Einzelbild herunterladen

Nr. 157 Erstes Blatt

178. Jahrgang

Mittwoch 13. Juni (928

Erich«!»» lägltdJ.aMfcet Sonntag* en* erlag* Belief ei.

Eietzener ^amtiiewbtätt« tzeimal rm Bild

TM« Scholl*

Blonat»«BtjE{»prtU: 2 Heid)searii and 20 N«ichspf«»nig ftr Iräget» lohn, auch b«i Nicht«!- Semen etnjdnerThrmmmi folg« höhere, Dewalt. F«rnspr«chan|chlüsse: 61, 54 »»6 112.

Lnschrtt» tth vrahMach- richten a»jdgtr Kietze». vo»fch«ckkontO:

Ireiffirl am Main 1168t.

GieheimAiizeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

t>mtf nb Derlag: vrühl'sche UxtoerfUtts-Bed?- etb Stetnöniderd R. langt tu Siezen. Schrtftfettnng und Seschäftrftele: Schalsttaße 7.

.InnaQOf von Bejetaee für di« Tagtsnummet bi« pun NachmMag vorher.

Preis |er 1 nm Höhe für Innigen r>»n 27 mm Brette örtltd) 8, auswärts 10 Neichspfenmg. für R«- hlameanjeigen von 70 mm Breite 35 Recchspfennig, Dlatzvorfchrist 20' , mehr.

ttbefrebaktrur Dr. Fnebr Wilh. Lange. SeranttDonfid) für PolinK Dr. Fr WUH Lang« für Feuilleton Dr H.THynot, für den übrigen Teil Ernst $Iumfd)ein; für den An» zeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gießen

Hermann Büller-Franken mit der Regierungsbildung beauftragt.

B t,r 11 n . 12. Juni (WB.) Amtlich. Reichs Imijler Vr. Marx begab sich heute oormlttaq ju dem fyerrn Reichspräsidenten und über­brachte ihm die Demission de« Gesamt- f a b I n e 11«. Der Herr Reichspräsident nahm die Demission entgegen, ersuchte aber bas Kabinett, bi» joa Zusammentreten der neuen Reichsregierung die Geschäfte welterzusühreu. 3m Anschluß hier­an empfing der Herr Reichspräsident den Abgeord­neten Hermann Blüller-jranfen und er­teilte ihm den Auftrag zur Bildung ber Re­gierung. Abgeorbneter Müller-Franken hat bie- sen Auftrag angenommen.

Hermann Müller-Franken begab sich nach bcm Empfang beim Reichspräsibenten In bcn Reichstag und nahm bort sofort bie offiziellen verhanbiungen mW ben Parteiführern über bie Bilbung ber neuen Regierung aus. Er besprach sich zunächst mit dem Abgeordneten o. (Dutrarb vom Zentrum. Rach bem Zentrumsführer hatte ber Abg. Müller-Franken Besprechungen mit bcm Abgeordneten Leicht von der Bayrischen Volkspartei und dem Abgeordneten K o ch - w e s e r von ber Demokratischen Partei. Müller Franken empfing ferner in ber Mittagstunbe den Abgeordneten Dr. Scholz (vvp.), mit dem die Unterredung ziemlich lange dauerte, und ferner den Abgeordneten vrewih von der Mirtschasts- partei. Die Unterhaltung mit letzterem war nach wenigen Minuten in negativem Sinne abge­schlossen. Hermann Müller hat heute mittag auch bereit« mit Reichswehrmini st er (Broener und dem Reichsarbeitsminister vr. Brauns Besprechungen gehabt, nach denen oeriautet, daß Dr. Braun» vor­aussichtlich da« Arbeitsministerium behalten wird.

Don Marx zu Müller.

Don unterer Berliner Redaktion.

