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Nr. 161 Drittes Blatt

(Siebener Anzeiger (Seneral-Anzeiger für Gberhefsen)

Mittwoch. U. Juli (928

Jugend und Hochschule.

Vom Vilduligsideal des jugendlichen Akttvismus.

Don Dr. W. Hellpach, Prof, an der Universität Heidelberg, ehem. badischen Staatspräsidenten,

DI. d. X*

Wie toeßmütig wir QidUten Der reinen Kennt« niS- und örfenntniÄbilOunQ nachschauen mögen, sie liegen hinter unS Sine abendländische, sicher eine europäische. und bestimmt auch eine deut­sche Menschheit steigt herauf, die irrationale Menschentum-lräfte in den Brennpunkt deS Le- benS stellt so toirr. so gärend, so schwulstig, Io maßlos uns auch heute diese neuen Menschen um uns herum anmuten mögen.

Und dennoch: Kenntnis und SrkenntmS mögen überschätzt worden sein, ein unausstehlicher und grotesker Dildung-dünkcl mag schwere nationale und soziale SntzweiungSütel im Gefolge gehabt haben trotzdem sind sie auch große Kräfte ge­wesen die allein daS 2lngesicht der Lebensfüh­rung auf Orten in einem Jahrhundert stärker verändert haben alS vorher Jahrtausende eS vermochten. Wir wollen unS bei aller überheb­lichen Verachtung, mit der die Literaten den Be­griff Zivilisation abzutun sich gewöhnt haben, Doch nicht weismachen. als ob einer von unS in her technischen Pnmitivüät deS Mittelalters oder selbst noch oeS 18. Jahrhunderts heute leben und wirken möchte, ja au leben und zu wirken vermöchte. Immerhin, dies scheint äußer­lich: was aber daS Innerliche angeht war da der Glaube. Daß Wissen ud Erkenntnis Die Wahrheit und das Glück brächten, schlechter oder absurder als sonst irgendein Glaube an Wahr­heit und Glück? Die riesenhaste eigenschöpferische Kultur, die das Mittelalter gegenüber Der An- nfe ohne Frage darstellt, hat dennoch die in- ulleftuellen Werte dieser Antike nie gänzlich rreidgegeben und sie Dann von Jahrhundert zu Jahrhundert mit immer heißerem Bemühen Mie­ter aufgesucht und auferweckt, bis ihm der Dater ter Gelehrsamkeit. daS Urbild aller wissenden unh wissensammelnden Bildung. Aristoteles, zu einer unantastbaren Autorität geworden war. Die irrationale und aktivistische Epoche, in die wir eingetreten sind, wird mit den rationalen und rezeptiven Gütern in der letzten Vergangen­heit die gleiche Erfahrung machen. Verschleu­dert sie heute oiese Güter achtlos und selbst- überheblich, so wird eine frühere ober spätere Zukunft sie um so mühevoller zusammenlesen und auS hem Schutt groben müssen. Es gab schlimmen Bildungsdünkel bei vielen Menschen sich nehme sogar die Professoren nicht aus), aber der llnbildungsdünkel, der sich in Tei­len unserer jüngeren Generation spreizt, ist min­destens ebenso schlimm. Sr ist auch eine Verleug­nung und Gefährdung nationaler Werte! Denn jedeS Volk hat seine Wege zur Größe und zur Sendung in der Welt, und es ist ein tragi- d)cr Irrtum zu meinen, die Wege her Angel- nchsen, auf denen fit zur äußerlichen Srdherr- chast gelangt sind, könnten jemals die unseren werden. Die Weltgeltung des Deutschen wird deS Fundaments unserer Bildung, einer sehr stark lernenden, wissenden und denkenden Bildung, nie­mals entraten können. Mit Erwerb, Technik und Sport allein werden wir das Rennen nicht machen.

