Er. 10 Drittes Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesseu) Donnerstag, 12. Januar 1928
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Bedeutet die Vereinheitlichung des Reiches Verbilligung der öffentlichen Ausgaben?
Von Dr. jur. Carl Cremer, Mitglied des Reichstags.
L«r Hetzen hiermit die Aussprache Über Me Verwaltung-, und Berfa ssungsreform, die ja auch in den Neujahrs kracht ungcn der telfwer und Minister eine große Stille spielte, |ort. Ts tonn mir yrottfmofjig fein, die großen Probleme, die hier der Losung hai?en, o^ne Reftlegung de» Standpunktes auf jede Einzelheit zunächst einmal von allen Seiten zu beleuchten.
Die ftoriterung einer grofuügigen Berroalfungc- reform, die auch an gewissen uenberungen der Der- iafjung nicht vorübergehen dort, wird vielfach mit der Behauptung bekämpft, daß «ine solche Vereinheitlichung keinesfalls ui einer «chebiichen A« r - billigung de» öffentlichen Apoarats 5f)ren würde, fo daß den Nachteilen einer strafferen usammensassung de» volksorgonismu» entfpre- ende materielle Vorteile nicht gcgen-iberftanben. . Ohne Zweffet liegt ein sehr großer Teil des malt- rreUrn Vorteils Oer vereinhettlichung des Reichs nicht jo iebr in der Verminderung öffentlicher Au», gaben als solcher, sondern in der Erleichterung de, Geschäftsverkehrs für da» Publikum, in der Verminderung des Verkehrs der Behörden untereinander, in der Einschränkung oller schädlichen Folgen de» Nebeneinander- und Gegeneinander- arbeiten» der verschiedenen Instanzen, die heute an einem bestimmten Gegenstand Interesse nehmen.
Darüber hinaus aber würden auch die materiellen Ersparnisse ganz außerordentlich zu Buche schlagen. Zunächst einmal wird an die Stelle von zwanzig gesetzgebenden Körperschaften eine einzige, nämlich der Reichstag, treten: die künftigen Landtage werden sich im wesentlichen nur mit Nufgab.'n der Selbstverwaltung zu beschäftigen haben und daher nicht mehr im eigentlichen Sinne Parlamente fein, sondern sich lediglich zu kurzen Sitzungsperioden versammeln, ähnlich tvie «s heute in Preußen die P r o oi n z i a l la n d t a g e tun. Mit der eigenen Gesetzgebung der Länder oerschwin- bet auch der außerordentlich große Teil Perwal- tung»arbeit, der in den Ministeri« n der Länder zur Vorbereitung Und Durchführung der gesetzgeberischen Arbeiten geleistet werden muß. Aus den Landerministerien werden Zentralstellen, ähnlich den jetzigen Provinzialverwaltungen in Preußen, die einen unvergleichlich geringeren Beam- Nnapparat erfordern, außerdem iber wirb die Zahl der Länder erheblich verringert, indem alle Heinen, für sich allein existenz- unfähigen Lander mit anderen Gebietsteilen des Reichs zu leistungsfähigen Landern vereinigt werden. Der dezentralisierte Einheitsstaat ist in etwa zehn bi» zwölf Länder gegliedert gedacht, die ihrerseits als Selb ft verwalt ungskorper organisiert sind und daher keine Teilung der Befugnisse mehr kennen, wie sie heute bi» in die unteren Instanzen hinein zwischen Organen de, Staate» und den Organen der Selbstverwaltung bestehen. Diese Befugnisse vereinigen sich in den selbst- Drriöülhingefprpem (Gemeinden, Stadtkreisen, Lorch- kreisen), in weiche jedes Land zerfällt. Bei einem solchen System fallen z. B. die sämtlichen preußischen Regierungen fort, deren Funktionen al» Aussicht». instanzen an da» Landespräsidium übergehen: e» fallen aber auch alle besonderen Organe fort, welche die staatlichen voheitsrechte unmittelbar parallel mit den Selbstoerwaltungsorganen vertreten.
