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Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Nr. 264 Drittes Blatt

Abenteuer an der Elfenbeinküste.

Wundersame Lrinncrungen des Hausierers

Alfred A. Horn.

besprochen von Gerhard Bohlmann.

Das Leben schafft die großen romantischen Schicksale und bringt die seltsamsten Begegnungen zustande. Zu der Schriftstellerin EthrlreSa Le­wis. die in Südafrika, m Johannesburg, lebt, kommt eines Tages ein Haust e r e r, der mit selbstgeflochtenen Drahisach.n und ähnlichen! Ge­rät Kandell und versucht, die Frau zum Kauf eines Bralenrostes zu bewegen. Wirklich wird der Handel getätigt, die Dame kommt mit dem weihbärtigen Greise ins Gespräch, und Plötzlich fängt er an, von Afrika zu erzählen. Cs ist mcht so wunderbar, daß einer rn Johannesburg von Afrika redet, aber die wenigen Worte, die der alte Mann spricht, frappieren. »Afrika, liebe Frau, Afrika... wie es die Aatur geschaffen hat, Heimat des schwarzen Mannes und des ruhigen Stefanien. Kein Laut in einer großen Landschaft um mittag... nur das Rascheln der Elefanten im GraS. Gin paar liegen still im Wasser, und ich bin der erste Wann, der sie in ihrer Glück­seligkeit belauscht." Run, es ist kein Wunder, daß die Schriftstellerin bei diesen Worten auf« horcht' sie vernimmt mit kundigem Ohre eine verwandte Sprache, sie wird gestaunt haben, wie da aus einigen Worten eine Stimmung, eine Landschaft entsteht. Atmosphäre der großen Schweigsamkett. überflutet von greller Sonne. Es ist nicht so wunderbar, daß das Gespräch mit dem Hausierer weiter geht, daß er einiges er­zählt und luxh mehr in der Entfernung ahnen läßt. Es ist einer Schriststellerin nur natürlich, daß sie den alten Hausierer ermuntert, seine Erlebnisse aufzuschreiben, daß der Greis ihr gehorcht und von nun an wöchentlich einmal eZcheint. um seine eigenen Kapitel vor­zulesen. Äach diesen ßefungen bringt ihn Frau Lewis zum Sprechen und sie hat, ein getreuer Eckermann des Hausierers Alfred Aloysius Horn, diese Gespräche h.rnach ausgeschrieben.

AuS dem Ganzen ist natürlich ein Buch ent­standen, dem Galsworthy ein Degleitwort schrieb, darin er versichert QL QL Horn fei wirklich der Mensch, als den er sich dem Leser vorstellt. Das Hausiererbuch liegt jetzt auch in deutscher Rebersetzung unter dem TitelAbenteuer an der Elfenbeinküste" (Jnselverlag Leip­zig, 562) vor, es enthält in steter Reihenfolge immer ein Kapitel Hornsche Erzählung und ein «Sesprüch und stellt sich alsbald als eine der merk­würdigsten Erscheinungen heraus, welche in den Buchläden ausliegen. Denn dieser Hausierer, im St. Edwards College in Liverpool als Kaufmann erzogen, wird einer der verwegensten Qlbenteurer aewesen sein, welche an der Elfenbeinküste Afri- 116, im Mündungsgebiet des Ogowe, des Mum und des Rgunie zemals Clesantenzahne gehandell Haben. Dor allem, er war einer der ersten, oft Der erste 'Weiße, der in diese Regionen kam: ja, er kennt diese Striche noch in dem paradiesischen -Zustand der Arsprünglichkeit, und er war eine kühne Gestalt mit blondem Haarschopf, Ver­körperung normannischen Piratentums. das Plötz­lich tn die schwane Welt einbricht. Was alles hat er geseyen! Er kennt die Geheimnisse der großen Elefanten, der Medizinmänner, die Tricks der Zauberdoktoren, et entführt dieweiße Göt­tin", bestehl Schlachten, jagt Leopard.n und Tiger, dringt In die Mysterien Der Götter, sieht Tänze und Kriegsspiele, die vor ihm kein Weiher er­blickt, wird als einziger Europäer in die Eluts- brüderschaft der Schwarzen ausgenommen er trinkt mit den Regern, handelt, prügclt und schießt sich mit ihnen das alles erzählt er in diesem Buch

