Ausgabe 
13.9.1928
 
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Nr. 216 Zweiter Matt

Gießener Anzeiger sGeneral-Anzeiger für Gberhessen) vonnerrtag, 15. September (928

Das Bewahrungsgesetz

Don Dr. Ä. Jundtrflorff.

Bor kurzem sind im Reichstag von zwei Frak- lumm Entwürfe einet sogenannten .Betoah- rongsgesetzes- eingcbrocht worden, die in den Grundlagen im wesentlichen übereinstim­mend allgemein noch nicht die Beachtung er­fahren staben, di« ihnen angesichts chrer weit­tragenden Bedeutung zukommt 136 handelt such bei den Gesetzentwürfen im wesentlichen um den Versuch, eine Lücke in unterer Fürlorge- gesetzgebung zu schllesten die sich bisweilen in einer recht vxnig erfreulichen Weise aus- gewirkt hat Man will durch dieses Gesetz den Behörden eine Handhabe geben, erwachlene .Verwahrloste Personen", die zu.ver- wabrlosen drohen", in eine auf Besserung des Zustandes. in dem sie sich befinden. hinzielende Behandlung zu nehmen Ein solches Einschreiten der Behörde >st reichsrechtlich vorwiegend. A. B. zum T«U schon nach geltendem und vor allem aber nach dem geplanten Strafrecht, nur für die <5äUc gegeben, in denen sich die betres- senden Personen Tn irgendeiner Weise gegen das Gesetz vergangen statten.

3m Hinblick daraus, bah so allgemein nicht die wünschenswerte, restlose und geeigne'e Ctr- sassung der Hülle möglich war. muh an sich die Abi ich,, die den Entwürfen zugrunde liegt, von Reichs w.gen eine einsteillich' Regelung auch dieser Materie zu bringen, begrubt werben. Zweifellos kann aut solche Weile die Lücke als solche geschlossen und darüber hinaus die Grund­lage für eine etnheillich« gleichmähige Prass,» der Behörden gelegt werden Dabei muh aller­dings vorausgesetzt werden, dah die Entwürfe nach Form und Inhalt notwendige Eignung besitzen.

Betrachtet man die beiden Vorlagen, so müs­sen allerdings schwerwiegende Dedcnlen gegen die Regelung, wie sie dort vorgesehen wird, gellend gemacht werden. Die erste Forderung, die man an das Gesetz stellen must, ist die. das) es den zu erfassenden Personen kreis in einer klaren unzweideuti gen Weise fest- stellt, die eine mißbräuchliche Anwendung er­schwert. wenn nicht unmöglich macht. Die Be­stimmungen der beiden Entwürfe (§ 1). die in diesem Punkte im wesentlichen überetnft immen. sehen eine Anwendung des Gesetzes für btc- jenigen .Personen über 18 Iahe vor. welche .verwahrlost sind" oder .zu verwahrlosen dro­hen". wenn dieser aus einer .krankhaften oder auheraewöhnlichen Willens- oder VerftandeS- schwäche beruht und keine ander? Möglichkeit beltestt, diesen Zustand der Gefährdung oder Verwahrlosung zu beheben. Diese Kennzeich- nung des Zustandes, in dem sich der Bew.ih- rungsbedurstige besinden muh. wird durch ben deutschnationalcn Entwurf noch dahin ergänzt, dah die Fälle mit einbeiogm werden, in denen t>cr Zustand aus einer .krankhaften oder auher­aewöhnlichen Stumpfheit des sittlichen Besin- de ns" basiert.

