Ausgabe 
9.10.1928
 
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allen

Ländern der Erde Ausschluß.

Kirche und Schule

Ge -

Mussolinis Stärke. Er wird jetzt den Wider­hall seiner Schildrrhebung abwarten und dann die rechte Entscheidung treffen. Ter Rubikon ist überschritten, gewiß, aber die Frage offen: Ge­gen oder für Rom? Mussolini, der einmal Republikaner war, antwortet darauf: Alles für das Vaterland!

Ration proklamiert. Legislative und Exekutive vereinend, hat mit einem Hieb des Liktorenbeils die Monarchie vom Rumpfe der Verfassung ge­trennt und den Duce als alleinigen Lenker ocr Geschicke Italiens auf den Schild erhoben. Ein Ereignis, das in der Geschichte moderner Staa­ten kein Beispiel hat.

Cs ist weit leichter, einen Kaiser zur Abdan- hmg zu zwingen und unter wütendem Flinten­gekläff verkünden zu lassen, dasVolk" habe auf der ganzen Linie gesiegt, als die Dynastie zu erhalten und dennoch souverän zu re­gieren, wie es Mussolini tut. Hätte man in Deutschland weniger Thronehrgei; und mehr Liebe für das Volk besessen, so würde man das englische System der monarchischen Demokratie eingeführt und damit einer Ration die Kluft erspart haben, die jetzt die Geister scheidet. Wie unendlich überlegen an Witz und Voraussicht ist doch der Schmicdesohn aus der Romagna, der kleine Schulmeister, der anarchistische Vagabund, der rote Chefredakteur, der Freischarenführer, der Duce und Cäsar jenenRevolutionären", die schon am Ziele zu sein glaubten, als sie nach Straßenjungensittedie Kronen vor sich Her­stietzen wie alte Konservenbüchsen"! Darin liegt eben die alle Zeitgenossen überragende Grötze Mussolinis, datz er LImsturzgcwalt mit Scharf­sinn zu verknüpfen Weitz, datz er zerstört, ohne zu zerschlagen, datz er eine Revolution von der ersten bis zur letzten Etappe folgerichtig durchzudenken und durchzuführen verstand, ohne jemals aus dem Rahmen des Gesetzes heraus­zutreten.

Er hat Rom damals nicht eingenommen, son­dern sich die Tore vom König öffnen lassen, er ist mit verfassungsmäßigem Schritt ins Par­lament gegangen, er hat die Opposition kraft Mehrheitsbeschluß mattgesetzt, er Hot kein Gesetz erlassen, das nicht von der Kammer gebilligt, kein Dekret herausgebracht, das nicht von der Krone sanktioniert worden wäre. Er wird jetzt sogar für seine Machterhebung die Zustimmung des Königs einholen und erhalten. Ein juridisches Genie.

Man kann nicht sagen, datz seine Macht seit dem 20. September größer geworben sei, denn eine Machtsteigerung war und ist menschlich überhaupt nicht deutbar. Das Reue liegt vielmehr darin, datz in dieser historischen Tagung des Großrates Mussolini sich für seine Person und das kann nicht deutlich genug herausgehoben werden seine Rachfolger eine rechtliche, verfassungsrechtliche Grundlage schuf. Formell besaß der König bisher das Recht, einen Ministerpräsidenten zu berufen und abzuberufen, jetzt aber muß er erst den f a s z i - stischen Grohrat hören, also den Mi­nisterpräsidenten selber. Es ist wohl überflüssig, hier ins Einzelne zu gehen.

Die Welt hat sich immer gefragt, was Wohl aus dem faszistischen Staat und der faszistischen Bewegung werden solle, wenn einmal die zwei Augen, auf denen beide ruhen, erlöschen. Es war die letzte Hoffnung aller Richtsaszisten, datz in diesem Augenblick der König wieder die Macht an sich reißen, das königstreue Heer zunächst eine Militärdiktatur aufrichten und dann, nach der Riederzwingung der Schwarzhemden, allmählich der demokratischen Entwicklung den Weg frei geben werde. Mussolinis Getreue quälte infolgedessen der Gedanke an die Zukunft, und in der Tat, wäre der Duce gestern plötzlich aus diesem irdischen Machtge- brodcl ausgcschiedcn, so hätte sich eine Leere aufgetan, in die der Staat zusammenbrechend hineingestürzt wäre. Heute ist oder scheint diese Gefahr beschworen, denn sowie der Posten des Regierungsoberhauptes vakant wird, um die nüchterne Ausdrucksweise des Gesetzes über den Großrat zu gebrauchen, präsentiert der Grotzrat dem König eine Liste der Rachfolger zur Auswahl.

