Nr. UO Zweites Blatt
Eiehener Anzeige (General-Anzeiger für Gberheffen)
Donnerstag 10. Mai |928
Mtterlicher Kampf!
Der Wahlkampf hat eingefetzt und wird Hch In den nächsten Tugen zu einer heftigen AuSem- anderfetzung der Geister steigern. Der Geister? Die Scheren Wahlkämpfe ha cn leider gezeigt, baß die Wal'en de« Geisten lich bei loiu^n LuseiuanderfcNurgtN nicht übcra! de« ih^ien gebichrenden Anfehen« erfreuen. Man ist sich xtrxir in den ernst zu nehmenden politischen Kreisen im Laufe d.r letzte: Ja&re. nachdem sich gezeigt hatte, baß die häßlichen Auswüchse des WahlkarnpieS breiten Volksschichten den Sslitischcn Kamps überhaupt verekelten, darüber ar geworden, dast die allein für den Wahlkampf in Frage kommenden Waffen nur die des Geistes sein Dürfen, und dast Lüge und Verleumdung keineswegs den Adel des Geistes besitzen. Aber die Umsetzung dieser Grkenntnis in die Tat stößt leider noch immer auf große Schwierigkeiten.
Wir müssen uns darüber klar fein, daß cs bei der Forderung nach ehrlichem, geistigem Kamps um mehr gehl, als nur um die einzelne Auseinandersetzung dast es um ein Prinzip geht, um eine der wichtigsten Voraussetzungen für unsere kulturelle Ekiktenzberechligung Kampf ist notwendige die Verschiedenheit der fachlichen und ideellen Gegensätz? führt notwendig zur Auseinandersetzung: und Au^ina idersetzung d. h. Austausch der geistigen Werte schasst neue, fafrert Werte, führt zu geistiger Fruchtbarkeit. Wenn statt der geistigen Werte jedoch Unwerte, nämlich Lüge. Verleumdung, ausgetauscht werden. bann führt diese Art von Auseinander- setzung zur Unfruchtbarkeit. Lügen und Verleumdungen haben in der Tat kurze Deine. Die Lüge fällt immer auf ihre Urheber zurück. Sie wird nie wirklich siegen.
Kampf ist notwendig und eine Voraussetzung für fruchtbare Weiterentwicklung. Aber wirklich fruchtbar ist nur der geistige Kampf, der nicht zerstörerische. sondern positiv wirkende Kampf, der ehrliche, ritterliche Kampf mit gleichen Was- fen und auf gleichem Riveau Hier ist über allen notwendigen Kamps hinaus Einigkeit möglich und unbedingt nötig Ritterliche Achtung vor dem Gegner, ehrliche Handhabung der Waffen, gemeinsame KampsbasiS. Wenn irgendeine Forderung als deutsch Im besten Sinne bezeichnet werden kann, dann vor allem diese. SS ist nicht deutsch, den Gegner zu beschimpfen, zu verleumden, herabzuletzen, ihm die KampfoasiS zu entziehen. SS ist nicht deutsch, den Gegner, der mit dem Florett des Geiste« antritt, mit der Mistgabel der Verleumdung zu b.kämpseir. Hiergegen beweisen die lautesten Lippenbekcnnt- nifle zum Deutschtum gar nichts. Gleichviel, welcher Klaffe, welcher Partei, welcher Reli- gion jemand angehört: wer den Gegner unsachlich. ungeistig. unehrlich bekämpft, hat kein Recht. sich und seine Art als deutsch zu bc- »eichnen. denn nicht daS Lippenbekenntnis, sondern nur die Leistung ist etwas. waS sich positiv für das deutsche Volk und damit für die Höherentwicklung der Menschheit auSwirkt Alle grohen Deutschen der Vergangenheit haben ihr Deutschtum nur in diesem Sinne ausgesabt.
Gs ist unbedingt notwendig, dah wir uns tn den Wahltämplen dieser Zusammenhänge be- wustt find. Die Wahlen werden vorübergehen und wir werden wieder Im Alltagsleben, in der Alltagsarbeit Zusammenwirken müssen: die politischen Gegner werden am gleichen Tisch beisammensitzen. um positive Arbeit zu leisten, Wie soll daS möglich sein ohne Verlust der Selbstachtung, wenn man den Gegner vorher alS .Schuft" bezeichnete und al« ..minderwertig?!"