So «rsreullch diese Definition deS Dewahrungs- bedürst gen für den Arzt seui mag. so bedenk- sich ist sie unter dem rechtspolitischen Gesichtspunkt, wenn man berücksichtigt, dast nach den Entwürfen bereits eine auhergewöhnlichc Wollens- oder Derstandesschwäche. die vorüber­gehender Art sein kann, die Anwendung des Gesedes rechtfert.gen soll, so wird klar, welche unhaltbaren Zustande btt Folge einer solchen Regelung fern mühten. Es ist schlechchin die Grenze für d.e Anwendung bce § 1 angesichts dieser Formulierung nicht mehr zu erken­nen. und es muh dam t gerechnet werden, dah diejenigen Fälle, in denen sich eine Person au» den Maschen des Gesetzes betreten kann auch selbst wenn sie keineswegs unter diejenigen sälkt. die von dem Gesetz eigent.ich ersaht werden sollen. zu den Ausnahmen gehören werden. Wenn man weiter berücksichtig«, tkif, daS Vor­mundschaftsgericht, das über die Be­wahrung zu beschliehen hat. nach dem Wort-

Monza, die E>iadt des Unheils.

Don Otto Urmacher.

In der nord talienischen Stadt Monza sind vor wenigen Tagen bei einem Auto- mob. trennen 21 Menschen um« Leben gekommen

Gm blüstendes kleines Indust rieft ädlchen ist ver uralte Ort Monza, der zw'<chen Mailand und Eomo liegt und jetzt ungefähr 38 003 Ein- wohner Hai Heute steht die Sladt im Schatten chrsr mächtigen Rachdarin Mailand, aber einst, zur Zeit des Langobardenreiches, war Monza die bevorzugt« Residenz der Königin T h e o d e - linde. Die vor 14 Jahrhunderten den Grund­stein zu der schönen Domkirche San Giovanni legen lieh. Roch heute erinnert an die Lango- bardenzeit die berühmte ..iStternc Krone". die im Tabernakel des Doms von Monza liegt, und von der man auch eine Rachbildung am Domallar sehen lärm. Der Rasende, der in Ita­liens Städten stets lieber nach den Spuren e-ner grohen Vergangenste t sucht, als die Wenger erfreuliche Gegenwart $u snid eren. kommt in IHonia durchaus aus s« ne Kosten. Da ist da« gotistve Rathaus ou« dem 13. Jahrhundert, das König-tchloh von 1777. da- k l eini­gen Jahren dem Staat gehört und .n dem alle -Wei Jahre ein? Ausstellung dekorativer Kunst abgehalten wird, da gibt es Reliquien und be­merkenswerte Kunstgegenstände, von denen die wichtigsten im Dom « chatz vereinigt find

Aber es gibt auch ein modernes Monza, dellen Kennzeichen tm Rordosten der Stadt der Renn­platz Mirabcllo und im Rordwestcn die 10 <tilo- metet lang« Auto-Rcnnöahn sind Diese Auto-Rennbahn, die soeben Ate der fürchter- ^stkn Katastrophen geksten hat. ist mehrfach der Schauplatz entsetzlicher Llnglücksfälle gewesen. Am 1^27 verunglückte auf der Monza- bi, in bem berühmten königlichen Park liegt. der^3tal-en<L i ri o. Er wurde am Aus­gang der groste'i Kurve gegen di? Ballustrade geschleudert und überschlug sich mit feinem Wagen Swei oder dreimal. Ratürlich entstand fofort ein prnkr Tumult: man eilte dem Rennfahrer zu -'*) lic, der bcwusttlos unter seinem schwerb?schä­digten OBigen hcrvrr-ezogen und in das Kranken­haus noch Monza überge'nhrt wurde. Ob er feinen Verletzungen erlegen ft wurde in Deutsch­land damals nicht gemeldet. Am 26. August 1925

laut der beiden Entwürfe nicht einmal in der Form einer zwingenden Dorschri si gestalten ist. vor seiner Entscheidung die Bei­bringung eines ärztlichen Zeugnisse» zu verlangen. oder selbst die Dornahne einer ärzt­lichen Untersuchung zu ver anlas len. so erkennt man, dah auch bet dem formellen Recht de» Entwurf«, bei dem Verfahren zur Erreichung des Vew .stTurg'bef s lu s s fchwerwie ^nde Män­gel und Lücken. bestehn

