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Mr. U>9 Drittes Blatt

Stehener Anzeiger (Seneral-Anzeiger für ©terljeffeu)

Mittwoch, 9. Midi ,928

Wandem und weisen Bäder und Sommerfrischen.

Wittenberge.

Trübe Erfahrungen eines Reisenden.

Don Hans Scheffler-Breitenbach.

Ich steige m Hannover In ben mäßig gefüllten Berliner Lchnellzug. Sin ganz leeret Kupee ach. ich werde die vier Stunden wundervoll schlafen! Erst noch etwas Zeitung lesen, eine Zigarette - wohlig schließe ich bereits die Augen.

Da ein Angriff auf meine Aase. Ja ein Dust, ein impertinenter, tritt in» Äupec, sagt schon guten Tag Keine junge Dame, wie noch eben die Aase, kleine- Abenteuer witternd, ver­mutete - nein, ein junger Mann, golbenes Arm­band um» Velens. Mein alter Oberlehrer au» ferner Prima fällt mir ein. al» ein Mitschüler eine» Tage» leise parfümiert zum Unterricht ko», .Wer waS riecht denn hier! Ass! IZffffl Der Müller? S'.e mal einer a i! Ober vielmehr riech mal einer an! Ein junger Mann hat überhaupt nicht zu riechen weder gut, noch schlecht! Merken Sie sich da»!' Beinahe hätte ich au» der Erinnerung bei au» diese selben Sätze laut au meinem (gegenüber gefegt, das mich schon allo anfprang. .Entschuldigen Sie wann sind wir wohl in Wittenberge?"

.Ich fahre bi» Berlin. Da müssen Sie schon einmal auf dem Lehrter Bahnhof fragen, denn Wittenberge liegt ja wohl an der Hamburger Strecke."

.Jaja Ich steige aber schon in Stendal um. Wissen Sie vielleicht, wann wir in Stendal sind? Oder waren Sie überhaupt noch nicht In Wittenberge?"

Ich bedauerte, bislang in meinem Geben durch diese Stadt stet» durchgesahren zu fein. Ich kniete mein Innerste» tiefer und krampfba ter in meine Zeitung.

.Wittenberge must ganz hübsch sein. So etwa» ist natürlich vom Daß: hol aus nicht zu beur­teilen 1", schost mein Gegenüber zu einem neuen Angriff vor. .Früher verwechselte ich e» übrigen» immer mit Wittenberg. Da» liegt einem ja näher. Luther und die 93 Thesen.

.95 Thesen!", verbesserte ich unwillkürlich, ärgerlich über mich selbst, nun doch wieder in ein Gespräch eingefangen zu sein, und klebte meine Augen noch hartnäckiger in die Zeitung.

.Ob Dr Luther bei den kommenden Wahlen auch kandidieren wird? Würde mich intereffie« Den."

Ich vertiefte mich in die Seite brr Heirats­annoncen Jede angebotene Partie schien mir begehrenswerter al» alle ReichStagSkandibaturen zusammen.

?Aa. eine Wahlversammlung werbe ich ia in'Wittenberg, ich meine: Wittenberge auch mtt- machen. obgleich man ja schon vorher weist, wa» blefe Herren zu reben und zu versprechen haben. Wenn nachher die Hälfte von dem gehalten wird ob wir übrig.n» in Lehrte halten l Meisten» fährt dieser Zug ja durch - auch durch Oebis­felde Da» übrigen» vom Bahnhof aus fast wie Wittenberge aamutet. Dlelleichi daß es am Änotenpunlt überhaupt liegt Wieviel Einwohner mag Wittenberge haben?"

Ich beschränkte mich auf ein mdglichst lieben»- würdige- Achselzucken und entschloN mich defini­tiv für die 1,70 Meter große. 22jährige, bell» blor.be Haustochter mit guter Aussteuer and späte rem kleinen Dermög.n auS Walsrode.

.Ich hatk vor dem Kriege mal entfernte Ver­wandte In Wittenberge Sind natürlich längst tot. Und wer dachte damal» daran, je Im Leben nach Wittenberge zu kommen! Es ist eben nicht» unmöglich. Wieviel Minuten Aufenthalt werde ich wohl in Stendal haben?"

