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Aus der Provinzkalhaupisiadi.

(Sieben, den 10. Dezember 1928.

Gießen im Licht.

Die Werbewoche ,G letzen tm Licht" hat gestern in verheißungsvoller Weise begon­nen. ilnfcre Geschäftswelt und das städtische Slektrizi ät-werk friben sich in bereitwilligster Weis« für die vom Verkehr-Verein an­geregte Derbewoch« unter Derwen- bung des LichteS eingesetzt und durch die verschledenartigsten Lichessekte ihren Schausen- ftern bzw. dem Ttratzenbild ein sehr interessantes Gepräge gegeben.

Schon am Bahnhof wird der Besucher von auswärts mit einer arvtzen Lichtfülle empfan­gen: der Dah.chof selbst ist von der Reichsbahn mit Scheinwerfern beleuch et, außerdem trägt das Gebäude am Eingang eine Anzahl elektrischer Dirnen, am Eingang der Dah.chosstraße vom Dahnhofsplatz heraus erstrahlt in getrol iger Lich.fülle eine elek.rische Reklame, wäy.end die Bahnhofstraße herunter an der Stroml^itung der StratzendaHn eine g.or3e Anzahl elektrischer Licht- kränze angebracht sind, die dem Strahenbild in reizvoller Weise zugute kommen.

Große Transparente, mit zahlreichen Glühbirnen ausgestattet, überqueren in der Höhr drr elektrisch.m Lich'leitung die Fahrbahnen unserer Hauptgeschäfts st raßen, ins­besondere die Dahnhosstratze, den Selters­weg, Marklstratze, Wall or und Schalstrabe. Desond.^S eindrucksvoll wirkt ein grobes Lichttor. daS am Eingang des Selterswegs von der Frankfurter Straße her vom Elektri­zitätswerk errichtet ist und mit vielen hundert Dirnen eine beinahe übertaghelle Lichtfülle ver­breitet. Recht sein ist diesmal auch das W a l l- lor. daS sonst bisher immer eine stiefmütter­liche Rolle spielte, dank der Grobzügigkeit der dortigen Geschäftsleute ausgestattet worden: ein Transparent mit der Aufschift .Walltor" kün­digt dem Ortsfremden an. wo er sich befindet, und wird in hübscher Weise ergänzt durch eine ganze Anzahl Tannengirlanoen, die mit Glühbirnen ausgestattet, den Fahrdamm an meh­reren Stellen überspannen. Der Marktplatz bietet mit seiner großen Lichtfülle ebenfalls ein sehr interessantes Bild, an dem man seine Freude haben kann. Zahlreiche öffentliche Ge­bäude, wie die Stadtkirche, die (Zohannes- ktrche, das Schloß, das Stadttheater, die Dür- genneiftereigebäude usw., werden durch viele Scheinwerfer beleuchtet und bieten einen außerordentlich fesselnden Anblick

Die Schaufenster unserer Geschäfte stehen mit dieser lichtvollen Ausstattung der Straßen In schärfstem und erfolgreichen Wettbewerb. Auch hier wieder zeigt un­sere Geschäftswelt, daß sie mit der neuzeitlichen Entwicklung auf dem Gebiete der Werbung glei­chen Schritt halt. Die Schaufensteraus­lagen sind allenthalben in wirkungsvoll­ster Weise gestaltet und in den verschiedensten Formen unter Verwendung zahlreicher Licht­effekte auf6 Beste zur Geltung gebracht. Es ist fürwahr eine Freude, diese Visitenkarten un­serer Geschäfte an das kaufende Publikum in Augenschein nehmen zu können: ohne Lieber- treibung kann man seststellen, daß auch in der Großstadt nichts Besseres und Preiswerteres als hier geboten wird, und daß auch die Aufmachung der Waren nach keiner Richtung hin irgend etwas zu wünschen übrig läßt. Es ist hier nicht möglich, daS eine oder andere Geschäft beson­ders hervorzuheben: jedes bringt auf seinem Gebiete vollendete Leistungen heraus und findet damit die wohlverdiente Würdigung deS Pu­blikums. Auch gestern konnte man bemerken, daß die Auslagen unserer Geschäfte die regste Aufmerksamkeit deS Publikums fanden. Vielfach

entwickelte sich bereit» ein reger Käufer- verkehr, an dem besonders die auswärtigen Blücher der Lichtschau sich beteiligten.

