Ausgabe 
9.11.1928
 
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der Vorsitzende des Evangelischen VoNÄdunbe« in Baden. Pfarrer Deutsch (Leutershausen-, und Lic. Dr. Römer (Leipzig) Dorträge über bedeutsame Fragen halten.

* Die Schützense sellschaft 1926 Gießen beendete ain 31. Oktober ihr diesjäh­riges Vereins-Preisschiehen, so daß am vorigen Samstag, wie man uns berichtet, dir Preisver­teilung vorgenommen werden konnte. Es erhielten bei der 3-Schuh-Serie G. Gümblein mit 36 Ringen den 1. Preis, E. Gondner den 2., H. Blum den 3., W. Wehling den 4., K. Schneider den 5. mit je 36 Ringen: W. Meininghaus den 6., A. Glagow den 7., E. Servers den 6., R. Darthel- mes den 9. mit je 35 Ringen: O. Siegel den 10. Preis mit 34 Ringen: ferner bei der 6-Schuh-Serie: G. Gümblein 1. Preis, 71 Ringe, R. Glagow 2. Preis, W. Meininghaus 3., R. Gärtner 4., je 69 Ringe: H. Blum 5., K. Schneider 6., E. Gondner 7., je 68 Ringe: H. Wit­telsberger 8. Preis, 67 Ringe. Die Fe st scheibe erhielt H. Blum. Mit der Preisverteilung war eine Abendunterhaltung mit der Feier des 2. Stiftungsfestes in derLiebigshöhe" verbunden. Zur Verschönerung des Festes haben Mitglieder des Dauerschen Gesangvereins durch einige Ge­sänge wesentlich beigetragrn, für die mit reichem Beifall gedankt wurde. Frl. Barthelmes er­freute durch einige Gesangsvorträge mit ihrer künstlerisch geschulten Stimme. Wohlverdienter, überaus reicher Beifall wurde der Sängerin ge­zollt. Den musikalischen Teil hatte Mitglied Topp übernommen, der auf seinem Piston sehr schöne Solovorträge zu Gehör brachte. Der kon- zertliche Teil erntete ebenfalls reichen Beifall, die Tanzlustigen kamen nach den Klängen der unerüöir.lichen Kapelle Topp voll und ganz auf ihre Rechnung.

" Paddler-Gilde Gießen. In der Jahreshauptversammlung wurde die neue Satzung genehmigt und die Eintragung der Gilde in das Derrinsregister beschlossen. Der vom Vorstand erstattete Jahresbericht gab ein sehr günstiges Bild über die Weiterentwicklung der Gilde im abgslaufenen Geschäftsjahre. Dem Bericht deS Kassenwarts war zu entnehmen, daß sich die Mitgliederzahl weiterhin vergrößert hat und da­mit gerechnet werden kann, daß die entstandenen und noch entstehenden Kosten für den DootShaus- erweiterungsbau und die Inneneinrichtung bald gedeckt sein werden und dann an die Inangriff­nahme weiterer Aufgaben gedacht werden kann. Dem Vorstand wurde Entlastung erteilt. Bei der Reuwahl des Vorstandes wurden die ein­zelnen Aemter mit folgenden Herren besetzt: 1. Vorsitzender: We llh ausen: 2. Vorsitzender: W. Rohn: Schriftführer: W. Rohn: Kassenwart: Richter: Verlehrs(Fahrten)wart und Pressewart: H. Becker: Sportwart: Salzmann: Bootshaus- Wart: Schmidt: Beisitzer: H. Rohn: Iugendwart: Gwinner: Geschäftsprüfer: Roeller, K. Rohn. Dem Antrag, die Beiträge zu ermäßigen, konnte nicht entsprochen werden. Die Ermäßigung ist aber in absehbarer Zeit geplant, um auch dadurch zu dem Ziele beizutragen, den Faltbootsport, der bisher eine beispiellose Entwicklung durchgemacht hat, zu einem Volkssport zu machen.

