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Vereine

Dienstag, 15. Marz 1928

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gbsrheffeih

Nr. 62 Zweites Blatt

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Auf der Q3ia Appia ziehen die Erynnien dahin. Furchtbar dringt ihr Schrei dem Manne in die Ohren, der an einem offenen Grabe kauert: Matricida! Muttermorder! Nero hält die Urne mit der Asche Agrippinas in zitternder Hand, Tigellino und Simon Magus versuchen ihm Mut zu machen. Tiefer, noch tiefer! Das Grab kann nicht tief genug sein! Stumm stehen die Marmor- male, die Prunkgräber in der Nacht, die Oliven, die Zypressen bewegt kein Hauch.

Ein Bild von eindringlicher Naturtreue. Keine Theaterei, keine Zeitvergewaltigung stört es. Eine

wirklichen Bedeutung des Besuches des afghani­schen Königs die Ausübung der notwendigen Re- präsentationspflichten kritisiert werden, solange der fremde Souverän sich noch auf deutschem Boden besindet. Wir wollen nicht hoffen, daß König Aman illlafj die gegen ihn gerichteten Un­freundlichkeiten allzu ernst nimmt, denn es könnte ihm sonst einfallen, dah er seine Absichten bei der Rückkehr über Deutschland aufgibt und die noch weiteren für die deutsche Wirtschaft bestimmten Aufträge in anderen europäischen Ländern, die die wirtschaftliche Bedeutung Afghanistans durchaus nicht verkennen, tätigt.

In weitem Umkreis sind die Straßen cckge- sverrt. Faszistenketden, Karabmierr in hoher Unr- form.' selbst die Verkehrspolizei mit Helmbusch.

Die Linke am Steuer, kämpft man sich durch, indem man in der Rechten die grüne Sesam- karte wie ein Signal schwingt. Aiemand konnte sich eine Karte kaufen, es gibt nur Eingeladene. Trotzdem sind die Geheimagenten schrecklich miß­trauisch. Schließlich erreicht man doch jene tx>. rückende Wolke aus warmem Pelzwert und suhem Frauenduft, legt sich hinein und läht sich treiben wie ein Weberschiffchen. Es geht durch Prunk und Pracht, bis am Ende die Herrlichkeit er­drückend eleganter Karabinier! einen Raum frei- gibt, der sicher nach Erdbeeren riechen ^wurde, wenn er nicht so groh, so hoch rmd feierlich Wäre: alles fraise, rosa, rot. Statt der eisernen

volle Stunde dauert der Uebergang, die Däm­merung in allen ihren Abstufungen ringt sich langsam, klar und heiligschön durch.

Rie sah man auf einer Bühne eine solche Land­schaft. Rie eine so weite, weite Ferne. Wer es nicht wüßte, würde die Albanerberge für echt halten, voll Wanderdrang im aufziehenden Mor­gen ihnen entgegenstreben. Bier Stunden Weges, denkt man, gute vier Stunden. Rein, das sind keine Kulissen mehr. Und keineBeleuchtungs­effekte". Das i st Licht. Wie es im Osten Heller wird, das Rachtblau in Stahlblau, in Madonnen­blau, in italienisches Blau übergeht, wie es Tag wird, erhellt sich auch im Widerschein der Zu­schauerraum, so daß man einander ohne elektri­sches Licht wieder erkennen kann, wieder Musso­lini sieht.

Er faßt Rero scharf ins Auge. Rero spielt vor ihm. Irgendetwas Unheimliches schwebt zwischen diesen zwei Augenpaaren. Okkultes. Als habe der Duce den Cäsar heraufbeschworen. Run muh er vor ihm regieren. Wie machst du das?

Mussolini im Frack! Man denkt sogleich an die modernen Hamletaufführungen und wird das Gesühl nicht los, auch der Duce trage eine ihm nicht zukommende moderne Kleidung. So legen­där, so historisch ist seine Erscheinung bereits.

