in der Stufenleiter ihrer körperlichen Vervvlb
30 Fortsetzung.
Nachdruck verboten.
bann an einer Reihe von Beispielen die Vererbung erworbener Eigenschaften auf psychischem und körperlichem Gebiete annehmbar zu machen. Zum Schlüsse die Mahnung, nun endlich die Wacht der Umwelt besser zu erkennen, um endlich begreifen zu lernen, daß wir uil8 im Laufe der Jahrzehnte viele hundert Millionen Mark sparen fennten, wenn wir, statt fortgesetzter Einfuhr von Zuchtmaterial, die eigene Scholle und die Umwelt der Tiere verbeifert hätten.
3m Anschluß an die Borträge fand jeweils eine Aussprach« statt. Den Abschluß der Vor- mitlagstagung tiibsicn Besichtigungen des Landwirtschaftlichen Instituts, tej Reuen Forstinstituts und des Agrikultur- chemischen3nstituts. Am Rachmitlag weilten die Tagungsteilnehmer auf den Universi- tätsgütern Unterer und Oberer Hardthof, die einer eingehenden Besichtigung unterzogen wurden. Ten Abschluß deS TageS bildete ein Besuch der gestrigen Aufführung im Stadltheater.
Der dritte Tag.
Heute vormittag begaben sich die Teilnehmer zu einer Besichtigung nach dem Versuchsgut Selgenhof der Hessischen Landwirt chasts- fammer in den hohen Bogelsbrrg bei Ulrichstein. Bon dort erfolgt heute mittag die Weilersohrt nach Bad-Ra »heim, wo di.' Teilnehmer heute nachmittag auf Einladung des Hes.i.chen Staates eine Besichtigung der Kuranlagen vornehmen und daran anschließend sich im Kurhaus zusammen- finben werden.
Zahlreiche _________ _ .
Zähigkeiten der Menschen erkannt, und Eoue selbst hat da- Berdier.st, durch die Einfachheit seiner Formeln sich dem geizigen Niveau seiner Patienten angepaßt zu haben. Dies Verdienst aber ist auch hinlänglich, um ihn aus seiner Apotheke in die Apotheose ernpor- steigen zu lassen. 3n eingehender Begründung wendete llch dann schließlich der Reimer gegen den Ausbau der Selektlonslehre (Germinalfe- leltion. Kampf der Teile im Organismus, Kampf der Determinanten im Keimplasma ufto.). um
MMMlMslköenSWim
Vornan von Edgar Wallace.
Oop>riLlil by Wilhelm Goldmann, Verlag, Leipzig.
kommnung auch zu Sonderentwicklungen ihrer Leistungen emporsteigt - Rellere, Instinkte, Gnosis. Assoziationen. Prärie. Verstand und Vcr- riunft Daneben aber bleibt in Unbewußtheit das Gedächtnis aller lebenden Zellen und Gewebe des Körpers für Reize und Erfahrungen von außen, bleibt ein wunderbarer .Rachrichtendienst" im Staat« der Zellen, und es würde geradezu wie eine Unte-gü des natürlichen Geschehens anmuten, wenn davon allein die Keimzellen ausgeschlossen sein sollten, die für die Entwicklung der Arten die höchste Bedeutung besitzen. Melleicht, daß übrigens gerade bei den Primitiven und Armen im Geiste die niedr.gere Stufenleiter der Sonberentwicklung der Psyche nicht zu einer fo rolligen Loslösung von dem unbeirubtcn Treiben der ilrfeek geführt hat, und daß sich gerade hieraus gewiss« überraschend« Föhigkctten zu Autosuggestion uni», "Bo- einflussung des Leibes durch die Seele erklären.
