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Eichener Anzeiger ^General-Anzeiger für Gberhessen)

Nr. 186 Zweiter Blatt

Doiinerstog, 9. August (928

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ie man in Rumänien ohne SppoWon regiert.

Bon unserem Sk -Berichterstatter

Nachdruck auch mit Quellrnangade, verboten

Bukarest. Äugust 1928

Rur zwei Tage bat dte außerordentliche M ion ber gcK&a.kmbcn Körperschaften -cbauert, dann mürben 5timmer und Senat endgültig auf Ferien ge'chtck: TDo^u der Värm gut war? Man erinnert sich, daß nach langwierigen Verhandlungen der Regierung gluckte in bezug aus das leidige Anleihe- und Stabil isierungßpro- blem cine Btt (Begebnis zu Aeitigen im Herbst nämlich soll es zu einem Ab chluß fommen Bis dahin werden etliche Milliönchen. wirklich nicht der Ride wert, um die notleidende Wirtschaft Rumänien» wieder aus die Fuße w1 dringen, vorgeschossen. Das war alles!

Herr Bentila Bratianu. Ministerpräsident und Führer ber liberalen Hartri Rumäniens, lah selbst ein. daß mit derartigen .Srsolgen nicht viel Staat gemacht werden kann. So entschloß er sich, den unzufriedenen Minderhetk^n ein Brosamen hinzuwerfen und erklärte: .Denn ge­sagt wurde die Minderheitenfrage in Rumänien befinde sich notz iehr im argen, so mochte ich doch daraus hinweiicn. dast der Dlcderaufbau des Landes angesichts ber fünf ver schic- denenGefeygebungen. die allmählich ver­einheitlicht werden nur langsame Fort­schritte machen kann In dem Schulgesetz und in dem Kultusgesetz tdas die Rechte der Minder- betten stark beeinträchtigt. Die Red.) haben wir die »runblaac des neuen einheitlichen Regimes hir alle Minoritäten feftgelegt. Ich weist c«*. fuhr ber Ministerpräsident dann fort, .das, in unserem Lande eine große Zahl von Minderheiten lebt und ich weist es. dast wir aus ihre Dünsche und Räte auch Rücksicht nehmen sollten, aber wir haben nicht die Minderheitenfrage als etwas Besonderes zu regeln, sondern sämtliche Fragen des staatlichen Lebens al» ein orga­nische« Ganzes". Ms er auf diese Deile Rückendeckung genommen hatte, versicherte er. die Reale rung wolle im Herbst spontan die Minderheitenfrage von neuem ausrollen. Gin Ber- sprechen das Herr Bratianu vielleicht halten wird, das aber durchaus nicht so optimistisch be­trachtet werden darf, wie eS von dem grostten Teil der deutschen und ungarischen Press? Drost- rumänien» getan wird.

Du stehen die Dinge eigentlich? Der vom Parlament jetzt angenommene Gesetzentwurf er­teilt ber Regierung die Ormädbtigung zur Fort­setzung weiterer Krebitverhanblun- ge n. eine Ermächtigung also, die Herr Bratianu auch bisher schon besäst. Das nun die bisher geführten Anleihevcrhandlungen anbetrifft. so ist das einzige Ergebnis der 20-Millionen-Dollar- Borschuß den die ausländischen Bankiers dem rumänischen Staat .in "Aussicht gestellt haben", und dessen Zinsen und EmissionSkurS heute übri­gen« noch gar nicht festftehen. Also, um sich durch die Blume auSzudrücken: Tauben auf dem Dach, die man bereits für Spatzen in der Hand hält! Glücklicherweite besitzt Herr Bratianu in der Kammer und im Senat eine derartig groste Mehrheit, dast eine Kritik gar nicht auf- kommen konnte. Dagegen tagte an anderer Stelle da« .Parlament der Oppo­sition". die Rasionalzaranisten. die bekannt­lich ein .Gegenparlament" aufgeftellt hatten, weil sie die Rechtmäßigkeit d?r Kammer nicht aner­kennen. die das Ergebnis eine« systematischen DahlsckwindelS darstelie. Das nun in den Sitzun­gen diese« .GegenparlamcutS" gesprochen wurde und es wurde dort eine sehr kräftige Sprache geführt - da« hätte, durch die Presse im Lande verbreitet, der liberalen Regierung höchst unan­genehm werden können. Hätten doch die Bauern erfahren, bah die angeblich geglückte Anleihe

Bergblumen.

