Nr. 189 Zweiter Blatt
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheflen)
Montag, 15. August 1928
Oie Verfassungsfeier in Gießen
zuerhalten fein würde. Danzig hat von
war
war
erböte gegen
der
Aerzte warnten vor dem
die die-
fahr für Dan da örplofion<fdta
das Landes fürsten tum getreten, 300 mittlere, kleinere und kleinste Staaten, allo eine vollkommene Auflösung.
Diese Entwicklung hat über da» deutsche Volk unermeßliches Unheil gebracht Daß Deutschland aufgehört hatte, machtpolitisch etwa» zu bedeu-
kalten Walser. das nut vom Sowien schein erwärmt wird: die Schulmänner wetterten gegen diese Unart, und in vielen Schulordnungen heißt eS ähnlich wie in der des Hamburger Iohan- neumS von 1537: „Sk an bat Water gehn und fid baden unde schwemmen gelhd alse de ®ofe ebbet de Gntechen — schälen schwehrlicken ge» straffet werden."
Der Ha uv t gründ für solche Verbote lag aber nicht in der lchÄlichen Wirkung des Badens auf Gesundheit oder Sitten, die man befürchtete, sondern in der Furcht vor dem Ertrinken, das namentlich in den größeren Flüssen häufig vor-
tralgewalt gegeben hat. Man weih, wie sich später von unten heraus neue Gewalten gebildet Haden, die Territorialgewalten, benen es gelungen ist, ein Stück der Deichsgewalt nach dem anderen an sich zu ziehen, damit allmählich stärker und selbständiger zu werden und
auch wieder zu den Ihren geichwummen." Die Behörden erließen zahlreiche D das Baden: die Letzte 1
Zentralgewalt vollständig auSzuhöhlen. 2lls ser Prozeh — 1648 — abgeschlossen war. von der ursprünglich starken lZentralgewalt nur noch der Olame vorhanden: an ihre Stelle
"5°9bn!" sage idj.
,,eo ein Haus gibt’s in ganz Wien net". sagt Dicke bestimmt und schwenkt seine Fahne.
" steht doch in meinem Führet', sage ich. x»ch'bade den dicken Führer zwar nicht mitgenommen und die ctratze vergessen. Ich hatte cs mir so leicht vorgestellt Man geht hinter dem Haydnbenkmal in ttn< der Gassen, wo das Denkmal steht, kann doch auch Haydns Haus nicht weit sein ... Der muftert mich mißtrauisch und durchblättert iein Buch nach den Strotzen. Er sucht und sucht ...
meinem Leben hab' ich von so einem Haus — ^in oiter Herr kommt herbei, er- kündigt sich was es aibt. Der Schaffner fagt weg. werfend. «Die Dame sucht ein Haydnhaus .. .*
Kreibad und Schwimmsport in alter Zeit.
In diesen heißen Tagen wimmelt es allenthalben an den Ufern der Flüsse und Seen von fröhlich im Wasser sich Tummelnden, die wenig- stens etwa- Abkühlung von der H Ye tuchen. GS 'cheint, als ob eine Leidenschaft wieder zum Durchbruch gekommen fei. die man den alten Germanen bereits nachgesagt hat, unb diese Freude am Baden ist um so mehr zu begrüben, als sie durch lange Iahrhänderte völlig verkümmert schien und erst gegen starke Anfeindungen sich wieder ans Licht wagen durfte. Schon (Sä'ar erzählt von dem Baben der Germanen, wobei er hervorhebt, daß die ganze Iugend. Mädchen unb Änaben, miteinander ;ni Wasser gingen. Außerordentlich war die Schwimmkunst ausgebildet. De Bataver waren nach Tacitus darin so gcfdmlt. daß sie mit Pferden unb Waffen in geordneten Scharen
Irnmerh mög.ch. daß der Weg auch einmal dahrn führt Heute denkt man in Pofen olfen- 'chtllch tm Zusammenhang mit Frieden immer noch an e-.n Berfa.UeS da» man dem Danziger Zwergstaat unb Rebellen". me ein P.lsubfkr besonders nahestehendes Organ den Freistaat kürzlich wieder nannte, au'zw ngen will Freilich ist da- nicht mehr so leicht möglich, seitdem Deutschland m Völkerbund hnt. 7^ elleichk wird der endgültige Frieden 'ich einmal doch mit dem noch immer gar so we.t wäre von Warschau biS zu diesem lieblichen fühschweizer Kurort*
kehrSordnung auch in Danzig Gültigkeit haben, was 'achlich keinen groben Unterschied gegen den bisherigen Zustand ausmacht, da diese sich im wesentlichen an daS mitteleuropäische Her- kehr-regulativ hält. Rur die Fassade wird wieder um einige Nuancen polnischer angestrichen. — aber daS ist es eben. waS der polm'che Partner immer wieder gegen kleine wirtschaftliche Zugeständnisse einhande.t.
