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Rr.161 Zweites Blatt

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheflen)

Mittwoch, N- Juli 1928

Spanische Reisebilder.

Amtes geUxiltet bat soeben fein Onui abgelegt, unUrftüfyt von feinen 2I!)tcn (monaguillos); in ihrer unbekümmerten Ursprünglichkeit find sie ein Hauch ihrer sonnigen Berge in diesen ernsten Räumen. Der Sakriftan erklärt die Wand- und Deckengemälde, es sind z. T. Werke von Zurbaran und El Greco. Die Sakristei birgt auch eine Hostie, ein Geschenk deS Kaisers und Magiers Rudolf II. an den spanischen Könige diese soll während den Wirren in den Spam­

Ill.

El Escorial.

Am Südabhange des Guadarramagebirges mit weiter Sicht auf die kahle Ebene Kastiliens liegt die kleine Ortschaft Escorial, in derem oberen Teile sich der Renaissancebau Philipps II. be­findet, der den Ramen deS vorher unbekannten Ortes in aller Welt berühmt werden liest. Es­corial bedeutet Schlackenhaufen und weist in feiner Benennung aus die DergwerkSausbeutung früherer Zeit hin. Die Gegend ist in weitem Um­kreise eintönig, sehr herbe wie in vielen Teilen des Inneren von Spanien. Ein spärlicher Wald bedeckt die Abhänge deS Gebirges und nur vcr- tingelt stehen höhere Bäume. Aber zwei Dinge waren es, die schon in früheren Zeiten die Madrider veranlastten. EScorial als Sommer- ausenthalt zu wählens die reine, kühle Derglust und daS gesunde, frische Trinkwasser, das der Ort bietet. Diese Faktoren waren neben anderen auch ausschlaggebend für die Wahl Philipps II. Heute erheben sich, besonders in dem oberen Teile deS OrleS (1000 Meter über dem Meere), eine Anzahl kleinerer und gröberer Dillen. Es herrscht während der Sommermonate ein Treiben wie in irgendeinem kleinen Luftkurort: gutes Essen kleine Spaziergänge, Langeweile, dazu ein heiterer, blauer Himmel und die heilsame Sonne.

D i e Sehenswürdigkeit des Ortes ist der schon erwähnte Dau Philipps II., merkwürdig schon durch seine Große. aber nicht weniger wegen der seltsamen Deveinigung von Begräbnisplatz, könig­licher Wohnung und Kloster. 'Der Grundriß der mächtigen Anlage soll einen Rost darstellen das Marterwerkzeug des heiligen Laurentius. Schwerlich wird dies der Besucher erkennen, wenn er baS Gewirr der Gänge durchschreitet. Bekanntlich hatte Philipp li. einen prachtvollen Tempel gelobt, weil seine Artillerie in der Schlacht von St. Quentin (1557, am Laurentiustage) eine Kapelle des Heiligen zerstört hatte. Und so wurde diese Dotivkirche der Mittelpunkt der eigen­artigen Renaissanceschöpfung.

Die gewaltige Steinmasse aus grauweihem Granit, mit ihren geraden Linien, den schmuck­losen Flächen, selbst die Fassade nur unter­brochen durch die drei Eingangstore (deren mitt­leres überragt wird von der vier Meter hohen Statue des Heiligen) mit der Anzahl der Fenster erweckt eher den Eindruck eines Gefängnisses als den einer Residenz oder einer Kirche. Etwas Düsteres, Drückendes haftet dem ganzen Dau an. Die vielen Hofe, die Gänge zwischen den dicken Steinmauern (mit einer Gesamtlänge von 160 Kilometer), die kleinen Fenster, 1200 an der Zahl, die festen Türen und Tore erwecken immer wieder den Eindruck des Eingeschlossenseins. Dicl- leicht ist dieser Dau in gewissem Sinne ein Abbild jenes einsamen, abgeschlossenen Monarchen, der fern von der geschäftigen Welteine Zuflucht für sich suchte, nur eine Zelle, um seine müden Glieoer zur Ruhe zu bringen".