Von Anton (schnack.

Alpiner Adonis.

Der alpine Adonis ist ein Geck, eine kokette und selbst bemühte Erscheinung, die über da« niedere Gras und Moos wie ein höfischer und eitler Fant hinwegstelzt Sein Aussehen hat etwas Stolzes, aber auch etwas DummeS

Hochbeinig erheben sich seine dünnen grünen Blumenschenkel, dann beginnt da« geträufelte, zierlich-geschnittene und flittrige Rockwerk, ilm seinen Hals legt es sich wie eine reiche und üppige Krause. Aber bau Köpfchen! Das Köpf­chen tft ganz eitel: hochmütig und zugleich neidisch und etwa» frech.

Er täuscht einen Grandseigneur vor. aber er ist nur ein Windbeutel und schlanker Geck. Bettachtet man ihn. so muh man über seine Dichtigkeit und Aufgeblasenheit lächeln. Gleich wird ein parfü­miertes Taschentüchlein au« der Seite feine» flittrigen Rockes spitzen. Sein gelber, breiter und doch xlerlieber Kops ist wahrhastig der Kopf eines tn sich verliebten AdoniS: auf dem schönen Mabgelben und reich entfalteten Blütenblättern ringelt sich ein prunkender bernsteingoldener Reif von witzigen Zäpfchen und Stempelchcn. aus denen ein grüngelbe« und etwas unentwickeltes Köpfchen guckt.

Gr ist da» Modeherrchen der alpinen Blumen­welt, und wenn der Mittagshauch über die weiten Hangw^esen der Berge läuft fo fängt Herr AdoniS an zu zittern und zu flittem. al« würde er einer schönen gunstvollen Blumendame eine oberflächliche und liebenswürdige Reverenz machen..

Mexikanische Lhristblnme.

Sie ist Blut Glut, düstere Pracht. Hab sie scheint zu ihrem "Hamen gekommen zu sein durch die Erinnerung an das heilige Blut Ehristi. Bielleicht ist sic einstmals unter dem Kreuze auf dem Golgatha gewachsen als eine weihe lächelnde Blüte. Aber seitdem sie den Tod des Herrn gesehen und das Blut an ihre Wurzel niederrann, hat sie blutrote und etwas schmerz- gekrümmte und auseinandergerifsene Blüten» blätter.

Ihr Wesen hat etwas von innerer Trauer und von innerer Wollust. Ihr Schaft krümmt sich empor, als hätte ihn ein unbekanntes ©rauen verbogen. Eich wölbend, hängen die olivenartigen grünen Schaftblätter weil auseinander vom Stengel. Bittere Trauer scheint sie niederzuziehen. Müdtgkeit atmet sie aus. Aber oben hängt die

noch lange nicht geglückt, sondern vlost .zuverlässig in Aussicht gestellt worden" ist. und die Zustände tn ber Verwaltung schon bie zum siebenten wimmel schreien. Doch wozu hat man eine Zensur? So verbot denn die Regierung >ä :.Hi«i».n Blättern und sc'bstverständ ich auch den K tre'pondenten au*länbifa,cr Blätter, unter Androhung sofort.ger Auswei ung! . über die Verhandlungen im .Gegenparlament" des Herrn Dr. Iuliu» Maniu auch nur ein Wort zu ver­lautbaren. Da« war natürlich ein äuherst ge­schickter Schachzug Denn bie Preise pa­rierte den Sitzungen de« nationatzaraniftischen Gegenparlarnent» fehlte dic Resonanz, da selbst die Parteizeitungen der nationalen Bauernpartei aus Angst vor der Konfiszierung sich in tiefe» Schweigen hüllten, kurz e« hat sich wieder einmal gezeigt, dast eine selbstbewußte Regierung auf dem Balkan selbst bann sich zu halten ver­mag. wenn sie auhenpolitisch offenkund ge Rieder- lagcn erleidet.

