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Nr. 157 Zweites Blaff

Siebener Anzeiger (Generai-Anzeiger für Gberhesien)

Mittwoch, 15. Juni 1928

Die Minderheitenschulen in Oberschlesien.

Di« Rotgänge am letzten Tage bet Genfer Ratstagung sind in der .Pille der wie üblich zusammengedrängten Sreignii'e in ihrer ganzen Tragweite zunächst nicht richtig überleben worden. Sine genaue Rachvrülung aber zeigt, daß es sich dabei um einen bemerkenswerten deutschen Er- folg handelt, den zu registrieren wir für ange­bracht halten. Mit Ausnahme eines einzigen von den 6 deutschen BZchwerdepunkten näm­lich einer Rechtsfrage mit Bezug auf das Win- derheiten-Lyzeum in Königshütte ist die Ent­scheidung de» Völkerbundes durchweg im Sinne der deutschen Auffassung gefallen.

Drei Anträge auf Errichtung von Minder- heitenfchulen in Biertullovy (Bicrtultau), Gier al - towice und Stara Wie-, die vom Präsidenten der Gemischten Kommission im Sinne der Antrag­steller entschieden und von Polen abgelehnt wor­den waren, hatten den Hauptanlaß zu der pol­nischen Tkrlugung gegeben, wonach alle An­träge für ungültig erflärt wurden, in denen als Muttersprache .Deutsch und Polnischs' an­gegeben war. Das vom Rat eingesetzte Dreier- somitee hatte folgende Fassung für den Bericht des Rats voracichlagrn

A. Der Döllerbundsrat beschließt, bah in Zu­kunft die Erklärungen Erziehungsberechtigter be­treffend Sprache der Kinder von folgenden drei Prinzipien geleitet sein sollen.

1. Iede Person, die Antrag stellt, fei es auf Errichtung einer Minderheitenschule, sei eS-aus Zulassung emes Kindes zu schon bestehender Schule, muß gemäß ihrem Gewissen und unter eigener Verantwortlichkeit erklären, welche- die Sprache des Kindes ist, für besten Erziehung sie verantwortlich ist. Die Erklärung muh da- wie­dergeben, was der Erziehungsberechtigte für die .Situation de fait" hält Diese Freiheit der Erklärung über die Sprache bcÄ 5wiDw stellt, obwohl sie einen gewissen Spielraum in der Abschätzung der Umstände mit sich bringt, keine unbegrenzte Möglichkeit dar, die Sprache, in der da- Kind unterrichtet werden soll, und die entsprechende Schule zu wählen.

2. Die polnische Regierung ist berechtigt, zu Minderheitenschulen bieienigen Kinder nicht zuzu­lassen, Deren Sprache nach Erklärung von Er­ziehungsberechtigten nur das Polnische ist, ober bezüglich deren Sprache Erllärung fehlt.

3. Polnische Behörden dürfen Srllärung ver­antwortlicher erziehung-berechtigter Personen über die Sprache Der Kinder keiner Nachprüfung, Bestreitung, Druck und Beeinträchtigung in ir­gend einer Form unterwerfen.

B. Der Rat fordert bie polnische Regierung auf. darauf hinzuweisen, daß sie neue An­träge auf Errichtung einer Minderheitenschule stellen können. Auf die neuen Spracherllärungen, die die Anträge zu begleiten hätten, mühten die drei vorher erwähnten Prinzipien angewandt werden.

Diese Srllärung hat der polnische Vertreter, der Außenminister Z a l e s k i zur Kenntnis ge­nommen und dabei ausdrücklich festgestellt, dah Artikel 131 der Genfer Konvention das Ver­bot für die polnischen Schulbehörden in sich schlicht, die für die Einschulung in die QHinber- heitsschulen abgegebenen Erklärungen nachzu- prüfen ober z u bc ft reiten. Durch die einstimmige Annahme de- Berichts hat sich ber VöllerbunbSrat voll inhaltlich auf ben Stand­punkt gestellt, der bisher stet- von dem Präsi­denten der Gemischten Kommission. 6aIonber, und von deutscher Seite vertreten worden ist. Man bars also hoffen, bah nunmehr die Frage der Minderheitenschulen volltommen geregelt tft Der deutsche Delegierte Staatssekretär d. Schu­bert bat in einer programmatischen Erklärung die internationale Bedeutung de- Minderheiten­problems an sich unterstrichen. Er hat dabei festgestellt, dah e- sich nicht um gewöhnliche

vertragliche Stipulationen zwischen zwei Staaten handelt, die nach Belieben geändert werden lönntcn. sondern um eine Institution von h.