Wie schon erwähnt, bildet die Kirche den Mittelpunkt der ganzen Anlage: sie ist überragt non zwei Türmen und einer gewaltigen Kuppel, die von der Höhe bis zur Erde 110 Meter mistt. Die Farbenwirkung anderer Kirchen durch das eintretende Licht der Fenster, durch die Gemälde - alles dies verschwindet vor dem reinen ar­chitektonischen Eindruck. In der ungeheuren Masse des grauen Steines und feiner ruhigen Sicher­heit wirkt jedes Artfremde, wie z. B. die Ge­mälde der Decke, fast störend. Lieberhaupt ist bei der inneren Ausschmückung weise Beschränkung geübt worden, und manches kam erst später hinzu. Die Zahl der Altäre ist 48. Gerade hat cme Messe an einem der Altäre geendet und es bietet sich Gelegenheit,' um auch einen Blick in die Sakristei zu tun und darnach den Ehor zu besichtigen. Rur wenige Besucher folgen dem Sakriftan. der mit trockener Stimme seine Er­klärungen gibt. Der Priester, nachdem er seines

scheu Riederlanden geblutet h.iben durch die Mißhandlung protestantischer Soldaten. Denn wir nun unserem alten Führer hinaus folgen in den oberen Chor, dann bietet sich uns der günstigste Blick auf den kunstvollen Hauptaltar aus kostbarem Marmor. Den Mittelpunkt des Bodens des Chores bildet eine mächtige Stein­platte. die in Erschütterung verseht, das ganze darunter befindliche Gewölbe ins Schwanken bringt. In der linken Ecke des Chores, dessen Stühle durch Schnitzereien verziert sind, hatte Philipp II. seinen Platz, wenn er an den An­dachten der Mönche teilnahm. Durch eine ge­heime Tür konnte er unbeachtet eintreten und sich zurückziehen. Besonderes Interesse werden in jedem Besucher sicherlich die Chorbücher er­wecken. die in dem Anticoro ausgestellt sind: einige von ihnen haben eine Hohe von einem Meter, ausgcschlagen sind sie fast zwei Meter breit

Wir haben jetzt unseren Rundgang durch die Kirche beendigt und wollen für Qüigenblide ein- treten in die spanische Königsgruft, in der feit Carlos Quinto alle spanischen Herrscher ihre Ruhe gefunden haben und wo mit ihnen ein großes Stück Geschichte einen zeitlichen Abschluß gesunden hat. Eine Wendeltreppe führt hinab in das Mausoleum: ein mattes Licht erhellt einen fast kreisförmigen Raum, in dem die Sar­kophage aus schwarzem Marmor übereinander in Rischen ausgestellt sind, in mehreren Reihen, rechts die der Königinnen, links die der Könige: auf ihrer Seite ist nur noch ein Sarkophag frei. Dielleicht für ängstliche Gemüter ein Vorzeichen, älrsprünglich war dieses Mausoleum ganz in Schwarz gehalten, aus Gold nur das Kruzifix in der Mitte. Spätere Könige brachten an den Sargen goldene Inschriften an und bekleideten die Wände mit andersfarbigem Marmor. So ging die vornehme Ruhe des Raumes ver­loren auf Kosten eines gröberen Prunkes. Genau oberhalb der Grabkammer befindet sich der Hoch­altar der Kirche.--

Einen verhältnismäßig kleinen Teil von El Es­corial nehmen die königlichen Gemächer ein, die zum Teil heute noch benutzt werden bei Anwesen­heit des Königshauses. Die bekannte MvseumS- luft lagert in diesen Räumen, trocken, staubig. Dazu gibt es die üblichen Erklärungen des KastÄlans: Hier pflegte der Monarch zu schrei­ben, dort stand er stundenlang am Fenster und sah hinaus in die weite Landschaft, an diesem Platze empfing er die Gesandten und hier auf diesem kleinen Schemel ruhte er sein gichtkrankes Bein ufto. Das Schlafgemach König Philipps befändet sich zu ebener Erde, also m gleicher Hohe mit der Sohle der Kirche. Don seinem Bett aus konnte er der Messe beiwohnen, die am Hochaltar zelebriert wurde. Hier starb er, müde der Welt und der Menschen, mit dem Blicke auf den Altar, in seinen Händen das nämliche Kruzifix, das schon Kar4 V. im Tode umklammert hatte.

