Einzelbild herunterladen

moto, der japanische PerkenDnlg. Er ist der Erfinder jenes Verfahrens, echte Perlen künst­lich in Muscheln zu züchten, indem man die lebende Muschel durch ein Fromdkörperchen krank macht, und zur 2lbsonderung des Perlensekrets zwingt. Eigentlich stammt die Methode zwar von den Chinesen, aber Mikimow hat sie entwickelt und durch siebzehn verschiedene Patente geschützt. Jetzt besitzt er große Perlenplanlagen, vor allen Dingen in der Heimat ltchen Ducht von Loba, und er ist durch feine Erfindungen zu einem der reich- sten Leute Japans geworden.

Oie (Schlacht vor Paris.

Nachdem nunmehr der letzte Band d«S _M a r n e d r a m a S" (»Die Schlacht vor Paris", Dd. 26 der Jahresreihe, Schlachten des Welt- kriegs, herausgegeben im Auftrage des Reichs­archivs, Verlag Gerhard Stalling, Oldenburg, 602) erschienen ist, kann es keinem Zweifel mehr unterliegen, daß die Frage, ob die deutsche oder die französische Auffassung richtig ist. einwand­frei im Sinne der ersteren gellärt worden ist. Hatten die früher erschienenen vier Bände rm wesentlichen die Kampsereignisfe der deutschen 2. und des rechten Flügels der deutschen 3. Ar- mee behandelt unb gezeigt, wie dort in den Mittagstunden des 9. September ein voller Sieg herangereift war, fo bringt der jetzt erschienene letzte Band insbesondere eine volle Klärung der Lage bei Abschluß der Schlacht andenFront- a b s ch n i t t e n, die nach Ansicht der Franzosen für die deutsche Riederlage entscheidend waren, nämlich am rechten Flügel der 1. und in der Lücke zwischen der 1. und 2. Armee.

Nachdem am 5. September die dem rechten deutschen Heeresflügel drohende, ungeheure Ge­fahr Nar zutage getreten war, hatte tatsächlich der Rordslugel der L Armee tagelang In fchwerster Krise gestanden. Aber der Ober­befehlshaber der 1. Armee und sein General- stabschef hatten der zähen Energie der Generale Gallieni und Maunoury den eisernen Willen entgegengestemmt, das Gesetz des Handelns un­bedingt wieder zu gewinnen und die französischen Llmttammerungsversuche mit einer Umfassung des französischen RordflügelS zu be­antworten. Mit kühnem Entschluß hatten sie die südlich der Marne stehenden Korps weggerissen und in unerhörten Gewaltmärschen nach dem entscheidenden Kampffeld am Ourcq geschoben, energisch alle irgendwie freizumachenden Kräfte aus der Etappe nach bem Rordflügel der Ar­mee gezogen. Am Abend des 3. September war dank der hervorragenden Führung der 1. Armee auf dem rechten Flügel die Lage gesichert, am Vormittag des 9. reifte hier der deutsche Sieg. Die zur ilmfaffung angefetzte tranzöfische 6. Ar­mee fand sich ihrerseits umfaßt, ihr Führer sah sich gezwungen, die Zurücknahme feines linken ^Flügels zu befehlen: er war in schwerer Sorge, vb seine Front dem Ansturm der Deutschen standhalten würde. So war hier ein voller deutscher Sieg errungen, und es ist eigent­lich schwer verständlich, daß die Franzosen ge­rade die Lage des Rordflügels der Ourcqfront zur Stützung ihrer These heranziehen.

Daß das Wegziehen der südlich der Marne dem britischen Expeditionskorps gegenüber- stehenden Teile der 1. Armee Schwierigkeiten zur Folge haben mußte, sobald der Gegner die sich ihm hier bietende Gelegenheit auch nur einigermaßen energisch ausnutzte, war von vorn­herein har gewesen. Daß diese Schwierigkeiten erst verhältnismäßig spät einfetzten, hatten die Deutschen neben dem Zögern der Engländer und des linken Flügels der 5. fran­zösischen Armee vor allem dem geschickten Ver­halten ihrer Heereskavallerie zu verdanken. Immerhin brachte der 9. dem linken Flügel der 1. Armee kritische Stunden. Aber auch hier zeigte sich die Führung der Lage gewachsen. Um die Mittagsstunde war nach dem Einsatz der deut­schen 5. Inf.-Division den über die Marne vor­gedrungenen Engländern ein fester Riegel vor­geschoben, ja, es kann Wohl durchaus angenom­men werden, daß der Abend des 9. September die Deutschen wieder im vollen Besitz des nörd­lichen Marneufers gesehen hätte, wenn nicht durch das tragische Eingreifen der Ober­sten Heeresleitung die deutschen Armeen vor der Einbringung des geernteten Sieges z u - rückgehalten worden waren. Dieses Ein­greifen der O. H. L. behandelt der Leiter der Schriftfolge, Archivrat Soldan, in einem beson­deren Schlußkapitel, das an daS entsprechende

