178. Jahrgang
D. y Lrfte; Blatt
Mittwoch. N Januar V>28
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Dmrf unt> Derlag: Vrühl'sche U«iverstttuv»ch. inö Stelnöntderd R. tauge tu Stetzen. Sdfriftleitnng und Gcschäftrftelle: 5ch»lffratze L
unterrichteter russischer Seite.
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vembcr o. I. noch Omsk angeführt. So soll S i -
n o w j c w nach dem nördlichen Kaukasus gehen. Trotzki soll im Auftrage der Partei noch losch, kemt fahren. Das Zentralkomitee sehe in dieser Maßnahme nicht eine Strafe, sondern eine E r • ziehungsmahnahme.
auf diesem Wege in die Partei zurück^ukehren. Als die Verschickung smilas im No-
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„Eine Erziehungsmaßnahme."
unaedrochene Willenskraft, ifchen Starrsinn und Intoleranz anlieht. Sr
N e u y o r k, 10. Ian. (WB ) Der chilenische Botschafter Danilo erklärte, ein großer Teil Lateinamerikas sei überzeugt, dah die Monroedok- t r i n , die die Anerkennung des Uebergewichts der Bereinigten Staaten voraussetzt, ein ernstes Hindernis gegen die auf gutem Willen begründete Verständigung bilden werde. Oer Botschafter sprach bann anerkennend von dem Werke Roots. das viel dazu beitragen werde, den Eindruck zu o erwischen. daß die Bereinigten Staaten 'ch ein gewißes SchutzrcchtüberSüdamerika an- mähen.
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Dt Irredr DUH dangt, verantwortlich für Politik Dr Fr DUH Can«, für Feuisteto» Di tz Ihyrlot^
der ganze Ängrisf scheint Aufammcnge- fein Aber die Berichte aus Moskau
sinmld)tl», tür dem In- frigentetl hurt fitSmann, sämtlich im Gießen
graphenlinien sind von den Streitkräften Generals Peralta zerstört worden.
Oie Dereinigten Staaten und Lateinamerika.
R^'ieriing fest entschlossen sei, mit den schärfsten Mitteln gegen die Personen oorzugehen. die hartnäckig an ihren Ideen festhalten. Dagegen könne keine Rede davon fein, dah die Regierung in Bausch und Bogen gegen die Opposition oor- gehe. Die Mahnohme richte sich nur gegen die Mitglieder der Opposition, di« man als unzuverlässige Element« aus dem Moskauer Gebiet entfernen wolle. Die Moskauer Regierung habe keine Veranlassung, gegen die Mitglieder der Opposition. di« öffentlich ihre politischen Forderungen zurückgezogen hätten, in gleicher Weise oonu- geberr. ®ie eine sonst gut unterrichtete ausländische diplomatische Persönlichkeit mitteilt, sei durch den Beschluh des Zentralkomitees den Oppositionsfüh- rem Gelegenheit gegeben, sich im Laus der nächsten Monate in Parteidienste zu stellen und
Der getfHge Ringkamps innerhalb der Kommunistischen Partei Rußlands hat offiziell mit dem Siege der Parteimaschine unter Stalin geendet. Wenn man den Berichten der Offiziellen glauben kann, sogar mit einem überwältigenden Siege. Die Führer der Opposition wie Trotzki, Sinowjew, Kamenew, Radeck. Rakowski, und wie sie alle heißen. sind kalt gestellt worden, obwohl sie teilweise im letzten Augenblick noch ihre Llnlerwerfung cmboten.
bändigen Derk beschreiben könnt«. Grotesk, daß dieser wilde Revolutionär in einem Priesber'em!- nar der Stadt Tiflis erzogen worden ist. Die die meisten bekannten Führer des Bolschewismus Hal sich auch Stalin schon aus der Schule politisch betätigt- als er mit neunzehn Jahren in die sozialdemokratische Partei Rußlands ein- trat, die damals nur Ulegal bestehen Durfte, wurde er bald darauf auS dem Seminar ausgeschlossen, und seit dieser Zeit hat sich Stalin ausschließlich der sozialistischen Agitation gewidmet. Zunächst blieb er in seiner Aeimat. Rachdem er in Tiflis an einigen Strertt teil- genommen hatte, wanderte er zum erstenmal in seinem Leben auf ein Iahr tn S ® ef ä n g» n 18 und sollte bann Drei weitere Iahre seines Lebens in Ostsibirien verbringen. Aber nach einem Monat entfloh er und kehrte auf allerlei Umwegen, natürlich unter falschem Ra- men, nach TifliS zurück. 1908, 1910, 1911 und 1912 wurde er wieder verhaftet, inS Gefängnis gesteckt, nach Sibirien verschickt, in die unwirtlichsten Gegenden verbannt' aber immer wieder gelang es ihm. nach kurzer Zeit auSzubrechen und seine alte Tätigkeit wieder auhunefcmen. Jede Freiheitsstrafe erhöh!« seinen Ruhm unter den Gesinnungsgenossen, erregte die vctniltlonären Leidenschaften d«S Kaukasiers stärker. statt sie abzuschwächen, diente ihm dazu, in immer wichtigere Parteiämter emporzusteigen.