Vorläufer von Eoue haben diese
Lntw.cklungs^ustände sowie Aquarell« aller Sorten hergestellt. Außerdem wurden aber alle Sorten neb»x«inanb«r angebaut und während der ganzen Versuchszeit beobachtet. Dadurch gelang es. zu den bekannten Wertmaten »sch neue zu finden, tote z. B. das verschieden« Verhalten der Lichtleim«. und so wurde es möglich Beschreibungen aufzustellen, mit denen man jede Kartoffelsorte genau bestimmen kann. Di« 2lr- beikn führten weiter zu der Feststellung, daß sehr viele Sorten nicht selbständig aufrechtzu- erhalten sind. Wie weit dies der Fall ist, geht daraus hervor, daß von den im Handel befind" lichen 830 Sorten nur 176 selbständig sind, wäh- rer/v alle anderen nichts weiter alS Hamen dar- stellen, die keine Berechtigung haben. Di« Züchter haben in richlcaer Erkenntnis dieser Arbeiten sich dies« Ergebnis^ zu eigen gemacht, und fo kann men die Sorten frage als bereinigt betrachten WrStig ist, daß bei dieser Gelegenheit Prüfungen auf Kr .bssest'.gkeit und Widerstande-äh gleit gegen die Krauffäule gemacht werden, was Sie Züchtung widerstandsfähiger Sorten wrsenllich fördert. Bon den Getreid-arten hat der Vortragende sich Iri enter S über- Weizen verbreitet. Hier werden zur Zeit etwa 560 Sorten geführt. Die Durcharbeit. die ähnlich wie bei 6et Kartoffel vor sich gebt, hat ergeben, daß die bis jetzt untersuchten 108 Sorten sich auf 27 zusammenziehen lassen. Diese Arbeiten werden gemcinschaftlich von der Biologischen Reichsanstalt und Professor Dr. W a cke r. Hohenheim. auSgeführt, während der Hafer von Pros. Za de. Leipzig, und Opitz, Berlin, die Gerste von Prof. Kieseling. München und Römer, Halle, bearbeitet wird. Auch bei den Getreidearten wird außer den morphole- gffchen Merkmalen, deren Kenntnisse weientiich vertieft worden sind, auch di« Rostempfänglich- keit außer anderen physiologischen Merkmalen zur Prüfung mit herangezogen Wahrend bei Selbstbefr ch rn oder r gulativ vermehrten Pflanzen nach Ansicht des Redners keine Schwierigkeit besteht, selbständige Register aufzustellen, ist das bei Fremdbefruchtern nahezu unmöglich. Man wird aber auch da zu irgendeiner Lösung kommen müssen, weil die S.ortenregister in Zukunft auch die Grundlage bilden müs en für den Schuh des geistigen Eigentums des Züchters, das in der Schaffung neuer Sorten liegt.
Der folgende Referent, Hosrctt Professor Dr. v. T s ch e r m a d, W en (Hochschule für Bodenkultur), sprach über das Thema „Lieber seltene Weizen- und Haferbastarde und Versuche ihrer praktischen Verwert u n g". Der Redner illustrierte fein« fad)- wissenschaftlichen Ausführungen mit einer großen Reihe von Lichtbildern, die die Ergebnisse aus den vielseitigsten Bastardierwrgsvecsuchen und eine Anzahl wissenschaftlicher Tabellen zeigten. Weiler gab der Redner spezialisierte Ausschluss« über die Untersuchungen und die prakiischc Verwertbarkeit der gezogenen Bastarde.
Hierauf sprach Prof. Dr. Kraemer. Direktor deS Tierzuchtinstituts an der Universität Gießen, über das Thema „Zur Frage der Entwicklung der Arten". Er wendete sich zunächst gegen die Versuche einzelner Derer- bungStheoretiker, unter Berufung auf die Stabilität der Gene in den Keimzellen di« ganze Abstammungslehre zu erschüttern. Sie ist in der Systematik, der Palaevntvlogie, der Morphologie. der vergleichenden Anatomie und Embryologie, der Tiergeographie und der künstlichen Züchtung so gut begründet, daß die Ergebnisse der Vererbungslehre ihr in den Augen eines ticlfeitig gebildeten Menschen nichts anhaben können. Dagegen bleibt es heute noch eine Streitfrage, wie wir uns die treibenden Kräfte in der Entwicklung der Arten vorstellen l wollen. Die reine Selektionslehre, der Ultra- - darwiniSmus. mit feinem rein zufälligen Daria- * Honen im Körperbau und dem Kampfe ums . Dasein kann daS Raffel nicht lösen, schon aus mathematischen Betrachtungen nicht. Am einfachsten ist die Erklärung des großen W-rdenS durch zielstrebige Abänderungen, veranlaßt durch die Macht der Umwelt. unter Annahme der Vererbung erworbener Eigenschaften. Man tonn die Chromosomen ruhig als „Foci" der Ver- erbungSfunktion auffassen, ohne deswegen zu glauben, daß sie prinzipiell ganz alleine mit der Funktion xu tun hätten und von keinerlei Einflüssen erreicht werden könnten. Wir finden schon bei den einzelligen Wesen ein Sammeln von Erfahrungen und ein Gemen; wir finden schon eine Urfeele, die bei den Gewebetieren
Oberheffen.
