Ausgabe 
13.8.1928
 
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die noch alle Machtmittel in der Hanb hielt'' Diese Macht mutzten di- Landesregierungen abgeben, frei willig ober unfreiwillig. Die Manner der Paulskirch« waren erfüllt von der Ueberzeugung. daß ihre Be schlüsse stark genug fein würden, um die Eintel reglerungen ,jur Zustimmung, d H. -um Verzicht auf «inen wesentlichen Teil ihrer Macht zu oeran- lossen. Welch eine Selbsttäuschung! Die glanzenden Hoffnungen der Traum nach nationaler Einheit und bürgerlicher Freiheit mutzten zu Grabe ge­tragen werden ... Aber das Werk von 1848.49 ist dennoch nicht umsonst gewesen. Vieles von dem, was der größte Realpolitiker der deutschen Geschichte, Bismarck, 1866 und 1871 aufgerichtet hat, ist in der Verfassung von 1849 vorweg genommen worden. Auch das Werk Bismarcks ist nicht denkbar ohne das Werk der Paulskirchc. Erst die Paulskirche hat den ach, so spröden, harten politischen Boden Deutschlands aufgelockert, und erst durch ihr Werk ist der deutsche Gedanke als Ziel für spätere, bessere Zeiten wirklich geweckt und zu einer Macht im deutschen Volke geworden.

Endlich führt unsere Betrachtung dem dritten Fahre zu, zu dem das Fahr 1928 einlädt, dem Unglücksiahr 1918. In dieser Zeit grotzer oaierldn bischer 'Jlot haben uns zwei Lichtblicke aufgerichtet. Die weitere Entwicklung wäre nicht abzusehen ge- wesen, wenn damals nicht zwei Männer mit fester Hand in den Gang der Geschichte eingegriffen hätten: Friedrich Ebert und Generalfeldmarschall von Hindenburg. Der Generalfeldmarschall hat da­mals seinen Kriegstaten eine Tat heroischen Ver zichts und zugleich entschlossenen, zupackenden Gegen­wartsinns zugefügt. Wir danken es ihm auch in dieser Stunde, daß er das Heer geordnet in die Heimat zurückgefuhrt hat, datz das Heer, das vier Fahre unüberwindlich einer ständig grötzer werden den Uebennacht standgehallen hat. nicht zum Spott der Gegner und zu einer Anklage vor der Geschichte geworden ist.

Und bann: Als alle Form zerbrochen und es noch völlig unentschieden war, was nun kommen sollte neue geordnete Verhältnisse ober russische Zustande da hat Friedrich Ebert die Wahlen zur National- Versammlung durchgesetzt und hat damit den Weg frei gemacht zu einem neuen gesetzlichen Zustande. Man soll diesen Erfolg so hoch einschätzen wie mög- lich. Es wird immer das historische Verdienst Eberts bleiben, datz er der Versuchung, im Wege antidemo­kratischer Gewalt Staatsprobleme zu lösen, aus Staatsbewutztsein und stattsmännischem Verantwort lichkeitsgefühl widerstanden hat ...

Unsere Uederschau über die Jahre 1828, 1848 und 1918 hat uns gezeigt, welchen Leidensweg das deutsche Volk Hal zurücklegen müssen, bis es wieder seinen Bestand gerettet und sein staatliches Haus erneut aufgerichtet hatte. Seinem anderen Volke ist das so schwer geworden. Die Grundpfeiler, auf denen unser Haus errichtet ist, sind Demokratie und Republik. Man will uns bisweilen glauben machen, Demokratie und Republik entsprächen nicht der Wesensart des deutschen Volkes. Aber die Er­fahrungen der letzten Fahre sprechen durchaus für Demokratie und Republik.