Run kommen Gladiatoren des Weges, Reiter sprengen vorbei, der kaiserliche Triumphzug zieht auf. Waffen klirren, Germanen mit langen Haaren marschieren voraus, Sklaven aller Ra­tionen. Fanfaren. Freudenmädchen, Tänzerin­nen, Rosen und Ranken. Eine Biga, zwei schnee­weiße Rosse davor. Rero hört seine eigenen Verse erklingen, Angst und Schwermut fallen von ihm ab, er ist wieder Herrscher, umbraust von dem Jubel des Volkes, ist Gott wie die jetzt strahlende Sonne Mussolini gibt das Zeichen zum Beifall.

Rero tobt sich, im zweiten Akt, in einem zu Orgien aufreizenden Tempel aus, sinkt vor der Dea nieder, läht sie aber, als er in der Göttin das Weib erkennt das kommt ja vor den Schlangen vorwerfen und zertrümmert mit eige­nem Hammer die heiligen Götterbilder. Rero schwingt sich selber auf den Priesterthron und greift gewaltig in die Leier. Rero läßt die Christen jagen, Rero versäumt die Gelegenheit nicht, sich vor dem Circus maximus vorteilhaft unters Volk zu mengen. Und Rom brennt, und die zyklopischen Mauern brechen zusammen--

Mussolini folgt mit kreisendem Auge.

Und, siehe da. von Vorschlägen ist kein Wort zu hören. Die Herren Debatteredner haben nur, wie einzelne von chnen ein bischen verlegen erklären ihre Gesichtspunkte zur Erörterung steilen wollen, konkrete Formulierungen haben sie ge­rade nicht bei der Hand. Der einzige Mann in Genf, der Formeln und Formulierungen nur so aus dem Hemdärmel herausschüttelt, eben Dr. Benesch, ist ja durch den Vorsitz gehindert, seine diplomatischen Zauberkünste zu produzieren. Und so beschließt die Versammlung unter allgemeiner Heiterkeit, daß es bei den» im Entwurf vorge­sehenen Bestimmungen über Krieg und Boykott und Waffenhilfe in casu foederis b leiben soll. Die Staatsmänner und Diplomaten werden in Hinkunft nichts anderes mehr zu tun haben, als vorgedruckte Formulare aus Genf zu beziehen, wodurch der Weltfrieden auf ewige Zeiten gesichert ist.

zordisierung der Weltgeschichte.

Nachklänge zurGenferLicherheitskonfercnz. ;

Von unserem R. R.-Sonderberichterstatter. <

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten. Genf, März 1928.

Draußen liegt der See im letzten Schein der Abendsonne, unmittelbar unter dem Fenster des Beratungssaales, draußen tanzen schneeweiße Möwen unruhig auf und ab, atmen Palmen und Immergrün ewigen Frühling, trippeln hochge­stöckelte lichtgekleidete Genserinnen am Quai spa- »ieren und das alles, der See und die Abend­sonne, die Möven. die Palmen, der Frühling und vor allem die lichtgekleideten Genferinnen, ist doch viel wichtiger, als die Klauseln über sccurite, non - agression, assistance mutuelle, Die ein Herr in schwarzem Sakko und nicht ganz akzentfreiem Französisch herunterleiert. Vierund- dreihig Herren in schwarzem Sakko hören diesem einen auch nicht recht zu. Mechanisch blättern sie um, wenn sie merken, dah rundherum Papier raschelt. Sie sind dann in dem Vertragstext, den jeder in Händen hält, um eine Seite weiterge­kommen. Und wenn sich diese vierunddreißig sehr korrekten Herren durch zwei Rachmittagsstunden immer mit dem Blick auf die Fenster, auf den Frühling und die Genferinnen durch­gegähnt, durchgeräkelt und durchgeträumt haben, beglückwünschen sie einander, feierlich und auf­geräumt zugleich. Sie haben soeben das historisch bedeutsame Muster eines internationalen Friedens- und Freundschaftspa k t s festgesetzt, das allen Locarno-Abkommen der Zu- funft zugrunde gelegt werden soll. Man wird nur noch die Ramen der hohen vertragschließen­den Teile, die Daten und die Paragraphen ein­zusehen haben. Fvrdisierung der Welt­geschichte.

