Nr. 59 Drittes Blatt
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Zreitag, 9. März 1928
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Turnen, Sport und Sp»e,.
Kampfrichter für Ko»»..
-= Der Mittelrheinkreis der D. T. hat für das Deutsche Turnfest in Köln weit über 100 Kampfrichter und Riegen sichrer zu stellen. Daß es sich dabei nur um erste und erfahrene Kräfte handeln kann, ist selbstverständlich. Aus unseren Heimatgau Hessen ent'a len insgesamt neun Kampfrichter und Riegen, ührer. Als Ka -.Pfrichter sind vom Kreis angelordert: Gauoberturnwart Wich. Will (Giehen), Gaumänner- turnwart Martin Textor (Marburg), Dezirls- turnwart Schüler (Wetzlar). Eauvollsturnwart L u ck h a r d t (Marburg), Deziristurnwart QI. Bastian (Alsseld). Gausechtwart Gros (Marburg). Als Riegenführer sind genannt: Gau- kassenwart O e r t e l (Rieder-Wöllstadt), Gau- fronen turn toart Rudolf Paul (Gießen), Gau- fchwimmwart Sauer (Gießen).
Handball her O. T.
Eine Rückjpieloerpflichtuna bringt am nächsten Sonntag die beiden ersten Mannschaften des Dillenburger Turnvereins als Gast zum Männer-Turnverein. Bekanntlich wurde das Vorspiel der ersten Mannschaften vom Männer Turnverein hoch mit 8:2 gewonnen, während die zweite Mannschaft sich mit einem Unentschieden begnügen mußte. Auch beim Rückspiel wird sich die erste Mannschaft den Sieg nicht nehmen lassen, trotzdem sie mit Ersatz antreten muß. Die Zweite Dillenburgs wird sicherem Vernehmen nach diesmal Sieger bleiben, jedoch sind Ueberraschungen nicht ausgeschlossen. Man beachte die morgige Anzeige.
Spielabtcilung des Turnvereins 1846.
Nächsten Sonntag spielt die e r st e M a n n s ch a f t gegen die gleiche des Turnvereins Wetzlar, lieber den Ausgang des Spieles ist nichts vorauszusagen, da Wetzlar und Gießen zum Teil neue Leute eingestellt hoben und die Spielstärke beider Vereine nicht bekannt ist. Das Spiel findet auf dem Universitäts- Sportplatz statt.
D. T - Schwimmertagung in Gießen.
— Gießen ist am 3 1. März der Tagungsort für die Gauschwimmwarte des Mittelrheinkreises der D. T. Verbunden damit ist am 31. März und 1. April ein Lehrgang für Schwimmwarte und Vorschwimmer, der durch einen Vortrag von Llniversitäts-Professor Dr. Huntemüller (Gießen) eingeleitet wird.
Gauturntag des Gaues Hessen (O. T).
Der kommende Sonntag führt, wie kürzlich schon mitgeteilt wurde, die Turner des Gaues zu wichtiger Beratung in unsere Stadt. Es ist der 9 6. Gauturntag, der veranstaltet wird. Rach den Erfahrungen der Vorjahre dürfen etwa 200 Turnerabgeordnete aus allen Teilen Oberhessens und oer zum Gau gehörigen preußischen Teile QNthessens erwartet werden. Außer den Jahresberichten und Wahlen sind wichtige Beschlüsse zu tätigen. Die Beteiligung des Gaues am Deutschen Turnfest wird Gegenstand längerer Beratung sein. So dürfte die arbeitsreiche Tagung wieder reichen Gewinn für die Turnsache in unserem engeren Heimatgebiet bringen.
Handball Hessen«Hannover.
Der Meister von Hessen-Hannover, Kurh. Pol. Kassel, der letzthin von den Sportfreunden Siegen eine empfindliche 1:7-Rieder- lage hinnehmen mußte, muh am Sonntag in Münster gegen den D. f. L. M ü n st e r, Westfalenmeister, antreten. Der Westfalenmeister ist eine Reichswehrmannschaft, der gegenüber Kassel eher wird durchsetzen formen, als gegen die spielstarkeren Siegener. m. w.