** Die Arbeit unserer Gerichte. Das Oberlandesgericht Köln hat eine Entscheidung fällen müssen, weil in einer mit Schreibmaschine geschriebenen Klage nur kleine Anfangsbuchstaben angewendet waren. Aus dem Grundsatz:Die Gerichtssprache ist deutsch" folge nicht, daß Schriftsätze den jctoeilS geltenden Regeln der deutschen Rechtschreibung entsprechen müssen. Or­thographische Fehler sind zugelassen. Ist die Schreibweise aber so abweichend von der herr­schenden Rechtschreibung, daß Lcsi arkeit und Ver­ständnis des Schr.ftsatzes in Frage gestellt sind, dann wäre eine Zurückwe.sung denkbar. Der Gebrauch der klerne* AnfangSbuchstabm bringe ater keine solche Beeinträchtigung. Mit Recht schreibt der Ausleger der Entscheidung: Man sollte die Gerichte wirklich nicht mit derlei Din­gen behelligen.

Oberheffen.

Oer Haushaltsplan der Stadt Lich.

D Lich, 7. Rov. 3n der jüngsten Sitzung des S t a d t v o r st a nde s brachte der Bürger­meister den Voranschlag für das Rech­nungsjahr 1 928 zur Vorlage. Die Gesamt­summe aller Einnahmen und Ausgaben beträgt 455 469,62 Mk. Davon entfallen auf die Betrjebs- vechnung 283 300 Mk., auf die Vermvgensrsch- nung 172 169,62 Mk. Das Gesamtbild des Vor­anschlags gegenüber dem Vorjahre hat sich im wesentlichen dadurch verschoben, daß infolge grö­ßerer Anleihen, höherer Verzinsung und Auf­wertung einer Dorkriegsanleihe ein jährlicher Mehraufwand von 20 000 Mk. erforderlich ist.

3m einzelnen ist folgendes bemerkenswert: Rach den: vorläufigen Abschluß der Betriebs- rechnung für das Jahr 1926 ist ein Rech- n u n g s r e st von 56 765,56 Mk. vorhanden. Hiervon ift in Abzug zu bringen ein für das Voranschlagsjahr 1927 zur Verwendung in Aus­sicht genommener Betrag von 14172,56 Mk., ferner das für das laufende 3ahr vorgesehene Betriebskapital mit 30 000 Mk., so daß der noch verfügbare Rechnungsrest 12 593 Mk. beträgt. Von den Ausständen werden voraussichtlich 500 Mark uneinbringlich werden. Die Einnahmen aus Gebäuden betragt 10 600 Mk., denen 10040 Mark an Ausgaben gegenüberstehrn. 3n diesen Ausgaben ist für die dringend erforderliche Re­paratur des Stadtturmes eine wertere Rate von 3000 Mk. enthalten. Aus Grund st ücken wird eine Einnahme von 1720 Mk. erwartet. An Aus­gaben werden unter Berücksichtigung des 2060 Mart betragenden Beitrags zur land- und forst­wirtschaftlichen Derufsgenossenschaft 5000 Mk. er­forderlich. Die auf Grund der Rutzholzsubmission und der Brennholzversteigerungen ermittelte Ein­nahme aus den städtischen Waldungen stellte sich auf 101 600 Mk. Die Ausgaben, die auf dem Walde ruhen, sind ganz bedeutend. An den Staat werden b^ahlt für die Forstbeamten­besoldung 10 800 Mk. Die gleichfalls auf dem Walde ruhenden Steuern einschließlich der Um­satzsteuer betragen fast 10 000 Mk. 19 300 Mk. werden für Holzhauerlöhne benötigt und 12 000 Mark zur Auszahlung des Ortsbürgernutzens. Rechnet man dcuu den für Wegverbesserungen, Kulturarbeiten, Bckanntmachunaskosten usw. er­forderlichen Betrag von 15 400 Mk., dann kommt man auf die erstaunliche Summe von 67 500 Mk. An 3agd- und Fischereipacht werden 3006 Mk. eingenommen. Bei der Schäferei beträgt die Einnahme 620 Mk., die Ausgabe 1830 Mk., sie ist damit ein Zuschußbetrieb ge­worden. Die Aufwendungen für Märkte be­tragen nach Abzug der Einnahme aus Markt- standgelb 2000 Mk. Die Wasserversor-

Londons Polizeitechnik.