internationalen Rang Ünb es scheint, als ob mindestens bei der Entscheidung der Schulfrage allgemeines Verständnis für diese Feststellung aufgefeimt wäre Vielleicht wird sich da- in ben Beziehungen zwischen Deutschland und Polen demnächst günstig au-wirlen.

Bund hiknoerlehtek Krieger.

WSR. Frankfurt a. M.. 11.3uni. Auf die Bedeutung der Pflege ber hirnverletzten Krieger, deren un allgemeinen wenig gedacht wird, da sie bie unter ben Kriegsverletzten sind, bie am wenigsten aussallen und dennoch gerade am schwersten in ihrer SrwerbStätigkett bedroht find, w e- gestern die Tagung des Bun­de- ber hirnver letzten Krieger in der Deschlechterstube hin Auch die Regierung von Wiesbaden hatte einen Vertreter entsandt, bet das Interesse und bie Bereitwilligkeit, bei Lö­sung bes Problem-, ber Fürsorge zu helfen.

bekundete. Prolestor Dr. Goldschmibl. eine auf dem Gebiete der Hirnverletzungen erfahrene und anerkannte Kapaziläl, schilderte bie Bestre­bungen. gerade diese Kriegsbeschädigten bei ihrem schwierigen Ertstenzkamps zu umerstützen. Seiner Ansicht nach ist es nur möglich durch Schaf­fung von Heimen, wie sie bi- jetzt nur in München und in Frankfurt a. W. bestehen, diesen öeibenben. deren Wundbehandlung teilweise heute noch nicht abgeschlossen sei, Hilfe zu brin­gen. Der Redner forderte aber weiter, dah die Verletzten auch nach ihrer Entlassung ständig unter behördlicher Kontrolle stehen, damit alle Schädigungen frühzeitig vermieden werden kön­nen. Ern wichtiger Punkt ist bie Rentner- fürforge. Hier dürfe man nicht bad all­gemeine Schema bet prozentualen Arbeitsunfähig­keit antrenben, da jeder Hirnverletz.e, selbst, wenn er nur sehr selten Anfälle hat, von vornherein stärker geschädigt ist al- jeder andere KriegS- oerletzte. Desgleichen sei unbedingt zu vermeiden, dah Hirnverletzte in ben allgemeinen Irren- und Pflegeanstalten untergebrachl würden.

Gesellschaft zur Förderung deulscherpflanzeiWchi.

wirtschaftlichen Organisationen de- Reiches und der Länder, die Vertreter der Presse, auf deren äknterstützung die Gesellschaft besonderen Wert lege, und all die anderen zahlreich Versammelten.

Die Grühe und IubiläumS-Glückwünsche der Hessischen Landesuniversität brachte anschliehend Sc. Magnisizenz der Rektor Pros. Dr. Bo­senberg in herzlichen Worten zum Ausdruck. Auch er heb hervor, dah Giehen llassisch-histori- scher Boden für die LandwirtschaftSwissenschaft sei, und er erinnerte in diesem Zusammenhang an IustuS v. Liebig und Albrecht T h a e r. An der hessischen LandeSuniversität habe von jeher die Landwirtschaft ein besonderes Gebiet gehabt, dem die Regierung stets ihre Pflege und Fürsorge habe angedeihen lassen in Der Erkenntnis der hohen Bedeutung der Land­wirtschaft im Rahmen der deutschen Volks­wirtschaft. Er begrühte diese Tagung der Gesell­schaft mit besonderer Freude, denn die Gesell­schaft erstrebe dasselbe Ziel, bem auch bie Herren deS (Siebener Landwirtschaftlichen In­stituts mit ihrer wissenschaftlichen Arbeit nach­streben: Deutschland in seiner Ernährung un­abhängig und frei vom Auslande au machen. Wer dabei mithelfen wolle, müsse Die Gesell­schaft zur Förderung deutscher Pflanzenzucht un- lerfrühen.