Lo sind die wichtigsten Streitpunkte nur formell auS der Welt geschafft. Die Bereinigung anderer von gcr.ngerer Bedeutung soll erfolgen. GS st mehr, waS d.c Iuriften ..Ruhe des Der- fahrens" nennen. alS em wahrer Friedensfchiust.
über den Rhein bringen konnten. Die Römer bewunderten bei den Germanen diese Schwimm- tüdbtigfeit, die sie in den Kriegen der Iahre 60 unb 70 Ml :hre:n Rachtei.' genügend kennen lernten Uebermenschliches leisteten germanische Helden im Schwimmen, so Deowuls, der bei einem Wettschwimmen sieben Tage lang von der Stufte seiner Heimat biS nach dem hohen Borden hinausschwimmt: ein trefflicher Schwimmer war Sari der Große, von dem sein Biograph Gin- hart sagt, er habe seinen Leib so fleißig im Schwimmen geübt, daß es ihm keiner darin zuvortat. DaS Schwimmen gehörte im Mittelalter -u den sieben ritterlichen Künsten, die jeher wohlaezogene Knabe erlernen muhte.
Aber allmählich im hohen Mittelalter ging diese Freude am Wassersport doch zurück Zwar gibt es eine Reihe von Beispielen, m denen auch Mönche und Rönnen in Flüssen unb Seen sich dem Schwimmen Hingaben, aber im ganzen stand die Kirche dem Fluhbad doch unfreunblid) gegenüber; ihr schlossen sich auS verschiedenen Gründen die Aerzte und Pädagogen an. und fo ward daS Baden allmählich zu einem Kinderspiel, an dem sich nur kecke, tolle Gesellen, wie Studenten und Handwerfsburtchen. beteiligten, während der ehrbare Bürger von all dem ..Schwemmen. Waten und Waschen" nichts wissen wollle. Bezeichnend ist, was Zwingli, der in Zurich, in einer dem Baden besonders holden Stadt, lebte, sagt: ..Schwimmen sehe ich wenig Leuten bienen, wiewohl es zuweilen dem Leib gut ist, daß man schwimme unb zu einem Fisch wird. Doch ist baS Schwimmen unterweilen zu etlichen Fällen gut gewest. Allo ist etwa einer auS dem Eapitolio ge’djttnxnunen, der dem Camillo. der Aömer Obristen Feldhauptmann, von dem erbärmlichen Zustand der Stadt Rom Botschaft bracht. So .st die edelrömisch Iungfrau Elella
„So wo» gibt'» hier net*, versichert mir der alte Herr traurigunb sanft. Da müssen's schon, wenn's solche alten machen sehn woll'n ins Nationalmuseum gehen. Sie können auch hinfahren, da gleich an der Kirch' kommt eine Bahn vorbei .. .*
„Ich will aber da» Haijdnhaus sehen", bestehe ich verzweifelt. Dabei fällt mein Blick in da» auf- ti.fdilagcne Buch, und dem Finger de» Schassners 1,'Iflcnd sehe ich, hast er mein Haus unter .Heiden- ljaus* vergeblich sucht . .
Ach so ... Darauf suche ich mein Haydnhaus mit at) und endlich haben wir's ... Cs liegt in der nächsten Masse
Fünf Minuten später steige ich die breite Stein- treppe hinauf zum ersten Stock des einfachen, weih- getünchten Hauses, in dem Haydn lebte und starb. (Ein paar stille Zimmer, feierlich, kühl, niemand ist da, nur ich. Das alte Spinett hat noch einen guten Klang. Sonst ist nicht mehr viel übrig geblieben. Haydns Sessel, Haydns Noten und Briefe unter (Blas, „Die Schöpfung", „Die Jahreszeiten", eine Einladung zu Beethovens Totenfeier, Sonaten für das Cembalo, Quartette, Menuette und Sinfonien Darüber fchwebt leine feierliche weihe Totenmaske ... Ein sauberer stiller Hof, ärmlich, mit einem winzigen (Bärtlein ...