Don Dr. jur. Bartsch.

Die Kenntnis der englischen Verhältnisse auf polizeilichem Gebiet gewinnt für uns Deutsche deshalb an Wichtigkeit und Interesse, weil sich beide Länder in ihren WirtschaftS- und Lebens­bedingungen trotz aller nationalen Verschieden­heiten sehr ähneln. Spricht man von der eng­lischen Polizei, so verbindet sich damit unwillkür­lich der lokale BegriffLondon", und visionell taucht ein Rame vor unserem geistigen Auge auf New Scotland Yard", das Zentrum der Metropolitan-Polizei. Die dem Commissioner of Police of the Metropolis, dessen Stellung der unseres Polizeipräsidenten entspricht, unter­stehende Polizei hat eine Gesamtstärke von rund 20 000 Pvlizeibeamten, davon sind etwa 900 nicht- uniformierte Kriminalbeamte. Zu dieser, dem Polizeipräsidenten von London unterstellten Me- tropolitan-Polizei kommt rein zahlenmäßig für London noch hinzu die City-Polizei, die dem City-Ausschuß unterstellt ist. Wir finden also in London das für unsere Begriffe befremdliche Bild, daß im Mittelpunkt der englischen Haupt­stadt, rn ihrem Lebensnerv, der City, die eigent­liche Londoner Polizei nichts zu suchen hat, sondern hier ein besonderer Polizeiapparat auf­gezogen ist mit eigener Verwaltung und eigenen Beamten. Die Beamten der City-Polizei unter­scheiden sich von den Beamten der Metropolitan- Polizei schon rein äußerlich durch Abweichungen in der Uniform. Die City-Polizei hat auch eine eigene Kriminalpolizei, allerdings innerhalb dieser fernen Erkennungsdienst, nimmt also von festge­nommenen Verbrechern keine Fingerabdrücke aus u. a. Das macht nur die Metropplitan-Polizei. wie diese auch ganz allgemein mit der City- Polizei engstens Hand in Hand arbeitet. In Anbetracht der Weltgeltung der Londoner City als Mittelpunkt des englischen Wirtschaftslebens ist die City-Polizei zahlenmäßig recht stark. Die räumliche Ausdehnung ihrer Zuständigkeit ist da­gegen recht klein, denn die eigentliche City ist ja räumlich nicht sehr ausgedehnt im Gegensatz zum Gesamtbild Londons, das ein Areal mit einem Radius von fünfzehn englischen Meilen, also einem Durchmesser von dreißig englischen Meilen, das sind über fünfundvierzig Kilometer, umfaßt.

Die örtliche Verteilung der Londoner Polizei ist dann derart erfolgt, daß bei einer Einteilung des gesamten Stadtgebietes in sechsundzwanzig Dezime jeder Bezirk entsprechend seiner Größe und Bevöllerungsdichte einzelne Polizeistationen hat, die sowohl mit uniformierten wie auch Kriminalbeamten beseht sind und damit etwa unseren Polizeirevieren entsprechen.

Fast die gesamte uniformierte Polizei Londons dient der Verkehrsregelung. In den belebten Gegenden sieht man eigentlich überhaupt keine Polizeistreifen, wie wir sie kennen.

