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Verschiedenes
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Nr. 7 Zweiter Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderhessen)
Deutsche Siedelung in Chile.
Don Lodwig Ctemmler.
Ai» Deutschland noch Kolonien besah, war für die Ueberfchüsie bester gesunder Wenlchen- krälte ein Ventil geschahen, eine neue Heimat au gründen Arbeitsam, zähe und aut- bauernd tote der Deutsche nun einmal ift, überwand der Kolonial-Deutsche selbst das widerwärtigste und für ihn unnatür tchste Klima und lieh ihn selbst dort da- Dasein erträglich gestalten wo et kaum einem anderen Menschen der weihen Halle erträglich ift zu leben und ;u arbeiten Gewiß haben viele Gesundheit und Leben eingebühl. aber der €tamm der Kolonial- deutschen zeigt sich doch als ungebrochen und möchte freudig von neuem seine Kolonialgediete bearbeiten. Da- ift eben Deutsch! Ader die Kolonien sind verloren.
In meiner Studienzeit lernte ich au-ländische LunbtoiNssöhne kennen und darunter auch Deutsch-Lhilenen Manchmal spielt ja daneben Streiche, die auch der Wrftophgften Jlatur dat Auswachsen erleichtern So war für mich das Jahr 1919 dazu wie geschalten und trieb mich nach Südamerika Zunächst Argentinien Das Land, wo Milch und Honig flieht. sagen manche. Sinei. Monat benötigte ich dazu, um mich au unterrichten bah Klima. Landerwerbs- derhältnisfe und Verdienst Möglichkeiten doch nicht so sind, wie das dis dahin allgemein angenommen wurde
Dann reifte ich durch die sich ins Unendliche hinziehenden slachen Landstrecken Argentiniens und übet die Kordilleren nach Chile. In Santiago de Ehile angelangt, fiel mir zunächst ba» Ktlma sehr angenehm auf; bann die Be- ftellung der Felder und Weinberge, die Obst- blunlaflcn und dazwischen die uns in Deutschland weniger bekannten Pflanzen des Südens, wie Palmen. Zitronen, Apfelsinen ufto. Am Abend ging ich bann nach bem großen Prome- Nadenplatz bet Stadt (Plaza genannti. Eine Militärkapelle spielte hier deutsche Märsche und Lieber, unter den vielen Hunderten von Menschen bewegen sich Träger der alten deutschen Friedensuniformen. Infanteristen, Jäger. Artilleristen. Dragoner. Ulanen. Bekanntlich ist baS chilenische Heer nach deutschem Muster ausgebildet und auch uniformiert.
Einige Tage später reifte ich rund 1000 Kilometer südlich zu meinen Studienfreunden an den See Llanquihue. Dort liegen nebeneinander Itoci Provinzen. Llanquihue und Valdivia, in Denen sich vorzugsweise deutsche Landwirte niedergelassen haben In der Landwirtschaft herrscht Viehzucht. Kartoffel- und Deizendau vor. in der Industrie, die mit der Landwirtschaft verbundenen Gewerbe Fast die ganze Bevölkerung spricht deutsch Für mich ein Fehler, denn ich kam kaum zum Erlernen der spanischen Sprache, deren Beherrschung in Südamerika unerläßlich ist Nunmehr lernte ich Ehile kennen, von Puerto Montt im Süden, bi- nach Arica im Norden. Nacheinander war ch in meinem Beruse als Hofverwalter. Weinbau- und Kellerei-Verwalter General-Admini- trator von zwei Weingütern tätig und kaufte mir dann selbst ein Weingut. Im Juli b 3.
ich nach Deutschland um ein Feld zu bearbeiten, bas (ür Edile unb Deutschland Interesse und Wert besitzt
Schon 1921 machte ich brr chilenischen Neuerung den Vorschlag, das große Land mit leinen nur vier Millionen Einwohnern planmäßig mit Landwirten z u besiedeln. au kolonisieren. SS gibt kaum ein Land, das aber die verschiedensten Bodenarten und Klimata verfügt, die rür alle Zweige der Landwirtschaft geeignet sind, wie Chile. Einige Provinzen sind vorhanden deren Klima dem im Rheingau und in der Rheinplalz ähnlich ist. Flüsse und Bäche. Dege und Eisenbahnen durchwehen daS ganze Land, soweit die- der Landwirtschaft dient. Die
Wege sind im allgemeinen schlecht an ihrem Ausbau wird aber eifrig gearbeitet.