Die Staatsgewalt geht vom Volke aus." Wie ein Weckruf klingt der Satz, und in Deutschland hören wir Um noch nicht lange. Die Weimarer Verfassung hat die Staatsgewalt in die Hand des deutschen Volkes gelegt. Das gilt nicht nur in dem Sinne, datz der deutsche Mann und die deutsche Frau nach Ablauf von einigen Jahren berufen werden, durch eine Dahl zu bestimmen, in welcher Richtung sie die Politik des Staats geführt wissen wollen. Es gilt auch in dem weiteren Sinne, datz das Volk jeden Augenblick aufgerufen werden kann, in wich­tigsten Fragen seine Entscheidung zu geben, lieber Reichstag und Regierung hinweg spricht das Volk toi Volksbegehren und Volksentscheid. Bei ihm liegt der letzte Urgrund alles politischen Wollens i|n Reich. In der tat: Wir haben in unserer Ver­fassung ein hohes politisches Gut zu verwalten. Sorgen wir dafür, datz nicht einmal unsere Kinder mit der Anklage gegen uns aufstehen, wir hätten dieses kostbare (flut schlecht verwaltet!

Möwe:m Siurm.

Roman von Sophie Nloech.

39 Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Eden tarn die Hoheit von der Halle herein. Maria, das wäre wohl nicht nötig"

Sie verstummte. Dir Arneritanerin hatte sich zu ihr umgewendet unb sagte, sich leicht verneigend: Frau SoUmann."

Wie meinen Sie? Frau .flollmaim? Oh, Sie sind eine Verwandte unseres heben Generaldirektors? Dann natürlich"

,Lch bin feine Frau."

Seine Frau?" fragte Maria, und um sie her begann alles zu singen und zu schwingen. Was sollte da» heißen? .Sollmann Aber nein, ein Vump war der nicht. Diese Fremde log. Gott mochte wissen, aus welchem Grunde. Sie blickte die Hoheit an, die wurde abwechselnd blatz und rot, straffte sich und antwortete mit kühler Wurde: ,Zch bitte wir sind genau unterrichtet. Herrn UoU- inanns erste grau ist tot. Sie kam bei einem Eisen- bahnunglück um da» Leden."

O no. Sie kam nur ein wenig um ihren Ver- stond. Von dem Nervenschock. Aber sie hat ihren Verstand nueberbefommen.'

,,3d) weitz nicht, wa» Sie zu dieser Romobic ver- anla^t. Herr Möllmann hat seinen Sekretär nach drüben gesandt, die genauesten Erkundigungen sind eingezogen worden Die Leiche ist von der eige­nen Kusine der Dame rekognosziert worden."

,,O yes, ich weiß. An den goldenen Knöchel­ringen. Sehr töricht. Die Damen tragen sie sehr Diel, tf» war so: Die Fran Miller ging in den «peiseuragen. Fch mochle nicht Dann wollte ich bort) hingehen, unb wie ich am offenen Fenster des (Range» norbeiging, da ist e» geschehen Der Wagen stand mit einemmal hoch wie ein Tier, fiel auf di- S<itc ich weitz nicht, wie ich hinauskam. Denke, ich flog durch bae grotze Fenster, lag mit einemmal unten am Bahndamm auf einer Wiese dann da» Geschrei unb die Flammen unb do» Grauen und der Stotz denke, ich bin davon- gerannt vor Entsetzen

Ja. und so nadi Wochen bin <ch wieder bei mir gewesen. In einer Heilanstalt, nide Meilen fort. Mutz so weit gerannt sein, bin von Leuten aufgegriffen reo eben, hingedrocht in die Anstalt.

E» waren gute Menschen, der flnt und die Pflegerinnen. Quäker, Sie wissen tnohi ma$ da» ist.

E» ist nun sechs Wochen her. da hab' ich mit , dem Arzt gesprochen, wie ich wieder gesund war.

Fa, er sagte, ich durste nicht Io weiter leben wie bisher. Hier ich und da drüben in Europa mein

Fn traurigster Zeit hat ein deutscher Dichter un­tere NationalhymneDeutschland, Deutschland über alle»" gedichtet. Wir wollen das Lied recht ver­stehen. Wie der Engländer sagt. Recht ober Un- recht, es ist die oadje meines Vaterlandes, so soll auch unsDeutschland über alles gehen". Federn einzelnen von uns

Das soll am Gedenktage der Verfassung von Wei- mar unser Gelöbnis sein. So grüßen wir unsere grotze deutsche demokratische Republik.

Deutschland, Deutschland über alles Ueber alles in der Welt.