SS werden, wie in jedem Wahlkampf, auch tn diesem viele Gegensätze. 3ntere len und Meinungen auseinanderstoben. DaS ist natürlich und selbstverständlich. Ader fruchtbar im besten Sinne werden sich all diese Auseinandersetzungen mir dann für daS deutsche Volk auswirken. wenn über ihnen dir ^rderung steht: ehrlicher, sachlicher, ritterlicher Kamps I
Hellpack
über demokratische Politik.
Mit einer öffentlichen Wählerversammlung, die den weitaus stärksten Besuch aller bisherigen Wahlversammlungen in Gießen auf wies. — der Cool war voll belegt — trat gestern abend im Ga'ti Leib d.e «Siebener Ortsgruppe tKr Deutschen Demokratischen Partei in den Reichstag-Wahlkampf ein.
Der Vctlammlungsle.t Rektor 2 ooS. wie- in feiner DegrübungSanlprache mit Worten der Genugtuung darauf hm. daß der Rame de« RcdnerS, des Spitzenkandidaten. Staatspräsident a. D. Unlversität-pro'effor Dr. Hellpach. >o gezogen habe dab die Demokraten biS jetzt die bestke'uchte Wahlv. r ammlung hätten. Die Wähler mühten, so sagte ber Redner weiter, dafür sorgen, dah ein Reichstag komme, der eine solide Politik mache, die nur von einer dauernden und groben Mehrheit getragen werden könne.
Rach einigen für«en Worten her FrauG rein- Offenbach, der dritten Kandidatin der hefsifchen Demokraten, die insbesondere die Frauen zur Wahlbeteiligung austorderte. trat, mit lebhaftem Beifall empfangen, der Spitzenkandidat und Hauptredner
LkaatSpräfident a.T Prof Dr. Hkllpach
an daS Rednerpult. Dr leitete feine Ansprache mit einer warmen Huldigung für den RetchSaußenmintster D r. Str e lern a n n ein. Sr (Redner) lenke yx Beginn seiner Darlegungen die Ausmerkfamkett der Versammlung daraus, dah nach dem Ablauf der Mitternacht deS heutigen Tage« der 5 0. GeburtS - tag deS ReichSauhenministerS D r. Strefemann. der heute Deutschland politisch vor der Welt verkörpere, beginne. Dem Minister möchte er an dieser Stelle auS diesem versammelten deutschen DolkS- stück heraus die ausrichlizsten Glückwünsche zum Geburtstage auSsprechen. (‘Beifall.) Wer am vorigen Samstag in Heidelberg da« Glück gehabt habe, den Eindruck der beiden weltpolitischen Ansprachen rni zuerleben. die zwischen unserem Auhenminister Strefemann und dem amerikanischen Botschafter Sh u r man auS- Setaufcht wurden, der müsse sagen, dast der
.Indruck beim Mithören dieser Reden noch viel mächtiger war alS der au« den Spalten der Zeitungen. Und wer dann irn engeren Kreise beim gemeinsamen Mahle die noch weit eindrucksvollere improvisierte Rede StresemannS gehört und mit Hobe entstehen sehen, der werde In der Fortsetzung dieser Eindrücke und in ihrer Wirkung auf die politische Gesamtlage unseres Vaterlandes am Vorabend deS 50. Geburtstage- StresemannS sagen können: Hier steht ein Mann seit 4' , Jahren in der verantwortungsvollsten und schwierigsten Stellung, von dem eS gewiß ist. dah erst diese neue Staatsordnung kommen und da fein mußte, um einen Mann wie ihn an diese Stelle zu setzen. Es ist kein Zweifel, dah keine Form der Monarchie In Deutschland denkbar ist. In der eine Aussicht für eine Persönlichkeit wie Strefemann bestanden hätte. In diese mit solcher Macht- und Verontwortungssülle auSgestatlcte Stellung zu gelangen. Darin besteht zum Teil auch seine Wirkung auf da« Ausland. Täuschen wir uns darüber nicht! Stresemann Ist im Lichte deS AuSlande« eine volkstümliche Erscheinung gerade in dem Sinne. waS die Vorkriegszeit von sich gewiesen und nicht zu nutzen verstanden hat. 3n seinem Ursprung auS klein- bürgerlichen Verhältnissen und in seinem Einporsteigen au5 eigener Kraft besteht ein Teil deS ersten Erstaunens, mit dem daS Ausland diesem Manne gegenübertritt, und ein Teil des Zaubers, den er heute auf daS Ausland ausübt. ES war die ungeheure Verkennung der Lage In der Welt, dab man bi« an die Schwelle unterer Riederlage bei unS der Meinung war. dem AuSlande könne nur eine ganz ausgesiebte Elite von Politikern auS einer ganz eng begrenzten Schicht, au« der Schicht der allerfemsten Leute, den Respekt abnötigen. den man für untere Außenpolitik für notwendig hielt. Für ihn (Redner) fei e« eine tröstende Tatfache. dah der deutsche Außen- minifter eine sachliche Politik führe, von der
grau Hat Goethe als Hausfrau.