Die Bewahrung soll nach dem Entwurf in einer -gceigneten Anstalt ob r FamUt? unter öf'ent- ltcher Ausitcht und öffentlichen Kosten' durch- gefüstrt to;rten. Er rrulich ist. dah hier neben der Anstalt die Unterbringung in einer Familie vorg festen wurde denn sie wird m v.elen Fälle:, vor allem in solchen, in denen em Besserung-- Ville noch vorhanden ist. die einzig? Rsi-gsichkeck darstellen, um praktisch zu einem grfnlne zu kommen. Dah die zur Bewahrung Lebern i fenen Mu geeigneter Arbeit ongei.al.cn werden fcnnen. tote die beiden Entwürfe im § 8 vor­gehen. ist ebenfalls angesichts des Zweckes der gesamten Mahnahme zu b'grühen

Die Bewahrung soll nach tz 4 der beiden Snt- würse so lange dauern, als d?r Zweck es er ordert. Als Mindestdauer siebt der eine Entwurf drei der anKxc sechs Monat? vor. Das Vormund- schastsgericht bat frühestens nach einem Jahr spätestens nach drei Jahren seit Anordnung der Bewahrung oder eines späteren bestätigen­den Beschlußes nachzuprufen. ob di.- Voraus­setzungen für die Bewahrung noch vorliegen. Die

Fortdauer d?r Bewahrung über drei Jahre ist von einem vom Vormuichscha'tsgeucht zu er- lallenden, mit Gründen, zu verfchenden Be- schiuh abhängig.

Berner'ensw-ert für die Einstellung der Ent­würfe ist auch hier bic Zuruckdröngung de« Arztes, ter ärztlichen Mk w-rkung und Beratung. Vor d.-m Befchlust der w U.-rcii Fort­dauer d r Bewahrung über drei Jahre hinaus .le unter allen Umständen ein beamteter in der p'ychiatrllchen Fürsorge er'a^re er A zt gut­achtlich geh rt nx*r7en. Das a'eist? gilt auch für das Derlahre.i bei der Einw ifung. wo die S o l k - Dvrfchriit die dem Vormundscha'ts- gericht a n h c i m ft e l 1 t. die Bsibr.ngang ci-e» arz lichen Zeugnilfes zu verlangen, oder fclbft eine ärjtli^e Untersuchung des zu B-wahrenden zu veranlaf en. in eine Muh vorfchri I unter allen Umständen umgrwandelt und dabei die Hinzuziehung eines, wenn m)g!tch. beamteten Speiialar-tes gefordert werden muh.

Damit wären einige Schönheitsfehler, wenn man so sagen darf, korrigiert. Die Haupk'orde- rung muh die genaue Feststellung des Personenkrelfes. der unter das Ge'etz lallen soll, bleiben. Wan sollte sich hier ent- schlichen, die in Betracht kommenden I- ein- wln Nr Art nach aufiuzählen Auch d.-i her Formulierung der Antrags berechtigten erscheint es notwendig, d-n Kr.-is möglichst auf amtliche Stellen zu beschränken, schon um Mihgrilsen und Belästigungen des einzelnen vorzubeugen.

Das Jubiläum der Diktatur

Don unserem ständigen n-Derichterftaller.

Dachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

Madrid, Ansang September.

Die Diktatur in Spanien feiert das Jubi­läum ihres fünfjährigen Bestehens. Es war am 13. September 1923, als General Primo de Rivera in Barcelona der per» falsungsmähigen Regierung den Gehorsam ver­sagte. das Militär um «ich sammelte und die Cortes für aufgelöst erklärte Fast alle Trup­pen schlossen sich fofort dem aufständischen Ge­neral an. Die Regierung wurde abgefeht. und der ParlamentSpalaft in der 0-arrcta de San Beronymo wurde, nachdem man die Abgeordne­ten und Senatoren nach Hause geschickt, für unabsehbare Zeit geschlossen. Der Staatsstreich war ohne Blutv erziehen gelungen Bon heute aus morgen war Spanien auS einem zügel­losen und korrumpierten Parlamentarismus un­ter die strenge Fuchtel einer Militärdiktatur geraten. Man hat sich oft gefragt, ob der - nig Don Alfonso dem Pronunciamento des Generals im voraus jugeftimmi hat Die Gegner der Monarchie glauben den König des Der- fasfungSbruche s zeihen zu dürfen. Primo de Rivera aber nimmt die "Ver­antwortung voll und ganz auf sich, er habe allein aus eigener Initiative und aus reinem Patrio­tismus gehandelt. Er sei ein treuer Anhänger der Monarchie und er hätte es mit feinem ®e- wisfen nicht verantworten können, den König in die Gefahren eines Staatsstreiches zu ver­wickeln. In der Tat stand Don Alfonfo abseits von der Entwicklung der Dinge. Erst als die Militärdiktatur verhängt war. stellte sich der König auf den Boden der Tatsache und erteilte ihr feine Sanktion.