Ich sage: scheint beschworen, denn ich kann mir keine solche Liste vorstellen. Weder der Ravoleonshut, noch die Bismarckstiefel, noch die Cäsartoga hatten Konfektionsmatz, so datz fte für jede Durchschnittsfigur gepatzt hätten. Immer­hin: die faszistische Bewegung bleibt, wenn schon kopflos, so doch nicht ziellos

Freunde diesmal nach dem äußersten Rordwesten. Am 14.16. Oktober findet seine große Haupt­tagung in Oldenburg statt. Sonntag, 14. Ok­tober, finden Festgottesdienste in den drei Kirchen der Stadt und ein Gemeinde­abend statt. Montag, 15. Oktober,, folgt Morgenfeier in der Garnisonkirche und Erste Hauptversammlung: Generalsuperintendent Pro­fessor D. Dr. Schian spricht überWelches ist die Hauptaufgabe der deutschen evangelischen Kirchen der Gegen­wart, Dolksmission oder Gemeinde­pflege?" Die zweite Hauptversammlung am Dienstag wird wiederum mit einer liturgischen Morgenfeier eingeleitet. Den Vortrag hält Pfar­rer Mahr zu Gießen überD o r f k i r ch e und Kirchengemeinde". An alle Freunde und Mitarbeiter an der evangelischen Gemeinde ergeht die Ditte: Kommt zum Gemeindetag!

De r Deutsche Evangelische mein de tag (Vorsitzender D. Dr. Schian. Generalsuperintendent. Breslau) ruft seine

Oberhessen.

Landkreis Gietzeu.

g. K l e i n . L i n d e n, 9. Okt. Heute kann der Bahnarbeiter Ludwig Jung XIV., dahier, auf eine 25 j ä h r i g e Tätigkeit bei der Reichsbahn zurückblicken. Aus diesem Anlaß wurden dem Jubilar verschiedene Ehrungen zuteil.

£ Wieseck. 8. Okt. Gestern fand eine In­spektion der hiesigen Freiwilligen und Pflichtfeuerwehr durch Kreisseuerwehr- inspeklor Dickore statt. Die Wie>ecker Feuer­wehr hatte diese Gelegenheit benutzt, um gemein* sam mit dem Arbeiter-Samariter­bund (Kolonne Wieseck) einen größeren Brand­angriff mit Menschenrettung durchzuführen. Dazu hatte die Wehr den Gesamtgemeindevvrstand ein­geladen. Die Vorführungen von Feuerwehr und Arbeitersamaritern zeigten, datz Wieseck im Ernst­fälle sich auf beide Einrichtungen verlassen kann. Erwähnt sei hierbei, daß durch den Ausbau der Gießener Wasserleitung die Wasserversorgung für Wieseck bedeutend verbessert ist und die direkte Abgabe von Wasser in den Feuerwehr­schlauch gute Ergebnisse zeigte, was bei voller Ausnutzung noch erhöht werden kann. Kreisfeuer­wehrinspektor Dickore sprach sich lobend über die Wiesecker Wehr aus. betonte aber ganz be­sonders. daß eine so große Gemeinde wie Wieseck bessere Leitern anschasfen müsse. Auch den Ar­beitersamaritern zollte er volle Anerken­nung für ihre Schlagfertigkeit. Rach Schluß der älebung besichtigten Kreis, euerwehlcknspei* tor und Gemeindevorstand das neueingerichtete Depot der Arbeitersamariter und sprachen sich lobend über die mustergültige Einrichtung aus. Rachher fanden fich alle mit der Freiwilligen Feuerwehr und den Arbeitersamaritern zu einem gemütlichen Zusammensein bei Wirt Döringer ein. Hier hielt Kreisfeuerwehrinspektor Dickore einen längeren Vortrag über den Deutschen Feuerwehrtag in Breslau, der mit Interesse ver­folgt wurde. Der Dank der Feuerwehr galt Herrn Dickore, sowie dem Gemeindevorstand für die seitherige Unterstützung, verbunden mit dem Wunsche, das nun noch dringend benötigte Material nach Möglichkeit bald zu beschaffen. Bürgermeister S ch o m b e r versprach, alles nach den Verhältnissen Mögliche zu tun, und ver­band damit den Dank des GemeindevorftandeS an Kreisfeuerwehrinspektor, Feuerwehr und Ar­beitersamariter. Auch Gemeindevatsmitglied Benner versprach die volle Unterstützung deS Gemeinderats für beide Einrichtungen. Gegen 8 ilfjr fand die harmonisch verlaufene kleine