Im Vorsaal stehl ein großer Schrank, der aussieht, al» fei er zum Platzen mit etwas gefüllt ... Ich frage den Kastellan. „Was ist denn in diesem* Schrank?*
„Ach nix*, sagt der alte Mann, der die Tür hinter mir schließt. „Nur Noten .. .*
z g unb leinen Hasen, ftropbcn von ungeahnten Dirnen'onen niemals ausgeschlossen sind. Die leiben-
ten war schon Ichlimm genug Dte polit'schv Ohnmacht hat unterem Bolle weite Gebiete deutschen Landes gekoste! 21ber noch ein ,zweites, moran wir gewöhnlich m diesem Zusammenhang nicht denken, geht auf den Lieg de» Lande»- sürstentumS Mirv.J >
hing mit ihren unheilvollen Folgen und endlich ein Drittes, was wir unS für unsere Betrachtung eindringlich vor die Seele stellen wollen. Die Auslösung des Reiches in mehrere hundert Länder hat den Charakter des deutschen Menschen in verhängnisvoller Weise verdorben Ric- rnand hat das schärfer zum Ausdruck gebracht als ein Historiker der noch vor wenigen Iahren in Gießen.Geschichte vorgetragen bat. Iohanne- Haller
Die erste besreiende Tat aus dein Wege zum Neuaufbau de» Reich» fällt in die Zeit vor genau stunden Jahren, in da» Jahr 1*28. In den zwanziger Fahren de» 19. Jahrhundert» kommen Verhandlungen zwischen einer Reihe von Ländern auf, die daraus abzielen, die Zollgrenzen im Innern zu beseitigen oder wenigsten» zu inildern. Aber in welch kläglicher Weise verlausen diese Verhandlungen! Die ganze Not der deutschen Kleinstaaterei tritt un» noch einmal entgegen, wenn wir etwa bei Treitschke lesen, roa» damals nicht alles möglid) war. Im Februar 1R28 endlich kam es zu jenem bedeutungsvollen ver- traa Zwischen Hessen unb Preußen, durch den die Zollgrenzen zwischen den beiden Landern aufgehoben unb beide Lander zu einem einheitlichen Zollgebiet erklärt wurden.
Der erste Schritt heraus aus dem Zustand der Auslösung und Zerstörung, den eine unglückliche Geschichte von mehr al» 500 Iahren geschossen hatte. Und 1S34 steht bann der Deutsche Zollverein im wesentlichen fertig da: die deutschen Binnenzölle unb Zollgrenzen find verschwunden, eine Einigung des Reichs ist erreicht, freilich nur auf wirtschaftlichem Gebiete. Eine Tatsache von ungeheurer Trag- weite unb größter erziehlicher Bebeutung für den künftigen Reichsgebanken
(Fine verfasiungsfeier im Iahre 192R roenbet sich von selbst dem Iayre 1MR zu. Wir erblicken die Bedeutung de» Iahre» 1M8 in erster Linie darin, daß hier zum ersten Male bas deutsche Volk selbst den Versuch macht, sein polittsche» Schicksal zu gestatten. War e» hierzu stark genug unb politisch g<* rüstet? In zweifacher Hinsicht muß ba» bezweifelt werden Wir wissen heute, wie dünn die Schicht de» deutschen Volkes war, die sich damals mit Politik befaßte. Polittsche Schulung aber war notwendig, wenn die Bewegung von 1848 zum Erfolg geführt werden sollte. Und Dann da» andere, der berühmte Vorsitzende der Nationalversammlung, Heinrich von (Bagern, hat bei der Eröffnung de» ersten deutschen Parlaments al» die Aufgabe der Versammlung bezeichnet: Wir sollen schaffen eine Verfassung für Deutschland, für das gesamte Reich. Der Beruf, die Vollmacht zu dieser Schaffung, sie liegen in der Souveränität der Nation.
Kein Zweifel: (Bagern und die Manner der Paulskirche haben an die Souveränität des Volke» geglaubt. Aber konnte man übersehen, daß man einer anderen Souveränität, der Souveränität der Fürsten,
ausgezwungenen Wirttchaftsgemeinschast mit Polen. dessen ökonomische Dauerkrise nur $u bekannt ist, lauter Nachteile gehabt. Der einzige Vorteil, die billigeren Eisenbahn- ta r i.se, die der Trans, tverk^r im Hasen brauchte, konnte ihm auf bie Dauer nicht vorenthalten werden. GS hat ihn nunmehr erreicht — freilich wiederum unter Zugeständnissen an den polnischen Willen zur ..friedlichen Durchdringung". Vunmehr totrb die polnische Ber-
Das Haydnhaus.