Um die Beweggründe und die Perfönlichkeit Primo de Riveras richtig zu verstehen, muh man sich vergegenwärtigen, dah Spanien im Sommer 1923 von Anarchie und Zusammenbruch bedroht war. In Marokko folgte eine Kata­strophe der anderen, die soziale Disziplin war gelockert. Streiks und Arbeiterputsche mit blu­tigem Ausgang waren an der Tagesordnung. Wirtschaft und Kredit waren erschüttert, und eine Korruption, die alle Grenzen überstieg.

verunglückte auf derselben Bahn der Rennfahrer E am pari beim Training für daS Rennen um den großen Preis von It. li:n. An hinein Wagen, der eine Fahrtgeichwindigkeit von 160 Kilometern Halle, platzten die Hinteren Reifen- Campari wurde auS der Dahn auf daS Strahengelände ge­schleudert, verlor jedoch nicht die Herrschaft über den Wagen, ES gelang dem Fahrer, den Wagen aus die Rennbahn zurückzusteuern, und wie durch etn Wunder trug Eampari nur ungefährliche Verletzungen davon. Schlimmer erging eS in demselben Jahre dem Rennfahrer Leonardi. der mit fernem Wagen umftürAte und auf der Stelle getötet wurde. Kleinere llnfälle ereigneten sich bei fast jedem Rennen. Zu den Todesopfern diefer Rennbahn gehören noch der Italiener Sivocci, der im Jahre 1924 einen Unfall er­litt. und dessen Mitfahrer schwer verletzt wurde. Ebenfalls im Jahre 1924 verunglückte der Renn­fahrer B o r d i n o tödlich.

Im letzten Jahre ist Monza von einer anderen Katastrophe heimgesucht worden. Am 29. August brauste ein orkanartiger Gewitter- sturm über die Stadt und ihre Umgebung, der von einem heftigen Wollenbruch begleitet war. Furchtbare Verwüstungen wurden angerichtet und 10 Menschenleben fielen dem Naturereignis zum Opfer. Ausserdem wurden mehr alS 153 Per­sonen verletzt, von denen ungefähr 53 in daS Krankenhaus cinge,ufert werben muhten Es war 5 Uhr nachmittags. alS daS Unwetter be­gann. daS in wenigen Augenblicken die Straßen unter Wasser letzte und Hagelkörnern be­deckte: die Wucht des Orfanä war so groß, dah der "Verkehr eingestellt werden muhte. Sin Turm deS berühmten alten Domes stürzte ein und ver­letzte einige Fussgänger. Drei Hutsabriken und eine Baumwollspinnerei wurden van dem Un­wetter solcher Gewalt ersaht, dah die Ka­mine ein stürzten. daS Dach durchbrachen und auf die Arbeiter fielen. Don den herabsallen- den Steinen wurden mehrere Frauen getötet und zahlreiche Personen verletzt.

Aber noch ein anderes furchtbares Ereignis. daS seinerzeit die Welt in Schrecken versetz' hat. hat sich in Monza abgespielt Seit dem 9. Januar 1878 regierte König U m b e r t o I. über Italien. Aber daS neue Königshaus be­sah stets viel Gegner, und noch in fernem ersten RegierungSiahr. am 17. Rovember 1878. wurde ein Attentat auf Umberto versucht: der König, der damals in Neapel einzog. wurde jedoch nur leicht verwundet. Schlimmer erging es ihm am