Don hier und heut beginnt eine neue Zeit und Dr. Benesch kann sagen, er sei dabeigewesen. Wehr noch: er war nicht nur dabei, er war der Mittelpunkt und die Seele vom Ganzen. Das Patent-Locarno, das hier entworfen wurde, ist seines Geistes Kind. Ein Redaktionskomitee, das ihm zur Seite stand, dürfte ihn eher gestört als in seinen Arbeiten gefördert haben. Denn rn diesem Komitee, das sich vor und nach allen Plenarversammlungen des Ausschusses zu in­timer Arbeit hinter streng verschlossenen Türen zusammenfand, sah auch ein sehr unbequemer junger Mann ich weih nicht, warum ich ihn immer für einen Theologiestudenten gehalten habe, vielleicht liegt das an seinem glattrasierten intellektuellen, aber gar nicht verbindlichem und gar nicht mondänen Gesicht mit der altmodischen Stahlbrille, vielleicht auch am schlotternden schwarzen Anzug, der ungejährt nach dem Gegen­teil von tailor-made aussieht. Aber er ist doch kein Theologiestudent. sondern der Auhenminister Seiner Majestät des Königs von Schweden, Herr Und 6 n, Brantings Rachfolger, im Völker- bund, einer der wenigen Köpf« von eigener Prä­gung, die er übrigens anläßlich der Diskussionen um den Eintritt Deutschlands eindringlich genug bewiesen hat. Wenn dieser energische und ge­scheite junge Mann den Mund auftut, ist die ge­mütlicheUnter uns"-Atmosphäre, die den Kon­ferenz-Saal erfüllt, plötzlich verflogen.Das Wort hat Herr Unden", bedeutet, dah der See und der Frühling und die Palmen und die Genfe­rinnen jät) verschwunden sind und dah tner- unddreihig Herren in schwarzem Sakko sich ver­anlaßt sehen, im Manuskript nachzublctttern, wo wir eigentlich halten und dann, teils gespannt und teils ein bihchen verärgert, diesem jugend­lichen Kämpfer für wahre Sicherheit und wahre Friedensgarantien lauschen. Verärgert weil sich nach einer Rede Undens die Sache erfahrungsgemäß in die Länge zieht. Und richtig schon erhebt sich Herr Riddel, der aus Ottawa herkommt und die Beratung daher noch außerordentlich ernst nimmt, und er-

B o i t o sNerone" ist kein derartiges Kunst­werk, daß man darüber einen Mussolini über­sehen könnte. Ein musikalisches Schaustück, so recht geeignet, die unvergleichlichen technischen Möglichkeiten des neuen Theaters vorzuführen.

Die Pausen gehören Mussolini ganz allein. Wenn der Vorhang fällt, rührt sich kaum eine Hand. Im grellen elektrischen Licht fühlt man, daß doch Tausende von Jahren klassen zwi­schen Bühne und Loge, daß dieser Rero doch ein wesentlich leichteres Regieren hatte, widerspen­stige Probleme abschlachten lassen konnte und kaum von schwereren Dingen bedrückt wurde, als sie das Schmieden einer korrekten Derszeile mit sich bringt. Zuweilen lächelte der Duce.

Das erlesene Publikum zeigte jene traditionelle Zurückhaltung der römischen Gesellschast, jenen vollendeten Anstand auch in der Betrachtung des Duce. An allen anderen Orten der Welt, Mailand und Neapel nicht ausgenommen, wäre er sicherlich unentwegt angegasst, mit tausend Doppellinsen erdolcht worden. Hier fiel er, nach­dem der Begrützungsjubel vorbei war, nid)t mehr auf. Man hat in Rom eine klassische Art, zu sehen, ohne es merken zu lassen. Die Damen schauten gelassen geradeaus, als gelte der Beisall ihnen, ja. eine rassige Bronzeschönheit mit riesigen Brillantohrringen wandte sich in der Rebenloge förmlich ab, mit königlichem Stolz. Vielleicht war es eine ... Spanierin.