Er schreibt in seinem Asyl zu Johannesburg, immer am Montag, wenn es dort etwas leerer ist, er beschwört die Bilder seiner goldenen Jugend in einer Umgebung, welche fhn sein QllterSelend um so härter fühlen läßt. Trotzdem ist in diesen Erzählungen keine Spur von Bitterkeit, kein Wort des Grolls, kein Hadern gegen dasSchick­sal" er hat die große Ruhe und Einsicht gewonnen, und wenn er dann gar zu sprechen beginnt, eröffnen sich erst die Quellen dieses Mannes, der, nennen wir ihn mit dem stets mißbrauchten Worte, ein Charakter isL Da sind dann seine Worte von dem Hauch des jln-

nennbaren umflimmert, dann wirft er für Augen­blicke die Schalen des Limpopo Jack, deS alten Drahtbinders ab und verwandelt sich in den blondschöpfigen Wikinger zurück, dessen junge Augen die Wunder der heißen Ratur schauten. Dann ist die Gegenwart vergessen, und das Herz des greisen Hausierers, der sein Leben auf frem­der Erde beschließen muß. fliegt den beiden leuchtenden Polen seines Daseins zu, der heimat­lichen Lancashire-Erde und der unberührten afri­kanischen Steppe und dem Frieden, der vor einem halben Jahrhundert über ihr waltete.

Mit einer fanatischen Besessenheit hat er sich an die Riederschrift seines Lebens gemacht, als müßte er noch vor seinem Ende seine Ernte hastig in die Scheuer bergen. Gin hartes Leben voller Qlbenteuer und Gefahren. Jetzt, da dieser Mensch siebzig Jahre geworden ist, geht ein Buch

von ihm in die Welt, überschwemmt England, wird von Galsworthy empfohlen, ins Deutsche überseht. Ironie des Schicksals: was dieser Qlben- teurerdichter vor dreißig Jahren hätte schreiben können, unbeschwert von der Qual seines Ver­falls, ahnt man noch hinter diesen Schilde­rungen. Er wäre vielleicht einmal der Dichter Afrikas geworden. Jetzt ist er der Schrift­stellerin von Herzen dankbar, daß er überhaupt nur in dieser Weise sein Leben hat erzählen dürfen. Das sind seine letzten 'Worte:Sie haben einen Sonnenstrahl in das Leben eines alten Mannes gebracht, liebe Frau. Ja, ja. UnD das alles kam von dem Bratenrost, den ich an einem SonKtagmorgen in meinem Zimmer geflochten habe, ohne seine wunderbaren Eigenschaften zu ahnen. Ich wußte, daß Sie ihn nie brauchen würden."

Was bringt dieZniernaiionaleAuiomobil- und Moiorradausstellung?

Von Wilhelm Buchmann.

Nachdruck verboten.

Heute wird die Internationale Auto­mobil» und Motorradausstellung tn Ber­lin eröffnet; wir geben im Rahmen einer Vorschau einen äleberblick Über daS Dau- und Ausstellungsprogramm der deutschen Kraftfahrzeugindustrie.

Qlls im Herbst 1926 die letzte nationale Krast- fahrzeugschau ihre Pforten geschlossen hatte, war man sich darüber klar, daß trotz der großen Fort­schritte der letzten Jahre noch ein hartes Stück Arbeit übrig blieb, wollte man zur nächsten, nunmehr internationalen Ausstellung gerüstet sein. Wcchl alle Werke haben ausnahmslos in den Jah­ren 1926 und 1927 durchgreifendeUmstel- lung en vorgenommen. Mitten tm Fluß dieser Entwicklung bereits nach einem Jahre öffentlich aufzutreten, schien nicht ratsam, denn jede Aus­stellung soll einen Ruhepunkt und einen gewissen Qlbschluh Darstellen. So zog man eine zwei­jährige Pause vor, und das war gut so. Heute sehen wir die Früchte der geleisteten Arbeit. Die folgende kurze Zusammenstellung, der eine Statistik des Reichsverbandes der Automobil­industrie zugrunde liegt, soll eine ^lebersicht bie­ten, tn welchen technischen Bahnen sich die Ent­wicklung bewegt.

