Ausgabe 
10.4.1928
 
Einzelbild herunterladen

Dienstag, 10. April 1928

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Nr 84 Zweites Blatt

39)2.

«Cf

1^5

cf-

Ü'= ä

}8" er

ah fi)A> 3= _

über sein möge".

Für eine Nation, der es so unsagbar peinlich und die sich so toenig berufen fühlt, fid) m Die Angelegenheiten anderer ein-umischen. haben die Bereinigten Staaten in den lehten dreißig 2ahren allerdings ganz Erhebliches an velbst- überwinoung geleistet. Nach einer Aufstellung des Neuyorker Columbia-Universitätsprosessors Stepherd hat Washington sich in den Jahren 1898 bis 192Z aus der westlichen Hemisphäre nicht weniger als 31mal zu ihm so schmerzlichem bewaffneten Eingreifen genötigt ge­sehen. Zweimal in Mexiko, sechsmal in Hon­duras, sechsmal in Nikaragua, einmal in E o st a N i c a, fünfmal in Panama, einmal in Columbia, fünfmal in San D o m t n g o, einmal in Haiti, viermal in« u b a Da Porto Nico jetztamerikanisch, braucht es nicht in die Liste mit ausgenommen zu werden.

Mit bewasfneter Intervention ist jedoch der Kreis des Eingreifens der Bereinigten Staaten in amerikanische Angelegenheiten keineswegs umschrieben. Durch Verträge und Abkommen uvt Washington eine Art Bormundschast über die inneren wie äußeren Angelegenheiten gewisser Länder aus. Aus Grund der Monroe-Doktrin maßt es sich nicht nur eine allgemeine Ober­aufsicht über die auswärtigen Beziehungen aller an, fonbern es hat auch einzelne recht vorteil­hafte Sonderabkommen mit Kuba, Da - nama, Haiti und dem Dominikanischen Freistaat. Don Nikaragua hat es sich das ausschließliche Recht auf den Bau eines zweiten Kanals gesichert. An allen strate­gisch wichtigen Punkten hat es Flottenstützpunkte. Cs überwacht Anleihen. Zölle, Steuern in meh­reren Ländern. In Nikaragua managt es sogar die nächste Präsidentenwahl unter Zuhilfe­nahme d-r Bajonette amerikanischer Seefoldaten. Durch Anerkennung oder Nichtanerkennung von Staatsoberhäupten und durch das Verbot der Wasfenausfuhr oder der Auflegung von An­leihen bestimmt es die Stabilität der Regie-

Intervention."

Don unserem A. G. A.-Berichterstatter Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.

Da sich die 11. 6. A nachgerade in Nika­ragua so sicher fühlen, daß sie jeht mit den Vorarbeiten für den Nikaragua-Kanal beginnen, dürste die solaende Betrachtung dessen, was Herr Hughes beim Kapitel Intervention zu erwähnen vergaß, nicht uninteressant sein. D. Red.

N e u h o r k, Ende März 1928.

93 As

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

lp Lollar. 9. April. Dieser Tage hielt die beim Turnverein Lollar (Gau Lahn- Dünsberg) kürzlich gegründete Altersriege ihre erste llebungsstunde ab. Allgemein wird dre Gründung dieser Riege sehr begrüßt, da fie den älteren DereinSmitgliedern eine Möglichst zur turnerischen Betätigung entsprechend demLÄ>ens- alter der Teilnehmer bietet. Die Erkenntnis von dem hohen Wert des Turnens in vorgerückten 3obren verbreitet sich ja erfreulicherweise immer mehr, und fie wird hoffentlich auch in unserem Orte dem außerordentlich regsamen Turnverein zahlreiche weitere Mitglieder der Altersriege und darüber hinaus viele neue Freunde unter der jüngeren Mannschaft zuführen, zum Nutzen öcitxrü Seite.

-Rödgen. 9. April. Endlich soll auch unsere Dorfjugend Gelegenheit haben, sich in größe­rem Umfange, als es seither möglich war. dem Sport zu widmen. Der Gemeinderat Hal ein

Auf der Kiefer im Moor.

Don Otto Ehrhart, Dachau.