Nach der mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Festrede speit- bie Reichswehrkapelle denEinzug der Gaste auf Der Wartburg" aus bemTann­häuser". Anschließend brachte b-r Gesangverein Heiterkeit" das .Deutsche Lied" von Kalliwoda zu Gehör. Als hieraus Schuberts Militärmarsch Dir. 2 verklungen war, erhob sich in seiner Loge Pronin- zialdirektor Graes und brachte ein dreifaches Hoch auf Volk und Vaterland aus.

Hieraus fang die Versammlung stehend das Deutschlandlied, womit die würdig verlausene Ver­anstaltung ihr Ende sand.

IX. Olympische Spiele in Amsterdam.

Oie letzten Kampftage. Deutschland im Gesamtergebnis an -weiter Stelle! Oie 10. und 11. Goldmedaille: Ooppelsieg unserer weiter.

Die Olympischen Spiele 1 928 wurden am (Sonntag in 21 m ft c r b a m beendet. Nach Ablauf der Reiterwettkämpfe stellten sich die Dele gierten aller Nationen vor der Ehrentribüne auf. Die Sieger erhielten die goldene Medaille aus den Händen der Königin, während der Vorsitzende des FOE. und Prinz Heinrich der Niederlande die silbernen und bronzenen Medaillen verteilte, um- brandet von begeistertem Beifall des Publikums. Am Schluß der Zeremonie erklärte der IOC. Vor­sitzende, Baillet-Laiour, die Spiele für be- endet.

Die lebte olympische Goldmedaille hotte sich der Tscheche Ventura im Jagdspringen vor dem Franzosen B e r t r a n und dem Schweizer Kuhn. Fm Mannschafts-Klassement siegte Spanien vor Polen und Schweden. Deutschland belegte den 7. Platz, da Freiherr v. Langen zu viel Hin der nisse gerissen hatte.

Den deutschen Reifem gelang es, noch kur; vor Toresschluß ;wei weitere Goldene Trie­be it (en, bie 10. unb 11., zu gewinnen. 3n bet Dressurprüsung belegte Frhr. v. Langen aufDraufgänger 11" den et ff en Platz unb auch im Gesamt klassemenl der Rationen fiel den deutschen Rettern bie Goldene Medaille zu.

Fum Schluß verkündete der Lautsprecher die E r - folge der Rationen. Demnach stehl Deutschland mit 11 er st en, 1 0 zweiten und 18 dritten Plätzen an zweiter Stelle hinter den Vereinigten Staaten von Rorbamerifa mit 22 ersten, 17 zweiten unb 15 dritten Plätzen. In der Schlußlabelle stehen nicht weniger als dreihig Rationen hinter Deutschland. Dann fiel um 7.25 Uhr die olym­pische Flagge, und damit waren bie IX. Olympischen Spiele beendet.

Der vorletzte Tag hatte noch folgende Schwimm- Entscheidungen gebracht: 4X200-Meter- Freistilstaffel: 1. USA. 9:36,2, 2. Japan, 3. Kanada. 10 0 - Meter - Freistil­schwimmen Herren: 1. Weißmüller (USA.), 58,6, 2. Bar an 9 (Ungarn), 59,8, 3. Takaifbi (Japan) 1:0. 100.Meter- Rückenschwimmen, Damen: 1. Braun (Holland), 1:22. 100-Meter-Freistil, Damen: 1. Ossipowich (USA.), 1:11; (Leh- mann, Deutschland, Sechste). Turm­springen, Herren: 1. Desjardins

(USA.); (Riebschläger und Schümm 5. und 6 ). Turmspringen, Damen: 1. Pink- st o n (USA); (Reh dorn, Deutschland, Sechste.).

Der deutsche Halbschwergewichtsmeister P i st u l l a wurde im Endkampf seiner Klosse von dem Argen­tinier Avendano nach Punkten geschlagen. Olympiasieger im Boxen wurden (vom Fliegen- bis Schwergewicht) Kocsis (Ungarn), Tama- gini (Italien), fl I a o e r e n (Holland), Orkan di (Italien), Morgan (Neuseeland), Toscani

Mann. Es wäre gegen das göttliche Gesetz. Und das Unglück wäre eine Warnung gewesen von Gott. Ich sollte in mich gehen und ein neues Leben anfangen.