Wein Achselzucken ward schon konvulsivischer bl» zum Wehtun. .Der Schaffner, der gleich kommt, kann Ihnen gewih jede gewünschte Aus­kunft geben." Indessen mein Gegenüber schien den Schaffner für solch eine Respektsperson zu halten, hast er ih, mit keinerlei Frage ,be- tätigte.

.Ist d.r Dabnfteig in Stendal eigentlich recht- öder linkS?", Hub ein neue- Trommelfeuer von Fragen wider mich an. .In Wittenberge liegt

3m Banne der Tatra.

Don Hilde Xeimefch Oominit.

Achthundert Jahre sind vergangen, feit es den Dcuischen am 'Aiedcrrhem, in Hessen, Schlesien, Sachten unter dem Druck der Fürsten unü ge ft- lichen Herren zu enge wurde in dcr Heimat, al» ihr Freiheitsdrang sie lüdoftwärt» führte, wo fie un­ter den Karpathen haltmachten Der erste Teil die- fer Taufende von wandernden Deuifchen blieb auf der Zipfer Hochebene im Angesicht der Hohen Tatra, die sich erhaben wie ein Thron Gottes am Runde-, diefer Hochebene aufbaut. Koloniftenlos' Roden, Urbarmachen, Darben, Sterben. Und wenn das Lnnd anfängt. Frucht zu tragen es verteidigen mit Leib und Leben gegen die gierigen Horden des Ostens. Dörfer, Städte wachsen. Ungarischer Könige Huld fordeN den Deutschen, den Lehrmeister der Magyaren und Slawen Handwerk, Handel, Kunst heben da» Land zur Kulturhohe Krieg. Pest, ooli- kische und religiöse Wirren vermindern den Wohl stand, entdeutschen das Volk. Ganze Dörfer werden slowakisch Trotz alledem das Deutschtum unter her Tatra war nicht auszurotten. Auch dem neuen Herrn, dem Tschechen, wird es nicht gelingen. Der Zipfer Sachse ist ein D utscher, und seine Herzens- he.mat ist^das alte, groje ungarische Vaterland

Zipfer Städte! Unter dem Banne der Tatra- berge seid ihr geworden. Ihre Schwermut teilen sie euch mit; ihre Schönheit tragt ihr wie Kronen. Felka, Poprad-Deutichendors, Iglo. Bela, Kirch draus, Leibitz, Kesmark und Leutichau; die beiden letzten ehemalige königliche Freistädte.

Kesmark, die deutscheste Stadt der Zips (denn in allen macht sich heute mehr oder weniger das Slowakentum breit), wie ruht sie hinqefchmiegl in den hügeligen Wellen des fruchtbaren Landes, welch eine reizende Silhouette mit dem zierlichen Barock­turm des Rathauses, der altehrwürdigen Heiligen Kreuzkirche, dem gefch chiefchweren Tökölyfchloß. Wie prächtig die dunklen schindelgedeckten Dächer und Giebel sich abheben von dem Dust des nicht allzu fernen Gebirgszuges, der wie ein stolzes Diadem die

er. glaub' ich. link». Aber bei so einem Knotenpunkt nut so vielen Gleisen kann man da» ja eigentlich nie wissen. Wie die Gleise eben Irei fi b. Jaja Komisch. Ober eigentlich natürlich. In Bitterfeld erlebte ich einmal

Die hellblonde HauZiochter, das Psingstalück ersehnend, mußte, mu f. mu )te entzückend fein! Sie war noch mal so entzückend das stand für mich lest

.E» regnet schon wieder. Aber in Wittenberge kann da» Wetter ganz gut fein. Liegt ja auch nördlicher. Stendal liegt glaube ich. direkt süd­lich von Wittenberge. Und Wittenberge liegt wie Wittenberg an der Elbe. Das heißt eigentlich doch nicht. Woran liegt denn Wittenberge? Sehen Sie das wissen Sie nicht! An der Stepenitz. die bei Wittenberge in die Elbe fliestt. Aakürlich kein sehr grostor Zlust. Ich meine die Stepenitz. Aber im verga,gen en Jahr ober war c» vor zwei Jahren?, sind doch drei Kinder drin ertrunken."