Don Lenny plcimed, Franlfurl a. M.
Da« Doethehou« zu Frailurt am Main — wer immer e« lieht, der erlebt in ehe u richtigem Schauer da« Giebelzimmer, in dem .Götz und .Urfaust" entfta. den. Aber bei aller Ehrfurcht Dor dem genius loci übt doch nicht minderen Reiz au« da« Wohnzimmer mit dem Tisch, der Frau Aja« Itöhliche Ta eirunde I h und mit all 6en Dingen, die den LebenSrahmen dieser be- Siabcten Frau auSmachtcn. Unb mit bellcm ntzücken geniesten alle Besucher ^das Kleinod des Hause«, die Küche ber »rau Rat Goethe Auf Schüsseln und P annem au Töpfen und Tiegeln liegt die Pat, na des!Alters. Wir ehren sie. aber wir fühlen doch den ketzerischen Wunsch, diese Küche einmal wieder blitzen und blinken zu sehen, wie sie einftenS war. Wir möchten da« qu rleibe schaltende Leben spuren. daS sie einst erfüllte. Wir möchten sehen, wie unter dem breiten Rauch ang au* den luftigen Dreifüßen Frau Rat« berühmte E'.erluchen Dior- •eiten und die Schweinebraten schmorten, mit denen sie gern ihre Gäste regulierte.
Unsere Phantasie versucht vergeblich, da« Bild der Frau zu formen, die hier regierte und schaffte. Wir kennen die Frau Aja der ^Rärchen- stunden und der festlichen Zirkel, die Frau Rat in der Staatshaube, die Fürsten des Geistes und Fürsten des Blutes m t gleicher Wurde Empfing. Wir kennen d.e Muiter. die das DotteS- Sladen tum ihrer Mutterwürde auskostete wie ine Mutter zuvor. Aber war sie Hausfrau? Gut bürgerlich tuchtiae Hau« rau. wie eS jene Zeit auch von der Tochter de« Herrn Etadt- schultheib Tcrtor verlangte? SS ist überaus ergötzlich, einmal daraufhin ihre und DetttncnS Briefe durchzufehen und dem woh'.vertrautcn Bilde der immer heiteren Lebenskünstlerin neue Züge zuzufügen.