Manchmal wechselte der Herrscher über Rom ein paar Worte mit seinem einzigen Begleiter, dem Staatssekretär G i u n t a , manchmal mit den Damen der Gouverneursloge zu seiner Rech­ten. Rur ein dünnes Säulchen trennte ihn von der Gesellschaft und das wurde gänzlich zu- gedeckt von einem riesigen weißen Pelz. So kam es, daß der Jmperatorenkops beim Gespräch mit seiner Rachbarin wie auf weißem Marmor lag und sich seltsam konturenscharf im Dunkel abhob.

Wie mein Blick wieder einmal von der lang­weiligen Bühne zurückwcmderte, war dieses Bild wie ein Schemen verschwunden. Mussolini hatte kurz vor dem Ende unbemerkt das Theater ver­lassen. Von draußen drang Wohl gedämpfter Beifallssturm herein, aber man glaubte, er käme aus dem Circus maximus der Bühne.

Für Rom erlosch damit das Licht des Abends, und die Zuschauer gingen nach dem peinlich kor­rekten Fallen des Vorhangs stumm hinweg.

Was geht unS Rero an?

Oer Afghanenbesuch und die deutsche Wirtschaft.

Von unserer Berliner Redaktion.

klärt irgend etwas im Ramen der kanadischen Regierung und der kanadischen Delegation.

Ungeduldig nagt der französische Dolmetsch an der Oberlippe. Er möchte so gerne schon sein adopte" in den Saal schmettern, damit wir weiterkommen, weiterkommen, weiterkommen... Sein englischer Kollege bewahrt den Gleichmut, mit dem Albion die Wett eroberte. Er weiß offenbar, dah man die eben mündig gewordenen Dominions sich austoben lassen muh. Mister Riddel aus Ottawa soll ruhig weiter in der Vorstellung leben, daß er hier Weltgeschichte macht, und zwar ganz selbständig.

Da erhebt sich ein überlebensgroßer Greis mit einem kugelrunden rosigen Gesicht und flattern­den weißen Haarsträhnen. Iohn Dull, wie er leibt und leb!. Und es ist wirklich der Vertreter der britischen Krone, der sehr ehrenwerte Lord Cushendun. Sensation... Der sehr ehren­werte Lord hat nur einen ganz kurzen Sprach gehalten und ganz unter uns hat ihn die überwiegende Mehrzahl der vierunddreihig Her­ren nicht recht verstanden. Aber sie sind alle sehr begeistert von soviel geistiger Klarheit, po- Ittischem Weitblick und menschlicher Attersweis- heit. Der Bericht verzeichnet lebhaften Beifall. Der Redner wird beglückwünscht. Es ist immer richtig, sich mtt seiner Lordschaft gut zu stellen, obwohl Seine Lordschaft gleich wieder in tiefe Apathie versinken, als dächten sie sich ihren Teil über den tosenden Beisall der Delegierten von Uruguay und Litauen und Albanien. Sie alle buhlen um seine Gunst obwohl sie es doch eigentlich nicht nötig hätten. Denn im Schoße des Völkerbundes wird statutengemäß kein Unter­schied gemacht zwischen dem britischen Imperium und Beludschistan oder der Republik Andorra.

Wie das schon so ist mit den bösen Bei­spielen. .. Rachdem drei Redner zu irgendeinem Punkt das Wort ergriffen haben, dürfen die dreißig anderen, die noch im Saale sind, nicht nachstehen. Einer nach dem anderen hebt die Hand, einer nach dem anderen schlägt sich mit den Mysterien der französischen oder eng­lischen Sprache herum, einer nach dem anderen hat plötzlich einen Standpunkt, Diskussion, Dis­kussion. .. Die Möwen da draußen sind schon schlafen gegangen und diese Genferinnen, Die noch am Quai du Montblanc auf» und abtrippeln, dürfen von sehr torretten Herren schon lange nicht mehr träumerisch begutachtet wer­den und die Diskussion fließt weiter. Wort­erteilung, Rede, Uebersetzung, Worterteilung, Rede, Uebersetzung... Sogar der dicke Japaner, der zur Rechten des Präsidenten sitzt, Herr Su- g i m u r a, der Direktor der politischen Abtei­lung des Völlerbundes, der den ganzen Rach­mittag über stillvergnügt und sehr wohlerzogen vor sich hkngelächelt hat, trommelt schon mit den Fingern auf dem grünbespannten Tisch. Keiner fragt den anderen denn diese Herren in schwarzem Sakko sind lauter sehr korrekte Her­ren aber jeder fragt sich selber: Wozu? Wozu? ... Außer Mister Riddel aus Ottawa dürfte ohnehin kein Mensch in diesem Saal, Dolmetscher und Diener nicht ausgenommen, die Sache gar zu tragisch nehmen.