Im Ramen des Reichsministeriums für Ernäh­rung und Landwirtschaft sprach Dann Ober- rcgicrungÄrat Dr. Moritz. Für die Hessische Regierung sprach Ministerialdirektor Hebel, namens des preußischen Ministers für Landwirt­schaft, Domänen und Forsten Ministerialrat Dr. Miquel, im Auftrage ber Hessischen Land­wirtschaft sk am mer und Der Deutschen ßanDtolrt- schastSgesellfchaft Generaldirektor Dr. Hamann (Darmstadt). Sämtliche Redner verbanden mit ihren Grützen *ur Iubiläumstagung die herz­lichen Glückwünsche der von ihnen vertretenen Behörden bzw. Korporationen, und sie brachten weiterhin mit toarmen Worten ber Anerkennung zum Ausdruck, dah die Gesellschaft zur Förde­rung Deutscher Pflanzenzucht sich im Laufe ihre- 20jährigen Bestehen- hohe Verdienste um Die Landwirtschas tswif fenfchas t und Darüber hinaus um Die praktische Landwirtschaft erworben hat. Oberbürgermeister Dr. Keller entbot Der Ta­gung zugleich mit herzlichen Glückwünschen Den Willkommengruß der Stadt Giehen. Der Vor­sitzende L. Kühle sprach den Rednern Den Dank Der Gesellschaft aus und versicherte. Dah Diese sich auch weiterhin mit unermüdlichem Gifer Der Erfüllung ihrer Ausgabe widmen werde. 3m Anschluß an die Ansprachen nahm ber Dekan ber Philosophischen Fakultät unserer Landesuni-

Am Montag und am gestrigen Dien-tag hielt die Gesellschaft zur Förderung deut­scher Pflanzenzucht ihre diesjährigeWan- derversamrnlung. die im Hinblick auf da- 20- jährige Bestehen ber Gesellschaft zugleich Iubi- läum-tagung war. in unterer Stabt ab. Die Tagung war auS allen Teilen bes Reiche- sehr gut besucht

Rachdem eine ordentliche Hauptversammlung für die Mitglieder am Montagvormittag Im großen Hörsaal des Landwirtschaftlichen In­stitut- ben engeren DereinSangelegcnheiten ge­golten hatte, würbe am Montagnachmittag bie

wissenschaftliche und Iubiläumstagung in der kleinen Aula der Universität eröffnet. Der Begründer und langjährige Vorsitzende der Gesellschaft. Ludwig Kühle in Quedlinburg, betonte in seiner Eröffnungsansprache, dah Die Gesellschaft gerne wieder nach Giehen gekommen sei. nachdem sie zuletzt im Iahre 1911 hier ge­tagt habe. Mit besonderer Freude fei Die Iubi­läumstagung nach Giehen einberufen worden, der Forschungsstätte, von der aus Die Land­wirtschaft Der ganzen Welt gründ stürz end um» gestaltet wurde durch die Lehren des großen Liebig, die da- Fundament Der Landwirtschafts­wissenschaft geworden seien Man sei sich bewußt, dah man in Giehen auf einem für die Land­wirtschaft-Wissenschaft geweihten Boden stehe. Der Redner teilte dann mit, dah Ni Der Haupt­versammlung am Vormittag Die neue Sat­zung zur ForDerung Der Deuts chen Pflanzenzucht angenommen worden sei, Damit beginne eine neue Epoche in Der Geschichte Der Gesellschaft. Er be­grüßte Dann al- Hausherrn deS TagungS- gebäudes Se. Magnifizenz Den Rektor Prof. Dr. Rosenberg unD Den zahlreich vertretenen Lehrkörper Der Landesuniversität. Den Vertre­ter Des Reichsministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, OberregierungSrat Dr. Moritz, den Vertreter Der preußischen Regierung, Mi- nlftcrialrat Dr. Miquel vom preußischen Mi­nisterium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten, Ministerialdirektor U c b e I al- Vertre­ter des hessischen Ministeriums, Abteilung für Ernährung und Landwirtschaft, Oberbürgermei­ster Dr. K c l l e r als Vertreter der Stabt Gießen, Generaldirektor Dr. Hamann von der Hess. Landwirtschaftskammer, und als Vertreter der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft, Prof. Dr. S e s s o u S . Direktor deS Institut- für Pflanzenbau und Pflanzenzucht an ber LandeS- unioerfität, als treuen Freunb bet Sache der Gesellschaft, die zahlreichen Vertreter der lanb-