Landkreis Gießen.
• Allcndorf (Lahn), 13. 3uni. Heute vormittag gegen 8 Albt ereignete sich hier ein schwerer Unglücksfall. Der 20jährige Adolf U I m wollte, auf einem Fahrrad sitzend, in den Hof eines Gehöftes, in dem er in Arbeit stand, einbiegen. als im gleichen Augenblick ein kleines Lastauto herangefahren kam und den jungen Mann so unglücklich streifte, daß er v o n seinem Fahrrad ftürxte. Bei dem heftigen Sturz erlitt der bedauernswerte junge Mann s chwere Kopfverletzungen und Rippenbrüche, die feine sofortige Uebevfüh- rung in die Gießener Klinik notwendig machten. Die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz in Gießen holte den Bewußtlosen auf ärztliche Anordnung hin ab und verbrachte ihn in die Klinik. Das Fahrrad wurde erheblich beschädigt.
+ Beuern, 13.Juni. Beim Füttern wurde gestern ein hiesiger Landwirt von einem sonst ruhigen und treuen Pferde am Unterleib aebiffen und schwer verletzt. Die Ber° letzungen des bedauernswerten Mannes sind so schlimm, daß die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz ihn nach Gießen in die Chirurgische Klinik überführen mußte.
Länge nach auf den Boden. Als er sich von diesem schmerzhaften Sturz aufraffte, fand er Sneed an feiner Seite.
„Ist er entwischt?" fragte der Inspektor keuchend.
„Ich glaube, ja", sagte Dick. Wut brannte in seinem Herzen. Sie leuchteten den Weg ab und fanden, daß im ganten Obstgarten von Baum zu Baum Drahthindernisse gespannt waren. Der Mord- schütze hatte seine Flucht vorsorglich gedeckt. Sicher hatten sie es mit keinem gewöhnlichen Verbrecher zu tun. Als sie den Garten durchschritten hatten, sahen sie, daß er nur durch einen Graden von einem wogenden Roggenfeld getrennt war. Den Weg fort; zusetzen, lohnte nicht mehr. Sicher gab es mehr als eine Flucktmöglichkeit aus dem Feld.
Enuäuscht und zerbrochen kehrte Dick ins Haus zurück. Wo war Sybil Lansdown? Unaufhörlich stellten feine angstvollen Gedanken diese Frage, und er wußte keine Antwort daraus.
Rach dem Widriaen, das ihn betroffen hatte, er wartete ihn im Hause eine angenehme Ueberraschung. Alle Lampen brannten.
Sergeant Staynes hatte entdeckt, daß die Stahltür des Transformators der Ueberlanbleitung gewaltsam eröffnet und der Strom ausgefchaltet worden war. Durch einfache Drehung des Hahns hatte er den Schaden behoben Dann hatte er nach dem durch, fchnittenen Telephondraht gesucht und die beiden Enden im Garten unter dem Bibliothekszimmer gefunden. Eben batte er die Reparatur beendet. Die Schüsse im Hintergarten hatte er wohl gehört, aber geglaubt, die beiden Kollegen hätten sie abgefeuert Um so mehr war er setzt empört, als er hörte, daß ein Attentat auf ihr Leben geplant gewesen war.
Im Hause hatte Inspektor (Sibert eine systematische Durchsuchung begonnen. Martin und Sneed schloßen sich ihm an, ohne eine wesentliche Entdeckung zu machen. Als sie sich in Mrs. Codys Schlafzimmer befanden, zitterte der Boden unter schweren heran- rollenden Rädern. Ein Lastwagen brachte die ganze Polizeimannfchaft von Chichester an den Tatort
Offenbar hatte Scotland $arb genug gehört, um das unterbrochene Gespräch richtig zu deuten. Eine dringende Aufforderung war an die Polizeidircktion von Suste^crgangcn, die Londoner Kriminalbeamten in voller »lärfe zu unterstützen.
Lnecd wartete ab. bis sich die Polizei im Hause verteilt hatte. Dann fuhr er in der Beschäftigung
„3dj möchte wohl wissen, was hinter den Kohll köpfen hockt?" fragte Sneed flüsternd. „Ein ganzes Regiment Soldaten, eine feindliche Armee...?"