Die Neugliederung geht natürlich bi» in die untersten Instanzen hinein und muß hier den Zweck »erfolgen, durch Vereinigung lebensunfähiger Gemeinden zu leistungsfähiaen ttelamtgeineinben, ferner durch die Vereinigung mehrerer Landkreise zu größeren Einheiten und Entwicklung leistung»- iä Higer Stadtkreise, da, wo die fortfchrei- tenbe Entwicklung der Bevölkerung und der Wirt- ichast ee notwendig macbf, wiederum an Arbeitskräften zu sparen und in sich selbst leistungsfähige Organismen zu schossen. In der Person des Oberbürge rm elften- bzw. Landrats konzentriert sich jede Art von Verwaltungstätigkeit innerhalb des Kreises, fo daß an dieser Stelle auch bereits jede Meinungsver- fchiedenheit innerhalb der einzelnen Ressorts der Per- toathing zur Entscheidung gelangt. In der Spitze des
Es zogen drei Burschen wohl über den Mein ....
Roman von (Erica Grupe-Lörchrr.
15. Fortsetzung Nachdruck verbalen
Mit der Feinneroigkeit eines kaum Genesenen, mfi der Sehnsucht eines feil Jahren von der heimlich Ge- Lebten getrennten Mannes empfand er ihr fast küh- les Betrachten seines Unglückes mit bohrenden, Schmerz. Dennoch raffle er sich zum weiteren Ge- spräche auf, das sich um ihren kranken Bruder örohte, indem er sich im stillen oonureben suchte: sie müsse sich erst in diese neue Tatsache •einer Der- tanimelimg hineinfinden, und die Einbuße seiner Zand mülle gerade auf ein junge» Mädchen zuerst |aft abstoßend einwirken.
Dann erschwerte das beginnende holperige Stein- Pflaster des Städtchens die weitere Unterhaltung. Man war durch eine langweilige, mü einstöckigen Bäufern begrenzte Straße entlang gekommen, in der •ur die regelmäßige Wiederkehr der Schilder „Esto- ttinct" oder ..(Eaft* Wirtschaften anfunbigtcn und etwas Abwechselung brachten, und bog letzt jum Marktplatz ein. Gegenüber der Barockkirche unter den Bogengängen, die auch in diesem nordfranzös:- fchen Städtchen das Rathaus kennzeichneten, stand «ine beuticbe Militärkapelle und hielt ihr allwock>ent- Lches Nachmittagskonzert ab. — Soldaten, die Frei- Iit batten, halb peneiene Öajaretttnfar.-n der gro- en Lazarettstadt im bunten Gemisch mit grauen, rSnnem und jungen Mädchen der französischen Zi- oilbeoölkening promenierten auf und ad, oder lehn° ten an den kleinen Steintreppen der Häuser. Ein Bild des Friedens mitten im Kriege.
Die Kapelle spielte stift einen Walzer. Dietwart Sb horchend den Kops. Er hotte begonnen, out die elobic zu achten. ..Melusine horch, die Melodie ist wir so bekannt. Die haben wir beide schon einmal gehört. geuKinfam. Ais wir zwei zusommen waren. Was ist es?"
Ihr genügten wenige Sekunden des Zudörens. Gewiß, du hast Recht. Dietwart. Den Walzer spielte man damals auf dem Wohltätigkeit-boll. Weiht du noch, gerade als wir oben in der Loge oben zusammen soupierten?"
Stadt- bzw. Landkreise» kann txe ehrenamtliche Betätigung der Bürger nach Loge der Verhältnisse in- nerhatb de» Magistrat» bzw. einer entsprechenden Behörde de» Landkre <7 herangezogen werden: erst recht ist die» innerhalb der Landgemeinden möglich und erstrebenswert Durch eine Heranziehung der Vertretungen der wirst cvuftttchen Organisationen zur Mnenstche.dung über int tommunaien Angelegenheiten kann ein starker Druck auch auf die Vereinfachung des Geschäftsbetrieb» innerhalb der Äreiie berbupe uhrt werden, wobei auf der anderen Seite ein entsprechend au »gebaute» Aus- lichtsrechl des Lande»prafid,ums in Frage kommt, das sich insbesondere der Etatsgebarung und der Inoesti tionspoliltk ber Streife zu zu wenden Hot. Sache der Lander wird es insbesondere sein, Doppelarbeit und (Begeneinanöerarbeit der ftreiic zu verhindern und für eine möglichsl vollkommene Ausnutzung der öffentlichen Versorgungseinrichtungen (Elektrizität, Wasser, Gas usw.) zu [orgen. Die Streife und aushilfsweise bas Land, werden ferner die Aufgaben der Kultur- und Wohlfahrtspflege zu erfüllen und die daraus erwachsenden Lasten^entsprechend der Leistungsfähigkeit der BeooHAung auf eine möglichst breite Grundlage zu stellen haben.