Besonderes Interesse wird man der weib­lichen Polizei Londons entgegenbringen. Diese besteht in einer Stärke von fünfzig Be­amtinnen zwei Inspektoren, fünf sergeants und 43 weiblichen Constables. Dis auf zwei constables ist auch die weibliche Polizei uni­formiert, und zwar entspricht diese Uniform in Schnitt und Aussehen stark der der männlichen Polizei. Die weibliche Polizei in England soll die männliche Polizei unterstützen, einmal bei der Be­kämpfung aller an weiblichen Personen sowie an Jugendlichen und Kindern begangenen Straf­taten, insbesondere solcher mit sexuellem Ein­schlag. In allen diesen Fällen werden die Ver­nehmungen solcher Personen durch die weibliche Polizei gemacht. Die weitere Bearbeitung der Straftat dagegen, die Fahndung nach dem Täter, Steckbrieferlah, Fahndungsausschreiben u. ä. ob­liegt der männlichen Polizei. Daneben versehen die uniformierten Beamtinnen auch Straßendienst zum Schutz von Jugendlichen und Kindern, sowie zur Bekämpfung der Prostitution. Im übrigen ist die Einrichtung und Ausgestaltung der weiblichen Polizei wie in Deutschland, so auch in England noch keineswegs beendet. Auch England befindet sich da noch in einem Dersuchsstadium, sammelt Erfahrungen, um diese dem weiteren Ausbau seiner weiblichen Polizei nutzbar zu machen. Wie der im Juni dieses Jahres dem Parlament vor­gelegte und veröffentlichte Jahresbericht 1927 des Londoner Polizeipräsidenten ausführt, wird der Arbeit der weiblichen Polizei auf Grund der im Anfang des Jahres 1927 erlassenen Vorschriften noch besondere Aufmerksamkeit zugewandt.

In allen Großstädten und ganz besonders in London fällt der Kriminalpolizei in der Bekämp­fung des Verbrechertums, sowohl der des inter­nationalen wie der des einheimischen eine beson­ders schwierige Aufgabe zu. Entsprechend der räumlichen Verteilung der Polizei geschieht auch die Aufllärung von Verbrechen, sie ist Sache der

örllichen, für den betreffenden Distrikt zuständigen Kriminalpolizei. Besondere Spezialdezernate zur Bekämpfung des gewerbsmäßigen Verbrechertums gibt es nicht, selbst Mordsachen werden von der örtlich zuständigen Kriminalpolizei bearbeitet. Rur in ganz besonderen Ausnahmefällen wird auf Anordnung des Chefs der Kriminalpolizei die Bearbeitung von der in der Zentrale Rew Scotland Bord stationierten Kriminalpolizei übernommen. Der Erkennungsdienst, Fingerabdrucksammlung, Lichtbild­atelier, die verschiedenen Verbrecherkartothe­ken, Verbrecheralben usw. befinden sich sämtlich in der Zentrale Aew Scotland Da cd. Auher- ordeiitlich gut ist die t e ch n i s ch e Ausrüstung der Londoner Kriminalpolizei in bezug auf die ihr zur Verfügung stehenden Beförderungsmittel, Autos, Krafträder und Lasllraftwagen. Schon jeder Superintendent, dessen Stellung etwa der des preußischen Kriminaldirektors oder Kriminal­polizeirats entspricht, hat ständig einen eigenen Personenwagen zur Verfügung. Sechs Personen­wagen der Kriminalpolizei, besetzt mit zusammen vierzig Kriminalbeamten, fahren dauernd in der Stadt Patrouille. Es sind dies die sogenannten flying Scotts, die eine ganz erhebliche Geschwin­digkeit entwickeln können. Es ist natürlich, daß durch die ständigen Patrouillefahrten von in Zivil befindlichen Polizeibeamten die Sicherheit in den Straßen eine besondere Steigerung erfährt: ist doch ein Verbrecher, beispielsweise der Ein­brecher, nie sicher, ob nicht plötzlich ein Kraft- Wagen um die Ecke kommt, dessen in Zivil be­findliche und daher unauffällige. Insassen sich als Polizeibeamte entpuppen und ihn bei seiner Tat überraschen. Zu diesen Patrouillen­fahrten fommen noch Fahrten mit größeren Kraftwagen, die genau wie die Personenwagen als Polizeiautos unkenntlich sind. In jedem die­ser Wagen befindet sich eine Station für draht­lose Telegraphie und die Wagen stehen während der Fahrt ständig mit der Polizeizentrale für drahtlose Telegraphie in Aew Scotland QJarö in Verbindung. Das ist gerade hei notwendigem verstärktem Einsatz der Polizei, zum Beispiel bei größeren Aufläufen und Ansammlungen, bei Un­ruhen u. ä. von außerordentlicher Bedeutung. Denn der Wagen kann jederzeit während der Fahrt von der Zentrale abberufen und an eine andere Stelle, wo ein polizeiliches Eingreifen notwendiger erscheint, hinbefohlen oder auch zur Zentrale Aew Scotland Pard zurückberufen wer­den. Mit ihren zahlreichen und schnell fahrenden Kraftwagen hat die Londoner Polizei außeror­dentliche Erfolge zu verzeichnen, besonders erfolg­reich ist sie dadurch in der Bekämpfung des Ver­brechertums, das sich selbst des Kraftwagens oder Kraftrades bei der Ausübung der Straftat oder auf der Flucht bedient.

