Nr. 159 Erstes Blaff
178. Jahrgang
Montag. 9.3uli 1928
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General-Anzeiger für Oberhessen
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Chefredakteur
Dr. Friede. Wilh. Lange. Berantwortlich für Politik Dr. Fr Wilh Lange für Feuilleton Dr H.Thyriot. für den übrigen Teil Ernst Blumschein: für den Anzeigenteil Kurt hillmann. sämtlich in Gießen.
öer Derfaffungstag.
Tas Votum der vollöpartei.
(Berlin, 9. Juli. (Priv.-Tel.) Das ReichS- fabtnert toitb feine nächste Sitzung am Montagnachmittag aShalten. Zur Beratung stehen fast ausschließlich Fragen der auswärtigen Politik: der deutich-polnische Handelsvertrag und der Kelloggsche Vorschlag eines AntikriegspakteS. Am DienStaa soll der Auswärtige Ausschuß des neuen (Reichstag- sich -um ersten Male versammeln. Reichskanzler Müller-Franken, der während Dr. Stresemanns Urlaub das Auswärtige Amt leitet, wird über diese aktuellen Angelegenheiten der Außenpolitik vertrauliche Erklärungen abgebeg. Am Dienstag steht auf der Tagesordnung des Reichstagsplenums der vom Reichsrctt beschossene Gesetzentwurf über die Erklärung des Verfassungstages - um (Nationalfeiertag. (Reichsinnenminister Seve- r i n g wird die Beratung dieses Gesetzentwurfes mit einer längeren Rede einleiten. Wie das genannte demokratische Blatt weiter schreibt, würde eine Ablehnung des Gesetzentwurfes keine Riederlage der Regierung bedeuten, da er nicht von i hr eingebracht ist, sondern aus dem Reichsrat kommt. Sie würde aber nicht ohne Rückwirkungen auf die preußische Frage bleiben, die von der Deutschen Dolkspartei auch jetzt noch als ausschlaggebend für ihre Einstellung im Reiche bezeichnet wird. Man könne sagen daß das Votum der Deutschen Volkspartei bei der Abstimmung über den vom Reichsrat vorgeschlagenen Rationalseier^ig von entscheidender Bedeutung für die Entscheidung über die Umbildung der preußischen Regierung fein werde Sollte die ..Voss. Ztg." mit diesen Sähen die Auffassung der maßgebenden Stellen, also her preußischen Regierung und der hinter ihr stehenden Fraktionen wiedergeben, würde man der Volk-Partei mit der Annahme des Gesetze« über den (Nationalfeiertag ein kaudinischcs 3nd> errichten wollen, nach dessen Durchschneiden ihr erst die Pforten zum preußischen Kabinett geöffnet würden.
VMparfei und Reichskabinett.
(Berlin, 7. Juli. (TT1.) Die „Rationalliberale Korrespondenz", dgs Organ der Deutschen Volkspartei, beschäftigt sich mit der auch von der D. D. ausgesprochenen „Billigung" der Regierungserklärung und mit der künftigen Haltung der Reichstagssraktion der Regierung gegenüber. Das Blatt schreibt: „Die Deutsche Dolkspartei hat durch die Rede von Dr. Scholz erkennen lassen, daß sie sich die Ausführungen des Regierungs- Programms in manchen Punkten doch etwas anders denkt als hie Sozialdemokra- tifche Partei. Zu diesen sachlichen Gesichtspunkten tritt für die Deutsche Volkspartei immer wieder die Forderung zur Herstellung einer gleichartigenRegierung inPreuhen. An ihr wird mit großen Entschiedenheit fe st gehalten werden. Wer dein Kabinett Müller ein langes Leben wünscht, wie es besonders die demokratische Presse tut. der darf diesen Gesichtspunkt nickt übersehen."
Zu der Erledigung der Reichsratsvorlage über den Rationalfeiertag im Renntag, die zu den einzelnen Aufgaben gehört. schreibt das Blatt weiter: .Wie man sieht, handelt es sich hier nickt um eine eigene Vorlage der neuen Regierung, sondern um einen Gesetzentwurf, den sre pflichtgemäß dem Reichstage vorzulegen hat. Der Bestand der Regierung hängt also nicht von der An- nafcine oder Ablehnung dieses Gesetzes ab. Die Hclliung der Fraktionen zu bem Entwurf muß ihnen völlig fveistehen. Die Deutsche Dolkspartei hat schon früher erkennen lassen, daß sie einem Gesetze, daß die Ausgestaltung der amtlichen Feiern usw. am 11. August regeln wird, keinen Widerstand entgegenbringen wird. Rach dieser Richtung werden die Anträge der Deutschen Dolkspartei sich betoegen. Es ist möglich, daß auch die Frage des 18. Januar damit einer gesetzlichen Festlegung entgegengeführt werden soll. Die endgültige Stellung der Fraktion Mrd erst dann zu übersehen sein, wenn über das Schicksal ihrer eigenen Anträge entschieden worden ist."