herrschte auf saft allen Gebieten Die Tor- t e s waren ohnmächtig gegenüber den Mist stän­den und verloren sich in Parteistreitigkeiten. Der GtaatSorganiSmus war morsch geworden und deshalb erschien der Staatsstreich saft allen Volksschichten als patriotische örlöferiot Kein irgendwie ernst zu nehmender Protest wurde laut, und nur die durch chn direkt betroffenen Minister und Eortesmitglieder erhoben ihre Stimme gegen den erfolgreichen General IM sie aber weder einen Anhang noch Autorität im Lande besahen, muhten sie sich fügen und llM murrend in die Vergessenheit zurückziehen. General Primo de Rivera. MarquiS de Estella. war Diktator und unbeschränkter Herr über Spanien gewordm. Etwas theatralisch aber dem spanischen Eharaftcr entlprea>end. pil­gerte er an daS Apostelgrab in Santiago, um der Madonna seinen Säbel zu wei­hen: er wollte damit zeigen, dah ihn nicht Selbstsucht, sondern nur Vaterlandsliebe dazu getrieben habe, sich an die Spitze der Diktatur zu stellen.

Fünf Jahre sind feit jenen für Spanien denk­würdigen Tagen vergangen. Primo de Rivera hat seine Macht nicht mihbraucht. er ist wirklich ein Retter feines "Vaterlandes geworden. Ordnung und Difziplin find ohne jede &f>redcn#- herrfchast im Lande wieder bcrgcftcllt Der Marokkokrieg wurde mit französischer Hille sieg- reich für Spanien beendet, und der gefürchtete Kaby len fürst Abd el Krim lebt vergessen in der Verbannung aus der französischen Jnfe[ Reunion. Die spanische WirtschastS- und Finanzlage ist saniert und die interna­tionale Stellung des Königreiches enllvricht dem Range Spaniens. Sie hat sich feit der Gewäh­rung eines halbständigen R a t « s i tz e « in Genf noch mehr g'hoben. General Primo de Äioera hat gleich am Beginn feines Regierungs­antrittes erklärt, dah für ihn die Diktatur keine enbgültige Regierung-form bedeute, dast es nur in 1 einer Absicht lag". Spanien auS dem Sumpf des Parlamentarismus und auS der Korruption der Parteipolitll zu erretten, dann werde dem Lande ©eLgmtxü gegeben werden, sich für eine neue Verfassung zu entscheiden, die seinen De-

29. Juli 1900. als er in Monza einem Turnfest beiwohnte. SS gelang dem Anarchisten Dastano BreSci. den König zu erfchiehen. An der Stelle, an der dieses Attentat stattfand nämlich an der Allee, die auf die Villa Reale führt, hat Giufcppe S a c c o n i zur Erinnerung eine Kapelle errichtet.

4000 Briese an Mchner...

Langsam Hal sich der Forfchungsrer<ende Doktor Z i l ch n e r durch die viertausend Briefe, die ihm nach der Rückkehr von seiner grosten Srpedition au gingen, durchgearberie* Man kann sich vor­stellen. was alles darunter gewesen ist. neben wirklich ehrlich gemeinten herzlichen Worten der Freude auch taufenb Betteleien in jeder Form und viel Unfinn. AlS ob Filchner nach Teil­nehmern für seine kommende Erpedition annon­ciert hätte, so bieten sie sich an, Männlein und Weiblein.

.Wan Sie wieder irgendeine Ekpedltwn untememmen werden in der Zukunft Io möchte ich S>ie bitten mich mit zu nemmen. hätte groheS Interesse weil so vieles intereffantc-s zu lernen w-a- man von Büchern nie so bcgrv. cn kann . Eine Frau von 40 Jahren möchte auch dabei sein:

.... bitte ich um 5 Minuten Ihrer kostbaren Zeit, weil ich Ihnen etwas aiwetirauen muh. duS schon in mir war al# ich mich im Geiste mit Ihnen auf Ihrer Relle befand . Ich er­warte vom Leben nut da# Eine noch, dast Sie mich teil nehmen lallen möchten ... Ruch ein jun^eS Mädchen meldet sich-

.... feit frühester Zerr das Sehnen in mir. mich an einer Expedition zu beteiligen. Ich möchte Sie aber bitten, etwa aufkommende Ge­danken, die sich fallen lallen in dem Wort »Abenteuer^, streng zu verwerfen. Da bei einem solchen Unternehmen nicht alles Gold ist. waS glänzt...