Heute früh ging ich durch die grauen Moor­nebel an den stillen Gräben entlang hmuber ins Graßlfinger Moor. Spielhahne wollte ich sehen, aber es war wohl noch zu früh fisr Die Balz, obgleich die Rotweiden schon Kc^en- pfötchen und die Dirken pralle Samentroddeln haben. Um eins wanderte ich schon wieder auf der glatten Schleihhelmer Chaussee dem Ober- grasyof entgegen, zweigte links ab, und schlug mich durch die Birken- und Kiefernstande der Dchleißheimer Hege entgegen. Das sind so im ganzen gut acht Stunden Wegs. Wenn einer nun außerdem so wie ich veranlagt ist, die Augen bald da, bald dort über einem Forellenbach oder droben in der Luft hängen hat, über Gräben springt oder in der unbequemsten Stel­lung gespannt wie ein Schießhund irgendetwas Lebendiges beobachtet, wird er abends wohl müDc fein.

Ich habe ja so viel gesehen. Zweihundert- fünfzig Rehe habe ich auf der vollen Strecke auSgemacht, darunter einzelne Rudel bis zu firnf- zehn Stück mit starken, winterfarbenen Dast- böcken. Das Wild ist Heuer gut durchgekvmmen. CS ist feist, und die Ricken und jungfräulichen Schmalrehe, mit dem schönen Spiegel und der feinen, glatten Decke sehen strcunm und wirklich zum Verlieben aus. Gegen Abend fand ich denn auch die Spielhähne, dreißig Stück, aber ich glaube nicht, daß sie dort, wo ich fie sah nahe der Straße zum Hackenhvf auch halten. *5» ist viel Raubzeug da, und ich konnte wichtige Drutbevbachtungen treiben. Wenn der Frühling erst richtig loSlegl, muß man wissen, wo wnle«

Auf den Dungfcldern hocken Hunderte von durchziehenden Krähen. Die Enten haben sich schon gepaart und buddeln überall in den schmalen Wassergräben herum. Dann und wann hört man eine Haubenlerche trillern, und auch die Zaun­könige sind merkwürdig schwatzhaft geworden. Der Huflattich blüht und zwischen den wachs- (laubigen Erlen- und Haselstauden brennt der Kellerhals. Die frühen Schmetterlinge, d.e ich sah, Füchse und Zitronenfalter, können also schon Nahrung finden.

Jedes Ding hinterläßt em Bild in meinem Herzen, will erfühlt, erfaßt und liebend re­gistriert fein. Man zieht Vergleiche zwisch^ diesem und den letzten Jahren, etwa denen nach

Stück Oedung frei gegeben, das nun da- ganze Jahr zu sportlicher Betätigung benutzt werden kann. Der Platz, die .Heide", liegt nahe ber Grünberger Straße, etwa 25 Minuten vom Dorf. Er scheint für feinen Zweck geeignet, wenn auch noch einige Planierungsarbeiten, die sich die jungen Männer wohl selbst erledigen, besorgt werden müssen.

D L i ch. 9. April. Nach eingehender Untersuchung des Wahlvorgangs bei der B li r fl c r m e i ft e r wähl gelangte das Kreisamt Gießen zu dem Entschluß, die Wahl des Gerichtsreserendars a. D. Hans Geil (Dbcrftein a.d.Nahe) zum Burger- meister der Stadt Lich für gültig zu erklären. Wohl wurde noch ein Stimmzettel für ungültig er­klärt: immerhin bleiben noch sechs Stimmen für Geil, wahrend der Gegenkandidat Wittig (Butz­bach) nur fünf Stimmen erhielt. Wenn dieRekla­manten nun nicht noch beschwerdesührend beim Mi­nisterium in Darmstadt vorstellig werden, darf mit baldiger Einführung unseres neuen Bürgermeisters gerechnet werden.

2i<b. 9. April. Ein alter Osterbrauch hat sich hier zur großen Freude der Iugend immer noch erhalten. An beiden Ostertagen zieht groß und klein nach derEierwiese". wo die Ostereier geworfen und auf ihreDe- ! ständigkeit" geprüft werden. DaS fchöne Öfter- wetter brachte dieses Jahr ein besonders leb­haftes und frohes Ostertreiben auf der Oftertoicfc.