Wider Willen funkte mein Auge nicht daS girinaftc an Mitgefühl, sondern eitel Menschen- hast hinüber.

.Gottlob werde ich ja nicht lange in Witten­berge zu bleiben brauchen. Aber für einige Wochen werde ich mich doch wohl einrichten müssen." Hier erwartete mein Gegenüber be­stimmt eine Frage warum und wieso denn?

Ich enttäuschte bitter, viel bitterer, al» c» die Schololab.' war. über die sich jetzt die Wut meiner Zähne h r nachte hellblond.' Haus- locht r mit Ihre n P i -.gftglüd allein scha ite e» nicht mehr. .Natürlich habe ich für Wittenberge einige Smpfehlu gen die besten, wenn ich fo fag::i darf. Habe' Sie gar keinen Bekannten in Wittenberge, an Den Sie mich freundlicher­weise empfehlen könnten?"

Ich war längst zum großen Bombenwurf bereit Ich muhte erplodieren bevor wtr noch nach Stendal kamen. Langsam schraubte ich an meinem geistigen Zünder Jetzt jetzt jetzt ein­undzwanzig zweiundzwanzig dreiund- zwanzig :

.Ja an mich selbst vielleicht den Reichs­tags-Kandidaten von Wittenberge!', log ich mit breitester Stirne lo» mit dem triumphalen Ergebnis, dast mein Gegenüber bi» Stendal fein Wort nicht wieder?and.

Warum da- alle» zu Papier gebracht?, nörgelt der eine oder andere Leser längst los. C. lieber Mitmensch, du weiht vielleicht gar nicht, daß auch du bisweilen in der Eisenbahn solch ähn­lich redselige» Gegenüber bist. Selbst wenn du cS im Augenblick nicht wahr haben willst - die Moral kannst du dir getrost hinter die längst trocken gewordenen Ohren schreiben!

Die Kunst -es Reisens.

praktische Winke für die Dame unterwegs.

Don Paula Messer-Platz.

Wenn einer eine Reise tut, so kann er was er- zählen" ob es freilich immer etwas Angenehmes fein wird, das ist fraglich. Denn auch das Reifen will gelernt fein Und selbst, wenn man das Schwie­rige glücklich gelöst hat, ein richtiges Reiseziel aus- zusuchen und die besten und prakt.schsten Reisewege dahin zu finden, so ist noch längst nicht alles getan, um die Reise zu einer genußreichen Erholung zu machen. Etwas zuviel Gepäck etwas zuwenig Gepäck und schon ergeben sich hundert Unzuträg- lichkeiten und Aergerlichkeiten, die das Gemüt be- schweren und den Beutel erleichtern, auf jeden Fall die Reisefrohstimmung verderben Heute ist aber fast immer solch eine Erholungsreise, sei es für die be­rufstätige Frau, fei es für die abgehetzte Hausfrau, eine fo fchwererrungene, langersehnte, oft bitter­nötige Sache, daß her Erfolg nicht durch wichtige Unwichtigkeiten gefährdet werden darf.

So |oU denn hier von einer Reiseerfahrenen etwas über die Kunst des Reisens verraten werden, das heißt in diesem Falle: wie mache ich es mög­lich, etwa 3 bis 4 Wochen unterwegs zu sein, nur einen leichten Blukenkoffer als Gepäck zu haben und dennoch für jede Witterung und für jede Tageszeit paffend gekleidet zu fein? Denn es gilt für das Reisen im Inland und noch viel mehr für das im Ausland: auch die ältere Dame sollte ihr Gepäck so einrichten, dah sie es mühelos selbst zu tragen ,m- stände ist; nur dann reift sie billig, unabhängig und reibungslos.