Ich bin immer eine gute Christin gewesen denke ich. Aber ich habe die Ehe angesehen, wie viele Frauen tun. Wir waren nicht in Feindschaft, nie, aber wir haben uns keine Mühe gegeben, Freunde zu fein. Ich war für die Rechte der Frau, «r war für die Rechte der Männer. Und nun müssen wir noch einmal beginnen. Ich habe viel nachgedacht über diese Sache da in bem weißen Hau» bei den guten Leuten, ich habe eingesehen, daß mir Unrecht taten. Gott hot die Ehe eingesetzt zwischen Mann und Weib, wir sollen seine Einrichtungen nicht mißachten. Wie ich das sah, da l)abc ich meine Koffer gepackt, und bin heriibergesahren. Ich will künftig nicht nur eine Christin heißen, ich will e» auch sein. Und wenn ich etwas einsehe, bann setze ich es durch. Immer Wenn er nicht mit mir leben will was kann er tun? Fortgehen aus seinem Hause? Ich werde auf ihn warfen. Er wird roieberfommen, einmal gewiß. Dann bin ich immer da. Und wir werden alt werden. Wir wer­ben nicht mehr denken: Mann unb Frau wir werben benfen: Ein Mitmensch. Einer, ber auch ben letzten Weg gehen muß.

Dann wird er nicht mehr fortgehen, wenn ich in seinem Hause bin. Dann werben wir wie christ­liche Eheleute leben.

Ja, das hatte ich zu sagen.

Dieser jungen Dame mußte ich es lagen, daß sie mir nicht vorwirft, ich habe ihr Gluck zerstört."

Sie lächelte ein wenig.Oh. es ist nicht solch ein große» Glück, die Frau von Ernst Äollmann zu sein. Aber mir macht es nun nichts mehr aus. Und ich bitte um Vergebung, wenn ich weh tue." Sie lächelte wieder, Maria fand, daß dies Lächeln den dunklen Augen einen mannen Blick gab.

Die Hoheit aber, die innerlich raste, dachte:Man merkt, daß bie Perlon Rebnerin gewesen ist. sie letzt jn gor nicht ab." Laut sprach sie:Das klingt alles sehr schön, aber Sie müssen uns übnlolien, wieviel mir davon glauben wollen ober nicht "

Der Diener öffnete die Tür. Herr General- blreftor."

In dem Augenblick wußte bie Hoheit, daß bie Fremde bie Wahrheit gesprochen, finllmanne Gr- sicht, seine völlige Falsung»loligke,t - er ließ sich doch lonft nie put- her Fassung bringen. Sie wandte sich ab, einer Ohnmacht nahe, unb lehnte gegen Maria» Schulter.

Wa-. sich bie Herrschaften zu sogen hoben, sagen sie sich wohl besser allein, flamm mein : liebes flink»."

Die 'Blamage, bie Blamage/' war alle», was üe beran»bnngen konnte, al» sie in ihrem Uchtas, zimmer auf dem Ruhebett lag unb Maria ihr die

(Italien), Avendano (Argentinien), Jurado (Argentinien).

Im Säbel-Einzelfechten wurde E a s m i r (Deutschland) Sechster.

Oie Sieger

-er olympischen Ruderregatta.

"Die am Sreitaq beenb?fc olympische Ru­derregatta in Amsterdam hatte folgende Endergebnisse der Hi eg der deut­schen *511 a n n f 4> a f t im Riemen zweier o. 6f. wurde bereits mitgetcilt «wobei die an­gegebenen Zeilen die im Endlauf um den 1. und 2. Platz von den beiden beteiligten Mannschaften erzielten sind).

Viererrn. St.: 1. Italien 6: 47,8; 2 Schweiz 7; 3.4; 3. Polen.

Aiemenzweier o. St.: 1. Deutschland iMullcr Möschtes vom Berliner Audcr- klub Hellas) 7:6.4; 2. England 7:6.8; 3. Amerika.