Handball der Sp.-Dg. 1900.
ö. Zum fälligen Rückspiel wird am nächsten Sonntag im Anschluß an das Ligatreffen »Sport" Kassel — Gießen 1900 die Elf des Turnvereins Grohen-Duseck von den Spiel- vereinigungsleuten empfangen. Grohen- Duseck hat als A.-D.-T.-Meister des Lahn-Düns-
Lire ßoWenen Berge.
Vornan von Clara Liebig.
Copyright bh Deutsche Verlags-Anstalt Stuttgart.
9. Fortsetzung. Nachdruck verboten
Es war in der Neujahrsnacht, Simon Stemm fand keinen Schlaf, aber es war nicht der Magen, der ihn heute störte; Gedanken, die mit einer lästigen Dringlichkeit immer wieder kamen, hielten ihn wach. In den ersten Tagen des neuen Jahres waren schon wieder die Steuern fällig — er wurde sie nicht bezahlen können. Ob man sie ihm stundete? Ob sie ihm einer vorstreckte? Der Kreis, der Bezirksverband ihm vielleicht zu Hilfe kam? Es gab ja eine Winzer- kredithilfe. Aber es waren ihrer zu viele, denen es schlecht ging, noch schlechter als ihm; er konnte sich nur wenig Hoffnung machen. Dem Lösenich oben im Gäßchen, der vierzehn lebendige Kinder hatte, dem hatten sie das letztemal sogar die Kuh pfänden wollen, doch da hatten sich alle Nachbarn empört Der Skandal im Gäßchen war so groß gewesen, daß es dem Steuerbeamten bange geworden war. Er hatte dann dem alten Eichenschrank in der Stube sein Siegel aufgedrückt. Der Lösenich nahm das gar nicht so schwer, er stand dabei, die Hände in den Hosentaschen, und sah ruhig zu, wie der Beamte sich das beste Stück aussuchte. Aber ihm, dem Bremm, wie würde ihm so etwas sein?!
Der Mann fuhr sich mit beiden Händen an die Schläfen, er hielt sich den Kopf: hatte er denn nichts, was er jetzt schnell verkaufen konnte damit es ihm nicht ähnlich erging roie dem Lösenich? Gar nichts? Ihm wurde glühend heiß und dann sehr kalt: o ja, noch das Fuder im Keller.
Aber dieses beste Fuder losschlagen, jetzt, wo nicht günstige Zeit zum Verkaufen war, wo der Händler zudem drücken würde, wenn er m£rML'- mt!!? brauchte Geld -?! Ihm brach der Angstichwe.ß aus Die Preise waren sehr gefallen. Und ob es mit dem Most, der im Keller noch immer garte, was wurde? Die Beeren waren zu unreif gewesen, all den Zucker, den er zugesetzt hatte, der ihn fein letztes Geld gekostet, hätte er sich ersparen können. Der diesjährige Wein war und blieb sauer. Oh, daß er doch damals gleich unten am Berg an den Händler
oerggaues einen guten Ruf. die Mannschaft hat schon wiederholt bewiesen, daß sie recht gut im Schwung ist. Das konnten gerade die 1900er recht deutlich ersahren, indem sie im Herbst vorigen Jahren beim Vorspiel eine 9:6°Ri?der° lage hinnehmen mußten. Vor allen Dingen muß es die einheimische Hintermannschaft verstehen, die gefährliche linke Busecker Sturmseite in Schach zu halten. Andererseits sollte der Gießener Sturm, der zwei neue Leute ausweisen wird, imstande fein, am Gästewurfkreis Zählbares zu erreichen. Auf Grund besserer Ausgeglichenheit der einzelnen Mannschaststeile müßte daher der Plahverein das Treffen für sich entscheiden können.
Um die westdeutsche Meisterschaft.