Tast es aber eine Riederlage war. beweist der Rücktritt be« bisherigen rumän'schen Auhen- tninifter» Titulesco. der im Herbst wieder den Gefandtenposten in London übernehmen wird bi» eine andere Regierung ans Ruder kommt. Denn Herr Titulesco. Politiker und Diplomat vom Scheitel bis zur Sohle, will es mit der Opposition, also mit der Zukunft, nicht verderben. Ihm steht Herr Bratianu ebenso nahe oder fern wie Herr Dr Maniu. der Oberftfommanbierenbc ber Opposition, Unb ba er augenblicklich ben Karren für verfahren hält, so tut er einfach nicht mehr mit. Irgendwie haben die Ereignis'e Herrn Bintila Bratianu am Rückgrat beschädigt. Denn er. der Unentwegte, der Starrsinnige, ber Mann, ber stets mit Deutschland schmollte, entschloß sich, die W i r t s ch a s t s ve r h a n d l u n g e n mit dem Deutschen Reich wieder aufzu­nehmen. Er. der immer erklärt hatte, man könne mit ben vermaledeiten Deutschen nicht zn» Reine kommen, er will auf einmal rasch und gründlich einen Abschluß erreichen. Das läßt sogar Abkehr von dem bisherigen Kur» erwarten. Dennoch soll man sich nicht allzu kühnen Hoff­nungen hingeben. Zwar ist die rumänische Kom­mis ion bereit» ernannt und reift demnächst nach "Berlin ab aber das ist bi» jetzt auch alles, waS zur "Bereinigung der deutsch-rumänischen Difserenzen getan worden tft.

Zum KapitelEisenbahmmfälle"

Die man uns schreibt, befaßte sich der Sau« oorftanb ber Gewerklchas t beutscher Eisenbahner. Bezirk Franksirrt a. M., er­neut mit ber Frage ber Eisenbahnunglücksfälle, ihren Ursachen unb ihrer wirksamen Abwendung. Ds wurde hierbei besonders hervorgehvben, daß sich das Personal verpflichtet fühlt, mit dazu beizutragen, um die größtmöglichste Sicherheit des reisenden Publikum« zu getoäjjrlciftcn. Der Gauvorsland legte seine Aussassung in einer Entschließung nieder, der u. a. folgendes zu entnehmen ist:

Die bi« jetzt abgeschlossene Untersuchung über bie letzten furchtbaren Gisenbahnunglück»fälle bat ergeben, daß bie Sicherungsanlagen der Deutschen Reichsbahn erhebliche Mängel aufweisen. Die aus dem Erlaß ber Reichsbahn- Hauptverwaltung vom 2. 7. 1928 hervorgeht, ist bie Abstellung dieser Mängel zur Zelt i n - folge ber hohen ReparationSbela- ft ungen ber Reichsbahn unb sonstiger Aus­gaben außerordenllich erschwert. Damit ist klar zum Ausdruck gebracht, daß bic hohen Re­parationszahlungen Der Reichsbahn cine Gefähr­dung des reisenden Publikums unb eine G e-

übermäßig große Blüte wie ein leuchtende« unb zerstückeltes Herz, au« dem jeden Augenblick ein warmer Tropfen Blut quellen könnte...

Oie CUberhiflet.

Rie wird fic ohne das große Gestirn ber Sonne leben wenn jene am höchsten MittagShrmrnel steht, groß und gewaltig, fruchtbares Feuer unb ausgetanes Licht, wird auch sie auf getan. Die s überhasten unb glitzernden Blütenblätter de« Rande«, der Helle 6amt des inneren KelcheS öffnen sich wie ein Auge, um Licht. Feuer und Därme in sich hineinzutrinken. Da» ©inten der Sonne, der erste Schotten einer Hochwaldfichte, der über die Lichtung sollt, beginnt fie zu schließen. In der Dämmerung linkt sie in den Schlaf, in den rätftibaften Schlaf der Blume, und das Zugeschtossensein und Stiilestehen ihres Auge«, ba« Mund. Gesicht. Geschlecht und 2unge ist. IdKtnt da« Licht und den Glanz ihrer großen und h.mmelhohen Schwester mit wilder Leiden­schaft in sich einzuschtiehen und für bie Dauer der Rocht und ber Finsternis in sich selbst zu bewahren.