Der Besuch der Veranstaltung war gestern sehr st o r k. Schon in den Vormittagsstunden kamen mit der Reichsbahn und den zahlreichen Kraftomnibussen große Menschenmaffen hierher, denen sich im weiteren Verlaufe de» Tages immer stärkerer Zuzug anschloh, so daß in den RachmittagS- und in den frühen Abendstunden eine dichtgedrängte Menschenmenge sich in den Gefchäftsstrahen hin und her be­wegte: derartige Ausmaße wie gestern hat der Verkehr am kupfernen Sonntag in unserer Stadt bisher wohl noch nie gezeigt. Die Reichs­bahn mußte sämtliche Züge bis zur höchsten Belastung verstärkt fahren, auch die Autobusse waren voll besetzt. An zahl­reichen Stellen der Stadt konnte man große Reihen von Autos stehen sehen, ein Beweis da­für, daß auch dieses Verkehrsmittel gestern stark in Anspruch genommen worden ist.

Mancherlei Veranstaltungen boten den Be­suchern von auswärts angenehme Zerstreuung. Das Stadtlheaier, die Kinos, Casäs, Gafthäuser usw. waren gut besucht und bereiteten ihren Gästen die erwartete angenehme Unterhaltung. Auf dem Lindenplatz stellte sich der Orchester- verein mit einem Platzkonzert in aner­kennenswerter Weise uneigennützig in den Dienst der Sache.

Alles in allem k<nm gesagt werden, daß der erste Tag der WerbewocheGießen im Licht' als ein voller Erfolg anzu­sehen ist, um den sich unsere Geschäftswelt, das Glektrizi älswerk und der Verkehrtverein in hohem Maße verdient gemacht haben. Die Gie- ßerer Lichtwerbung darf man als eine hervor­ragende Tat bezeichnen, die verdient, auch In den nächsten Tagen bis zum 16. Dezem­ber, solange diese Veranstaltung läuft, in Augenschein genommen zu werden. Wer sich gestern noch nicht zum Besuche unserer Stadt hat entschließen können, möge sich vornehmen, diesen Besuch unter allen Umständen bis zum 16. Dezember nachzuholen.

Das Orgelkonzert Günther Kamins.

Die Besucher Leipzigs werden, soweit sie an ernster Musik Anteil nehmen, sicherlich jede sich bar- bietende Gelegenheit ergreifen, einem Gewandhaus» Konzert, oder einerMotette" in der altehrwürdigen Thomaskirche, der einstigen Wirkungsstätte Bachs, beizuwohnen. Diese kurzwegMotette" genannten Weihestunden finden an jenem Orte allsamstags statt, und seine weiten Räume und Hallen ver­mögen kaum den Zustrom der andächtig Lauschenden zu fassen. Was sie hier hören und hörten, die Heu­tigen, jung und alt, und eine lange Reihe dahin- gegangener Generationen, ist Orgelspiel und eine Auslese bester geistlicher Musik, die zum Teil von hier aus ihren Ausgang nahm: kurz, gottesdienst­liches Musizieren. So ist es auch zu Meister Bachs und feiner Nachfolger Zeiten gewesen. Die Beran- Haltung des Konzertoereins, die am Donnerstag, 13. Dezember, abends, in der S t a d t k i r ch e stattfindet, ist als eine Art Nachbildung gedacht. Sie wird, wie der Konzert­verein uns schreibt, Gelegenheit bieten, den ge­feierten Leipziger Organisten Günther Ramin, den Träger der edelsten Tradition der Thomaskirche und hinreißenden Gestalter der Musik Bach« und Regers kennen und, wie wohl vorweggenommen werden darf, schätzen zu lernen. Die allgemeine Mei­nung ist, daß er als Bach- und Reger-Interpret von niemand Übertroffen wird. Das Programm soll die Gemeinde in Adventsstimmung erhalten und be­stärken. Was könnte da eindrucksvoller sein und die Empfindung der Weihnachtsfreude leichter wach­rufen, als solche Darbietungen wie das Rezitativ aus dem Bachschen WeihnachtsoratoriumNun wird mein liebster Bräutigam" und die ihm fol­