Köstlich ist. wie die Junge“ Frau ihren Sonntag schildert. Sie liebt den Sonntag nicht, weil sie die Langeweile nicht liebt. Während die andern in der Kirche sind, geht sie mit Besen, Wischlappen und Leimpsänne umher, um die
Schäden der Woche und die allzu wilde Kinder- ftubc auSzuheilen. Die von sich lagt: .Der Glaube an Gott macht mich froh! ' geht nicht gern in die Kirche, .weil der beteilige Prediger gar zu langweilig war'. Wenn f.e aber zur Kirche gibt, .nur den Rachbarsleuten zu 0c allen", bann schweren die De. anlen leicht ab. und sie überlegt, was im Hau« geschehen must .Die filben.en Leuchter sollen mit Kreide und Diannt- wein geputzt werden und die Manschetten auf- gebügclt für die SonntaaShemden. Der Boden muß untersucht werden, ob die Mäuse sich wieder Löcher gebohrt Haden in die Schwarzgerät- kammer. und d.c Wäfchemah.en müssen gezahlt werden, weil sie veri hat waren. Sie will die Borstorf er au« dem Ga. ten vor dem Bockenheimer Tor umlegen, dast sie nicht anftoßen und die leeren Weinflaschen petschieren. dast man den Dieb ertappt, der die vollen lrertrinkt." — Der .jungen" Frau Rat hat nicht viel Ruhe im Blut gesteckt, und e« mag ein lustige« Treppauf und Treppab gewesen fein mit ihr und den Kindern. — Aber wenn die .alte" Rätin schreibt:
Mein Leben flieht still dahin wie ein klarer Bach!“, so liebt sie doch bl« in die letzten 3ahre keine langweiligen Tage. So erzählt Bettina, dah die Siebzigjährige an einem Sonntag die Dirnen schütteln lieb von dem Baum, der bei Goethe« Geburt gepflanzt war. wa» immer ein grobe« Fest für sie war.
Sie weih Magenfreuden zu schätzen, ober sie hat auch echte Hausfrauen teuden daran, wenn andere Ihre Künste loben. Ob der Prinz von Mecklenburg sich bei ihr in Erinnerung an 3ugenb- freuden einen .Specksalat mit Eierkuchen" bestellt, ob sie Merck mit einer Wclschhahnenpastete tega- llert oder der Herzogin Ama ie selbst gebackene büßquittiger“ sendet, immer fühlt sie guten deutschen HauSfrauenstolz. Mitten im Trubel der Einquartierung 1794 läßt sie sich zur Herzstärkung .Sherkos und Shlenlangc Kreb'e' gut schmecken. — Für gewöhnlich aber gibt e« na<y gut Frankfurter Sitte .Supp'. Gemül' und Fleisch".
Ihrem Lieschen mag sie kaum immer eine bequeme Herrin gewesen fein. Als >ie ihr Brüh upp und Stockfisch bringt zum Mittagessen, lehnt sie
man wünschen könne, daß sie in dieser Verständigkeit. Kühle und Besonnenheit weitergeführt werde, und dan der Führer her Deutschen Volk Partei ein Kind des Telle« fei. nicht aber ein Abkömmling der allcrseir.sten Leute. S« sei geradezu al« ein lichtvolles Anzeigen zu begrüben, dast dieser Mann an der Spitze der deutschen Austen- Politik au« dem Volke selbst hervorgegangen fei.
Zur Behandlung der pr'.it 'chen Hauptpunkte übergehend, bemerkte der Redner, am 22. Mai hät er die Wähler e.nen chirurgischen Sonntag zu vol'z ehen, an dem es gelte, c ne ganze Rethe von Sch.<soperat : en vorzur.ehmen. Die Deutsche Volkspartei müsse von dem .Sch.eien nach den Leuten" rechts geheilt werden. Die Versuche, mit den Deutschnattonalen zusammen au regieren, seien bei bemal (1925 und 1927) sehr rasch gescheitert: 1925 lehnte,» die Deut chnat:o..a.cn Locarno ab und traten au« dem Kabinett au«, und auch jetzt bekämpften sie wieder die Austen- Politik, die fle jahrelang mi.gemacht und gebilligt hätten. LS bleibe jetzt nur noch bet natürliche Besuch, mit einer möglichst groben und starken Linken, mit der groben Koalition zu regieren. Aul bet anderen Seite müsse man am 22 Mai ber Sozialdemokratie da« fortwährende Sch eien nach den Kommunisten und dem Zentrum, da« Schielen nach allen Seiten abgewöhnen.
Die Austenpolitik StresemannS, die nur die Fortsetzung der von Wal er Rathenau auf weite Gicht gestellten und auch von Wirth in diesem Sinne fortaesührten Politik sei, müsse unverändert beibeyalten werden. Einen anderen Weg habe niemand in Deutschland gezeigt, und einen anderen Weg in ber Austenpolitik al« den heutigen gebe es auch auf heute unabsehbare Zeit nicht, al« unS von Schlagworten und Formeln loSzusagen und mit Ausaminengebisfenen Zähnen auf diesem Scherbenfeld weiter zu gehen, um schliesslich doch unser Vaterland wieder empor- zu'ühren zu neuer Blüte.