3n ähnlicher Weise kann bu Vereinheitlichung des Reichs auf dem Gebiet« der Rechtspflege zu recht erheblichen Grsparniffen führen. Die verbesserten Verkehrsb Ziehungen ermöglichen hier ähnlich wie auf dem Gebiete der Verwaltung die önttotdlung der Rechtspflege in der unteren Instanz zu größeren und daher wirtichafllicher arbeitenden Einheiten. Es wird zu erstreben sein, daß die gesamte Zivilrechtöpslege der unteren Instanz durch Sinzelrichler erfolgt, die lediglich in besonders gearteten Angelegenheiten (z. D. Arbeit-fachen. Handelssachen usw.) ehrenamtliche Beisitzer aus dem Stand der Sach- und Fachkundigen zu Kollegien erweitern werden. DaS System des Einzelrichters ermöglicht eine große Beweglichkeit und Anpassungsfähigkeit diese- Systems. Wenn die unterste Instanz al- Landgericht gedacht wird, welche- mehrer» Land- und Stadtkreise umfaßt, so kann durch ständige DerichtSdeputativnen an ent- legeneren oder besonders wichtigen einzelnen Plätzen eine etwa erwünscht erscheinend« Dezentralisation erreicht werden. Eine große Anzahl von Amtsgerichten ist in einzelnen Ländern vorhanden, die keine volle Ausnutzung der darin beschäftigten Arbeitskräfte gestatten, deren Einziehung dient dem Interesse der Sparsamkeit und vollen Ausnutzung de- notwendigen Personals.
Heber den Landgerichten werden die Ober- landeSge richte stehen: im allgemeinen für iedeS Land eines, nur da, wo besondere Verhältnisse es erforderlich machen, ausnahmsweise mehr. AIS dritte Instanz schließt sich baS Reichs- gericht an, dessen Inanspruchnahme aber auf die Entscheidung solcher Rechtsfragen zu beschränken wäre, die wissenschaftlich streitig und bisher vom Reichsgericht noch nicht entschieden sind. Eine Prüfung unter diesem Gesichtspunkte kann ohne Schwierigkeiten von demjenigen Senat de- OberlandeSgerichts. der da- llrteil spricht, vorgenommen werden. Die Zulässigkeit deS weiteren Rechtsmittels muß durch da- Urteil deS OberlandeSgerichts zum Ausdruck gebracht w. rden.
In Strafsachen werden sowohl die Gerichte Erster Instanz (kleine Schöffengerichte) al» die Gerichte Zweiter Instanz <große Schöffengerichte) bei den Landgerichten zu bilden fein; da» Rechtsmittel der Dritten Instanz muß auch hier auf Rechtsfragen befchrünlt wrrden, unh da. wo eine wissenschaftlich streitige Frage zu entscheiden ist. die das Reichsgericht noch nicht entschieden hat, an das Reichsg?rich', im übrigen an die vberlande-gerichte gehen. Schon ein Vergleich der Kosten der heutigen GerichtSorgani- fationen mit denen einer solchen neuauszubauen- ben muß ganz erhebliche Ersparnisse ergeben; im Beharrungszustand kann hier zweifellos ein "Viertel des P rivnalS eingespart werden. Kleine Länder, wie Braunschweig, Mecklenburg.
Und ob er es noch wußte. „Damals, als wir uns fanden! Als wir uns verlobten, Melusine", wollte er iaaen. Aber die Worte blieben ihm stecken. Er wußte leibst nicht, warum sich plötzlich ein folrtxr Schatten über jene Erinnerung senkte, die für ihn bisher immer in strahlendem Glan> eines anffteigenben Liebe »glücke» vor ihm gestanden. 1
.Quand l’amour meurtH, ein himmlisch schöner 'Walzer ist es“, fuhr sie nun fort und sah auf das Bild, das sich ihr auf dem Marktplatze bot. während der Wagen wellerrollte. „Wir haben nach feinen Klängen damals den ersten Walzer zusammen getanzt. Weißt du noch?"
