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Kaufkraft für unsere Waren entwickeln formen, alS wenn sich dort die Konjunktur scldst auf dem absteigenden Aste bewegt. Es ist allerdings auch eine wichtige Frage, ob und in welchem Mähe bei uns bei weiterer rückläufiger Konjunktur die In­dustrie ihre Ausfuhr noch mehr steigern kann. Schon mit Rücksicht auf die Lage auf dem Ar­beitsmarkt wäre das höchst wünschenswert: aber in welchem Matz das möglich ist, hängt auch von der Höhe der Srzrugungskosten unserer Industrie, die bekanntlich aus den verschiedensten Gründen recht hoch sind. ab. Preiserhöhungen von der Rohstoffseite her. zu starke Lohnsteigerungen, eine sehr starke steuerliche Belastung, könnten immer­hin ein ernstes Hemmnis für eine notwendige Steigerung unserer Fertigwarenausfuhr bilden.

Faßt man zusammen, so hängt im wesentlichen die weitere Gestaltung der deutschen Wirtschafts' läge vor allem von drei Faktoren ab. über deren Gestaltung sich jedoch der Ratur der Sache nach nur mit großer Zurückhaltung etwas au-sagen läßt:

1. Bon dem Absatz auf dem inneren Markte. Die ilnbetannte. mit der hier in erster Linie zu rechnen ist. ist die Lage der Land­wirtschaft. Sie ist. vornehmlich auch infolge der (euren Kredite, mit der die Landwirtschaft betatet ist, zur Zeit recht schwierig, und auch die össentlichen Mittel, die jetzt zur Hilfe bereit- gestellt worden sind, können nur eine bescheidene Hilfe bedeuten. Freilich wird dann der Ausfall der Ernte für bu weitere Entwicklung der deut­schen Wirtschaftslage eine wesentliche Rolle spielen. Richt nur, daß ein günstiger Ausfall der Ernte unsere Handelsbilanz günstig beein­flußt, sie wird auch die Kaufkraft der ländlichen Bevölkerung stärken und damit günstig auf die Lage der übrigen Erwerbszweige einwirken.

2. Sin weiterer Punkt betrifft die Gestaltung der deutschen Ausfuhr. Man wird hier mit ziemlicher Sicherheit Voraussagen können, daß ein weiterer Rückgang der Konjunktur in Deutsch­land günstig auf die Ausfuhr wirken wird, so daß damit ein gewisses Gegengewicht entsteht, wenn sich die Absatzmöglichkeiten im Inland weiter verschlechtern sollten.

3. Besonders wichtig wirb jedoch die weitere Gestaltung auf dem Kapital- und Geld­markt fein. ES handelt sich dabei nicht allein darum, daß neue Mittel, die vom Ausland hereinkommen, auch die Rachfrage auf dem In- landmarkt steigern können. Dtelmehr besteht auch ein ei^jer Zusammenhang zwischen Konjunkturlage und den Verhältnissen auf dem Geld- und Kapi­talmarkt selbst. Wenn mit einem Rückgang der Konjunktur der Güterumsatz im Lande sinkt, so wird der Geldmarkt weniger in Anspruch ge­nommen. Man kann jetzt bereits gewisse An­sätze dazu feststellen. Damit entstehen Tendenzen zu einer Verflüssigung am Geldmarkt und zu einer Verminte rung des ZinSfußeS. Tendenzen, die dann noch verstärkt werden, wenn, wie wahrscheinlich, der Zustrom von Kapital aus dem Ausland stärker zunehmen wird. Wenn aber der Zinsfuß sinkt, dann werden davon günstige Einwirkungen auf den Baumarkt und die Land­wirtschaft ausgehen und diese Einwirkungen wer­den sich dann auf die ganze Volkswirtschaft über­tragen müssen.