Ein besonderes Interesse oerbient noch die Bibliothek, die von Auguftinermonchen verwaltet wird. Einige kostbare Stücke sind unter GlaS ausgelegt: ein arabischer Koran mit kunstvollen Handmalereien in Gold und Blau, ferner die vier Evangelien, geschrieben für den Deutschen Kaiser Conrad II. und manch anderes Werk, das mit Gold auf getrogen wird".

Draußen strahlt eine helle Augustsonne aus blauem Himmel. Es ist Mittag und die Straßen

Gießener Giadttheater.

Ylumenthal-Aadelburg: Im weißen Rötz'l.

DaS war ein reizender und sehr lobenswerter Gedanke unserer Intendanz, die Waldbübne aus ihrem über Gebühr ausgedehnten Winterschlaf zu neuem Leben zu erwecken, vielmehr den Zwecken des Stadttheaters nutzbar zu machen. Und es war weiter ein geschickter Schachzug, gleichsam zur Eröffnung die Herren Kadelburg und Blu- nrcnthal mit ihrem altbewährtenWeißen Roß'l" »u bemühen. Ihre an sich schon etwas ver­staubte, aber zu dem vorliegenden Zweck mit löblichem Eifer unb gutem Erfolg frisch heraus- aeputzte Schwankheiterkeit eignete sich trefflich, övmmerschwüle und Schnackenplage schnell zu bergeffen und sich hemmungslos fröhlich dem hmzugeben. was unser Stadttheaterensemble unter J.anncrtß frischer Regie in dem reizvollen Rahmen unseres Stadtwaldes hinzustellen wußte. Unter unseren prächtigen Tannen brauchte es kaum viel Phantasie, um sich auch Dachstein, Schafberg und QHonbfee hinzuzuzaubern. Für Naturfarben wurde schon gesorgt. Lind daß manches Inszenierungskunststück unter freiem Himmel mitten Im Wald sich fast von selbst lost, bewies die sinnreiche Einrichtung, mittels derer bet gute Petrus sein nicht immer nur labendes Rah in genauer Dosierung der exmittierten Fa- ttilie ©iefetic spendete. (Wir empfehlen dringend Patentierung dieses Eolumbuseis.) In präch­tigster Laune fanden sich dann im oder ge­nerier vor'm GasthausZum weihen Roß'l" die btei obligaten Paare: voran die fesche Wirttn in höchsteigener Person und ihr Zählkellner '-Roria Koch und Franz Arzdorf, beide ^mzbrav und bieder, mit dem nötigen Schuß ^mtimentalität, naturgetreu bis zum Dialekt), fEderhin der tüchtige Rechtsanwalt, pensionierter ^rusfreund im Weißen Röh l, und die schöne Ottilie, Lampenfabrikantentöchterlein aus Berlin. l?anS T a n n e r t s Regiekünste brachten auch ovf dem Heiratsmarkt flott und munter die Rich- tjeen zusammen, wobei er als Selbstversorger an sich nicht zuletzt dachte: Trude Heß war ihm nre charmante Partnerin), schließlich das gute c'rES?1 spitzen Zunge und Herr Arthur "Reimet aus Sangerhausen, der eine für seine ,cbre immerhin beträchtliche Glatze sein eigen reitnt, em schöner Beweis für die Richtigkeit des

Sprichwortes, daß Liebe blind (und hier sogar auch taub) macht. (Julius Baste und Ingeborg Scherer brachten das rührende Pärchen sehr nett heraus.) Bleibt noch ein Wort über die ältere Generation, der auch hier die weniger be­neidenswerte Rolle zufiel, zu allem Ia und Amen zu sagen: Herrn Wilhelm Giesecke (von Rudolf Goll mit allem gewohnten Raffine­ment trefflich hingelegt) fiel dies als dem Haupt- geprellten sichtbar am schwersten, während sich der glücklicher veranlagte, darum auch mit ma­teriellen Gütern dieser Erde weniger gesegnete Klassenkamerad aus der Untertertia(Äarl 03 o l d) überraschend schnell m die Rolle des Lchwieger- papas sand. Dom großen Troß der übrigen Mitwirkenden müssen genannt werden Paul Gehres unbezahlbar komischer Hochtourist und das famose Bettlerpaar (Edelbert Gareis und Ilse Jahn). Dem zwar nicht übermäßig zahl­reichen Publikum machte der heiter-harmlose Scherz in sommerlicher Waldespracht viel Freude, hoffentlich ein Ansporn für die Intendanz, die gute Idee mit der Waldbühne weiter auszu­bauen.

