Ausgabe 
11.10.1928
 
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Nachdruck verboten.

14. Sortierung.

6 dem

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

Kunst und Wissenschaft.

Zweiter Deutscher Theologenlag in Frankfurt a. 2H.

3n Frankfurt a. M. wurde am Dienstag absnd m einer feierlichen Degrühungsversamm- lung der 2. Deutsche Theologentag er» öffnet. 2hm ging eine Sitzung der Gesell­schaft für Kirchengeschrchte voraus. auf der einige wichtige Fragen kirchengeschichtlicher Forschung von bÄannten Fachleuten behandelt wurden. Professor Dr. Kohlmeyer -Breslau sprach überDie Bedeutung der Kirche für Luther". Er unterschied dabei den Begriff der unsichtbaren Kirche, zu der nur diejenigen ge-

tn den Ruhestand kreienden ßefr« mV btt Höch st Pension ihrer Laufbahn pensioniert werden: 2. das) das B e r s o r g ung s d i en st- alter der schwelckricgsbeschädigten Lehrer nicht nur verbessert werden kann, sondern wie bei den auf Grund des Beamtenscheines angestellten Be­amten verbessert werden muh.

Damit war die Tagesordnung erledigt. Lehrer Maus-Bilbel sprach den Dank der Der- sarnmlung aus für den würdigen und schönen Berlauf, den die Jubiläumsfeier genommen habe. Bespuderes Verdienst hat sich Lehrer Horn- Darmstadt um das Zustandekommen erwor­ben. Obmann Reiber unterstrich das in seinem Schlußwort und bat die Anwesenden, die An­regungen, die sie in den drei Tagen erhalten hätten, mit nach Hause zu nehmen und in Ar­beit an Schule und Volk umzusetzen. Mit dem Wunsche:Auf frohes Wiedersehen in Gießen!" wurde die Tagung gegen 4 HHr geschlossen.

Am Mittwoch vormittag fand im Festsaal der Frankfurter Universität die erste Hauptver­sammlung des zweiten Theologen­tages statt. Die Aula der Universität war bis auf den letzten Platz gefüllt. Der Vorsitzende, Professor Dr. Pfennigsdorf-Bonn, be­grüßte die Teilnehmer der Tagung und ging mit einigen kritischen Worten auf das Programm der Tagung ein. Darm wies er auf die allge­mein an Umfang zunehmenden Bestrebungen nach neuer Hingebung des Lebens hin, die be­sonders in den Großstädten festzustellen seien. Die Bibel sei die Quelle, aus der ständig neue Kräfte wachsen. Hierauf erstattete Professor Dr. Her­meling- Marburg ein Referat überDe christ­lichen Erlösungsgedanken bei Luther". Der Red­ner stützte sich bei seinen Ausführungen auf neueste Ergebnisse der Bibelforschung, betonte aber, daß trotz der Eindringlichkeit der Dehand-

Saasen. 10. Okt. 3n unserer Kirche auf _____ Deitsberg wurde am hörigen Sonntag das Erntedankfest gefeiert. Das Gotteshaus war bis zum letzten Platz von der Festgemeinde be­seht. Unser Organist hat mit seiner Schulklasse die Einübung der Chöre übernommen, die von den Kindern in der gewohnten sicheren Freudig­keit dargeboten wurden. Reich war der Altar geschmückt, und die Kinder hatten ein Grntefest- spiel nach einem Entwürfe aus derDorfkirche" eingeübt, worin die Früchte von Feld und Flur

Geld fällt v»m Himmel

Roman von Paul Enderttng.

Copyright by Carl Duncker, Verlag, Berlin.