Man mutz dem Führer der Sozialdemokraten, Hermann Müller, zugcben, daß er die Vorherei. tunasarbeilen innerhalb seiner eigenen Partei für die Uebernahme des Kanzleramtes ungewöhnlich ge- schickt durchgeführt bat. Es ist gewiß nicht ganz leicht gewesen, die 152 Mann unter denen doch auch (Elemente sitzen, die sich von den Kommunisten nur durch Nuancen unterscheiden [o weit unter einen Hut zu bringen, baß sie gegen den (Eintritt in die Regierung, und zwar in eine Koalition mit bürgerlichen Parteien, nichts einzuwenden hatten: ohne auch vorher nur den Versuch zu machen, inwieweit noch links zu den Kommunisten hin Tuch­fühlung zu bekommen war. Insoweit ist also Herrn Müller« Start recht günstig gewesen, und wer ihn bisher nur für einen Parteiführer höchstens mittlerer Art und Güte gehalten hat, mutz diese Auffassung einer Revision unterziehen. Er bat, was in der kurzen Zeit seiner früheren Kanzlerschaft und auch in den Jahren, da er die sozialdemokratische Fraktion leitete, nie recht in die Erscheinung getreten ist, unverkenn­bar sehr erhebliche taktische Begabungen, die ihm Ä kommen werden bei den fehl einsetzenden nblungen.

Gr selbst geht an die Aufgabe auch mit sehr grober Zuversicht heran und glaubt, schon in we­nigen Tagen ein Kabinett auf die Deine stellen zu können. Allerdings, heute wird schon mit einer Frist von mindestens einer Woche gerechnet. Und es sollte unS nicht wundem, wenn noch er- bebfid) mehr Zeit vergeht, ehe über den posi­tiven oder negativen AuSgang der Million Mül­lers sich etwas Tagen läßt. Denn die Sachen stoßen sich nun einmal hart im Raume. Es ist gewiß richtig, daß mit Richtlinien allein nicht allzu viel anzufanaen ist, zumal da bie Richtlinien, womit baS Zentrum vor Jahr und Tag seine Ehe mit den Deutschnationalen eingmg, auch für eine Regierung der Drohen Koalition grundlegend fein könnten: eS ist auch gewiß rich­tig. daß ausschlaggebend für die Arbeit eines ÄabincttiB nicht bas Programm ist, sondern daß die entscheidende Bedeutung in der Per­sönlichkeit der Minister liegt. Aber auch, wenn die Krise ganz von der persönlichen Seite abgehaspelt werden soll, bleiben doch eine Reihe von sachlichen Fragen, die unbedingt gcflärt werden müssen.

Die Sozialdemokratie stellt sich auf den Stand­punkt. daß die Wahlen einen R u ck nach linkS ergeben haben, ber auch im künftigen Rcgicrungs- lurS sich auszuwirken hat. Das ist zunächst eine Phrase, eS fragt sich, was sie sich darunter vor- stellt Als die Deutschnationalen in die Regie­rung eintraten, hat ledensalls die Mitte daran festgehalten, daß eine Kursänderung nach rechts nicht erfolgen foll. Unb es wäre nur logisch, wenn jetzt der gleiche Grundsatz auch gegen links verfochten würde. Herr Müller will durch die Besetzung des Wirtschaftsministeriums und deS Arbettsrnmistcriums die Bedenken, die beim Zentrum und bet der Deutschen Bolkspartci bestehen könnten, zerstreuen. 'Aber wie ist es mit dem Finanzmintsterium? Die *0310!- demvkratie ist unitarifd) eingestellt, das Zentrum föderalistisch. Das neu zusammen tretende Kabi­nett muß wahrscheinlich den Finanzaus­gleich machen, bei dem diese Gegensätze scharf aufeinanderplatzen. Auch wenn also das Zentrum die Frage des Schulgesetzes die ja eben­falls ein Stein des Anstoßes wäre nicht an- schneiden sollte, bleiben also im Gebiete des Mnanzministeriums Fragezeichen genug, die noch

einer Beantwortung bedürfen. Man kann nicht ein Kabinett vor den Reichstag stellen, ohne zu wissen, was mit der Steuerpolttik und mit der Finanzpolitik werden soll. Und eS ist nicht ohne pikantes Interesse, daß hier gerade daS Zen­trum die Rolle des peinlichen Fragestellers übemehmen muß. Herr Müller wird also rasch merken, daß die Schwierigkeiten sich häufen, je mehr er aus der theoretischen Äonftrullion in die praktische Durchführung ferner Regierungs­absichten hineingerät.