Wer viel reift, begreift, warum die praktische Engländerin immer mehr der feineren Dollkleidung zuneigt, die heute ja auch von der Mode mehr und mehr bevorzugt wird Schon beim Reisekleid fange man damit an Man wähle etwa dunkel­grünen ober dunkelblauen feinen, leichten Woll- stoff, aus dem Mantel und Kleidkasack gefertigt wer­den DasKleid" besteht aus dieser ziemlich langen Kasack, au deren Verzierung mit schwarzen Seiden borten der schwarze, leichte, seidenartige Rock gut harmoniert, wobei das Ganze durchaus den Ein- druck eines zusammengehörigen Kleides machen soll Als Hut eignet sich am besten ein Filzhut in zartem Pastell grün, in Blau ober in heller Beigefarbe, wie er heute für jebe Jahreszeit und zu jedem fflelb ge­tragen werben kann

i)iefe» Komplet dient sowohl als Reifekostüm wie auch mit eleganten Handschuhen, Spangen­schuhen und farbig seinem Halcscha! als Irot- teur* und Besuchsanzug. Der leichte und weite

Regenmantel muß bei schlechtem Wetter darüber getragen werden können. Auf der Reise schnallt man ihn auf den Handkoffer, um ihn nicht über den Arm nehmen zu müssen, denn eine Hand soll un- I bedingt frei bleiben für das Fahrkarten-Abgeben, | für das Bezahlen und ähnliches Darum muh auch der Schirm mit abgeschraubtem ör ff, falls es noch kein moderner, kurzer ist auf die obere Schmalseite des Handkoffers geschnallt werden Auch das uns Frauen unentbehrliche Lederhandtäschchen muß unbedingt an den Handgriff des Dlusenkoffers feftaemacht werden, zum wenigsten während des Umsteigens. Am bequemsten mit zwei kleinen, schma­len Lederriemchen wie die Anhängeadresien des Kosters. Auf diese Weise Ist sowohl dem Liegen- lasten oorgebeugt, wie dem Gestohlenwerben ober dem Entreißen. Eines freilich muß hier gesagt wer­den: wenn wir Frau Mode auch alles zugestehen, wenigstens auf der Reise wird sie uns gestatten müssen, im Innern de» Mantels bester noch Im Kleid eine, wenigstens eine eini ge, gut ver- schüeßbare Tasche zu haben, die Reisepaß und Hauptkastenbestand enthält Auch diese Dinge In der Handtasche zu verwahren, ist ein Wagnis, das sich bitter rächen kann.

Auf der Reise ist man ost gezwungen, mit jeder Minute zu rechnen, insbesondere, sich nach einer Bahnfahrt oder nach einem Ausgang rasch zu Tisch fertigzumachen. Zu solch raschen Umkleidungen eignet sich das oben beschriebene Reisekleid vorzüglich. Mit einem Griff ist die wollene Kasack abarftreift und eine seidene übergezogen, die zur Abwechslung auch die Form eines Jumpers haben kann. Man wähle dazu etwa pastellgrüne ober kornblumenblaue lichte, einfarbige Seibe, so daß er auch unter den Mantel als eleganteres und leichteres Komplet getragen werden kann Roch eine weitere Berwanhlungsmäg. l ch'eit birgt unser kle-ner Soffer n.im'id) eine schwor,zsnmtene Smokingsacke, die vorne über einer kleinen, farbigen Brokatweste mit zwei Schmuck knöpfe" schließt Die ganze Zusamme"stellung wirkt äußerst vornehm, eigenartig und stilvoll

Eigentlich kann man m t diesen wenigen Klei- dungsstücken auskommen, besonders, wenn ein bis zwei we.ße, waschleide"e Iumperblusen dazu mitge- | nommen werden, Ne sich M't einer kleinen schwarz- | weißen Phantasie für Krawatte oder Kragen zu hem schwarzen Rock tragen läßt. Immer muß natürlich und vor allem m't der Jahreszeit her Reise gerech nef werden. Hat man sich auf heiße Sommertage

ein zurichi, n. so kann ein weißer Doll- ober Selben- rock gute Dienste tun. Mit ihm zusammen ergeben die weihen Blusen eine für lebe tage »tut palier.be Kleidung Oe» Bormittag» laßt sich auch diese» we he Ensemble mit einem modernen, farbigen Lebergurtei unb gleichfarbiger Krawatte tragen, de» Abend» erg bt es ebenfalls einen paffenden Anzug, wenn e» m<t einem der jetzt fo beliebten großen, farbigen Seidenfchals kombiniert wird