Ist also auch bei unS die Konjunktur im Ab­flauen, wenn auch zunächst in einem Umfang, der keineswegs gefahrdrohend ist, so finden sich doch auch manche Faktoren, die imstande sein können, wieder nach der günstigen Seite hinxu- wirken. ES liegt also keine Veranlassung vor, der weiteren Gestaltung unserer Wirtschaftslage , pessimistisch gegenüberzustehen.

Freilich liegt trotz alledem in der weiteren Gestal- l tung der Verhältnisse auf dem Geld- und Kapital- markt ein Punkt, der alle Aufmerksamkeit verdient. F Im Vergleich zu den Zeiten vor dem Kriege handelt es sich heute dabei um ganz anders geartete Ver­hältnisse. Damals konnten wir den Kapitalbedarf der Wirtschaft aus eigener Kraft speisen, heute sind wir noch Immer dabei auf die Hilfe des Auslandes angewiesen. Wenn es durch die wohl wieder ein­setzende Kredithilfe des Auslandes auch gelingt, die rückläufioe Konjunktur mehr oder weniger auszu­fangen, so liegen wie leicht einzusehen ist doch in dieser Abhängigkeit unserer Wirtschaftslage von der Kredithilfe des Auslandes gewisse Gefahren. Denn es können hier leicht Kräfte ausaelöst werden, wie z. B. als Folge außenpolitischer Verwicklungen bei anderen Staaten, die imstande sein werden, diese Kredithilfe ungünstig zu beeinflussen. Es ist oben be­reits auf den Ausspruch des Reichsbankpräsidenten von dergepumpten Konjunktur" hingewiesen worden.

Mit dem eben Gesagten hängt es dann zusammen, daß bei uns ein so lebhafter Meinungsstreit über das Für und Wider dieser fremdländischen Kredit- Hilfe besteht. Aus der einen Seite eine Richtung, die vor allem durch den Reichsbankpräsidenten vertreten wird und die verlangt, daß wir diese Abhängigkeit vom Ausland auf das notwendigste Mindestmaß b e schränken sollen, selbst auf die Gefahr hin, daß die weitere Entwicklung der Konjunktur sich un- günstiger gestaltet, als es sonst der Fall wäre. Lieber ein langsameres und ruhigeres Wachstum der deut­schen Wirtschaft, dafür aber eine größere Unab- hänai^keit von ausländischen Einflüssen, die unter Umstanden recht störend auf unser Wirtschaftsleben einwirken können. Auf der anderen Seite stehen die­jenigen, die diese Gefahren geringer einschätzen und in erster Linie auf die wirtschaftsfördernde Seite dieser Auslandkredite sehen, darauf, daß von hier aus Kräfte ausgehen, die den Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft fördern und vor allem auch den Arbeitsmarkt günstig beeinflussen. Es sei als Beispiel nur auf den bekannten Meinungsgegensatz derer hingewiesen, die auch den Anleihebedarf der öffentlichen Körperschaften mehr oder weniger be­dingungslos aus dem Ausland befriedigen wollen und die Meinung derjenigen, die darin doch gewisse Gefahren für die Sicherheit und Stabilität unserer Wirtschaft erblicken.

Daß in dieser finanziellen Abhängigkeit vom Aue- land gewisse Gefahren liegen, unterliegt keinem Zweifel. Allerdings darf man diese Gefahren auch nicht überschätzen, ebensowenig wie die Tatsache, daß sich jetzt eine gewisse Verschlechterung in unserer Wirtschaftslage zeigt. Ein solches Auf und Ab ist in der Wirtschaft unvermeidlich. Denn ein derartiger Aufstiea der Konjunktur, wie wir ihn im vergan­genen Jahre gehabt haben, muß auch einmal zum Stillstand kommen: damit sind aber dann unver- weidlich gewiffe Rückschläge verbunden.