Die Leute willen auch, dah Filchner wenig Zeit hat. und machen daher oft kurze Sätze etwa fo-

-Run muh ich ober Herrn Dokwr gestehen, dah ich mtr einen Vorwurf mache darüber, dah ich Herrn Doktor mit meinem Schrriben be­lästige, nachdem Herr Dokwr doch von allen Seilen beftürnti wird und doch nach all den Strapazen so ruhe- und erholungsbedürftig wäre, bitte, find Sie mir nicht böfe. dah ich eS

hürfniHen enllpreche. Die Di'katur wurde lang- 'am ubgebaut werden. In der Tat ist die,» Dtltatur heute n.ch« mehr birfell* die he nach >em Staatsstreich vom September 1923 war. ötbon Weihnack t n 1925 tourbf die reine Milt- lärtultdtur durch die log mannte Zivildik- t a t u r ersetzt und Primo Le Rivera behielt b:c Züg l der Qttgietung nicht mehr als kom­mandierender Gemral fome. i als Mtnister- präsident in der Hand Die mciflen Generäl» <mit Lusnah ne d s Innenmtnistcrs, General -lijrf.net Antdv. de» K gs- un> d.S Marine- ii.mist er» > scheiden aus dem Kabinett au» und n urden durch talcntooJe und jug mdiiche Mit- glicdv-r der Un ou Patriokic.r crl.-jt Pnmo ho -livera kies' sich durch em PlebrIzit dellen Durch'üh^ung allerdings nicht ganz demvkrati- fchrn Gep^kogenh.-rten entsprach, bil Bei trauen beä Vvl es aussprech n. und endlich wurde ein» beraten bei Kammer (ble Asamblca 2k a io» L dn- berufen, m b?ren Au g iben unter an bereu ble AusarP.-tung einer neuen Bcrfaf'ung ge- nortc. die aber keine Rücklebr «um Parlamen­tarismus bed.uten feilt. Rach Einführung dieser Verfaffung die etgenllich am 13. September biefci Jahres erfolg?n sollte, wollte Primo de Rivera zurücktreten nichd.M er einen würdigen Rach'o'.g r cinannt habe

de Rivera, be e t kluger Staatsmann aus Intui ton ist. Halle bei fei en Rückrrnisplane einen Fehler begangen Er hatte damit ge­rechnet dah sich bic früheren ^ortespolitiker. Onmnifter usw. nicht wieder regen würden, so­bald er Anstalten machte, fturüd^utrvien. Ein weiterer Irrtum war es. der von ihm geschallenen Union Patriottca unbedingte qictungetalr.j- keit »UAutrauen. Kaum dah er feinen devorftehm- ben Rücktritt, der mit feiner Wiederverh iratung zufammenfallen sollte angekündigt hatte, tauchten von allen Seiten Schwterigkeiten auf Er muhte einsehen, dah es leichter war. die Diktatur zu verhängen, als sie langt am tn einer neuen dekretierten Verfaffung auszulöfen Er geriet fofort in Gegensatz zum Führer der konser­vativen Partei. Mauro, und es entstand ein wenig erquicklicher Brieswechfel. dessen Ikrotfent- lichung trotz der sonst so strengen Zensur gestattet wurde Auch die mächtige Partei der Klerikalen, die thn bisher in jed-r Brzlehung unterstützte, dafür waren etc Haltung der Diktatur in der Frage der korporati en Drganifotton der Land­wirtschaft und die geplante Parzellierung einiger grober Latisund'e'i. von denen ein Xm der Kirche und den Klöftem gehört, ferner cm beabllch'.i ües Verbot, den Religionsunterricht .n den regionalen Sprachen zu erteilen Im .El Xebate und in einigen anderen führenden kl.fi- koicn Zeitungen tauchte der Plan auf. cme grohekatholkfche Partei, etwa dem rechten Fliiget der deutschen Zent rum-Partei ent­sprechend. zu gründen. Alle diese Regungen ver­stimmten den Diktator sehr tief, und kurz ent­schlossen änderte er seine RücktrittSabflchi und erklärte, wenigstens noch zwei Jahre an der Spitze der Regierung bleibeti zu wollen: erst dann würde auch die neue Verfassung ein geführt werden