Lenin und Trotzki, Intellektuelle bürgerlicher Herkunft, waren alS Theoretiker schon längst bekannt, bevor sie durch den Ausbruch der ruf- fischen Revolution Gelegenheit halten, ihr staatsmännisches Geschick zu beweisen. Stalin war niemals ein großer Theoretiker- man kann ihn nicht einmal im westlichen Sinn gebildet nennen. Aber während Lenin in der Schweiz weilte und nur auS der Ferne die soziale Bewegung in Rußland beeinflussen konnte, wagte der praktisch« Revolutionär Stalin seinen Kops, um die bolschewistische Partei nach Lenins Grund-ähen im Zarenreich aufzubauen, die Verbindung mit den nach Sibirien Verbannten aufrecht zu erhalten und eine aufreibende, gefährliche revolutionäre Arbeit zu leisten. Unmittelbar nach der Spaltung der russischen Sozialdemokratie in Menschewiki und Bolschewist schloß er sich Lenin an, den er während der cr-'tcn russischen Revolution im Iahre 1905 dann auch persönlich kennenlernte. Lenin schätzte den Georgier alS unbeugsamen, unbestechlichen Charakter Schon vor dem Kriege saß Stalin im Zentralkomitee der bolschewistischen Partei, war Mitarbeiter der Prawda — während Trotzki. waS man in Europa immer wieder vergißt, früher ein gemäßigter Sozialist getreten und erst kurz vor der Oktoberrevolution zum Bolschewismus übergetreten ist. AIS Lenin im Iuli 1917 nach dem mißglückten Putsch der Bolschewisten aus Petersburg fließen mußte, übernahm Stalin, sein treuester Mitarbeiter. Die Leitung der Partei bis zum Sieg der Oktoberrevolution. Stalin war übrigens auch erst im Frühjahr 1917. nachdem Kerenski die Regierung übernommen hatte, wieder im europäi'chen Rußland aufge- laucht: vier Iahre hatte er tief im Innern Sibirens verbracht, wohin man ihn 1913 zum
wollen mit besonderer Vorsicht gelesen werden. AlleS. waS von dort herkvmmt. steht unter mittelbarer oder unmittelbarer Zensur. Gs ist also wirllich schwer zu beurteilen, ob Trotzki daS Spiel wirklich verloren hak. oder ob eS Stalin nur vorläufig gelungen ist. noch einmal an der Macht zu bleiben. Vor allen Dingen müßte man wissen, wie die Stimmung m Der Partei ist. Rußland steht ja tatsächlich unter einer Diktatur Der Minderheit. Die Kommunisten sind wie ein Orden, der nur einen Bruchteil der Bevölkerung ausmacht und sich lediglich mit Hilfe der brutalsten Gewalt behauptet. Denn also hier der ZerfetzungSprozeß schon sehr stark fortgeschritten ist — und dafür spricht zunächst das Auftreten Trotzkis —, Dann kann über Rächt das ganz« künstliche Gebäude zufammen- krachen.
Ietzt kommt nun eine Meldung, die zu denken gibt, die jedenfalls beweist, dah hinter den Kulissen noch nicht alleS in Ordnung ist Die angeblich bereits zu völliger Einflußlofigkeit verurteilten Führer werden zwangsweise verschickt. Ihnen wird das Plakat angehängt, daß sie, um Parteiarbeit zu leisten, über R u h- land verteilt werden sollen, was um so seltsamer anmutet, als sie ja aus der Partei ausgeschlossen sind. Der eigentliche Zweck der .Hebung ist dann wohl auch lediglich der. sie auS Moskau herauszubringen, wo sie sich Anhänger sammeln können und irgendwo in den unendlichen Gebieten des asiatischen Rußland zu isolieren, damit sie unter sich keine Verbindung mehr suchen können, aber auch keine Möglichkeit mehr haben, neue Keimzellen der Opposition zu bilden.