3m Endlaus gegen England ging die deutsche Mannschaft gleich nach dem Start in .'sührung, vergrößerte sie dis 750 Meter auf 2' . Längen, dann aber holten die Engländer aus, und eS gab einen erbitterten Cndkampf, den die deutsche Mannschaft mit einer knappen Länge gewann, damit die einzige goldene Medaille für Deutschland erringend.

Einer: 1. Australien (Peareo) 7:11; 2. LISA. (Myers) 7:20.8; 3. England.

Riemen zweier m. S t.. 1. Schweiz 7:42,6; 2. Frankreich 7:48.8; 3. Belgien.

Vierer o. St.: 1. England 6:36; 2. 11621. 6:37; 3. Italien.

Doppelzweier: 1. USA. 6:41.4; 2. Kanada 6:51; 3. Oesterreich.

Achter: 1. USA. 6:3,2; 2. England 6:5.6; 3. Kanada.

Oer Triumph der deutschen Reifer.

3n Hilversum wurde am Samstagvormittag das individuelle Dressurreiten vom Vor­tage zu Ende geführt und brachte Deutsch­land gleich zwei goldene Medaillen ein. In bestechender Manier konnte sich Frhr. v. Langen mitDraufgänger" nicht nur die beste Wertung des Tages, sondern auch die beste aller Teilnehmer überhaupt erwerben. Mit 237,42 Punkten belegte er den ersten Platz vor dem Franzosen Marion mit 231 Punkten und den Schweden Olsen mit 229,78 Punkten und Sundblad mit 226,7 Punkten. Linken» bach (Deutschland) wurde Sechster mit 224,26 Punkten hinter Hptm. Thiel i Tscheche», flotoafei) 225,96 Punkten, während v. Lo tzbeck (Deutschland) mit 208,04 Punkten Gitter wurde.

3m Desamtklassement der Ratio­nen vereinigte Deutschland 669,72 Punkte auf sich Zweiter wurde Schweden mit 650,86 Punkten vor Holland mit 642,96 Punkten und Frankreich mit 641.90 Punkten.

Stirn mit Kölnischwasser betupfte.Unb bie Gäste eingclaben, unb bie Anzeigen an bie Blatter ver- fanbt unb die ganze Berliner Gesellschaft wirb drei Wochen lang lachen, wenn nur unser Name genannt wird

Unb bu gehst umher, als ginge bich bas alles nichts an. Ich glaube Maria ich glaube, bu bist noch froh!"

O Tante, jo 'bankbar, so unsagbar bankbar. E» war Rettung in der letzten Stunde. Unb ich hab' ehrlich befahlen wollen."

Du redest ja irre," sagte bie Hoheit. ..Mein Gott, wenn boch nur Schulze käme!"

DieMaria Christina" fuhr burch ben sinkenden Abend von Holland kommend dem flanal entgegen. Elena ging auf bem Promenadenbeck unb (ab, wie bie Lichter aus ben Salon» unb Sabinen bunte Streifen über das leise wogende Wasser legten.

Langsam ging sie, langsam, aber unermüdlich, unb mit ihren Schritten gingen immer die gleichen schweren Gebauten, unb zwischen bie farbigen Licht­streifen schoben sich Bilder der vergangenen Wochen. Eine griechische Schenke, eine Berliner Villa, süd­ländische Menschen, norddeutsche blonde Erscheinun­gen unb immer ein Stopf, rein unb blaß, mit unregelmäßigen Zügen, warmen Deilchenaugen und dem Ausdruck unendlicher Liebe und Güte in federn Blick.

Sie spürte e», sie sah Aaria nicht wieder. Nie wieder. Sie hatte begriffen, was damals in Athen gewesen. Sie hatte auch verstanden, warum flollrnann ihr so überaus freundlich den Weg zun, Gatten gebahnt hatte. Er wollte sie forthaben aus der Nähe ber Schwester, sie war für ihn eine Frau, die man nicht im Hause duldet.

Seit sie Sergei in Rotterdam gesproßten, war sie sich klar. Er hatte sich noch ein Verdienst dar­aus gemacht, diese Verlobung 311m Abschluß ge­bracht zu haben.