Das Problem der Verkehrsregelung in London wird bei dem riesigen Verkehr wie in allen großen Weltstädten wohl nie endgültig gelöst werden können, weil eben der die Rege­lung verlangende Verkehr in steter Fortentwick­lung begriffen ist. Den gesamten öffentlichen Ver­kehr, soweit er sich auf und nicht unter den Straßen in der Untergrundbahn abspielt, bewäl­tigt der Autobus, daneben die Autolaxe. Dadurch, daß die Straßenbahn für den Verkehr fortfällt, wird naturgemäß das Verkehrsbild in den Stra­ßen entscheidend beeinflußt. Die Zahl der Auto­busse, die man in den Zeiten des Hauptverkehrs in den Straßen der City, vor allem an den be­lebten Straßenkreuzungen sich ansammeln sieht, geht oft in die Hunderte. Trotzdem wickelt sich der Verkehr durchaus gleichmäßig und reibungs­los ab. Im übrigen wird im allgemeinen in Lon­don langsamer gefahren als bei uns hier in Deutschland. Daß Automobilisten die Verkehrs­straßen als halbe Rennbahn betrachten, gibt es nicht. Es leidet so zwar die Schnelligkeit des Ver­kehrs, damit wird aber eine erhöhte Ver- kehrssicherheit erlangt und auf diese wei­sen die überall befindlichen Schilder mit eindring­lichen Worten hin: allerdings beachten auch die Fußgänger die gegebenen Verkehrsvorschriften ge­nauer, als wir es hier gewohnt sind. Die Der- kehrsdisziplin ist eben in England viel besser, sehr zum Autzen und Wohl jedes einzelnen, ob er nun fährt oder zu Fuß gef)t

3m großen und ganzen besteht in bezug auf die Tätigkeit der Londoner Polizei viel Aehn- lichkeit mit unseren Verhältnissen in Deutschland. Cs ist ja überhaupt eine Erfahrung, die wir immer mehr machen, daß die Großstadt, wo sie auch immer sein möge, nivellierend auf die ge­samten Verhältnisse einwirkt. Der Großstadt­charakter verwischt in immer stärkerem Maße na­tionale Eigenheiten und wirkt in Verbindung mit dem internationalen Verkehr ausgleichend.