hören, die durch die Gnadenwahl vorher Va»ü bestimmt sind, von dem der sichtbaren, der alle Getauften angehören, und für di« das allgemeine Priestertum aller Gläubigen gilt. In einem zweiten Vortrag sprach Professor D. Dr. Erich Foerster - Frankfurt a. M. auf Grund eigener Forschungen und umfassender Sachkenntnis über Adalbert Falk und die Stellung des bürger­lichen Liberalismus seiner Zeit zu Christentum und Kirche". Es ergab sich dabei, daß Folk und seine Mitarbeiter un Kulturkampf der Jahre 1872 bis 1879 nicht so sehr als Vorkämpfer des Liberalismus anzusehen sind, daß sie vielmehr ihrer gesamten geistigen Haltung nach innerlich gebunden sind an die Tradition des alten preußi­schen Staatswesens. Eine Trennung von Staat und Kirche durchzuführen waren sie, wie ihr Kaiser, aus diesem Grunde nicht imstande. Der Kulturkancpf mißlang also nicht etwa, weil Falk und seine Mitarbeiter zu liberal waren, viel eher, weil "sie zu konservativ waren. Am Rachmittag sprach Professor Dr. Wilhelm Weber-Halle über einige Problenre aus der Kaisergeschichte und Kirchengeschichte der ersten nachchristlichen Jahrhunderte.

ws. D a r m st a d t, 10. Okt.

Die Festvorstellung im Landestheater (Lohengirin) bildete gestern abend eilten wür­digen Abschluß der eigentlichen Feierlichkeiten. Der heutige Tag war der ernsten Arbeit ge­widmet.

Um Veil Uhr eröffnete Obmann Reiber die diesjährige Vertreterversammlung des Hess. L.L.Ds. Er übergab nach der Begrüßung und dem Verlesen einiger Telegramme den Vor­sitz Lehrer Kaufmann-Gtehen. der die VeHandlungsn leitete. Den Jahresbericht erstattete Obmann Reiber. Die Mitglieder­bewegung des Vereins ist dieselbe, wie in frühe­ren Jahwn. Fast alle hessischen Lehrer sind im Landes-Leh>ververein vereinigt, es ist die Hess. Lehrerorganisation. Das vergangen« Jahr war erfüllt mit dem Kampf um die Erhaltung der Simultanschule und um die Besoldung. Es wird besonders auf die Unterstützung des Prälaten D. Dr. Diehl im Schulkampf hirr- gewiesen. Reue Kämpfe werden den Verein auf seinem Posten finden. Hebet di« Besol­dungsordnung kann noch kein Urteil ab­gegeben werden, da man erst den Stellen­plan abwarten mutz. Die nächste Vertreter- Versammlung (in Giehen, Ostern 1929) wird sich damit zu beschäftigen haben.

Hauptrechner Wirthwein gab di« Rech­nungsablage. Das letzte Jahr schloß mit einem Ueberschuß von 25 000 Mk. ab. Dem Rechner wurde Entlastung erteilt.

Folgende vom Hauptvorstand vorgelegte Ent­schließung wurde einstimmig angenommen: Der Hessische Landeslehrerderein erkennt die durch die Zeitumstände gebotenen notwendigen Sparmaßnahmen an. Er ist aber der An­sicht, daß diese Sparmaßnahmen vor den Kultur­aufgaben Halt machen müssen. Die Volksschule hat ihre Opfer gebracht (Abbau). Durch eine weitere Stellenverminderung würden, da die Zahl

Kirche und Schule.

Oie katholische Kirche in Hessen.

Die katholifche Kirche in Hessen ist nach dem Stande der letztjährigen Ziffern in 187 Seel­sorgebezirke (Starkenburg 70, Oberhessen 20, Rheinhessen 96) eingeteilt. Dazu kommen noch 28 Filialbezirke mit zusammen 313 Geistlichen für die Seelsorge und 84 sonstigen Weltgeist­lichen im Schuldienst, Anstaltsdienst usw. ©egen das Vorjahr sind 20 Geistliche zugekommen. An standesamtlichen Eheschließungen wurden gezählt: rein katholische Paare 2820 (im Voriahr 2482), gemischte katholische Paare mit katholischem Bräutigam 1071 (934), mit katholischer Braut 1121 (907). Von diesen drei Kategorien wurden katholisch getraut: rein katholische Paare 2677 (2379), gemischt-katholische Paare mit katholischem Bräutigam 452 (413), mit katholischer Braut 440 (379). Die Zahl der lebendgeborenen Kinder auch in rein katholischen Ehen nimmt dauernd ab; 1925 waren es 6463, im Jahre 1926 nur 6057 und im letzten Jahr nur 5810. Auch die Zahl der unehelichen Kinder von katholischen Müttern hat sich ermäßigt: 1925 864, 1926 854 und 1927 816. Die Zahl der Austritte aus der katholischen Kirche betrug 1131 (1204), Heber­tritte zur katholischen Kirche 139 (132) und Rück­tritte zur katholischen Kirche 28 (25). Am stärk­sten waren die Austritte mit 117 in Darm­stadt, 329 in Offenbach, 260 Mainz-Stadt, 162 Mainz-Land und 76 in Worms.