gende köstsiche und eingcingllche ArleBereite dich Zion", ferner eine Hirtenmusik für Digel und lief- empfundene Reger-Lieder. Den Gesangsteil hat des Orgelmeisters Gattin, Frau Charlotte Ra- min-Peterfen übernommen. Sie genießt den Ruf einer hervorragenden Dralorienfängerin und vereint mit ausgeprägtem Stilgefühl für diese Art Musik Wohllaut des stimmlichen Material» und Innerlichkeit des Aortrages.

Vornotizen.

Tageskalender für Montag. Stadt­theater:Don Carlas", 15.30 dis 19 Uhr. Katho­lische Spielgemeinschaft Gießen:Thcophilus", 8.15 Uhr, Katholisches Lereinshaus. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:All-Heidelberg". Astoria-Licht- fpiele:Der Ritter von Texas".

Alt-Heidelberg" im Lichtspiel­haus. Ab heute werden wir im Lichtspielhaus. Bahnhofstraße, den Ben Hur, RamonNooarro, als Karl-Heinz in dem von Ernst Lubitfch gedrehten Metro-Golbwyn-Mayer-FilmAll-Heidelberg" sehen können. Die Käthi wird von Norma Shearer gespiell. Man beachte die Anzeige.

Stadttheater Gießen. Aus dem Stabt- thcaterbureau wird uns geschrieben: Die Licht­woche bringt im Stadttheater Gießen folgende Festvorstellungen: ..Der Prozeß Mary Dugan" am Dienstag. 11. 12.. erstes Operngaftfpiel des Darmstädter Land Slhea ers, .Fatme" von Frei­herr Friedrich von Flotow am Mittwoch, 12. 12., ..Perlenkomödie" am Freitag. 14. 12. Zum Ab­schluß der Werbewoche wird Alfred ReumannS SchauspielDer Patriot" gegeben. Rach dem !»roßen Erfolg von Dayard VeillerS Kriminal- tückDer Prozeß Mary Dugan", unter Spiel- cltung des Intendanten Dr. Rolf P r a s ch . wird eS daS Theater Pub.i um befond.rs freu­dig begrüßen, dieses Erfolgstück in der Gießener WerbewocheGießen im Licht" auf dem Spiel- plan zu finden.

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** Erweiterung der Kasernen­bauten. Rachdem im Lause dieses IahreS auf dem nach dem Kugelberg zu gelegenen neu erworbenen Gelände ein Militär-Wohnhaus er­richtet wurde, das nach Fertigstellung der hier neu angelegten Straße bezogen werden soll, ist man nunmehr dalei, in dessen Rähe einen Reu­bau für die Waffenmeisterei zu errichten. An diesem Reubau sind die Erd- und Maurerarbeiten bereits beendet, so daß alsbald das Dachwerk ausgeschlagen werden kann. Durch diesen Dau bedingt, ist gleichzeitig eine wesentliche Ver­größerung der Gesamtssache des Kasernengeländes eingetreten. Die vor diesem Gelände herzieheude Straße wird jetzt, nachdem die Kanäle bereits in diesem «Sommer angelegt wurden, ausgebaut. Hierdurch wird gleichzeitig erreicht, daß das Anwesen der Kaserne nunmehr von vier Straßen­seiten aus erreicht werden kann.