23on fcittbd OHL
In Wien eilt man sich nicht. Man springt nicht aus die Straßenbahn, fahrt nicht auf dem Trittbrett mit, noch Hämmert man sich an den Wagen, wenn er schon besetzt ist. Man bleibt einfach stehen unb «artet auf den nächsten In Wien hat man Zeit.
Aber daß man soviel Zeit brauchen würde, um ein berühmte» Hau» zu sinden, hatte ich mir doch nicht träumen lasten. Bekannte hatten mir gesagt «6if fahr n bi» an» Haydndenkmal, gehen hinter dem Denkmal in eine (Baste, da wer'n Ahnen die Leute schon sagen, wo da» Haydnhaus steht * Da» Haydn- Denkmal steht vor der Mariahilferkirche, die Straßen- bahn hält davor Ich begeb, mich also in eine der vielen engen (Basten hinter dem Denkmal Aber da» Haydnhaus kannte hier kein Mensch. Ich fragte Frauen, fragte Männer, fragte Kinder. .Wonnen Sie mir nicht sagen, wo da» Haydnhaus steht?*
Die Leute sehen mich alle verdutzt an, einige fast erschreckt. „Von so einem Hau» ist mir nicht» br- könnt' Darauf gehe uh zurück zu dem Denkmal und fuche in der entgegengesetzten Richtung da» berühmte Hau». Aber dies, Richtung schien auch nicht hie richtige zu sein. Ich frage Bäckerjungen, Metzger- burschen auf Rädern, alle Manner, bie aussehen, al» hätten sie ihr Leben in Dien verbracht, aber alle schütteln brn Kopf. Sie wissen alle nichts von diesem Hau«.
Endlich sehe ich einen Straßenbahnschaffaer, der an einer Kreuzung steht und ein rote» Fähnchen schwenkt ... „®a» soll das für ein Hau» fein?“ fragt
3ur Feier des Berlastungstages ließen am Samstagmittag von 12 st:? 12 15 ilbr aus Anordnung des Landeskirchenamtes die Glocken unserer Kirchen ,hr Geläut über die Stabt er- 'challen. Die staatlichen und städtischen Gebäude hatten Flaggenschmuck in den Reichs- unb Landesfarben angelegt
Arn Abend. 7.30 Uhr. fanb im Stadttheater unter Mitwirkung ber Kapelle des 1. Batl. Ins.-Regts. 15 unb ber Gesangvereine .Gintracht" und .Heiterkeit" die offizielle Der- fasfungsfeier statt, zu der Prvvinzial- direktor Graef unb Oberbürgermeister Dr Keller bie Bevölkerung ber Stabt unb des Kreises Gießen eingclaben hatten
Die Reichswehrtapelke eröffnete bie Feier mit dem Tortragc von 6. M. v. Webers . Freischütz"-Ouvertüre. Daraus brachte bet Gesangverein .Eintracht den Uthmannschen Thor.Empor zum Licht" zu Gehör. Anschließend ergriff
Rreitftoulraf Fischet-, Gießen,
das Wort zu seiner im Mittelpunkt des Programm- stehenden Festrede, in der er u a. folgendes aussührte: Wozu versammeln wir uns heute - an dem Tage, an dem vor 9 Iahren der erste Reichspräsident seinen Hamen unter das Berfassungswerl von Weimar gesetzt und ihm damit Gesetzeskraft verliehen hat in diesem seitlichen Hause? Solls lediglich eine Stunde der Erinnerung sein?