LzMLä'umstagung des Hessischen Landestehrerverems

Eigenbericht desGießener Anzeigers".

Oer lebende Leichnam.

Thälmanns Rückkehr aus Moskau.

Don unserer Berliner Redaktion.

Die Kommunisten deutscher Spielart leisten wirklich etwas darin, die unbegrenzten Mög­lichkeiten noch zu übersteigern. Wir haben im Laufe der letzten Jahre viel bei ihnen erlebt. Daß ein Führer gestürzt wurde, der nächste an seine Stelle trat, aber schon wieder hinter ihm neue Ehrgeizlinge drängten, die seinen Platz einnehmen wollen, war wirklich der normale Zustand. Daß aber der Parteivorsihende offi­ziell abgesagt wird unter der verschärfenden Zugabe der Veröffentlichung einer Resolution, die ihn auch für die Zukunft unmöglich man­chen soll, daß besagter Delinquent dann nach Moskau fährt, um sich dort von neuem die Krone aufs Haupt setzen zu laffen, während seine Gegner kuschen, das ist doch eine über­raschende Variante, die uns jetzt Herr T h a I - mann vorgespielt hat.

Er hat sich eigentlich unwahrscheinlich lange auf feinem Platz behauptet, drei Jahre regiert er nun schon als ungekrönter König in der Kommunistischen Partei. Es war also eigentlich an der Zeit, daß er für seine Hintermänner Platz machte. Die verschiedenen Gruppen inner­halb der Kommunisten von der äußersten Rech­ten bis zur Linken fanden sich zusammen, um ihm ein Dein zu stellen, nur damit zunächst eiränal der Platz frei war, wer dann später an seine Stelle treten sollte, darüber behielten sich die Gruppen weitere Auseinandersetzungen vor. Thälmann fiel also, weil er angeblich die Hnterschlagungen eines Hamburger Funktionärs gedeckt hatte. Er wurde zunächst nur suspen­diert, aber da ihm fein Fehler öffentlich be­scheinigt wurde, war ihm schon aus Gründen der Disziplin die Rückkehr versperrt.

Er ist llüger gewesen als die andern, hat sich schleunigst in ein Flugzeug nach Moskau gesetzt und die deutsche Sektion bei dem Parteipapst ver­klagt. Stalin hat dafür ein Exempel statuiert, er hat die kommunistische Parteileitung Deutsch­lands angefahren wie die Schuljungen. Der Gehorsam sitzt diesen merkwürdigen Menschen so tief in den Knochen, daß sie darauf zusammen­knickten und eine Entschließung veröffentlichten, worin sie ihren noch nicht einmal zwei Wochen alten Beschluß gegen Thälmann bedauerten. Das hat wenigstens einen Teil von ihnen gerettet, einzelne aber werden doch wohl über die Klinge sprrngen müssen. Jedenfalls kündigt Moskau an, daß Herr Thälmann in all feine Aemter wieder eintritt, daß dagegen eine personelle Hmge- ftaltung aller maßgebenden Parteiinstanzen zu erfolgen hat, wobei lediglich die Rücksicht auf die Kontinuität in der Parteiorganisation dem Henkerschwert Einhalt gebieten soll.

Hnd in der deutschen Kommunistischen Partei wird jetzt das merkwürdige Schauspiel zu sehen sein, daß ein von seinen eigenen Leuten abge­lebter Parteiführer wieder an di« Spitze tritt, um schlecht und recht mit denselben Männern zu­sammenzuarbeiten, die ihn so schnöde behandelt haben. Wo da das Vertrauen Herkommen soll, das eigentlich die Voraussetzung jeder ersprieß­lichen Tätigkeit ist, bleibt das Geheimnis der Kommunisten. Aber Herr Stalin weiß offenbar, was er den deutschen Genossen bieten darf: die Redaktion der »Roten Fahne" muh an derselben Stelle, wo sie ihre eigene Hingest altung an­kündigt, wo alles desavouiert wird, was sie in den letzten Wochen gechrieben hat, feststellen, daß die überwiegende Mehrheit der Kommu­nistischen Partei diesen Moskauer Beschluß aufs freudigste begrüßen wird. Das sind mm die Leute, die in Deutschland Revo­lution machen wollen!