Und hier hat auch Die Schulerziehung ernste Pflichten. Erziehungskunst, auch ^lnterrichtSkunst, ift immer pflegen und jäten, fördern und dämpfen, treiben und hemmen. Der öffentliche Erzieher, von heute und morgen wird Die hohen . Lebenswerte, Die im jugendlichen Aktivismus die­ser Generation stecken, nicht verkennen und un- terDrüden wollen. Er ist sich ter Mängel, die eine vorwiegende Lern- und KenntniSschule fürs persönliche und fürs öffentliche Leben an sich Hatte, durchaus bewußt. Aber er sei auch nicht HinD gegen die schweren persönlichen und öffent­lichen Gefahren einer stürmischen Abkehr von jenen Bildungsidealen und Bildungsrealitäten, und einer Jugend gegenüber, die sich im Schwulst rrationaler Erlebnis-Phraseologie zu verlieren hroßt. möge er desto unerbittlicher Die Rot- oenbigleit und Den Segen intellektueller Zucht, nöge er Die Pflicht zu lernen, zu wissen und $ u folgern Desto strenger alS $orDerung aufrechten. Die kommende deutsche Menschheit wird praktischer, technischer, körper­licher sein, alS Die verflossene. Daran ist kein

Die vorstehenden Ausführungen entnehmen wir Dem Buch .Prägung, zwölf Abhand­lungen aus Lehre unh Leben der Erziehung", das als eine ileberfdiau über hie gegenwärtigen Probleme Der Erziehung des Rachwuchses in Schule und Leben Beachtung verdient (Verlag Quelle A Metzer).

Vater und Kind.

Don Elsa Mana Dud.

Nachdruck verboten.

Mutter und KmD sind zwei Worte. Die wir läglich denken, lesen, mit Deren zusammenge­hörenden Problemen sich Die Oesicnllichkeit viel beschäftigt. .Mutter und Kind" sind ein Leit- wort tes begimtenDcn Zeitalters sozialer Denkart. Doch Vater und Kinö wann baden wir über ihre Zusammenhänge nach? Von der Verknüp- sturg des Vaters mit feinem Fleisch und Blut hat die öffentliche Stimme kaum anders als mirt- 'chaftllch gesprochen. Selbst die Kunst ist am Rater-Kind-Problem scheu vorbeigegangen. Es gibt wenig Gestaltungen in bildender Kunst wie n der Citeratur. welche Den irdischen Dater 'eigen. Selbst das sagen- und liederschopfente Voll hat die Gestalt deS Vaters im Hintergründe ^lassen. Daß er so benachteiligt ist. oft kaum da zu fein scheint, während die Mutter in Sang und Märchen. Religion und Kunst und Leben die höchste Stelle entnimmt, hat tiefe nnere Ursachen. Er selbst der Mann als Künstler hat nicht genug von seinem Vater- ein und fernen Vatergefühlen gesprochen, er cLoft hat seine seelischen Beziehungen zu feinen nachkommen nur als Dinge zweiten Grades behandelt, ausgenommen den Wunsch nachStam- ueseTten schlechthin. Er ist also in diesem Punkte, Sie nirgends sonst, mit dem zweiten Platz zu-

Zweifel. Es ist auch kein Schate. Aber Un­geist ig schlechthin bars sie dabei nicht wer­den. wenn nicht Deutschland an ihr zugrunde gehen soll. Denn überhaupt nurgeistige und geistig geschulte Menschen vermögen aus die Dauer Rationen zu führen, Staaten zu formen. Gerade die Westmächtc. Frankreich. England. Die Vereinigten Staaten, denen allen wir oft eine größere und beweglichere Wcltosienheit und Letensgewandtheir nachsag. ten und neideten, haben sich nie gescheut. Ge­lehrte und Denker an die Spitze her Staatsge- schäsie au rufen. Bei unS, wo man so gern tren­nende Wände auffuhrt, meint man. die Grisli- gen müßten zeitlebens am Schreibtisch und bei Den Büchern sitzen, Die Praktischen im Kontor, tn ter Fabrik und im Ttegicrungeburcau sein. Ich glaube beinahe, Daß unser öffentliche- Schick­sal feine großen Prüfungen besser bestanden hätte, wenn eS rechtzeitig von mehr Geistigkeit behütet und gelenkt worden wäre.