fagte

Es ist wirklich wahr!

Sin unbekanntes Märchen.

Don Dans Christian Andersen.

.Ss ist eine fürchterliche Geschichte!

ein Huhn, und zwar drüben am wideren Ende ber Stabt, ba, wo die Geschichte nicht passiert war. .ES ist eine fürchterliche Geschichte im HühnerhauS! Ich traue mich heute nacht nicht allein zu schlafen! Rur gut. baß wir so viele auf der Hühnerstange find!" UnD Dann er­zählte es. baß sich bei Den anderen Hühnern Die Federn sträubten und der Hahn den Kamm fallen ließ. SS Ist wlrllich wahr!

Aber wir wollen mit dem Anfang anfangen, und ber war am anderen Ende Der Stabt in einem HühnerhauS. Die Senne ging unter und die Hühner flogen hinauf. Eins von ihnen, es war toeißgefiebert und kurzbeinig, legte seine reglementierten Sier und war, alS Huhn, über alle Maßen respektabel. AlS eS auf die Stange kam, putzte eS sich mit dem Schnabel, und ba fiel ißm ein kleines Federchen auS.

.Futsch ist siel" sagte eS. ..je mehr ich mich putze, desto schöner werde ich noch!" Dies war mm im Scherz hingesprochen: Denn diese- Huhn war da- muntere Element unter Den Hühnern, im übrigen jedoch, wie gesagt, äußerst respek­tabel. Und Dann schlief eS ein.

Finster war es ringSumher. Huhn faß neben Huhn, und da». waS unserem Huhn am nächsten faß. schlief nicht: eS horte und horte auch nicht, wie man ja in dieser Welt tun soll, um in Buhe leben zu können. Aber zu seiner anderen Rachbarin mußte e- doch sagen: .Hörtest Du, was hier gesprochen wurde? Ich nenne nie­mand, aber eS gibt ein Huhn, das sich rupfen will, um gut auSzusehen: wäre ich Der Hahn, so wollte ich eS verachten.

Und oben, gerade über Den Hühnern, faß die Eule mit ihrem Eulenmann und den Eulen- ftnbem. Sie hatten scharfe Ohren in der Fa­milie: sie horten jede- Wörtchen, was das Rach­barhuhn sagte, und sie rollten mit Den Augen, und Die Eulenmutter fächelte mit Den Flügeln: .Hört nur nicht darauf hin, aber ihr konntet ja wohl hören, was ba gesagt wurde? Ich hörte es mit meinen eigenen Ohren, und man muß viel hören, ehe sie abfallen! Da hat eins von den Hühnern in solchem Grade vergessen, was fick für ein Huhn schickt, baß es da sitzt und sich alle Federn ausrupft und Den Hahn zu» sehen läßt

Prenez garde aux enfants! sagte der Eulen­vater, .daS ist nicht- für Die Kinder!"

.Ich muß eS doch der Rachbarin erzählen! Sic ist eine so achtbare Eule im Umgang I" Und dann flog Mutter.

.Huhu! Uhuh!" tuteten fie beide, und zwar gerade hinunter zu den Tauben in RachbarS Taubenschlag. .Habt ihr schon gehört, habt ihr schon gehört? Uhuh! Ss gibt ein Huhn, daS sich alle Federn au-gerupst hat, wegen des Hohns! ES wird erfrieren, wenn eS da- nicht schon getan hat uhuh!"

.Wo? Wo?" gurrten die Tauben.