f Rodheirn a. d. Horloff, 9. April. Hm den Eltern einen Einblick in die Arbeit der Schule zu gewähren, veranstaltete die hiesige Schulleitung eine Ausstellung im Schul- faale. Sämtliche unter der Leitung der Hand­arbeitslehrerin Fräulein Decker (Nidda) angc* fertigten Arbeiten der Volks- und Fort- bildungsschülerinnen. die neben gutem Verständnis von der praktischen Einstellung des Hntcrrid)!» zeugten, waren auf langen Tafeln ausgelegt. Die gleichfalls ausgestellten Ze ich- I nungen und graphischen Dar st el - lungert der Schüler bewiesen, daß dieser Un­terricht durch Lehrer Dietrich ganz im Sinne der Selbsttätigkeit des Arbeitsschulgedankens er­teilt wird. Die Fortbildungsschüler hatten neben Modellen der verschiedenen Deredelungsarten I noch ihre schriftlichen Arbeiten des Deutsch- und Rechenunterrichts. des Obstbaus und der Land- wirtschastslehre ausgestellt.

^3=.= i*. t ö ~ n

Nun will es nachten... Aus der Wiese und hinter den Stämmen äsen Rehe. Vier Rudel kaim ich von hier aus sehen. Es sind zwei fchöne Sechser darunter, die handhoch über den Lusern aufhaben. Wenn es nur so bleibt muh ich denken, wenn der rechnende Mensch nur endlich Wald und Moor in Ruhe läßt, kann alles wieder gut werden. Die Natur ver­langt nach all den Jahren menschlicher Bedräng­nis nach Frieden. Wir brauchen fie ja fo sehr und können sie nicht entbehren. Das darf uns nicht verloren gehen. Unser Tiefstes, der Kon­takt mit der Natur Wenn einerWald" sagt, muh ihn Weihe und grüne Sehnsucht überfallen. WerMoor" oderHeide" sagt, spürt flim­mernde Weite und blauen Himmelglast über sich.Berg" oberMeer", solche Worte haben uns immer mit Stärke erfüllt. Unsere Sehnsucht, unsere Erdliebe hört nimmer auf. Sv find wir Deutschen, so müssen wir fein: hoben treu, grunb- verbunden, lanbliebenb...

Aber nun kann ich nimmer denken... In einer nahen Fichte ist ein Doppelschwarm von Weisen und Goldammern eingefallen. Das ist em wildes Flattern. Zwitschern und Klingeln ums Geäst, bis endlich alle Ruhe gefunden haben. Wie ein lebendiger Christbaum über und über mit den kleinen, goldenen Vögelchen besteckt schimmert die Achte im blaugrünen Licht.

Steif streckt sie ihre Aeste hinaus und wagt sich kaum zu rühren vor lauter Glück! Auf jedem Zweiglein, jedem Ast ein paar liebe, toanber- mübe Piepmätze sitzen zu haben: hunbert ferne Stimmlein. die immer (eifer den scheidenden Tag verfingen, dafür muh man schon dank­bar fein...

Langsam geht die Sonne unter. Es ist em Rebel aufgestiegen, der die weichen Gründe ver­hüllt und still und feierlich ist's wie in einem Traum.

Oie älteste (Sfernfarfe der Welt.

Unter den neuesten Entdeckungen in Aegypten ist eine der glücklichsten die des Leiters der Ex- peditton des Metropolitan Museum von Reu- york, H. W i n l o ck , der kürzlich in der Aahe von Deir-el-Dacharri auf dem Boden der alten Reichs- Hauptstadt Theben das Grab fand, das der königliche Architekt Senmut sich selbst angelegt hat. Es ist, wie alle Gräber In dieser Gegend, mit großen Kammern in den Fels dec steilen Wände des Niltales eingeschnitten, und man steigt auf Stufen zu ihm herab. Dies Grab ist

Weise zu zeigen. All dies habe Hughes mit einigen kurzen, aber pointierten und untoiDer- legbaren Worten ein für allemal abgetan. Onkel ©am trage, fährt die Zeitung fort, fein Verlangen nachbet Dürde des Weißen Man­nes" Zum modernen Don Quichotte, der darauf brenne, als Rächer aller Unbill die Welt zu durchstreifen, eigne er sich nicht im minbeUen. Sein erster Gedanke sei das Geschalt, nicht die Romantik. Handel nut jenen Völkern sei ihm viel lieber als Händel, lieber als die Beaufsichtigung ihrer Wahlen, die Re­organisierung ihrer Regierungen. Trete die Not­wendigkeit hierzu an ihn heran, so tue er. was zu tun fei, mit Widerstreben und m bet Ueberzeugung. bah er bazu ganz und gar un­geeignet. Aber, was er einmal in Angriff ge­nommen. führe er auch burch.allerbinas unter tagtäglichem inbrünstigen Gebet, daß Der ver­maledeite Kuddelmuddel möglichst bald vor-