Will man auch für Sport oder wenigstens für größere Touren unb Wanderungen gerüstet fein, fo eignen sich dazu hm besten die aus fe.nfter Wolle g strickten Iumperkleider. In den Rock sollen m g- lichst zu beiden Seiten zwei tiefgelegte Falten ge­arbeitet (ein, die nach unten zu ouffpnngen unb damit bequeme» Ausschreiten, Steigen unb weite Sprünge erm-glichen Diese Kleidung ist mollig warm, eignet sich aber trotzdem wegen ihrer Rein­heit und Leicht gkcit auch sur die warme Zeit Solch ein Kleid wiegt nur etwa 650 Gramm Nimmt man zu einer Wanderung noch eine da zu postende Sport­jacke mit und, wenn notig, den Regenmantel, lo st man für alle Möglichkeiten gerüstet Die festeren Holdschuhe, die man zum Wandern braucht, zieht man am besten auf die Reise an. während man die leichteren, eleganteren Spangenschuhe empackt Zur Rot kann man damit auskommen, besonders wenn man sie in einem neutralenBlond" wählt, da­mit gleichfarbigen Strümpfen zu jedem Anzug paßt.

Run wäre noch die notice Wäsche einzupacken. Es ist vorteilhafter, Irgendwo einmal schnell da» Nötigste waschen zu losten, al» sich mit gar zuviel Wäsche zu belasten. Wenn man sich praktisch aus- stattet, kann man überdies auch mit der Wasche weit länger auskommen, als man für gewöhnlich glaubt, t oi allem benütze man nur Hemd holen Einmal sii d sie bei der heute geforderten Schlankheit vorteil­hafter; dann nehmen sie weniger Platz und Gewicht im Koffer weg, und schließlich kann man mit ihnen, die aus allem möglichen Material zu haben sind, sich her Witterung besser anpossen. Freilich soll die Hemdhose nur mit eingeknopstem Schrittbond ge­tragen werden, das öfters gewechselt wird und das man sich ebensogut wie die Wälch?trög.-r, Strümpfe und Taschentücher selbst herauswälcht. Hemdhosen sowohl wie Untertaillen sollten aus­wechselbare Träger haben So vorgesehen, kann man beide» selbst auf der Reise eine Woche lang trogen, zumal Badegelegenheit oder wenigsten» warme» Wasser letzt l'sl überall zu haben Hl Ihn sich trotz her beschränkten Kleiderauswohl der wechselnden Witterung anpasten zu können, soll unbedingt we­nigstens eine reinwollene Hemdhose und eine wärmere Schlupfhose mitgenommen werden, um an kühlen Tagen die leichte zu ersetzen. Denn ge­rade bei der heutigen Mode der hünnen ©trümofe und kurzen R 'cke ist es gesundheitlich von höchster Bedeutung, Jld) darunter warm zu halten.

Damit wäre alles aufgezählt, was an größeren Gegenständen notwendig ist. Richt unerwähnt soll bleiben, daß bei dieser gepocksparenden Art zu reisen hie vielleicht sehr eleganten, aber sicher lehr unpraktischen kombinierten Reiseetul» für Bürsten, Seife usw zu vermeiden lind. Sie nehmen viel zu viel Platz und Gewicht in Anspruch Es müssen Einzeletuis benützt werden, und zwar nicht au» Glas oder Metall, sondern aus hem leichten Zellu­loid. Einzeln losten sich diese Büchsen und Behälter in jede Ecke, in jeden Schuh, In den kleinsten Zwi­schenraum schieben. Ueberhaupt Ist ein Koster um fo besser gepackt, je voller er ist, d h, je genauer auch die kleinste Lücke ausgefüllt wird, so daß sich nichts mehr bewegen und verschieben kann Hier mögen oll die Kleinigkeiten als Füllung dienen, hie eine Dome auch auf kurzen Reisen nicht gern ent­behrt. So z. B eine weiche, anliegende Reisemütze. Sie schützt nicht nur den Kaps vor Schmutz, fie h-'t nicht nur die Frisur in Ordnung, sie erlaubt auch das Anlehnen im Eisenbahnwagen mit einem kleinen Schläfchen, ohne daß man Reinlichkeitsdedenken haben müßte. Und schließlich tut sie noch hochwill- kommene Dienste als Automütze ober als abendliche Bedeckung fürs Theater