.Im Rachbarkwfel Ich habe efl so gut wie selbst gesehen! Es ist beinahe unanständig, so etwa- nur zu erzählen! Aber es ist wlrllich wahr!"

.Wahr, wahr, jedes einzige Work!" sagten die Tauben und gurrten hinab in ihren Hühner- hof. .Ss gibt ein Huhn, ja manche sagen sogar, eS gibt Awei, die sich alle Federn abgerupft haben sollen, um nicht wie die anderen auS- zusehen und so die Aufmerksamkeit deS Hahns au erregen. DaS ist ein gewagtes Spiel, man rann sich erfüllen und am Fieber sterben, und sie sind auch beide gestorben!"

.Wacht auf! Wachtz auf!" krähte ber Hahn und flog auf den Bretterzaun. Der Schlaf faß ihm noch in den Augen, aber et krähte trotz­dem: .SS sind drei Hühner an unglücklicher Liebe zu einem Hahn gestorben: fie haben flch alle Federn au-gerupst. Es ist eine garstige Geschichte, ich will fie nicht bei mir behalten: laßt sie weitergehen!

.Laßt sie weitergehen! pfisfen die Fleder­mäuse. und bie Hühner gluckten und bie Hähne krähten: .Rur weiter! Rur weiter! Unb so flog die Geschichte von Hühnerhaus zu Hühner­baus und zuletzt zurück an Die Stelle, von Der sie eigentlich auSgegangen war.

.Ss waren fünf Hühner,' hieß es. die sich alle Federn ausgerupst haben, um zu zeigen, welches von ihnen am magersten geworden wäre aus Liebeskummer um den Hahn. UnD Dann hackten fie aufeinander loS, bis daS Blut floß, und fielen tot um zu Scham und Schande für ihre Familie und dem Besitzer zu großem Verluste."

Und das Huhn, das die lose, fleine Feder verloren hatte, erkannte natürlich seine eigene Geschichte nicht wieder, und da es ein respek­tables Huhn war, sagte es: .Ich verachte diese Hühner! Aber es gibt mehr von der Sorte! So etwas soll man nicht totschweigen, und ich gebe das meinige dazu. Daß Die Geschichte in Die Presse kommt und im ganzen Land ver­

breitet wird: das haben die Hühner verdient, und ihre Familie mit!"

Und eS kam in die Zeitung, und eS wurde gedruckt, und eS ist wirklich wahr: eine Heine Feder kann gut zu fünf Hühnern werden.

(Ins Deutsche übertragen von L. Tronier-Funder.)

Gießener Siadiiheaier.

Ludwig Hirschfeld und Paul Frank: Stiefmama".

Das zweite Gießener Gastspiel des Bad- Rauheimer Kurtheater- versetzte unS ein Schwänllein, daS sich alS Lustspiel ausplustert, aber über seine wahre Ratur unmöglich Hin­wegtäuschen kann.

Schon die Dovpelautorfchaft spricht fast immer für die harmloseste und sommerlichste Gattung heiteren ThcaterspieleS. Und außerdem die ver­wickelten FamUlenangelegenheiten und die Sucht nach hartnäckiger Vertauschung der Rollen. End­lich dies ist das alleruntrüglichste Merk­mal: die uralte und möglichst handgreifliche Drastik der Situation.

Zum Beispiel: wenn sich einer in einem Stück neben ben Stuhl setzt, statt daraus . . . oder toerm einer, rebebebürftig und exaltiert, von seinem Sessel ausstehen mochte und immer wie­der aus halbem Wege vom körperlich überlege­nen Partner sanft auf seinen Sitz zurückgedrückt wird. . . oder wenn jemand auf dem Tisch steht und mit Dem Taschentuch selbstvergessen der tm oberen Stockwerk entschwundenen Liebsten nachwinkl .während sich unten daS Zimmer mit Leuten füllt, die den Winkenden für einen armen Geisteskranken halten müssen .... barm, o Theaterbesucher, kannst du sicher fein: e- ist ein Schwank. Auch wenn die Autoren im Grunde ihres Herzen- ftch um ein Lustspiel bemüht ha­ben. Du kannst dich daraus verlassen.