Fangen wir bei den Krafträdern an. In 18 deutschen Werken werden 49 verschiedene Muster erzeugt. Den größten Anteil daran haben die mittelstarken Räder mit 500 Raumzentimeter Hub, während die Muster mit 200, 300 bis 750 Raumzentimeter etwa gleich stark vertreten sind. Die schweren Maschinen haben meist Zweizylin­dermotoren, eine hat sogar einen mit vier Zylin­dern. Heber 8/4 sind eigene Erzeugnisse. Bemer­kenswert ist die Zunahme der Zweitakt­motoren, die bei rund Vs der Maschinen zu finden sind. Bei den Viertaktmotoren findet man gleichviele hängende wie stehende CBentUe. Fast durchweg sind die Krafträder mit Dreigang­getriebe ausgerüstet. Die Mehrscheibenkupp­lung behauptet noch das Feld, aber auch die Einscheibenkupplung setzt sich mehr und mehr durch. Die Keilriemen haben den Ketten- und Zahnradtrieben den Platz räumen müssen. Dop­pelbremsen auf Hinter- und Vorderrad ge­hören zu den Selbstverständlichkeiten, wobei den Jnnenbackenbremsen der Vorzug gegeben wird.

Mit dem Bau von Personenkraft­wagen befassen sich in Deutschland 27 Werke, die 67 verschiedene Muster von Fahrgestellen er­zeugen, auf die zum Teil verschiedenartige Auf­bauten ausgesetzt werden, so daß im ganzen 95 Muster entstehen. Ausfallend ist das Destre- ben, stärkere M o koren, also einen größe­ren Kraftvorrat, einzübauen, was den Wagen besonders im Stadtverkehr zur Erzielung großer Beschleunigungen zugute kommt. Die Zwei- und Vierlibermotoren sind am stärksten vertreten; es folgen die Dreiliterwagen. Oluf Die ganz leichten

und ganz schweren Wagen bis zu 7 Liter Hub- raum entfallen nur wenige Muster. Am ein­dringlichsten zeigt sich das Zunehmen der Sechs- und Achtzylindermotoren. Der Sechszylinder­motor ist am häufigsten zu treffen, nämlich in 52 Wagern, es folgt der in Zukunft wohl nur noch für leichte Wagen vorbehaltene Vierzylinder­motor In 22 Wagen. Mit Achtzylindermotoren sind bereits 11 deutsche Firmen aus den Markt gekommen, die 18 verschiedene Muster zeigen. Mit nur zwei Ausnahmen werden eigene Motor­bauarten benutzt, und zwar im größten Umfang mit vom Zylinderblock abnehmbarem Kopf.

Zur Kühlung dss Motors hat sich die Wasser­kühlung mit Pumpe und selbsttätigem Kühlregler durchgesetzt; nur bei kleineren Wagen konnte sich die selbsttätige Umlaufkühlung behaupten.

Die Frage, ob den hängenden oder den stehen­den Ventilen der Vorzug zu geben ist, scheint sich zugunsten der hängenden Bauart zu entschei­den, wenn auch in diesem Jahr noch die stehende vorherrscht. Zur Zündung wird immer mehr die Lichtbatterie herangezogen; etwa drei Viertel aller Wagen arbeiten damit.

Wie beim Motorrad so hat auch beim Per­sonenwagen die Cinscheihpickuppelung neue Freunde gewonnen; sie hat die Mehrscheiben­kuppelung bereits überholt. Das Getriebe wird in neun Zehntel der Wagen unmittelbar an den Motorblock an gebaut; die Mehrzahl hat noch drei Gänge, doch scheint dem Viergang­getriebe, das zur Schonung des Motors bei­trägt, noch ein weites Feld offenzustehen. Die Derfchiebefchaltung stirbt aus, an ihre Stelle ist die Kugelschaltung getreten, die sich fast immer in der Wagenmitte befindet. An den Hinterachsen- antrieben hat sich kaum etwas geändert, über Vorderradantriebe wird noch besonders zu be­richten fein.