Was bagcaen unser wichtigste« Ziel fein muß, ist, un» In der Gestaltung unserer Wirtschaftslage wie­her unabhä ngiger vom Ausland zu machen. Das ist nicht leicht, bedarf auch geraumer Zeit, aber mir sind auf dem Wege dazu Unter den Staaten Europas hat noch kein Land die Wirkun- gen und Nachwirkungen des Weltkrieges ganz über­wunden. Wir dürfen aber doch von uns mit einem

gewissen Stolze sagen, daß Deutschland zu den Län­dern gehört, die trotz aller noch vorhandenen Schwie­rigkeiten in ihrem wirtschaftlichen Wiederaufbau in den letzten Jahren mit am meisten geleistet und mit am meisten erreicht haben, und zwar unter wesent­lich schwereren Verhältnissen als andere Länder. Das bisher Erreichte gibt auch die Gewähr dafür, daß wir auf diesem Wege noch weiter kommen werden. Rückschläge, die eintreten und im allgemeinen un­vermeidlich sind, werden ebenso wie olle Schwierig- feiten, die überwunden werden müssen, nur ein An trieb zu um so emsigerer Tätigkeit sein. Denn erst, wenn die Verhältnisse sich ungünstig gestalten, kann auch der einzelne zeigen, was er zu leisten vermag. Es bedarf keinen übertriebenen Optimismus, son­dern vielmehr nur eines Blickes auf das, was bei uns in den letzten Jahren erreicht worden ist, um der weiteren Entwicklung der Wirtschaftslage bei uns durchaus zuversichtlich gegenüberzustehen. .

Oberhessen.

Bedeutende Erfolge der oberhessischen Tierzucht.

Folgende Tiere, bzw. deren Besitzer, erhielten auf der Wander-AuS st ellung der Deutschen L a ndw i r t s ch a f t S»G e s el l- schäft sD. L. G.) in Leipzig hohe Auszeich­nungen :

A. DogelSbergerRotvteh: 1. Klaffe 57: Aeltere Bullen: 1 b-Preis Bulle An­ton vom Versuchsgut der Landwirtschaftskammer Selgenhof bei AUrfajftein; 3. Preis Bulle Oskar der Gemeinde Hattenrod. 2. Klaffe 6 0: Aeltere Kühe t n Milch: 2. Preis Robert Laubach auS Ober-Mockstadt: 3. Preis Heinrich Münch, Großen-Buseck. 3. Klasse 61: Aeltere Kühe, erkennbar tragend: 4. Preis Aug SchmauS, Lindenstruth. 4. Klasse 62: Jüngere Kühe in Milch: 1. Preis Hch. Albach X., Burkhardsfelden: 3. Preis Altbürgermeister Deubel, Rudingshain. 5. Klasse 63: Jüngere Kühe, er­kennbar tragend: 4. Pr. K. Schmandt IV Steinberg. 6. Klasse 64: Färsen, er­kennbar tragend. 3. Preis Altbürgermei­ster Deubel, Rudingshain. - 7. Klasse 65: Gedeckte Färsen: 2. Preis Hch. Laubach, Obermockstadt.

Auf Die Sammlung der Oberhef fi­schen Herdbuchgesel lisch ast für Do- gelsberger Vieh konnte ein erster PrelS errun­gen werden.

In Milchleistung erhielt einen 2. Preis die Kuh des Züchters Robert Laubach. Ober­mockstadt.

In Fahrkonkurrenz mit anderen Höhenviehschlägen erhielten die Tiere von Hch. Münch I., Großen-Buseck. und Hch. Al­bach X.. Burkhardsfelden einen 1. Preis. Die Tiere von August Schmaus, Lindenstruth, und Karl Schmandt IV., Steinberg, einen 2. Preis, die Tiere des AltbürtzermeisterS Deubel. Ru­dingshain, einen 4. Preis.

B. Die Erfolge der Ziegenzucht wäret: geradezu glänzend. Die Smmnlung des Verbandes Oberhessischer Ziegenzuchtvereine er­rang den Siegerpreis des Deichs­ministerium» für Ernährung und Landwirtschaft in Höhe von 250 Mark und den la-Prris.