Da« ist an ihr bewunderungswürdig? Ihr un gemeines Berhaftetfein mit der Erde und dem Gestein, in das sie die zähe Gewalt ihrer stock- dicken Wurzeln schlägt. ferner t hr genaue« Gleich- gerichiettein mit der Sonne deren flammendes und goldenes Bild fie nur lilberhafter Diedcr- zustrahlen scheint. Eine scheinbare Härte duckt sie an die Kruste des Gesteins und die Trockenheit der Berg wiese. Ihr grüne« Domwerk spritzt wie ein Bündel von Strahlen unb Blitzen aus der inneren Kraft ihrer Seele, als wollte fie ihr herrliches und toeifte« Herz vor ungebetenem Zu­tritt schützen und bewahren. So wie sie in enger Verhaftung an der Erde liegt, ist sie da« Sinnbild einer zähen Verschlossenheit, bic von Leiden­schaft innerlich glüht und tniftert. Sie. die ihr stacheliges, krausliges und spitziges Kraut über dem Boden zackig aufbluftcrt. scheint eine böse, widerspenstige und abtoetfenbe Pflanze zu sein. Aber an feuchten und kalten Regentagen öffnete ich manchmal ihr 3ugetanes Herz: und siehe, e« sah eine Berg biene darin, fröstelnd und die Flügel vor Berfrorenheit zusammenge^alter und wartete vergraben in den 6Kbcrfamt der Distel auf die nebeldurchbrechende Sonne, unb während die'e« Warten« gab das Herz der Blume dem Tier Wärme und Kraft, bic fie auS heißen unb war­men Sonnentagen in sich gesammelt unb aufbe- wahrt hatte...

Der Zrauenschub.

Ihn hat sicher anc Frouvc verloren. Die ganze Erscheinung hat etwas Mittelalterliches unb

fahr für bic Betrieb »s iche rhe 11 ber Reichsbahn überhaupt barftellcn. De Nr Er- laß sagt müßten dringend notvendrge Arbeiten an N-n S chcrungsan.agen wegen Mangel an Mitteln unterbleiben. Die arN- rung nach Herabsetzung ber Rcparar.ons- Leitung ou» eine für bie Reichsbahn tragbare Hohe wird daher erneut und mit allem Buchdruck vertreten

Reben den in den Sicher ungsanlagen bestehen­den "Känge.n erblicken w.r in ber jetzt beir.e- benen Personalwirtschaft bie zweite Ur­sache bet Ung.uck-fülle Das von ber Re chs- bahn burchgeführte Softem der Zcitarbciter bedeutet einen Raubbau an bem für d.e Sicher­heit mitcntschcrdcndcn Oberbauanlagen. Eine pianrnäß ge Unterhaltung unb Durcharbeitung biefer Anlagen kann nur mit einem, im ilisen- bahnb en ft geschulten Personal vorgenommen wer­den. Dir fordern daher Beseitigung deS Zeit-

arbciter'vftcms und Bcrstärkung der Ctammarbe: tergtupben in ben Bahn- me fterctcn. Die aus hen Berichten über ha« Eisenbahnung.ück in Dinkelscherben hervorgehk, halte her Deichenwärter Hübler an dem Un- g.ückslaa eine Dienstschicht von Pier- z e h n Stunden. E« bedarf feiner besonderen e ner vierzehnstündigen Arbeils'chicht die gci- h gen unb physischen Kräfte nicht mehr aulbringt, um allen Eventualitäten die der Oienbabn- b e rst m.t sich bringt, gewachsen zu fein. X c jetzigen Dienst dauervorschris ten bie im § 8 so­gar Dicnstschichten bi« au 16 Stunden forschen, fuhren eine Ersparnis de« Betriebs- unb Bcr- lehrspersonals auf Kosten der Betriebssicherheit

Eifenbahn herbei. Dir fordern Pefeingung der jetzigen Dienstbaucrvvrschriften unb Fest­setzung einheitlicher Dienftschichten für da« gesamte Betrieb»- unb BerkehrSperfonal.