Trais-Horloff, 10. April. Auf der hie- figen Gewerkschaft Friedrich ist feit eini­gen Tagen der Betrieb zur Verschwelung von Braunkohle teilweise bereits aufge- n o m m e n worden. Es ist damit zu rechnen, daß in Kürze das gesamte, neuerrichtete Werk in Be­trieb genommen werden kann.

Lang-Göns, 9. April. Da Archichtekt Velten erkrankt ist, hat der Bau des Ge­meindehauses noch nicht beginnen können Die Pläne liegen zur Zeit bei dem Kirchenbau­meister, Prof. Walbe (Darmstadt), der auch die Dauarbeiten überwachen wird. Die Bau­stoffe finb zum größten Teil meist freiwillig von hiesigen Landwirten anflesahren worden. Mi-t dem Dau wird demnächst begonnen. Zur Freude der hiesigen Einwohner konnte vor eini­gen Tagen unsere neue Krankenschwester Elfriede Neumann auS dem Diakvniffenhaus Nonnen- weier von Pfarrer Wahl In den Dienst ein- gewiesen werden.

# AuS der mittleren Wetterau. 9. April. Der ausgiebige Landregen ist der Wintersaat sehr gelegen gekommen, da die Fruchtpflänzchen sich durch die trockene, kalte Witterung gehoben hatten und dadurch in der Entwicklung gehemmt wurden. Die Sommer- frucht ist bei der durchweichenden Feuchtigkeit schön gleichmäßig auf gelaufen, und auch der R o t- k l e e zeigt die ersten Keimblättchen. Der gut durch den Winter gekommene ewige Klee (Lu­zerne) und der Futterklee beginnen zu schießen. Es steht ein gutes Futterjahr in Aussicht. In der vergangenen Woche wurden die ersten Frühkartoffeln gesteckt. Neben den grö­ßeren Gütern, die große Flächen ausgepslanzt

Ohne jede Rücksicht auf die würdevollen Herren, die Washington als feine Vertreter an die Tafel­runde derSechsten Internationalen Konferenz Amerikanischer Staaten" nach H a v a n n a ge­schickt hat, und ungeachtet der persönlichen An­wesenheit eines so eminenten Staatsmannes wie He. Exzellenz General W a ch a d o. Präsident von Kuba haben sich einige unmanierliche Teilnehmer an dem Liebesmahl rüd erdreistet, dem biederen Onkel Sam unter m Tisch einige wohlapplizierte Fußtritte aufs behaglich langgestreckte Schienbein Au versetzen. Der bösen Buben erster war Sal­vadors Außenminister Dr. Guerrero. Er machte den Ansang damit, daß er den Presse­vertretern kund und zu wissen tat, nach ferner Ansicht sollten Meinungsverschiedenheiten zwi­schen amerikanischen Nafionen durch 3tixmg6- Schiedsgerichte, interne Schwierigkeiten aber von jedem Ände selbst beigelegt ^den. Sern Ans­pruch gewann an Bedeutung dadurch, daß man gerade Dr. Guerrero zum Vorsitzer des Aus- lckulles erkoren hatte, dem bie Ausgabe der Kodifizierung des Völkerrecht« zufiel. Dem bösen Mar gesellten sich allerlei böse Moritze aus Peru Qlrgentinicn. Mexiko hinzu, die an dem und jenem Krifik zu üben batten.