Denn die russische Partei sich zu einer solchen Maßregelung entschließt, dann Ia:m man darüber eigentlich nur den Rückschluß ziehen, daß sie auch heute noch di« Gefahr, die von der Gruppe Trotzki droht, für sehr groß hält. Denn dah die Verschickung ungeheures Aussehen erregen muß. darüber wird sich Herr Stalin nicht im Unklaren sein. Es will etwas sagen, daß Männer, Die Mi11räger der ganzen Revolution gewesen sipd, die führende Posten bekleidet haben. Botschafter und Volkskommissare gewesen sind, nach den Methoden behandelt werden, wie sie Der Zarismus früher gegen verurteilte Sträflinge anwandte. Das ist schon mehr eine Politik der Verzweiflung. Sie erreicht zwar, dah die Opposition führerlos ist. sie läßt aber erkennen, daß das ®i:t der Opposition in den Parteikörper schon sehr tief e.ngcDrungen ist. sogar möglicherweise schon tief genug, um trotz dieser Operation doch tödlich zu wirken.
den roten Soldaten gegen Wrangel und di« übrigen weißen Generäl« gezogen, und auch Stalin er- freut sich seit vielen Jahren In Rußland einer gro- ßen Popularität. Seine Gipsbüste ist überall neben den Büsten Lenins, Marrens und Liebknechts aus- gestellt, und di« Stadt Zorizyn ist ihm zu Ehren Stalingrad Genannt worden. Man sicht in ihm den entschlossensten — aber gleichzeitig auch den rücksichtslosesten, brutalsten Führer Der Sowjetunion, und da Die russischen Kommunisten, ebenso wie seinerzeit die zaristische '.Regierung, nicht seyr zartfühlend sind, sondern auch Radikalkuren anwenden, wenn sie dadurch ihrem Ziel nAerzukom- nwn glauben, hat Stalin, dieser harte Mann, mit den eisernen Nerven, In der kommunistischen Partei Rußland» rin« ihm völlig ergeben« Anhängerschaft-
Oer Papst lehnt das kirchliche Einigungswerk ab.
Rom, 11. Jan. (TU.) Papst Pius XI. oeroffent- licht im .Ofseroatore Romano", dem offiziellen Blatt des Vatikans, eine Enzyklika, In der auf d i e allgemeine Tendenz zum größeren Zusammenschluß der Völker aufmerksam gemacht wird. Es heißt darin, daß es Kreise gab«, die diese Tendenz von dem politischen auch auf das religiöse Gebiet überleiten möchten. Sie gingen dabei von der Annahme aus, daß alle Religionen gut seien. Unter dem Schein des Guten träten viele, besonders solche, die sich als Panchristen bezeichneten, für eine falsche Einigkeit der E h r i ft en ein. Die Bischöfe müßten die Gläubigen warnen und über die Grundsätze der wahren Religionseinheit aufklären. Eine christliche Gemeinschaft, in der jeder Gläubige frei seine eigene Meinung über den Glauben hoben könne, sei unmöglich. Sie würde zur Gleichgültigkeit gegenüber der Religion führen und zum Modernismus. Die Einheit der Kirche könne nur gefördert werden, indem für die Rückkehr her Abtrünnigen zur römischen Kirche, der einzigen und wahren Kirche Christi, di« sie schmählich verlosten hotten, gesorgt werde, und indem die Nichtkatholiken überhaupt dahin aebracht würden, sich dem römischen Priester, dem Stellvertreter de» fiel» lanbs, 3 u unterwerfen. Zum Schluß wird der Wunsch ausgesprochen, dah olle, die in Irrlehren befangen sind, endlich In die Arme de» Nachfolgers Petri zur-ckkchren. — Die päpstliche Enzyklika betont allo mit aller Schärfe und Schroffheit erneut den ablehnenden Standpunkt, den die römlsch- katholische Kirche von jeher im Gegensatz zur ortho- Dören griechisch»katholischen gegenüber Den Bestrebungen des ockurnenischen Kirchenkonzils von Stockholm eingenommen hat
öer König von Afghanistan in 2Rom
Rom, 11. Ian. (WTB. Funkspruch) Mit dem Empfang auf der afghanischen Botschaft gestern abend ist der offizielle Besuch Des Königs und Der Königin von Afghanistan zu Errde gegangen. Dos Königspaar wird heute aus Dem Duirinal in das (Branb-fiotel gehen und sich noch einige Tage pri - oa t m Rom auf halten. Der Umzug erfolgte wohl auch aus dem Grunde, um vom J)otef aus Dem Papst einen Besuch abzustatten, Der bekanntlich Besuche von Gästen aus Dem königlichen Quirinal nicht emp’ängt. Auch König Fuad von Aegypten bat vor einigen Wochen auf gleiche Dris« seinen Besuch im Vatikan bewerkstelligt.