gung, die früher ein Ueberschußbetrieb war, gleicht sich im. Einnahme und Ausgabe mit 12 000 Mart aus. Durch dringend notwendige Ver­besserungen und damit verbundene Aufwen­dungen wird sie für die kommenden Jahre Zu­schußbetrieb werden. Die Ausgabe für die all­gemeine Verwaltung nach Abzug der Einnahme und eines Beitrages für die elektrische Ortsnetzerweiterung beträgt 34 000 Mk., für die öffentliche Sicherheit 10 400 Mk. Für öffentliche Gesundheitspflege sind 1700 Mk. und für Feuerlöschzwecke 1420 Marl angefordert. Für die allgemeine Ar­menpflege sind 15 150 Mk., gegenüber 11000 Mark im Vorjahre, nötig. Die sachlichen Schulkosten betragen 12100 Mk., gegenüber 11000 Mk. im Voriahre. Das Schulgeld für die auswärtigen Fortbildungsschüler ist auf jähr­lich 8 Mf. festgesetzt. Die Einnahmen in dieser Rubrik belaufen sich einschließlich der Schul­strafen auf 900 Mk. An Aufwendungen für die evangelische Kirche sind 1300 Mk., für sonstige Religionsgemeinschaften 32 Mk., für Zinsen und Tilgung der Vorkriegsan­leihen für Eisenbah nzwecke 1500 Mk. erforderlich. Die Unterhaltung des Friedhofs erfordert 1600 Mk. Größere Mittel sind für dve Strahenunterhaltung ausgeworfen. Für Verbesserung des Feldwegnetzes beträgt die Vor­sehung 5300 Mk., während für die Straßen und Fußsteige 7800 Mk., für Straßenbeleuch­tung und Reparatur derselben 3700 Mk. und für Verzinsung und Tilgung aufgenommener An­leihen xur Umpflafterung der Ortsdurchfahrt mit Kleinpslaster und Ausbau neuer Straßen 9620 'Start vorgesehen sind. Zur Unterhaltung der Kanäle, Verzinsung und Tilgung von

Schulden sind erforderlich 5700 Mk. Die Aus­gaben für landwirtschaftliche Zwecke betragen insgesamt 17 000 Mk.. davon entfallen auf die Faselhaltung 8800 All. Für Aufstellung eines neuen Ortsgrundbuchs und geo­metrische Arbeiten sind erforderlich 2100 Mk., für öffentliche Anlagen und Verkehrs­wesen 520 Mk., für Unterhaltung der Bäche und Gräben 1600 Mk. Unter der Bezeichnung s o - ziale Fürsorge werden die Unterstützungen für Klein- und Sozialrentner, Krankenkasse-, In­validen- und Grwcrbs oscnfürforgeb.iträge und die Unterstützungen für Krisenfürsorgennpfänger be­rechnet. Hier beträgt die Ausgabe 21500 Mk., denen an Ersatzposten 13 500 Mk. gegenüber-- stehen. Die Rubrik Wohnbauzwecke sieht eine Einnahme von 1920 Mk. vor, denen 11 430 Mark in Ausgabe gegenüberstehen. Die Aus­gabe gründet sich ausschließlich auf Zinsen unb Tilgungsbeträge für aufgenommene Anleihen für Wohnbauzwecke. Der Beitrag der Stadt zu ihren eigenen Umlagen und zur staatlichen Steuer be­läuft sich auf schätzungsweise 12713 Mk. Der Er­trag der gememb licken Hundesteuer ist mit 680 Mk., derjenige berOrunbertoerbfteuer mit 1200 Mk., der der Inflationswertzu­wachssteuer mit 200 Mk. und der Dergnü- gungssteuer mit 600 Mk. eingestellt. Die voraussichtlich zur Ueberweisung konrmendeii Reichs steuern sind mit 35 500 Mk. angenom­men. Die Vorsehung für den Reservefonds beziffert sich auf 3285 Mk. Der Mobiliarerneue­rungsfonds wird um 200 Mk. verstärkt. Für Kapitalzinsen und Schuldentilgung wird ein Be­trag von 5400 Mk. erforderlich Dieser Ausgabe steht eine Einnahme von ausgeliehenen Kapita­lien von 2950 Mk. gegenüber. Die zur Erhebung