Erste Ehe und zweite Ehe. Gnädige Frau hat auS erster Ehe schon eine immerhin zur jungen Dame herangereifte Tochter. Außerdem pit sie einen Freund. Die plötzlich zu Besuch kommende Tochter ist, eben des Freundes wegen, unbequem. Was tut die gnädige Frau? Sagt: sie sei gar nicht die Mama, sondern die Stiefmama (da- schadet nicht-). Der Stiefpapa hingegen sei gar nichtftieT, sondern der leibliche Erzeuger. (Bei Männern kommt es nicht so genau Drauf an.) Verwechselt, verwechselt das Bäumchen.

Run, der Schwindel kommt natürlich bei näch­ster Gelegenheit heraus. Stiefpapa (der richtige)

versität. Prof. Dr. Rubin, bie gestern bereits gcmclbctc Shrenprom otion de- Vor­sitzenden Ü. Kühle vor. bei Der die Ver­sammlung mit starkem Bei all ihre Ucbtrtinftim- mung mit unlerer Alma mater in ber Ehrung des verdienstvollen Vorsitzenden Dielet landwirt­schas t-wissenschaftlichen Gesellschaft zum Aus­druck brachte.

Rach c.ncr kurzen Pause hielt der Direktor des Instituts für Pflanzenbau und Pflanzen­zucht an der llnlDcrlität Diesten. Pros. Dr. SesfouS. Den ersten Vortrag Der Taguni über das Thema .Der Wert de- deutschen A u S l es e ve r s a hren S". De» Redner teilte im Rafrnen seine- Fachreferats u. a mit. baß er wr Klärung Der von ihm behandelten Frage 58 RunDIragen an Züchter verschickt und Da» auf von 51 Herren Antworten mit zum Teil sehr eingehenDer Begründung erhalten habe. Die Rcußerungen Der Züchter Deutete der Redner nach Sebdbcrung seiner eingehenden Unter- suchungen für Die 'Beibehaltung und IDeiter- fübrung des gegenwärtigen Verfahren-

Die 'Teilnehmer an Der Sitzung begaben sich hierauf zum Botanischen Garten, Der unter Der Leitung seine- Direktor-, Professor Dr. Küster, belicht,gl wurde Am Abend ver­einigte man sich zu einer gemeinsamen Tafel im Saale DeJ Geselllchaf 1 -verein-.

Der Vorsitzende Dr. Kühle feierte in einer Tischrede die Harmonie zwischen landwirtfchast- licher Wissenschaft unD Praxi-, wie fie in dieser Vereinigung so wunderbar zutage trete. Pro- vinzialdirektor Graes sprach über das Verhält­nis zwischen Beamten und Landwirtschaft, die er wieder eng zu einander in Verbindung gebracht wissen möchte, und anschließend über die wirt­schaftliche Struktur unserer Provinz. Anknüpsend an diese wirtschaftliche Betrachtung sprach Ge­neraldirektor Hamann gleichfalls über die wirtschaftlichen Unterschiede zwischen Dem Vo­gelsberg und der Wetterau er -erseitS. Star­kenburg und Rheinhessen andererseits: aiSGruh auS Rheinhessen ließ die LandwirtfchastSkammer dann rheinhessischen Wein kredenzen. Geheimrat von Rümlcr feierte den Vorsitzenden und Ehrendoktor Kühle, sowie Die Ehrenmitglieder der Gesellschaft, dabei insbesondere da- an­wesende Ehrenmitglied Geheimrat Edler. Im Anschluß an diese Tischrede dankte Geheimrat Edler und ließ feine Worte au-klingen in einem Trinkspruch auf die Damen.

Der zweite lag.

