Nr. 37 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Montag, 13- Zebruar 1928
Turnen, Sport und Spiel.
2. Olympische Winterspiele.
Die 2. Olympischen Winterspiele in St. Moritz wurden am Samstag eröffnet. Das Wetter war nicht günstig. Nachdem schon am Freitag den ganzen Tag über und die ganze Nacht hindurch ein eisiger Wind geweht hatte, setzte am Samstagmorgen kurz vor Beginn der Eröffnungsfeier ein gewaltiger Schneelturm ein. Sicherlich hat auch der schlechte Besuch seine Gründe in diesem Unwetter. Kurz vor 10 Uhr zogen der Schweizerische Bundesrat, das Olympische Komitee und das Schweizerische Olympische Komitee unter den Klängen einer Musikkapelle in das Eisstadion ein. Die Glocken von St. Moritz läuteten, als sich der Zug der Aktiven vom Culm-Hotel aus in Bewegung setzte. Bald nach 10 Uhr marschierte als erste Nation Deutschland in das Eisstation ein. Der Skiläufer Karl Neuner (Garmisch-Partenkirchen) trug die schwarzrotgoldene Fahne. Die Deutschen wurden von den zahlreichen Landsleuten auf den Tribünen durch Tücherschwenken und lebhafte Zurufe aufs herzlichste begrüßt. Die übrigen Nationen marschierten in der vorgesehenen Reihenfolge ein, alle mit ihren Flaggen und jeweils von ihren Landsleuten auf den Tribünen begrüßt. Daran anschließend eröffnete der Schweizerische Bundespräsident die 2. Olympischen Winterspiele. Nach der Ansprache des Bundespräsidenten wurden dis Fahnen zu der Tribüne gebracht, auf der der schweizerische Skimeister Eidcnbenz den olympischen Eid für sämtliche Nationen ablegte. Danach marschierten die Nationen in der gleichen Reihenfolge wieder aus dem Stadion.
Nach der feierlichen Eröffnung wurden am Samstag vier Eishockeyspiele auegetraaen, die einen mehr ober weniger spannenden Verlauf nahmen. Namentlich die Kämpfe Oesterreich gegen die Schweiz und Schweden gegen die Tschechoslowakei zeigten prächtige Kampfmomente. Die Ergebnisse des ersten Tages sind:
Eishockey kämpfe:
Oesterreich—Schweiz 4:4.
Frankreich—Ungarn 2:0.
England—Belgien 7:3.
Schweden—Tschechoslowakei 3:0.
Der Militärpatrouillenlauf.
Der gestrige Sonntag brachte mit dem Militärpatrouillenlauf die erste wichtige Entscheidung. Der Schneesturm hatte in der Nacht die Spur des Patrouillenlaufes fast ganz verweht, so daß am Sonntag in aller Frühe die Spur noch einmal gelegt werden mußte. Um 9.50 Uhr ließ ein schweizerischer Offizier in Abständen von drei Minuten die Patrouillen von dem in Höhe von 2100 Meter gelegenen Start ab. Die deutsche Patrouille bestand aus Leutnant Franz R a i t h e I, Unterfeldwebel Stefan Kistler, Obergefreiter Ludwig Mayer und Oberfchütze Josef Rehm. Auf dem letzten Teil der Strecke gab es einen harten Kampf zwischen der schweizerischen, der finnländischen und der norwegischen Patrouille, den die letztere in fabelhaftem Lauf für sich entscheiden konnte. Das Gesamtergebnis lautet:
1. Norwegen in 3.50,47.
2. Finnland in 3.54,37.
3. Schweiz in 3.55,04.
4. Italien in 4.07,30.
5. Deutschland in 4.15,02,5.
6. Tschechoslowakei in 4.15,07.
7. Polen in 4.33,45.
8. Frankreich und
9. Rumänien ohne Zeitangabe.
Eisirockcycrgcbiiiffe.
Das Eishockeytournier wurde am Sonntag mit folgenden Spielen fortgesetzt: Die deutsche Mannschaft konnte ihr erstes Spiel, das sie gegen O e ft e r r e i ch austrug, überraschenderweise 0:0 unentschieden gestalten. Auch die Schweden spielten gegen die polnische Olympiamannschaft unentschieden 2:2. Die Belgier waren über
Ungarn 3:2 erfolgreich und Frankreich konnte gegen England einen 3:2-Sieg erringen.
Bezirksmeisserschast Hessen-Hannover.
Roch feine Entscheidung.