Der Dezirksmeister von Hessen - Hannover, Kurhessen Kassel, steht bei seiner Teilnahme an den westdeutschen Endspielen gleich vor einer schweren Aufgabe. S in Gegner am kommenden Sonntag, 11. März ist kein ge ingerer als der Bezwinger des A!tm:ist.»rs D.ii bürget Spielverein, Preußen Krefeld, der Klub des Meister p i ters Hubert H o u b e n. Rach- dem Kurhe.sen sich aber im vergangenen Jahr so gut gegen die besten Klubs im Westen durchsetzte, geht man diesmal nicht ohne Hoffnung in den Kampf. S. C. 03 Ka sei als zweiter Vertreter des Bezirks bleibt in der ersten Runde spielfrei. Im allgemeinen ist noch zu sagen, daß die Spiele der Meisterrunde im Einrundensystem ausgetragen werden. Die Zweiten spi len eine Trostrunde im Pokalsystem (Verlierer scheidet aus). Man wird also den 03ern nicht allzuviel Hoffnung auf Verbleib in der Trostrunde machen können, in der Gegner wie Duisburger Sp. D., Schwarzweiß Essen. V. f. R. Köln usw. vertreten sind. m. w.
Um den Aufstieg zur 1. Bez.-Klasse Hessen-Hannover.
Die Spiele um den Aufstieg beginnen bereits kommenden Sonntag. Vom Lahnkreis ist V. f. B. Kurhessen Marburg als Meister beteiligt und trifft in R o r t h e i m auf den dortigen Club Spiel und Sport. Wenn auch die Marburger sehr spielstark sind, so haben die Rort- heimer auf ihrem eigenen Platz doch einen gewissen Vorteil. Da jeglicher Vergleich zwischen den südhannoverschen und den Lahnmann'chaften fehlt, ist eine Voraussage schwer möglich. Immerhin ist mit einem knappen Sieg des Lahnmeisters zu' rechnen. Am gleichen Tage stehen sich noch gegenüber 0 6 Kassel und Hessen Hersfeld.
Als letztes noch rückständiges Verbandsspiel aus der Lahnkreisliga findet am Sonntag die Begegnung Kirchhain gegen Herborn in Kirchhain statt. Für Kirchhain bedeutet ein Sieg die Einnahme bed fünften Tabellenplatzes vor dem anderen Reuling Frohnhausen. Herborn kann im Falle eines Erfolges auf den zweitletzten Platz kommen, ohne dadurch dem unvermeidlichen QEbftieg entgehen zu können.
Gleichzeitig kommt am 11. März das Rückspiel Riedergirmes gegen Dillenburg zur Durchführung. 3m Vorspiel blieben die Wetzlarer Vorstädter knapper 2:3-Sieger in Dillenburg. Der Ausgang des Spieles ist offen. 3m Falle einer Riederlage der Girmeser, die mit Ersah antreten müssen, wird ein Entscheidungsspiel nötig sein. Der Sieger tritt gegen den Marburger Gauvertreter, F. V. Breidenbach, an. Es handelt sich hier um Feststellung des Vereins, der in die 2. Dezirksflasse Lahn aufsteigt. m. w.
D. f. B.
Am kommenden Sonntag hat die Liga- Mannschaft zum ersten Male die Liga von Frohnhausen a. d. Dill zum Gegner. Die Gäste haben, obgleich in der vergangenen Saison erstmals der Kreisliga angehörend, in dieser eine recht beachtenswerte Rolle gespielt. Es
gelang ihnen sogar vor vierzehn Tagen, den Wetzlarer Sportverein mit 5:0 überzeugend zu schlagen. Auch ihr 3:3-Resultat gegen Ockers- hausen stellt ihrem Könn.n ein gutes Zeugnis aus. Die Platzmannschaft hat zu beweisen, ob sie als bisherige Dezirksliga einen besseren Fußball spielt als der Kreisliganeuling, dem der Ruf einer fairen und gut disziplinier.en Kampf» mannschast vorausgeht. Man sollte der ersteren auf Grund ihrer größeren Spielerfahrung einen knappen Sieg zutrauen, zumal sie den Vorteil des eigenen Platzes hat.
Die Ligareserve empfangt die gleiche des Wetzlarer Sportvereins zum Gesell- schastsspiel. Für einen Sieg der D. f. D.-Els ist Voraussetzung, daß sie sich besser zusammenfindet als in ihrem setzten Spiel gegen die Marburger Vereinigten.