„Rur ein Mann mit zwei automatischen Pistolen", gab Dick ebenso leise zurück. „Ich konnte die Schüsse nicht zählen, es ging zu schnell, aber zwanzig sind es mindestens gewesen."
Sie verbrachten noch einige Minuten in ihrer unangenehmen Lage.
„Ich glaube, wir können jetzt aufftehen. Die Lust ist rein! sagte Sneed.
Dick beschränkt« sich auf ein zweifelndes „Glauben Sie?"
Doch er war der erste, der auf Händen und Knien vorwärts kroch. Es war eine mühselige Fortbewegung. In der einen Hand hiett er die schwere Pistole, die angespannten Halsmuskeln schiic. :;x ihn, die harten Kieselsteine schnitten durch feine Lci.iilelder und rieben die Hände wund.
Aber schließlich fühlte er, daß hier der Kiespfad endete und in den lehmigen Gartenweg überging. Als er in die Höhe blickte, sah er über sich die Zweige der Dbftbäume. Ein Blütenblatt, vom Winde bewegt, fiel leise auf seine Schläfe.
Er lauschte eine Weite. Dann richtete er sich auf.
„Sie können kommen-, rief er zurück. „Es ist alles in Ordnung."
Kaum waren die Worte feinem Munde entflohen, da schoß jemand au» unmittelbarer Rähe eine Pistole in sein Gesicht ab.
23.
Die Kugel skreiste haarscharf an »hm vorüber, ohne ihn au verletzen, doch der Lustdruck des Geschosses, die Röhe der Explosion raubten ihm einen Moment die Besinnung, und er stürzte in die Knie. Als die Betäubung nachlicß. hörte er das Geräusch flüchten der Füße. Das riß ihn wieder empor. Er schwankte, hieU sich und setzte dem Flüchtenden nach. Da stieß er an ein Drahtseil und fiel zum zweitenmal der
Kreis Friedberg.
Z Bad-Rauheim, 12. 3unt Dieser Tag« gab der Baucrfche Gesangverein Gießen unter Leitung seines Ebormcisters O. G ö r l a ch auf der Terrasse nachmittags und abends unter Mttwirkung der Kurkapelle Kon- zerte, die ein vorzügliches Können der Gießener Sänger verrieten: sie ernteten starken Beifall. — Marburger Mediziner besuchten gestern das Bad. auch eine Anzahl chinesischer Acrzte weilte studienhalber hier. Den auswärtt- gen Besuchern tpurten die Betrieb« d«s Bad«S unter sachkundiger Führung erläutert.
Kreis Büdingen.
„T 2idd2. 11. 3unt Sein 50 jährrges ArbeitSjubiläum im Dienste der Him- melSbach'chen Holzindustrie konnte gestern der Betriebsleiter Meyer hier begehen. Zu Ehren des Jubilars, der sowohl beruflich als menschlich 'ich höchster Wertschätzung erfreut und weit über die Grenzen seines Wirkungsbereiches hinaus bekannt ist. versammelte sich die Beamten- und Arbeiterschaft im .KarlShvf", wv sie von der Firma bewirtet wurden. An die Kinder wurden Brezeln verteilt. Eine Musikkapelle konzertierte. Der Männe rgesongverein ,Eintracht" (CichelS- borf). dellen Ehrenmitglied der 3ubilar ist. verschönte die Feier durch gut wiedergegebene gesangliche Darbietungen. Ser 3ubilar leitete während mehrerer 3ahrzehnte das Sägewerk der Firma 3. Himmelsbach in SichelSdvrf. Rach Verlegung des Hauptwerks nach Ridda siedelte er dahin über. Roch jetzt steht er in körper- licher und geistiger Frische, mit wirtschaftlichem Weitblick an der Spitze des großen Unternehmens, das fast 400 Arbeiter beschäftigt.
J:j Bindsachs« n, 12. 3unL Dieser Tag« fanden hier die Jugend-Wettkämpfe des Bezirkes Büdingen von der Deutschen Turnerschaft statt. Morgens wurde ein Festgottesdienst abgchalten. dann begannen die Wettkämpfe. Die Kampfrichter hatten schwere Arbeit, denn es wurden von vielen gleichwertigen Tümern sehr gute Leistungen gezeigt. Mittags bewegte sich ein stattlicher Festzug nach dem Festplah, wo die Massenfreiübunaen unter der Leitung des Herrn Dr. Sigrist von Stockheim vorgeführt wurden. Abends war die Preisverteilung. Die drei ersten Preise fielen nach Büdingen, Stockheim und Gelnhaar.