Wir wollen unserer Feier einen tieferen Inhalt geben. Wollen sie zu einer Stunde ber Einkehr unb ber Selbstbesinnung werden lassen und wollen unsere Betrachtung in einem Gelöbnis ausklingen lassen zu DoU und Baterland, das abzulegen keine Gelegenheit würdiger sein kann al- diese Stunde
Die beste Lehrmeisterin für einen besinnlichen Menschen ist eine ernste Betrachtung ber Geschichte, ober sie kann es wenigsten- sein. Gerade das Iahr 1928 fordert zu historischer Rückschau heraus.
lieber dem Weg. den das deutsche Dolk in den letzten IahrHunderten gegangen ist. steht schick- faibaft eine große Auseinandersetzung unb ihr unheilvoller Ausgang. GS hat in Deutschland einmal eine Zeit gegeben, in der alle politische Macht in einer Hand vereinigt war, in der eS in Deutschland nur den politischen Willen der Zen-
schatt'.-che Forderung Danzigs. Polen möge d.e'eS gefährliche Spielzeug auf fein eigenes Jerrt- lonum verlegen, nach dem ..echt poln:«chen" Hafen Gdingen, den es unter Aufwendung phan- tast 'cher Summen fieberhaft a.s Krregshafen ausbaut. bisher nicht durchzufetzen getreten 5 r wird aber, wie man in verantwortlichen Danz'g^r Kreisen erklärt, auch nach ber nunmehr erfolgten Zwischenlösung n.cht verstummen Die Zwischenlösung geht von b:n beiden Tattachen aus. daß Polen den tlmschlagsplan au, der Westerp.atte prattisch nur ein paar Mal im Iahr verwendet, daß andererseits der Hasen von Danzig unter schwerer Raumnot leidet. Polen stimmt nunmehr, natürlich auch unter Aufrechterhaltung seiner prinzipiellen Borbebalte, der Erschließung eines Teile- der Westerplatte - die zu diesem Zweck in grüne, rote und Haue Zonen ein- geteilt wird — für den normalen Wirtschaftsverkehr zu. Es hat aber jeden Tag das Recht. Munition-tranSporte anzumelden und so den Handel von diesem Stück des Hafens zu vertreiben. Die Wirtschaft-Möglichkeiten im Danziger Hafen haben also eine ganz kleine Erweiterung erfahren, wogegen die Benutzung ber Wcfterplalte für bie militärischen Zwecke Polens neuerlich de facto sanktioniert wurde. Mitentsche.bend war auch die Frage de- Kontrollrechts auf dieser Westerplatte. Es besteht nämlich der begründete Derdacht. daß polnische Organe ihr angemaßte- Hoheitsrecht zu umsangreichem Zollschmuggel auf dem Gebiet, da- Danziger Zollbeamte nicht betreten können, ausnüyen. Nunmehr wird ..der Danziger Polizeipräsident oder einer seiner normalen Stellvertreter" jederzeit da- Recht haben, die Westerplatte zu besuchen. Zweimal im Iahre dürfen die Danziger Zollbehörden überd.e- Stichvroben vornehmen. aber auch da- nur. wenn he ..Anlaß dazu haben". Exekutivgewalt steht weder dem Polizeipräsidenten noch den Zollbeamten zu. Sie können ihre Wahrnehmungen lediglich dem polnischen Kommandeur, unter Umständen auch zur Weiterleitung dem Senat ber Freien Stabt Mitteilen. Es ist also auch hier dafür gesorgt, daß die Handlungsfreiheit Polens im Hasen des souveränen Danzig nicht fühlbar beeinträchtigt werde. Danzig wird nicht wider den Stachel locken — seine Wirtschaft darf dafür ein Stück bisher kaum benutzten Hafengeländes bis auf Widerruf mitbenutzen.
Einen Erfolg, und zwar einen, der wirtfchasttich von weitest tragender Bedeutung ist. errang Danzig freilich in der Frage der „durchgerechneten" Tarife. Bisher lagen die Dinge fo, daß die Dahnen auf dem Gebiete des Freistaates unter polnischer Derwaltung standen, daß diese jedoch in Danzig ein Vielfaches jener Tarife einhob, die in Polen selber in Gülttgkeit waren und so den Verkehr, namentlich den Transitverkehr der alten Handelsstadt, in kaum zu ermessender Weise schädigte. Es war schon seit langem klar, daß dieser Zustand nicht aufrecht-
schästigt hat. Auf der Desterplatte. die dem Danr.ger Hasen vorgelagert ist hat Polen bekanntlich e:n Wallen- unb Munitionslager bzw einen llmschlagplay für Waffen- und Munitirnstransporte eingerichtet Dieses Lager bedeutet nicht nur un Är.cgefail. wo es der natürliche Anziehungspunkt für feindliche Flieger und Kriegslch.fte fein muß. fonbern auch un Friede nszuftand eine fchwere Gc -
er unb sieht mich feindselig an.