Schwierige Lage in Nicaragua.
Reutzork. 10. 3an. (WTB. Funkfpruch). Rach einer Meldung aus Managua (Nicaragua) sind amerikanische Seefoldaten gestern nach 6 o m o t i [ I o. naße der Grenze von Honduras, gesandt worden, wo eine ernste Lage entstanden ist. Dort waren 11 Mitglieder der Rationalgarde von Ricaragua am Sonntag desertiert und hatten sich einem bekannten revolutionären Führer von Honduras, dem General Higinio Peralta. angrichlosten. Der amerikanische Marineoffizier, der die Truppen in Managua befehligt. ging nach Villa Rueva. um Verstärkungen heroeizuholen, aber bei seiner Rückkehr war es ihm unmöglich. Somotillo zu betreten, da die ganze Stadt in Aufruhr war. Alle Verbindungen sind abgefchnitten. Die Telc-
TM« Scholle
®wet».Beji«»Fret» ? Reich»«ar» und 20 Retch»pfe»«ttz für Träge» lohn, auch bet Richter- scheinen einzelner Nummer, Infolge höherer (Bemalt Iernsprechonl chlüsse:
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Tschechische Freihäfen in Hamburg und Stettin.
Neue Verhandlungen mit der Reichtzregicrnng.
Eigen« Drahtmeldung bc» «Gießener Anzeiger»*.
Berlin, 11. Ian. Wie wir erfahren, ist der frühere tschechoslowakische Gefandt« In Berlin, Professor K r o s t a, in Berlin eingetroffen, um die nun schon seit Iahren zwischen Deutschland und der Tschechoslowakei schwebenden Verhandlungen um die Artikel 363 bis 364. Kapitel S de« Versailler Vertrage« betresseird die Bestimmungen. die der Tschechoslowakei di« Benutzung nördlicher deutscher Häsen gewährleisten, zu Ende zu führen. Rach diesen Artikeln hriht es. dah Deutschland in Hamburg und Stettin der Tschechoslowakei für einen Zeitraum von 99 Iahren Landstücke, di« unter die allgemeine Derwaltungsordnung der Freizonen treten und den unmittelbaren Durchgangsverkehr der Waren von und nach diesem Staate dienen sollen, vev- pachtet und daß die Abgrenzung dieser Land- stücke, ihre Herrichtung, die Art ihrer Ausnutzung und überhaupt alle Bedingungen ihrer Verwendung einschließlich des Pachtpreise« durch einen Ausschuß bestimmt werden soll, der aus je einem Vertreter Deutschland«. Großbritannien« und der Tschechostvwakei zusammen- aesetzt ist. Diese Bedingungen können alle zehn Iahre in der gleichen Weise einer Rachprüfung umerzogen werden.
Auf Grund der bisherigen Besprechungen hat man einen gewissen Vorschlag auSgearbeitet, der mm nochmal« in Berlin durchberaten werden soll, um ihn dann dem oben genannten Ausschuß zur endgültigen Genehmigung vorzulegen. De- kanntlich gab e« bisher immer noch größere Schwiertgkeiten, di« vor allem von Hamburg auSgingen und zudem damit zusammenhingen, dah die Tschechoslowakei «in« gewiss« Souveränität auf diesen Land stucken beanfpruAte, die Deutschland aber unmöglich zuoiIli- flen konnte. SS steht zu erwarten, dah man nch jetzt dennoch einigen wird, zumal tn Prof. Krofta, dem jetzigen ständigen Vertreter des tschechoslowakischen Außenminister«, der auch seinerzeit als Gesandter di« Verhandlungen geführt hat, von Prag eine Persönlichkeit entsandt ist, die zu einer Hoffnung auf loyal« Regelung dieser Frage berechtigt.
Rußlands Robespierre.
von Dr. Hermann Budzlslawski.