„?" 21 u 3 b e m 71 i b b a t a 1.12. 3unt Rach den Regentagen, die dem Landwirt sehr willkommen waren, hat überall das Setzen der Dick- wurzpflanzen begonnen. Man beeilt sich, damit fertig zu werden, um bei Eintritt günstiger Witterung in der Heuernte nicht behindert zu fein. D«xeits in der Borwoche wurden vereinzelt Wielen gemäht, namentlich solche, die in Ortsnähe liegen. 3n nächster Woche wird, geeignetes Wetter vorausgesetzt, allgemein mit dem Grasschnttt begonnen werden. — Die beiden Hirsche, die schon anderwärts beobachtet wurden, zeigten sich auch in vergangener Woche in den Waldungen östlich der Ridda. Es ist an- Aunehmen, daß die verirrten Tiere ihr heimisches Revier zu erreichen suchen, wenn sie nicht vorher eine Kugel trifft
Kreis Schotten.
rI Laubach, 12. Juni. Am Sonntagnach« mittag wurde der sog. Ausschuß, das Lau- bacher Rationalfest, daS sich auf drei Tage erstreckt, auf der „Hülle", dem alten Marktplatz, zwischen der Hungener Straße und der Wetter, mit allgemeiner Volksbelustigung (Konzert, Tanz unter der Linde, Karussell, Schiehouden usw.- eröffnet. Trotz deS ungünstigen Wetters hatten sich zahlreiche Festgäste von nah und fern in den Zelten versammelt. Das Fest erinnert an den alten Heerbann. Der „Ausschuß" stellt die „ousgeschossene" (ausgewählte) Mannschaft dar, die regelmäßig eingezogen, .in den Waffen geübt und durch einen »Ausschuß-Hauptmann" inspiziert wurde. Aus der Vermischung dieser Inspektion mit dem Preisschießen der Laubacher Schützenailde ist das heutige Laubacher Ausschuß- fest verbunden. Gs beginnt immer am zweiten Sonntag vor 3ohanni. Rach alter Sitte traten morgens die einzelnen Srkffonen, 13 an Zahl, auf dem Marktplatz unter ihren Hauptführern zusammen. Der Schützenkönig vom vorigen Jahre, der sog. „H a m m e l s ch u h e". Landwirt K n ö ß, trägt das alte Schützenkleinod von 1540. Mit Musik und wehenden Fahnen setzte sich der stattliche Festzug von gegen 400 Mann nach dem Schloßhof in Bewegung. Der AuSschuß-HauPt
fort, in der er bei ihrer Ankunft gestört worden war. Er hatte ein geschnitztes, indisches Kästchen unter Mrs. Codys Lett hervorgezogen und probierte mit einem im Nachtisch gefundenen Schlüsielbund daran herum.
Endlich schien er den passenden Schlüssel dazu ge- sunden zu haben. Der Deckel sprang auf. Das Käst, chen war bis zum Rande mit Briefen, allen Rech- nungen, zerfaserten Theaterzetteln und vergilbten Tanzkarten gefüllt. Sogar ein gepreßtes Sträußchen lag dazwischen. Interessiert beugte sich Dick zu ihm nieder.
„Sehen Sie," sagte oneed, zu ihm aufblickend, „ein Herz mag noch so vertrocknet sein, irgendwo bewahrt es doch einen Funken von Romantik."
Er reichte ihm ein Bündel Briefe, das mit einem Scidenbändchen verschnürt war.
„Nehmen Sie das? Ich sehe den Rest durch."
Dick löste das Band, und sofort fielen ihm zwei Briefe in die Hände, die mit steiler kindlicher Handschrift bedeckt waren und die Unterschrift trugen: Dein Neffe Johnny.
„Und ich dachte, sie hätte außer Tom Cawler keinen Neffen gehabt!"
„Wieso nicht? Trauten Sie ihren Geschwistern nicht mehr Nachkommenschaft zu?" fragte Sneed trocken.
Sie durchblätterten die Korrespondenz ber Toten. Ein paar Minuten des Schweigens vergingen.
„Hier finde ich eben einen Brief, in dem auch Tom Cawler erwähnt wird. Alfo hot der Chauffeur doch einen Bruder gehabt!"