..Da» Haydnb.ius*, sage ich.
..Don einem solchen Hau» habe ich noch nie etwa» gehört Der soll ba brin gewohnt ham?* fragt der ftohnenschwenkendc
rSajsenjWand in Danzig.
Von .Rtnt Hraus.
Danzig. August 1928
Der Kleinkrieg zwilchen Da n» ig u nd Polen, der so alt ist wie der von den VerfalUer Machthabern geschallene .Freistaat* seiber, wurde durch einen Will fcnstll Island bei gelegt. (Bin Waffenstillstand rft das Abtommen. das k-ie wichtigsten ber ichwebenden Stret*fragen erlebigi — fein Fried ensfchluv Immer wieder wird bet Provisor (che Charakter der verschieben en Ao- aelungen betont, immer wieder erführen die beiden Parteien, daß 1te dielen Begebungen .unbeschadet ber Aul rech« erhall un fl ihres Aechts- standpunktes und ohne nnc Präjudiz »u schaffen' Aufhmmen. Voller ge'piy» mit Aefervaten und Vorbehalten ist wohl noch fein internationales Abkommen gewesen Immerhin, der Danzig-Polnische Paf» ist ein Grvignis von besonderer Be- deniung Nicht nur für den Freistaat seiber, dessen gesamte staatrechiliche unb wirtschaftliche Struktur von diesem Pakt entscheidend beeinftuhr wirk' <cmt*m seibstverständlich auch für das deutsche Mutterland das Danzigs Schicksal als sein eigenes empfindet
Der Inhalt ber getroffenen Vereinbarung ist keineswegs danach angetan, übertriebene Befriedigung auszusösen Die wirtschaftliche Sntfpan- nung. die nicht nur Danzig, sondern der gc'unbc Menschenverstand forderte hat Polen sich durch allerlei, vielfach recht lleinlichc Zugeständnisse an sein hochentwickelte« Presttgebebürfnis bezahlen laksen. Gs hat diese Zugeständnisse von dem ungleich schwächeren Dunziger Verhandlung». Partner um so leichter erzielen können, als dieser ja nur da« Recht hat. Polen aber die Macht unb dazu bie Gntfchtossenheit. von dieser Macht mcht gerade schüchtern Gebrauch zu machen. Aus- Ich'i.ßlich von machtpolittschen Ge'ichtspunkten lieb die polnische Delegation sich wohl auch in ber nunmehr bereinigten Frage des .Port d ’ A t- t * c I. e", wie ber diplomatische Fachausdruck lautet. (eiten Zwischen Danzig und Polen bestand ursprünglich ein zeitbegrenztes Abkommen, das diesem den Danziger Hasen für seine Krieg-llotte zur unoeschränften CBerfügung stellt. Dio Mißbräuche die Polen mit dem aus diesem Abkommen abgeleiteten Recht trieb, veranlaßte den Senat ber Freien Stadt, das Abkommen zu kündigen. Die beiden in dieser Frage vom Tblfcrbunb berufenen Iuristen. Sir C«U Hearst der britische Krvnjurist, und der bekannte italienische Rechts- gelebrtr Pi 1 o 11i. betonten in ihren, Gutachten tn bi* dahin unbrfannier Deutlichkeit die Souveränität des Freistaates die ibm da- Rech« zuf^hert. polnische KrtcgSfchiffe wie alle anderen, die aus den, Ausland kommen, zu behandeln unb diesen die Oinbothmg ber international gültigen Vereinbarungen, z. B. Anrnesdung des Flottenbesuches. Bekanntgabe der ötnbciten und ber Besatzung. xur Pflicht au machen Polen hat sich dieser Pflicht jedoch bis auf den heutigen Tag mit her Behauptung. Dan^a fei wohl ein freier Staai. ober zugleich pol nfscher KrfegShafen. entzogen. In dem nun abgcfdMoffenen ilcberein- fommen verpflichtet Danzig sich jetzt, den politischen Stanbbunh zu akzeptieren und drei Iahre httiduoch feine neue Beschwerde in dieser Sache vor das Genfer Tribunal zu bringen. Freilich unter den vertragsüblichen Vorbehalten staats- rechtllcher und prinzipieller Vatur. Polen seinerseits ist tn diesem Punkte nicht an den dreijährigen Waffenstillstand gebunben. Ss kann die Frage, deren Ruhen hier fest gefegt wurde, au jedem ihm beliebigen Zeitpunkt aus- neue aur- rtrflen. In diesem Punkt, in dem Pilsudskis .gloire*' auf dem Spiel stand, bat Danzig also vollständig nachgeben müssen.