Schulrat Wolf-Berlin, der erste Vorsitzende des Deutschen Lehrcrvereins, lebhaft begrüßt, wies als Vertreter des großen Vereins (150 000 Mitglieder) darauf hin, daß der hessische Verein einer der ersten gewesen sei, der sich dem großen Bruderverein angeschlossen und der sich zu den obersten Programmpunkten des Deutschen Lehrer­vereins bekannt habe. In Hessen sei auch schon, was in vielen Ländern erstrebt werde, die Si­multanschule eingeführt. Er dankte in war­men Worten den verdienstvollen Führern: Io- hann Schmitt, Karl Backes und auch dem der­zeitigen Obmann Reiber.

Für den Deutschen Deamtenbund sprach M a n- neke-Berlin, für den Philologenverband Stu- dienryt Dr. H o lzh ä u s e r - Worms, der be­tonte, datz durch die Einführung der Grundschule die Beziehungen zwischen höheren Schulen und der Volksschule enger geworden sind.

Obmann Reiber dankte allen Rednern m tiefbewegten Worten für die Glückwünsche und die Anteilnahme, die dem Verein von allen Seiten zuteil wurde. Nachträglich begrüßte er den Staatspräsidenten i. R. ckllrich. Als erste Pflicht bezeichnet Obmann Reiber, daß die Versammlung derer gedenken möge, die nicht mehr unter den Lebenden weilen. Er riönnte die Ramen des Gründers Iohann Schmitt, des Führers Backes und des verdienten Rech­ners Heck, der erst vor einigen Wochen zur letzten Ruhe bestattet wurde. Weiter gedachte er der 350 Lehrer des Vereins, die im Welt­krieg gefallen sind. Es waren unvergeßliche Augenblicke, als die große Versammlung, die sich von den Sitzen erhoben hatte, in stiller An­dacht unter den Klängen aus BeethovensEro­ika" verharrte.

Die Mitglieder, die 60 Iah re dem Verein angehoren, wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt. Drei waren anwesend. Im ganzen sind es noch neun.

Rach gemeinsamem LiedeBrüder reicht die Hand zum Bunde" hielt Obmann Reiber die Festrede. Er griff einzelne Punkte über die Lehrerbildung und die Aufgaben des Lehrer­standes heraus, ging auf die Entwicklung des Vereins ein und zeichnete vor allem ein^ Bild des unvergeßlichen Iohann Schmitt. Ein Männer­chorDem Vaterland" schloß die erhebende Feier. (Besuch: etwa 1500 Teilnehmer.)

Völlerversöhnung" (Prof. Dr. Goldschmidt). Kein Stand sei berufener, diese Gedanken in de Herzen der Iugend einzupflaryen, als der Lehrerstand. In diesem Sinne beglückwünschte er die Ver- fanrrnlung.

Bürgermeister Dr. Müller begrüßte tm Ramen der Landeshauptstadt und bestätigte, daß der L. L. D. immer noch frisch und jung sei: das danke man den Männern, die einst ihr Herzblut dafür gegeben hätten, ihn ins Leben zu rufen: Hunger und Idealismus hätten an seiner Wiege gestanden. In humorvollen Worten ging er dann auf die Ansichten über die Landes­hauptstadt ein und rühmte ihre Vorzüge.

Bürgermeister Alexander (Gonsenheim) sprach im Ramen der hessischen Landgemeinden und versicherte, datz die Landbürgermeister den Bestrebungen des L. L.V. volles Verständnis entgegenbringen.