Sneed legte den Brief auf den sortierten Haufen.
„34 möchte wohl wissen," grübelte er mit gefurchter Stirn, „wo dieser Tom Cawler steckt? Die übrigen Dienstboten wird man aus dem Hause entfernt haben — aber Cawler ein I für ein U vorzumachen, das dürfte schon schwieriger sein. Ich lasse jetzt das ganze Gelände noch ihm obsuchen. Noch bin ich nicht sicher, daß er nichts mit dem Morde zu tun hot."
„Tom Cawler ein Mörder?" fragte Dick ungläubig. ..Do bleibt da Ihre Menschenkenntnis? Ich würde Tommy keinen Brillantring und keinen silbernen Löffel anocrtrauen. mein Leben jeden Moment?"
So leicht ließ sich Sneed nicht überzeugen. Er wiegte zweifelnd den Stopf: „Qui vivra. verra.“
mann begrüßte den Graten und di« erlaubt Familie und brachte ein dreifaches Hoch auf das GrafenhouS aus. Der Graf dankte herzlichst, hob die Bedeutung des .Ausschusses" als echtes Hei- maffest hervor und ließ die Stadt Laubach und ihre Bewohner dreimal hochleben- Hierauf nahm der Festzug feinen Weg durch dos Hintere Schloß- tor und bewegte sich zum Ferplay. An der Spitz« marschierte der vom Grälen gestiftete, laubge- fdnnüdte Hammel dann folgten 22 .Gaben" (Preise). Auf dem Feltplatze begann alsbald das Preisschießen nach Sektionen. Es wird auf der anliegenden Anhöhe, dem .Hällenbcrg" von der alten Schießhalle aus gelchosien. und ^war auf di« .Hammelsch«tbe" und b;t .Gabenfcheib«". Aus der Haminelscheibe gilt der Wettbewerb den gräflichen Stiftungen, dem Hommel und dem von der Gräfin gestifteten Frauenil.ide. — 3n der Stadt find dte Wafern so heftig ausgetreten, daß die beiden untersten Stassen der Stadtschule geschlossen werden mußten.
.7* Sinartshausen. 12. 3unl Unsere in diesem Frühjahr erbaute Wasserleitung Ist seit etwa 14 Tagen in Betrieb genommen. Damit hat eine der letzten Gemeinden deS Kreise-. die seither noch unversorgt waren, Waller- versorgung erholten. Sie t>ct)ögrttr- sich dadurch. daß keine hochgelegene Quelle dienstbar zu machen war. Endlich entschloß man sich, die im Ortsbereich befindlichen starken Quellen au fassen und ein Pumpwerk anzulegen, so daß die Gemeind« fjlnrekttenb mit Wasser versorgt werden konnte. Die neue Wasserleitung wird namentlich von denen sreudig begrüßt, die von ihren hochgelegenen Wohnungen seither täglich vtehr- mals weite Wege zu den tiefgelegeneu Brunnen zurückzulegen hatten.
Kreis Alsfeld.
-er. Homberg a. d. Ohm. 12. Juni. Gelegentlich des dieSiahrigen Prümlenmarkte- wartete auch der Reitervereln, eine sportlich« Bereinigung, mit fernen interessanten Darbietungen wieder auf. Ungefäfjr 60 Reiter nahmen an den Vorführungen teil. Sie gehörten den Reitervereinen Geilshausen, Ober»®k«n, Rieder- Ohmen und Büßfeld an. Die Vorführungen ließen gegenüber dem Vorjahre einen bedeutenden Fortschritt erkennen. Schon am Tage vor dem Prämienmarkte hatten die Vorprüfungen im 2£6tei(ungSTciten auf den eigenen Reitplätze» stattgefunden mit dem nachstehenden Grgebni-: 1. Abteilungswettbewerb Klass« A. 1. Dreis Ober-Gleen. 2. Düh eld 1, 3. Rieder-Oymen. 2. Reiterprüfung Klasse A. S4 wurde zwischen Anfängern und Forlgrschrittenen besonder- gewertet. 1. Preis 3ul. Vock. Abt. Büßfeld lDorgeschrittcne). 2. Frtedr. Decker, 2Lt. Düß- seld, und Karl Becker, 2lbt. Oder-Gteen. 3. Kari Dörr, Abt. Büßteld (Borgcschrittene). 4. Aug. Becker, 2lbt. Büßfeld. 5. Gottfr. Christ, Abt. Büßfeld. 3 3agdfpringen Klasse A. a) Abteilung für Kaltblüter. 1. Preis Hch. Wilhelm. Abt. Büßfeld. 2. Hch. Dock. Abt. Büßfeld. 3. Wilh. Decker, Abt. Ober- Gleen. b) Abt. für Warmblüter. 1. Preis Wilh. Krug. 2lbt. Geilshausen. 2. HanS Schenck, Abt. Ober-Gleen. 3. K. Decker. Abt. Ober- Gleen. 4. K. Erb, 2lbt. Meder-Ohmen. 5. Ad. Röcker. 4. Sattelrennen. 1. Preis Grupp« Obcr-Dleen. 2. Gruppe Geilshausen. Während deS Wettbewerbs war der Sportplatz von einer großen Menschenmenge umsäumt, dte mit ihrem Beifall nicht geizte. Um 18 Uhr sand di« PreiSv«rteilung statt. Die Stadt Homberg sowie Freunde und Gönner der Reitervereine hatten stattliche Preis« gestiftet.