Geschichten aus aller Welt.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.

Ter Torsschulze.

(b) Belg r ab.

Im Gcinerndcarnt des Dorschen« Ehrvbitza in Serbien erscheinen zwei vermummte Gestalten. Der Gemeindevorsteher ist nicht sonderlich entsetzt darüber, da zu gleicher Zeit ein MaStcnsest im Dorfe stattsindet. Auch in Iugoslawien gibt cS Maslenfreiheit. und das Dvrfoberhaupt ein aller würdiger Herr, mit weißem "Bart geh» lächelnd auf seine ungewöhnlichen Besucher zu. um sic freundlich nach ihrem Begehr zu fragen. Aber ba starren ihm zwei Revolverläufe entgegen, und noch ehe er ein Dort sagen kann, wird er gefesselt, geknebelt unb in einen Beben- raum geworfen. Und dann weiß er nicht mehr, was geschieht. Erst am nächsten Tage wird er von Dorfbewohnern befreit. Und sieche Da e« zeigt sich, daß die Gcmeindekasse erbrochen ist. 10 OS) Dinar, die mühselig gesammelte Summe für die Drücke, die jetzt endlich über den Fluß gebaut werden soll, fehlen.

Alle Rachforschungen sind vergeblich. Das Maskenfcst. bei dem alt und jung versammelt war. löscht alle Anhaltspunkte. Doch da findet der Gemeindevorstand in dem Bebenraum, wo er gefesselt lag. ein Stückchen Tuch von dem Knebel, den ihm die Räuber in den Mund gestoßen hatten. Und die« Stück Tuch bringt ihn eine entsetzliche Gewißhett. Es ist ein Stückchen Dolle von einem Strumpf. Und zwar von einem Strümps, wie er nur in seinem Hause angefertigt wird. Dve beiden Räuber lömxen nur seins Sohne sein, die daS "Mastensest nerauftaltel hatten, um ihr "Vorhaben besser durchführen zu können, unb die ja noch immer nicht nach Hause gekommen sind...

Am nächsten Tage verkündete ber greife Dorf­schulze in der Gemeindeversammlung, daß et von seinem Poften zurücktteten müfse. weil er sein Lebenswerk, dic Brücke, nun nicht durchführen könne. Allen Borhaltungen setzt ber Alte ein be­harrliche« Schweigen entgegen, aber sein Entschluß ist unabänderlich, und wenige Tage haben sein kraftvolles Alter in sieches Greisentum verwan­delt. Die ®emctnbe aber, die ihren Hüter liebt unb ehrt wie einen Batet, sammelt und sammelt, um einen neuen Fond« für den Brückenbau zu­sammenzuscharren. Auch die Aermsten und aus­wärtige Dcrwandtc der Dorfbewohner geben ihr Schers lern, unb nach weniger Wochen lind die 10 000 Dinar wieder beisammen. Freudestrahlend überbringt die Gemeindedeputation die gesam­melte Summe. Aber da bricht der Alte schluch­zend zusammen unb bekennt, daß er bic Gemeinbc gröblich irregeführt habe und daß er Wille, wer

bic beiden Verbrecher seien, nämlich feine betben Söhne.

(Sincn Augenblick schweigen bic Bauern. Aber bann tritt ihr Acltcstcr hervor Unb hält eine begeisterte Rede auf den Dorfschulzen, der durch dielen Beweis von Baterlicbe nur noch mehr zum Batet des ganzen Dorfes geworben ist. Und die übrigen Dorfbewohner fcharen sich um die Gruppe und bestürmen den Alten, doch weiterhin Ge- meindevorfteher zu bleiben und die Brücte ,v.t bauen. Denn sie würden nicht anders gehanbe.t haben.

So geschah es. die Brücke wurde gebaut, der Alte ist noch heute Schulze und die allgemeine Ltebe und Achtung seiner Dorsgenvssen hat ihn den bitteren Schmerz über seine beiden ungerate­nen Sohne vergessen lallen.

Turch Ford rehabilitiert.