Hinsichtlich der Panzerkreuzerfrage erinnert die ..Rationalliberale Korrespondenz" daran, daß das frühere Kabinett im Einvernehmen mit dem Reichsrat die Entscheidung über die Durchführung des Reichstagsbeschlusses auf den 1. September 1928 verlegt hat. Zu diesem Zeitpunkt werde auch die neue Regierung zu bestimmen haben, ob mit dem Bau des Panzerschiffes begonnen werde oder nicht. Die Deutsche Dolkspartei ftc.Ic sich auf den Bo en des früheren Reichstagsbefchlusses und erwarte, daß das neue Kabinett daran nichts ändern werde, sondern den Beschluß zu dem genannten Termin in Kraft setzen lassen werde.
Hoffnungen des Handwerks.
Eigener Drahtbericht des ..Gießener Anzeigers"
Berlin. 9. Juli. Wie man aus den Kreisen des Reichsverbandes des deutschen Handwerks hort, find die Ausführungen der Reichsregierung in ihrer Regierungserklärung vom gesamten Handwerk mit großer Aufmerksamkeit ausgenommen worden. Man hat vor allem, so wird betont, daraus die Gewißheit erhalten, daß die neue Regierung jenen D e r s pr e ch e n. die sie dem Handwerk durch ihre Mitglieder bereits vor der Regierungsbildung abgegeben hat, nunmehr in Gesetzgebung und Verwaltung
Furchtbare SchMatastrophe an der südamerikamschen Westküste Das chilenische Mannetransporffchiff „Angamos" im Sturm mit 290 Mann gesunken. Rur vier Rekruten gerettet.
Reayork, 8.3ult. (111.) wie aus Santiago de Chile gemeldet wird, ist der chilenische Iruppen- Iransporlbampfer „Angamos" auf der Fahrt nach dem Hafen Cebu mit fast dreihundert Personen an Bord an der chilenischen Küste untergegangen. Der Kapitän hat vor bem Untergang bet Schisses Selbstmord verübt. Das Schiss lies bei heftigem Sturm aus Grund, nachdem bas Steuer gebrochen war. 3nsolge der ungeheuren wucht des Aufpralles auf die Felsen brach es völlig auseinander. Rur vier wann der Besatzung konnten schwimmend die Küste erreichen. Alle Rettungsarbeiten blieben erfolglos, da der Sturm mit unverminderter wucht anhielt.
Das Truppentransportschiss .,A n g a m o s" verließ JJunta Arenas an der wagellan-Strahe mit einer Mannschaft von 215 Personen und 76 Passagieren, also insgesamt 291 Perso- nen an Bord. Cs waren Kohle für chilenische INarineschiffe in den noedchilenischen Gewässern geladen. Die Passagiere waren zumeist Arbeiter, die in Regierungsdiensten ftauben, mit ihren Familien. Der Sturm erhob sich spät am läge. Stundenlang kämpfte das Schift gegen Sturm und wellen, aber schließlich wurde fein Ruder zerbrochen, so daß das Schift vom Sturm baoongetrieben und gegen d i e Felsen geschleudert wurde. Das war etwa zehn Uhr abends. Man versuchte, die Rettungsboote herabzulassen, aber als die Boote das kosende wasser berührten, wurden sie umgreifen und ihre Besatzung durch die Brandung gegen d i e Felsen geschleudert ober In bas stürmische THcer hinabgezogen. Das wasser drang mit großer Schnelligkeit in bas Schift ein und drei Stunden, nachdem die „Angamos" ausgelaufen war, war sie so gut wie unter den wogen begraben. Das Schift brach in zwei Stücke, und die wenigen Ceule, die sich noch an Bord befanden, wurden vom Strudel hinab- ge zogen.
Rach den letzten aus Santiago de Chile eingetroffenen Meldungen sind mit der sinkenden „Anga- mos" insgesamt 291 Personen ums Ccben gekommen, von der 215 Kopf starken Besatzung konnten nur vier Mann gerettet werden, außerdem ertranken alle 76 Passagiere. unter denen sich zahlreiche Frauen und Kinder befanden. Der Zerstörer „Williams" und der Kreuzer „Benteno" sind an der Unsallstelle eingetroffen, ohne jedoch eine Spur des Schiffes aufzufinden.
