879 im Verlag Gundert, Stuttgart) wird unter der Heber- schrift „Der Gallusmarkt" eine hübsche Episode über den aufsehenerregenden Besuch einiger Fremden auf dem Grunberger Gallusmarkt erzählt. Es handelte sich damals um die Anwesenheit eines reichen holländischen Kaufmannes mit feiner jungen Frau und seinem kleinen Kinde, das der Holländer beim Absteigen im Wirtshaus unter dem Mantel ins Haus trug, • wodurch natürlich die Reugier der guten Grünberger stark erregt wurde. In Begleitung des vornehmen holländischen Paares, befand sich ein Jäger, der der Br ude r des Kalendermannes vom Deitsberg war. als solcher aber von keinem der Warklbesucher gekannt wurde. Aus der Erzählung Glaub rechts geben wir hier folgende Abschnitte wieder.
D. Red.
Es war Gallustag des Jahres 17... und In Grünberg, dm freundlichen Städtchen in Lande Hes.cn, war Jahrmarkt. Weithin über dir Felder am westlichen Teile b:r S adt brlltete sich e ne vielfache Reihe von Zelten aus, manche einfach Icon Leinwand, man!;« groß und mit meh Kunst von Baumästen aufg-füh-rt, znw. Ruhen und Vergnügen der Marktgäste.
Vom Werden des Gallusmarttes.
GrünbeNg steht wiederum vor seinem bedeutendsten wirtschaftlichen Ereignis des Jahres: am Mittwoch und Donnerstag nächster Woche, 17. und 18. Oktober, findet der weithin bekannte Grünberger Gallusmarkt statt. Der Markt, etwa 450 Jahre alt, hat bis auf den heutigen Tag seine große Anziehungskraft bewahrt. Er wird nicht nur aus der allernächsten Umgegend Grünbergs, sondern auch aus Weller entfernt liegenden Orten, aus Gießen, Alsfeld usw. alljährlich sehr stark besucht. Dieses lebhafte Interesse weiter Bevölkerungskreise findet seine natürliche Begründung einerseits in der wirtschaftlichen Bedeutung des Marktes selbst, anderseits in der Tatsache, daß man in Grünbergs Mauern während und nach den Stunden des Marttgeschäftes mancherlei frohe Geselligkeit findet, die in dem Hasten und Ringen des Alltags für viele, insbesondere auch für die Landbevölkerung, eine willkommene Zerstreuung und Erholung ist.
Bei dieser Vorschau auf das bedeutsame Marktereignis Grünbergs dürften einige Zahlen über die Entwicklung des Gallusmark- tes von Interesse seini Wir verzeichnen nachstehend unter Angabe der Jahre die Zahlen der zum Markt erschienenen Krämerstände und die Anzahl der znm Verkauf aufgetriebenen Schweine und Rinder. Man zählte im
Wo gibt es auf dem Gallusmarkt das größte Vergnügen, die reichste Abwechselung? — Beim
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lieh sich nichts sagen, denn ein dichter Schleier verbarg ihr Angesicht: aber mit rüstigen Schritten folgte sie dem Begleiter in ein Zimmer im obern Stocke, indes der Jäger sich mit den Koffern und Reisepäcken zu schaffen machte.
Cs ging eine Stunde des Gallustages nach der andern hin. Der Markt vor der Stadt nahm seinen fröhlichen Fortgang, die Gäste im Riesen gingen aus und ein. und der Jäger bediente die fremde Herrschaft allein. Als es Abend ward, trat er unter das Thor und schaute sich die Marktbesucher an, wie sie gingen und kamen. Eben ward das Marktglöcklein gezogen, zum Zeichen, daß für heute das Kaufen und Verkaufen aushören sollte, da trat der Riesenwirth zu dem Jäger heran und sagte, auf das Fuhrwerk der Fremden zeigend: „Schön Fuhrwerk das!" „Wem's gefällt," war des Jägers Antwort. „Scheint im Ausland gebaut zu sein?" „Denk's auch," sagte der Jäger. „Ist die Herrschaft schon lange auf der Reise?" fragte der Riesenwirth. „Ziemlich!" — »Weit her??" — „Soll's meinen!" — „Aus Frankreich?" — „Rein!" — „Holland?" — „Ja!" — „Also aus Holland ist die Herrschaft?" fragte erfreut der Riesenwirth. ,.O, das ist schön, große Ehre für Grünberg. Doch wohl ein Kaufmann, der auf unserem Gallusmarkt denkt Geschäfte zu machenk Glück zu! Gibt auch nur einen Gallusmarkt weit und breit." Damit folgte der Riesenwirth zweien Gästen, die eben in sein Haus eingingen, „Hört, Landsmann," rief der Jäger einem Bauern zu, der näherge treten war. sich da« fremde Fuhrwerk zu besehen, „wo seid Ihr her, wenn's erlaubt ist. zu fragen?" Der Bauer lüftete seinen dreieckigen Hut und sprach: „Wie'« Euren Edlen gefällt, ich bin von Göbelnrod.' „Run, dann seid Ihr ja nicht weit von Veits- berg," sprach der Jäger, „und könnt mir wohl sagen, ob dec Schulmeister Justus noch lebt?" — „Wind wohl noch leben," war des Bauers Antwort, „denn wär' er gestorben, so hätf ich s sicher erfahren. Doch wart', alleweile fällt mir ein, daß der Kalend ermann noch lebt. Denn mein Rachbar, der Bornpeter, sagte vorgestern zu mir, er wolle bald auf den Veitsberg, und sich den Kalender holen für's künftige Iahr. Wenn Ihr don Schulmeister kennt, so wißt Ihr auch, daß Keiner auf weit und breit dyn Ka- teilbar besser versteht denn der Justus. Ehe die Sterngucker, Gott weiß wo sie sind, ihn gemacht haben, da haben wir ihn hier herum längst und Einer schreibt ihn vom Andern ab, und wenn die Drucker ihn endlich kiefern, so um Weihnachten hin, da weiß Unsereiner schon längst im neuen Jahre Bescheid. Und toertn er's wissen will, so sagt ihm der Kalendermann vom Veits- berg auch jede Sonn- und Mondfinsternis voraus, und das auf die Minute. Kurz, der Mann versteht seine Sache, daß mutz man ihm lassen. „Dank für die Rachricht, guter Freund," sprach 6c- Jager freundlich, „da trinkt, ehe Ihr heun- g<ht, noch ein Frisches auf die Gesundheit deS Ka.endermannes, und gedenkt auch mein dabei, wönn's Euch nichts verschlägt!" — Ehe noch W« erstaunte Bauer seinen Dank sagen konnte, war der Jäger ins Haus zurückgegangcn.
BalmMs-BeMBesiaürani Briiiert, „ H
Jahr
Kramerftände
Schweine
Rinder
1850
295
2762
160
1870
496
Krieg
Krieg
1871
597
1686
315
1872
472
1534
234
1880
351
857
122
1890
297
1824
271
1900
290
1958
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1913
139
1638
122
1914
61
Krieg
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1923 (Inflat.) 35
344
—
1924
136
890
11
1927
129
923
61
und 17 Pferde