Auch die Dritte trägt auf eigenem Platz ein Gesellschaftsspiel gegen die Dritte von Weh- l a r aus. 3hr sollte es weniger schwer fallen, einen knappen Sieg zu landen.
Ebenfalls den Wetzlarer Sportverein zum Gegner hat die erste 3 u g e n d e l f, die auf hiesigem Platz gegen die spielstarke W. S. V - 3ugend zum Diplomwettspiel antritt. Sie wird sich gehörig anstrengen müssen, wenn sie gewinnen will.
Die zweite und dritte Jugendmannschaften tragen in Leihgestern bzw. in Grohen-Duseck Diplomspiele aus.
Spielvereimgung 1900 Girßen.
ö. Rachdem die Spielvereinigung 1900 Gießen auf die Austragung der beiden noch rückständigen Meisterschaftsspiele der Ligaelf gegen den Wetzlarer Sportverein und „Oranie>i"-Frohnhau- sen (Dill) Verzicht geleistet hat, kann sie sich ihrem Privatspielprogramm widmen. Für die kommenden Sonntage sind Gesellschaftsspiele mit namhaften Gegnern aus dem Bezirk „Hessen- Hannover" abgeschlossen.
Als Erster tritt am kommenden Sonntag der B a l l s p i e l - C l u b „S p o r t" - K a s s e l an. Die Gäste spielen bekanntlich ein äußerst schnelles und wuchtiges Spiel, mit ausgezeichnetem Zusammenspiel, und werden damit auch sicher die Einheimischen auf eine schwere Probe stellen. »Sport"-Kassel gehört zu den führenden Vereinen der 1. Dezirksflasse.
Vor dem Ligaspiel trägt die Ligareserve 1900s ein Freundschaftsspiel gegen die 1. Elf vom Ballspiel-Club Sinn ans. Die Gäste stellen eine sympathische Elf, die über beachtenswertes Können verfügt.
Die 1. Jugend trägt ihr Diplomrückspiel in Riedergirmes aus, während die 2.1 u - gend gegen Wetzlarer Sportverein verzich - t e L Die 1. Jugendelf wird aus Spielern der 1. und 2. Jugend bestehen, da der Jugendausschuh 1900s einen großen Teil Spieler der beiden Jugendmannschaften sperrte, da sie ohne Entschuldigung dem Jugendheim-Opfertag in Heuchelheim fernblieben. Die Blauweißen müssen sich in dieser geschwächten Aufstellung anstrengen, wenn sie aus Riedergirmes als Sieger heim- kehren wollen.
Die 1. S ch ü l e r e I f 1900« fährt voraussichtlich zum D. f. R. Butzbach.
Heuchelheim.
Kommenden Sonntag fährt die erste Mannschaft des S p. V. 1 9 2 0 Heuchelheim nach Frohnhausen (Dillkreis), um gegen die erste Mannschaft des dortigen Sportvereins „Dranien" ein Gesellschaftsspiel auszutragen. „Dranien" spielt im vergangenen Jahre zum ersten Male in der Liga und hat es dank seiner guten Spielweise verstanden, einen guten Mittelplatz zu belegen. Den Heuchelheimern dürfte es ziemlich schwer fallen, gegen diesen Gegner zu gewinnen.
Die zweite Mannschaft des Sportvereins trägt in Klein-Linden ein Gesellschaftsspiel aus, das sie wohl kaum gewinnen dürfte.