Das gestrige Spiel in Kassel zwischen Kurhessen Kassel und S. C. 05 Kassel um die Fußball-Bezirks- meisterschast von Hessen-Hannover endete nach Verlängerung unentschieden 2:2. Näherer Bericht folgt.
Um die süddeutsche Fußballmeisterschaft.
Auch der gestrige Sonntag brachte wieder eine Reihe von unerwarteten Spielergebnissen und zum Teil bemerkenswerten Veränderungen der Tabellen in allen drei Gruppen. 3n der
Meister runde überraschte vor allen Dingen der außerordentlich hohe Sieg, mit dem die Frankfurter Eintracht aus Mannheim zurückkehrte, wo sie den Spv. Waldhof 7:2 geschlagen hatte. Der Sieg war zwar verdient, in dieser Höhe aber doch etwas schmeichelhaft. Da gleichzeitig die SP. - Vgg. Fürth gegen die Stuttgarter Kickers in einem hartnäckigen Kampfe nur ein 1:1 erzielen konnte, und, wenn auch mit Pech, wiederum einen Punkt einbühte und außerdem der F. D. Saarbrücken gegen W o r - matia Worms 0:2 in einem schlecht geleiteten Tressen verlor, verbleibt nunmehr Bayern München allein an der Sp he der Tabelle.
Die Runde der Zweiten und Dritten.
Gruppe Rordwest: Der S P. - C l. R o t - weih Frankfurt verlor mit geschwächter Mannschaft gegen die mit wesentlich besserem Sturm arbeitende F. - G. 19 0 3 Ludwigshafen 2:3. Der D. f. L. 27 e u - 3 s e n b u r g tonnte gegen den V. f. L. R e ck a r a u auf eigenem Platze mit einem sehr glücklichen 2:2 einen Punkt retten. Der F. S p. V. 1905 Mainz war Borussia Reunkirchen jederzeit deutlich überlegen und gewann mit 5:2 Toren.
Gruppe Südost: 3n dieser Gruppe kam die Riederlage des 1. F. C. Nürnberg gegen den Freiburger Sport-Club durchaus nicht unerwartet. Trotzdem war das Spiel, das die Freiburger aus eigenem Platz 2:1 gewannen, für den Altmeister recht unglücklich. Aber seine spielerische Tleberlegenheit vermochte den zähen Widerstand der Badenser nicht zu brechen. Bei starkem Sturm und Schneetreiben trat der Sp. B. 166 0 München dem V. f. B. Stuttgart gegenüber und verlor, da der linke Flügel seiner Äirgrisfsreihe versagte, mit 2: 4 Toren zu Recht. Stuttgart spielte sehr gut, wenn auch etwas hart. Großes Desremden erweckte es, daß Phönix Karlsruhe gegen Wacker München mit seiner zweiten Mannschaft antreten mußte, die 1:6 verlor. Die erste Mannschaft der Karlsruher trat zu dem Spiel nicht an, da ihre Forderungen an den Vorstand des Dereins, die gegen die Amateurlesttminungen verstießen, von diesem abschlägig beschieden worden waren.
Handball in Darmstadt.
Liiddeutschlarid- Westdeutschland 6:4(4:2)
Auch das gestrige Spiel um den Pokal der D. S. B. zwischen einer süddeutschen und einer westdeutschen Mannschaft in Darmstadt hielt, was man sich von ihm versprach. Es war ein rassiger Kamps, bei dem auf Leide Seiten glänzende Leistungen gezeigt wurden. Die sympathische westdeutsche Mannschaft war in guter körperlicher Verfassung: sie überraschte sehr angenehm und war eine dem süddeutschen Meister, der durch zwei Spieler aus anderen Vereinen ergänzt worden war und als Vertreter Süddeutschlands spielte, ebenbürtige Mannschaft, deren faire Spielweise gefallen konnte. 3hr bester Mann
Es zogen drei Burschen wohl über den Mein ....
Roman von Erica Grupe-Lörcher.
42. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Raymond biß die Zähne zusammen. Er dachte nur an die Stimmung in seiner eigenen Familie. ,Hch gewinne immer mehr das Gefühl, daß ich nicht hierbleiben werde, Dietwart! Das alles ist meine Heimat nicht mehr! Und zwischen solcher Gesinnung ringsum —"
Er fühlte, wie plötzlich von hinten jemand sich vordrängte und die hinter ihm Stehenden beiseite schob. Als er den Kopf wandte, erkannte er Wenger. Er sah erhitzt, erregt und verärgert aus. Aber auch er fühlte, daß die Klugheit gebot, wegen der Umgeb lmg nichts zu äußern.