mein Junge: es wird alles nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird, das Schicksal pustet schon recht­zeitig dazwischen. Grotthausen soll dir erhalten blei­ben. Denn einmal wird ja die Zeit kommen, wo du des Umhervagierens müde wirst vielleicht, wenn du das liebe Mädchen findest, das ich dir so wünsche ..."

Kurt Grotteck legte den Bries beiseite. Nie hatte die Mutter so geschrieben. Er las alles, was zwi­schen den Zellen stand: das Wasser stand ihr bis an den Hals. Immerhin war aus dem krausen Ge­plauder zu ersehen, daß mit einigen tausend Mark die Hypothekenschulden zu decken waren.

Er fühlte nach den beiden kleinen Safeschlüsseln, die das Vermögen in dem Stahlkästchen freigaben. Eines Tages wann immer würde man es von ihm fordern. Es gehörte ihm nicht. Aber konnte er sich schon jetzt den Finderlohn sichern? Daran konnte niemand etwas finden. Niemand? Erst mußte er mit Inge Brodersen sprechen.

Deutlich wie ein Bild sah er das Gutshaus vor sich: die bescheidenen vier Säulen, denen es den Na­men desSchlosses" verdankte die Eingangshalle mit den vielen Geweihen, sogar einem Elchgeweih, und den ausgestopften Raubvögeln, und dicht neben der Tür den alten Kupferstich: der Alte Fritz auf Grotthausen.

In seinen letzten Jahren, als durch die Teilung Polens das westpreußische Land wieder in deutsche Hände gekommen war, hatte der König es besucht. Zwei Tage hatte er in Grotthausen gewohnt, hier hatte er auch den Brief geschrieben, der für die Ju­gend einen bessern Schulunterricht forderte,fönst bleibt solche zu roh und werden halbwilde Menschen daraus. Dieses ist nun, worauf die Regierung ihre Aufmerksamkeit wenden und danach sehen muß, daß die Landleute ihre Kinder nicht nur fleißig zur Schule schicken, sondern daß sie auch darin gehörig und ordentlich unterrichtet werden. Wonach sich zu richten ..."

Jetzt war Grotthausen wieder von Preußen los- aesprengt und durch einen Zufall dem unfreien Frei­staat Danzig zugesprochen worden. Eigentlich war es nur ein Berechnungsfehler der internationalen Kom­mission gewesen, aber man hatte ihn stehenlassen wie andre, schlimmere Fehler auch. So konnte man doch bei Familienfesten auf dem Dach desSchlosses" I Grotthausen die Danziger Flagge hissen, die beiden

Als sie sich dem Waldrand näherten, wandte sich Grotteck ihr zu, und er sah Tränen in ihren Augen­winkeln.Verzeihen Sie und seien Sie mir nicht böse. Ich bin etwas nervös."

Ich bin nicht böse", sagte sie schnell, seine Hand fassend. Es sah aus, als ob sie sie küssen wollte ...

hntti des GrlSsergedankens Bei Luther die Schlote- rigfeiten der Terminologie des Begriffs Erlö­sung nicht behoben sind.

Professor Kaskel gestorben.

(Sinern Nierenleiden erlag am Mittwoch der außerordentliche Professor an der Hniversität Berlin und Studienleiter der Verwaltungs- cckademi«, Dr. Walter Kaskel. Prof. Dr. Kaskel hatte kaum das 46. Lebensjahr vollendet. Mit ihm ist einer der besten Kenner des Arbeits­rechtes dahingegangen.

Ein Paket war aus Grotchausen gekommen mit Würsten, Speck und der erneuerten Wäsche. Aber der mütterliche Brief war voller Sorgen.

Es schien schlimm auf dem Gut auszusehen. Schlimmer als sonst.