Der Redner gab dann seiner Genugtuung darüber Ausdruck, dah daS deutsche Volk sich bisher gegen alle Putschversuche gewandt und sich entschieden für die in Weimar gezeichnete Linie ausgesprochen habe. Diese poliiiiche Linie sollte e« beibehalten, denn die demokratische Staatsordnung in Deutschland verdiene diese« Dertrauen. Allerdings gelte e«. mit der Unstetigkeit unterer Regierungsverhältnisse Schluß zu machen, damit endlich einmal die zahlreichen Regierungskrisen aushörten, die bisher uns immer geschadet hätten. Die Stetigkeit in unserer Regierung könne nur durch eine klare und feste Mehrheit von Dauer im Reichstage erreicht werden, die die Wähler am 22. Mai durch ihre richtige Stimmabgabe zu schaffen hätten. Wer diese grobe und feste Mehrheit und damit eine stetige Regierung der breiten DolkSmehrheit tooue. ber dürfe am 20. Mai nicht von der Wahl femblcibcn, weil sonst letzten Endes nur noch die Herrschaft der hohen Bürokratie und ber Plutokratte übrig bleibe. Auch dem Zentrum müsse am Wahltage gezeigt werden, wohin c« gehöve. Der Redner besprach dann kurz die Rei-chsschulgesehsrage und betonte, dah die Grundlage hierfür in der Weimarer Verfassung gegeben sei. Bei dieser VersassungSbestimmung handle e« sich um ein Kompromiss zwischen den Sozialdemokraten, den Demokraten und dem Zentrum, bei dem jede der drei Parteien Opfer ihrer Anschauung gebracht habe, um überhaupt eine Grundlage für diese wichtige Sach« zu schaffen. Die Schulgesetzentwürse Schiele« und v. Keudells entsprächen dem Sinn der Verfassung in keiner Welse. Die demokrattsche Partei lehne eine Mitwirkung an einem Schulgesetz im Sinne der bisherigen Entwürfe ab. sie werde aber gerne im wahren Geiste ber Weimarer DerfassungSbestimmung mitwirken. Diese Dache sei für die Demokraten kein HandelSobjekt. Die Opfer, die in der Schulgesehsrage zu bringen waren, seien bei ber Schaffung ber Weimarer VersassungSbestimmung gebracht worben, und dieses Opfer sei verpflichtend. Der Redner sprach sich weiterhin gegen die Splitterparteien au« und wünschte, dast unter Volk sich abkehren möge von den Parteien brr Phrase, der Redensarten. ber groben Töne und der leeren Versprechungen, dast es sich zufammenfinden möge
in ber Unterstützung einer Politik der unhebing» ten Sachlichkeit, ber Ruhe und Geduld die auch Rückschläge und Mißerfolge zu ertragen Wille, einer Politik der Würbe. Stetigkeit und Dauer- haltigstu. <Sr wolle feine Versprechungen machen, aber eines sich.re er den Wählern grundsätzlich zu. dast er sich immer bemühen werbe die deutsche Politik i ach den eben de .eichneten Gesichtspunkten zu beeinflussen, getreu den ausgezeichneten und verpflichtenden lDc*r:en de« von ihm verehrten Göttinger belehrten Lotze: Tas Geringe nicht zu vernachläf ia'n. aber es nicht alS bas Grobe auszugeben. nur für ba« Grobe sich zu begeistern, aber im kleinsten getreu zu sein. (Langanhaltender lebhafter Beifall'»
Eine Aussprache wurde von der Verlamm* lung nicht gewünscht. Daraus schloh ber Borst tz e n d e mit Dankesworten an den Redner und mit ber Aufforderung zur Wahl Hellpach« am 20. Mai die Versammlung.
Aus der Provinzialhauptstadt.
G testen, den 10. Mai 1928.
Blumen am Fenstee.