feine Trauben verkauft hätte! Achtzehn Mark bot der für den Zentner — wenig genug —, aber Jakob Bremm und andere waren doch darauf eingegangen, sie wollten nicht noch den Zucker riskieren. Aber er, Simon Bremm, er, der immer selber seinen Wein gekeltert, gesüßt, geschönt, ihn fertig gemacht hatte, bis er duftend und klar sich auf Flaschen füllen ließ, er sollte einen anderen öomit herumpantschen lassen? Nein, das hätte er nicht übers Herz gebracht. Das wäre ja gerade so, als ob man ein Kind verstieße, das Fremden überließe, weil es nicht ganz so geraten war wie die anderen Kinder — o Gott, der Joseph! Wie ein Stein fiel es dem Schlaflosen urplötzlich auf die Seele: wie hatte er den nur eigentl.d) so heftig behandeln können? Alle versöhnlichen Worte, die die Frau oftmals 314 ihm gesprochen, fielen dem Vater jetzt ein. Nein, er war viel zu grob, viel zu unsanft mit dem Jungen verfahren. Der war nicht schlecht, dem mußte nur Zucker zugesetzt werden, viel Zucker wie dem unreifen Most. Geduld, Langmut, Nachsicht, und an Ueberrebung soviel, daß die nach und nach überzeugte. Ach, der Joseph, was der wohl jetzt machte, wo der sich wohl Herumtrieb?!
Es litt Simon Bremm nicht länger im Bett, er stieg über die sanft schlafende Frau weg: nur notdürftig bekleidet, ohne Licht anzumachen, tastete er sich aus der Tür. Es trieb ihn in seinen Keller.
Als er über den Hof tappte, hörte er im Koben beim Kuhstall das Schwein grunzen. Die Sau war fett, mit Trefterabfällen gemästet, zum Schlachten reif — wenn man die nun an einen Metzger verkaufte? Der Gedanke überfiel ihn förmlich, war ihm wie eine plötzliche Befreiung, eine Erlösung aus kummervoll ihn bedrängenden Gedanken: dann hatte er es ja nicht mehr nötig, fein Fuder los- Zuschlägen, es sozusagen hinzugeben für gar nichts! Dann konnte er es noch behalten. Ach ja, die Sau, die Sau, d e brachte Geld, noch um vieles mehr, als man für die Steuern gebrauchte. Aber dann war wiederum fein Fleisch im Haus, weder Fleisch noch Fett, die Kinder magerten ab, wenn gar nichts Geschmelztes mehr auf den Tisch kam. Ach. und wie hatten sie sich alle auf das Schlachtfest gefreut, auf die Speckseiten und die Würste im Rauchfang! Die Mutter hatte den Kleinen seit Wochen davon erzählt — und das sollte der Vater ihnen nun nehmen? Und bloß wegen der Steuern, der ver
maledeiten, von Tausenden tausendmal verfluchten Steuern?!
Gequält hob der Mann den Blick zum Himmel auf: war das eine Nacht! In wolkenloser Klarheit, fast blau wie am Sommertag, spannte sich ein heller Nachthimmel über den Hof Sterne blickten wie freundlich tröstende, vertrauliche Augen, und überm Stalldach stand der Mond und wies mit leuchtendem Finger hinab auf den Koben. Aber die Versuchung abschüttelnd, sah der Mann nicht mehr hin: nein, das tat er den Seinen nicht an, die Kinder sollten das, was ihnen versprochen war, auch bekommen. Dann also doch weg mit dem Fuder!
Hastig stieg er in den Keller. Sofort umfing ihn ein starkes Duften, schwer schlug es ihm förmlich entgegen. Und ein Rumoren war in der Finsternis, ein Gurgeln, ein Poltern, ein immerwährend dumpfes Getöse. Süßsäuerlich, vermischt mit dem Modergeruch uralter Mauern und dem Weinduft, den ihre Steine seit Jahrhunderten eingelogen, schmeckte er den Dunst auf der Zunge. Der schmeckte betäubend. Aus den Ecken des alten Klosterkellers kam etwas gekrochen und legte sich dem Mann auf die Brust, er atmete schwer.