0. er wußte auch das noch. Erinnerte sich auch seines stechenden, plötzlichen Schmerzes, a\:- er, Mclu- fine in den Armen haltend, und ihr leises, süßes Mt'ummen der Melodie hörte, nach dem 71 amen der Weile fragte. Cnstann sich seines schmerzlichen inner« lichen Amlehnens, al» er erfuhr, daß er unter der schrnerzlich-fühen Weife „Wenn die Liebe stirbt" zum ersten Male sein junges Liebesglück im Arme gehalten.
„Wenn die Liebe stirbt!" —
In all fein erneute» innere» Aufbäumen „Es kann nicht sein! Das darf nicht kommen!" — senkte sich jetzt wie ein grauer Schleier die Ahnung, daß es vielleicht doch so kommen würde —! Unbcfinicrbar fein war diele Ahnung. Und doch kam sie heran wie eine feine, jch-er unfaßbare Nebelwand.
Er redete sich ein: ihr nicht verübeln zu bürien, wenn sie beut für fein persönliches Ergehen weniger Anteilnahme bezeigte. Ihr frommen galt ihrem Bruder! Galt der Möglichkeit, ihn vielleicht yim letzten Male zu sehen.
Stark rang er allen inneren Seelen'chmerz, alle persönliche Enttäuschung nieder. In jedem 3oll war er, als der Wagen nun in den blumcngeichmückten Borgarten de» Lazarette» einroUte, nur brr junge Freund, der ritterlich die Schwester seines Freundes geleitete und ihr die Dege zeigte.
Eine Nonne im dunkelbraunen faltigen Gewand itieg gerade die Stufen der kleinen Freitreppe herab. Es war nur Zufall. Die Baronesse ober glaubte, es sei zu ihrer Begrüßung. Und da sie da- Abzeichen der Oberin, das goldene jkntzifir, auf der Brust der Nonne erblickte, beugte sie sich zum Hand- hdte nieder. Die Oberin neigt? sich mit ihrem seinen, durchgeistigten Gesicht, in dem em paar dunkle
Oldenburg, haben ihre eigenen O0erlandesgerich«« Bayern hat sogar deren fünf und dazu noch ein Oberste» LandeSgertcht. während sich Sachsen mit einem einzigen Obrrlandesaer.chi begnügt und in Preußen em solche» auf jede Prvv.nz entfällt.
Die Vere nde.Eichung de» Reich» würde auch eine ganz erb»bliche Ersparnis in dem Ausbau der Reichsfinanzverwaltung ermöglichen Für jeden Stadt- bzw OanMrcie wird ein einzige» Finanzamt genügen und damit c.ne groftc An^bl kleinerer Finanzämter entbehrlich werden. Diese» Finanzamt hätte zugl.tch sämtliche Steuern und andere öffentliche Abgaben der Länder und Gemeinden einzuziehen und abzurechnen- e» würde jedem Steuerpflichtigen auf einem einzigen Steuerzettel seine sämtlichen Verdmdttch- feiten abzurechnen haben, sämtliche R<Nam ttivnen abzuwickeln haben und damit eine große Anzahl von befanderen Einnchtungen der Länder unb Gemeinden überflüssig machen.
Hier find einige Gebote b?eauegegriffen. auf denen ein anschauliche» Bild r»on den Möglich- feiten. Ersparnisse gZoßen Stil» durch Dercinheit- lichung der Derwaltung zu machen, zu gewinnen. Wenn demgegenüber eingcwandt wird, daß e» auch durchaviS in der Möglichkeit der einzelnen Länder liegt, i nnerhalo ihrer Grenzen selbst eine derartige Dercinfachuitg der Staatsver
waltung durchzusetzen, fo muß die» mit Rücklicht au) die Md«n vergeblichen Versuche derartige» innerhalb der «nzclnen Länder durchzu- iühren in starken Zwei sei g zogen werden. Manche der kleineren Lander ltnd gar nicht imstande, innerhalb einer derartigen Organt'atwm mehr al» eine untere Verwaltung»einhe.t zu lein, außerdem aber würde durch eine Verwaltung»» refotm nach 20 verschiedenen Rezepten die Uebersichtlichkelt und Klarheit de» Organismus nur noch mehr erschwert werden, während die Bevölkerung im ganzen wie die Wirtschaft im besonderen da» größte Ittteresse gerade Daran hat. überall innerhalb der Reich»« grenzen die praktische Verwirklichung derselben einheitlichen Grundsätze anzutreslen Erst hierdurch wird auch dem etnsachstrn Staatsbürger da» Veri
auch der einfachste Mann au» dem Volke in den Stand gesetzt, seine eigenen Angelegenheiten vor den Behörden richtig und reibungslos zu vertreten Die schon eingangs bemerkt, liegt hierin sowie in der Beseitigung der Auswüchse de» Parlamentarismus ein so großer materieller Gewinn, daß dahinter die unmittelbare ^Inkostenersparni» bei den Ausgab«, bei öffentlichen Körperschaften in ihrer Bedeutung vom wirtschaftlichen Standpunkt au» gesehen au' alle Fälle zurückbleibt, mag mqn sie auch mit Recht aus Hunderte von Millionen schätzen
Buntes Allerlei.