Der erste Tag der Verhandlungen

Berlin, 12. Juni. (Prioatinformation.) In politischen Kreisen wird der Verlauf des heutigen ersten Tages der offiziellen Verhandlungen über die Neubildung der Regierung als durchaus normal und befriedigend bezeichnet. Es wird darauf hin- gewiefen, daß den Besprechungen von heute vor­mittag und mittag zunächst nur die Bedeutung einer persönlichen Fühlungnahme beizumessen ist und daß ernste fachliche Verhandlungen bisher eigentlich nur mit dem Zentrum stattgefunden haben, während bei den übrigen Parteien erst die Fraktionen morgen Stellung nehmen müssen. In den Verhandlungen zwischen Herrn Müller, Vertretern der Sozialdemokratie und der Zentrumssraktion mür­ben olle Fragen des Regierungsjirogramms durch- gesprochen: so wurde z. B. von feiten des Zentrum« Wert auf die Behandlung der Agrarkrise und der S ch u l f r a g e gelegt.

Im Anschluß an diese Besprechungen trat das Zen- tru zu einer Fraktionssitzung zusammen, während gleichzeitig die sozialdemokratischen Unterhändler für sich eine Besprechung abhielten. lieber den weiteren Gang ber Verhandlungen wird von unterrichteter Seite betont, daß Herr Müller voraussichtlich die Parteiführer nach ben morgigen Fraktionssitzungen erneut zu sich bitten wirb, um zunächst enbgültlg bie Frage des fachlichen Programms und der Stellung der kleineren mlttelpartel- l i ch eingestellten Gruppen zu einem Ka­binett Hermann Müller zu klären.

Wie die ..Doll. 3bg. >u sagen weiß, ist die prinzipielle Bereitwilligkeit zum (Eintritt In die neue Regierung von allen Fraktionen aus­gesprochen worden, unter der Voraussetzung, daß eine Verständigung über programmatische For­derungen erreicht wird. Da Müller-Franken sich zu den Verhandlungen mit Fraktionen entschlos­sen hak. werden die nächsten Tage mit diesen programmatischen Auseinandersetzungen aus­gefüllt werden müssen und daraus ergibt sich, daß das neue Kabinett nicht mit jener Rasch­heit wird gebildet werden können, die Außen­stehende erwartet haben. 3n Zentrumskreisen wird der Stand der Verhandlungen alS gün« st i g beurteilt. Müller-Franken hat an den Reichsarbeitsminister Brauns bzw. an die Zen­trumsfraktion das dringende Ersuchen gerichtet, daß Minister Dr. BraunS in seinem Amte verbleiben möge. Dr. Brauns und die Zen- trumsfraktion haben diesem Ersuchen z u ge­stimmt. allerdings unter der Voraussetzung, daß Dr. Brauns alsbald zur Wiederherstelluna seiner Gesundheit einen längeren Erholungsurlaub antritt.

3n Kreisen der Deutschen Volks- Partei wird darauf hingewielen, daß diese Partei vor allem auf drei Punkte Wert legt, nämlich bi Unterstützung der Landwirt­schaft. die Derücksichttgung der Mit lei­st andSinteressen und di« Aufrechterhaltung des gegenwärtigen Systems der Reichswehr. Es tft anzunehmen, daß der Vorsitzende der volksparteilichen Fraktion, Dr. Scholz, Herrn Müller-Franken in der heutigen Unterhaltung entsprechend» informiert hat.