Da springt von einem der Tische ein kleines Männchen mit einem wunderschönen grauen Kopf auf. Ein Künstler, ein Geiger, ein alter Stauen- liebling... Der Virtuose von Gens ist es: Monsieur Paul-Dvncour. Der Star meldet sich nicht zum Wort. Er läuft auf den Präsiden­ten zu, f l ü st e r t mit ihm, nickt ein paarmal, lächelt sehr befriedigt, Dr. Benesch lächelt auch... Und dann fragt Dr. Benesch, der Präsident, die verehrten Herren, welche Vorschläge wir eigent­lich als Ergebnis der Diskussion sesthalten und zur Abstimmung bringen wollen. Er fragt es natürlich nicht über Paul-Boncours Anre­gung, denn von französisch-tschechischem Zusam­menspiel ist in einer neutralen Körperschaft von der hohen internationalen Bedeutung des Sicher- ! heitsausschufses gar keine Rede! Er fragt nur so . ins Blaue hinein.

Nero und Mussolini im Theater.

Von Gustav W. Eberlein, tfom

Wie über den Circus maximus der Palast des Cäsars, so erhebt sich der Palazzo JBiminale der Regierungspalast Mussolinis, dicht neben dem neuen Theater. Der Duce wird heute abend herabsteigen, es einzuweihen. Rom fiebert. Jahrelang hatten wir keine Oper mehr, das uralte Costanzi mit seinen unbefestigten Reihen aus eisernen Klappstühlchen war unmöglich ge­worden. D'Annunzio plante ein fernem lleber- menschentum kongeniales Uebertheater auf den Gimiicolo zu türmen, Mussolini jedoch, noch nicht Caligula, begnügte sich mit einem radi­kalen Umbau. Aus einem Chaos von Ueber- lebtheit. Intrigen und Kunstschutt «rnlltand das Teatro Reale dell Opera, das königliche Opern­haus. Ieht klafft dort, wo seitWenschengedenken Plakatwände ein geheimnisvoll tuendes Nichts verbargen, ein weiter Platz: die Auffahrt. Da­hinter eine marmorverheißende, antikisierende F Immer wieder wurde die Cröffnungsvorstel- luna hinausgeschoben und mit einem Mysterium umgeben wie der Bau des Kolosseums Arn Montag endlich sollteunwiderruflich der.Vor- Hang hochgehen. Da erhielten die privilegierten Leute plötzlich am Samstagmittag Einladmrgen für den Samstagabend zugesteckt, einige Stun- öen vorher erschien eine Mitteilung in den Zeitungen, die Frack vorschrieb, einen anderen als den auf der Karte angegebenen Eingang be­fahl und gleichzeitig so siel der Schleier das Erscheinen des Duce ankündigte.

Oie Gewiffensfrage

-er Minderheiten.

In dem österreichisch italienischen Konflikt wegen der jüngsten Beschwerden im österreichischen Par­lament über die Behandlung der Südtiroler er­blicken die Stammesbrüder der Betroffenen eine Frage des kulturellen Schutzes, die italienische Regierung eine Einmischung in d i e Fragender inneren Verwaltung. Im Grunde handelte es sich um eine Frage der Menschlichkeit, eine Frage der Mensch­heit. Der Rechisstandpunkt Italiens ist aber dadurch gegeben, daß man ihm als einer der alliierten Großmächte keine bes anderen Bestimmungen zum Schuhe fremdsprachiger Minderheiten auferlegtc, als man ihm das Tren- tino und Deutsch-Südtirol bis zum Brenner, überdies auch kroatisch-slowenische Gebietsteile an der Ostküstc der Adria zusprach.