Wenn die Kälterücksälle de« Mai vorüber sein werden, wird da« Bepflanzen ber Blumenkästen toi ober fällig. Wer seither schon seine Freude am Wachsen und Blühen de« Fenster- Blumengartens hatte, dem werden diese Zeilen vielleicht nicht« Reue« bringen. Dir wenden und aber an die groben Teile unserer Mitbürger, die in der Beteiligung am öfsentit ch e n Blumenschmuck noch ablcit» gestanden haben. 3n der Annahme, das) es nut dieser Anregung bedarf, um Diele für die gemeinnützige Sache zu gewinnen, sollen zur Vermeidung von Fehlem einige Hauptpunkte tun berührt werden.
Vielfach stellt man sich die Sache weitaus zu teuer und zu mühsam vor. Beides läht sich vermeiden Sowohl die einsache Vorrichtung gegen daS Herabsallen der Desähe auf die Straße, wie auch daS Abfliehen von Wasser bei dem täglich notwendig werdenden Be- gießcn und die Anschaffung der Kästen au« Holz, oder noch besser auS Zcmentmasse sind eine einmalige, erschwingbare Ausgabe 3st dife erst einmal zweckmästig geschehen, dann kostet die jährliche Unterhaltung von 3 bis 4 Blumenkästen kaum mehr als daS Futter und die Pflege eines Stubcnvogel«. eine Ausgabe, die niemand als drückend empfinden wir). Die 5*n* ftcr- oder Balkonkästen find dem Aufstellen von Dcwächfen im Tops deshalb vorzuziehen. weil sie bei Sturm und Regen fester stehen. eS nicht weiter übel nehmen, wenn das Begießen einmal versäumt wird und die Pflanzen in Kästen sich viel üppiger entwickeln können, da ihnen weit mehr Rayrung zu Gebote steht. Tritt die Familie ihre Sommerreise an, bann lassen He sich ebenso leicht tote Topsgewächse in ben Hol oder Garten stellen, wo sich jemand sinden wird, der das ‘Begießen übernimmt. Rur bürten sie nicht zu groh und schwer sein. Sine "Breite von 17 Zentimeter L L bei 15 Zentimeter Tiefe und eine Länge von höchsten 80 Zentimeter wird für die meisten Verhältnisse zweckmäßig sein. "Bei breiten Fenstern, tote sie an den neuen Häusern nicht selten sind, wähle man sie noch kürzer und stelle mehrere aus. Der Anstrich fei weih oder grün. Bunte "Bemalung wirkt meist unruhig Wer es kann, nehme die auS Zcmentmaffe oergeftefiten Steinkästen. Die einmalige Anschaffung ist zwar teurer, aber da sie unverwüstlich sind und über Winter im Freien stehen können, sind sie mit der Zeit die dilliasten Die Drde sei nahrhaft. Am besten ist Mistbeeterbe, wie sie die Gärtner zu bleiern Zweck unter Zusatz von altem Lehm, der die wafserhaltende Krast erhöht, zusammengestcllt verkaufen. AIS DorratSdüngung gebe man pro Kasten noch eine kleine Handvoll Homspähne zu. die gut durcheinander vermischt eine gedeihliche Entwicklung gewährleisten. Die Er c muß nach dem Sehen der Pflanzen gut fest- gedrückt sein.
Außer den bekannten Geranien, die in den neueren Sorten in sonniger Lage einen erstaun-
beideS ab. weil eS nun mal nicht zu ihrer Stimmung pas c. Und d e gebratene Taube weist Ile zurück, weil grabe eine „lebcnblge Taube am Fenster rucklert— AlS sie umzieht auS bem Hilf iraben in baS HauS zum .Gotbrnen Brunnen . ba rühmt sie vor allem an bet neuen Woh- nung. baß sie eine schöne Küche unb Speisekammer unb einen großen Holzplatz habe.
Alle Den.alität &L.b?rt sie nicht, beim Umzug sehr vorsichtig zu rechnen, und durch kurzcS Abwägen aller Vorteil, den höchsten Preis für Haus. Wein und Möbel zu erzielen und auch das Geld möglichst gut anyilegen. — Praktisch und sparsam schont sie ihre Hauben auf den grünen BoutJIlen. den .nächtlichen Stammhaltern". und als sie mit der Frau Bethman in« K rlchenwäldchen fährt, zieht He fingerlo e Filet- ha dfchuhe an, — so kann fie besser Kirschen dien.