Die Reichstags- und die Landtagssraklion der Deutschen Vollspartei werden Mittwoch vor­mittag in gemeinschaftlicher Sitzung tagen und bei btefer Gelegenheit wohl auch die sachlichen Voraussetzungen der künftigen Regie- rungsbüdung in den KreiS ihrer Besprechung ziehen. Wenn die beiden Fraktionen zusammen tagen, so beweist daS. wie es in der Täglichen Rundschau heißt, allein schon, daß die Deutsche Dolkspartei auf die Gleichartigkeit der Entwickelung im Reich und in Preu­ßen entschetdenden Wert legt. Rach ihrer Ansicht muh die Große Koalition auch in Preußen durchgeführt werden, wenn sie im Reiche zur Tat werden soll, und zwar un­mittelbar im Anschluß an die Regierungsneubil­dung im Reich. Diese Forderung werde nicht aus parteipolitischen Gründen erhoben, sondern allein mit der Rücksicht auf ihre sachliche Rot­wendigkeit. Wenn das große und dringende Werl der Derwaltungsreform überhaupt in Angriff genommen werden solle, mühten in Preußen unv tm Reich die Regierungsverhält­nisse gleich fein, sonst werde man überhaupt nicht vom Fleck kommen. Aus diesem Grunde werde die Forderung gleichartiger Regierungs­bildung im Reich und in Preußen von allen Parteien erhoben werden müssen, die es mit fruchtbarer Regierungsarbeit ernst meinten.

Wie die .Tägi. Rundschau" berichtet, werden die Verhandlungen über die Kabinettsbildung am Mittwoch auf breiterer Basis ihren Fort­gang nehmen. Man rechnet damit, daß am Mittwoch nachmittag zum ersten Wake die Ver­treter aller in Betracht kommenden Fraktionen sich zu einer interfraktionellen Be­sprechung mit dem Abgeordneten Hermann

Müller zusammenfinden. Die Erörterungen, die das Zentrum mit der Sozialdemokratie gepflo­gen haben, werden dann in größerem Rahmen weitergeführt werden können.

Deutschland und polen.

Zaleski über Wirtschaftdverhandlungen und Rheinlandräumung.

Pari«, 13. Juni. (WTV. Funkspruch.) Der pol­nische Außenminister Zaleski hat Vertreter der fran­zösischen Presse empfangen. Er erklärte: Die Wirt- schaftsverhandlungen mit Deutschland sind nicht durch bie deutschen Wahlen verzögert worben, sie sinb wenig oorangekommen. Man stößt immer reic­her aus bie Klippe ber lanbreirtschastlichen Fragen. Man muß hoffen, baß die neue deutsche Regierung entgegenkommender sein wird. Ein Staat kann nicht an einen Nachbarn verkaufen, ohne von ihm kaufen zu wollen Es muß unbedingt ein Gleichgewicht des Wirtschaftsaustausches vorhan­den fein. Die polnischen Landwirtschastserzeugnisie müssen nach Deutschland ebenso eingeführt werden können, roic die deutschen Industriecrzeuynisse nach Polen. Die deutsche Presie habe seine Erklärung, daß

bas Pfand der R h e i n 1 a n d b e f e tz u n g gleicherweise Polen interessiere, kritisiert. Diese >tn- tik überrasche ihn nicht, ändere aber auch nicht feinen Standpunkt. Die Rheinlandgaranlie fei für sämtliche Alliierten von wesentlicher Bedeutung. Man würde ohne reifliche Ueberlegung und ohne sämtliche unerläßlichen Garantien erhalten zu haben, nicht daran rühren können. Es fei leichter Truppen zurückzuziehen, als sie wieder zu entsenden.

Weiterer Rückgang der Arbeitslosigkeit.

Berlin. 12. Juni. sWB.l 3n der Arbeits­losenversicherung ist In der Zeit vom 15. bis 31. Mai die Zahl der männlichen Hauptunter- stützungsempfänger weiter um rund 19 700 oder um 4 v.H gesunken, während bei den Frauen wieder eine geringe Zunahme um 7000 oder 4,8 v. H. zu verzeichnen ist. Insgesamt ging die Zahl der Hauptunterstützungsempfänqer Don rund 642 200 auf 629 500, d. i. um 12 700 oder um 2 v. H zurück. Die Zahl her R 0 t - standSarbeiter hat in der BerichtSzeit um 4,3 v. H abgenommen. Sie betrug am 31. Mai rund 87 900.

Die Untersuchung des Siegelsdorfer Eisenbahnunglücks.