Kapitel im vorhergehenden Bande anschließt. Soldan lehnt es ah, den AuSgang der Marne- schlacht als Schicksal zu bezeichnen. Die Schwache der deutschen O. H. L. und die Führung der 2. Armee werden für den Ausgang der Schlacht verantwortlich gemacht.

Wagen im Hessischen Landtag.

Der vvllsparteiliche Abgeordnete Dr. Rie- polh hat folgende kleine Ansrage eingebracht: Auf Anregung meiner Fraktion Hal der Landtag tn seiner Sitzung vom 1. Juni 1927 beschlos. sen, daß Die kulturtechnischen Kosten auf Grund eines Tarifs zurückzuerheben seien. Obwohl dieser Tarif bisher noch nicht ver­öffentlicht wurde, ist in einem bekannt gewordenen Cinzelfall einer Gemeinde milgeteilt worden, daß sich die BauleiwngSgebühren infolge des erwähn­ten Landlagsbeschlusses um 1000 Mark erhöht hatten. Da diese Mitteilung in einer Versamm­lung des Landgemeindetags in Gießen unlieb­sames Aufsehen erregte, frage ich an: Ist die Regierung bereit, den Tarif der Bauleitungs­gebühren der Kulturbauämter unverzüglich zu ve r öf f en 11 ichen?

Derselbe Abgeordnete fragt ferner an: Die Inbetriebnahme des SchwelwerkeS der Grube Friedrich bei Hungen hat für die Einwohnerschaft der umliegenden Gemeinden eine außerordentliche Geruchbelästi­gung zur Folge gehabt. Da man befürchtet, daß sich mit Inbetriebnahme des Schwelwerkes der Hefrag in Wölfersheim diese Geruchbelästi- gung noch steigern wird, hat sich der Bevölke­rung eine begreifliche Unruhe bemächtigt. Die Unruhe ist um so verständlicher, wenn, man hört, daß ein nach demselben Verfahren arbeitendes Schwelwerk in Mitteldeutschland wegen der Ge­ruchbelästigung der Umgebung feinen Be­trieb ein ft eilen mußte. Der hessische Staat, der in Bad-Rauheim und Bad-Salzhausen viele Millionen investiert hat, ist an der Beseitigung der Mißstände erheblich interessiert. Ich frage daher an: Sind der Regierung diese Zustände bekannt? Wenn ja, ist die Reaierung in der Lage zu erklären, daß durch besondere Vor­kehrungen eine Geruchbelästigung durch das Werk der Hefrag mit Sicherheit ausgeschlos- s e n wird? Ist die Regierung bereit, von der Grube Friedrich zu verlangen, daß sie entweder die notwendigen Maßnahmen zur Abstellung des jetzigen Zustandes trifft, oder aber den Betrieo einstellt?

Kanarien-Ausstellung in Gießen.

Eine allgemeine Kanarien-AuSstel- l u n g veranstaltete der Verein Kanaria Gießen und Umgegend am Sonntag bei gutem Besuch in den Räumen des ..Postkeller". Die Ausstellung zeigte neben 164 Kanarien­vögeln über 100 exotische Vogel. Letztere waren in einer eigens dafür hergestellten Voliere aus­gestellt und boten mit ihren farbenprächtigen Gefiedern einen wunderbaren Anblick, weShalb sie auch als Hauptanziehungspunkt der Ausstel­lung galten. Rach dem Urteil der Preisrichter war die Ausstellung mit vorzüglichem Zucht- material und ganz hervorragenden Sängern be­schickt, so daß es ernster Arbeit bedurfte, um auS den guten Sängern die besten herauszufin- ben. Die Preisbewertung hatte folgende- Ergebnis:

A. Selbstzuchtklasse: Große goldene Me­daille, 1. Ehrenpreis mit 327 Punkten Iakob Schmidt, Marburg: Kleine goldene Medaille, 2. Ehrenpreis mit 306 Punkten Kaspar Schmidt, Marburg: Große silberne Medaille, 3. Ehren­preis mit 303 Punkten W. Kusche, Fulda, Damen- Chrenpreis, Vereinswanderpreis und Silberne Medaille mit 297 Punkten Karl HeimeS, Gießen: Silberne Medaille, 5. Ehrenpreis mit 279 Punk­ten W. Hachenburger II., Beienheim: Silberne Medaille, 6. Ehrenpreis mit 276 Punkten L. Rau- mann, Wehrshausen (Kr. Marburg): Goldene Medaille für bestes Hohl, Silberne Medaille für beste Knorre, Silberne Medaille und 7. Ehren­preis mit 270 Punkten Richard Frenzel, Gießen: Silberne Medaille, 8. Ehrenpreis mit 258 Punk­ten Konr. Simon, Friedberg: Silberne Medaille, 9. Ehrenpreis mit 249 Punkten Hch. Schmidt, Gießen: Silberne Medaille, 10. Ehrenpreis mit 246 Punkten Phil. Müller. Grünberg: Silberne Medaille und Trostpreis mit 144 Punkten Karl Rikolai, Gießen: Silberne Medaillen Karl

Hühnermunb. Gießen. 231 Punkte, Fritz Schütz. Friedberg, 228 Punkte.

B. Allgemeinklasfe: Große goldene Me­daille, 1. Ehrenpreis mit 312 Punkten Hch. Ruppel, Untec-WidderSheim: Große sllberne Me­daille, 2. Ehrenpreis mit 309 Punkten Karl Hühnermund, Gießen: Silberne Medaille, 3. Ehrenpreis mit 285 Punkten Joseph Fischer, Altenkirchen: Silberne Medallle, 4. Ehrenpreis mit 285 Punkten Hch. Decker. Gießen: Silberne Medaille, 5. Ehrenpreis mit 270 Punkten Phil. Müller. Grünberg: Silberne Medaille. 6. Ehren­preis mit 258 Punlten Hermann Schoß, Weil­burg: Silberne Medaille, 7. Ehrenpreis mit 246 Punkten Richard Frenzel, Gießen: Silberne Medaille mit 246 Punkten Hch. Hofmann L, LangSdors.

Der Vogelschau angegliedert war auch eine Ausstellung von Dogelfuttersaaten, Käfigen, iltenfllien und Artikeln zur Vogelzucht und -pflege der Gießener Firmen: Samenhandlung Heinrich Hahn, OberhessischeS SamenhauS (Will). Hefemann) und Karl Hühnermund. Die Firma Hch. Hahn errang eine goldene Me­daille, die Firma Wild. Hefemann eine silberne Medaille und K. Hühnermund ein Diplom.

Oberhefsen.

Landkreis Gietzen.

OO Klein-Linden, 11. Dez. Heute feiern der Gastwirt Philipp Jung XV. und seine Ehe- frau ihr 4 0j ä h r i g e s G e s ch ä f t s j u b i l ä u m als Inhaber der GastwirtschaftZur Burg". Der Gesanaverein .Harmonie" besten Mitbegründer Gast­wirt Jung ist. und die BurschenvereinigungBur- gundia" haben seit vierzig Jahren ihr Stammlokal in der Wirtschaft, gewiß ein seltenes Zeichen gegen­seitiger Anhänglichkeit und ein ehrendes Zeugnis für die Eheleute Jung.