wo» soll bas Mädel werden?
Die Frage ,.QDa» soll das Mädel werden? ' beschäftigt heute fast jeden Haushalt, während in früheren Zeiten die Mädchen rum großen Teil aus den Monn warteten. Daß diese» Problem gegenwärtig so viel schwieriger ist als die Berufswahl der Söhne, erklärt sich vom selbst. Da» männliche Geschlecht ist feit langem gewöhnt, diese Frage zu lösen. Der Sohn hat da» Vorbild de» Vaters, findet geebnete Wege. Die Tochter steht vor Reuland — ohne rechten Wegweiser. Run ist aber heutzutage der Berus für die meisten Mädchen notwendig, denn die unsichere wirtschaftliche Gage, die Verringerung der Eheaussichten zwingen dazu. Gute Ratschläge auf diesem schwierigen Gebiet gibt Dr. Alice Salomon, die in der Derussberatung große Erfahrung besitzt, in einem Aufsatz von »Wester- manns. Monatsheften". Man glaubt gewöhnlich, daß e» eine ganze Anzahl besonderer Frauenberufe gibt. Tatsächlich aber hat die Frau keine wesentlich anderen Arbeitsgebiete als der Mann. Reu für die Frau sind die Berufe nur insofern, al» sie erst in jüngster Zeit dem weiblicheti Geschlecht geöffnet wurden. In der Landwirtschaft stcht bk Frau seit langem neben dem Mann, findet al» Landarbeiterin ihr Ünterfommen, als Bäuerin eine geachtete Stellung und hat sich gelegentlich auch als CutZdesitzerin bewährt. Im Gewerbe muß das Mädchen entweder von der Pike an dienen und sich zu einem höheren Posten emporarbeiten, oder sie gewinnt durch die Mitarbeit hn Geschäft des Vaters oder Gatten ein Teilhaberver^ältnis. Selbständige Inhaberinnen von größeren gewerblicheti Betrieben sind fast stets Witwen ehemaliger Eigentümer, die daS Geschäft weitersühren. Rur im Dekleidungsg-Werbe. das einet: mehr handwerksmäßigen ®5aröfter aufweist, baut sich die Frau ihr Geschäft selbständig auf. Im Handel gibt es einige Arbeitsfelder, dfe der Frau fast ausschließlich zugefallen sind, so der Berus der Stenotypistin, der geradezu al» weibliches Monopol angesehen werden kann. Müdchrn bringen e» nicht selten im Geschäft zu Vertrauensposten. aber sie fühlen sich, wenn sie ausgesprochen weibliche und mütterliche Anlage haben, hier nicht selten unbefriedigt. Ihr Wunsch, für andere zu sorgen, wird besser in den pflegerischen. erzieherischen und sozialen Berufen erfüllt. Auf solche Neigungen der weiblichen Jugend muß bei der Berufswahl in erster Linie Rücksicht genommen werden. Die Rach'rage nach Krankenpslegerinnen. Kindergärtnerinnen, Sozia lbeamtinnen wächst dauernd, und wer darin gut auSgebildet ist. i.ndet leicht Stellung, findet auch Aufstieg möglich ketten, durch die man zu