Kurt Grolleck las zum zehntenmal diesen Brief, der gerade so tändelte, wie es die Muller im Ge­spräch tat, aber durch ihr liebenswürdiges Geplauder klang es wie ein schlecht unterdrückter Schrei.

... Die Moore, denke dir, die Moore sollen Geld bringen, schönes Geld, sagt Papendick, aber zuerst muß man Geld hineinstecken. Ich habe ihn gefragt, ob es denn nicht am Ende drin versinkt. Er verstand den Witz nicht. Mein Gott, wie schwer ist es doch, mit Menschen umzugehen, die immer ernsthaft sind! Aber ich will nichts gegen ihn sagen. Er sieht mich immer so erwartungsvoll an wie Pluto, wenn er merkt, daß ich ausgehen will. Specht hat doch damals unser Vorwerk Birkenholz verkauft, damals, als ich von dem Hypothekenmenschen geknebelt werden sollte. Und Papendick hat todanständig bezahlt. Jeder sagt es, und jeder blinzelt dann so zartfühlend, daß es eine Kuh merken müßte. Warum blinzeln die Leute immer in solchen Fällen? Dein Vater hat nie geblinzelt. Er schlug dann mit dem Krückstock auf du weißt, der mit dem greulichen elfenbeinernen Löwenkopf, der wie ein Schafskopf aussieht, und er hätte seine Meinung gesagt, daß sie der Landrat in der Kreisstadt gehört hätte und daß der Pastors­tochter ihre Sommersprossen aufgeglüht wären. Wie hübsch das doch wenigstens klingt: .Sommersprossen^ nicht wahr? Und wie wenig ich darauf Wert lege! ..."

am Altar niedergelegt wurden. Der Pfarrer pre­digte über Hebräer 13, 1516, und fordert« auf zum Erntedank, der sich zeigen muh in der Frucht der Lippen und in der Tat:Wohlzutun und mitzuteilen". Di« Kirchensammlung ergab die Summ« von 22 Mk.

tz W i r b e r g, 10. Okt. Unter Erntedank- f e st feierten wir am vorigen Sonntag. Die Feier war von zahlreichen Gemeinden besucht und nahm einen besonders schönen Verlauf. Die Kinder hatten das Gotteshaus mit Blumen und den verschiedensten Früchten von Garten und Feld schr schön ausgeschmückt. In dem Liede:Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land" wurde «in Erntedankfestspiel von den Äon* firmanden auf gesagt und dübel der Altar mit Erntegaben geschmückt. Di« Kollekte ergab 23 Mk., wozu noch zwei Gaben mit besonderer Bestimmung (5 und 4 Mk.) kamen. In Bel­tershain, wo am gleichen Tage die Feier stattfand, hatten die Kinder noch «inen besonderen Chor eingeübt, das Kirchlein war übervoll, die Kollekte ergab 10 Mk. In Harbach findet die Feier wegen des Hrlaubes des Pfarrers erst: am 21. d. M. statt, auch hier wird das gleiche Erntefestspiel an Stelle des Altardienstes treten.

# Aus dem Horlofftal, 10. Oft. Dis Kartoffelernte ist beendet. Wenn auch der Ertrag hinter der vorjährigen Ernte zurückbleibt, so wird dieses Weniger doch durch die völlig gesunden Knollen ausgeglichen. Der durchschnitt­liche Ernteerttag betrug pro Morgen 50 bis 60 Säcke. Die außerordentlich gut« Zwe t - schenernte dieses Jahres wird voll ausgenutzt. Der Heberschuh wurde in halbreifem Zustande zlu guten Preisen (8 bis 10 Mk. pro Zentner) abgesetzt. Zwetschenkuchen wurden reichlich ge­backen, und gegenwärtig werden die Vollreifen Früchte zuHoingk" verarbeitet. Reben Zwet- schen haben noch einige Dirnensorten, vor allem Wirtschaftsbirnen, einen guten Ertrag gebracht. Gegenwärtig werden sie von den Mallern auf­gekauft und waggonweise verladen. Für Pastoren­birnen werden 7 bis 8 Pf., für gute Graue und Destebirnen 8 bis 10 Pf. je Pfund bezahlt. Da Schütteläpfel gar nicht vorhanden sind, Wird statt des belitijten Aepfelweins viel Birnwein zu Hausgetränk hergestellt. Der verhältnis- mäßia gute Ausfall der Kartoffelernte hat die Rachfrage nach Ferkeln erhöht, so daß di« Preise gestiegen sind. Im privaten Handel kosteten jetzt 6 bis 7 Wochen alte Jung- tteve 16 bis 18 Mk., gegen 10 bis 12 Mk. vor 4 Wochen. Aeltere Springer sind weiterhin sehr gesucht. Die Preise für Schlachtschweine halten sich schon feit Wochen auf gleicher Höhe, nämlich 72 Pis 74 Pf. je Pfund.