beschlossene Umlage hat eine Höhe von 76000 Mark und soll in folgender Weise aufgebracht werden: 21,9 Pf. auf je 100 Mk. Steuerwert bet Gebäude und Bauplätze, 38,4 Pf. auf je 100 All. Steuerwert des land- und forstwirtschaftlich ge- nuhten Grundbesitzes, 54 Pf. auf je 100 All. Steuerwert des gewerblichen Anlage- und Be­triebskapitals. 100 Pf. auf je 1 Mk. des staat­lichen Gewerbeertragssteuersolls vom Kalender­jahr 1925 und 39,39 Pf. des staatlichen Sonder- gebäudesteuervorsolls 1928. An den Dezirksfür- sorgeverband sind 10 Prozent des Aufkommens an Sondersteuer für Mietunterstützungen abzu­führen. Erforderlich werden 1916 Mk., sowie für uneinbringliche und erlassene Umlagen 584 Mk. Die Vermögensrechnung weist die für die Erbauung eines Postamtes erforderlichen Be­träge von zusammen 90 000 Mk. auf. Als Dar­lehen der Reichspost ist ein Betrag von 48000 Mark in Einnahme vorgesehen. Aus dem Ver­kauf des alten Klelnkinderfchulgebäudes und der Müllerschen Hosreite ist eine Anzahlung von 7000 Mk. zu erwarten. Für Maßnahmen zur Bekämpfung der Wohnungsnot sirrd eingestellt 3800 Mk. Die Umpflasterung der Ortsdurchfahrt hat eine Kapitalaufnahme von 70 000 Mk. und der Ausbau der Iahnstraße eine solche von 20 000 Mark erforderlich gemacht. Weiterhin ist zur Verbesserung des städtischen Wasserwerkes an der Quellfafsung in der ©emarhmg Al- bach eine Auffüllung des -tief lieg enbeit Quellgebietes unter gleichzeitiger Aufbrin­gung einer Lattenschicht erforderlich. Die voraus­sichtlichen Kosten sind mit 5000 Mk. veranschlagt. Zur Kapitalisierung kommen als Stadtturmfonds 3000 Mk., Wasserleitungsfonds 1000 Mk., Lehr- mittelfonds 1000 Mk., Friedhofsfonds 200 Mk.. Kanalisationsfonds 500 Mk. und Mobiliarer­neuerungsfonds 200 Mk. Die Ausgleichung der Vermögensrechnung erfordert eine Kapital« aufnahme von 46 200 Mk.

Aach kurzer Debatte stimmte der Stadtvorstank» der Vorlage des Bürgermeisters zu und geneh­migte die Ausschlagsätze der zur Erhebung vor­gesehenen Umlage.

Landkreis Gießen.

£ Wieseck, 8. Roo. Nach der Sommerpause wurde gestern abend die Volkshochschule, die hier bereits seit 1919 besteht, wieder eröffnet Der Vorsitzende unb Leiter, Rektor Dr. Rein, be­grüßte die Erschienenen unb gab seiner Freude besonders darüber Ausdruck, daß wieder so viels frühere Hörer erschienen seien. Dies sei ein Se­meis dafür, daß die Arbeit der Volkshochschule von vielen hoch eingeschätzt werde. Die Vorträge finden jeden Mittwoch abend statt. Dr. Rein wird über Kunstgeschichte und Forschungsreisen lesen. Außerdem soll noch ein auswärtiger Dozent ge­wonnen werden, der über volkswirtschaftliche Fragen sprechen wird. Dr. Ritter vom Stadt- theater Gießen benutzte diese Gelegenheit, um den Hörern der Volkshochschule den Besuch des Theaters zu empfehlen. Er wies besonders darauf hin, daß gerade das Theater die geeignete Stätte sei, um Kunst und Bildung zu fordern.