Die Lenkung zeigt neben der Schnecken­lenkung auch besonders stark die Schrau­benlenkung; mit nur wenigen Ausnahmen befindet sich das Steuer links. Vierradbremse ist selbstveriländlich; die überwiegende Zahl der Fahrzeuge hat mechanische Bremsen, aber auch der Flüssigkeits- und der Luftbremse wird mehr Beachtung geschenkt.

Die Wagenaufbauten lassen eine Be­vorzugung der geschlossenen Wagen erkennen; den größten Qlnteil daran haben die Jnnensteuer- limousinen, aber auch das Kabriolet sinket viele Liebhaber.

Don den 22 deutschen Werken, die Lastwa­gen und Omnibusse Herstellen, werden 56 Haupt- und 35 Rebenmuster heraus geb acht. Den größten Anteil haben die Muster mit 8 und 10 Liter Hubraum, das heißt Die mittleren und schweren Wagen; daim folgen die schnellen und leichten Wagen mit 3 bis 4 Liter. Im Om­nibus bau ist man zum Sechszhlindermotor über­gegangen; bei den Lastwagen herrscht noch der Vierzylindermotor vor. Das Kühlwasser wird fast durchweg durch eine Pumpe in Umlauf ver»

Held fällt vom Himmel.

Roman von Paul (Knderling.

Copyright by Carl Sünder, Verlag, Berlin.

38. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Mißmutig ging er durch den strömenden Regen, der so gut zu seiner Stimmung paßte, den Mantel- fragen hochgetlappt, die Boulevards entlang. Aus einem der vielen Kinos klang Musik, Lachen und Händeklatschen. Einige verspätete Zettungshändler schrien mit gellender Stimme Sportblatter aus. Eine Zrau, die müde und abgehetzt aussah, schrie ihr Paris Sport!". Auf dem Zettunasbündel lag ein schlafender Säugling, über dessen Kopf sie ihr jäm- inerlichesParis Sport!" rief.

(Brotted marf ihr einen Schein zu und beeilte sich, in ein Auw zu steigen, um nach seinem Hotel zu fahren. Der Concierge musterte ihn mißtrauisch über en Apachenroman des Matin hinweg.

Er grüßte höflich und ließ sich das Morgenblatt zeben. Beim Schein einer1 trüben Lampe las er uch hier von Fälschungen in aller Welt. In den »reiften europäischen Groß, und Hafenstädten waren sie angehalten worden. Der aufgeregte Artikel sprach deutlich von den Absichten, den Franken von seiner mühsam erNommenen Höhe wieder herab zu stürzen. Niemand konnte schuld sein als Deutschland oder die Aäteleute. Kreischend wurde die Aushebung des ver­dächtigen Kongresses verlangt. Man würde dann ßhon sehen, wie die Boches und die Russen Hand in Hand gegen das unschuldige, viel zu gutmütige Frankreich arbeiteten.Schläft Poincars?" hieß der Schlußsatz.

Er wollte sich für eine Stunde hinlegen, aber er stellte fest, daß die Bettwäsche feit dem vorigen Gast noch nicht erneuert worden war. Es ekelte ihn. Keine Nacht konnte er hier zubringen. Aus einem Zimmer, das irgendwo an der andern Seite des kleinen Lichthofs lag, kam ein falsches Flötengequiek, Deibergelächter und das Kläffen eines Köters.

(Brotted rauchte eine Zigarette nach der andern, nn Zimmer auf und ab gehend, unwillkürlich den -takt der blödsinnigen Flötenmelodie einhaltend.

Plötzlich erhob sich im Hotel Lärm. Man hörte wütenoes Klopfen an eine Tür, Schreie und die bellende Stimme von Monsieur. Dann trat ebenso unvermittelt Stille ein, die wie ein Auftakt zu einer neuen Szene wirkte. Das ganze Haus schien durch­seucht von verbrecherischem und lasterhaftem Leben. Er ertrug es nicht mehr und zog sich an.