Kuliffengeschichien.

Die beiden Komiker Karl Helmerding und Friedrich Beckmann waren an der­selben Bühne beschäftigt und verkehrten auch sonst freundschaftlich miteinander. Ieden Mitt­woch trafen sie unter anderem an einem Stamm­tisch zusammen, wo es sehr Luftig herging. Eines Tages erscheint nun Helmerding mit ganz ver­störtem Ausdruck:Kinder, wißt Ihr. was pas­siert ist? Beckmann ist gestorben. Ganz plötzlich Herzschlag!" Die unerwartete Rachricht trifft alle aufs tiefste. Erst weih man kein Wort zu finden. Dann beginnt man von Beckmann und seiiien Okrbienften zu reden. Indem öffnet sich die Tür, und herein tritt, frisch und munter, Beckmann. Man schaut und staunt. Helmerding aber legt schnell den Finger auf den Mund:Still. Kinder er weiß es noch nicht." Sophie Schro­der, der großen Tragödin, sagt man nach daß sie ttotz zweier unglücklicher Ehen und zahlreicher Liebeserfahrungen noch in späten Tagen leicht entzündlich gewesen sei. Sie war zwettmdsechzig- jährig. als m ihrer Gegenwart jüngere Damen sich über das Thema Liebe unterhielten, lieber

der Ortschaft sind fast menschenleer. Die Handels­leute auf dem kleinen Markte räumen ihre Stände und packen ihre unverkauften Früchte auf die kleinen grauen geduldigen ©fei. Sie ziehen fort aus dem Orte nach chren Gehöften. Bald bleiben

die letzten Häuser des Ortes zurück, die Wahr­st raße steigt, zurückschauend liegt der Ort Escorial zu den Füßen deS Wanderers. riesenhaft recken sich die grauen Granitmassen der königlichen Burg B. J.

Mreslagung des Aerschützverems für Hessen.

Sonderbericht deS ..Gießener Anzeigers".

Bad-Rauheim. 9. Iuli.

Der Tierschutzverein für Hessen hielt dieser Tage in der Turnhalle zu Bad-Rauheim seine 47. ordentliche Hauptversammlung ab. Der Dorsitzende deS Landesverbandes, Oberschulrat Jung (Darmstadt) begrüßte die zahlreichen Be­sucher der Tagung, vor allem die Gäste, unter denen sich Kreisdirektor R echt hie n (Fried­berg). Beigeordneter Kling lBad-Rauhcim). Schulrat Pros. Dr. AlleS (Dießen). Schulrat Fischer (Gießen), Lehrer 1 R. Fritzel, der Dorsitzende deS Gießener Zweigvereins, befan­den In seinen Ausführungen verbreitete sich Oberschulrat Jung über die Ausgaben des Tierschutzvereins. Es gelte, die Herren warm zu machen für die edlen Ziele des Vereins. Wenn die Tierquälereien zurückgcgangen seien, so sei das in erster Linie mit ein verdienst von Schule und Lehrerschaft, der für die selbstlose Wil- arbeit herzlicher Dani übermittelt wurde. Kreis- direktor Rechthien begrüßte im Austrage der Verwaltungsbehörde die Versammlung und ftclUe tatkräftige Unterstützung den Tierschutzbesire- bungen in Aussicht. Er trat besonders warm für einen verstärkten Vogelschutz ein, der besonders notwendig sei, nachdem die Feldberei­nigung die Riststätten vielfach beseitigt habe. Er werde sich bemühen, bei den Gemeinden für die Ziele des Tierschutzvereins zu werben. Beige­ordneter Kling entbot den Gruß der Stadt Bad-Rauheim. die in der Tierpflege Dorbild­liches leiste. Mit lebhaftem Interesse wurde dann der von Prof. Dolsing (Darmstadt) er­stattete