Denn sie wäre ja, unpraktisch wie sie ist, auf nicht» ringegangen, bie dumme, kleine Maria. Unb nie wieder wäre un» solche Chance gekommen *

..Uns»"

..Wem sonst, liebes flinb? Glaubst bu, man hatte sich in London beeilt, mir einen Teppich unter die Füße zu breiten? Sie leben da mehr denn ic nach dem Grutchsofi: Chacun pour soi. Dien pour lous. Unb ich hab** re nie goutiert, für mich selber zu sorgen. Künftig wird ha» Herr AoUmann über­nehmen. Daß e» in einem au»reidxnben Maße ge- schlecht, dafür allerdings werde ich Sarge tragen.*

Sie hatte nichts darauf erwidert.

Unb wie sie nun wieder unb wieder auf dem menschenleeren Deck hin unb her ging unb wie es sie fröstelte in bem kühlen Abendwmd fragte es unaufhSrlich in ihr:Unb nun? Das nun*

Beim Concours Complet dEquitation" scht-h Deutschland am Vormittag aus, da ..Alpew- rofe unter Hauptmann Zeverabend beim Nehmen eines Hindernisses eine beträchtliche Ver­letzung erlitt. Außerdem schied auch Schweden aus. so daß nur noch Aerwegen. Holland und Polen im Wettbewerb blieben.

Die deutsche Siegermannschaft in ber Dressurprüfung.

Die b c u t j d) c Mannschaft in ber Dres - 1 U5 FuU 11 n 9 hatte folgenbe Zusammenstellung: 1. dreibeiT von Langen (Draufgänger> 237,42 Aun"e; 6. Rittmeister L inkcnbach (Gimpel) 224,26 Punkte. 11. ,Freiherr von ÖoRberf (ffa- racaüa) 208,04 Punkte. 6 1

Deutsche,- Sieg im Jagdspringen.

Das zur Dressurprüfung unb zum ©elfinbentt al» Mannschaftswettbewerb gehörende 3agbf pT in gen brachte einen Sieg des deutschen Major» Neumann auf Ilja, der sein Pensum mit 0 F«h. lern in 1:04 absolvierte und somit die beste Leistung des Tages erzielte. Diese glänzende Leitung wurde nicht mehr unterboten.

In berMilitary- placierten sich bie Nationen wie folgt: 1. Holland; 2. Polen; 3. Norwegen

Oic phmerung im Wasserballturnier.

Nachdem auch die Dasserhallspiele um den zweiten Platz des olympischen Turniers erledigt sind, ergab sich folgende Placierung der Länder:

Olympiasieger: 1. Deutschland; 2. Un- flam (weil es nut Deutschland im Endspiel stand); 3. Frankreich (als Sieger in Gruppe 2).

Tumultszenen beim olympischen Boxen.

Die Kämpfe des vchinpifchen Voffturniers begannen wieder mit Verspätung, so daß da« Pu­blikum von vornhere-n unruhig war. Kein Dun- der. daß cS bei jeder fraglichen Entscheidung zu wahren Tumultszenen kam. besonder- beim Kampf Isaac- Südafrika gegen Dalah -- UV2 Der Südafrikaner Hatte flat gewonnen und wurde auch tum Sieger erklärt. Da began­nen die anwesenoen Amerikaner zu toben, sie stürmten gegen den Ring, und der Vorsitzende der F i b a muhte im Ving erscheinen, um daS Publikum zu beruhigen. Der Erfolg, daß der Amerikaner jetzt zum Sieger erklärt wurde mit der Begründung einer falschen Punkleerrechnung. Die Erregung des Hause« hielt auch in den näch­sten Kämpfen an. Im Kampf Berggren- Schweden gegen Halaiko-USA. leisteten (ich die Aichter dann wieder ein Fehlurteil. Der Amerikaner, der in zwei Runden bestimmt der schlechtere war. wurde nach langer Beratung als Sieger auLgerufen, was die Empörung, be­sonders auf Seiten der Schweden, abermals her- vorries. Ein Tevl von ihnen, der auf der Salene laute Protestrufe au-gestoßen hatte, wurde von bev Polizei deS Saales verwiesen. Trotzdem konnte die Auhe nicht toiebcr her gestellt werden, der Radau verstärkte sich vielmehr, als den Schweden nach einiger Zeit gestattet wurde, bas Gebäude wieder zu betreten und hielt auch wäh­rend der nächsten Kämpfe noch an.