Klasse 1: Aeltere Böcke: la-PreiS und Ehrenpreis Gemeinde Sich: 1 bereis und Ehren­preis Gemeinde Großen-Buseck: 2a-Preis Zucht­station Schwarz: 3. Preis Gemeinde Angenrod: Anerkennung Qtemetnbe Dieder-Weisel.

Klasse 2: Jüngere Böcke: lb-Preis Gemeinde Lauterbach: Anerkennung Gemeinde Maar.

Klasse 3: Ziegen (vor dem 1. Januar 1926 geboren): la-Preis und Ehrenpreis Ioh. Kröckel, Reuters: lb-Preis und Ehrenpreis Lud­wig Scharch II, Windhausen: 2s-Preis Hch. Rau IV, Hattenrod: 2b-Preis Otto Köhler, Ober- Breitenbach: 2c-Dreis Hch. Rühl II, Utphe: 4d-Preis Hch Wagner ill, Großen-Buseck: 4c* Preis Hch. Köhler, Frischbvrn: Anerkennungen K. Geiß, Windhausen, und Hch. Martin III, Wwe., Maar.

Klasse 4: Ziegen (nach dem 1. Januar 1926 geboren): 1. Preis und Ehrenpreis Lud­wig Scharch II, Windhausen: la-Preis Peter Schmitt, Wwe., Wallenrod: 4b-Preis Jakob Schimpf, Rieder-Weisel: Anerkennungen Ioh. Schmidt II, Maar, und Karl Kaiser, Trais- Münzenberg.

Die Ziegen-Sammlung bestand aus 25 Tieren: davon gehörten zum KreiSziegenzuchtverein Gießen 7, Alsfeld 8, Lauterbach i und Friedberg 3 Tiere.

Landkreis Giessen.

£ Wieseck, S.Juni. Aue dem Gemeinde­rat: Bürgermeister Schomber begrüßte zu­nächst den Vertreter des Gießener städti- schen Elektrizitätswerkes, Dlpl.-Ing. Kunzemüller, der als Sachverständiger zum ersten Punkt der TagesordnungErweite­rung des elektrischen Ortsnetzes" er» schienen war. Der Vorschlag des Bürgermeisters, den zweiten und dritten Punkt der Tagesordnung in nichtöffentlicher Sitzung zu behandeln, wurde abaelehnt. Hierauf sprach Dipl.-Ing. Kunze- muller über die Erweiterung des Ortsnetzes. Er gliederte seine Ausführungen in zwei Teile, und zwar erstens technischer und zweitens finan­zieller Art. Zum ersteren machte er darauf auf­merksam, daß die Gemeinde Wieseck auf die Dauer nicht mit zwei Transformatorenftationen durchkommen könne, da daS Ortsnetz bereits überlastet sei und eS der beste und billigste Weg für Wieseck ist, eine dritte Station zu errichten. Sodann muh Station 1 unbedingt (auS Sicher­heitsgründen) außerhalb deS OrtSbarlpfanes ge­legt werden. Hierzu wirb von dem Redner der Vorschlag gemacht. Station 1 an die Marburger Strahe-Möserstraße in der Rahe deS Gemeinde- wasferwerks zu verlegen und die neu zu bauende Station 3 am OrtSeingang. Gießener Sttaße zu errichten. Sodann teilte er mit. daß daö neue Retz, sowie bas Reh nach Allen-Bufeck nach den neuen technischen Grundsätzen mit Hänge­isolatoren auSgestattet werben soll. Der Kosten- Voranschlag vom Werk beträgt 17 500 Mk.: ent­gegenkommend wolle die Stadt, genau tote bei anderen Gemeinden, die Hälfte der Kosten über­nehmen, wenn auch der Vorschlag der Stadt nicht den Grundfätzen der Provinz, Hebernahrne der Kosten durch die Gemeinden im Verhältnis 1 -u 2 (gleich ein Drittel Provinz und zwei Drittel Gemeinde) entspreche Gegen den techni­schen Teil hat der Gemeinderat nichts einzu- I wenden, er ist jedoch mit dem Dorschlaa der Stadt auf Hebernahrne der Hälfte der Kosten