Jahresbericht

übar das Geschäftsjahr 1927 28 verfolgt. Mit tiefempfundenen Worten gedachte der Bericht­erstatter des am 17. Oktober 1927 verstorbenen großen Tierfreundes Otto Hartmann (Köln), der vor 46 Iahren den Verband der Tierschutz­vereine Deutschlands gründete und bis an sein Lebensende dessen Dorsitzender war. Der Bericht erwähnte dann den Ersolg der ersten Tierschutz­woche in Wien, die Sonderausstellung des Hessischen Tierfchutzvereins aus der landwirt­schaftlichen Ausstellung in Darmstadt, den treff­lichen Werbefilm von Kreisfchulrat Lorentz (Lauterbach) überWeidevieh und Diehweiden im Dogeisberg", ferner die Bemühungen des Tierfchutzvereins um den Schuh des Raturkleino- des Kühkopf in Starkenburg. Herzlicher Dank galt dem Bogelsberger Höhenklub dafür, daß er sich für den Raturschuh des Oberwaldes ein­gesetzt habe. Als besondere Tierschutzarbeit sind die hinsichtlich der Schächtsrage un­ternommenen Schritte zu nennen. Ein großer Fortschritt scheint durch die Erfolge mit elektri­scher Betäubung angebahnt, welches Verfahren am 3. Iuli d. I. im Frankfurter Schlachthaus zur Zufriedenheit der anwesenden Tierfreunde vorgesührt worden ift Die Bewegung gegen den Tierversuch breitet sich weiter aus.

Heber die Tätigkejj des Hessischen Tierschutz­vereins gaben folgende Zahlen Auskunft: An­zeigen wegen Tierquälerei wurden 312 erstat­tet. Dom Tierschutzkalender kamen 102 658 Stück in Hessen zur Verteilung (haupt­sächlich in den Schulen), eine wohl nirgends er­reichte Zahl. Die Mitgliederzahl des Vereins beträgt 6722, dazu kommen 125 Gemeinden mit regelmäßiger Beitragszahlung. Die vom Hessi­schen Tierschutzverein herausgegebeneAllge­meine Tierschutz-Zeitschrift" geht außerdem noch an 553 Gemeinden in Hessen und- an zahlreiche außerhessische Tierschutzvereine.

Die von Oberrechnungsrat Kratz (Darmstadt) Dorgelegte Rechnung schließt ab mit 29 195 Mk.

in Einnahmen und 27 040 Mk. in Ausgaben. Die vom Ausschuß des Tierschutzverein- für Hessen gestellten

Anträge

sanden ohne größere Aussprache die Zustim­mung der Dcrfammiung. Der Ausschuß hat den Vorstand auf 6 weitere Iahre gewählt. Dieser setzt sich wie folgt zusammen: 1. Vorsitzender Oberschulrat Jung. Stellvertteter Ministerial­direktor U r ft a b t. weiterer Stellvertreter Obcr- regierungsrat Lauteschläger, Schriftführer Pros. Dolsing, 2. Schriftführer und Rechner Oberrechnungsrat Kratz: dazu kommen noch 3 Beisitzer. Die auSgeschiedenen Mitglieder des Ausschusses wurden zum größten Tell toie- dcrgewählt, darunter Schulrat Pros. Dr. AlleS (Gießen). Schulrat Huss (Alsfeld). 10 Mit­glieder treten neu in den Ausschuß, darunter Schulrat R e u s ch (AlSseld). Geh. Rat Dr. 03 o Li­ma r (Büdingens. Lehrer Ohwald (Bad-Rau­heim)

6 weitere Kreise des Lande- sollen Tierbüch- lein für die Schulklassen erhalten. 600 Mark wurden für den Zweck bewilligt. In O b er- Hessen kommen die Kreise Gießen und Friedberg an die Reihe.