Die Flöte blies immer noch ihre dumme Melodie, während er die Treppen hinunterraste. Der Con­cierge blidte ihm kopfschüttelnd nach und vertiefte sich wieder in feinen Apachenroman.

(Brotted eine Kleinigkeit in einem Duval, eine Pastete von klangvollem Namen und undefinier­barem Inhalt. Als er an der Oper ankam, fuhren die ersten Wagen schon ab.

Er blidte in jeden hinein, ließ sich zur Sette stoßen, anschreien, verdrängen, kam aber immer wieder zur Zeit, um die Insassen kontrollieren zu können. Er spürte die Passion eines Jagdhundes.

Kein Gefährt entging ihm. Aber als nach einer Weile keine Besucher mehr die Oper verließen, mußte er für diesmal fein Suchen aufgeben. Viel­leicht hörten Brodersens die Oper bis zu Ende an. Denn nun zweifelte er gar nicht mehr daran, daß sie drin waren.

Der Regen mar schwächer geworden. Er schlen­derte die Rue de la Paix auf und ab. Die Läden der Juweliere waren verschlossen und verriegelt, Wächter strichen umher, die ihn mißtrauisch prüften. Da ging er in Das Caf6 drüben und wartete die Stunde ab. Das Cass war schwach besucht: das Nachtleben begann ja erst wieder nach Theater- schluß.

Endlich war es so wett. Aber nun war die Er­mattung fühlbar geworden, die die Erregungen die­ser Tage geschaffen hatten. Langsam, schwankend ging er zur Oper hinüber, obwohl man drüben be­gann, die Türen zu offnen, und die ersten Menschen heraushasteten. Schirme flogen auf und versperrten den Blid, und er gab sich kaum noch Mühe, die Kette der Wagen zu überschauen. Immer lauter um- brauste ihn diese sinnverwirrende Sinfonie Des Schwatzens, Rufens, Erzählens, Verabschiedens Tau­sender. Immer bunter umwogte ihn. der Karneval der Kostüme, der Schirme, der vielen fremden Spra­chen und des Gelächters. Hunderte sahen so aus wie Brodersen, aber keine wie Inge.

Fast willenlos ließ er fitft von dem Mahlstrom der Menge mitreißen, der ihn bald an sich saugte, im Kreiswirbel herumwarf, ausfpie, dann wieder dicht an die Wagenreihe brachte, um ihn wieder wegzuschleudern. Der einzelne war machtlos gegen die Anziehungs- und Abstoßungskraft dieses Stroms.

Einmal versuchte er, am Fuß eines Kandelabers Halt zu finden. Aber die Menfchenflut spülte ihn fort, über den Platz hinweg, bis zum Eingang der Untergrundbahn.

In diesem Augenblick, wo er schon alles aufgege­ben hatte, bog ein einzelner Wagen um die Ecke. Er wäre fast umgeworfen worden, wie damals von dem grünladierten Wagen Brodersens. Wieder sprang er instinktiv auf das Trittbrett, aber diesmal verließ er den Platz nicht so bald wie damals: drinnen saß Brodersen mit seiner Tochter.

Er rief dem Chauffeurhalt!" zu, Der unwillkür­lich gehorchte. Dann riß er die Wagentür auf, stieg, ohne zu fragen, ein und setzte sich den beiden gegen­über. Inge tat einen kleinen Schrei, und er nahm ihre Hand und küßte sie. Erst ein unwilliges Brum­men Brodersens brachte ihn zur Erkenntnis der un­gewöhnlichen Lage.Ich bin Kurt Grotteck. Sie haben mich hier wohl nicht vermutet?"

Er fragte nicht, ob man ihm erlaube, mitzufahren. Er küßte nur erglühend vor Glück Inges Hand, die sich ihm nicht entzog.

Grotteck?" wiederholte Brodersen langsam, als müßte er sich erst auf den Träger dieses Namens besinnen.Wie kommen Sie denn hierher? Ich glaubte Sie auf Ihrem Gut?' Das klang nicht sehr ermunternd.