h. Lollar, 8. Aov. Am Sonntag abend wurde unserer Gemeinde ein musikalischer Ge­nuß geboten, der die Erwartungen der etwa 600, den großen Liedersaal völlig füllenden Be­sucher nicht enttäuschte. Es war das Konzert derSängervereinigung" Lollar. Mitglied des Lahntal-, des Hessischen unb Deut­schen Sängerbundes, die unter Leitung von Lehrer Rhode (Marburg) Vorzügliches bot. Der etwa 70 Mann starke Männerchor verfügt über gutes Stimm-Material und Uebung, was besonders bei den Piano- und Crescendostellen deutlich wurde. Der erste Teil des Programms war zugleich als Schube rtehrung gewidmet, d-ni ja am hundertjährigen Todestage vielerorts ge­huldigt wird. Diese Ehrung war schlicht und ge­rade darum eindrucksvoll. Rachdem dasSanc­tus aus der deutschen Wesse verklungen war, hielt der Chordirigent eine kurze, packende Ansprache, in der er das Stehen unb unsterbliche Wirken Franz Schuberts in großen Umrissen vor trug und die Versammlung aufforderte, zum Gedächtnis des unsterblichen Sängers sich zu erheben und mit dem Chore sein bekanntestes LiedDer Lindenbaum" zu singen. So huldigten Sänger und Publikum zusammen begeistert Dem Genius Schuberts: diese schlichte, vollstümliche Ehrung wird vielen unvergeßlich bleiben. Der zweite Teil des Programms lieh auch den Hu­mor zu Wort kommen, aber den Schluß macht« der ernste packende ChorDer Schwur am Rhein". Eine große Bereicherung erfuhr das Programm durch die Mitwirkung des Musik- korps des (Hess.) Ausb.-Batl. 15. Inf.- R^ts. Marburg unter Leitung des Musik­meisters Große. Die musikalischen Leistungen, bei denen auch Diolinsolo und VioltnceUosolo Vorzügliches boten, weckten helle' Begeisterung und erzwangen manche Beigabe. Der Gesamt­eindruck des Abends war ein in jeder Hinsicht erfreulicher.

8 Grünberg, 8. Rov. AuS der jüngsten Gemeinderatssitzung: Ein Gesuch um Befreiung von der Gemeindesteuer für einen errichteten R e u b a u wird dahingehend erledigt, daß dem Gesuchsteller die Geväube- gemeindesteuern für die Jahre 1928, 1929 und 1930 erlassen werden. Einer älteren Frau wird, ihrem Wunsche entsprechend, Unter­kunft und Verpflegung im Siechrnhause in Gießen auf Kosten der Stadt gewährt. Die ihr seither gewährte Kleinrentnerunterstü!,ung soll aufgerechnet werden. Der Grundbesitz dieser Frau soll mit einer Sicherungshypothek für die von der Gemeinde gemachten Vorlagen belegt werden. Einer mittellosen Witwe in Alsfeld wird die Gemeindesteuer von ihrem Grundbesitz in der Gemeinde Grünberg vom Rechnungs­jahr 1928 29 aus Dilligkeitsgründen erlassen. Einer hiesigen Firma wird aufgegeben, der Stadt Grünverg für ihre sämtlichen rückstän- bigen Gemeindesteuern usw., die bis zum 1. Oktober 1928 angewachsen sind, eine Sicherungshhpvthek auf ihr gesamtes Grundvermögen eintragen zu lassen. Sobald dies geschehen ist, fernerhin die entstandenen Kosten für die Zwangsvollstreckung der Stadt Grün- berg ersetzt sind, soll beim KreiSamt Gießen die Einstellung der Zwangsvollstrek- f una beantragt werden. Der Gemeinderat schließt schließt sich den vom Verkehrsverein Grünberg angeregten Zugverbindungen an.

df. Langsdorf, 8. Rov. Die am Dienstag- abenb tagende Kirchengemeinde-Dertreterver- sammlung nahm die Wahl der 6 Kirchen- vorsteher vor. Wiedergewählt wurden 4Mit­glieder des seitherigen Kirchenvorstandes. Es sind dies die Herren Dender, Fay, Schmidt und Köhler. Reu hinzuaewählt wurden Heinrich Schnalz und Lehrer Heldmcmn.