nicht einverstanden, vielmehr stellt er sich all­gemein auf den Standpunkt, daß doch jeder Unternehmer und Rutznießer eines Betriebes auch für die Erweiterung seines Betriebes auf­kommen müsse und nicht kurzerhand diese Kosten auf den Verbraucher abwälzen könne. Grund hierzu sieht der Gemeinderat in den hohen Einnahmemöglichkciten der Stadt durch das Werk, das doch eine sehr gute Steuerquelle der Stadt sei. Hm jedoch die Angelegenheit auS der Welt zu schaffen, will die Gemeinde ein Drittel der Kosten übernehmen. Herr Kunzemüller konnte hierüber keine Zusagen geben, da et über keine Vollmachten verfügte, er wurde aber vom Bürgermeister Schomber gebeten, das Ab­stimmungsergebnis seiner vorgesetzten Behörde mitzuteilen Eine Forderung der vereinigten Schreinermeister bett. Erhöhung des Prei - seS für die Särge bis zu 25 Prozent, infolge höherer Holzpreise und Arbeitslöhne (bcfannHfa) ist in Wieseck das kommunale Bestattungswesen eingeführt), wurde dahin beantwortet, daß die Särge neu vergeben werden sollten bei vorheriger PreiSeinholung. Dem Gemeinderat soll in der nächsten Sitzung Vorlage gemacht werden. Heber daS Ba ckhaus an der Gießener Straße liegt ein Gutachten des Hochbauamtes vor, das besagt, daß die Reuerrichtung etwa 5000 Mk. kosten würde: da daS alte Backhaus immer noch eine Lebensdauer von 20 Jahren aufweise, müsse der Gesuchsteller Haas den größten Teil der Kosten übernehmen. Der Gemeinderat über­gibt biefe Angelegenheit dem Bau- und Finanz­ausschuß zur 'Verhandlung mit Haas und ersucht um Vorlage zum endgültigen Beschluß. Der Anschaffung eines Sprengwagens wurde im Onmöe zugestimmt, jedoch sollen noch weitere Angebote über gebrauchte Wagen ein­geholt werden. Der Voranschlag der Gemeinde Wieseck liegt nun dem Gemeinderat vor und wird wohl im Laufe dec nächsten Woche der Gemeinderat Gelegenheit haben, sich damit zu beschäftigen. Der Bericht über den Vor­anschlag folgt in einer der nächsten Rwnmevn.

* Klein-Linden, 8. Juni. Arn Maiplatz rannte gestern Nachmittag ein etwa 50jähriger Mann namens y Ig e von Groß-Rechtenbach, der mit sei­nem Fahrrad die Lützellindener Sttaße herkam, mit einem andern, die steile Kirchstraße herunterkommen- ben Radfahrer zusammen. Älge kam zu Fall nnb 50g sich schwere Verletzungen an Stirn und Kinn zu. Er konnte sich jedoch noch sel­ber in die Gießener Klinik begeben, wo er ver­bunden wurde.

: Aus dcmBusecker Tal, 8. Juni. In die­ser Woche hat man mit dem Setzen der Hackfrüchte begonnen. Der Erdboden war stark ausgetrocknet, doch der ersehnte Regen ist zur rechten Zeit gekom­men. Die Setzpflanzen sind so stark entwickelt, daß sie vereinzelt werden muffen. Hier und da wandert auch schon der Heurechen hinaus auf die Wiese. Vereinzelt hat auf abseits gelegenen Wiesen der Heuschnitt begonnen. Wenn das Wetter hilft, verspricht die Heuernte einen guten Ertrag.