Klein-Linden, 10. Dez. Gestern nacht wurde in ber Frankfurter Straße der 18 Jahre alte August Volkert von einem Auto überfaßten und zur Seite aefchteubert. wo er bewußtlos liegen bliea. Seine Kameraden fanden ihn und trugen ihn nach Haufe, wo der Arzt einen Schlüsselbeinbruch feststellte. Das Unglück ge­schah bei starkem Rebel. Der Kraftwagen ent­tarn unerkannt.

h. Daubringen. 9. *S>ex. Heute nachmittag fand im schön geschmückten Saale von Gastwirt Emil Schäfer dahier die Feier der Sech­ziger aus de-m Kirchspiel Kirchberg statt. Aus Veranlassung von Rechner Schwalm (Lollar), der sich um das Zustandekommen verdient machte, traten einige Altersgenossen aus den Kirchspiels­gemeinden zusammen, um eine schlichte Wieder- sehensfeier zu organisieren. Don den im Jahre 1882 in Kirchberg Konfirmierten 48 hatten sich 22 eingefunden, auch von Gießen. Der Tod hatte Lücken gerissen, einige waren leider durch Trauer oder Krankheit verhindert. Aber auch die zu- gezogenen und schon längst im Kirchspiel seß­haft gewordenen 60er hatten eS sich nicht nehmen lassen, der Feier bcizuwohnen, so daß ungefähr 65 Personen den Saal füllten. Am Vormittag hatten die Feiernden Kirchgang gehalten. Am Rachmittag vereinigten sie sich nach einer photo­graphischen Aufnahme am Kaffeetisch, den die Frauen der Daubringer Altersgenossen mit gro­ßem Geschmack geschmückt hatten. Fleischbeschauer Kuhl (Staufenberg) begrüßte die Erschienenen, Dekan G u ß m a n n, auch ein 60er, gedachte in längeren Ausführungen der Bedeutung und des Zweckes der Zusammenkunft, Frau K a l e t s ch (Lollar) trug ein ernstes, s elbstverfertigteS Ge­dicht vor. Beim Austausch der Erinnerung aus längst vergangenen Jugendtagen, beim Singen von Volks- und Heimatliedern verflogen allzu- schnell die Stunden. Aber es war schön.

U Rodheim a. d. Horloff. 10. Dez. In einer gut besuchten Versammlung sprach Dr. Günther vom Landtoir.fchafttamt Äidda, dem unser Dors feit kurzem zugeteilt ist, über Sor­tenwahl. Den recht aufschlußreichen klaren Darlegungen des Vortragenden folgte eine rege Aussprache. Mit Dankeswor en an Dr. Günther schloß der Bürgermeister die Versammlung. linier Pfarrer hatte die Gemeinde zu einem Lichtbilderabend eingelaben. Dor voll­besetztem Saale geigte er Bilder von deutschen Soldatengräbern tn fremder Erde. Er führte die Zuhörer im Bild zunächst nach dem westlichen, dann nach dem russischen und dem rumänischen Kriegsschauplatz. Mit dec Mahnung an die Ju­gend, der treuen Toten zu gedenken, und mit dem Wunsche, daß die kriegerischen Auseinandersetzun­

gen zwischen den Völkern einmal crushören ten, schloß der Vortragende den Abend.

Kreis Friedberg.

! Gambach. 10. Dep Bei der am Samstag in der hiesigen Gemarkung abg.hallcn.m Feld­treibjagd wurden von etwa 50 Schützen L2 Hasen, eine Wildente und ein Sperber zur Strecke gebracht.

KrciS Schotten.

§ Ulrichstein, 10. Dez. Der von den bei­den Männergesangvereinen Ulrich­stein und Bobenhausen unter der Leitung ihrer Dirigenten Wilhelm D a u p e r t und 2eß* ter Müller (Kölzenhain) am Samstag gemein­sam veranstalteten Schubert-Abend kann als durchaus wohlgelungen bezeichnet werden. Der Abend zerfiel in zwei Teile: im ersten ka­men lediglich Werke Schuberts zu Gehör, im zweiten nur solche anderer Meister. Man muß es den Vereinen lassen, daß sie mit großem Eifer um die Palme rangen, und es fällt schwer, sie einem von ihnen mit Bestimmtheit ^uzuerken- nen. Unter den Schubertliedern stellten wohk Am Brunnen vor dem Tore" und ..Die Rächt" Höhepunkte dar. Es war ein seltener Genuß, die guten, trefflich durchgebildeten Männerstim­men zu Horen. Auch das Orchester. daS bei bet Wiedergabe Schubertscher Schöpfungen das ge­wohnte sichere Zusammenspiel zeigte, stand durch­aus auf der Höhe. Lehrer Müller würdigte in einem Vortrag Schuberts Bedeutung in knap­pen, scharf umrittenen Ausführungen. Der Besuch des Abends dürfte die veranstaltenden Vereine vollauf befriedigt haben. Lebhaft zu wünschen wäre, daß sie auch künftig noch manche- Mak die Gelegenheit zu solchen gemeinschaftlichen Ver­anstaltungen ergreifen möchten. Zu "Beginn des Monats wurde der Vorsteher der GerichtS- schreiberei am hiesigen Amtsgericht, Justizober« Inspektor Georg Brücher, von hier nach Darmstadt versetzt. Man sieht den pflichttreuen Beamten, der nahezu 18 Jahre hier gestanden hat und sich allseitiger Beliebtheit erfreute, nur ungern scheiden.