„Da treff ich euch beide! Ja, ich bin noch hier herausgekommcn, um Sie noch einmal zu lehen, Herr von Schölzer! Ich habe Ihnen ja gestern abend meine Ansicht gesagt. Jetzt bleibt mir nichts übrig, als Ihnen nochmals die Hand zu drucken und Ihnen zu wünschen: möge es Ihnen gut gehen!"
Man tauschte zu dritt noch einige Worte. Der Druck des Abschieds preßte sie nieder. Rings nur Andersdenkende, Höhnende, Gefühllose. Und doch war es trotz der Wehmut eine tiefe Freude, gerade in einer solchen Stunde Freunde vor sich zu sehen!
Die Gaffer ringsum drängten plötzlich wieder zusammen. Man hob sich auf die Fußspitzen, man reckte die Hälfe. Ein Trupp von deutichem Lazarett- personal hatte eben die Barriere durchschritten und wurde nun von dem wachhabenden franzossichen Offizier in den Papieren kontrolliert Hell stachen die weißen flachen Kappen der deutschen Sanitäter durch die neblig-graue Dezemberluft. Dietwart entdeckte Schwester Wendula in der Heinen Gruppe. Gestern hatte sie nach Möglichkeit Zwilkleidung tragen müssen, um auf den Straßen den Anrempelungen der Bevölkerung als deutsche Rotekreuz- schwester zu entgehen. Heute leuchteten wieder ihre Wzeichen auf dem Lodenmantel.
Die Stunde rückte vor. Die Auszuweisenden hatten jetzt fast alle die Kontrolle passiert. Als auch das Lozri rettpersonal abgefertigt war, trat es zu der übrigen großen Gruppe, die bereits am Fuße der Rheinbrücke stand. Die Freunde mußten nun Abschied nehmen. Nur wenige Worte wurden noch getauscht. .Herr Wenger, ich danke Ihnen nochmals für Ihren Beistand! Für alle Ihre Freundschaft. Sie hat mir doppelt wohlgetan, gerade, wo all Ihre anderen Landsleute ..
Man verstand sich unter einem stummen Händedruck. Ringsum waren Späher und Lauscher und Neugierige und Andersgesinnte. Raymond vermochte es noch weniger, all den Schwall seiner Empfindungen, der sich in diesen Stunden in traurigen, bitteren und widerstrebenden (Gefühlen über ihn stürzte, in Worte zu formen. „Auf Wiedersehen, Dietwart! Für uns ist dieses heute nur eine räumliche Trennung. Ich weiß es, ich fühle es! Denn ich werde dir über den Rhein folgen! Meine Heimat hier ist mir verleidet'/
Dietwart sah ihm in di« Augen. Deutlich war er sich dieser Lebenswende bewußt. Dies alles war fein Abschied von feiner Heimat. Don seiner Jugend. Don seinem ersten Liebesglück. —
Er bahnt« sich durch die Schar der Leidensgenossen einen Weg vorwärts. Schwester Wendula stand einige Schritte abseits von den übrigen Sanitätern und schien regungslos in die oorüberströmenden Wogen des Rheins zu starren. Als sie auf seinen leisen Anruf den Kops wandte, standen in ihren Augen Tränen. Sie reichte chm die Hand.
Er reckte sich auf und warf noch einen Blick zu dem singenden und johlenden Pöbel in einiger Entfernung hinüber. „In solchen Stunden wächst das Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen uns Deutschen auf, Schwester Wendula! Wieviel Bitterkeit lasse ich jetzt hinter mir, o, wie viel Bitterkeit! — Ader kommen Sie, Schwester Wendula, meine Mutter bat mir immer wieder auf dem Wege hierher ans Herz gelegt: Ihnen heute noch einmal für all Ihre Hilfe danken zu wollen, die Sie uns gestern noch zuteil werden ließen! Und ich habe ihr versprechen müffen. nach Ihnen Umschau zu halten und Sie zu ihr zu führen, wenn ich Sie entdecken könne ..."