V" Mainzlar, 8. Juni. Gestern fand hier die erste Heugrasversteigerung statt. Die Beteiligung war gut, dementsprechend die Preise auch ziemlich hoch. GS kosteten je nach Qualität das Stück 1,00 bis 8,00 Mark. Durch den Hm stand, daß unser Wiesengrund immer mehr versumpft und dadurch die Grasbestände versauern, wurden für die Stücke in höheren Lagen diese hohen Preise erzielt. Quantitativ scheint jedoch die diesjährige Heuernte hinter der vorjährigen erheblich zurüc^ubleiben. Mit der Ernte hatte man schon in ben Rebengärten begonnen, doch ist man nun mit dem einsetzenden Regen eifrig mit dem Setzen der Dickwurz und Krautpslanzen beschäftigt. Der Stand des Winter- und Sommergetreides ist ebenfalls gut. Leider tritt wieder der sog Getteidekäser in hohem Maße auf; überall auf den mit Winterroggen bestellten Grundstücken sieht man die von diesem Schädling kahlgefres- fenen Aehren.

Kreis Friedberg.

WSN. Friedberg, 8.Juni. In dem benach­barten Rodheim v.d. H. erlitt der Arbeiter Va­lentin Schneider durch kochenden Asphalt schwere Brandwunden. Er fand Aufnahme im Bürgerhospital zu Friedberg. Der Zimmer­mann nm rein von Ober-Erlenbach stü rzte beim Bau einer Scheune in die liefe. Neben schweren Kopfverletzungen brach er einen Arm und verstauchte sich beide Knie.

I S t e i n f u r th, 8.Iuni. Am 15. und 16.Juli veranstaltet der Gärtnerverein Stein > surth eine Rosenschau. Er trifft dafür jetzt die ersten Vorbereitungen und wird bestrebt sein, allen Besuchern etwas ganz Besonderes zu bieten. Im oergangenen Jahre war es ihm gelungen, bei der großen Rosenschau über 25000 Rosen in weit über 100 Sorten, von älteren bewährten Sorten bis zu den neuesten Züchtungen, in mustergültiger Ord­nung auszustellen.

WSN. R 0 d h e i m 0. d. H., 8. Juni. Hier wurde beim Bau einer Wasserleitung in einem Hofe ein Stein mit hebräischer Inschrift zutage gefördert. Es wurde festgestellt, daß es sich um einen G r a b st e i n aus der Zeit des Dreißigjäh­rigen Krieges handelt.

Kreis Schotten.

Schotten, 9. Juni. Der gegenwärtig so große Mangel an Pfarrern macht sich auch in einer Reihe von Gemeinden des evangelischen Dekanats Schotten in empfindlicher Weise be­merkbar, so daß das kirchlichgottesdienstliche Leben notgebrungen manche Einschränkungen erfahren muß. Die Pfarrei Mittel-SeemenNieder Seemen, welche feit dem kürzlichen Wegzug von Pfarrer flauer nach Landenhausen vakant ist, kann vor­läufig nicht mehr besetzt werden und wurde der Pfarrei Ober-Seemen zugeteilt. Dies hatte zur Folge, daß die Pfarrei Dolkartshain, welche bisher von Ober-Seemen aus pafloriert wurde, nunmehr non Herchenhain aus kirchlich bedient wird. Die schon feit längerer Zeit vakant» Pfarrei Eschenrod wird von Wingershausen aus miwersehen, ein Zustand, der auf die Dauer nicht haltbar ist: es verlautet, daß Eschenrod demnächst wieder besetzt werden soll. Bon Gedern aus wird Aur Zeit der Pfarrdienst in der zum Dekanat Büdingen gehörigen Pfarrei Wenings-Merkenfritz versehen Alle dies» Notmaß­nahmen bringen es mit sich daß die mit den Ver­tretungen beauftragten Geistlichen sehr stark über- lastet und oft kaum in der Lage sind, allen An- forberungen gerecht zu werden. Die Gemeinden muffen daher in gebührender Weise darauf Rücksicht nehmen und diesen Notzuständen Verständnis ent- gegenbringen.