Kreis Alsfeld.

Os* AlSfeld. 10. Dez. Dieser Tage ver­anstaltete die hiesige Dürergesellfchaft im Physiksaal der Oberrealschule ihren bntten Win« tervorlrag, zu dem Professor Dr. Max Ding« l e r (Gießen) gewonnen worden war. Dieser sprach über(Sine Sommerfahrt nach Nordamerika zum Entomologen« Kongreß". Der Vortragende verstand eS, eine überaus fesselnde Darstellung von der hohen wissenschaftlichen Bedeutung der I n - ektenkunde uivb deren hohen Wert ür die Volkswirtschaft zu geben. Er wies nSbesandere darauf hin, wie das DolkSvermdgetz durch schädliche, in Massen auftretende Infekten, tote z. D. Rönne, Kiefernspanner, Reblaus, er­heblich t>erminb?rt werden kann. Die Kleidermo.te allein richte jährlich einen Schaden von 200 bis 300 Millionen Mk. an. Die toirffame Bekämpfung dieser Schädlinge rechtfertige die hohe Bedeutung der angewandten Insektenkunde. Er gab sodann eine sehr interessante Schilderung des vierten 6ntomologen-Äongreffe$, der in Ithaka, 400 Kilo­meter nördlich von Reuyork, stattfand, und an welchem 650 Entomologen teilnaßmen. Die Er­öffnungsfeier brachte nicht weniger als 32 ver­schiedene Rationalsprachen zu Gehör. Der Vor­trag wurde wesentlich belebt durch eine Reihe ganz ausgezeichneter Lichtbilder, die eigene Aus­nahmen des Forschers sind. Die Zuhörer dankten herzlichst für den lehrreichen und interessanten Vortrag. Die am Freitagabend im großen Saale des Deutschen Hauses abgehaltene staats­bürgerliche Tagttng der Reichszen­trale für Hei m a t di e n st, Landesabteilung Hessen, erfreute sich auch diesmal wieder regen Interesses, wie aus dem guten Besuch der Ver­anstaltung hervorging. Die Vorträge behandelten wieder zeitgemäße, wirtschaftliche Probleme und sanden bei den Zuhörern gespannteste Aufmerk­samkeit. Es muß anerkannt to.rden. daß sich alle Redner befleißigten, objektiv und frei von Partei- rückfichten zu bleiben. Am Samstagabend veranstaltete der unter Leitung von Pfarrer Hechler stehende Volkskindergarten in der Turnhalle einen musikalischen Abend« dessen Ertrag dem Volkskindergarten zufloß. Sämtliche Mitwirkende zeugten in ihren Dar­bietungen von einem hohen und teilweise sogar direkt künstlerische Können, was insbesondere für die von Frau Trude Salomon (Frankfurt) mit ihrer gut geschulten und klangreinen Stimm«

Lach« Naja«»!

Roman von J. Schneider-Foerstl.

Urbeberrechtsschutz Oskar Meister, Werdau i. Sa.

18 Fortsetzung. Nachdruck verboten

Aus bet Slime deS DanlierS stand eine ge­fährliche Ader. .Was wolltest du bei der Kammer- fängcrln?

.Sie beglückwünschen zu ihrem (ebenSwahren Spiel. Sonst nichts."

Etwas im Tone deS Sohnes ließ den alten Baron aufhorchen. .Erzher og Eh i.toph wird sie sehr wahrscheinlich zu seiner Frau machen!"

.Ich habe keinen Grund, ihn zu beneiden," sagte Joachim kühl. .Frauen b efer Art iinb nicht nach meinem Geschmack! Eie tragen Zigeunergcmisch im Blute!"

»Joachim!"