,3a, ich gehe mit Ihnen. Bis wir brühen das andere Rheinufer erreicht haben, Herr von Schöl-
toar zweifellos der Torwächter, der die fabelhaftesten Sachen hielt. — Westdeutschland ging bereits nach drei Minuten durch Verwandlung eines Strafstoßes in Führung. Fiedler- Darmstadt glich kurz darauf ans und tonnte eine halbe Minute später auf 2:1 für Süddeutschland erhöhen. Süddeutschland konnte jetzt noch zweimal erfolgreich sein, während Westdeutschland mit einem Treffer das Ergebnis aus 4:2 stellte. Rach der Halbzeit konnte' Süddeutschland noch zwei weitere Tore erzielen, denen Westdeutschland in zähem Kampfe ebenfalls zwei Erfolge gegenüberstellen tonnte, so daß das Spiel 6:4 endete.
llniversität Berlin Hochschulmeister.
Im T. u. S.-Stadion zu Bochum standen sich am Samstag nachmittag im Endspiel um die Deutsch Hochschul-Fußball-Meisterschast die Mannschaften der Universität Berlin und der Technischen Hochschule München gegenüber. Mit 4:2 blieb die Universität Berlin verdienter Sieger. Der neue Hochschulmeister hatte seine beste Waffe im Sturm, der vorzügliches leistete, während bei München nur der Jnnensturm gute Arbeit verrichtete.
peltzer geschlagen.
Der deutsche Meisterläufer und Weltrekordmann Dr. Otto Peltzer startete am Freitagabend in Chicago auf dem Hallensportsest des Illinois Athletic Club in einem Laufen über 1000 Vards gegen drei gute amerikanische Mittelstreckler. Peltzer übernahm anfangs die Führung, die später dauernd wechselte. Zum Schluß des Rennens tag Peltzer an der Spitze, er wurde jedoch von Ray Conger überspurtet, der dann auch das Rennen in der mäßigen Zeit von 2:37 gewann. Peltzer belegte 10 Hards zurück den zweiten Platz zwei Bards vor Ray Dodge und dem dritten Amerikaner Larrivee. Peltzer erklärt seine Riederlage durch die ungewohnte Bahn, die ihm mit ihren spitzen Kurven besondere Schwierigkeiten bereitete.
Hahn in Newark siegreich.
Peltzers großer Rivale, der Amerikaner Lloyd Hahn, der am 29. Februar bei dem Hallensportfest der „Kniahis of Columbus" in einem Mcilenrennen auf den Stettiner trifft, gewann in Newark ein 1000-Pardslaufen in der guten Zeit von 2:15,2. Peltzer gewann seine 1000 Nords gegen Dedge bekanntlich in 2:18,6.
Arne Bo' g in Leipzig.
Dem SV. Stern-Leipzig war es gelungen, den erfolgreichsten Schwimmer der Welt, den Schweden Arne Borg, zum erstenmal nach Leipzig zu verpflichten. Da jedoch der SV. ©Lern dem Schweden nichts Gleichwertiges im Einzelkamps gegenüber^uftellen hat, ließ er eine aus fünf Schwimmern zusammengesetzte Staffel 5 mal 100 Meter antreten, die Arne Borg jedesmal hinter sich ließ. Er gewann das Rennen in 6:25,4 mit 3 Meter Vorsprung. Die Zwischenzeiten für Arne Borg sind: 100 Meter gleich 1:06; 200 Meter gleich 2:25,8; 300 Meter gleich 3:47; 400 Meter gleich 5:07,6. Reben Borg sah man noch den skandinavischen Brustschwimmer Wisnell über 100 Meter über die Bahn gehen. Er gewann sein Rennen mit 1 Meter Vorsprung in 1:20,2 vor Herber- Stern- Leipzig. Schließlich hatte man noch Gelegenheit, den Europameister der Springer, den jungen Zeiher Riebschläger, ferner Kuhl- Magdeburg und Europameister L u b e r - Berlin bei ihren prächtigen Leistungen zu bewundern.
Zn Prag.
Der schwedische Meisterschwimmer Arne Borg startete am Samstag auf dem Jubiläums- jchwimmsest des Prager Sportklubs „Slaviasi 3m 800 Meter Freistilschwimmen siegte er in 10,43,8 gegen eine Viererstaffel Prager Schwimmer, die für die gleiche Strecke 10,48,8 benötigte. — Der schwedische D ust chvss: mer Wisnell belegte im 200 Meter Brust«chwimmen in 2.58 den ersten Platz.
zerl Dann muß ich mich mit unserem Lazarettpersonal zur gemeinsamen Abmeldung zum Delegierten begeben uni) zur Entlassung aus dem Kriegsdienst."