** Dom Kugelberg. Tie Neubauten an der Friedensstraße, Licher Straße undAm Kugelberg" nehmen trotz des in den letzten Wochen öfters un­günstigen Wetters einen rüstigen Fortgang. Der EckbauAm Kugelberg" ist infolge der von der Baufirma H. Weimer angewandten modernen Baumethode durch Zusammenarbeiten zwischen Be­tonmischmaschine, Hochtransport und fließender Mb- leitung der gebrauchsfertigen Betonmassen bereits bis zum zweiten Stockwerk vorgeschritten, so daß dieser Bau, falls das Wetter günstig ist, wohl im Lause dieses Jahres noch unter Dach kommen dürfte. Die übrigen Bauten sind dagegen erst bis zum ersten Stockwerk gediehen.

** Für Metzger, Wurst- und Fleisch- Warenhändler. Dom Polizeiamt wird uns mitgeteilt, daß die Verwendung von eiweißhal­tigen Bindemitteln tierischen und pflanzlichem Ursprungs zur Herstellung von Wurstwaren Der- bo*"n und nach dem Lebensmitteloesetz strafbar ist.

** (Sin Achtzigjähriger. Unser Mitbürger Anatomiediener i. R. Heinrich Balser, Stephan-

strotze 28, oollendek dm !1 Dez-intz'tt felrt achtzigste, Lebensjahr.

Das nächstjährige große Schützen­fest in Gießen, das 30. Berbandsfchieße» des Badischen Landesschützenbundes, Mittelrheinischen Schützenbundes und des Pfälzischen Schützenbundes, führte am Donnerstagabend unter bet Leitung bes Veranstalters, bes «chützen-Dereins Gießen, eine große Anzahl Herren auf berLiebigshöhe" zu­sammen. Es galt, bie organisatorische Arbeit für bas Fest iir bie Wege zu leiten. In voller Harmonie 1 würben eine ganze Anzahl Ausschüsse gewählt, benen bie Vorarbeiten für die Schützrnwoche, bie im Juni stattfinben wirb, obliegt. Den Ausschüssen ge­hören zahlreiche Herren aus allen Teilen der Bür­gerschaft an. Das große Derbanbsschießen soll unter bas Protektorat bes Staatspräsidenten Abelung gestellt werben.

Seinen schweren Verletzungen er­legen ist gestern abend in der Chirurgischen Klinik der 20 Jahre alle Steinbrucharbeiter» Wilhelm Hofmann von Cichelsdorf, der. wie wir berichteten, in einem Steinbruch bei Ridda von der Eteinklopfmaschine erfaßt und schwer verletzt worden war.

Warnung vor wandernden TeppichhLndlern. Mit dem Rahen des Weihnachlsfestes tauchen wieder land- un) ftabt- sremde Teppichhausierrr auf, um dir weihnacht­liche Einlaufsfreudigleit deS Publikums auszu- nüten. Sie bk Len orientalische, namentlich persisch« Teppiche, zu angeb ich niedrigen Prei'en an und toif.cn kauflustige Prioat.eut; durch allerlei nicht nachprüfbare Erzählungen zum Kaufe zu be- toegen. Devor der Käufer mit Hufe eines Sach­verständigen Nachtrag ich fester lm kann, daß er vom Teppichßau irrer Übervort.ilk worden V.t o'ec; einen minderwer.igen Teppich erstanden hat. ist jener längst über alle Berge. Kein Teil der Wohnungse.nrichlung ist so sehr Gegenstand des Vertrauens, wie der orientalische Teppiche «Es ist deshalb sehr ratsam, folchr Teppiche nur bei' ansässigen Firmen zu kaufen, weil diese mit' ihrem Rufe und ihrem Ansehen für Wert, Echt­heit und angemeffenen Preis dauernde Gewähr leisten.

* * Auftrieb oufbem heutigen Frank­furter Schlachtvieh markt: 320 Ochsen, 90 Bullen, 746 Kühe, 486 Färsen, 544 Kälber, 250 Schafe und 5180 Schweine.

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