Kann man derartige Fragen aber überhaupt vorn Rechts standpunkt aus behandeln? Der italienisch-sirolische Fall ist ja nur ein Teil­ausschnitt aus dem Gesamtkomplex des Minder­heitenproblems. Den neugebildeten Staa­ten gegenüber hat man in Paris ein gewisses Derantwortungsbewutztsein gezeigt, indem man ihnen Bestimmungen des Minder­heitenschutzes auferlegte und Schlich- tungsbehö rden schuf, wie sie z. D. in Ober­schlesien funktionieren. Schlecht und recht, aber immerhin nicht ganz wirkungslos und vor allem moralisch bedeutsam, weil sie den Minderheiten das Bewußtsein geben, daß eine Stelle existiert, an die sie sich mit ihren Rechtsansprüchen wen­den können. Auch sieht das Statut des Völker­bundes Bestimmungen vor, die dem damals er­wachten Derpslichtungsgefühl der Gesamtmensch­heit gegenüber den aus ihrem nationalen Zu­sammenhang gerissenen Volksteilen dienen. Aber gerade der Gegensatz, der sich in der Tiroler Frage zeigt, wo sich eine Großmacht auf ihre unbeschränkte Souveränität berufen kann, um jede Einwirkung Dritter auf solche Fragen a be­lohnen, zeigt die Unvoll st ändigkeit der für die Minderheiten geschaffenen Rechtsordnung. In Europa leben schätzungsweise 40 Millionen Menschen der verschiedensten Sprach» und Kultur- freife außerhalb ihrer nationalen Landesgrenzen: das ist soviel, wie die Einwohnerschaft Frank­reichs, Italiens oder Englands. Und wenn man sich mit größtem Ernst in Genf jeder Streit­frage annimmt, die die Lebensinteressen einer einzigen solchen Großmacht berührt, um wieviel mehr mühte man dann nach einer enbgültigen, allgemein anwendbaren Rechtsordnung streben, die das Schicksal dieser Millionen regelt, das eine ständige Gefahrenquelle für den Frieden der gesamten Welt bildet.

Die Rücksicht auf die Souveränität und auf die unbeschränkte Derwaltungshoheit jedes Staa­tes innerhalb seiner Grenzen ist ja bereits im Prinzip gefallen. Denn mit dem Inkraft­treten der Dölkerbundssahung sind alle Staaten der Erde, die an dem Bunde teilnehmen, zu einer Reihe von Maßnahmen verpflichtet und zur Unterlassung anderer gezwungen worden, die man noch vor wenigen Jahrzehnten gleichfalls als integrierende Bestandteile der selbständigen und unbeschränkten Souveränitätsausübung ansah.

Tage abermals nach Berlin zurück kehren wird, die Abschlüsse tätigen kann. Es wird als­dann nach Maßgabe eines Exportkredits, der im Rahmen der Exportkredit-Versicherungs-Be- stimmungen getroffen ist, ein Teil in bar aus» gezahtt und der Rest in Raten erledigt.

Die wirtschaftlichen Kreise, mit denen König Aman Ullah Fühlung genommen hat, sind, wie uns von allen Stellen versichert wird, durch­aus befriedigt von dem Aufenthalt des Königs und seinen bisher erteilten Aufträgen. Wie wir durchaus zuverlässig erfahren, hat Kö­nig Aman Ullah bei feinem 14tägigen Besuch in Deutschland bisher rund 20 Mill. Mk. an Aufträgen an die deutsche Wirt­schaft vergeben. Das ist immerhin ein nicht unbedeutender Posten, der den getriebenen Auf­wand des Reiches bei dem Empfang und den offiziellen Anlässen durchaus rechtfertigt. Dem Reich hat der Aufenthalt des Afghanenkönigs mit seinem Gefolge alles in allem rund 1 Mil­lion gekostet, inklusive der Geschenke, die König Aman Ullah und sein Gefolge vom Reich er­halten hat. Es zeugt keineswegs von Takt und Anstand, wenn in kleinlicher Verkennung der