Der gestrige Dienstag war ber wissenschaft­lichen Beratung getoibmet, zu ber sich eine lehr zahlreiche Zuhörerschaft im Großen Hörsaale des Landwirtschaftlichen Instituts versammelte

Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Appel, Di­rektor der Biologischen ReichSanstalt für Land- iuib Forstwirtschaft, Berlin, sprach überD i e Schaffung von Sortenregistern u n b ihre Bedeutung für bie Pflanzen- züchter. Der Vortrag beschäftigt« sich mit Dem Stande und Der Weiterentwicklung Der Sorten regifterfommlffion und deren Bedeutung. Roch vor ganz kurzer Zeit haften wir von den UnterRbeiDungömertmalen bei den Kartoffeln so wenig Kenntnis, Daß an eine Sortenbeftimmunfl auch von feiten des Fachmannes nicht zu denken war. In der Kartofselsortenbestimmung haben wir sehr schnell auf Grund von morphologischen Arbeiten der Registerkommission Fortschritte ge­macht, bei den anderen Kulturpflanzen ist auch mit diesen Arbeiten begonnen worden. Soweit «S den Weizen betrifft, liegen auch hier schon die ersten Ergebnisse vor. Di« Anfänge zu diesen Arbeiten wurden bei der Gründung des Kar- toftelforschungSinstituts gelegt, daS inzwischen in der Biologischen ReichSanstalt au,gegangen ist. Zunächst wurde ein Archiv geschaffen, in dem Material aller bekannten Sorten zusammen- gebracht wurde. UnD zwar wurden zu diesem Zweck konserviert« Knollen, gepreßte Stauben und Blüten, Photographien der verschiedenen

Derliebt sich prompt In feine plötzlich ausgetauchte Tochter, blitzt aber unter Vermeidung jed­weden überstürzten .OedipuSkompleres" emp­findlich ab. Der bewußte Freund Der gnädigen Frau hingegen der Zufall, Der in Sdjtoämcn überhaupt eine interessante Rolfe spielt, will

es so um jeden Preis entführt die weinenbet junge Dame unb blitzt nicht ab. Sondern Darf mit bem Taschentuch winken (siehe oben!), unb Dann kriegen sie sich, wie sich's gehört

Und Damit die zwei Schlafwagenplätze, Die Die gnädige Frau v bitte feßr: in allen Ehren! für sich und Den Freund nach Dxm Lido bestellt hat.. Damit Die allo nun- nicht völlig umsonst bestellt sind und das schöne Geld verpulvert ist. fahren Mama unb Papa (xtoeite Ehe) selbander nach Venedig. Und eS toirb gar nicht lange bauern, dann braucht Mama nicht mehr -Stiefmama" zu fein dann ist fie auf einmal Großmama, ohne alle Dänfebeinchen. Unb obwohl fie doch erst 38 ist.

Die- ereignet sich rn drei Akten, unter D a - st 6 S Spielleitung, der daS Stück so gab. wie es ist. und sich nicht die Mühe machte, mehr au veranstalten, als Die Autoren ihm geliefert hatten: immerhin hätte manches in Der Svenen* führung gestrafft, zusammengerückt und im Tempo getrieben werden können. Hübsch war Dafl Bühnenbild nach einem Entwurf von Löffler.

Die jugendliche und «iferlüchttge Mama mo­dernster Richtung gab Eva Ierndorf (Kammerspiefe Hamburg) als Gast. Die für die noch feßlenDe Vertreterin deS Salon fach- ein* gesprungen war, mit geschmeidiger Anpassung ins Eniemble und flüssiger Konversation: nur ließ infolge ihrer etwas harten und manchmal verschwimmenden Arttkulation die Verständlich­keit einiges zu wünschen übrig.

Gar« is . Den wir in Rauhrim schon kennen lernten, dürfte sich besser für seriöse Aufgaben, al- für derartige LebemannsPartien eignen; er unterzog sich der Aufgabe mit Geschmack und reservierter Heiterkeit, schien aber textlich seiner Sache nicht ganz sicher. Alix Krahmer zwit* scherte quicklebendig und ganz naiv den mit zwei Elternpaaren gesegneten Dacksisch Lena, Tanner t machte treu herzig und in biederer Verliebtheit den jungen Mann Bob mit bem vorerwähnten Taschentuch, und B o l ck , als alt­modischer. aber authentischer Vater durfte in wohlgefetzten Worten di« moralische Rede hatten, auf Grund welcher die Autoren ihr Stück für «in Luftspier ausgegeben haben.

Das gutbesetzte Parkett unterhielt flch bestens, Dr, Th,