Prälat D. Dr. Diehl, mit lebhaftem Beifall empfangen, brachte herzliche Glückwünsche im Ramen der evangelischen Kirchenregierung. Er erinnerte an eine andere Tagung vor genau 350 Iahren. 1578. im Oktober, tagte in Darm­stadt eine Kommission, die die Aufgabe hatte, die Grundlagen für die hessen-darmstädtische Volksschule zu schäften. Inzwischen haben sich die Zeiten geändert, die Schule ist zur Staats­sache geworden: damals Konfessionsschule, heute Simultanschule. Er persönlich stehe nach wie vor auf dem Boden der Simultanschule. Aber auch in den 350 Iahren hat die Kirche manchen guten Schulmann gestellt, sie hat ein Herz für Schule und Lehrer. Der Prälat wünschte, daß das Ver­trauensverhältnis zwischen Kirche und Schule auch weiterhin bestehen bleiben möge.

Geheimrat Prof. Dr. Berger- Darmstadt sprach für die Landesuniverfität, die Technische Hochschule und das pädagogische Institut. Die Beziehungen zwischen Hochschule und Volksschule seien durch die neue Lehrerbildung enger und reger geworden. Roch sei nicht alles erreicht, aber man solle sich der Errungenschaften freuen und auf die Zukunft hoffen.

Redakteur Streese überbrachte die Glück­wünsche der Zeitungsredakteure. Thomas vom Deutschen Gewerkschaftsbund entbot die besten Wünsche und hofft, daß sich der Verein auch weiterhin glücklich entwickele. Er ist den Leyrern dankbar, daß sie für die Hebung der Volks­schule und damit des Volkes eintreten.

zurück. rr . _

Räher als jener Tag des Ducewechsels, den wohl die Masse des italienischen Volkes so weit wie möglich hinausschieben möchte, näher sind uns die für die Gegenwart bestimmten drei Hauptgrundlätze des neuen Gesetzes: der Eingriff in die Kron rechte, der Eingriff in die Verfassung, der Eingriff in das Garantiegesetz.

Es gibt Iioristen, die rundheraus bestreiten, datz überhaupt einer dieser drei Eingriffe vor­liege. Sie arginnentieren folgendermaßen: Fort­an muß allerdings der Großrat in den Fragen der Thronfolge, der königlichen Rechte und Privilegien gehört werden, aber auch nach der bisherigen Verfassung konnte das Parlament einen Thronfolger wählen, in dem Falle nämlich, datz kein rechtmäßiger Thronfolger vorhanden sein sollte. Darauf erwidern die andern, datz das neue Gesetz nicht von diesem letzten, ganz un­wahrscheinlichen Fall spreche, sondern klipp und klar von der Thronfolge überhaupt. Mit anderen Worten. Mussolini könne zum Beispiel gegen die Thronbesteigung des Kronprinzen sein Veto einlegen. In der Regierungspresse kann man sogar lesen, der Grotzrat übernehme fortan die Funktionen des Kronrates.

Unmittelbar wach dem König folgte bisher die parlamentarische Vertretung, wenn sich also der Großrat plötzlich als oberste Behörde dazwischen­schiebt. so ist die natürliche Verbindung zwischen Haupt und Rumpf unterbrochen, durch einen Fremdkörper ersetzt. Rein, sagen die Faszisten, der Großrat bildet nur die Spitze der Ver­fassung, und nachdem ihn die Krone sank­tionieren wird, ist er auch verfassungsgemäß zu­stande gekommen.

Der Vatikan verhandelte bisher nur mit dem Quirinal. Erst kürzlich hat es der Papst bei der Diskussion über die römische Frage aus­drücklich formuliert, daß eine Partei, und sei sie auch die faszistische, nicht zuständig sei. Run aber regelt der Grotzrat die Beziehungen zwischen Kirche und Staat: er drängt also als Partner doch eine Partei dem Papste auf. Durchaus nicht, wird Iustizminister Rocco, der juridische Vater des neuen Gesetzes erläu­tern: Faszismus, faszistische Partei und Staat sind eins. Es wird interessant sein, die Re­plik des Vatikairs zu hören, hat sich doch die Lcostadt noch nie über Mangel an guten Ju­risten zu beklagen gehabt.