Fast muß man sich wundem, dah die Unruhige sich mit Freude und 5kiß an langwierige Handarbeiten macht. Dem Sohne sendet sie .ein gantzeS Duyendt nagelneuer Sirümpse. alle von meiner Hand gestrickt', und dem Urrnkelchen klöppelt sie, WaS sicher seit Erfchaffung ber Welt keine Urgroßmutter getan, .viele 6’.len Spitze — nicht etwa so lirum. la rum, nein, sondern ein Brabanter Muster, drei Finger breit, und ohne Brille".
Sie liebt eS freilich nicht, wenn die Alltagsdinge sich gar zu breit machen: .Die Monate May und 3um sind meine fatalsten Im ganyen Jahr — ba wird vor da« ganye 3ahr Butter eingemacht — da kommt vor das gantze 3ahr Ho^ — ba koche ich meine Wolken — ba wird die große Wasch besorgt — ba kommt die Frau Rath auS ihrem Gerick unb Gelchick —Eie bringt ihren Haushalt, wenn es sein muß. .gut auf ben Trapp. aber sie ist leelen’rob. wenn alleS wieder ben alten Gang geht unb sie nach HerzenSlust lesen. Klavier spielen und in die Komödie gehen kann. Dafür versteht He die feinste aller HauS rauen fünfte von Grund aus. einem Kreife fröhlicher unb bebrütender Menschen Hau« und T^sch of en zu halten und mit Heiterkeit und Würde Mittelpunkt zu fein.
So war die Frau, die ihren Tod selbst ihren | Freunden an kündigte und für ihr Lei chenbegäng- |
ni« die Weinsorte und die Größe der Brezeln bestimmte, wahrlich eine .Meisterin des Leben«", gerade weil fle. der ber Sohn .solch hohen Thron gebaut", auch bie kleinen Forderungen de« AlltagS nicht übersah und fie harmoni.ch dem ganzen schönen Bilde ihre« reichen Leben« ein* fügte.
Hocbscbulnackrichten.
Die Leitung des Instituts für wtstenschaftliche Mikroslopie m Jena als Nachfolger des vor einem 3at)re verstorbenen Pros Ijoiv Dr. H. ? m- bron ist dem ao. Professor der Physik an der Universität Berlin Dr. Felix Ientzjch übertragen worden. Gleichzeitig wurden die Ausgaben des Jenaer Instituts auf das gesamte Gebiet der an- aemandten Optik erweitert. Ien(,|ch, ein geborener Königsberger, promovierte 1908 in Gicßkn, war als 'Zlffiftent bei Professor Röntg in Gießen tätig, wurde wissenschaftlicher M tarbeilr bei den Optischen Werten von Ernst Leih in Wetzlar und habilitierte sich 1912 in Gießen für das Fach der Physik. Später erhiett Ienstsch die CErrr-; Ung zum außeretatsmäßigen ao. Professor in Gießen und siedelte nach Berlin über, roo er btt Professor Nernst am Physikalischen Institut tätig Ht. — Der durch die (Emeritierung des Professors Fritz Williger erledigte Lehrstuhl der chirurgischen Zahnheilkunde an der Universität Berlin ist dem ao. Professor ebenda Dr. Georg A x h a u f e n angeboten worden.
Zum Rachsolger be« in ben Ruhestand aetrete* neu Geheimrats Hans Äaemer au; den Lehrstuhl der Zahnhcilkunbe an der Univer ität Halle ist der Privatbozenr ebenda Dr. mcd. Otto Hein * tot p in Aussicht genommen. — Präses or Dt. Wolsgang Liepe in Halle a. S hat ben an ihn ergangenen Ruf auf das Ordinariat für neuere deutsche Literaturgeschichte und Theater* wis enschaft an bet Univer ität Kiel al« Rach* folger von Prof. Eugen Wolff angenommen.
Dem ordentlichen Professor Dr. Emst Robert Surtiu« in Heidelberg ist der Lehrstuhl bet romanischen Philologie an bet Universität Frankfurt angeboten worben.