War das der Neue, der sich so gebärdete? Alle Geister des Weines schienen lebendig geworden, lebendig wie die Tiere, die auch in den heiligen Nächten sprechen. Bremm hörte es plötzlich läuten: wer zog da so fern an der Glocke? Sturm? Feuer? Mitternacht? Jesus, was fiel ihm denn ein?! Der Halbbetäubte schüttelte sich: das läutete ja nur in seinen Ohren so. Und ein Rauschen hatte er darin. Oder rauschte es in den Schläfen? In denen siedete es. Plötzlich hörte er ganz deutlich ein Pochen, ein Anpochen. Poctste sein Herz so? Nein, seine Gedanken, die pocyten an: was soll man tun, was soll man tun?! Wenn er dies Fuder nicht verkaufte, konnte er auch nicht die Steuern bezahlen. Und die mußte er bezahlen. Aber wie hatte doch der Joseph gesprochen? „Knechte von einem Reich, das sich en Dreck um euch kümmert — Steuern nimmt et von euch, aber hilft et euch?" — Steuern zahlen, immer Steuern zahlen, verflucht nochemal! Der Mann hob beide Fäuste und ließ sie nut voller Wucht niedersausen; sie trafen das geliebte Fuderfaß. Horch, sprach nicht wieder wie damals darin eine Stimme? Ach nein, dieses Mal blieb es stumm. Es wider-
Arbeiier-Turn- und Sporibund.
Kommenden Sonntag findet der diesjährige Frühjahrs-Waldlauf in Klein-Linden statt. Er gilt als Trainingslaus für Turner, Sportler, Spieler und Sportlerinnen.
Fußball.
Naunheim hat im Rückspiel Neu-Isen- b u r g zu Gast Das Vorspiel konnten die Gäste mit 8:0 für sich entscheiden. Ob es ihnen gelingt, diesmal ein so hohes Resultat zu erzielen, ist eine Frage. Naunheim hat durch die letzten Spiele bewiesen, daß es jetzt kein zu verachtender Gegner ist, und wird alles daransetzen, um auch bei diesem Spiele gut abzuschneiden.
Wieseck I geht nach Saubringen, um gegen die dortige Mannschaft ein Freundschaftsspiel auszutragen. Der Sieger wird wohl Wieseck sein, ob es ein hohes Resultat werden wird, hängt von der Spielweise der dortigen ersten Mannschaft ab.
Wieseck II geht nach Treis. Auch hier werden die Gäste Sieger bleiben.
WiesecksJugend geht nach Heuchelheim. Wer hier Sieger bleiben wird, muß offengelassen werden, da Wieseck in neuer Aufstellung antritt.
Süddeutsche Fußballmeisterschaft.
Der nächste Spieltag bringt namentlich in der Runde der M c ift er K >mpfe von großer Wichtigkeit. Der wichtigste Ka npf kommt in München zum Austrag. Dort stoßen die Bayern auf die Frankfurter Eintracht, die im Vorspiel auf eigenem Platze 0:2 gesch^a--'en wurden. Man darf sagen, daß jede Partei gewisse Vorzüge für sich in Anspruch nehmen darf, so daß der Spielaasgang recht ungewiß erscheint. Die Sp. Vag. Fürth mutz zum K. F. V. nach Karlsruhe. Die erste Begegnung sah die Fürther mit 1:0 knapp als Sieger. Reuerdings sprecht man von einer erheblichen Formverbes.e- rung der Fürther. Der K. F. D. ist kein belangloser Gegner und wird sich auch diesmal nur mit geringem Torunterschied besiegen las en. Die Stuttgarter Kickers verloren in Worms gegen Worin atia unverdient mit 2:3 Toren. Bei aller Anstrengung wird den Wormsern eine Riederlage kaum erspart bleiben. Der S p. D. Waldhos sollte aus Saarbrücken mit Sieg und Punkten zurück'ehren, denn der dornige F. V. ist für die routinierten Mannheimer doch ein zu schwacher Gegner und wurde schon einmal 2:5 geschlagen.