Er sah auf sie herab, sein Blick ruhte auf ihrem reichen blonden Haar, das sich unter der dunkelblauen Haube heroormühte. So viel Wohltuendes lag in ihrem Wesen, so viel innere Abgeklärtheit und Sanftheit! Das alles hatte ihn schon damals, während seiner schweren Zeit im französischen Lazarett, gleichsam wohltuend überströmt. Es stach auch jetzt so ab gegen die nervöse Unruhe, gegen die innere Zerrissenheit, die er feit seiner Rückkehr an Melusine wahrgenommen! Eine Sehnsucht stieg in ihm auf, dieses junge Wesen in den Tagen qualvoller Demütigungen und Heimatlosigkeit nicht aus den Augen zu verlieren. Während er jetzt neben ihr weiter schritt, um sie zu seinen Eltern zu führen, neigte er sich um etwas zu ihr herab und bat:
Schwester Wendutol Sie versprachen mir gestern, mir Ihre Adresse anzugeben, wenn Sie aus dem Kriegsdienst entlassen find unb in Ihr Elternhaus zurückkehven. Ich gab Ihnen unsere Adresse, unter der Sie uns vorläufig im Badischen schriftlich erreichen werden. — Es ist mir ein Bedürfnis, mit Ihnen in Verbindung bleiben zu dürfen! Für immer werden Sie in meiner Dankbarkeit stehen. — Wenn man gemeinsam solche Stunden durchlebt hat, wie Sie und ich, Schwester Wendula, bann darf man sich nicht wieder aus den Augen verlieren! Ist das nicht auch Ihr Wunsch?"
Sie sah ifyin mit einem kurzen Aufblicken in die Augen. Voll Inneer Zweifel, wie sie dn Sinn seiner Worte für spätere Tage deuten solle. Für Momente erinnerte sie sich der Worte, die Dietwarts Mutter gestern zu ihr gesprochen hatte, als Jie ihr beim Packen der Leinenbesttinde und des Silbers behilflich war:
„Wie sehr habe ich mir immer eine Tochter zur Seite gewünscht! Einmal habe ich geglaubt, in der Braut meines Sohnes meinen Wunsch erfüllt zu sehen. Aber es war eine junge Dame aus vornehmer elsässischer Familie, sie hat uns grausam enttäuscht, als über uns Deutsche jetzt dieses Kriegsende kam! Ach, und mein Sohn hing all die Kriegsjahre mit einer solchen Treue, mit solch warmer Liebe an ihr! Es war etwas ganz Eigen- arttges um dieses junge Ding, das er uns als künf-
Oeuffche Skimeisterschafi.
Die vom 23. bis 26. Februar durch den Ski-Klub Schwarzwald auf dem Feldberg auszutragende deutsche Skimeisterschaft hat eine außerordentlich starke internationale Beteiligung gefunden. Neben der Schweiz und Schweden haben jetzt auch die Norweger eine Mannschaft gemeldet. Ferner werden Polen, Italien, die Tschechoslowakei und Jugoslawien Mannschaften entsenden.
Skisport im Schwarzwald.
Der Gau Freiburg des Skillubs Schwarzwald hielt gestern im Gebiet des Feldbergs und deS Belchen den großen 52-Kilomcter-Dauerlauf des Skiklubs Schwarzwald, oben für Mitglieder des Deutschen Skiverbandes, ab. Trotz eines außerordentlich heftigen WintergewitterS und starken Schneesturms stellten sich 12 Lauser dem Starter, von denen fünf auf der Strecke aufgeben mußten. Die beste Zeit erzielte Wintermantel vom Mademischen Siillub Freiburg mit 5.'8.13Stunden. Der einzige Richtschwarzwrlder-Konkurrent Scherzinger-Frankfurt (Ski Klub Taunus) mußte sich mit dem 7. Platz begnügen.
Hadländerkamps Deutschland — Fram reich.
Bei gut besuchtem Hause kam am gestrigen Sonntag in der Dortmunder Westfale,challe der Radlänoerkampf Deutsch'and—Frankreich zum Austrag. Der Radländer.ampf bestand aus drei Steherrennen über insgesamt 90 Kilometer, an dem Moeller und Dederichs deutfche.seitS und 3 t e a u und Sausin als Vertreter der Franzosen teilnahmen. Wie erwartet, konnte Moeller in allen drei Lau en siegreich fein. Der Hannover war in einer vorzüglichen Form und stellte verschiedene neue Bahnrekords auf. Sein schärfster Gegner war Sausin, während B r e a u und Dederichs nicht ihre sonstige Form erreichten. 3m Fliegerkampf kam der deutsche Meister Fricke zu einem Siege über Mori und Goebel. Die Gesamtergebnisse waren:
1. Moeller 90 Kilometer;
2. Sausin 89,450 Kilometer;
3. Dederichs 86,960 Kilometer
4. Breau 84,060 Kilometer.
Fliegerkampf:
1. Fricke 22 Punkte;
2. Mori 20 Punkte;
3. Rütt 17 Punkte;
4. Goebel 15 Punkte.
Amtsgericht Gießen.