Der Iahresbeitrag für Öen Tierschutzverein wurde für die nächsten 5 Iahre wie seither auf 2 Mk. festgesetzt.

1200 Mk. wurden bewilligt für die Auszeich­nung verdienter Förderer des Tierschutzes unb treuer Tierpfleger. Für Förderung des Tier­schutzes erhielten 37 Polizeiaussichtsbeamte (da­runter 13 in Oberhcssen), und für treue Tier­pflege 81 Privatpersonen (darunter 22 in Ober- Hessen) Diplome unb Geldprämien.

Ein Antrag von Lehrer E b I i n g (Flom­born), der verschiedene beachtliche Maßnahmen zum Dogelschuy vorschlägt. wurde dem Dor- ftanb als Material überwiesen.

Den Abschluh der Tagung bilbetc ein sehr bei­fällig aufgenommener Lichtbildervortrag von Lehrer Oßwald (Bad-Rauheim) über

Naturschutz.

Rach einem kurzen geschichtlichen Lieberblick, der im besonderen auf Hessen Rücksicht nahm, besprach der Redner die Ausgaben deS Ratur­schuhes. um dann für Hessen wichtige, unauf- schiebliche Raturschutzmaßnahmen zu fordern. Schutzbedürftig seien alS Raturschuhdenkmäler im engeren Sinne nicht nur einzelne gefährdete Pflanzen- und Tierarten, sondern auch geschlossene, natürliche Bezirke als Raturschutz- oder Bann­gebiete. AlS solche bezeichnete der Redner u. a. Teile des Oberwaldes, den Hangelstein bei Gie­ßen, die Kalkhügel des HüttenbergeS, die Salz­wiesen bei Wisselsheim, daS Salzmoor bei Mün­zenberg, besonder- lehrreiche, erdgeschichtliche Denkmäler. wie den Tellerberg bei Wüw-enbcrg usw. Der Redner wtes auf das vorbildliche Bei­spiel PreuhenS hin, das durch die Staatliche Stelle für Raturdenkmalpflege in Berlin die Raturschuhbewegung im ganzen Lande trefflich organisiert habe. Auch für Hessen sei eine ähn­liche Stelle zu schaffen. Wichtiger als gesetzliche Derordnungen, Oie natürlich erwünscht seien, sei die Erziehung zu einer echten Raturschuh­gesinnung. Der Schule erwachse hier eine bedeut­same Aufgabe. Die vorgeführten Lichtbilder zeig­ten an drastischen Beispielen, wie die Ver­schandelung mancher Landschaften abstoßend wirkt, dann an Ausnahmen von der AusstellungRa- tur und Schule" in Kassel, wie fick die einzelnen Llnterrichtsfächer in den Dienst der Ralurschutz-

ihre Meinung befragt, rief die Schroder mit hastig abwehrender Gebärde: ..Lassen Eie mich! Dieser verruchten Leidenschaft habe ich entsagt - - auf einig, einig I" Man staunt: dann fragt eine Dame leicht ironisch:Seit wann bermr* Die Schroder aber, feierlich und vollkommen ernst: Seit zwei Iahren!" Dictor Hugo sah in einer französischen Handelsstadt im Theater. Dor seiner Loge unterhielten sich mehrere Kaufleute ohne Rücksicht auf Dorstellung und Zuschauer. Welch eine Angehörigkeit!" rief Hugo, daß die Ruhestörer es hören muhtenWie meinen Sie das?" fragte einer.Run" antwortete der Dich­ter,ist es nicht eine Hingehörigkeit, Sie von der Bühne herab zu stören, wenn Sie sich im Parkett unterhalten wollen?" Laube und Strakosch besuchten ein auswärtiges Theater, um sich einen Schauspieler anzusehen, der aber in keiner Weise ihren Erwarttmgen entsprach End­lich sagte Laube:Den Wann mochte ich auf lebenslänglich engagieren. Sttakofch war ent­fett:Aber. Herr Professor!" Worauf Laube fortfufcr:Ia! damit er sicher nicht mehr auf­tritt." Eines Tages betritt das Bureau des bekannten Dorttagsmeisters S t r a k o s ch ein junger Mensch Sttakofch. seiner Gewohnheit ge­mäß. sieht ihn an und sagt:Sprrrechen Sie! Sangen Sie an: durch diese hohle Gasse..." Der junge Wann:Aber das kann ich nicht." Sttakofch:Run. dann will ich's Ihnen vor- spvechen.' Er beginnt und läßt den jungen Wann die Worte wiederholen Doch bttakosch ist nicht zufrieden: er spricht die Worte nochmals vor und läßt sie nochmals wiederholen Eine Weile geht das im Wechsel. Schließlich sagt Sttakofch: Ich muh Ihnen sagen, junger Mann. Sie haben gar kein Talent." Worauf der junge Wann:Ich bin ja der Tapezier." Als IbsensGe­spenst e r" bei Brahm auf geführt wurden, schrieb jemand an den Dichter:Hat Engsttand das Asyl in Brand gesteckt oder nicht?" Worauf Ibsen antwortete:Das weih ich selber nicht. Aber zuzuttauen ist es dem Kerl." Don einem berühmten Tolstoi-Dar ft eller erzählt man: Er sah in der Halle des Hotels Adlon Plötzlich ruft ein Hotelpage seinen Hamen:Herr T. das Telephon" Der grobe Wime bleibt hinter seiner Zeitung und hört nichts. Die Gäste aber flüstern seinen Damen und gucken. Wieder ruft der Page und wieder. Die Gäste recken die Hälse. Endlich erhebt er sich schaut mit feinen schwermütigen