Wie bei allen Negierungen, dauert es auch bei der chilenischen ziemlich lange, dis ein Problem und wenn es noch Io gut fein mag. Boden faßt. Der anfänglichen Begeisterung für meinen Vorschlag stellten sich zunächst Bedenken entgegen die davon auSgingen. daß man die erwerbslosen Arbeiter in Chile ansiedeln wollte, demgegenüber ich betonte, bah man nur mit Berufslandwirten Bauemfiedlungen durchführen könne Dann ging man noch einmal mit Eifer an die Lache heran unb da warf die leibige Politik ihre Knüppel dazwischen Jetzt endlich, nach Erneuerung und Festigung der Regierung in Chile, ift der Weg frei, um die Kolonisation mit Landwirten durch- zuführen In großen Umrissen möchte ich ein Vild geben, wie die Kolonisation in Chile praktisch durchgelührt werden soll.
Für ein Kolonielystem werden 10 0» Hektar Land in 100 Kolonistengehölle au’geteilt. Jedes Gehöft wird einer Landwirtsfamilie in Besitz gegeben. Jedes Koloniesyftem bildet die Grundorganisation zu einem neuen Dauerndorse Die Einzelbetriebe werden von ihren Besitzern selbst bearbeitet, die Erzeugnisse aller Einzelbetriebe werden in genossen!Östlich organisierten Einrichtungen weiter verarbeitet, z. B Molkereien. Mühlen. Fabriken ufw. Die Grundlage der Kolonisation ist an daS verfügbare Bauland gebunden. Nimmt man das Gelände das sich durchweg zu Zuckerrübenbau eignet so dominiert der Zuckerrübenbau. Ist das Gelände für den Äartoffelbau vorzugsweise geeignet, fo ist dieser der Hauptzweig mit Kartosselverwertung. Stärkefabrik ufto. Beim Weizenland ist eS der Weizen- bau mit Lagerhäusern. Mühlenbetrieb. Bei Viehzucht die Verwertung der Milch in Molkcrci- betrieben. Milch. Sahne. Butter. Käse ufto.. und die Verwertung bes Schlachtviehes Dort, wo Wasserwirtschaft in der Ausbeutung mit einbegriffen ift» sind Fischzucht. Fischfang. Verwertung der Fische mit Nebenerzeugnissen vorherrschend. Kurzum. Für jedes Sondergebiet ist ein Hauptbetrieb vorherrschend und darauf muh in der Gesamtanlage eine- Koloniesystems Rücksicht genommen werden.
Sin weiterer Hauptgrund ist die zweckmäßige Mischung der verschiedenen Besitz- g r ö h e n. die in eine Landgemeinde zusammen- gefaht werden müssen. Wenn Klein-. Mittelund größere Besitzer m einer Gemeinde vereinigt sind, wirkt die Kräfteentfaltung belebend unb aufwärtsstrebend auf alle Beteiligten. DaS Wesentliche Der Kolonisation bars nicht lein, neue bisher unbebaute Landl lachen zu besiedeln, sondern eS bars auch nicht vergessen werden, die angesiedelten Landwirte in ihrem Besitz auch so zu festigen, daß fic alle Schwierigkeiten überstehen können. Dazu gehört vor allem, daß der Kolonist sofort baufertiges Land erhält und über einen gewisssen Prozentsatz an eigenem Kapital verfügt, der feinen Erwerb und fein Dorwärtskommen wert erscheinen läßt.