Das neue Gesetz krankt also offenbar an einer gewissen Unklarheit. Krankt? Diejenige Unllarheit, die im kritischen Augenblick keine gebundene Olkarschroute belastet, war schon immer

Veranstaltung ihr Ende.

IU Lollar, 8.Okt. Das diesjährige Preis- schießen des Veteranen - und Krieger­vereins Lollar wurde am gestrigen Sonntag beendet. Geschossen wurde auf Zwölfer-Ringscheibe auf eine Entfernung von 175 Meter mit Wehr- mannsbüchsen. Die Schießergebnisse sind durchweg als sehr gut zu bezeichnen; sie lagen über dem Durch- chniit der Vorjahre. Der Schießausichuß konnte fiir die Zuweisung der Preise folgende Reihenfolge fest- teilen: 1. Preis mit 34 Ringen Justus Frank jun.; 2. Friedrich ch e u s e r (33 Ringe): 3. Otto Schönau (Gießen, 33 Ringe).4. Dr.med. Dietz (33 Ringe); 5. Heinrich Brück (33 Ringe); 6. Philipp Hack (Fronhausen, 33 Ringe), 7. Karl Gilbert (33 Ringe); 8. Johannes S ch ä f e r (33 Ringe): 9. Willi. Schwalm (33 Ringe): 10. Werner Jakobi (33 Ringe; 11. Albert Fuchs (33 Ringe); 12. Johann Reif (Daubringen, 33 Ringe): 13. Otto 91 u I) ii (32 Ringe); 14. Heinrich Christ jun. (32 Ringe); 15. Heinrich Mohr (Daubringen, 32 Ringe); 16. Rud. Krehbiehl (32 Ringe); 17. Christian Rau (Fron- Hausen, 32 Ringe); 18. Karl Brück (32 Ringe). Ein Ehrenscheibenschiehen schließt sich dem beendeten Preisschießen am kommenden Sonntag an.

# Bellersheim, 8. Okt. Bei bet am Sams­tag stattgehabten Verpachtung zweier Schulgrundstücke wurden sehr hohe Pacht­preise erzielt. Es kam der Quadratmeter auf 4 Pfennig, so daß sich der Normalmorgen auf 100 Mark Iahrespacht stellt, wozu noch t>ie Steuern und Abgaben kommen. Hier herrscht allgemein Rachfrage nach Ackerland. Wie man hört, schreiten die Verhandlungen wegen deS Ankaufs des in unserer Gemarkung gelegenen Grundstücks der Solms-Draunfelsischen Stcmdes- herrschaft befriedigend vorwärts, so daß mit einem baldigen Abschluß zu rechnen ist. Die Aussaat des Wintergetreides ist hier in vollem Gange. Teilweise ist bas Ausstellen des Korns bereits beendet. Mit der Ernte der Dickwurz wurde begonnen. Die Regen­fälle der letzten Wochen haben ihr Wachstum noch günstig beeinflußt, so daß der Ertrag auf guten Aeckern nicht viel hinter der vorjährigen Ernte zurückbleibt. Aus dem Bahnhof Obborn- hosen-Dellersheim werben gegenwärtig mehrere Bahnwagen Her bst ob st verladen, haupt­sächlich Glockenbirnen, Gute Luise, Diehls Butter­birne und Reue Poiteau. Für Wirtschaftsbirnen werden 7 bis 8 Pfennig, für Tafelbirnen 8 bis 11 Pfennig je Pfund bezahlt. Auch ge­ringe Mengen Aepfel kommen zum Versand, je nach Qualität kostet der Zentner 14 bis 18 Mark. Die gering anfallenden Mengen Schüttelobst werden zur Avfelweinbereitung ver­wendet, so daß ein Handel darin nicht statt* * findet.

m. Hungen, 8. Okt. Gestern nachmittag ver­anstaltete der hiesige Turnverein auf dem neuen Festplah sein diesjähriges Ab tum en. Tie zahlreich erschienenen Freunde des Turnens verfolgten mit regem Interesse die Wettkämpfe und sonstigen turnerischen Vorführungen: galt es doch, die vor einigen Iahren von einem Gönner des Vereins gestifteten Wanderpreise für Turner und Turnerinnen zu erringen. Da der Verein eine stattliche Zahl vorzüglicher Tur­ner besitzt und ebenfalls über einige gute Turne­rinnen verfügt, so war erwartungsgemäß auch der Kampf ein sehr scharfer. Den Wanderpreis der Turner holte sich Wilhelm Branden­burger, während Leni Schmidt den Wander­preis der Turnerinnen erhielt. Am Abend ver­sammelten sich Turner und Turnerinnen, sowie zahlreiche Gäste im Saale des HotelsZur Traube", wo man in echt fröhlicher Tum er art noch einige vergnügte Stunden verbrachte.