Wir haben schon der Möglichkeit Erwähnung getan. Daß Die Irrationalität Des heutigen ju- gendlichen AktiviSmus Diesen aus seiner immer noch pragmatischen Eigenart entwurzeln und in phantastische, utopische Formeln ummanteln könnte. Diese Möglichkeit wäre unter Umständen eine ernste Gefahr. Ich will zwar nicht sagen, daß eine auf zu kurze Sehweite eingestellte see­lische Ausrichtung Der Jugend, eine zu pragma­tische Wesensart, ohne Gefahr fei; Pragma unh llkvpie liegen gewissermaßen rechts und links von dem, was wir alS.Idealismus" zu bezeich­nen pflegen. Den pragmatischen Aktivismus, der vielleicht allzu realistisch war und großenteils noch ist, wieder auf idealistische Zielsetzungen Umluft eilen, müßte wohl Die positive Haupt- erziehungsausgate an dieser Generation sein. Ader kann sie ohne st arke intellektuelle Zucht gelöst werden? RiemalsI Denn Die Idee. welche jeder Idealismus sich setzt, ist ge­wiß kein bloßer theoretischer Gedanke, sondern entbehrt nie sehr wesentlicher emotionaler Ele­

mente; und die Leitenfchafi. eine Idee zu ergrei­fen und zur Verwirklichung zu führen, bedarf die­ser Emotionen er ft recht, ist als Leidenschaft selbst­verständlich irrational Dennoch kann sie Der Verwirklichung her Idee nur Dienen, wenn sie einer starten rationalen Bändigung durch die ordnenden Kräfte des Denkens, Zerlegens und ilcbcrlegend. Schließen- und Folgerns nickt ent­raten muß. Am Eingang aller großen geschicht­lichen Bewegungen stehen auch Rausch und Tau­mel; aber sie allein oder sie vorherrschend ha­ben noch nie aus einer großen Idee, die sie er­griffen, große Realität geschaffen.

Wir wollen nicht etwa Die Erziehungsschwie­rigkeit, Die ter jugendliche AktiviSmuS unserer Tage vorstellt, als solche scheuen. Wir werten sie zu ertragen wissen, wenn wir diesen Aktivis­mus als historische Entwicklungstatsache und als ethischen Lebenswert begriffen haben. Aber auch an feiner Bildungsgesahr sollten wir weder blind vorübergehen, noch ißr untätig und resigniert gegcnüberstehen. Vielleicht ist es gut. dabei eines sehr ehrwürdigen philosophischen Begrifss zu ge­denken: Spinoza hat uns den Amor bei Intellec- tuahs gepredigt und wenn wir Die gramma­tische Lesart dieser berühmten spinoziflischen for­met heute sehr zeitgemäß um ein ganz Kleines variieren, so strömt aus ihr eine höchst nottoen- dige Forderung. Cs ist die Liebe zur gei­stigen Gottheit, die unserer jungenDeutsch- heit nicht verlorengehen darf. Ausgabe ist. auch die Schule alS einen Tempel dieser Liebe zu erhalten, und bei allem warmen und Hellen Verstehen für das ungebärdig sich reckende Agere aude!, das eine der Schreibstube und ter Bücherkammer Überdrüssig gewordene gärende und stürmische Jugend auf ihre Fahnen schreibt, wollen wir die unaustilgbare Wahrheit und Lc- benskraft jenes Sapere aude! zu hüten nicht auf- Horen dürfen, ohne da'S wir uns auch künftig die besondere Sendung des deutschen Volles in Der Welt nicht recht ergriffen unh erfüllt aus­zudenken vermöchten.

frieten, was feine seelische Bedeutung für die Familie anbclangt Seine materielle Bedeutung wird ron ihm im Hause Dafür um so stärker betont, ilnD in der Meinung, Daß der Vater Der arbeitende. Der geldgebende und dem Hause vorgesetzte Teil ist, aber die Mutter die Ver­walterin der Liebe und tes Gemütsschatzes. die Spenderin von Harmonie und Güte, erwachsen die Geschlechter einS umS andere.