Ein Stattst. der eben über den Gang lief, sah erstaunt, wie der Bankier den jungen Baron un­sanft am Arme schüt eite. .Drücke dich deutscher auS, mein Junge!" tarn es drohend.

.Gewiß. Vater! Ich habe keine Lust, mein Weib mit anderen zu teilen. Der Erzherzog wird eS ohne Zweifel tun müs en."

.Du wirst"

Weiter kam der Bankier in feiner Rede nicht mehr, denn Frau Margot schritt an Marias Seite rasch auf sie zu. .Ich habe mich geforgt, Achim," erklärte sie abbittend. .Ist dir nun wieder besser?"

Sie hing sich an seinen Arm und sah ver­ängstigt in fein fahles Gesicht. Er drückte ihre Hand gegen feine Brust und streich.Ite sie. .In drei Wochen! Hab noch solange Geduld mit mir. Maria."

Einer der Knöpfe ihres brokatenen Schuhes hatte sich gelockert. Er kniete nieder und drückte ihn wieder fest in die Oesen. Ties über ihren kleinen Fuß geneigt, preßte er seinen Mund auf die goldourchwickte Seide.So toi l ich dir dienen, Maria, bis an das Ende meines Lebens."

Liebster!" Sie umspannte fein Gesicht und hob es zu sich auf, sah, wie verzerrt es war und riß

ihn erschrocken hoch. .Was verbirgst du mir? Warum bist du nicht ehrlich zu mir, Joachim?'

Das K ingeln. welches lan^g zogen d irch das Haus tonte, enthob ihn e ner Antwort. Ohne ihn eines Blickes zu würdigen, sah der Vater ihn in die Loge treten. Der Blick der Baronin gil t angstvcl. über feine schlank g to-rbenen «Jörn en. War er nicht glücklich? Hatte e: fei i Vertrauen mehr zu seiner Mutter, daß er nicht kam und klagte, was ih.n fehlte? Hacke Maria Richte ho.ens Liete ihn so rasch enttäuscht?

Hinter ihr sitzend, starrte Joachim auf die Porten, welche der Bat r ihr feinergeschenkt hatte. Er bJrte nichts von dec Musik, hatte keinen Blick für das. was auf der Bühne vorging. Wie hypnotisiert hingen eine Augen an den matte schimmernden Ä igeln.

.Zu Hilfe. Silvio! zitterte Isabella JeskaS Stimme durch daS Haus.

Er fuhr auf. glitt wieder zurück und legte die Stirne gegen die Lehne am Stihl der Baronin. Sie fühlte seinen heißen Atem über sich h n- streichen und wandte sich halb nach ihm zurück.

Sein Gesicht sentt? sich tiefer und verzog sich in verzweislungsvo 1 schneidendem Schmerze.

Arme, betrogene Mutter! Die Perlen des Gatten waren Talmi, wie seine Liebe!"

Um die Tränen zurückzudrän^en. biß er die Zähne in sein Taschentuch. Gteich einem Rächt- Wandler stieg er wenige Minuten später an der Seite der Braut die Treppe hinab zum Wagen.

Große schwarze Lettern kündeten tn allen Zei­tungen den Fall daS Hauses Het'ln^en.

In allen Theatern, in jedem Kaffeehaus, in jeder Bar wurde er besprochen. Am Raschmarkt erzähl.en es die Weiber an den St'irden, und die Drcschtenlührer wußten endlose Komn.en.are darüber zu berichten.

Riemand in ganz Wien hatte mit dieser Mög­lichkeit geregnet. Tausend Gerüchte durchschwirr- fen die Stadt. »Schlecht f xMbrt! Die Tamer Bahn! In die Millionen gehende Wechsel- säl djungen. See zwe te Dir ktor war mit dem Reste in die Schweiz geflüchtet. Am Kai

unten hatte man den alten g treuen Werner, die rechte Hand des Hauses H t ing n. als Leiche im Was er schwimmend au'ge und.n.

Den alten Baron hatte int Bureau ein Gehim- fchlag getroffen, der sein Ableben stündlich be­fürchten ließ.