Laub ach, 8. Juni. Mit dem dritten Tag des I diesjährigen ,Au »schuß-Festes", de» Lauboch«

Nationalfestes, das 00m 10. bis 12. Juni ftaitfxnM, soll wieder, wie zum erstenmal im vorigen Jahr, ein großer Prämienmarkt verbunden werben, mit Verlosung von drei Stück Rindvieh und vielen land- und hauswirtschaftlichen Gegenständen. Bis heute sind schon 95 Stück Vogelsberger und 115 Stück Simmentaler Rindvieh, sowie 50 Ziegen ange­meldet worden. Man darf jedoch mit einer noch grö­ßeren Zahl von Bicb rechnen, da erfahrungsgemäß viele Leute sich erst irn letzten Augenblick zur Teil­nahme entschließen können. Wie schon berichtet, wurden durch die hiesige Freiwillige Feuerwehr be­reits 23 Mitglieder für die Freiwillige Sa­nitäts-Kolonne angemeldet. Diese gemein­nützige Bereinigung ist nun gegründet. Zum Ko­lonnenführer wurde Fabrikant Philipp Repp, zum Rechner Beigeordneter Pitz, zum Kolonnenarzt Dr. M a f f i n g gewählt. Sin Probeichießen des hiesigen Schutzenoereins auf den neuen Schieß st finden am Ringelsderg, die am 15. Juli bei Gelegenheit des 30jährigen Jubiläums- schiebens des Gauoerbandes geweiht werden sollen, hat ergeben, daß die neue Anlage ihrem Zwecke bestens entspricht.

Zx M Ittel-Seemen, 9. Juni. Dieser Tage verabschiedete sich von feinen beiden Gemeinden Mittel- und Rieder-Seemen unser OAsgeistttcher Pfarrer Satter, nachdem er über 3 Jahre in unserem Kirchspiel gewirkt hatte, um die ihm übertragene Pfarrstelle zu Landenhausen bei Lauterbach zu übernehmen. Pfarrer Latzer war während ferner hiesigen Tätigkeit mit großem Eifer und selbstloser Treue seinen dienstlichen Verpflichtungen in Predigt, Hnterricht und Seelsorge nachgekommen und erfreute sich wegen seines allezeit freundlichen Wesen« und wegen seiner ernsten Berufsauffassung der größten An­erkennung und Wertschätzung. Seine beiden Ge­meinden werben seiner stets dankbar gedenken und begleiten ihn und seine Familie mit den besten Wünschen in fein neue« Amt.

Rheinhessen.

WSN. M a i n , 8. Juni. Der westliche Haupt- türm des Domes ist nunmehr gerüftfref ge­worden. Auch an den oberen Teilen vom Westbau und Langhaus sind die Arbeiten vollendet. Dagegen wurden der von Häusern umbaute und infolgedessen weniger sichtbare Ostbau und die Seiten­bauten neu eingcrüstet. Im Innern des Dornes sind noch Ausbesserungen im Gang. Die Steinarchitektur soll durch geeignete Tönung zur vollen Wirkung gebracht werden.

Preußen.

Kreis Marburg.

][ Marburg, 8. Juni. Die hier wohnenden Eheleute Superintendent a. D. Ludwig ® 6 - b c l und Frau, geb. Reinhard, begehen morgen die seltene Feier der diamantenen Hoch­zeit. Der Gatte ist 86. seine Frau 82 Jahre alt Beide erfreuen sich noch geistiger und kör­perlicher Frische.

Mainga«.