Das zuzuteilende Land mit der ersten Einrichtung stellt die unter dem Protektorat der chilenischen Regierung sich aufbauende Kolonisations-Gesellschaft für Ehile. Die einzelnen Kolonistengehöste werden abgeteilt, eingezäunt. Wohnhaus. Stallungen. Scheune ufto. ausgestellt, die Wohnung eingerichtet. Tiere und Wirtschaftsgeräte beschafft unb daS Land des Kolonistengehöste- wird von der KolonifationS- Gesellschast in voller Bewirtschaftung gehalten biS zu dem Tage, an dem der Kolonist fein Gehöft übernimmt. Ob das nun in der Bestellung. der Ernte oder später ist. das bleibt sich ganz gleich Der Tag der Uebemahme des Gehöfts ist die Wirtschaftsübernahme des Kolonisten. Kaufpreis und alle Verpflichtungen stehen auf diesen Tag eingestellt ein für allemal fest. Der Kolonist erwirbt sein Gehöft gegen mäßige Zinsendeckung unb Amortisation in 25 Jahren. Der Grundpreis pro Hektar baufertige» Land richtet sich ganz nach den jeweiligen Qualitäten
des Bodens und seiner Ausnutzungtsähigkcit wie dies in bet Landw.rtfchaft auch in Deutschland der Fall ift. Die Preise von baufertigem Kulturland für Kolonisationszweckc dür'tcn (ich zwilchen 1200 bis 3600 Mark pro Hektar bewegen
Oberheffen.
Landkreis ttietzen
X Älein-L'inbcn, 8. Ian. Die Provinzial strasjenbaubehördc läßt jetzt eine kräftige Auflichtung der Vinbenbäume an ber Frankfurter strafte vornehmen. Hierdurch erhalten die Wohnungen bedeutend mehr Licht, dessen Zutritt durch das dichte Laubwerk im Sommer unmöglich war
gr. Gröningen, 8. Ian. Der hiesige Metzger- meister und Schweinehändler Wilhelm Jager schlachtete in diesen lagen einen nahezu a ch t Zentner schweren Eber Die Höhe de» kapitalen Tieres soll ungefähr ein Meter betragen haben. Wegen der niedrigen Fleischpreise wurde ea )u Dauerware verarbeitet Ein zweiter ungefähr gleich großer Eber liegt bei dem Meister noch in Mast.
} Cid), 9. Ian. Als Auftakt zu dem großen Gesangswettstreit. den der rühmlichst be kannte Männergesangverein „Cacilia" anläßlich seines 9 0jährigen Bestehens am 9., 10. und 11. Juni b. I. hier feiert, fanb gestern nachmittag in ber Turnhalle der Delegierten- t a g statt. Die Tagung wies einen überaus zahlreichen Besuch auf und nahm einen glänzenden Verlauf. An bem Wettstreit beteiligen sich 31 vereine mit runb 130 0 Sängern.
Bg. Kroßen-Bus eck, K. Ian. Eine höchst unangenehme Ueberraschung erlebte ein Zimmermeister aus Beuern. Am Ausgang unseres Dorfes machte er bie Entdeckung, daß ihm seine Geldbörse mit taufend Mark In- £alt fehlte Diese war offenbar durch das Futter der Uederziehertafche hindurchgerutscht. In einer in der Nahe gelegenen Wirtschaft suchte er Hilfe, um mit Laternen nachzusuchen. Dort erfuhr er dann zu seiner lebhaften Freude, daß das 'verlorene bereits gefunden und beim Polizeidiener a b • geliefert fei. Die ehrliche Finderin, die Frau eines sich zur Zeit hier in einem Wohnwagen auf- haltenden Filmvorführers, erhielt eine Belohnung.
Q®rünberg,8. Jan. Arn ersten Schultage des neuen Jahres wurde unser neu ernannter Rektor Bender von bem Vertreter des Kreisschulamts, Schulrat Fischer (Gießen), in den Dienst eingeführt und verpflichtet. Der Feier in der Klasse des Rektors wohnten der Stadtoorstand, der Schulvorstand und da-- gesamte Lehrerkollegium bei Schulrat Rif(6er erläuterte in seiner Ansprache Rechte und Pflichten eines Rektors und überbrachte die Glückwünsche der vorgesetzten Behörde. Bürgermeister Jockel sprach im Romen der Stadt und des Schulvorstandes. Ober- ftudiendirektor Angelberger übermittelte die Glückwünsche des Lehrerkollegiums der Oberrealschule und hob das gute Verhältnis zwischen Volks- unb Oberrealfchule besonders hervor. Lehrer Roth sprach die herzlichsten Wünsche des Lehrerkollegiums der Volksschule aus. Rektor Bender erläuterte in längeren Ausführungen, nach welchen Gesichtspunkten er das Amt eines Rektors auszuüben gedenke, und dankte für die in so reichem Maße erwiesenen Ehrungen
Kreis Friedberg
<^Dad-Rauheim,8. Jan. Unter dem Vorsitz von Pfarrer Knodt fand noch länge, er Zelt wieder eine Sitzung der eoange ischen Kirchen- gemeinbeoertretung statt, bie von etroa 50 Vertretern bes "cht war und das kirchliche Leben der evangelischen Gemeinde einer anregenden Aussprache unterzog. Wir machen nachstehend mit einigen Zahlen des vorn Vorsitzenden erstatteten Jahres berichtes des Jahres 1927 bekannt, in dem vor allem die Tatsache des starken Geburtenrückgangs zu Bedenken Veranlassung gibt. Wurden doch bei einer Beoölkerungszahl von runb 7 000 Evangelischen in unserer Stabt nur 64 flinber
Die menschliche Bedeutung (Stefan Georges.