leitenden Stellungen gelangen kann Die Sucht, die ..studierten Berufe" zu ergreifen, die bisher Vorrecht der Männer waren, führt manche» Mädchen auf falsche Pfade. ..Erzieht eure Töchter nicht zur Kunst, wenn die Anlagen sie für da» Handwerk geeignet machen!' rät Dr Salomon. ..erzieht sie nicht für die Wifsenschast, wenn sie für praktische Dinge begabt sind! E» ist unendlich viel fruchtbarer, eine Tochter Kindergärtnerin statt L<chrerin werden zu lassen, wenn sie Kinder lieb hat. aber Bücherwissen schwer auf- nimmt. ES ist viel vernünftiger, sic ^Verkäuferin statt Buchhalterin werden zu lassen, wenn sie angenehme 11 mga na »formen hat. aber mit der Feder ungewandt bleibt. Eine tüchtige Schneiderin ist gesuchter al» eine schlechte Malerin, eine hervorragende Krankenpflegerin begehrter al» eine mittelmäßige Aerztin." Alle» kommt auf Neigung und Begabung an. und dann vor allem auf die häusliche Erziehung, die ganz allgemein auf das Echte und Wertvolle, nicht auf den Schein gerichtet fein muß. Wer Gelegenheit hat. viele junge Mädchen bei der Berufswahl zu beraten oder in ihrer Laufbahn zu beobachten," lagt die Verfasserin, „kommt Immer wieder zu dem Ergebnis, daß nur deshalb so viele Frauen zu einer zerstückelten, gebrochenen Be ruf-lauf- bahn gelangen und sich in ihrer Arbciit als un- glückliche Wesen fühlen, weil sie Idch zu sehr von dem leiten lassen, was al» anfehnluch und vornehm gilt. Deshalb sollte man auf di« In- stinktsichecheit der Jugendlichen vertrauen, sollt« versuchen, in ihnen da- Streben nach dem Wahrhaften zu wecken. Man sollte schon dem Heranwachsenden Mädchen Geletvnheit zu vielsäl- tipen Beschäftigungen geben, bei denen e» sich seiner eigenen Reigungen imb Begabungen bewußt werden fann.'r
Bei der Entenjagd In der Ostsee umgekommen
Der Maurer Mupker und sein Sechn, die Sonntag früh mit einem kleinen Motorboot bei Solberg auf die Ostsee zur Entenjagd hinau-gefah- ren waren, sind bisher n.cht zurückgekehrt. Da am Strande BVorteile und AusrüstungS- gegenstände. die teilweise zersplitiert waren, gefunden wurden, nimmt man an. daß der Motor be» Boote» explodiert ist und daß die beiden BootSinsassen den Tod in den Wellen gefunden haben.
Doppelmord bei Solbau.
In Priorn (Ärei6 Soldau) wurden zwei betagte Schwestern in einem Walde unmittelbar an einer Bahnstrecke ermordet aufgefunden Mit Hilfe von Polizeihunden gelang es, den Täter, einen Arbeiter namen» Skonietzka au» Pierlawken, fest zunehmen.
Augen wie samtene Aurikeln standen, mit einiger Verlegenheit herab und fragte auf französisch: „sie kommen zu uns. Mademoijelle?"
Die Baronesse antwortete ihr sofort in ihrem klangvollen Französisch: „Ich komm«, um nach meinem 8ruber zu iehen, der hier im Lazarett liegt'"
Die Nonne richtete sich wieder auf. Mit einer leich. ten Bewegung ihrer blassen Hand strich sie sich einen fchnrolen Streifen grauer ffaare unter die große, weiße Haube piruck, deren gestärkte Seitenstreisen tast wie Flügel abstanden. ..Ah.^ sagte sie in tarnte m Tonfall lächelnd, „verzeihen Sie, Demoijclle! Ich glaubte. Sie waren eine von den Unseren!"