Muß es so sein? UnD ist es so richtig? Natur- geboten fällt zuerst, dem KIcinTinte gegenüber, der Mutter die Hauptaufgabe zu. Sie führt, eS ins Leben, macht ihm Den jungen Tag schön und hell, sie leidet seinen Geist, Pflegt seinen Körper. Doch bald hat ter wachsende Mensch nicht mehr an Der Gesellschaft und ter Leitung der Mutter genug; er sieht zum Vater hin. Ehrfürchtig und in Scheu, doch mit nicht weniger Licbeskraft als zur Mutter. Es ift Die Zell, die Io viele Väter an ihren Kindern versäumen, und Damit etwas Unwiederbringliches verlieren. Denn Vertrauen will wachsen, Liebe will im Garten der Seele gepflegt und befonnt fein. Der Ernst des Mannes, feine größere Knappheit schrecken das suchende Kind keineswegs. Oft wer­den ihm drei Worte vom Vater, in Liebe und Verständnis gesprochen, zum frühen Heiligtum. Im Vater will es verehren formen, das fitzt tief ün Kinde. Es will auch genießen, wie die große Wacht, die der Vater für fein UrteU Darftellt sich im Scherz Neinmacht, sich foppen läßt, und doch ter mächtige, gute und große

Amerikanische Llniversiiäien.

Von Klaus Mann.

fchlag, hem es besser in seiner Haut zu gefallen scheint. Immer frisch gebadet, breit lachend,

Zunächst eine allgemeine Bemerkung zum Thp tes amerikanischen Eollege-Boy. Man sagt gerne von ihm, er sei ungeistig. Das ist ein Irrtum: er ist nur naiv. Daß sein Hauptinteresse dem Sport gehört, ist nicht zu leugnen; er ist körperlich beffer trainiert als geistig. Aber er ist, was das Entscheidende bleibt, im Geistigen aufnahmewillig, neugierig, interessiert. Junge Deutsche, wenn sie nicht intelfcltuell sind, haben oft eine antigeistige Haltung, sie hassen ten Geist in ihrer Eigenschaft als Reaktionäre (oder sie hassen ihn sogar, wenn sie Intellektuelle sind, in ihrer Eigenschaft als Snobs, was vielleicht noch unangenehmer ist). Junge Amerikaner, ohne gerate vom Geist be­sessen zu fein, bewahren ihm Ehrfurcht und Shm- Pathie.

Ich spreche hier aus dankbarer Erfahrung. Ich habe, mit meiner Schwester zusammen. Vorträge an vielen Llniversitäten gehalten, über Angelegen­heiten ter deutschen Jugend. Lieber all sind wir Wohlwollen und QUifmerFfamfeit begegnet. Richt nur bei den Professoren, bet ten jungen Leuten auch. Ich habe gemerkt, daß sie etwas über uns wissen wollen. Die deutsche Jugendbewegung thc German youth-motion ist ihnen ein romantisch erregender Degrisi. Die Fragen, Die sie stellen, sind oft ahnungslos, sie nahen sich unfern Problemen mit vollkommener Raivität. Aber niemals habe ich Stumpfheit angetroffen. Sie nehmen Das unterscheidet sie vom Deutschen Studenten Die Wissenschaft nicht sehr feierlich. Wichtiger ist ihnen ihr Zusammenleben. Sie be­trachten Diese Jahre des Stutentseins als ge* felsig erfreuliche Zeit. Jung sein, miteinanter leben und des Körpers sich freuen wäre nicht alles Erotische verdrängt und prinzipiell unter­drückt. ihre Gemeinschaft hätte etwas Griechisches. Das Studium kommt hinzu, es ist nicht der aus­schließliche Zweck dieser Jahre. Wir haben diese Art tes Zusammenlebens junger Leute nicht an unseren Universitäten. Die Lebensführung in einem Eollege, vor allem für die unteren Jahr­gänge, erinnert an die unserer Internate; nicht ganz so gebunden, aber lange nicht so ge­lockert und selbständig, wie die unserer ersten Semester. Das Spezialstudmm beginnt erst nach Drei oder vier Jahren, an manchen Universitäten noch später. Dis Dahin ist ter Student noch halb Gymnasiast: wobei er sich übrigens wohl be­findet und was seiner geistigen Stufe entspricht.