Ueber die Ursache der Katastrophe find bis jetzt noch wenig Einzelheiten bekannt geworden, da die vier gereiteten Matrosen sich in einem Zustand befinden, der ein längeres verhör nicht zuläßt. Aus
ihren Aeußerungen geht hervor, daß das plötzliche Eintreten des Unglücks dem Kapitän es nicht mehr ermöglichte, diejenigen Maßnahmen zu ergreifen, die die Rettung mindestens eines Teiles der Reifenden und der Besatzung gesichert hätten, vor dem Marineministerium i n Santiago d e Chile, vor dem sich die Familien der Mattosen und der an Bord des Dampfers befindlichen Reisenden eingefunden hatten, um Rachrichten über ihre Angehörigen zu erlangen, spielten sich ergreifende Szenen ab.
Der Marineattache der chi schen Gesandtschaft in Paris erklärte einem vertrete, des „Paris Soir“ u. a., bah die „Angamos" ein altes Schiff gewesen sei, das zur Beförderung der für das Geschwader nötigen Kohle und Cebensmillet diente. Sein Cabeoermögen habe 4 5 0 0 Tonnen betragen. 3m Golf von Arauco hätten sich schon zahlreiche Schiffbrüche ereignet, da die Fahrlinie sehr schlecht und voller Felsen und Klippen sei und dort ein f a ft u n - unterbrochener Sturm herrsche.
Bericht der Lteberlebenden.
Vom Sturm auf die Felsen geschleudert und zertrümmert.
Der Rekrut I o s e A g u i l a, der aus einem Wrackstück an die Küste gespült wurde unb jetzt im Hospital m Deien liegt, erzählte: Es herrschte schrecklicher Sturm, in dem das Schiss feine Manövrierfähigkeit verlor. Etwa 300 (Zards von der Küste entfernt wurde es zwischen zwei große Felsriffe geschleudert. Rach wenigen Minuten stürzte der Schornstein um und durchschlug das Deck. Fast gleichzeitig zerbarst der Kiel des SchisseS. Sofort nach dem Aufstoßen auf das Riff erlosch das Licht, was unbeschreibliche Panik hervorrief. Durch den Aufprall war auch das Funkgerät des SchifteS unbrauchbar gemacht worden, so daß zunächst keing Radiosignale gegeben werden konnten. Die Katastrophe ereignete sich im Angesicht der Küste, die nur wenige 100 Meter entfernt war. Eine ganze Anzahl von Familien waren an Bord. (Namentlich unter diesen spielten sich entsetzliche Szenen ab. Frauen und Kinder rannten unter Derzweiflungsschreien hilflos in der Dunkelheit hin und her und erschwerten die Rettungsarbeiten der Männer Die meisten waren halb bekleidet, da sie bereits au Bett lagen, als das Unglück llch ereignete. ES war etwa 11 Uhr nachts, als der Dampfer auflief. Zunächst glaubte man noch nicht an eine unmittelbare Gefahr. Die Besatzung suchte daher die Passagiere zu beruhigen, was ihr auch ziemlich gut gelang. Etwa um Mitternacht wurde der Dampfer aber von einer gewaltigen Woge erfaßt, die ihn weiter auf den Felsen hinaufwarf. Dabei muh ein riesiges Leck entstanden sein. Der Rest der Tragödie spielte
sich in unglaublich kurzer Zeit ab. DaS Schiff war innerhalb einer halben Stunde völlig in Trümmer geschlagen. BiS 1 Uhr früh schwebten wir zwischen Tod und Leben, während daS Schiff sank. Unaufhörlich ließ die „Angamos" ihre Sirenen ertönen, aber e S nahte s i ck keine Hilfe. AfS es klar wurde, daß auch nicht die geringste Aussicht auf Rettung vorhanden war. wurden b i c Rettungsboote h inabge lassen, aber diese wurden von den Wogen mit solcher Gewalt hin und her geworfen, daß sie fast sogleich sanken. Meine Gefährten und ich fclbft wurden nur durch die Gnade Gottes gerettet. Das einzige, woran ich mich erinnere, ist, daß ich mich an ein schwimmendes Wrackstück anhammerte. Sine riesige Woge hob mich 35 Fuß hoch in die Lust und schleuderte mich gegen einen Felsen. Was dann geschah, weiß ich nicht, aber alS ich das Bewußtsein wieder erlangte, fand ich mich gänzlich nackend glatt aus- gestreckt auf dem Strande.