# Aus der Wetterau, 8. Oft. Während in den Vorjahren ein großer Teil der Kar­toffelernte vom Acker weg zum Verkauf kam, wurde in diesem Iahr wegen der anfäng­lich schlechten Emteergebnisse fast die gesamte Ernte eingekellert. In ben letzten Tagen hat nun der Handel eingesetzt und damit auch der Verkauf begonnen. Für Speisekartoffeln, gelbfleischige Ware, wie Industrie und Edel­traud, tourben anfänglich 4 Mark je Zentner geboten. Diese Preise sind nun über 4.25 auf 4,50 Mark gestiegen, und da die Rachfrage immer größer wird, ist mit einem weiteren Anziehen der

ws. Darmstadt, 8. Oktober.

Der Hessische L a n d e s l e h r e r v e re i n wurde am 7. Oktober 1868 von 22 hessischen und Frankfurter Lehrern in Frankfurt a. M. gegründet. Das goldene Jubiläum fiel in die harte Kriegszeit, an eine Feier war nicht zu denken. Deshalb soll nun die 6 0. Wiederkehr d e s Gründungs- t a g e s in größerem Stile festlich begangen werden. Zwar war 1848 schon einmal ein Hess. Lehrerverein gegründet worden, der auch gleich sehr tätig war, u. a. richtete er eine Eingabe an die Nationalver­sammlung in Frankfurt a. M., aber schon zwei Jahre darauf wurde er von der hessischen Regierung auf­gelöst. Es war die Zeit der Reaktion, die auf das Hvffnungsjahr 1848 folgte.

1862 war als Vorläufer des Hessischen Lehrerver­eins die L u d w i g . u n d A l i c e st i f t u n g (eine Sterbe- und Unterstützungskasse für Witwen und Waisen) gcarünbet worden, die bis zum heutigen Tage eine sehr segensreiche Tätigkeit entfaltet hat. Gründer des ersten Vereins, der Ludwig- und Alicestiftung und des Hess. Lehrervereins von 1868, war Johann Schmitt. Unentwegt kämpfte er für seine Ideale, verlor sein Amt, mußte sogar im Gefängnis büßen, aber all dies vermochte nicht, seinen Kampfesmut zu schwächen. Johann Schmitt starb 1893. Die hessischen Lehrer haben ihren Führer nie vergessen, und auf dem Darmstädter Friedhof erhebt sich ein würdiges Denkmal, das von den Spenden der Mitglieder und Freunde des Hessischen Landeslehrervereins errichtet wurde. Vor acht Tagen, am 30. September, wurde an dem Geburtshaus Johann Schmitts in Ensheim (Rheinhessen) eine schlichte Gedenktafel angebracht, bei der Feier hiel­ten Lehrer Engel (Eichloch) und Obmann Rei­ber (Darmstadt) Ansprachen.

Der Nachfolger von Johann Schmitt war Karl B a ck e s, der den Hessischen Lehrerverein, der heute über 3600 Mitglieder (nahezu die gesamte hessische Lehrerschaft) umfaßt, 26 Jahre als Obmann leitete. Es folgte ihm 1908 Georg Huff, jetzt Kreisschul- rat i. R. in Alsfeld, darauf Stadtschulrat Bach (Darmstadt). Seit 1925 ist Rektor und Landtagsab­geordneter Julius Reiber (Darmstadt) der Ob­mann des Vereins.