Don JMfberf H. Rausch/Äerlin.
AIS Ende August 1927 die Stadt Frankfurt zum erstenmal ihren Goethepreis verteilte und ihn Stefan George zuerkannte, nannte der Oberbürgermeister in seiner Ansprache George den groben Dichter, den groben Lehrer und den großen Menkchenbildner Er sprach damit ouS, was alle, welche jemals in die Nähe des .außergewöhnlichen Mannes gelangt waren, wühlten. weil sie es an sich verspürt hatten — was laber den llnaäbltgcn 'remd war. die höchstens Im einer Literaturgeschichte einmal etwas über Iden .Aesthcten oder .Artisten George gelesen f unb dielen Unfmn auch geglaubt hatten, lieber- i denkt man heute, was vor etwa zwanzig Jahren I Eduard Engel in seiner deutschen Literotur- f geschichte (diese- Universalgenie hat u>- auch nut einer englischen und französische' r-
| gelchichte bedacht» über George zu i)
I unterstehen durste, fügt man diesem 1 ?as • für alle Zeiten denienigen btanbmav. cS gefällt hat, noch die Fülle ahn tcher Uncile der | tatificrenben Zeitgenossen zu: 'o wird man von einem brennenden Schamgefühl befallen. Denn cs 1 cAscheint ganz unfahliqj. bah es jemals einen ' irrnsthaften Leser selbst der fremdartigen frühen Georgeschen Gedichte gegeben l>abe. der nicht iuin mindesten die menschliche, die charakterliche Reinheit dieses Dichters hinter dem Werk getourt. erkannt — und sich auch zu ihr bekannt !yälte: mochte die ästt-eillche Wir ung zu- rächst auch noch so seltsam sein. Was aber soll nan überhauvt von einem kritisch-literarischen Handwerk hallen. da^> fo gänzlich versagt vor dem Allerwesentlichsten und sich in eine deber- hsblichkcit der Meinungsäußerung hineinsteigert, dir man entweder Größenwahn oder auch j Dummheit — oder Gesinnungslosigkeit nennen nutß? So wurde schon damals George zum - Prüfstein: wer sich für ihn entschied, mußte sich gleichzeitig entscheiden für die unbedingte Wahr- Sa tigteit auch in der belanglosesten menschlichen Zeuherung. für die Kamp anlage geg^n alles .literarische Getue und Gelüge und gegen das gesamte literarische Geschmeiß, dos ich an seinem beschreibe mästete und keine Ahnung von der Belanglosigkeit dieses ganzen Geschreibes hatte. Tit Selbstverständlichkeit, mit der George über die Mittelmäßigkeit und Wesenlosigkeit dieser »Zünftigen hinwegging, kam einer revolutio
nären Tat gleich, die nur aus lauterstem Wollen und unbedingtestem Glauben geboren werden konnte. Die Art allein, wie er sich abseits hielt, wie er ohne den kleinsten Kompromiß mit dem was .man" in den Zirkeln der .Literarischen" zu tun pflegte, seinen Weg begann und fortsetzte. bewies, wer er war und wer jene waren: bewies auch, welche Auslassung er von seiner dichterischen Berufung — und welche jene von ihrem literarischen Döruf hatten... Mit einem Male stand da vor den erstaunten Augen der sehnsüchtig wartenden Jugend, die schon lange des Getues und Getriebes müde war. der unerbittliche Künstler, welcher g'cichzeitig der Verkünder und Bekunder einer nicht minder unerbittlichen