Wichtige Aussagen.

Lchon am Nachmittag vorher starkes Schwanken an der Unfallstelle.

Nürnberg, 12. Jaul (TDIB.) Da« in dem drei Stationen von Siegelsdors entfernt gelegenen Jl e a ft a b t a. b. Aisch erscheinende c a fl ä b - ter Anzeigenblatt- schreibt über die Ursache de« Eisenbahnunglücke« bei SlegeUborf folgendes:

3n verschiedenen Berichten ist zu lesen, daß bas Unglück möglicherweise aus ein Attentat zurück­zuführen fei. Demgegenüber stellen wir fest, daß eine Anzahl von Personen von hier und Umgebung, die am Samstagnachmittag mit dem beschleu­nigten Personenzug die Strecke befuhren, überein­stimmend erzählten, daß an der Unglücksstelle von den Fahrgästen ein starke« Schwanken und Stoßen de« Zuge« bemerkt wurde, so daß die Gepäckstücke aus den Rehen geworfen wurden. 6« ist sogar daran gedacht worden, die Rotbremse zu ziehen, und die Passagiere waren froh, als sie an ihrem Bestimmungsort, Reustabt, angekommen waren. Der Damm wurde vor einem Jahre verbreitert, um, wie man hört, b i e Kurve ju verflachen, vielleicht hängt das Un- glück mit den Arbeiten an dieser Stelle zusammen.

Noch kein Ergebnis der amtlichen ilntersuchnng. Qi ü rn ber g, 12. 3unl (WD.) Die Reichs­bahndirektion QZümberg teilt uns mit: Die Un­tersuchung über die Entgleisung des l>ZugeS47 bei Siegelsdors nimmt ihrer Fortgang. An ihr beteiligten sich heute weiter die Hauptverwal- tung in Berlin, die Gruppenverwal tung in München, das Reichsbahnzentralamt in Berlin und das Zentralmaschinenamt in München. Von der Hauptverwaltung sind hierzu eingetroffen die beiden Reichsbahndirektvren Student und Dr. 3ng. Müller und von der Gruppenver­waltung Bayern deren Leiter. Staatssekretär v. Frank, und ReiöM>ahndirettor Qlng er er. Auch durch die neuerlichen Untersuchungen ton.ite die Urfacbe der Entgleisung nicht ausgellärt werden. Das abgesprungene vordere Dreh­gestell ber Lokomotive. daS einige Meter weit von der Maschine entfernt im Erdreich ver­graben liegt, foll Sorgfältig auf etwaige Ma­terialsehler ober sonstige Beschädigungen. auS benen sich der Hergang des Llnglückes er- klären liehe, untersucht toerben. Ebenso sollen noch Feststellungen getroffen werden, ob der Gleisoberbau an der betreffenden Strecke irgendwelche Senkungen aufwies.

Am Bahnkörper werben zur Zeit von einer ge- richtlichen llntersuchungskomission Schlitze ge­zogen, um sestzustellen, ob einbringenbes Wasser ben Bahndamm zum Nachgeben veranlaßt hat. reoburch Schwankungen ber Lokomotive unb deren Entgleisung Hütten nach sich gezogen werben können. An der Unfallstelle schneidet nämlich bie von Siegelsdors kommende Straße den Bahn- dämm, so daß sich dort das Master gestaut und seinen Ausweg durch den Bahndamm gesucht haben kann. Mit einer schweren Lokomotive werben noch von ber Ausfahrt Siegelsdors bis zur Entgleisungs- stelle Druckproben auf demselben Unglücks- gleis angeftellt, um festzustellen, ob der Unterbau nachgibt ober nicht. Die Annahme, baß die Ent­gleisung durch einen Maschinenschaden ent­standen ist, hat sich ebenfalls bis jetzt nicht b e (tätigt. Am Bahnkörper sowie an den Schienen und Schwellen sind keine hervorstechenden Merkmale vorgefunden worben, bie dafür sprechen. Man sieht wohl an den Schienen und auf den Schwellen tief eingeschnittene Rillen, die von den Radbremsen der

Schnellzugslokomotive herzurühren scheinen. Auch Schrauben und Muttern, mit denen die Schienen auf den Schwellen befestigt sind, sind verbogen ober stark abgeschrammt. Wo die Maschine die Böschung yinuntergestürzt Ist, hat sie die Gleise auseinander- geristen und Hart verbogen. Ausaeristene Stellen, welche durch einen herabfallenden Maschinenteil ver­ursacht warben sind, sind nicht zu sehen.