Preußen.
Schweres Einsturzunglück.
Limburg, 12. Juni. (WB.) Im benachbarten E l z ereignete sich heute abend in der Ringofenziegelei (Sulinger & Arnold ein schweres Unglück. Bei Ausschachtungsarbeiten stürzte plötzlich ein Tunnel ein und begrub drei Arbeiter unter sich. Nach mühsamen, sofort ausgenommenen Rettungsarbeiten, die sich bis nach Mitternacht hin- zogen, gelang es, einen Arbeiter noch lebend, wenn auch mit schweren Verletzungen, aus den Erd- masten herauszugraben. Die beiden anderen konnten nur noch als Leichen geborgen werden. Wie dos Unglück enfftanüen ist, steht noch nicht fest.
Dick hörte nicht mehr hin. Er hatte einen Fund gemacht, der ihn im höchstem Maße intcrelflerte. (Es war ein kurzer Bries in krauser Handschrift.
Liebe Mrs. Cawler!
Ich habe eben mit Staletti gesprochen. Er war in qroßer Erregung und erzählte mir, daß Lord Sestord ernstlich erkrankt ist. Bitte, teilen Sie mir doch mit, rote es mit ihm steht. Sie müsten t» ja '^ließllch am besten wissen. Ich ztttere vor Ungeduld, wenn ich daran denke, wieviel von den nächsten Tagen für uns ab hängt. Schreiben Siek Schreiben Sie!
Ihr getreuer
H. Bertram.
Dick zeigte dem Inspektor den Brief.
„Es ist Codys Handschrift", sagte er. „Au» seinem Notizbuch kenne ich sie genau. Darum hieß er damals Bertram und heute Cody? Das muh doch einen tieferen Grund haben?"
Er starrte auf den Brief, den ihm Sneed zurück- gegeben hatte.
„So waren sie also alle miteinander bekannt — Cody, Mrs. Cody, Staletti, der alte Lord Gclforb. Ein geheimnisvolles Band umschlang sie ... Welcher Art mochte es sein? Cody hat es bei feinen Lebzeiten geleugnet."
.Kunststück", lachte Sneed böse. „Die Angst vor dem Henker saß ihm im Nacken!"
Dick las Brie, um Brief, aber keiner warf ein neues Licht in das Dunkel. Doch als der Kasten schon beinahe geleert war. fand er ein wichtiges Dokument, Mrs Codys Trauschein.
,^)rn," sagte er, über den wenigen amtlichen Zeilen brütend, „sie heirateten acht Monate noch dem Ableben Lord Selsords. Stolettt war ein Zeuge William Brown der zweite. Wer zum Teufel ist nun wieder William Brown?"
„Suchen Sie ihn nicht im Adreßbuch." riet der In- fpefior scherzhaft, „sonst hocken Sie noch im nächsten Jahr darüber. Ich sag« Ihnen, es gibt mehr William Browns in London, als Haare auf meinem Kopf" Und er fuhr sich mit ber Hand über den Schädel.
Die Durchsuchung war beendet, das Kästchen barg keine Geheimnistc mehr. Dick lehnte bleich und erschöpft in einem Sessel. Seine Augen starrten trostlos ins Leere.
(Fortsetzwrg folgt.) /