Man war schließlich an einem Punkt angelangt, wo Senor Maurtua. der große, braunbauhge Jnka-Häuptling der Peru- Delegation, Bericht »u erstatten hatte über dieGrundlagen des Döllerrechts". Sein Sujet umfaßte auch den ge­fährlichsten aller Paragraphen des in Rio von der Internationalen Iuristen-Komnnsfion aus- gearbeiteten Kodex, Der also lautet: »Kem Staat darf in die internen Ange­legenheiten eines anderen eingrei- f en" Daß bei der Erörterung dieses Para­graphen das unangenehme und bisher so sorg­fältig vermiedene Kapitel -Nikaragua zur Sprache kommen würde, war selbstverständlich. Aber was tut der schlaue Herr Hughes, Vorsitzer der nordamei iranischen Delegation? Bei einem Bankett der Amerikanischen Handelskam­mer von Havanna hebt er sich an des Asches Bord und läßt eine kolossale Rede vom stapel, in der er Da« gefürchteteNicaragua ganz offen ganz ohne Zögern au «spricht, ohne »edes Argument Washingtons Recht aufIn­tervention" als etwas Seibstverst and- liche« in Anspruch nimmt, ein mildes Bedauern auSspricht und die Versicherung gibt der gute Onkel Sam denke nicht im entferntesten Daran, feine lieben Söhne vorn Marinekorps auch nur einen Monat länger Dort zu lassen, alS bis Ordnung geschassen sei. Und je eher dies ge­schehe, desto lieber fei eS ihm

Wenn Herr Hughes Daait beabsichtigt haben sollte, eS feinen Kollegen sHwer zu machen, nach einer solchen Zusicherung noch deutlich, vielleicht sogar unhöflich zu werden, so maa er die« bei Der Mehrzahl erreicht haben: in bezug auf Die Vertreter Argentiniens. Mexikos und Salvadors aber ist eS ihm vorbei gelungen.

Sin Neuyorker Blatt schreibt. Herr Hughes habe endlich einmal mit Der Mythe aufgeräumt, daß Onkel Sam eigens zu Dem Zweck Umwege mache, um in Den Tropen HänDel zu suchen Daß er zum Spaß im Dschungel herum liege und sich mit Malaria. Gelbfieber undkleinen Tier­chen" Herumbalge, unD Daß es ihm cm ganz be­sonderes Vergnügen bereite. Die nationalen Ge­fühle anDercr Völker mit Füßen zu treten unD feine Verachtung für sie auf alle erdenkliche

nm gen.

Sein wichtigstes, stärkstes unD überzeugendstes Interventionsmittel" ist der Dollar. Der macht lange nicht fo viel Getöse wie die Kanonen der Kriegsschiffe, die Gewehre der SeejolDaten, Die Bomben der Flieger. Aber er richtet unendlich mehr aus. Ohne daß Die Zeitungen großes Nuf- heben davon machen. Das ahnungslose Publikum glaubt, in Nikaragua sei nicht viel anderes vorae- gangen, als Der Kleinkrieg mit SanDino. Dabei wurde ober hinter Der Front das kleine Land mit Dollarscheinen Dermaßen an die.Dereinigten Staat«! genietet, daß es sich die Kosten der nächsten Wahl geradesogut ersparen könnte. Sein Geld ist bei Der 'Verteidigung amerikanischer Interessen Drauf gegen gen; will es jetzt wieder zu Gew kommen, so muh es seine ganzen Ressourcen auf Jahre hinaus Neu- norker Bankhäusern verpfänden. Es ist von einer neuen Nikaragua-Anleihe die Rede, aber die Emn- ionsbebingungen sollen Derart fein, daß sogar Prä­sident Di a z sich scheut, siefeinem" Lande aufeu- bürden, trotzdem es Die amerikanischen ocefolDaten I waren, Die ihm sein Amt sicherten, als die Zugel

Der Revolution, wo überall fo erbärmlich ge­wildert wurde, und lieht, daß es wieder auf* wärts geht. Es ist allerhand da, wenn auch manches wohl für immer wegbleiben wird. Ich bin froh, wie immer vor dem Frühling, mein Herz ist laut wie eine Dauernziehharmoncka und dudelt glücklich in den Abend hinein. Hatte ich jetzt mein Mädel da, meine kleine Iüggele, ich würd' fie von einem Ohr bis zum andern rundherum verküssen.