Das fünfjährige Jubiläum der Diktllur wird in Spanien oon groben Festlichkeiten be- gleitet fein Alle Organisationen der Union Patriotica werden in Parade auftreten, um Primo de Rivera zu huldigen. Madrid trifft jum Empfange grobe Vorbereitungen Die Salle Alcaka, die Gran Via. die Taftellada. an der bas PräsidentschaflSpalai- liegt, werden schon jetzt mit Fahnen und Blumen verziert Festbankette und Umzüge find vorgesehen Aber nicht nur Madrid allem feiert. Das Jubiläum soll ein Rationalse st sein, und so wird denn auch in allen Provinz st ädten zur Feier gerüstet Primo de Rivera lästl selten eine Gelegenheit vorüber- fleben. die ihm die Möglichkeit gibt, eine Er­klärung an die Ration zu richten Auch diesmal erwartet man eine grobe politische Rede, in der voraussichtlich das Verdienst der Diktatur hervorgehoben werden und tn der nochmalz eine Rückkehr zum Parlamentarismus als unmöglih

unterlaf

n u n g zum Ausdruck zu bringen."

Ratürlich find auch ernsthafte Angebote jeder Art darunter. Die Frau eines Malers lädt Filchner acht Tage ein; der Gatte will ihn,

»ohne Sie mit langem Sitzen zu quälen", porträtieren. Dann haben viele gelesen. ' dah Filchner M a r k e n s a m m l e r ist. und sie bieten tfrn ganze Alben al# Geschenk an; einige haben bie Marken gleich beigelegt Eine Frau Ober­förster fügt hinzu-

.Da Sie Münchner sind, hätte ich Ihnen gern einen Radi mitgeschickt: fei der sind meine Rettiche noch nicht so weit."

Auch der .Sepp" von ttr Alm Kreuzeck. bei bem Filchner früher oft wellte, lädt den Forfcher mit derbem batzerifchcn Gruh auf ene Woche tn fein Häuschen nach Zinnowitz Be'onders zahlreich find dir Kundgebungen der AuSlandd'eutschen.

.1928 gedachte ih Ihrer an der Grenze der Mongolei tm südlichen 2lltai. morgen fahre ich ins Barenz-Meer..

schreibt einer au# Moskau, und ein anderer aus Antwerpen:

.Die machen sich ja feinen Begriff, wie wir AuSlanddeullckx-n uns über jede von Deutschen vollbrachte Äufturta; freuen Lassen Sie uns rochtzeitü, hören. Wern Cie eine neue Sss- pedi'.ion unternehmen Dir im Auslände sind gern bereit, ein Scherslein dazu bei* j u t r a g e n.

Dazwischen Hunderte von Autogramm- Sa mm leri n ne n. Lite schreibt darunter Sine Wrenerrn". gibt aber keine Adresse an Da wird

toenig Dlück haben! Allen anderen aber hat Milchner geantwortet, und die meisten sind glück- sich über ein paar Zeilen, schreiben immer wieder:

.Ich werde Ihren Dries hüten toi- einen TalrSman .

fto& m dem Gedarcken, mtl einem bedeutenden Mr-.'chen korrespondieren zu können - Beinahe vatte ich noch die HeiratSangebote vergessen, bte auch recht zahlreich, toenn auch nicht immer ge­schmackvoll find Eine Dame bringt eS fertig, zu schreiben:

.Geehrter Herr!

Och habe Ihr Bild gesehen, von Ihrem Leben gehört. Sie imponiere-, mir Mein Mann ist verreist: ich erwarte Ste daher morgen nach­mittag um 4 Uhr zum Tec

Hoffentlich hat sie sich getröstet, alt er nicht kam!

Cubcrt