Sittlichkeit war Diele Sittlichkeit wurzelte ganz in der Wahrhaftig!, it Georges gegen sich selbst. Was .r zu si.gen. zu künden hatte, das war (ein unverfälschtes Ich. fein So-und- nicht-anders-sein. sein Da stehn und Nicht-anbers- können. Aber dieses Wirkenlassen des Ichs war nicht jenes Sichau.llcben ä tout prix wie es bürgerliche Vermessenheit zu ihren eignen Gunsten aus einem völlig mißverstandenen Nietzsche herleiten zu können glaubte: es war genau das Gegenteil! Nicht privates Slchausleben. sondern persönliches Lichauswirken hieß das große, neue Gesetz. Zu einem solchen. Stchauswirken gehört notgebrungenertoeife bei einem ganz von feiner Sendung überzeugten Künstler in allererster Linie der unermüdliche Dienst an dem ihm aufgetragenen Werke. Denn herrschen kann nur. wer vollkommen zu dienen we tz. Nur wo gänzliche Hingabe an die beseelende Idee vorhanden ift erwächst jene sichere unbeirrbare Haltung, welche als ncces-itas erscheint als .in: ere Notwendigkeit", und den wahren Ausdruck der Herrschernatur bildet Seinem ihn bewegenden Gotte gegenüber der widerspruchslos gehorchende Diener. dem zu gestaltenden Stoffe gegenüber ber absoluteste Herrscher, ein Bild von Hoheit. Vornehmheit und Wahrheit: so erschien George in einer Zeit des schlimmsten geistigen Libertinismus unb der widerwärtigsten literarischen Aufgeblasenheit. Seine Wirkung als Beispiel mußte außerordentlich sein. Sic konnte nicht laut, nicht plötzlich fein: denn ergriffen werden konnte wahrhaftig nicht die im breiten Strome des Gewöhnlichen gedankenlos mitfchwimmende Malle: ergriffen werden konnte nur. wer in sich selbst schon den Widerspruch zu einer verlogenen unb verpaotschten Gesellschaft trug, wer dem Geschwafel nicht mehr glaubte, das ihm da vorgemacht wurde und längst Larven erkannt hatte wo andre noch Gelichter zu sehen wähnten. So
wurde George im Lause der Jahre — etwa von 1895 bis zum Ausbruch des Krieges — bie säst unsichtbar bleibcnbe Mitte einer heimlichen Gesellschaft, in ber sich edelste deutsche Kraft unb uneigennützigster Wille zu einem gereinigten Deutschland, wie er es immer leidenschaftlicher, immer unmittelbarer forderte, gläubig und hoff- nungssroh jufammenfanben.
Wie nahe ein Zusammenbruch war — George halte nicht aufgehört, kommende Katastrophen zu prophezeien —. das ahnte allerdings am Anfang des Jahres 1914 niemand von all denen, die in dem 1911 erschienenen Werke Georges, dem .S em des Bundes", ihr Sein. Wollen und Sollen als Gedicht erkannten: erst als das namenlose ilnglüd des Krieges geschah, erschraken bie Menschen diese- Kreise- vor der ungeheuren prophetischen Gabe ihres Führer- — und verkündeten den Seher, nachdem sie bem Gestalter, dem Wegbereiter, bem unablässigen Ausrufer unb Ermahner zu edlerem Sein in ftumm:r Hin- gegebenhcit gefolgt waren
Aber war dieser Krieg wirklich das Ende, das George vorausgesagt halt:? Dar er der große Reinigung-Prozeß, der die Schlacken ausscheiden und die reine Glut beiaffen sollte?