(*) Prag.

Die Geschichte ist alltäglich, aber doch immer wieder neu, sic beginnt in Böhmen und hat al« Hauptheldin eine Bauerntvchter au» einer deui- schen Sprachinsel tn Böhmen. Iulle Matti ist etite Deutsche und war eine brave Kuhmellcri.i. solange sic auf dem väterlichen Gut ihrer nütz­lichen und notwendigen Profession nachging. Aber das änderte sich, al» ihre Mutter zu der Ansicht gekommen war, sic, ba« deutsch-böhmisch "Baucr.i- kind. wäre wohl für Höhere« bestimmt und fic zur Erlernung feinerer Umgangssormen zu Bcr- toanbten in die Kreisstadt schickte. Dic tschechische Kleinstadt erschien ber jetzt nicht sehr beschifligten Iulie Matti al» das, wa« sie in "Wirklichkeit ja auch war: al» ein langwellige», .böhmisches Dors"

Unb wenn einem etwas .böhmisch" vorkommt, nicht wahr...? Kurz. Iulie Matti kam aufi dumme Gedanken und tat nicht gut tat sogar sehr wenig gut da» Städtchen war voll ihrer Stteiche, die Berwandten, bei denen sie lebte, gerieten in Verzweiflung und schließlich drang die Mär von Iulicttchen» unbiederem ßebene- wandel auch bi» in ihre Heimat.

Da wurde nun kurzer Prozeß gemacht, unb Iulie Matti mußte den Weg manche» anberen in die große BellerungSanstalt jenseits be« Ozean» an treten. Lange Zell hindurch blieb sie ver­schollen. unb man sprach von ihr wie von einer "Verlorenen. Gestorbenen. Bi« eines Tage» ein Brief von ihr ankam. -- ein "Brief an ihre "Ver­wandten. bie in dem Städtchen ba» Hotel führ­ten. und bei denen fie so böse. Sachen gemacht hatte. Der Brief hatte eine fabelhafte Wirkung. Rirgend« sprach man von etwa« anderem, als von Iulie Mattl. die dort .drüben" ihr Glück gemacht hatte. Hatte sie einen Dollarmillionär geheiratet oder war sie von einem solchen abop-

AltertümlicheS. Matronenhaft breit wuchert sie aus sich heraus. .Guten Morgen. Frau Ge­vatterin". von ihr zu hören, wäre nicht» Un­erwartete« Aber sie hat auch etwaS Verführe­rische« in ihrem Wesen und auS diesem Eindruck heraus hat die Pflanze auch den Ramon BenuS- fchuh E« gibt flammende unb herrliche Arten tn erotischen Ländern. Blumen wie Fleisch und Purpur, aber der Frauenschuh, der im Kalk­gestein der deutschen Alpen wächst, hat etwas Derbes und die Geste einer fast mütterlichen Art. Zu feinen gelben Honig kippen kommen dic kleinen flinken "Berghummeln yiveinae^chlüpft unb schau­keln sich vergnügt in der Hülle des Schuhes, v hr breiter saftiger Stengel schwenkt durch ben Son­nenglanz wie gelbe japanische Lampion« die feltfamen und eigentümlichen Blülenkörbchem E'e sind wie Schuhe, und c« ift sicher, daß hier ein­mal winzige kichernde Zwcrgprinzefsinnen vor­übergehuscht sind, und daß sie vor irgendeinem Schreck ihr kleines Schuhwerk verloren haben. Run hängt es an den Stielen eine« grünen Stengels überfüttert vom Bandwerk vwlllter unb rotbrauner Hüllenblätter...

England filmt Coronel-Falkland.

Au» Berlin wirb un» geschrieben:

In einem Berliner Ufa-Theater wirb jetzt ber große englische Film ..'S) 1 e Seeschlacy- ten bei T 0 r 0 nel unb ben Fa lklanb- in fein gezeigt. Er tft burch bie British In- strucional Films Limited mit Unterstützung bet Britischen Admiralität unb unter Mitwirkung englischer unb beutschcr Sachverstänbiger her­gestellt worden.