LI Aus dem mittleren Horlofftal, 10 Ott. Hnfere Gegend hat in den letzten Tagen in ihrem Aussehen mehr und mehr den Charatter einer Vogelsberglandschaft angenommen: Der seit

Kreuze mit der Krone, und es brauchte nicht der weihe Adler zu sein.

Sie würde auch flattern, wenn er wieder heimkam und das war jetzt wohl notwendiger als je. Schrie dieser Brief nicht nach iyrn?

Etwas schlurfte im Gang draußen, und ein zay- Haftes Klopfen löste ihn von feinen Gedanken. The Nachbarin, die alte Lehrerin, trat ein.

Fräulein Fuchs war eine Tiernärrin, die die Pen­sionsmutter bisweilen durch mitgebrachte herrenlose Katzen und Hunde in gelinde Verzweiflung versetzt hatte. Es hieß von ihr, daß sie in trockenen Tagen die Schnecken aufsammelte, um sie daheim feucht zu betten, bis besseres Schneckenwetter eintrat. Fest stand, daß sie mit einem Läppchen die Vogelsvuren allabends vom Fensterbrett wischte, damit der Haus­herr nichts gegen die Vogelfütteruny und die damit verknüpften Folgen einzuwenden hätte. Sie mußte täglich mancherlei Grobheiten einstecken, wenn sie Tierbesitzern unerbetene Ratschläge gab.

Grotteck hatte manch« Spötterei an der Pensions­tafel von ihr abgewandt, wo sie übrigens Fleisch ganz gern, und sich ihre Freundschaft und ihr Vertrauen erworben.

Fräulein Fuchs hatte wieder einmal eine große Sorge. In der Nachbarschaft waren vier Affen- Pinscher geboren, ein unerwünschter Zuwachs, dem Vernichtung drohte, da die Mutter sich mit einem minderwertigen Vater gepaart hatte. Nach der An­sicht der alten Dame, die verlegen ihr Leid klagte, waren es die süßesten Geschöpfe ihrer Gattung.

Lieber Herr Grotteck, die Hundesteuer ist doch erhöht worden. Es wird ein Hundeolutbad geben, wenn Sie nickt hilfreich eintreten." Es Hang, als ob er den betylehemittschen Kindermord verhindern solle.

Ja, aber ich kann doch nicht vier Asfenpinscher ausnehmen. Was würde Frau Zedlitz wohl dazck sagen?"

Nein, natürlich nicht. Aber wissen Sie nicht ein Plätzchen für die kleinen Gottesgeschöpfe? Wenig­stens für eines?"

Sie stand so zerknittert vor ihm, in ihrem Kostüm von Urzeiten her, dasimmer noch" genügte. Als sein Blick auf den Brief aus Grotthausen fiel, sagte er schnell:Ich will bei meiner Mutter anfragen. Ich will es sogar mündlich machen; denn ich reiss bald dorthin/' Nun war auch dies entschieden.

(Fortsetzung folgt)

der Schulkinder im Wachsen begriffen ist, die Leistungen der Dollsfchule herabgesetzt werden. Der Hessische Landeslehrerverein läßt keinen Zweifel darüber, daß er sich mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln gegen einen Abbau zur Wehr setzen wird."

Die Vertreterversammlung nahm den Jahres­bericht zur Kenntnis und sprach dem Obmann, dem Vorstand und dem Besoldungsausschuß chr Verträum aus. (Beifall.)