Er lachte hellauf.Ich machte diesen kleinen Ab­stecher und bin glücklich, Sie getroffen zu haben."

Inge blickte ängstlich auf ihren Vater, als Grot­teck ihre Hände küßte. Spielte sie die grausame Ko­mödie noch weiter? Noch heute mußte das ein Ende haben. Alles mußte klar werden zwischen ihnen, alles, auch dies. Aber vorläufig hatte er noch genug mit diesen kleinen, festen Händen zu tun, die zärtlich suchend in den seinen lagen und bebten. Nie hatten zwei liebende Menschen in der Stunde, da sie sich fanden, so wenig Worte gebraucht.

Die Fahrt war nur kurz. Brodersens wohnten in der großen Karawanserei bes Grand Hotel. Dieses

Donnerstag, 8. November (928

fetzt. Wegen Der besseren Leistungsausnutzung wird die hängende Q3entitt>auart bevo zugt. Zur Zündung wird überwiegend die zuve lässigere Magnetzündung benutzt.

Im KupplungZ- und Getriebebau sowie in den Schaltungen findet man verschiedene Ausfüh­rungen nebeneinander, Denen je nach Größe oder Dem Verwendungszweck der Vorzug gegeben wird. Für Den Hinterachsant ieb wird ausschließlich Das Kegclradausgleichgetriebe verwendet-

Auch im Rutzkrastwagen bürgert sich die Schraubenlenkung mehr und mehr ein, Doch hat Die Schneckenlenrung noch die Oberhand. Etwa Doppelt so viele Wagen haben Die Steuerung auf Der linken Seite wie auf Der rechten, was wohl hauptsächlich auf Die Omnibusse zurückzu- führen ist, Die meist Linkssteuerung haben. Be­merkenswert ist, Daß überwiegend die Vier­radbremse eingeführt wurde, Die bei den großen Massen und GeschwinDigkeiten, mit denen Die neuzeitlichen Ruhfahrz.-uge auSgestattet sind, unbedingt erforderlich scheint. Besondere Beach­tung verdienen dabei die Druck- oder Saugluft- bremsen, die auch für Anhänger in Frage kommen.

Bei Den Lastkraftwagen sind die gangbarsten Muster die Zwei- bls Fünftonner, wäh­rend bei den Omnibussen die mit 30 bis 40 Sitz­plätzen die begehrtesten s'.nd. Für den Großstadt­verkehr kommen aber auch ganz große Drei­achser mehr und mehr auf, die bis zu 80 Sitz­plätzen aufweisen.

Diese älebersicht will nur in großen Zügen zeigen, wohin Die Entwicklung der letzten Jahre geführt hat. Auf Einzelheiten wird rwch zurück­zukommen sein. Schon jetzt kann man aber getrost sagen, daß sich die deutsche Kraftfahrzeugindustrie eine maßgebende Stellung errungen hat und Den Wettbewerb mit Dem Ausland nicht zu scheuen braucht.

Kirche und Schule.

wg. Schotten, 7. Rov. Die Geistlichen des Evangelischen Del anais Schotten versammelten sich hier zu ihrer letzten dies­jährigen Konferenz, die in Der üblichen Weise durch Pfarrer B r e u n I i n , Burkhards, eröffnet wurde. Rach Bekanntgabe Der amtlichen Ver­fügungen durch Dekan V o l p , Laubach, erfolgte eine längere Aussprache über die bevorstehenden Wahlen der Kirchenvorstände, des Dekanatstages und des Landeskirchentages. Sodann hielt Pfar­rer T r a p p , Lllrichsteig, ein Referat über Mar- cion, den berühmten Theologen des 2. Jahrhun­derts. Infolge des Wegzugs von Pfarrer Zimmer, Breungeshain, aus dem Dekanat, der viele Jahre hindurch mit hingebungsvoller Treue den Dekanats-Erziehungsver- e i n geleitet hatte, mußte die Leitung dieses Ver­eins neu geregelt werden, was in Der Weise ge­schah, daß die nördliche Hälfte des Dekanats nun von Pfarrer Travp, Ulrichstein, und die süd­liche Hälfte des DeranatS von Pfarrer Fritsch, Herchenhain, übernommen wurde. Die infolge des großen PfarrermangelS in manchen Gemeinden ein getretene mangeujafle geistliche (Versorgung scheint demnächst behoben zu werden. Mit Der (Verwaltung der vakanten Pfarrstelle Drsunges- hain-QSusenborn wurde Pfarrverwalter älhl. bisher in Hitzkirchen, beauftragt. Auch steht die Wiederbesetzung Der Pfarrstelle Eschenrod, welche von Wingershausen auS mitversehen wurde, un­mittelbar bevor. Als einzige unbesetzte Pfarr­stelle ist noch Sellnrod vorhanden, welche Ge­meinde zur Zeit von Babenhausen H aus pa- storiert wird, ein Zustand, der aber dringend Der Abhilfe bedarf. Man hofft, daß auch hier noch vor Winter eine befriedigende Regelung er­folgt.