Die Sensationen häuften sich

Leopold Atchthosen stand über seine Schwester geneigt, die von einem Weinkrampf geschüttelt, auf der Ottomane ihres Zimmers lag. Er ftrei- chelle ihr verwirrtes Blondhaar zurück, und tät­schelte beruhigend ihre Wangen. »Mizzerl, kannst dich denn gar fnet fassen? Willst net nausfahrn zu ihm und ihm vin liebes Wort fagn und ein bifferl einen Trost bringen? Er wird S brauchen können, der Joachim! Wann das Unglück über Rächt so über einen herfallt, verschlagt's einem den ganzen Verstand."

Ihre Hände blieben zitternd unter der roten Seiden decke versteckt. Zwischen den zusammen - geballten Fingern raschelte ein Blatt, ilnauf- hörlich schüttelte das Weinen ihren schlanken, frostdurchschauerten Körper.

»Soll ich nauSfahm und svogn, wie'S tßm geht? Sag, Mizzerl!" erbot sich Richthofen.

Sie schüttelle den Kopf, bann schleuderte sie mit einem Ruck die Decke zu Boden und stand mit beiden Füßen auf dem geblumten Teppich. »Ich fahre selber und frage ißn, wieviel er braucht beim um mich um mich selber war eS ihm ja gar nicht zu tun! Rur um mein Geld!"

Kindl!" Richthofen verschlug es die Sprache. ,Mizzerl," warnte er, als sie wie eine völlig Unzurechnungsfähige bn Zimmer auf und ab zu rennen begann, und zwischenhinein lachte, daß es ihm in die Seele schnitt.Das tätft ihm zutrauen? DaS? Das hätt ich nie glaubt von dir, baß b* so schlecht von ihm denkst.^

Dicht vor ihm blleb sie stehen und sah ihm zornig inS Gesicht.Du! Don dir habe ich auch nicht erwartet, daß du deine einzige Schwester verkaufst! Daß dir der Freund mehr gilt als ich! Denn verkauft hast du mich an ihn! Jawohl, verkauft!"

Heber das sonst so gütige Gesicht Richthosens zog jäh aufsteigender Zorn. .Ich geh jetzt besser! Wann sich wieder vernünftig mit dir reden laßt kannst nach mir schickn. Ietzt ist keine Zett dazu!

An der Türe hotte sie ihn ein. .Lies bair Er streckte die Hand nach dem Aerfnülltert Blatt, daS ihre Finger ihm entgegeiwielten Er mußte es erst etwas glätten, eße er die Buch­staben zu entziffern vemwchte:

Gnädiges Fräulein!

Baron Hettingens Werben um Sie geschah aus den selbstsüchtigsten Motiven. Es war lediglich eine Spekulation auf Ihr Vermögen, um die Firma Hettinaen vor dem Bankrott zu bewahren. Daß die Katastrophe so unerwartet eintreten könnte, zogen weder er noch sein Vater in Erwägung.

Fragen Sie Ihren Verlobten auf Ehren­wort, utzd Sie werben bie Lichckgkett meiner Angabe bestätigt finden. Ein Freund. ,Gin netter Freund. daS!" Richthosen ballt« das Blatt in dcr HandftLche zusammcn. Mizzer^ verbrenn den Wisch! Er bringt dir bloß Unglück!

3a Unglück! Denn, wenn das wahr toärt, Poldi, wenn er mir das wirklich angciait hätte!" Ein unheimliches Flackern stand tn t-jren Augen.Sag mir auf Ehrenwort: Hast du darum gewußt?^

Er hielt ruhig ihren Blick auS. .Rcin! Dwiß nett Wann ich eine Ahnung davon ghabt hätt, hätt ich zu ihm gsagt: Rimm von meinem Geld, was d' brauchst, und daS ander laß aus'rn Spiel. Aber iS ja eh net wahr, waS dir der Äet^ da der gute Fr-und gschriebn hat. Ich kenn ihn doch, den Joachim! Unb du, du mußt es doch auch gfühlt habn, tote gern et dich hat!" .

Sie wurde ruhiger und begann, bie Hände gegen die Schläfen gedrückt. Im Zimmer hin und per zu geben. Ab und zu blieb sie stehen, tote um tn sich hineinzuborchen. schüttelte den Kopf und setzte ihre Wanderung wieder fort Die Er­regung war noch immer fürchterlich in ihr, aber sie flaute doch etwas ab und machte einem ruhigen Erwägen und Überlegen Platz

(Fortsetzung folgt)