Es kann aber auch gar nichts Schöneres geben als hier auf dieser kräftigen Kiefer zu liegen, in Die fich Der Iäger einen festen Hochsitz ein­gebaut hat. Aber Den benutze ich nicht. Auf Den breiten, tragfähigen, harztreibenden Aesten liege ich. Die Füße baumelnd im Leeren und sehe, wenn ich so träge unter den Lidern in die Land­schaft hinausblinzle. Dies:

Eine weite, hufeisenförmig von Kiefern, Ach­ten unD Birken umrahmte Frühlingswiese. Mit­ten darinnen steht eine graue Krähenhütte unD weiter Dahinten, fast wo der Birkenwald be- rämt, liegen zwei große, offene Heustadel. Mit graugrünfciDenen Wellen entbreitet fich die Fläche vor mir bis zum Rande des Waldes der mit feinen weihen, runden Leidem und Dunklen Zweigen anmutig über der Bfimnis rostroten Unterholzes entspringt.. Den lichten Wald berennen mit gewaltigen Sätzen die beiden Kiefernreihen. Sie sind wie Tolle, mit wildem Kopfschmuck versehen: schwere kupferrote Schlä­gen winden fich aus dem verhängten Drum Die Wurzeln mancher Bäume sind vom letzten Moor- brand her schwarz verkohlt, manchmal gary Dem Erdreich enthoben. Hinter dieser Umrahmung weiß ich das Moor: Röhricht, Schllf, klare oder auch eisenhaltige braune Bäche, schwarze Graben, Torfstiche, und daneben viel alte graue Hutten.

Alle diese Dinge könnte es auch in einet an­deren Gegend geben. Nie aber in solchem Licht! Diese Beleuchtung gibt es nur hier! Dazu ge- hören die seinen, wasserreichen Dünste des Moo­res, der goldene Föhnhauch, Der von Den Bergen hcrweht, und Dahinter muh Der Herrgott sein edelstes Gewand, einen unendlich reinen und fleckenlosen Abendhimmel, gebreitet haben. In diesem Lichte ist jede KiefenmaM wie Mn blitzenden Strahlen umsvrüht, ist iede Dinglichkeit über sich selbst hinaus, ins Wesenlose, Geistige entrückt und greift nur noch wie aus fernen Märchenwelten an dein Herz. Alles ist bloß Tiefe, uferloses Verschwimmen. Gleiten in Ur­gründe. hinter denen keine räumlich erfaßbare Grenze mehr steht außer Gott.

Z rt S

Der Regierung seinen H,-»m vollständig entglitten waren. Diese Unterstützung hat er sich erkaufen müssen. Oberst Stimson, Der Spezialgejandre des Präsidenten Coolidge, machte den Oppositionc-'uhrern bei den Friedensoerhandlungen klar, daß sich Die ganze Macht ter Bereinigten Staaten ihnen ent- gegenstellen würde, wenn sie nicht klein beigäben, hörten sie aber auf, sich gegenseitig und >)errn Diaz zu bekämpfen. Dann werde man ihnen gute goldene amerifani(dx Dollars für ihre Dassen und Muni­tion zahlen. Moncada, Der Führer Der libera­len, ging auf den Handel ein. San Dino, Der Bandit" aber lehnte ab und schlug sich in Die Berge. Da Diaz jedoch kein Geld haue, um Mon­cada abjufinben, und da Washington eingedenk sei­ner prinzipiellen Abneigung gegen Interventionen, Die Zeche gleichfalls nicht bezahlen wollte, wußte es die Neuyorker Guarantt) Trust Company zu bewegen, Diaz das nötige Geld zu Bedingungen vorzuftrccken. Die selbst der an allerlei Stank gewohnten Wall- I Street in Die Nase stachen.

Für eine Anleihe in Höhe von einer Million Dol­lar mußte Diaz das ganze (300 000 Dollar be­tragende und auf das Zweifache bewertete) Stamm­kapital Der Nationalbank von Nikara - I qua nebst Dividenden sowie den gesamten Aktien­bestand Der Nikaragua-Pazif i k bahnen (die allein weit mehr wert sind als den Betrag der An­leihe) verpfänden, dazu die A u s s uhr­steuer auf Kaffee, die neuen Zölle auf Tabak, Wein und Spirituosen und die erhöhten Zölle auf andere Gebrauchs- und Lurusartikel. Ferner mußte er den Bankiers eine fünfjährige Option auf alle weiteren Nikaragua-Anleihen geben und mußte die (auf rund 400 000 Dollar veranschlagten) gesamten Barbestände der Bank wie der Bahn in Neuyork deponieren. Und zuguterletzt (!) schrieb Der Vertrag noch vor, daß der Anleiheerlös hauptsächlich zum Ankauf von Munition selbstredend amc- 1 ri-konischer verwendet werden und die Überaus- qabtmg der Leitung eines Dreier-Komitees unter- stchen solle, zu dem Das amerikanische Staats­departement und Die Bankiers je ein Mitglied er­nennen dürfen.