Ein anderer Ueberlebenber Andreas Ear- t i 11 o, Matrose, konnte nicht erklären, wie er dem Tode entkommen ist. „Rachdem ich an den Strand gespült war", so erzählte er. „schaute ich nach dem Schift aus, konnte aber nichts von ihm bemerken. Es muhte bereits untergegangen sein. Ich ging daraus zum nächstgelegenen Hause und klopfw an die Tür, die Bewolmer mailten mich aber wegen meiner Racktheit nicht ein- lassen, und e S dauerte eine Stunde, bu* ich sie überzeugt hatte, daß ich wirklich Hilfe brauchte. Ich ruhte mich dort ein wenig aus, dann suchten wir am Strand entlang nach an - deren Lieberlebenden und fanden drei, die gleichfalls unbekleidet waren, wie ich selbst gewesen tour. Diese drei Geretteten waren Rennten."
Wie die Geretteten weiter erzählen, will man gesehen haben, daß Kapitän Suarez. der Mommanbant des Dampfers, sich In dem Augen ■ blick, als daS Schiff versank, eine Kugel in den Kopf gejagt habe. AlS daS Funkgerät durch den ersten Aufprall unbrauchbar gemacht war, haben die Funkoffiztere sofort einen Ersahapparat in Tätigkeit gesetzt, mit dem sie jedoch nur einen einzigen Hilferuf aus- senden konnten, bevor auch dieser Apparat zerstört wurde. Auf diesen Hilferuf haben die Dampfer „Apolo" und „Barapaca" sofort versuch!, unter Dolldampf die Unalücksstätte zu erreichen. Offenbar konnten sie aber infolge des furchtbaren Sturmes nicht herankommen. Aehn- sich ging es dem Äegiemngekutter .Armhello", der sofort Befehl erhielt, zur Hilfeleistung auszulaufen. Er konnte in der schweren See nicht vorwärts kommen und mußte selbst im Hasen von Eoronel Zuflucht suchen. — Wie berichtet wirb, sind an der Küste zahlreiche Leichen von Strandwächtern geborgen worden. Die Angamos war 1890 in Schottland für die italienische Flotte gebaut worden und hieß ursprünglich „Gitta bi Venezia".
positive Maß nahmen folgen laften will, so daß nach Ansicht jener Kreise endlich auch eine Erfüllung der Versprechungen des Artikels 164 der Reichsverfassung, nach dem es heißt, der selbständige Mittelstand in Landwirtschaft, Gewerbe und Handel fei in Gesetzgebung und Verwaltung zu fördern und gegen ilebcrlaftung und Aussaugung äu schützen, zu erwarten sei. Dor allem hofft das Handwerk auch darauf, daß die in der Regierungserklärung zugesagte Grenzziehung über die Betätigung der öffentlichen Hand auch durchgeführt werden wird. Ebenso erwartet das Handwerk die Ausdehnung der 03er- dingungsordnung für (Bauleitungen, toie sie in Aussicht gestellt worden ist, ferner einen Ausgleich der steuerlichen Belastungen und in sozialpvlittscher Hinsicht die Regelung der sozialen Fragen unter besonderer Berücksichtigung der ‘Belange des Handwerks, um damit den seit 8 Jahren eingeleiteten Ausbau seiner berufsständigen Selbst- r-erwaltung auch erfolgreich durchführen zu können.
Oie Kohlenkrisis.
Ter preußische Handclsministcr über die Absatzstockung im Bergbau.