Ich glaube, amerikanische Studenten fühlen sich ganz ausgezeichnet. Ich ferme keinen Menschen­

lässig, aber elegant gekleidet, wissen sie selbst ganz genau, wie bevorzugt sie sind. Wenn ich nicht am liebsten ganz genau das wäre, was ich bin amor fati nennen wir das mochte ich arrt liebften ein amerikanischer Student etwa in Princeton sein. Diese Universität ist für amerikanische Verhältnisse sehr alt. ich glaube, Anfang tes achtzehnten Jahrhunderts gegründet. Cs sieht etwa wie in Oxford aus: graues Ge­mäuer, Rasenflächen, alte Bäume und junge Leute. Die haben es gut, Die hier leben. Und ich preise mich glücklich, das gesehen zu haben. Princeton güt alS die eleganteste Universität, wird sogar von den anderen Instituten oft als etwas gar zu smart bewitzelt. Hier kämen die Studenten ün Gesellschastsanzug zu den Vor- lefimgen, wird behauptet, aber das ist Eifersucht. Wie getagt: daS Gesellig-Sportliche ist stärker alS das Wissenschaftliche betont ohne daß das Wissenschaftliche deshalb geringgeschäht oder ver­nachlässigt würde.

Ich habe ziemlich viel Studenten, auch Lehrer in Princeton kennen gelernt. Ich erinnere mich gerne an diese Empfänge (lieber als an manche Empfänge in großen Städten). So viel schone, angenehme Menschen und was für eine frische, natürliche Atmosphäre zwischen ihnen. Einige Gruppen sehe ich noch vor mir: in einem Sessel sitzt ein junger Student, auf ter seitlichen Lehne der alte Professor - - so plaudern sie miteinander. Wäre diese Situation bei einer Geselligkeit ter Münchener Universität denkbar? Mir rommt es vor, als ständen unsere Studenten stramm vor ihren Lehrern und betrachteten sie als Vor­gesetzte. Der Pädagoge, ter so erfreulich wenig auf seine Würde bedacht war. hieß Dr. Priest und war Germanist. Gr ist ein in hohen Ehren ergrauter Kenner her deutschen Literatur, unter seinem Protektorat fand unsere Vorlesung in Princeton statt, ich nenne seinen Ramen gerne und dankbar.

Graues Gemäuer, Rasenflächen, alte Bäume und junge Leute; unvergeßliche Abendstimmung auf diesem Campus; klösterliche Häuser in der Dunkelheit mit gotischen Türen und Fenstern, einige Fenster erleuchtet, Gespräche. Lachen, Grammophonmusll au6 ten Fenstern (trätest du ein, du fandest die künftigen Gelehrten nicht in einem Disput über Thomas von Aquino, sie sprächen eher über Mary Pickford): wäre ich

Vater bleibt, von dessen Händen alles kommt, ilnferc Psychologen und Psychiater haben die taufenbfältigften Beweise Dafür, wie einschnei­dend für Die Kmterfcele das Wesen und Ver­halten des Vaters in diesen frühen Jahren ist.

Es ist einer rechten Mutter Ausgabe. Den Vater auf Die psychologische Stunde hinzuweisen, in Der er anfangen muß. sich feinem Kinde ernsthaft zu toiDmcn. Gewiß siebt ter Vater aus sich hn-aus nicht toeniger als Die Mutter. Aber er liebt scheuer. 5um Teil aus Tradition, zum Teil aus llntehilslichkcit tem komplizierten Menschlein gegenüber. ES ist Sache ter Mutter, ihn feinem Kinde näherzubringen, und Damit das Kind auch ihm. Das geistige Band zwischen Vater und Kmtem muß in erster Jugend ge­knüpft sein, die Mutter muß das KtnD leiten, bis beite einander ganz nahegerückt find. Dann braucht es ihrer stillen Führung nicht mehr.