Dies möge zum besseren Derständnis des Begnpes Dollar-Diplomatie" beitragen. Davon hat Herr Hughes natürlich nichts gesagt. Er hätte auch er­wähnen können, daß Die Unterhandlungen wegen einer Refundierungsanleihe (Die Million ist am 31. März fällig) deshalb nicht vorn Fleck kommen wollen, weil f e l b ft Diaz die neuen Bedingungen nicht schlucken will. Um Die Regierung gefügig zu machen, hat die Bonk alle Tätigkeit abgesehen von der Eintreibung schuldiger und fälliger Betröge natürlich eingestellt, und über kurz ober lang wird sich Das sogenannte Parlament von Nikaragua gezwungen sehen, Wall-Street zu Willen zu fein.

Und Darum schickte man amerikanische Marine- folbaten hinunter. Darum warfen Flieger Bomben aufBanditeortschaften" und meldenvierzig Tote' wobei selbstverständlich nicht gesagt wird, wie­viel Frauen und Kinder Darunter sind.

unter seinen zahlreichen Nachbarn besonders durch seine Ausmalung auffällig. Denn die bekannten Szenen, die den Grabherrn mit seiner Familie tafelnd Darfteden, sind hier nur auf eine Seite der Grabkammer beschränkt. Die anderen ent­halten in senkrechten Kolumnen von Hieroglyphen langt Kapitel aus dem sog. Totenbuch, jener Sammlung von rituellen Sprüchen, deren Kennt­nis dem Verstorbenen notwendig ist, damit er Den Weg zu den jenseitigen Gefilden finden kann und gegen die zahlreichen Dämonen und anderen Feinde, die ihn bedrohen, geschützt ist. Die intet- efsanteste Partie ist aber die Decke, die Den Himmel und die größten Sternbilder darstellt. 3m Mittelpunkt der nördlichen Hälfte steht der Mes-Chetiu. unser großer Bär, der al« stier­köpfiger Gott dargestellt ist. Im Süden dominiert der Orion, der sein Gesicht abwendet von der benachbarten Sothis, unserem Sirius: beide fah­ren in der Gestalt großer Gottheiten in Barken über den Himmel, das Bild des Sternes über ihrem Haupte. 3n der Mitte zieht fich über Den ganzen Himmel die Reihe der MonatSfeste, zwölf Kreise, deren jeder in 24 Segmente, nach der Zahl der Tagesstunden geteilt wird. Darunter schreitet in einer Götterprozefsion die Schar der nördlichen Himmelskörper. 2llle Bilder sind mit Deischriflen bezeichnet.

Das Grab gehört der 18. Dynastie (etwa 1400 v. Ehr.) an, ist also für Aegypten, dessen Geschichte bis ins vierte 3ahrhundert zurück­reicht, keineswegs alt. Doch finden sich die äl­testen Sterndarstellungen erst in dieser Zeit des Neuen Reiches und unter den wenigen aus gleicher Zeit bekannten nimmt die des Senmut durch ihren Reichtum und die Feinheit ihrer Aus­führung den ersten Platz ein. Es ist also eine der ältesten Sternkarten der Welt, allerdings In ganz anderer Form und auch aus ganz anderen Beweggründen angelegt, als diejenigen der mo­dernen Astronomie. Denn wenn auch ihrer Ge­stalt eine wirkliche Kenntnis des Himmels zu­grunde liegt, so ist doch die Darstellung dieser Wirklichkeit keineswegs der Zweck des BildeS. 3n die Abbildung des Himmels unter der Ge­stalt seiner Eterngöiter schiebt sich ein Bild des 3ahres. auch dieses nicht als astronomischer Zeit­abschnitt, sondern als ritueller Zyklus seiner großen Feste gedacht. DaS kultische Element gibt also den Ausschlag, und hier tote überall sehen wir die ersten Regungen des menschlichen Geistes sich in Den großen Formen des mhcho- logifdjen Denkens vollziehen, aus denen erst spch« ter Kritik und Vernunft sich lösen werden. Dr.»

- uss

,2=

UgXI

5 ','='2' =

W'-

-,5 t,