Kein Halbwüchsiger möchte es glauben. Er würde auflachen, sagte man ihm. daß dieser Krieg eine neue Menfchh.i! h raufgeführt habe! Ein einzige- hat er allerdings vollbracht, was vielleicht wie ein nicht unwesentlicher Schrllt nach vorwärts erscheinen könnte auf bem Weg den George weift, er hat noch dicklicher den Weizen von der Spreu, das Gesicht von der Larve, den Sas: von dem Schleim geschieden. Aber damit hat er nur schon vorhandene Gegen'äye noch vertieft. Üeberbrüdungcn doppelt unb dreifach unmöglich gemacht. Mögen sie im sozialen unb politischen Leben noch aus praktischen Gründen erwüntch und auch streckenweise durchführbar fein: in den Reichen des V isteS haben fie keinen Sinn mehr Dort gibt es heute nur noch ein Entweder - Ober Geist oder Ungeist. Gott ober Maschine. Ich oder M sse, Kraft ober Funktion. Die^e Spaltung geh: durch alle heut? noch bestehenden ge’eUfd&ftlidjen S Dichtung n fie wirb am drastischsten sichtbar in den plutokratifchen Kreisen, wo gerat»' die Nachkriegszeit eine unaussprechliche geistige Plebs auf den vorderen Plan der Bühne gespült hat. Auf der ganzen ßinic — und fast in allen europäischen Ländern, ja schon in Amerika — ist längst der heiml che Kampf entbrannt. Noch wird er mit fast zivilen Waffen geführt. Aber die Z:it m^g kommen, rascher vielleicht, als es uns allen heul: glaub-
Montag, 9. Januar (928
flftauft, wahrend in 1926 noch 94 Taufen zu Der- Zeichnen waren. In erfreulichem Maße zugenorninen tet der Kirchen und Sbendmah!»htsuch Im letzten der überfüllten Dankesktrche gezahlt werden, so daß sich also fast jeder fünfte evangelische Einwohner im Gockeshause ting.funben batte Bor dem Kriege erhob die Gemeinde 14 000 Mark an Ortskirchensteuer. Obwohl die Inflation fast da» ganze Kapitaloer mjgen, da» rund 156 0U0 Mark betrug, verschlungen bat. brauchen durch sparsame Haushaltsführung in 192S nicht mehr als 21 OOo Mark an örtlicher 5lir- chenfteuer erhoben zu werden
Pb Butzbach. 8. Jan. Die nachgenanntvn Mitglieder der hiesigen Freiwilligen Co- nitatskolonnc vom Roten Streu \ Wilhelm Berg III Karl Wohllahrt Rudo! Thiele. August Schmidt. Adam Keil. Hcmrich Hilde- brand. Ehristian Morgen thaler und Hemrich Häuser erhielten anläßl-ch ihrer 10jährigen ununterbrochenen Kolonnen-Dienstzeit ba» vom He'- lifchen Landesverein vom Roten Kreuz gesti'tete Ehrenzeichen am rot-tociftcn Band nebst Besitz-Zeugni» — Ende Dezember vergangenen Jahres konnte Brauereibesitzer Ehr 31 c l £ ; o r auf eine 25jährige Tätigkeit alt Mitglied ber Handelskammer Fried- berg zurückblicken Die DorstanbSmitglieder ber Kammer überbrachten aus diesem Anlaß dem Jubilar Glückwünsche. — Im Jahre 1927 wurden in das hiesige StanbesamtSregi- fl e r 60 Geburten. 24 Trauungen und 23 Sterbc- fällc eingetragen. — Die bieftgen Schuhfabri- fen haben seit 23. Dezember bie Arbeit eingestellt. Infvlgcbcssen ist der Stand ber Arbeitslosen von 80 am 22. Dezember 1927 auf 185 gestiegen
Mrciö Büdingen.
Nibba . 8. Ian. Gestern feierte unferc stäbtische Krankcnfchwester Marte Abling ihren 60. Geburtstag. Sie übt ihren schweren Berus al» Krankenpslegerin bereit- 35 Jahre auS. Stet- hilssbereit und freund- llch hat fie fchon viele Nächte an Krankenlagern gewacht und gewissenhaft ihren Dienst versehen. Deshalb wurden ihr zahlreiche Ehrungen vom Derein Krankenpflege und vielen Privatpersonen in dankbarer Würdiaung ihrer Berdienste zuteil. — AI- Nachfolger für den in Ruhestand versetzten Lehrer Küfer ist Lchramtsasfeffor Di. Todt auS Gießen an bie hiesige Realschule i E pcricnt tooebtn. Vvi, bem l e i ch e n Obstsegcn bes vergangenen Herbste- lagern in ben benachbarten Obstorten Dor - dors und Ulfa noch große Vorräte von Taseläpseln Ta die Nachfrage sehr gering ist. wollen die Landwirte sie als Diehsulter verwerten.