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

ß Lich, 12. Aua. Recht rege war man im lau­senden Jahr in unserer Stadt auf dem Gebiet der Bautätigkeit. Da unsere Stadt nl» ehemalige mittelalterliche Festunasstadt in ihrem Inneren kei­nerlei Baugelände auszuweisen hat, so entstehen sämtliche Neubauten an der Peripherie in der Haupt- fache im Bahnhofsviertel. In der Mengesgasse fenn- len in ben letzten Wochen b-ei neue Wohn- Häuser bezogen werden, ein weiteres wird in den nächsten Tagen angefangen. ImHohlen Weg' hin­ter dem Bahnhof warten zwei Wohnhäuser noch im Herbst auf ihre Vollendung, unb in ber Hungener Straße ist ein Neubau im Erstehen. In ber Jahn-

Bist bu nun glücklich, baß bu wieder immer mit ihm leben kannst? Oder ist ber Ekel stärker al» das, was ihr Liebe nennt? flannft bu ohne jebc Achtung vor bem Manne »och immer an ihm hängen? Spürst bu nicht heute schon einen Widerwillen, wenn er sich nähert? Ja, wenn er will, wird er den besiegen, mit feinen Küssen, mit seinen Schmeichelworten, mit seiner brutalen Energie. Hundertmal wirb er ihn besiegen, aber was wirb bann sein? Dann bist bu ganz unten, ganz unten. Lahm unb müde, schlaff und verdor­ben. Gleichgüttig aegen alles, was in ber Heimat Stolz war unb Ehre unb Liebe und reine« Gluck. Unb da» Kind, bem bu bas Leben geben sollst, war nurb aus bem? Belastet mit niedrigen Trieben, clje es noch das Licht der Welt erblickt, leichtsinnig gen Blutes denn wie kann es ander» fein bet bem Leichtsinn, der seit Jahrhunderten in leinen Vorfahren lebte auswachsend in Verhältnissen, bie unsicher sind wie der Boden eine» Vulkan« Es würde ein Abenteurer werden, wenn nichts schlimmere». Der sollte e» leiten? Der Vater? Don dem würde es lernen, bie Menschen zu ver­achten und auszubeuten. Die Mutter? Die war ja nicht fähig, da» eigene Leben zu lenken.

Willenlos war sie, leichtsinnig war sie, brennende Sehnsucht nach Lebensfreude und Genuß war ht ihr Nein, sie täuschte sich nicht mehr über sich selbst. Was sie in so mancher Levenslage vor bem Aeußersten bewahrt, das war nicht Tugend ge- wösen. mir ein gewisser ästhetischer Widerwillen gegen br:i Lchmup

Unb lebte sie bei diesem Wanne in Reinheit?" Sie stöhnte vor sich hin. Sie wünschte, diesen bitteren Gedanken entfliehen zu können, wandte sich unb jing zur Treppe, bie ein Stockwerk tiefer zu den salons führte.

Wie sie in bie Tür trat, sah sie Sergei, ber eben non einem kleinen Epieltischchen aufftanb unb sie erblickend schnell herankam.Wie siehst bu denn aus, Mignonne! Blaß und verweht. Was haft bu nadi «0 lange bl draußen getan9- Unb leiser, sie neben sich auf einen Divan ziehend: ..Sage doch, hast bu nicht noch von bem Reisegeld, bas der chevalereske Schwager dir so reichlich zur Verfügung stellte? -- Wie liehst bu mich an! Ich habe ein bißchen arg gepokert. Diese Holländer mit ihrer Temperamentlosigkeit haben es in sich. Wie bie einen h,nein,egen' Aber man lernt von ihnen."

Alles hast bu schon wieder verspielt?"

.Sei nicht fo entsetzlich bürgerlich entrüstet. Man >ieht. baß bu bei ber Hoheit Fran Schulze in bie spießigste,' Verhältnisse Geraten bist. Morgen sind wir in London Uebermorgen, bu siehst, ich dränge dar niwt. schreibst bu Herrn flollmann ein kleine» Billetbour"

(Schluß folgt.) '