• Gießen, 7. Febr. Ein Dienstmädchen Hai seit Fahren nicht für ihr uneheliches Kind gesorgt, obgleich sie zeitweise bei freier Station 40 Mk. und mehr im Monat verdiente und auch zur Zeit in fester Stellung ist. Deshalb war sie bereits im Fahr 1925 mit Haft bestraft worden. Sie wurde erneut mit einer Haftstrafe von vier Wochen belegt.
Vor einiger Zeit fuhr in der Frankfurter Straße vor der Klein-Lindener Bahnunterführung ein Leichenwagen, in dem ein Sarg stand, auf der rechten Straßenseite in der Richtung nach Klein-Linden. Entgegen kam ein mit Grummet hoch beladener Erntewagen, der gleichfalls vorschriftsmäßig scharf rechts fuhr. Als diese beiden Wagen bei der Begegnung ungefähr auf gleicher Höye waren, fuhr der Angeklagte mit seinem Lastauto zwischen beiden durch. Das Pferd des Leichenwagens wurde unruhig. Der Leichenwagen neigte sich nach rechts zur Seite. Der Lenker und ein Angehöriger des Verstorbenen sprangen ab. Der Wagen fiel schließlich gänzlich um. Der Sarg lag auf dem Bürgersteig. Passanten hasien den Wagen aufrichten und den Sarg wieder verladen. Die Schere, in der das Pferd ging, hatte sich ausgehängt. Richt nachgewiesen war, daß das Auto den Wagen angestoßen hatte. Der angerlagte Autoführer erhielt eine Geldstrafe von 30 Mark, weil er trotz der Enge der Durchfahrt nicht gehalten, sondern versucht hatte, durchzusahren.
ti.qe Schwiegertochter zuführte. Einen eigenen Charme besaß sie. Augen von einer rätselhaften Schönheit. Aber ein wankelmütiges Herz und einen Sinn, der sich nicht in die deutsche Tiefe einfinden und versenken konnte ...!"
O, wie viel mehr wußte und ahnte doch Schwester Wendula als Dietwarts Mutter! Hatte sie nicht mehr als einmal diese junge Baronesse droben in Bezay im Garten des Nachbarhauses neben dem jungen Franzosen auf 'und ab promenieren sehen, um in keiner Weise die Huldigringen Auräckzuwei- fen, die der Franzose ihr ganz offensichtlich nicht nur in seiner Haltung, sondern auch in Worten bereitete?
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Wenger blieb an der Seite von Raymond, auch nachdem man Abschied von Dietwart genommen halle. Er ahnte, was in dem Freunde oorgehen mochte. Wortlos starrten sie zu der großen Schar hinter der Barriere hinüber. Ein langer, hallender Pfiff ertönte. Wie ein Ruck ging es durch alle. Soldaten mit dem plattgedrückten Stahlhelm, dem gelbbraunen Kakhigelb der Felduniform und auf- gepflanzten Bajonetten formten jetzt den Zug und nahmen die „Boches" th ihre Mitte. Ein starrer Schmerz stand auf allen Gesichtern. Die Männer griffen zu den wenigen Habseligkeiten, um sie über die Brücke zu schleppen. Die Frauen hoben die Kleinsten auf den Arm, nahmen ein anderes der Kinder an der Hand. Und dann schritt man vorwärts, in den nebelgrauen Dezembertag hinein. Die Brücke erdröhnte unter den Schritten der Vielen. Der Winterwind pfiff über den breiten Strom. Und drunten wälzten sich die grünschil- lernden Wogen des Rheins in emsiger Wucht, In nimmerrastender Kraft.
Die Kinder wußten nicht, durch welche Lebenswende sie schritten. Aber die Mütter meinten still vor sich hin. Und in den zusammengepreßten Lippen der Männer stand ein toter Schmerz in dem Bewußtsein, dies olles um des Deutschtums willen wehrlos ertragen zu müssen.
(Fortsetzung folgt.)