):( Au- dem Dieichenbachtal. 7. Ian. Gestern abend gegen ' V llhr. »og in nördlicher Richtung unter einer gewaltigen Entladung ein Gewitter, begleitet von einem ungeheuren Sturm und Hagelwetter über unsere Gegend.
.?*' AuS dem Niddatal. 8. Ian. Das erste Gewi tter i m neuen Jahre ging am Freitag abend 8 llhr über unser Tai. Ee war nur kur; unb von starkem S arm begleitet. Infolge ber anhaltenden Niederschläge ist bie Nidda rasch gestiegen unb führt Hochwasser
Hrcis Schotten.
• Schollen. Z. Ian. Vom Streif amt Schotten wirb uns zur Notiz über Schularzt in Nr 5 unsere- Blatte- berichtigen!» mitgctcili "er Schularzt ist für ben ganzen KreiS C. otten bestellt, für bas laufenbe Jahr werben zunächst 8 Schulen besucht Von Ostern ab kommen weitere hinzu, bis alle Schulen sich in regelmäßiger ärztlicher llcbeewachunz bc- finben."
• Gebern. 8. Ian. Untere Stabtschwe - st er hat im Jahre 1 927 4139 Krankende uche, 5 Nachtwachen und 2 Tageplle^e i gemach!. Sehr viele Familien bürsten außerdem durch die Sladt- schwester in Krankheit und Not unentgeltliche
haft erfcheiut, wo dieser Krieg härtere Formen annehmen wird, dieser äußerst - St lieg gegen die überwuchernde, überfchw mmend . in sich selbst schon entartete Materie: der Krieg den Ge rqeo Prophetie wirklich meinte. Wo ist t> r Führ-r unter den Führern? Wo ist das große D-rbild. das durch Anlage und Haltung, durch Willen und Leistung, den Glauben entfacht unb besiegelt?
Es ist derselbe Mensch, ber vor bneißig Jahren zur Selbstbesinnung aufrief, d rfelb , ber dus erste Maß nach langer Derwilderung anfrichtete: Stefan George
Es ist lächerlich wenn die Jungen unb Jüngsten unter den geiftiaen Arbeitern in ihrer Un- ausgegorenheit glauben, feiner entraten, ja ihn ablehnen zu können! ES fei erft einmal einer, was er ist! GS verkörpere erst einmal einer, was er verkörpert! S ine schwach m Nachbeter unb Nachplapperer, welche, mit feinem längst ausgemüi.z en Siammgut Wucher treibend, sich in den Vordergrund zu drängen wußten und die Welt mit allerlei Heilslehren versorgen, werdcn sein Bild auch nicht verdunkeln! Dieses B Id herrsch! — und wird herrschen: denn es birgt genau dieselbe Summ' menschlicher Grundquatt- täten, welche in dem L bcnäito rfe de- Dich'erS gebannt sind! Nicht auf bie Georgefche Lehre, fo wie fie etwa im »Stern des Bundes" enthalten ist. kommt es an (eine Lehre ist deutbar, auglegbar, anfechtbar, du sie ja immer mir als Projekuon in tausendmal abaeftuftc LebenSzu- stände hinein zur Wirkung gclangm kann), sondern auf da- gewaltige menfchliche Urbild, dem fie entfloh So zum eignen Gesetz, zum eignen Glauben stehn wie er: dus ist es, was not tut. Und untergehen können für diesen Glauben, wenn es gefordert wird: da- ist der letzte, der geheimste Sinn der ewigen Ermahnung welche Georges einfaches Dasein in dieser Zell ein- lchließ'. Das ist der Beweis dafür, daß ber Mensch wieder seiner höchsten W ihe fähig ist. feiner äußersten Erhebung in die Gott nähe vor dem Eingang in Gott selbst.
Keinem heute Lebenden kann George nur ein Atom der äußeren Lasten abnehmen, die er zu tragen hat: aber sein Vorbild kann den dunkelsten Weg auflichten und dos bitterste Alleinsein verklären Es ist im Lause der Geschicke, die uns allen die letzten Jahre gebrach! haben, erneut erwiesen worden, daß der Weg b r Dollenbung der Weg der ununterbrochenen Verantwortung'n ift. Und nich's verpflichtet fo sehr, als bas Bekenntnis zum Geist