südlichen Augen um sich und fragt, noch ab­wesend, mit dem müden, leidenden Klang seiner Stimme:Hat man mich gerufen?" Run haben ihn alle gesehen Unb mit einem Seufzer:Ach, dieses Telephon!" folgt er, begleitet von schwär­merischen Iungmädchenblicken. dem Ruf des Pa­gen Eine aber sagt zu ihrer Freundin:Wie schlicht er ist! So gar keine Pose!"

Hochschulnachrichten.

Zur Wiederbesetzung des Lehrstuhls der Ge­schichte an der Universität Freiburg i. B. als Rachsolger von Geheimrat H. Finke ist ein Ruf an Professor Dr. Iakob Strieder in München ergangen. Als Spezialfach erwählte Strieder Wirtschaftsgeschichte. Rach Studienreisen in Frankreich. Belgien, Holland, Italien England, Oesterreich-Ungarn und Amerika hielt er dem Kronprinzen Georg und dem Prinzen Friedrich- Christian von Sachien Gefchichtsvorträge. 1907 habilitierte sich Strieder in Leipzig, wurde 1915 a. o. Professor und 1920 auf den neu errichteten Lehrstuhl für Wirtschaftsgeschichte in München berufen. Außer einer Anzahl von Zeitschristen- aussätzen verösfenttichte er u. a. folgende Werke: Zur Genesis des modernen Kapitalismus" (1904).Die Inventur der Firma Fugger aus dem Iahre 1527" (1905).Maria Thereiia, Kau­nitz und die österreichische Politik" (1910). Authentische Berichte über Luthers letzte Le­bensstunden" (1912).Studien zur Geschichte kapi­talistischer Organiiationsformen, Monopole, Kar­telle unb Aktiengesellschaften im Mittelalter und zum Beginn der Reuzeit" (1914, 2. Ausl. 1925). Levantinische Handelsfahrten deutscher Kauf­leute des 16. Iahichunderts" (1919).Iakob Fug­ger. der Reiche" (1926). Zum Nachfolger des Geh. Rats E. Wiechert auf dem Lehrstuhl der Geophysik an der Llniversität Göttingen ist Professor Dr. Wilhelm Schwehdar von der Uni- versität Berlin ausersehen Schweydars Ar­beiten betreffen besonders Elastizität unb Kon­stitution der Erde, Schwerkrastmessungen zum Teil im Interelle der geologischen Erforschung der Erdrinde (des Bergbaues). Dcbwehdar war zunächst clls Assistent am AstrophyMalischen In­stitut in Potsdam tätig, kam 1905 an bas Pots­damer Geodätische Institut, wurde dort Obser­vator unb 1914 Titularprofessor.