Wie verlautet, ist schon vor dem Unglückstag von einem Lokomotivführer eine Meldekarte über die AuSfahrl bei Tiegelsdorf beim Dauamt Rürnberg eingereicht worden. QDorauf sich diese Meldung bezog, konnte jedoch noch nicht in Er­fahrung gebracht werden. Die Gleise sind noch nicht allzu lange neu gelegt worden und sehen auS, als ob sie wenig benutzt worden wären. Alle Züge Personen- wie Eilgüter­züge erleiden infolge der Aufräumungsarbei­ten große Verspätungen. Es wird jedoch eine Ausweichstelle eingebaut werden, so daß man dieser Unstimmigkeit bald Herr werden wird. Wegen der fest in» und aneinander geklemmten auf der hohen Böschung liegenden Zugwagen gehen die Aufräumungsarbeiten, bei denen ein 25 000 Kilogramm tragfähiger Kran gute Dienste leistet, nur sehr langsam vor­wärts.

Die Verletzten.

Rürnberg, 13. 3unL (Wolff.) Rach Be­sichtigung der llnfallstelle besuchten Staatssekre­tär v. Frank und Präsident Kaeppet die sämt­lichen Verletzten in den Krankenhäusern Rürnberg und Fürth, versicherten sie ihrer herz­lichsten Anteilnahme unb gaben der Freude darüber Ausdruck, daß die Verletzten der Le­bensgefahr entronnen sind und ihrer Genesung entgegengehen. Schon am Vormittag deS Hn- falltages selbst hatte sich im Auftrage deS Prä­sidenten der ReichSbahndirektivn Rürnberg bet Reichsbahnoberrat Alzheimer in den beiden Krankenhäusern eingefunden und den Verun- glückten bie Teilnahme bet Reichsbahngesellschaft aussprechen lassen. In einem Bericht über bie Hilfsarbeiten bei der Bergung der Toten und Schwerverletzten heißt es u. a.: Be­sonders muß daS leider inzwischen verstorbene Fräulein Erika v. Laffert erwähnt wer­den. Der Unglücklichen waren beide Oberschenkel abgequetscht. Sie hing mit dem Oberkörper ein­geklemmt zwischen Maschinenteilen frei in der Luft unb muhte stundenlang von Sanitätern in dieser schrecklichen Lage gestützt werden. Trotz der großen Schwerin verhielt sie sich tapfer. Erst zwilchen 8 unb 9 Uhr konnte sie auS ihrer un­glücklichen Lage befreit werden.

Amnestierung , Ricklins unb Rostes?

Tie Gültigkeit der Tcputiertenmandate.

Paris, 13. Juni. (W. T. D.-Funkjpruch) .Oeuvre" glaubt berichten 311 können, daß die Regierung geneigt sei. die im Eolrnarer Pro­zeß Verurteilten bedingt freizulafien, bis zur Entscheidung des Obersten Gerichtshofes. Wenn dieser das Urteil bestätigen sollte, wür­den Dr. R i ck l i n und Rosse gelegentlich des französischen Rationalfestes am 14. 3uli amne­stiert werden. Es sei möglich, daß der Ab­geordnete Michael Walter, ber über die Pläne der Regierung auf dem Lausenden ge­halten worden sei, sich mit dieser Lösung zufrie­den geben werde und seinen Vorschlag zurück­ziehe. Der mit der Nachprüfung der Wahlen Dr. Ricklins und Rosses beauftragte Ausschuß hat sich für die Gültigkeit der Mandate ent­schieden. und zwar mit 11 Stimmen bei 8 Ent­haltungen. Es wurde eine LohalitätSer-