Zum Schluß noch ein Wort über den Reisepro- oiant! In her °eit her ärztlich befürworteten hoffen, kuren, in der Zeit der sylphidenhasten Schlankheit braucht wohl kaum ermähnt zu werden, c» einen wenig guten Eindruck macht, wenn schon bei ber ersten Station die Schinkenbrötchen ausgew ckelt

Stadt überstrahlt. Kesmark ist für die Zipferdie Stob". Der Kesmarker Wochenmorkt zieht bas bunte Lanbvolk Deutsche, Magyaren, Slowaken, (Are­alen (polnische Grenzbeoölkerungl mit seiner toten unb lebenbigen Ware an. Kesmark ist Mittelpunkt de» modernen, werktätigen Lebens.

Wie anders Leu tschau! In ungarischer Zeit das Haupt des Zipfer Komitots, der Sitz der Be­hörden und Aemter, ist es heute durch die harte Hand der Tschechen zur Bedeutungslosigkeit herab­gebrückt. Rur seine herrlichen Bauwerke schmücken es unverwandt und legen Zeugnis ab von her Höhe der einstigen Kultur unb Kunst Die Jakobs- kirche, bic zur Zeit ber Relig onskämpfe abwechselnd protestantisch und katholisch war, bietet mit ihrer Inneneinrichtung einen ganz seltenen Kunstgenuß Drei Stilorten ringen hier miteinander Das Gold­filigran des 19 Meter hohen gotilchen Hauvtoltars steigt in die lichterfüllte Apsis empor; eine edel- deutsche, schmalgesichtige Madonna bannt Gläubige unb Ung'äubige durch ihr rätselhaftes, soft spötti­sches Lächeln. Fünfzehn Flügeloltäre zeigen in voll­endeter Stilreinheit Gotik, Renaissance und Barock. Wandmalereien, geschnitztes Gestühl und Epitaphien erregen hohe Bewunderung unb^ben den Ruhm deutscher Meister. D cht neben ber St. Iakobskirche steht das köstliche Rathaus n.it seinen doppel- ftxfigen Arkaden unb vielen kleinen Giebeln An Sommerabenben, wenn der Marktplatz wie ausge­storben baliegt, die Lampen sich in den Arkaden schaukeln, und der Mond über die zierlichen Giebel ftegt, schwebt eine köstliche Romantik über dieser einsamen, ber Dergange^heit hing gebenen Stobt. Dom Marktplatz schreitet man hie Straßen her­unter zur Bastei unb schaut rings ins Zipser Lonb mit seinen Hügeln, Lanbstrahen, Wölbern unb Ber­gen Und wenn man Glück hat, trägt ein klarer Himmel dos Bild ber Hohen Tatra wie eine ferne Fata Moroana

So im Wanbern burch bie Dörfer unb Stäbtchen ber Popperebene, immer bas rounberbare Bild des jäh aus ber Ebene emporsteigenden Hochgebirges vor Augen, wirb die Sehnsucht stark, einmal hin- einzubnngen in bie Geheimnisse ber Bergwelt, in

schwinbelnder Höhe, ihnen einmal ganz nahe zu sein, ganz vertraut Könige zu sein wie sie über dos fianb. Durch Frühdunst unb Hochwaldsrische geht es mit ber elektrischen Bahn hinaus zu den latrabäbern, bie sich in 1000 Meter Hohe im Halb kreis um das Gebirgsrnassio schmiegen Die schm- Stn, die bestgeleiteten sind deutsch Grund unb oben, Leitung, Kapital urb Persona! deutsch Alt-Schmecks an ber Brust ber Sch'agendor- fer Spitze, überkrönt von bem eleganten Lomnitzer Massiv, West er heim, geduckt unter die Wucht her Gerlsdorser Spitze, ber höchsten Erhebung -r Tatra, bas in tiefes Walbesrauschm gebe ? Hoch-Hoghy unb manch anderes noch.