Magdeburg, 8. Juli. (WB.f Auf der 26. 0e- ncralDerfammlung des Verbandes berBergarbeiter Deutschlands hielt der preußische Minister für Handel und Gewerbe, Dr. S ch r e i - der, eine Rede, in der er sich mit den gegenwärtigen Absatzschwierigkeiten in der Koh- lenindustrie beschäftigte, die, wie er ausführte, durch strukturelle Wandlungen sowohl der deutschen wie der europäischen Kohlenproduktion bedingt sind. Europa leide zur Zeit an einer Ueberprobut- t i o n an Kohlen, ba viele europäische Reviere in der Nachkriegszeit ihre Förderung bedeutend g e - ft e i g e r t haben. Das Ruhrrevier z. B habe trotz aller dort vorgenommenen Betriebszusammenlegun- gen und Detriebsoerbesterungen von Beginn des engllfchen Bergarbeiterftreits bis zum Frühjahr
1927 feine Belegschaft um etwa 50000 Mann erhöht. Daß diese Belegschaftsvermeh- rung leider nicht von Dauer fein könnte, sei von vornherein oorauszusehen gewesen. 3n weiten Ar- beitgeberkreisen habe deshalb auch zunächst damals eine gewisse Scheu bestanden, die Förderung durch Neueinstellung von Arbeitskräften zu steigern, und man. habe z. B. im Sommer 1926 zunächst durch zunehmendes Verfahren von Ueberschichten den veränderten Absatzmöglichkeiten Rechnung zu tragen versucht. Damals habe der Redner immer wieder daraus gedrängt, daß statt vieler zahlreichen Ueberschichten N c u e inst e 11 u n a von Arbeitskräften in möglichst großem Umfang erfolgen solle. Er glaube, daß er damit, gerade auch vom Standpunkt der Arbeitnehmer aus gesehen, richtig gehandelt habe. Nun komme freilich die schmerzllche Ke h r se i t e dieser Politik. So sehr man es bedauern möge, bah ber verschärfte, in Wirklichkeit sämtliche Kohle pro» buzierenbe Sänber fchäbigenbc Konkurrenzkampf in einer Verschlechterung ber Arbeitsbebim gungen ber Bergarbeiterschaft sich auswirke, so komme man boch um bie Tatsache nicht herum, baß eine Verringerung der Absatzmöglichkeiten eingetreten sei, bie zu einer E i n s ch r ä n • Jung ber Probuktion zwingt. Man habe dabei nur bie bittere Wahl zwischen einer Häufung von Fei erfchichten unb der Stilllegung einzelner weniger wirtschaftlicher Betriebe. So schmerzlich dies für bie betroffenen Belegschaften auch sei, so glaube der Minister boch nicht, baß man einen anderen Weg als den von ihm an zweiter Stelle genannten wählen könne. Feierschichten in bem sonst erforbcrlidjen Ausmaß würben als Dauereinrichtungen weiteste Teile ber Gesamtbelegschaft um jeden Vorteil aus der letzten Lohnerhöhung bringen. Oeftentlichc Gelder zur Wirtschaftlichmachung notleidender Betriebe aufzuwenden, fei nicht zu verantworten.
Bombenatteniat in Moskau.
Berlin, 9. Juli. (Tel.) Rach einer Meldung des „Montag" aus Riga wird erst jetzt bekannt, daß am Freitagabend gegen 10
LIhr auf das Hauptgebäude der G. P LI. auf dem Lubiankaplah in Moskau, wo sich daS berüchtigte Gefängnis mit den Angellagten des Schachtypro-esses befindet, ein Dombenatten- t a t verübt wurde. Mehrere Stunden lang wurden der Platz und säintliche Zugänge non Arbeitern und Soldaten abgesperrt. Die 6p plofion hat bei zahlreichen Gebäuden die Scheiben zerstört und es müssen ihr auch Menschenleben zum Opfer gefallen sein: denn es erschienen sofort nach der Erosion mehrere Krankenautos der Rettungsstelle für plötzliche Unfälle.
Vor einer deutschen Rote an Polen
Grenzzonen Verordnung und Niederlaftungsrccht
Eigene Drohtmelbung des „Gießener Anzeigers".
Berlin, 9. Iull. Die derzeitigen Berliner Besprechungen des deutschen Gesandten in Warschau. Ulrich Raus cher, die der Klärung der Lage in den Verwicklungen mit Polen gelten, haben der Oefsentlichleit Veranlassung zu allerhand Gerüchten gegeben, die im wesentlichen aber an den Tatsachen Vorbeigehen. Es ist jedenfalls nicht richtig, schon jetzt wieder mit besonderem Optimismus von einer Reu- beleoung der Pvlenverhandlungen zu sprechen. Der deutsche Gesandte in Warschau führt zur Zeit eingehende Beratungen mit den Leitern des Ressorts im Auswärttgen Amt. Mittelpunkt dieser Beratungen ist die Abfassung der deutschen Antwortnote auf jene Rote der polnischen Regierung, die vor einiger Zeit in Beantwortung der deutschen Rote in bezug auf die Wiener Vereinbarungen in Berlin einging. Man muß sich in diesem Zusammenhang daran erinnern, daß Polen die seinerzeit in Wien zwischen den beiden Delegations'lührern Dr. Hermes und T w a r d o w s k i getroffenen Vereinbarungen über gewisse Modifizierungen der bekannten polnischen Grenzzonenver- orbnung nicht gebilligt hat, da sie in ihrem Wortlaut angeblich den polnischen Inter-