In der Runde der Zweiten und Dritten läßt die Gruppe Rordwest die beiden Vereine der Gruppe Rhein pausieren. In Frankfurt gibt es ein Ortstrefsen im Stadion zwischen dem F. Sp. D. Frankfurt und Rot- Weih Frankfurt. Bei Rot-Weiß findet man wohl den besseren Torhüter und das bessere Derteidigerpaar; der F. Sp. V. verdient mit seiner Läufer- und Angriffsreihe erheblich mehr Vertrauen. Die beiden hessischen Vereine haben es mit den beiden Vertretern des Saargebiets zu tun. Der V. s. L. Reu-Isenburg hat zwar in seinen Leistungen die Stetigkeit vermissen lassen, einige Punkte gelangten auch nur durch Glück auf sein Haben-Konto, trotzdem hat er aber immerhin mehr gezeigt, als der Tabellenletzte, Borussia Reunkirchen, die er auf eigenem Platz nicht zu fürchten hat. Roch beruhigter darf man zum F. Sp. V. 05 Mainz halten, der sich von Saar 05 Saarbrücken nicht auS seiner aussichtsreichen Stelle verdrängen lassen wird. — Die Gruppe Süd 0 st hat einen Kampf von ganz besonders weittragender Bedeutung angesetzt. In Rürnberg wird das Schicksal des derzeitigen Deutschen Meisters, des l.F. C.. für ein volles Jahr entschieden. Verliert der „Klub" gegen Wacker München, dann sind alle Aussichten für dieses Spieljahr wohl endgültig dahin. Rach den vor wenigen Tagen in Paris bewiesenen Leistungen verdient jedoch die Klubmannschaft wieder größeres Vertrauen. Trotz seiner Spitzenstellung sehen wir diesmal in Wacker den Verlierer, wenn auch die Mannschaft mit aller Kraft ihre erste Riederlage zu verhindern suchen wird. Der Platz des S. C. Freiburg ist schon manchem Gaste zum Verhängnis geworden. Der D. f. B. Stuttgart und der S. C. Freiburg sind seither noch
sprach nicht, daß es verkauft werden sollte, verkauft werden mußte. Stumm, ganz stumm. Keine rettende Stimme. Nur der Neue da drüben, der rührte sich. Einen schief oerpchtlichen Blick warf Bremm nach jener Seite hin: unreif, sauer, unausgegoren wie der Joseph!
Die Gedanken des Mannes begannen sich plötzlich zu verwirren, er fühlte das, aber er hatte nicht die nötige Widerstandskraft mehr. Wohl machte er noch einen Versuch, sich aufzuraffen, aus dem Keller zu fliehen, aber die Geister des gärenden Weines, die den Raum füllten, waren zu stark über ihm. Er torkelte wie ein Betrunkener, schwankte, griff, einen Halt suchend, um sich und fiel, beide Arme lang ausgestreckt, über sein Fuderfaß. —
In der Stube im Bett war die Frau aufgewacht. Verwirrt tastete sie um sich: ihr Mann nicht da? Das hatte sie doch richtig im Schlaf gemerkt, daß er fehlte. Warum war er aufgestanden?
Sie machte Licht an; seine Hosen fehlten und auch seine Schuhe. Hatte er draußen etwas gehört, ober war ihm nicht gut? Besorgt sprang sie auf.
Im Haus war er nicht. Sie lief auf den Hof — kein Mensch —, aber im Keller glaubte sie matten Lichtschein flinzeln zu sehen. Er war im Keller? Warum? Sie rief nach ihm — keine Antwort. Da tastete sie sich zum Keller hinunter, betäubender Gärdunst umfing sie gleich.
Sie hatte ihrem Mann dann die Stufen hinaufhelfen müssen, denn er war noch ganz benebelt vom Weindunst und hing schwer an ihrem Arm Sie war sehr erschrocken: man soll doch, das weiß jedermann, wenn der Wein gärt, nicht für länger im Keller bleiben. Was, um Gottes willen, hätte er denn nächtlicherweise da unten zu tun gehabt? Aengstlich drang sie in ihn mit Fragen.
Er fühlte sich seltsam matt und noch so benommen, daß er keine Ausrede fand; und ihr das n cht mehr verschweigen konnte, was er ihr eigentlich hätte verschweigen sollen. Denn nun sagte sie rasch, ohne sich auch nur zu besinnen: „Wir verkaufen das Schwein!" Als er eine Bewegung der Abwehr machte, redete sie ihm noch entschlossener zu: „Speck und Fleisch, wenn wir deß gebrauchen, können wir kaufen, du hälft ja noch Geld übrig. Und wir brauchen doch auch nit immer so fett zu essen, bat is für die Kinder gar nit gesund. Und die Hauptfach is: du behältst dein Fuder!" (Forts folgt.)