Auf ber Terrasse bes Granb Hotels in Alt- Schmccks trinkt man seinen Tee. Bizarre alte Car- chcn heben ihr zerzaustes Haupt über gepflegte, blumenprangenbc Anlagen. Heber bie in ber Mor­genfrühe unter einem brodelnden Rebclmcer ruhende Hochebene schweift ber Blick bis zur Zipser Ma gura und dem G.m rrer Erzgebirge. Fester wickelt man sich in Mantel unb Schal unb b g nnt den Aufst eg. Im Kohlbachlal rauschen die Wastersälle, sprühen in kugeligen Duschen über zyklopische Gra­nitblöcke, brauten in kühnem Schwung über unsere Köpfe hinweg. Die sich unzählige Male von Ter- roste zu Terrasse ftürzenben Wassermassen kommen aus den fünf Seen, deren Anblick allerdings erst duich ft eilen Aufst.eg in die 2000 Meter-Höhe ver­dient fein will Hier liegen sie dicht nebeneinander in einem gewaltigen Gebirgskessel, von einer Schutz­hütte betreut In ihrem klaren Spiegel zittern bie Zacken der gewaltigen, büfteren Fklsenoreno, unb über sie hinweg entzückt uns eingerahmt burch die noch unten sliehenben Grote dos sanfte Pofkellbild der Zipser Hochebene. Und liebkosend unb gerührt haften unsere Blicke an den buntslim- mernben lupfen, an den schlängelnden Fluß- laufen Zipfer Städtchen unb Dörfer!

Ein andermal überwältigte uns Dunkelheit, als wir im ©albe»hämmer auf felsigem, wurzeldurch- zvgenem Weg bergauf, bergab zum Popperfee hin- strebten. Bald feile rauschende, bald tosend stürzende Dosterfäüe beleben eigen bie Hochwalbeinsomkert.

Um bie Gipfel, bie bisweilen über bem Weg er­scheinen, webt ein seltsames Leuchten. Roch verweilt bei ihnen der von den Menschei. bereits g.jchieöeoe Tag. Stolpernd geht es bergab. Da bringt durch die Tonnen dos traul che L ch, der Schutzhülle Aus geringer Tiefe blinfert der Poppersee Sogleich stei­gen die Wassergeister empor unb ziehen ihre Kre.se um uns. Magi ch schwimmt das g gantische Antlitz der Ewigen auf der dunkeln, blanken Wasserfläche; Z uk g und zackig führt ein scharfer Gral in den Rochchimmel empor, schwarz und riesenhaft fitzen die Sx-rje um den Sce Kein Mond erleuchtet den näcb*f dfen Himmelsraum, unb bennoch wogt in ber Luft eir seltsame», wie jenseitiges t ringt über bie zert.lsene östliche Wand, leuchtet, ohne zu erleuchten, gu Ut gle.chsam aus den fahlen, gräu­lichen Moosen der Berghalben, aus den schnecge- füllten Ritzen unb Senken dort oben. Stein VauL Ganz von fern lärmt unb poltert ein Wasserfall, Kronen hochgewachsener Tannen schwanken träume- risch, ein verschlafener Nachtw,nö spielt am Weg entlang in ben Wölb hinein.Sieh nur! flüstert es neben mir. Hinter jenen Zinken unb Zacken jfeht ber Abendftern hervor, groß unb bezw.ngenb. cdincU schwimmt er dahin, im See bleicht sein Widerschein w.e eine geheimnisvoll ber Tiefe ent- tauchte Blume.

Ernst, fast schwermül.g ist ber Charakter ber Tatra, schwer unb burchsurcht bas Anllitz der ewigen Berge, aber wonnigich^n blicken die Seen aus st.llen, abgrundtiefen Augen zum Wanderer empor. Wirft du sie jemals vergessen können, diese schimmernden grünen und schwarzen Seen7 Wenn tu ihnen Gedanken ber Erinnerung schenkst, wirb ihr Zauber dich umfangen wie bamals, als du ver­loren und weltoergesten an ihren Ufern saßest, den m Himmelshöhe kreisenden Fischadler zum Ge'öhr- ten deiner Einsamkeit und die Stunden des la- ges rauschten vorüber wie Minuten. Gebannt bleibst auch du von ber geheimnisvollen Macht der melan­cholischen Tatra, gebannt wie die deutschen Kolo­nisten einst, gebannt wie die Städte unb Dörfer im Angesicht ber Uralten.