Man bcbenle diese«: England dreht einen offi­ziellen Film einer Seeschlacht, bei der die große Armada der Bereinigten Königreiche nur in ihrem «reiten Teile unb auch ba nur deshalb siegreich war. well sich bie englischen Schiffe in einer offensichtlichen erdrückenden Uebermacht ge­gen ba« Geschwader des Grasen Svec und feine vier Schiffe Scharnhorst",Seibyg,Nürnberg* unbGneisenau" befanben. welchen acht Eng­länder. darunter bie gewaltigen ..Inflerible" unb ..Invincible" gcgenülxrhanbcn. Die'e Dovpel- schlacht bedeutet kein Ruhmesblatt für England; bah fie dennoch, ohne Beschönigung der eng- nifchen Bieber läge, gefilmt wurde, tft eine ka­meradschaftliche Bcrbcugung vor der großen Tat ber deutschen Flotte, aber eine, bie jetzt auch nicht mehr schwer fallen konnte - denn die'e Flotte cf.fticrt nicht mehr. Aber wir sehen nun in diesem Fllm, wie England biete Schlachten

offiziell" denn bie Admiralität hat mite gearbeitet zu sehen wünscht.

Zunächst und ba« ist ba» Angenehme an diesem großen Derk England ehrt den Geg­ner von 1914. indem e« seinem Hero^Smu« volle Anerkennung zollt und ehrt damit sich fclbft. Ie heldenhafter ber Feind, um so größer ba« Berbicnft, ihn bezwungen zu haben. Wirklich, durch den ganzen Film gefct der seemännische Sport«geist, da» Etho« der ritterlichen Kampf­führung. Der englische Bizcadmiral Sturdee w:ll bas Flagaschiss de« Grafen Spcc schonen, befiehlt Einstellung be« Feuer» und hofft, auf diese Weise den Gegner, der nur noch aus einem Geschütz zu feuern vermag, zur Ergebung zu be­wegen. Jrrtum. Mit einem kämpfenden Ge'chutz und wehender Fahne versinkt das deutsche Schlachtschiff. In Balpareiso findet rtach dem deutschen Sieg bei Coronel ein Bankett bet beut- schen Kolonie statt, auf bem ein Trinkspruch:Zur Höll« mit den englischen Schiffen!" auSgebracht toirb. Der Graf von Spce ändert diesen Wunsch in eine ehrende Anerkennung be« tapferen Fein­de« um. Der englische Bijeabmtral schickt sich seine Rettungsboote den mit den Dellen kämpfenden deutschen Matrosen entgegen. So wird England sich unb dem Feinde gerecht, cd verschweigt nicht, wo es gentlcmanlike handelte, aber e« betont auch, wie die Deutschen mit we­henden Fahnen, unbesiegt im Herzen, mit einem breifachen Hoch auf dieGneisenau" untergegan­gen sind.

Aber auch was ba» Filnnsche anaeht, ift ba« ein Film, ben ttnglanb in Deutschland zeigen kann. Bilder von einer imposanten Monmncntalte tät. Geschwader rauschen durch die Fluten, immer toxber Bilder von Meer und Schiffen, aber immer wieder neu und überraschend gesehen. Mit einer grausamen Sachlichkeit, ganz unkntimenial, wer­den alle Schrecken der Seeschlachten gegeben: bie verqualmten Gänge, bie Einschläge ber Granaten, da- rasende Tempo der Maschinen, bic brennen­den Kreuzer. l..Potcmkin". mögen e« die Eng­länder auch wohl icugnen. hat im Technischen zum Borbi.D gedient.) Da« alle« ist wuchtig im Bild­lichen. hinreißend und fbannenb Im Dramatur- g schen. fabelhaft bi« zum Ende gesteigert, ohne einen leeren Augenblick.

Aber nach dem Filmtechnischen kommt man doch wieder zu dem Moralischen des Schlachtenspiel« zurück: daß der Feind von 1914'sich heute in ehrender Anerkennung vor dem Gegner neigt, bah England es ist. bas bem Geschwader de» Grafen Spcc. fernem Führer und seinen Leuten einen späten Kranz über bem Grab im 2Ueere6i gründe tnrnbel