Nachdem am gestrigen Sonntag an den Gräbern des Vereinsgründers Johann Schmitt und des langjährigen Obmanns Karl Backes Kränze nie­dergelegt worden waren und am Nachmittag eine Hauptvvrstandssitzung stattgefunden hatte, wurde heute die eigentliche Feier mit einem

im Städtischen Saalbau eröffnet. Nach dem Vor­spiel zu denMeistersingern von Dlürnberg", aus- gesührt von dem Orchester des Hessischen Landes- theaters unter Leitung des Generalmusikdirektors Dr. Böhm, ergriff Obmann Reiber das Wort. Er begrüßte vor allem den Staatspräsidenten Ade­lung, der mit seiner Gemahlin erschienen war, außerdem die Minister Korell und Kimber- g e r, die Parteien des Landtags, die alle vertreten waren, den Prälaten der evangelischen Landes­kirche D. Dr. Diehl, Se. Magnifizenz den Rektor der Landesuniversität Gießen, Prof. Dr. Herzog, der Vertreter der Technischen Hoch­schule in Darmstadt, Bürgermeister Müller (Darmstadt) und die Abgeordneten vieler anderer

den deutschen Behörden gewillt ist, ihnen letzte Ruhestätten zu schaffen, die ihrer und der Größe des von ihnen gebrachten Opfers würdig sind.

Außerdem gibt das Heft über weitere Arbeiten des Dolksbundes, sowie über den Zustand zahl­reicher deutscher Kriegerfriedhöfe in fast cIL..

Körperschaften.

Staatspräsident Adelung begrüßte die Ver­sammelten im Ranien der Regierung und betonte, daß die Bestrebungen des hessischen L. L. Vs. von ihr warm unterstützt würden. Wenn auch einige Wünsche noch nicht in Erfüllung gegangen seien, so läge dies an der Zeit und den widrigen Verhältnissen nach dem verlorenen Kriege. Er betonte besonders das Eintreten der Regierung für die Simultanschule, für die Schule, die vor- ausseht, daß die religiösen Gefühle eines jeden geachtet und geehrt werden. In der Erziehung zum heutigen Staate sehe er die Hauptaufgabe der Schule. Zum Schluß beglückwünschte er den Verein zu der Feier und wünschte weiteres Ge­deihen ver ernsten Arbeit der Lehrerschaft für ihre hohen Kulturaufgaben. Die Lehrerschaft helfe mit, das Schicksal des Volkes zu schmieden.

Landtagspräsident Delp sprach im Namen aller Landtagsfraktionen. Er führte aus, daß sich der Lehrerstand durch den Lehrerverein durch­gesetzt habe und nun zu einem Machtfaktor ge­worden sei. Er erinnerte an das Zustandekommen des Schulgesetzes, an dem der Lehrerverein leb­haft und sehr rührig milgearbeitet habe. Wenn auch nicht alle materiellen Wünsche vom Landtag erfüllt werden konnten, so läge das an der inanziellen Lage des Staates: aber alle Parteien des Landtages würdigten und verständen die hohen Aufgaben und die erzieherische Tätigkeit der Lehrerschaft. Besonders freute sich der Redner über das Thema zur HauptversammlungDie Schule im Dienste der Dolksversöhnung und der

IubilSumstagung des Hessischen Landesleheervereins

Eigenbericht desGießener Anzeigers".

Von der Kriegsgräberfürsorge.

Einer der erhebendsten Augenblicke wahrend der überaus machtvollen Kundgebung anläßlich des 10. Deutschen Sängerbundessestes in Wien war unstreitig die Gefallenenehrung durch die hunderttausende Teilnehmer. In dem Oktoberheft seiner DundeszeitschriftKriegsgräberfürsorge" bringt der Voltsbund Deutsche Kriegsgräbersür- sorge, Berlin W. 15, Brandenburgischestr. 27. hierüber einen kurzen Bericht.

Daß und wie der diesjährige Volkstrauertag auch in der Schweiz unter gewaltiger Anteil­nahme nicht nur der Deutschen in der Schweiz, sondern auch von Schweizer begangen wurde, schildert ein kurzer Aufsatz in dem gleichen Heft.

Zu den deutschen Kriegerfriedhösen in Frank­reich, die zurzeit vom Volksbund ausgestaltet werden, gehört auch derjenige von Hautecourt. Heber diesen Friedhof hat die Ortsgruppe Essen des Volksbundes die Patenschaft übernommen. Das Oktoberheft zeigt in Wort und Bild, wie die Ausgestaltung dieses Friedhofes gedacht ist. Rach seiner Vollendung wird er aller Welt dartun, daß Deutschland seine gefallenen Söhne nicht vergessen hat und in Zusammenarbeit mit