Kirchliche Nachrichten.

Israelitische Kdigionsgetneinbe. Gottesdienst in der Synagoge (Südanlage). Vorabend 4.45 Uhr; mor­gens 9; Predigt; abends 5 und 5.40.

Israelitische Religionsgesellschaft. Sabbatseier den 10. November. Freitag abend 4.25 Uhr; Samstag vormittag 8.30; Predigt; nachmittags 3.30; Sab­batausgang 5.40. Wochengottesdienst morgens 6.45; abends 4.30.

Hotel hatte er auch angefragt, aber man hatte es anscheinend nicht für nötig gefunden, sich seinet­wegen zu bemühen. Vielleicht hatte man üm auch nicht verstanden.

Grotteck sprang aus dem Wagen und half Inge beim Aussteigen. Als er auch ihrem Vater helfen wollte, trat sie hinzu. Aber er hatte schon den Arm des Blinden erfaßt und führte ihn ins Hotel.

In Der Vorhalle blieb Brodersen stehen, den Arm mit einer trotzigen Bewegung abschüttelnd.Vielen Dank", sagte er mit einer merkwürdig verschleierten Stimme.Aber ich bin noch nicht so alt, wie Sie zu glauben scheinen."

Er stand aufrecht, das Gewühl Der Halle über­ragend, und suchte mit einer Gebärde, die Grottcck schon kannte, nach Inge, die erblassend zu ihm ttctt.

Leider kann ich Sie nicht in unsre Zimmer ein­laden. Ich habe noch eine wichtige Konferenz vor. Eine geschäftliche. Aber wir werden ja wohl morgen das Vergnügen haben." Er lüftete leicht den Hut und ging an Inges Arm zum Aufzug.

Grotteck folgte beklommen. Als die beiden in den Lift einftiegen, fing er einen Blick Inges auf, und er wußte gleich, was dieser Blick bedeutete:Warte auf mich. Ich komme."

Langsam ging er in das Schreibzimmer, das um diese Stunde ziemlich leer war. Fast wäre er gleich wieder umgekehrt: am Schreibtisch stand Blinsly, bleich, erregt, mit flatternden Händen auf einen gut gekleideten Herrn einredend. Er mußte sehr beschäf­tigt fein, daß er ihn nicht gleich erkannt hatte.

Er setzte sich ihm gegenüber, durch die seitlichen Milchglaswände gedeckt, und hielt Den Temps vor sich. Der dort gelegen hatte.

Er konnte nichts verstehen, Da beide russisch spra­chen. Sie unterhielten sich gedämpft, aber jebes Wort schien mit Elektrizität aeladen. Er sah, daß Blinsky die Fäuste ballte und den andern mit heftig sprudelnden Worten beschwor. Er hatte seine Maske der Undurchsichtigkeit abgeworfen oder vergessen, unD er hatte auch sein gleichmäßiges japanisches Lächeln verloren.

Ein dritter näherte sich, ein langer Mensch mit Sommersprosien. Die beiden schwiegen und blickten ihn erwartungsvoll an.Slowo" sagte er leise.

(Fortsetzung folgt.)