Was aus ter Freundschaft seines Vaters mit seinen Kindern erwächst, ist für beide Telle ein unendlicher Schah, ift reiches Gut an Gläubig­keit. Optimismus. Sicherheit für die Kinder, und ift unmittelbarer Gewinn an Kraft und Freute für den Vater.

Die Mutter muß es leiten, wo eS sich nicht von selbst entwickel will. Hie aber dürfte eine Mutter in den Augen ter Kinder ten Vater zum bloßen Prügelmeister herab setzen. »Run warte, wenn Der Vater nach Hanse kommt!" Sie nimmt ihrem Kirche etwas fort, wenn sie das tut. Es ist in manchen Familien dieser Ton

nicht am liebsten Ich. mochte ich Student in Prmceton fein.

«3ine e Noas strengere Luft weht in Harvard- U n i D c r f 11 n nabe Boston. 1 Boston ist über­haupt Die seriöseste Stadt.) Hier ift man geistig anspruchsvoller unh das Sportliche Dominiert nicht so uncingefchränsi. Dafür hat Harvard auch daS große Futzballwettspiel ge;cn Princeton ver­loren, feittem ist Hader und Groll zwilchen ten beiten. Denn Harvard behauptet. Prmceton habe im Spul gemogelt. In Harvard, sagt man. wird am mck.ten gelernt. E» liegt nicht ganz so ver­führerisch, wie daS feinDhd)? Princeton, aber immer noch beneidenswert schön. Dori lehrt ter prominenteste amerifan sch: Germanist, ter Senior seiner Zunft Kuno Francke. Er steht, her über Siebzigjährige, dem germanischen Musernn vor, ich fand ihn. a'S ich ihn besuchte, gelehrt und zart, ein sensibler Greis mit oergeihigiem Kopf. Das Germanische Museum enthält nur Kopieen, größtenteils gotischer Werke. Der alte Professor Francke zeigte he uns mit schöner Innigkeit und erzählte etwas Hübfches übet jedes einzelne; aber <llS ich ten Großen Kurfürsten für den französischen LouiS XIV. hielt, erlitt ter Hochbetagte doch noch einen Lachkrampf.

Jede Universität, das ist bei her Betrachtung des amerikan^chen Studenten nicht zu vergeßen, hat einen Typ, ten sie bewußt züchtet, auf den sie stolz ist. Der eine ist mehr smart, der andere mehr gelehrt (trotzdem sind sie sich, sür unskrn Blick, in allen wesentlichen Punkten ähnlich,. Sintert steht es mvt ten Universitäten in Den großen StA,ten: hier ist alles gemischter und daS Charakteristische schwerer aufzusinten. Obwohl etwa die Eolu mb ia-Universität (Reuyork) mit vielen Hofen, kleinen Straßen. Ocbäute- komplexen wie eine eigene mittelgroße Stadt in der ganzen großen Stadt ist. fehlt do^h jenes klösterliche Moment, jene Abgeschiedenheit, die Den kleinen Universitäten ihre Atmosphäre gibt. 35 000 Studenten und 2000 Lehrer! Man muß sich fo ein Institut richtig vorstellen: Schwimm­bad und Kitribe, komfortable Klubs, riefenhaste Hörsäle, Krankenhäuser, Wohnhäuser für Stu­denten und Lehrer. Mittelgroße Stadt in der ganzen großen, wo man von ter Journalistik bis tzur Theologie alles, alles lernen kann. A^hnlid» nnposant ist Die Universität von Eh 1 kag 0.