Rur Der Generalsekretär einer Partei ist Joseph Wissarionowitsch D s ch u g a s ch w i 11, der sich letzt Stalin nennt, aber früher auch viele andere Romen geführt hat; nach jeder Flucht au» einem Okfängm» tauchte er mit neuen Papieren auf, wech- ktte zwischen zwei Verhaftungen noch einige Male den Paß. wenn er sich vor der zaristischen Ochrana verbergen mußte und wird noch heute von seinen Freunden ,Jlobo* genannt, nach dem Nomen, den er sich einst al» politischer Agitator für einige Zeit zugelegt hatte. Nur ein Generalsekretär — das Ist keine außergewöhnliche Persönlichkeit in westlichen Ländern, deren große Politiker und Parteiführer es ablehnen würden, sich mit irgendeinem Parteiamt zu begnügen. Aber in der Sowjetunion ist der Generalsekretär her Kommunistischen Partei der ausschlaggebend« Mann, was er anordnet, wird nicht nur von der Partei, e» wird auch von der gesamten Staatsverwaltung ausgeführt. Er hat jetzt bewiesen, daß er sogar die bewährten Dorkämpser der Revolution, den «inst von den flommuniften abgöttisch gefeierten Trotzki. Den ehemaligen Bor- sitzenden der Roten International«, 51 n o w j« w, und den Agitator Der Weltreoolution, Radek, in die Verbannung schicken kann. Die Bevölkerung des siebenten Teils der Erdoberfläche gehorcht seinem Beseht, und er hot außerdem noch eine viele Millionen zählend«, ihn, blindlings ergebene Anhänger- schor in den Kommunisten aller Länder.
Stalin Ist fein Russe. Sr wurde im Kaukasus geboren, flammt au« einer georgischen Familie und sieht au« wie ein Tatar, mit nieört- aer. vorspringender Stirn, lauernd beobachtendem BI la, mongolisch herabhängendem Schnurrbart dichtem, gewellten Haar — ein Marrn von mittlerer Dröhe und einem schmalen Dauern- kopf. dem man Härte und Kühnheit, starke«
sechsten Male verbannt hatte — diesmal unter jo guter Bewachung, daß an eine Flucht nicht zu denken war.
Es wird fälschlich immer wieder behauptet, dah Stalin niemals Rußland verlassen hätte und darum allen Männern westlicher Kultur, also auch Trotzki, verständnislos gegenüberftefoe. DaS trifft aber nicht zu. Schon vor zwanzig Iahten nahm er als Delegierter feiner Partei an fozialistifchen Kongressen in London und Stockholm teil, und 1912 traf er fich mit Lenin in Oesterreich. Richtig ist dagegen, bah Stalin mit dem russischen Leben viel enger verknüpft ist. al- die Männer, Die Iahrzehnte in westlichen Ländern zugcbracht haben und nur die Stadt kennen' der russische Diktator weih, dah die Sowjetunion vorwiegend ein Bauernland ist und also eine Politik treiben muh. die da- Cetien der Dauern erleichtert. ihre wirtschaftliche Lage verbessert und ihnen Industrieprodukte zu erträglichen Preisen sichert. So find die sachlichen Gegensätze in der kommunistischen Partei Rußlands entstanden, die zur Verbannung der .Trotzkisten" geführt haben. Wer dagegen glaubt, dah persönliche Feindschaften oder ein bonapartistischer Ehrgeiz Stalin zu seinem allzu energischen Vorgehen veranlaßte. verkennt sowohl die Persönlichkeit diese- ManneS wie die größte der fachlichen Streitfragen.
Trotzki und sein« Anhänger Höften, daß ein« W«ltreoolutlon Der Sowjetunion bald aus ihrer isolierten Lage helfen wird: Stalin Dagegen ist Der Ansicht, daß sich die Wirtschaft in Den ko- ojlallstischen Ländern sehr gefestigt hat, an eine Weltreoolution vorläufig nicht zu denken ist und Rußlarrd daher feine eigenen Kräfte entwickeln muß, um au» einem halvsoziali.
Berlin, 11. Jan. (WTB. Funkspruch.) Zu Der Nachricht über die Verbannung von Opposition»- Mitgliedern in Rußland erfahrt die DAZ.
fierten in einen kommunistischen Staat verwandelt zu werden. Aber auch Stalin ist zweifellos ein überzeugter Kommunist, der feine ehemaligen Kampfgenossen nur deshalb in ferne Länder schickt, weil er ihre Wirksamkeit als hinder 1 iw für die Verwirklichung Des Kommunismus betrachtet und fürchtet, daß Trotzkis ungestüme» Temperament eine» Tages einen neuen Unffturj, eine anarchistische Verwirrung in Rußland beroorrufen kann, in der Absicht, der kommunistischen Utopie mit größerer Geschwindigkeit entgegenzueilen — aber mit der Wirkuna, di« bisherigen Ergebmsie Der bolschewistischen Revolution wieder zu vernichten und der zaristischen Reaktion auf die Deine zu helfen. Das Ausland, bat Trotzkis Namen feit langem kennt, aber von totailn nur wenig weiß, mißversteht Die Ereignisse; nicht
Der Mtzmgskamps im Bolschewismus
Oie Verbannung der Trotzkisten.
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