Darauf wurden die Anträge beraten. Für die Satzungsänderungen soll ein Ausschuß aus zwei Mitgliedern des Vorstandes und je einem Vertreter aus jeder Provinz eingesetzt werden. Aus der Fülle der übrigen angenommenen An­träge seien hier folgende angeführt:

1. De Vertreterversammlung bittet den Vor­stand des H. L. L. V.s, sich bet der obersten Schulbehörde dafür einzusetzen, daß bei Stellen- bedungen im Schulaufsichtsdienst mehr als seit­her Klassenlehrer berücksichtigt werden.

2. Der Vorstand möge bei der Regierung vor­stellig werden, daß mit Beginn des neuen Schul­jahres ein« einheitliche Schrift für sämt­liche Schulen Hessens kommt. (Zugleich die An­regung geben, für das ganze Reichsgebiet das­selbe zu erreichen.)

3. Es soll darauf hingewirkt werden, daß sämtliche Lehrer stellen, die neu zu be­sehen sind, auch die an den Berufsschulen, zur allgemeinen Bewerbung ausgeschrieben werden.

4. Der Vorstand wird beauftragt, bei der obersten Schulbehörde dahingehend' vorstellig zu werden, daß die Volksschullehrerschaft von jeg­lichem Fortbildungsschulunterricht be­freit und der gesamte Hnterricht an der Berufs­schule auch auf dem Lande von hauptamt­lichen Lehrkräften erteilt wird.

5. Der H. L. L. V. soll tatkräftig dahin wirken, 1. daß die infolge ihrer Beschädigung vorzeittg

Der Name des Gutsnachbarn Papendick kam in der letzten Zeit immer häufiger in den Briefen der Mutter vor. Er sah ihn vor sich, wie er chn bei dem letzten Besuch daheim gesehen: groß, ernst, un­geschickt man konnte schon sagen: tolpatschig, mit dem rötlichen Schnauzbart, bei dem man immer an einen Gendarmen dachte. Aber er war schulden­frei übrigens kein Kunststück bei den Zucker­rübenfeldern und der Brennerei. Ein Säugling hätte dort wirtschaften können.

... Ich habe ihn neulich vor das Nietzschebild geführt (es steht unangerührt und, wie ich furchte, unabgestaubt in deinem Zimmer und wartet auf dich, mein lieber Junge) und fragte ihn, grausam, wie wir Frauen sind, wie man es mit solchem Schnurrbart anstelle, Klietennus zu essen. Ob da nicht Brocken hängenblieben und der ganzen Nach­barschaft das Menü verrieten? Er ist rot geworden und hat vor sich hingebrummt. Acht Tage war er weg und dann kam er denke nur! ohne Bart wieder! Ich frage dich als Mann (oh, du kleiner Junge, du!), ist das nun Liebe ober nicht? ..."

Kurt Grotteck mußte lachen. Papendick schien also wirklich ernste Absichten zu haben. Er hatte in seiner ersten Ehe Pech gehabt: eine Schauspielerin, die er bei einem seiner alljährlichen Besuche in Danzig in einer Pagenrolle gesehen, hatte es ihm so angetan, daß er ihr noch auf die Bühne hinauf seinen An­trag schickte. Sie hatte mit dem ungefügen Bären nichts anfangen können und mit der einsamen Land­schaft noch weniger. Als sie bei einer Manöverein­quartierung eine Liebschaft anfing, setzte Papendick sie, ohne ein Wort zu verlieren, auf den Wagen und befahl dem Kutscher, schnellstes Tempo bis zum Bahnhof. Nun war die Ehe längst geschieden, und sie tanzte in einem Münchner Kabarett Schleiertänze. Nein, sie war nicht die rechte Frau gewesen für einen Mann, der Papendick hieß und auch so aussah.

Aber Mutter war es noch viel weniger. Es war eine Lästerung, so was nur zu bedenken.

... Mein Horizont ist ein bißchen duster. Aber der liebe Gott hat uns Grottecks ja noch immer ge­holfen, wie er jedem guten Deutschen hilft. Nur daß Papendick immer sagt, daß mich alle bemogeln, vom Inspektor bis zum Milchmädchen. Bin ich eigentlich so dumm? Sag' selber! Irgendwo las ich mal, daß der Mensch, der nie eine Dummheit machte, lange nicht so klug ist, wie er glaubt ... Oder so ähnlich. Damit tröste ich mich. Halte den Kopf nur recht hoch,