Dann aber trat sie einen Schritt zurück, um dem jungen Deutschen wieder die Führung zu überlassen und schritt die Freitreppe herab. Drunten aber blieb sie nochmals stehen und 'oh sich unwillkürlich noch- mals nach dem jungen Mädchen um. Das bemerkte- Diettvark. Die unwillkürliche Aeußerung der Nonne: „Ah, ich glaubte. Sie seien eine von den Unseren!" gab ihm einen Stich. Hatte ber scharf«, kluge, lebens- erfahrene Blick diejer alten Frau in einem Moment entdeckt, daß in ber Tat in ber jungen Baronesse viel Französisches lag, im Aussehen, vor ollen Dingen in ber Figur, in Halttmg und Schritt, und der Eleganz ihrer ftleibung? Befaß die junge Fremde äußerlich so wenig aus^eiproiten Deutsche., wenn sie in ihr eine Landsmännin begrüßen zu können glaubte'
Ein hohes Treppenhaus von angenehme Stühle inmitten ber Sommerglut nahm sie beide nun auf. Dietwart öffnete ihr zur Linken eine Tür und bat sie durch eine Handdewegung, ins Geschäftszimmer einzutreten, um ihr frommen anzumelden. Während er mit dem Feldwebel des Lazarettes sprach -und bann wieder hinausfchritt, um dem Freunde ihr Eintreffen mitzuteilen, überkam sie eine plötzliche Ermüdung und Erschöpfung. Was Wunder! War He nicht Tag und Nach: aerei't, um nach den beängstigenden Nachrichten über Naymonds Befinden hierher zu kommen ?
Es wurde alles in bitter anffteigenben Erschlaffung fast zu Schemen um sie. Sie Hörle einige Dr- donnanzen und Soldaten im Geschäftszimmer um sich sprechen, bann kam plötzlich ein Ruck in alle anderen. Ein Herr in Uniform trat ein. Es war der Oberstabsarzt des Lazarettes. Sein Blick überflog die junge Fremde, aber sein Auge hellte sich sofort
auf, als ber Feldwebel den Grund ihrer Anwesenheit meldete. Der Oberjtabsant, der gerade zur Abend- visite kam, bat sie durch eine Handbewegung In sein Prioatbureau zur Rechten.
Sie dankte ihm sogleich mit einigen Worten, daß er ihren Besuch erlaubt und ihr Kommen ermöglicht hatte. Mit Angst forschte sie In feinen ernsten Zügen. „Ist Hoffnung, Herr Oberstabsarzt?"
Der Arzt sah für Sekunden aus dem Fenster. „Vielleicht von heute ab. (Heftern sah ich das Schwärzeste. Es scheint heut um einen Schimmer besser. Wir stehen unmittelbar in der Krisis. Bleiben Sie einige Tage hier, Baronesse! Dann wer- den Sie — nach inenfchlichem Ermessen — den Ausgang brr Krisis hier abwarten können!"
Sie ergriff stumm seine Hand, um ihm für [ein menschliches Mitsühlen zu danken. ,Lch habe Anordnung getroffen, daß Sic Quartier 'm Schwestern- hause finden, Baronesse. Dann brauchen Sie nicht erst auf der Ortskommandantur nach Quartier zu tragen. Wenn Sie sonst irgendeinen Wunsch haben te'Uten, bitte, lassen Sie ihn mich wissen, Herr Leutnant von Schölzer wird Ihnen zur Seite stehen. — Gott sei Donk, ist es uns hier ja gelungen, auch ihn durchzukriegen. Auch für ihn stand es sehr schlecht. Auch er hat stundenlang nach der Berwundung in einer falten Nacht unter strömen- dem Regen auf dem Schlachtfeld aelegen und seine Lungenentzündung war fast schlrmmer als leine Verwundung."
Wieder kam dieser änderbare Zustand über sie, daß alles gehört und doch nicht innerlich aufgenommen, an ihrem Ohr oorüberflang Dann sah sie sich, über das hallende, kühle Treppenhaus eine Treppe hinaufgeleitet, einer Zimmertüre wgehen. Erst ein paar tragende, fast brennende tfrauem äugen riffen sie aus dieser körperlichen Dumpfheit. An der nur angelernten Zimmeriür stand eine junge Krankenschwester. Der Blick mit dem sie die junge Baronesse neben Dietwart die Treppe her- auffteigen sah, war mehr als Neugierde über einen hier immerhin ungewöhnlichen Betuch.
Melusine hatte mit einem höft-.chen, konventionellen Neigen des fropfes als Gran ihr oor- überaehen und eintreten wollen. Doch Dietwart blieb plötzlich stehen. „Baronesse, darf ich Ihnen Schwester Wendusa oorstellen! Sie ist die treue Pflegerin Ihres Brüters!" (Fortsetzung folgt.)