Diese Anstallen wissen fast nicht wohin mit den (Stiftungen. Es scheint ter Ehrgeiz eines jedem Millionärs zu fein, daß fein Raine eine Bibliothek oder eine Kirche schmückt. Sie ver­schenken Millionen, ater Tafeln müssen für sie aufgehängt werten. Der Universität Prince­ton hat jemand eimen See verehrt. Spaß tei- selle: er hat em Gewässer, ich glaube, ebenso groß wie ter Starnberger See, anlegen lassen, darin rudern jetzt die Studenten. Daß die ame- rkamschen Universitäten Geld zur Verfügung Hadem großartig, unermeßlich viel Geld unberieteitet sie von den unfrigen sehr wesent­lich. Ihr« beiten gewaltigen Vorzüge heißen: Geld und em frtscheS, unveickrauchtes Menschenmaderial. (Die Rachtclle: Sportsimmel nie Verachtung, aber manchmal Gleichgültig- ke-.t gegen tem Geist reaktionäre Rückständig­teilt im Moralischen > Aber alles ist großen Stils. In Los Angeles wird, unter tem Ramen Lohola-Vniversitat, eine Iesuttenschule gegiün- deit irgendeiner stiftet 30 Millionen Dollars, und «s wird die größte Iesuitenschule der Welt.

Ratürlich habe ich auch bescheidenere llni- versitäten gesehen, etwa im Mittelwesten btelhii- versi-tät Lawrence, nahe Konfus Eity zum Dei- sp'vel, trägt mehr traulichen Charakter, immer­hin verfügt sie über ein Stadion, etwa so groß tobe das ter Hauptstadt Berlin. Gerne erinnere ich mich auch an das Mädchen-College Bryn - mator. eine halte Stunde von Philadelphia, es fällt mit beitraulich" ein, schlimm genug, daß ich so spät darauf zu sprechen komme. Dort hatten wir einen Tee mit mindestens 50 jungen Damen, höchstens zwei Professoren waren Dabei. Bis auf eine waren alle ungeschminkt -- un­gewöhnlicher Anblick in Amerika, diese eine war neu auS Reuyork zugezozen und nicht sehr beliebt. Die Girls lind eoenfo sportlich wie Die Boys, noch ein bißchen naiver und fast noch hübscher.

Alles in allem: was uns an amerikanischen Llniversitäten verwundert ober gar abstößt. ist unwesentlicher alS das. was uns Bewunderung und Anerkennung abnötigt. Meirre Eindrücke in Universitäten rechne ich zu den positivsten, die mir mein Aufenthalt von sechs Monaten m den H.6.2L gegeben hat.

Hier rede ich. wotzu es leugnen, ein bißchen nationalistisch, nämlich als Deutscher. Man könnte Die Universitäten wohl eine .Hochburg" deS Deutschtums' nennen. Richt in tem Sinn etwa. Daß hi-er Den deutschen Studien vor anderen her

leider etwas Selbstverständliches; der heim- kehrente Mann bekommt den Tagesärger und Die Kinterungezogenheiten zuerst serviert. Er. Der ausruhen, vom Frieden des Heims um­fangen, vom Jubel seiner Kinder beglückt sein will, muß erst ten Gestrengen spielen. Ja. wirk­lich oft spielen, toenn ihm zuweilen gar nicht danach ist. Aber Die Frau gibt ihm dies Amt, sie hat ihn in diese Rolle brncingeDrängt allzuoft

Eine denkende Frau muß aeiate das Gegen­teil tun. Selbst handeln, selost strafen, wo es not ist, und vielleicht zur größeren (Zerknirschung des Sünderleins ragen: .Wie wird es den Vater betrüben. Daß hu unrecht getan haft! Gr. Der so gut ist. der für tech sorgt und arbeitet, der einmal tüchtig stolz auf dich sein will! Ich weiß gar nicht, wie ich ibm das sagen soll!" Das wird viel stärker wirken, und tem Kinde zum Rachtenken Gelegenheit geben. UnD toirD Die Bande, die es an Den Vater knüpfen, von Angst freihalten. Die Mutter soll und muß alS Mittlerin zwischen Vater und Kind dastchen, bis die Gemeinsam-eit aus chrcr Ver­kapselung Durchgebrochen ist. unh die beiden sich finten. Manche Väter brauchen DaS nicht, sie sind zärllichr Ratrrren. Die von selbst nichts Sckwneres fermen, als den Weg in die Kinder­stube. Die Mehrzahl Der Väter will jedoch dort­hin geleitet sein und dies zum Segen für alle zu hm, ist ter Mutter Pflicht.