WSR. Frankfurt a. M. 8. 3unL Am Fronleichnams ttme wurde zwischen 9 und 11 Hbr im Parterrestock des Hauses Kittierstrahe 38 ein Einbruch verübt. Die WohnungSinhaber hatten auf kurze Zeit die Wohnung verfassen. Der Täter brach eine Glasscheibe der Tür des in den Garten hin abführenden Balkons ein, wodurch er die Türe von innen öffnen konnte In der Wohnung entwendete der Täter außer einem kleinen Geldbetrag Kleidungsstücke im Werte von 350 Mark. Bei der Absetzung des Diebesgutes wurde er heute früh hier von der Kriminalpolizei verhaftet. SS handelt sich um einen erst vor wenigen Tagen aus dem Zuchthaus entlassenen Verbrecher.

Gießener Jugendgericht.

In der jüngsten Sitzung deS Jugendgerichts wirkten als Schöffen mit August Friedrich Rinn von Heuchelheim und Karl Vogt von Wieseck.

Ein junger Kaufmann von Gießen, der Mitte vergangenen IahveS erst eine Gefängnis­strafe von zehn Tagen erhielt, weil er in frivoler Weis« einen Feuermelder zerstört hatte es war ihm Strafaussetzung für den Fall der Be­währung bewUligt worben -- stand erneut vor den Schranken des Gerichts, weil er beschuldigt und in der Hauptsache auch geständig war. daß er seinem Prinzipal wertvollen Anzugsstoff ent­wendet und einem Fahrradhändler in Klein- Linden ein neues Fahrrad unterschlagen habe. Der frühreife junge Mensch, der auf guten Rat nicht Höri, dagegen offenbar schlechten Einflüssen zugänglich ist, muß sein Tun mit s e ch SW 0 ch en Gefängnis büßen, auf die drei Wochen er­littene Hntersuchungshaft ausgerechnet werden. Die zehn Tage Gefängnis für den zer­störten Feuermelder muß er noch verbüßen. Außerdem wird sich die Füri 0rgeerziehungsbe- hörde seiner annehmen.

Sin anderer junger Kaufmann hat aus einem Spaziergange im vergangenen Frühjahr durch leichtsinniges, an Vorsatz grenzendes Wegwersen von Zündhölzenr auSgcdörrten Dünger, der auf einem Acker tn der Äähe des Bergwerk^valdeS lagerte, in Brand gesetzt und dadurch zerstört. Er erhielt wegen Sachbaschäbigunp eine emp­findliche Geldstrafe und wird den ange­richteten Schaden zu ersetzen haben, den der Eigentümer auf mehrere hundert Mark bezifferte.

Sin äußerst betrüblichem Bild jugendlicher Der- derbtheit, wie es glücklicherweise zu den großen Seltenheiten gehört, bot die Verhandlung gegen vier jugendliche Angeklagte wegen fortgefetzten E i n 0 r u ch S 0 i e b sta h l s, Sachbeschädi­gung und Hausfriedensbruchs. Im Februar 1928 wurde in einer großen Zahl von Garlenhütten dieSseiiS und jenseits der Lahn eingebrochen und den Eigentümern der Gärten und Hütten «um Teil ganz erheblicher Schaden zuaesügl. Alle möglichen Gegenstände wurden gestohlen, um von den Missetätern zu Geld ge­macht zu werden, beispielsweise Hosen, Kttttl, Frauenjacken. Blusen, Röae, Handtücher, Tisch­decken. Schürzen, Schuhbürsten, Tücher, Säcke, ein Uniform rod, Beile, rin Schloß. Spiritus und Spirituskocher, eine Rosenscher«, ein Holz­hammer und ähnliche- mehr. In frivolster Weise wurden an mehreren Gartenhäusern die Fenster oder Spiegel zertrümmert. Tassen, Flaschen, Bil- der und (bestelle -erschlagen, und in einem Falle wurden sämlliche Scheiben eines Mistbeetes cbx- geschlagen An mehreren Plötzen verrichteten die Angeklagten in den Hütten ihre Ttotburft und beschmierten die Wände mit Teer oder Farbe Es versteht sich von selbst, daß durch diese Akte unglaublicher Roheit die Gartenbesitzer, dir xum Xeu kleinere 2eute sind, ganz erheblich geschädigt