Typisch für den Eharakter des neuen Abkommens ist die Bereintgung ber West er- b I a 11 e n f r a g e", die die europäifche Oeffcnt- lichkeit fo viele Iahre lang immer wieder be
kam. Ueberall gab es nur „Freibäder" in der allerprimitivsten Form, unb bis ins 19. Iahr- hundert fehlte in Deutschland die Gelegenheit, „sicher und bequem" zu haben. Freilich war schon ab und zu im Mittelalter für geeignete Stellen 8um Baden tm Freien gesorgt worden. Gin richtiger Schwinmrsport konnte sich indessen erst entwickeln, als Badeanstalten erbaut wurden. 1760 ist von Poitevin bie erste Badeanstalt in Paris errichtet worden: sie lag auf zwei Schiffen in ber Seine, aber man babete nicht im Fluß, fonbern ba- Fluhwaffer wurde in Badewannen gepumpt. Unterdessen war durch Rousseau der Bann gebrochen worden, der bis dahin noch auf der Pfleae und Hebung des Körpers gelastet. Ueberall warb b:e Hebung des Leibes neben bet de- Geistes betont, und die deutschen Grzieher. die die neuen Ideen aufnahmen. erkannten im Wassersport ein wichtiges Mittel der Abhärtung. Das Schwimmen wurde nun allgemein in die Gmiehungsinstitute em- gefübrt Salzmann veranstaltete Dauerschwimmen unb Guts-Muths wurde mit feinem Lehrbuch ber Schw.mnckunst (1796) zum Begründer des modernen Schw.mmfPorts; er schuf unseren heutigen Schwimmunterricht. erfand Schwimmgürtcl und -angel.
Badeanstalten wurden nun zum dringenden Bedürfnis: da» erste große derartige Institut in Deutschland wurde 1777 auf dem Rhein bei Manicheim errichtet. ..Das ®ebränge des Volles, fich d-.cses heilsamen Institutes zu bedienen/ erzählt ein Zeitgenosse, „das Frohlocken ber Aerzte. b:e itzt endlich einmal ein Mittel gebrauchen konnten, womit sie der überall ein* gerissenen Rervenschwäche. bie ebensosehr ben Arzt w.e den Kranken quält, Ginhalt zu thun imstande waren — dieh sind offenbare Beweise, daß itzt nicht mehr Ve^ärtlung. nicht Gigenfinn. nicht Dummheit, sondern bloß der Mangel an Gelegenheit bie Schuld des Aufschubs gewesen war.* Als 1781 der Wiener Arzt Ferro eine Badeanstalt auf der Donau gründete, wurde er noch hart angefembet. aber schon 1807 war m Deutschland keine bedeutendere Stadt mehr, »in der nicht Fluh- und andere Babeanstalten angelegt worden wären" Man stritt sich damals viel über die beste Art, ins Wasser zu kommen, ob man mit den Füßen voran nach deutscher Art langsam ins Bad steigen, oder sich nach englischer plötzlich, nrt dem Kopf voran, hinemwersen solle. 1817 wurde durch den General von Pfuel das Schwimmen in die preußische Armee eingeführt.
tnbungifttiii
L Trechsler,
<V
'D 1581.
00 1159 I
UIW. Ulw, kommen i.Auiipit>e. am18. Aug. In dir Ziehung der Lotten« zu 6unttc n a. Fünorglt*ert «n MerburgerStudinten- hiime.
MO) BinuHlhlvni
ItgerinOert"
.QSßtuRM I." ItU »ttenn>L ' > '»
Wormi.
Postscheck; Konto 15194 Frankfurt
Hier bei SUatLLotte • un- nehmer FU» außerdem bei:
Zijfjrreoban"»-"1- ’it, fr.
„„IChMgrl.L» jaust,
Wattenborn.
IEWIHNF " Geiunhurft yh um. larunter Hithilgn.
Ti Werte ren '2000., lauptgewmn I. W, r, 0000 .
PtbmltlmWtrteien
QVereine^J
STtCUV'- . .
6
Diktat« .!K Ls E BuM
E
itn5 7 2?or’Cötiit- - bcn *■ HE n,