____ Zusammenhang mit der Abreise des Afghanenkönigs Aman Ullah sind in den letzten Tagen von verschiedenen Seiten in der Oesfent- lichkeit sehr unfreundliche Bemerkun­gen über den wirtschaftlichen Wert des Aufent­haltes des Königs in Deutschland gemacht wor­den, der in keinem Verhältnis zu dem großen Aufwand, der von amtlicher Seite während der Dauer des Aufenthalts gemacht worden ist, stehen soll. Mtt krämerhaster Mentalität hat man zu errechnen versucht, daß der Aufenthalt König Aman Ullahs mit seinem Gefolge in Berlin mehr gekostet habe, als im ganzen Jahre nach Afghanistan exportiert würde. Besonderes Befremden in diesem Zusammen­hang muß ein Artikel im Berliner 8-Uhr-Abend- blatt erregen, der geeignet ist, den ganzen tat* sächllchen Erfolg der Reise des Königs in Frage zu stellen, auch gerade für die wirt­schaftlich dabei interessierten deutschen Unter­nehmungen. Was da im einzelnen gesagt wird, ist unwert, es an dieser Stelle zu wiederholen.

Richtig ist, dah der König sein Einkaufs- programm bereits in Kabul fest ge­legt hat. Er will eine Zuckerfabrik, eine Tuch­fabrik und vieles andere kaufen, will eine Flug- verkeyrsgefellschast in Afghanistan errichten, Schmalspurbahnen bauen und vieles andere. Diese Dinge hat er bisher noch nicht zum Abschluß ge­bracht. Das Reichswirtschastsministerium und das Auswärtige Amt haben ihm aber eine Reihe von Sachverständigen zur Seite gegeben, die ihm bei seinen Informationen in den deutschen Wirt- schastskreisen geholfen haben, so dah der König, wenn er von London aus auf mindestens zehn

Klappstühlchen kleine, samtene Klubsauteuils. Ein fünffacher Logengürtel herum. Rom fiebert. Nero selbst wird in der Arena auftreten. Ave Caesar!

Das ganze mussolinische Rom ist da. Die un­heimlich fernhohe Gallerie schimmert grünlich, bevölkert von den modernen Göttern: nichts als Soldaten. Unter dem Olymp beginnen bereits kostbare Pelze, einen Rang tiefer nackte Ala- basterschultern. Die Logen verkünden, dah Rom wieder einmal nach langer Zeit eine Sensation hat, ein gesellschaftliches Ereignis. Dis zur Hoch­zeit des Königspaares, versichert einer, müsse man, einen Vergleich zu finden, zuüückgehen. Und da merkt man: das königliche Rom ist nicht da. Es wird sich erst zwei Tage später, zurzweiten Einweihung" einfinden.

Rechts dasSchiff" der Senatoren, links das der Abgeordneten. Die Minister vollzählig wie zum Appell. Der Herzog des Sieges, Marschall D i a z. Der Grohadmiral des Sieges, Thaon de Revel. De Pinedo. Alke Uniformen.

Kunst und Musik. Grazia De le d da. Sem Benelli. Die Journalisten. Die römischen Ver­treter der Weltpresse. Man fühlt: ein historisches Gastspiel! Die Frauen hingegen ganz Gegenwart. Hinreißende Bubiköpfe, Biedermeierlocken, eine Saharetfrisur. Alle, alle blenden mit inserathaft lachenden Zähnen. Was geht sie der olle Nerv an? Sie wollen Mussolini sehen.

8 Uhr 55 künden die leuchtenden Ziffern. Fanfaren

Ein Ruck durch die Erdbeerfauteuils, ein Hoch­reißen, eine Woge der Begeisterung, sieghaft entgegenftürmenbe Hymne: Giovinezza, giovi- nezza! Ave Caesar!

Mussolini ist, zwei Logen Distainz zur leeren königlichen einhaltend, im zweiten Rang erschie­nen. Statue. Kaum, daß ein dankbares Lächeln seinem klafsischen Jmperatorenkopf Züge verleiht. Dann ist auf einmal die nächtliche Via Appra da. er weicht zurück wie eine Erscheinung.